Rom, 13. April. Der erste Separatzug mit sechshundert spanischen Pilgern, welche auf dem Landwege reisten, ist ohne Zwischenfall hier eingetroffen.
Rom, 13. April. Die Blätter melden, daß heute wiederum eine Bombe in der Nähe des Coloffeums aufgefunden wurde. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen, darunter die des Begleiters des vorgestern verhafteten Individuums, bei dem eine Bombe vorgefunden worden war, vor. Die Blätter berichten ferner, die Polizei sei einer anarchistischen Vereinigung, die das Bombenwerfen betreibt, auf der Spur.
Christiania, 13. April. Der Kronprinz richtete an den Chef des norwegischen Hofes folgendes Schreiben: „Bei meiner Rückkehr aus dem Auslande erfuhr ich zu meiner großen Verwunderung und Bedauern von der Dtscussion, welche vergangenen Montag im Storthing bei der Berathung metner*Apanage stattfand, und von dem vorläufigen Beschluß anläßlich dieser Frage. Ich finde es im Widerstreite mit meiner Stellung und Würde, mich in irgend welche Dtscussion einzulaffen oder die mir zugeschrtebene Aeußerung zu demen- tiren. Abgesehen davon, würde ein solcher Schritt meinerseits immer als Mittel, mir die Apanage zu sichern, betrachtet werden. Auf solche Bedingungen hin will ich sie nicht und kann sie nicht annehmen. Welches auch das Resultat sein wird, meine Liebe für Norwegen und meine Gefühle für das norwegische Volk werden immer dieselben bleiben. Ich bitte Sie, diesen Brief zu veröffentlichen. Gustav."
Depeschen des Bureau .Herold".
Berlin, 13. April. Nach den Hochzeitsfeierlichkeiten in Coburg wird Kaiser Wilhelm zunächst nach der Wartburg zur Auerhahnbalz reisen und sich von da nicht direct nach dem Neuen Palais begeben, sondern vorerst noch auf einige Tage von der Wartburg aus der Besitzung des Grafen Görtz einen Jagdbesuch abstatten.
Berlin, 13. April. Nach neueren Nachrichten trifft die Kaiserin mit den kaiserlichen Kindern am 28. April aus Abbazia auf der Wildparkstation ein und wird sich von dort zu längerem Aufenthalte nach dem Neuen Palais begeben.
Berlin, 13. April. Dem auf der Rückreise nach Ostafrika begriffenen Oberführer der Schutztruppe, Freiherrn von Manteuffel, wird wahrscheinlich, wie die „Kreuzzeitung" erfährt, für den abberufenen Major v. Wrochem die Stellvertretung des Gouverneurs übertragen werden.
Berlin, 13. April. Im Unterrichtsministerium wird ein Verbot der Führung des Doctortitels für Preußen vorbereitet, sofern derselbe nach minder strengen Vorschriften als denjenigen der preußischen Universitäten verliehen worden ist.
Wien, 13. April. Kaiser Wilhelm traf um 11 Uhr, von Kaiser Franz Joseph und sämmtlichen Erzherzögen empfangen, ein. Kaiser Wilhelm küßte zweimal den Kaiser Franz Joseph, dann die Erzherzöge. In offener Hofequipage erfolgte die Fahrt zur Hofburg. Kaiser Wilhelm, der von der südlichen Sonne tief gebräunt ist, trug österreichische Husarenuniform, Kaiser Franz Joseph und die Erzherzöge preußische Uniform. Fortgesetzte enthusiastische Hochrufe begleiteten die beiden Herrscher auf ihrer Fahrt zur Hofburg.
Wien, 13. April. Kaiser Wilhelm wird nach der Hofoper die Herren der deutschen Botschaft zu Thee und Bier einladen.
