Ausgabe 
15.4.1894 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

I

Werkzeug, Rohstoffen, Instrumenten usw. erhöhen soll. Aber soviel ist sicher, daß durch die Verminderung des Bedarfes die Calamität noch viel schwieriger werden würde, also wird die naturgesetzliche Weiterentwickelung wohl in einem größeren Consum zu erblicken sein, und das colossale Angebot aller Waaren bei gleichzeitigem Sinken der Preise dürste die Be­dingungen schaffen, daß der Consum auch größer wird. Tritt aber diese Entwickelung erst deutlich hervor, dann muß ^sich in allen Kreisen das Geschäftsleben heben, denn eine vermehrte Nachfrage auf einem Gebiete zieht stets eine ganze Reihe vermehrter Nachfragen auf anderen nach sich.

Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt, 12. April 1894.

Die Sitzung wird heute um Uhr eröffnet.

Die Generaldebatte über das Ministerium der Finanzen, Cap. 102, Ministerium selbst, wird eröffnet.

Finanzminister Weber erklärt, daß sich die Regierung im Wesentlichen mit den vom Ausschuß gesteckten Anträgen einverstanden erklären könne, bedauert aber, daß der Ausschuß die zwei Stellen für juristische Mitarbeiter im Ministerium gestrichen habe. Das Finanzministerium bedürfe eines juristischen Ralhes und man habe nicht daran gedacht, nur Durchgangsstellen zu schaffen.

Die Abg. Metz-Gießen und Wolz bitten, der Finanz- Ausschuß möge diese Beschränkung fallen lassen, um dem Finanzministerium nicht die nothwendigen Kräfte zu entziehen.

Abg. Berg st räßer fragt die Regierung nach dem Stand der Nebenbahnprojeete.

Ministerialrath Michel gibt dem Hause Kenntniß von dem Stand der Vorarbeiten über sämmtliche Nebenbahn­projeete. Hieraus geht hervor, daß die Regierung, soweit es an ihr lag, die Sache in hinreichendem Maße ge­fördert hat.

Abg. Osann bespricht zunächst die Nebenbahnen und hätte im Interesse der Sache gewünscht, daß etwas rascher damit verfahren worden wäre. Ferner bespricht derselbe die Organisation des Ministeriums, das er für zuviel deeentra- lisirt hält. Er wünscht ein verantwortliches Staatsministerium, wie solches in Preußen mit Erfolg bestehe.

Finanzminister Weber gibt zunächst Kenntniß von dem Stand der Nebenbahnen und daß es in der kurzen Zeit von vier Jahren nicht möglich sei, alle Wünsche zu befriedigen. Bezüglich des verantwortlichen Staatsministeriums ist er anderer Ansicht wie Herr Osann. Dieser Posten, wenn ordentlich ausgesüllt, übersteige die Kräfte eines einzelnen Mannes. Dann würde derselbe nur noch ein Scheinminister sein, falls er es nicht thue. Er sei für Deeentralisation der einzelnen Ressorts, wofür dann jeder Minister verant­wortlich sei.

Abg. Heidenretch dankt der Regierung für die För­derung der Bahn Weinheim-Fürth.

Gras Oriola interpellirt die Regierung über die auf den preußischen Bahnen eingeführten Harmonika-Züge.

Hiermit ist die Debatte beendigt.

Unter Abstrich der Gehalte für zwei weitere vortragende Räthe im Ministerium mit 11 700 Mk. werden im Ganzen 380759 Mk. genehmigt, ebenso Cap. 103, Porto und Tele­graphengebühren mit 63000 Mk., Cap. 104, Allgemeine Kosten im neuen Canzleigebäude 14450 Mk., Cap. 105, HauptstaatSkaffe mit 90 207 Mk., Cap. 106, Streitige Rechts­verhältnisse und Proeeßführung 1500 Mk., Cap. 107, Rent­ämter mit 68162 Mk.

Zu Cap. 108, Local- und Cameralverwaltung des Großh. Hauses, beantragt der Ausschuß, 188 772 Mk. zu verwiegen mit der Auflage an den Pächter des Hofguts Neu-Ulrichstein, daß derselbe die gewährte Vergütung von 5000 Mk. für

hause und in einer Waldgegend des Odenwaldes abspielen. Allseitiger Beifall lohnte den Autor und die Darsteller für ihre hervorragenden Leistungen. Die ganze Veranstaltung gereicht dem Odenwaldclub zur Ehre und allen Theilnehmern zur freudigsten Erinnerung.