Wien, 13. April. Beim Frühstück im Offiziercastno des 7. Husarenregiments brachte der Regiments- Oberst einen längeren Toast auf den deutschen Kaiser aus. Kaiser Wilhelm antwortete, daß es ihn unendlich gefreut habe, sein Regiment besuchen zu können. Er sei sowohl von der Mannschaft, als auch vom Pferdematerial außerordentlich befriedigt. Seit dem Distanzritt Wien - Berlin habe die Cavallerie große Fortschritte gemacht. Die deutsche Cavallerie habe von der österreichischen viel gelernt. Der Kaiser leerte sodann sein Glas auf das Wohl des obersten Kriegsherrn, des Kaisers Franz Joseph, seines Kameraden und auf das Wohl seines Regimentes. Mit dem Sieger beim Distanzritt Berlin-Wien, Grafen Starhemberg, unterhielt sich Kaiser Wilhelm längere Zeit. Auf die Frage des Kaisers: „Nun, lieber Starhemberg, wie viel Kilo reiten Sie?" antwortete dieser: „62, Majestät." Der Kaiser machte Starhemberg eine silberne Tabatiere mit dem Buchstaben W in Brillanten zum Geschenk. Nach dem Frühstück wohnte der Kaiser noch einigen Hebungen des Regiments bei und fuhr dann bei sämmtlichen Erzherzogen und Erzherzoginnen vor, um denselben Besuche abzustatten. Später begab sich der Monarch nach der Kapuzinergrust, woselbst er am Grabe beS Kronprinzen Rudolf ein stilles Gebet verrichtete und einen Kranz niederlegte. Nach der Rückkehr empfing Kaiser Wilhelm die Besuche der Mitglieder des Kaiserhauses. Um 6 Uhr findet Galadtner, um x/28 Uhr Festvorstellung in der Hofburg statt.
Wien, 13. April. Kaiser Franz Joseph hat dem Prinzen Reuß, dem hiesigen deutschen Botschafter, das Großkreuz des Stephanordens in Brillanten verliehen.
Söien, 13. April. Bei der Abreise des deutschen Kaisers wird die ganze Wiener Garnison, einschließlich der Offiziere, Parade uni form anlegen.
',-Z Wien, 13. April. Kurz vor der Ankunft des deutschen Kaisers wurde ein verdächtiger Mann arretirt, der sich auf dem Perron des Südbahnhofes in den für die allerhöchsten Herrschaften reservirten Raum eingeschlichen hatte. Der Mann behauptete, Bahningenieur zu sein- er habe sich nur deshalb in den Raum eingeschlichen, um den deutschen Kaiser sehen zu können.
Rom, 13. April. Nach der officiösen „Riforma" Hal es sich bei dem angeblichen Interview des „Figaro"» Correspondenten nur um eine Privataudienz gehandelt, die König Humbert demselben gewährt habe. Ein politisches Thema habe der König nicht berührt, nur lediglich einige höfliche Redensarten an die Adresse Frankreichs etngeflochten.
Paris, 13. April. In St. Denis hat die Pölzet ein Lager von Explosivstoffen entdeck:. Das Lager befand sich 100 Meter von der Eisenbahnlinie Paris Lille und enthielt zahlreiche Gefäße, Blechbüchsen mit grünem Pulver, Chemikalien, sowie eine zur Explosion fertig geladene Bombe. Die Polizei hat alles nach Paris gebracht, nachdem sie mehrere Tage vergeblich auf der Lauer gestanden hatte, um eventuell das Lager aufsuchende Anarchisten abzufassen.
Rewyork, 13. April. Das anhaltende Unwetter fordert immer zahlreicher seine Opfer. An der Küste treiben mächtige Schiffstrümmer. Im atlantischen Ocean ist durch die große Zahl der umhertreibenden ungeheuren Eismassen die Schifffahrt sehr gefährdet.
Rewyork, 13. April. Tausende von Arbeitern aus den Jndustriebezirken Pennsylvaniens sind nach Washington auf» gebrochen, wo eine Massen-Demonstration beabsichtigt wird, um die Regierung zur Ergreifung von Maßregeln zur Abhilfe des unter der Arbeiterbevölkerung herrschenden Elends zu veranlaffen. ______________________________
Cocales rrnd provinzielles.
Hießen, den 14. April 1894.
* * Sitzung Großh. Handelskammer vom 12. April 1894. Anwesend die Herren Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Homberger, Kraatz und Wo rtmann. Der der Kammer von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz zur Begutachtung vorgelegten, an den Bundesrath gerichteten Petition des Vorstandes des kaufmännischen und gewerblichen Hilfsvereins für weibliche Angestellte in Berlin beschloß man sich anzuschließen, insoweit darin die Gleichstellung der Kündigungsfristen für Prinzipale und Angestellte, sowie die Einführung einer Minimalkündigungsfrist von vier Wochen (vorn ersten des Monats bis zum ersten des folgenden Monats) gefordert wird. Mit dem dritten in genannter Petition gemachten Vorschläge, daß dem Handlungsgehilfen vom Tage der Kündigung bis zur Erlangung einer neuen Stellung behufs Bemühung um eine solche täglich eine Stunde freigegeben werde, konnte man sich nicht einverstanden erklären, da die Kammer einmal für eine gesetzliche Regelung dieser Frage ein Bedürfniß in Handelskreisen als nicht vorliegend erachtete, dann aber auch befürchtet, daß mit dieser Vergünstigung leicht Mißbrauch getrieben werden könnte. Die ebenfalls der Kammer zwecks Prüfung mitgetheilten Vorschläge des Verbands reisender Kaufleute Deutschlands zur künftigen Revision des Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuchs bezogen sich vorwiegend auf die Stellung der Handlungsreisenden zu ihren Prinzipalen, sowie auf die Einführung gesetzlicher Bestimmungen über die kaufmännischen Agenten. Die Kammer nar, meist an der Hand practischer Erfahrungen, in der Lage, sich über Jammt» liche Gegenstände gutachtlich äußern zu können. — Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz theilt der Kammer einen Auszug aus dem Jahresberichte des Kaise r l. Vice-ConsulatS Quezaltenango für das Jahr 1893 mit, um denselben etwaigen Interessentenkreisen zugängig zu machen. Es sind darin über die mangelhafte Verpackung deutscher, zum Export bestimmter Maaren Klagen geführt und Rathschläge für die Herstellung einer allen Anforderungen genügenden Waarenverpackung ertheilt. Dieselben liegen den Interessenten, welche man zur eingehenden Instruction in dieser Hinsicht auch auf die in dem Consular - Reports (Vol. 44 Nr. 160) des Staatsdepartements in Washington veröffentlichten Berichte der Consuln der Vereinigten Staaten hinweist, auf dem Büreau der Kammer zur Kenntnißnahme offen. Letztere ist zur näheren Auskunftsertheilung hierüber, ebenso wie über weitere ihr zugekommene Mittheilungen über zweifelhafte Firmen im Ausland, insbesondere der Türkei und Großbritanien, gerne bereit. — Das Bank und Speditionshaus Knauth, Nachod u. Kühne in Leipzig und New-Aork stellt gelegentlich der demnächstigen Einführung des neuen Zolltarifs der Vereinigten Staaten für den Exporthandel nach letzteren feine Dienste hinsichtlich der Spedition und Verzollung von Waarensendungen, namentlich der Empfangnahme letzterer in Consignation, den Exporteuren zur Verfügung. — Der Gastwirtheverein für Friedberg und die Wetterau bittet die Kammer um Stellungnahme gegen die von der Regierung beabsichtigte Wiedereinführung der Weinsteuer für die Finanzperiode 1894/97. Die Kammer hat sich bereits gelegentlich anderer dahingehender Petitionen durch eine Eingabe an die Zweite Ständekammer gegen dieses Project erklärt und wurde den Petenten entsprechende Mit- theilung gemacht. — Der Vorsitzende berichtet sodann über die am 29. v. Mls. in Darmstadt stattgefundene Sitzung des hessischen Eisenbahnbeiraths, welche ausschließlich der Revision der Sommerfahrplan - Entwürfe der Main- Neckar-Bahn, Hess. Ludwigs-Bahn und Oberhessischen Bahnen galt. Den Directionen der beiden erstgenannten Bahnen hat es beliebt, einige Personenzüge ausfallen zu lassen (anstatt den Sommerfahrplan reicher auszustatten), welche Maßregel zu scharfen Protesten Veranlassung gab, sodaß zu erwarten ist, Großh. Ministerium werde die geplanten Verkehrserschwerungen nicht zulassen. Um berechtigten Wünschen bezüglich der Fahrpläne der Oberhessischen Bahnen nach Möglichkeit zu entsprechen, wurde es von Seiten des Herrn Regierungsvertreters als zweckmäßig erachtet, daß die Direction derselben alsbald eine Revision des Fahrplan- Entwurfs, unter Zuziehung des Herrn ProvinzialDirectors Freiherrn v. (Sagern, des Herrn Oberbürgermeisters Gnauth und des Vertreters der Handelskammer, vornehme.