Eine Festivität im großen Stile bot am letzten Montag auch der Mozartverein unter Mitwirkung der Großh. Hofmusik. Das Programm des Concertes war sehr geschmack­voll zusammengestellt und bot des Interessanten Vieles, vor Allem gehört dahin ein Werk Wagners, das hier noch nicht gehört wurde, es ist dies dasLiebesmahl der Apostel", eine Cantate, die im Jahre 1843, zwischenHolländer" und Tannhäuser" entstanden ist. Auch sonst dürfte gerade diese Komposition wohl zu den wenigst bekannten des Meisters zählen, da der coloffalen Schwierigkeiten halber nur Männer­chöre allerersten Ranges an eine Aufführung derselben denken können. Der Inhalt des Textes zeigt die zagenden Jünger im Begriffe, zu Jerusalem ein Gedächtnißmahl des Heilandes 4U feiern, als die Apostel mit der Kunde kommen, neue Ver­folgungen seien beschlossen und so alle in die größte Ver­zweiflung bringen. Sie beten inständig zu ihrem Herrn um Hülfe, die bann durch einen wunderbaren Chor der Engel zugesagt wird mit den Worten: Seid getrost, ich bin Euch nab und mein Geist ist mit Euch! Neu gestärkt feiern die Jünger das Mahl und geloben, hinauszuziehen, um den Völkern das Evangelium zu verkünden. Die Musik des Werkes zeigt in der Art, wie sie auf den Hörer wirken soll, eine geradezu beispielloses Raffinement nach einem circa 25 Minuten andauernden, wirklich anstrengend monoton ge­haltenen Vocalsatz, der, offen gestanden, den Hörer furchtbar ermüdete, bricht bann bas Orchester mit eminenter Wucht herein und reißt so Jeden mit sich fort. Der künstlerische und finanzielle Erfolg der Aufführung war in jeder Hinsicht glänzend und entschädigte die gewaltige aufgewandte Mühe reichlich, weshalb der Mozartverein mit Stolz auf diese Ver­anstaltung zurücksehen kann.

Verbesserungen daselbst für die Dauer seiner Pachtzeit jährlich mit 5pCt. verzinse.

Diesem Antrag widerspricht Finanzminister Weber aus Billigkeitsgründen.

Abgg. Wolfskehl und Haas sind anderer Ansicht. Eigentlich n olli'e der Ausschuß gar keinen Beitrag verwilligen, da diese Anstalten keine Bedeutung hätten.

Abg. Jöst und seine Freunde sind für Strich. Er erblickt in den Arbeitercolonien die Bestrebung, gewisse sociale Erscheinungen zu verdunkeln.

Der Antrag des Ausschusses wird gegen drei Stimmen angenommen.

Hiermit ist die Tagesordnung erschöpft. Morgen früh 9 Uhr Sitzung.

Coeafc* uitfc prot>itt3teOes»

Gießen, den 14. April 1894.

** Auszeichnungen. Seine Königliche Hoheit der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, dem Octroi Jnspector Lorenz Jost in Gießen das Silberne Kreuz des Verdienst­ordens Philipps des Großmüthigen, und dem Kutscher Adam Schneider, in Diensten der Familie Freiherrn vonNordeck zur Rabenau in Friedelhausen, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für Verdienste" zu verleihen.

** Militär-Transport. Eine aus mehreren Offizieren und ca. 450 Mann bestehende Landwehr-Abtheilung des Sächs. Fußartillerie-Regiments Nr. 12 kam gestern Abend IOV2 Uhr vom Schießplatz Wahner Haide hier an. Nach 20 Mtn. Aufenthalt erfolgte die Weiterfahrt nach Dresden.

** Zur Warnung für Militärpflichtige. Der zuletzt in Höchst a. M. beschäftigte Postassistent B. aus Seligenstadt, welcher sich am Mainzer Gymnasium die Berechtigung zum Einjährigendienst erwarb, wurde vor zwei Jahren beim Militärersatzgeschäfte wegen Mindermaßes zurückgestellt. In Gießen, wohin er im Vorjahre von Mainz aus versetzt wurde, war gerade das Rekrutirungsgeschäft beendet und B. ver­säumte, sich daselbst vorschristSgemäß bei der zuständigen Behörde zu melden. Dagegen stellte er sich am letzten Freitag wiederum zum Musterungsgeschäfte in Mainz, wurde jedoch als unsicherer Heerespflichter sofort in das dort garnii'onlrenbe Infanterie Regiment Nr. 117 eingestellt. Die vorgesetzte Postbehörde wurde alsbald durch die Militär­verwaltung hiervon verständigt. Da B. auch versäumt hatte, rechtzeitig von seinem Berechtigungszeugniffe Gebrauch zu machen, so geht er auch der Einjährigen-Begünstigung verlustig und muß mindestens zwei Jahre dienen. Wegen Mindermaßes wäre B. jedenfalls für dienstuntauglich erklärt worden. Diese folgenschwere Selbstverschuldung mag allen Militärpflichtigen eine Mahnung sein zur genauen Befolgung militärischer Vorschriften.