* * Wohlthätigkeit • Concert, Donnerstag ben 26. April. Nach langer Pause sind wir heute in der angenehmen Lage, unseren Lesern von einem größeren musikalischen Unternehmen berichten zu können. Der Sängerkranz hatte anläßlich seines Stiftungsfestes im verflossenen Winter unter Franz Bauers Leitung, im engeren Kreise „Die Erste Walpurgisnacht" von Mendelssohn zu Gehör gebracht. Die vorzügliche Aufführung machte schon damals allgemein den
Wunsch laut, dieses prächtige Chorwerk (gemischter Chor) durch Wiederholung in einem öffentlichen Concert weitere« Kreisen zugänglich zu machen. Der Sängerkranz hat m dankenswerther Weise dieser Anregung entsprochen und sich entschlossen, damit gleich der Wohlthätigkeit zu dienen. Die Walpurgisnacht ist kein Abend füllendes Werk, eS werden also weitere Gaben aus dem Gebiete der Orchester- und Männergesangsliteratur hinzutreten. Das musikalische Publikum wird dieses schöne, edle Unternehmen zweifellos mit Freuden begrüßen und sein Jntereffe daran durch einen Besuch des Concertes betätigen. In den nächsten Tagen werden wir im Jnseratentheil alles Nähere bringen.
* * Hessischer Feuerwehrtag. Die Festlichkeiten zum hessischen Feuerwehrtage finden am 11., 12. und 13. August in Gießen statt. Näheres wird noch bekannt gemacht.
* * Feuer. Seit heute Vormittag 8 Uhr wüthet in Großen-Linden ein größeres Schadenfeuer. Heber den Umfang desselben konnten wir Näheres noch nicht erfahren.
* * Zur Theiluahme au den Eiuzugsfeierlichkeiteu in Darmstadt gehen Seitens vieler Korporationen, wie der Kriegervereine, der Gießener Studentenschaft, der Schützen rc. aus vielen hessischen Orten fortwährend zahlreiche Meldungen zur Betheiligung an der Spalierbildung reff), an dem nach Aufhebung des Spaliers sich bildenden Zuge ein (etwa 10 Minuten nach Vorbeifahren des Großherzoglichen Paares und des Hofstaates formieren sich die Spalierstehenden in geordneten Reihen zum Zuge). Es steht so zu erwarten, daß ein ungeheuerer Menschenstrom sich von allen Seiten nach der festlich geschmückten Residenz in Bewegung setzen wird. Mit den Vorbereitungen zur Ausschmückung hat man schon an vielen Stellen begonnen; ebenso wie diese eine allgemeine und großartige zu werden verspricht, wird es auch mit der Illumination der Fall sein.
* * Au die freiwilligen Feuerwehren des GroßherzogthumS ist von Seiten der Darmstädter Wehr eine Einladung zur Betheiligung an den Empfangsfeierlichkeiten beim Einzuge Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs nebst Gemahlin ergangen. Dieser Einladung wurde von überall her zahlreich entsprochen, so daß die freiwilligen Wehren, welche selbstverständlich in Uniform erscheinen, in stattlicher Anzahl vertreten sein werden. Die Darstämdter Wehr hat für den Einzugstag die Capelle Engel engagirt und wird Morgens 9 Uhr vom Hofe der Realschule aus mit ihren Spielleuten und der Musik nach den Bahn» Höfen ziehen und die auswärtigen Kameraden abholen. Nachmittags von 3 bis 7 Uhr Concert und gemüthliches Zusammensein in Ritserts Saal resp. Garten. Die Wehren, welche mit anderen Gelegenheiten ankommen, werden ersucht, sich im Hofe der Realschule, oder an den Bahnhöfen einzufinden, von wo aus nach dem Aufstellungsplatz marschirt wird.
* * Die Postillone aus dem Großherzogthum, welche bei dem Einzuge des Allerhöchsten Paares am 20. d. Mts. vor dem Wagenzuge herreiten werden, sind bereits in Darmstadt zusammevgezogen und halten täglich Hebungen im Reiten und Posthornblasen. Die Pferde für dieselben werden von der Cavallerie gestellt.
* * Gebrauchsmuster-Eintragungen. Zimmerofen mit einem mit der Feuerthür zwangläufig verbundenen Luftzusührungs- schieber, Eisenwerk Hirzenhain H. R. Buderus in Hirzenhain, 22. Februar 1894. Faßverschluß, bestehend aus einer Büchse mit Nasen und Nuten am unteren Rand und einem Spund mit Querriegel, Wilhelm Habicht, Bau- und Maschinenschlosserei in Schlitz, 6. Dezember 1893.
* * lieber den Bahnunfall bei Kinzenbach wird von Augenzeugen Folgendes berichtet: Auf der Bahnstrecke befindet sich kurz hinter Kinzenbach, nahe bet der Haltestelle „Abendstern" ein Hebergang, der, da auf der Bahn der Secundärbetrieb eingeführt ist, nicht überwacht wird. Dieser Hebergang wurde zu der oben genannten Zeit von einem mit 2 Kühen bespannten Fuhrwerk passirt, während zugleich ein Güterzug sich derselben Stelle näherte. Von Selten des Zugpersonals wurde alles Mögliche gethan, um den Führer des Fuhrwerks, welcher auf demselben saß, auf das Heran- nahen des sehr langsam fahrenden Zuges aufmerksam zu machen- cs wurden Warnungssignale mit der Dampfpfeife der Locomotive gegeben, die Glocke der Maschine läutete in verstärktem Tempo — allein es half Alles nichts. Der Mann scheint entweder fest eingeschlafen gewesen zu sein oder sich zur Zeit nicht im Besitze eines normalen Hör- und Sehvermögens befunden zu haben. Er fuhr nicht weiter und so erfolgte denn, trotz des Bemühens, den Zug noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen, ein Zusammenstoß, bet welchem beide Kühe des Fuhrwerks getödtet, das letztere zertrümmert und der Führer des Wagens verletzt wurde. Nach dem Zusammenprall fuhr die Maschine nur noch wenige Schienenlängen weiter, dann blieb sie stehen. Nach dem, was bis jetzt über den Vorfall bekannt ist, dürfte es als feststehend anzusehen sein, daß das Zugpersonal eine Schuld an dem bedauerlichen Hnfall nicht trifft- von seiner Seite ist alles Mögliche gethan worden, um das HnglÜck zu verhindern. Am wahrscheinlichsten dürfte die Annahme fein, daß der Mann leichtsinniger Welse auf seinem Wagen geschlafen hat- für diesen Umftanb spricht auch eine Aeußerung, die er nach seinem Sturz auf den Erdboden gethan haben soll: „Was ist denn da Passirt", — soll er ganz verwundert gemeint haben.
-1-. Daubringen, 14. April. Wie aus sicherer Quelle verlautet, wird unser zweiter Lehrer, Herr Eimer, bald von hier scheiden, und eine Lehrerstelle in Altendorf a. d. Lda. übernehmen. Herrn Eimer, ein solider, ordnungsliebender Mann, der nicht nur während der Hnterrichtsstunden ein wachsames Auge für feine Schüler hatte, dürften auch die Herzen in feiner neuen Gemeinde Allendorf bald zugethan sein.
X Grebenhain, 5. April. Heute fand zum ersten Mal die seither in Lauterbach abgehaltene Aushebung der Rekruten statt. Ein Handelsmann, der an einem, mit laut singenden jungen Leuten besetzten Wagen vorbeikam,