** Der Getreidemarkl. Die anhaltende Trockenheit beginnt ihren günstigen Einfluß nun auch auf den einheiniischen Getreidemarkt zu äußern, nachdem bereits die Getreideberichte aus dem Auslände bei uns den Boden für eine Hausse­bewegung vorbereitet hatten. Fast auf allen Plätzen hat während der jüngsten Berichtswoche ein mehr oder minder scharf ausgeprägtes Anziehen der Getreidepreise stattgefunden, was bei Roggen wie bet Weizen und Hafer zu beobachten war. Beim letztgenannten Artikel wirkten auf die Preis­steigerung außerdem auch die Erhöhungen der russischen Forderungen mit ein. Da die gegenwärtige Witterung noch anzuhalten verspricht, so dürfte auch die Hauffeströmung auf dem Getreidemarkte weiter fortbauern. Preisnotirungen vom Berliner Productenmarkte: Weizen per 1000 Kilogramm 133145 Mk., Roggen 114124 Mk., Gerste 104180 Mk., Hafer 131 174 Mk.

Darmstadt, 13. April. Im vierten Quartal 1893 würben auf Veranlassung Großh. Polizeiamts wiederum eine Reihe von Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegen ständen mit Rücksicht darauf, ob sie den Anforderungen des Reichsgesetzes vom 14. Mai 1879 und der darauffolgenden Spezialgesetze entsprechen, durch das hiesige chemische Untersuchungsamt geprüft und begut­achtet. Die Untersuchung erstreckte sich diesmal auf folgende Gegenstände: Bier, Branntwein, Butter, Feuerwerkskörper, Geheimmittel, Gewürze, Kaffee, Kaffeesurrogate, Margarine, Mehl, Milch, Mineralwasser, Rindsfett, Trinkwaffer, Wein, Wurstwaaren und Zuckerwaaren. Wir entnehmen aus dem Gutachten Folgendes: Was die Butter betrifft, so wurde in letzter Zeit wiederholt Butter auf dem hiesigen Markte zum Verkaufe gebracht, die noch eine große Menge Käse st off und Wasser, letzteres öfters bis zu 30 pCt., enthielt. Auch wurde Butter hier angetroffen, die mit etwa 50 pCt. Margarine verfälscht war. Vom Großh. Polizeiamt wurde daher vor einiger Zeit vor dem Verkaufe derartiger käsiger, meist an dem weißen Aussehen erkennbarer Butter öffentlich gewarnt. Zum Schluffe sei noch auf die Zusammensetzung der in hiesiger Gegend in den letzten Jahren zum Verkauf gebrachten Süßweine und Weine aufmerksam gemacht, Es sind vor Kurzem Medictnal-Tokayer für Kranke, Recon- valeszenten und Kinder hier angeboten worden, die nach den Gutachten des Untersuchungsamts ein fast reines Kunstproduct waren und nur in geringer Menge überhaupt Beftandtheile von Trauben, hauptsächlich aber Stärkezucker und Alkohol, enthielten. Es ist einleuchtend, daß derartige Kunstproducte in großer Masse-in Handel kommen müssen, wenn man be­denkt, daß der ungarische Marktflecken Tokah und seine Um­gebung im Verhältniß zum Verbrauch nur eine geringe Menge Weins liefert. Es kann daher nicht genug angerathen werden, nur von guten Häusern solche Weine zu beziehen. Aehnlich ist es mit den billigen Weißweinen, den sog. Tischweinen. Es kommen mitunter Weine in Handel, die nur bis etwa 25 pCt. und weniger ÄZein- bestandtheile enthalten, aber doch anscheinend den Anforder­ungen des Reichsgesetzes über den Verkehr mit Wein u. s. w. entsprechen.

Landwirthschastliche Winke und Ratschläge.

AnS Oberhefsen, Mitte April. FrühjahrSbetrachturrgen eines oberhesfischen LandwirtheS (Schluß aus Nr. 81.)

Es ist gewiß, daß die modernen Culturstaaten sich bei den heutigen Verkehrsoerhaltnissen nicht mit chinesischen Mauern umgeben können. Der Abschluß von Handelsverträgen ist darum ganz am Platze. Aber daß Deutschland nun Überall um mit einem vulgären Ausdruck zu redendie Katze durch den Bach schleifen," oder die Pann' placken" muß, das liegt auf einer anderen Seite. Der Gedanke ist schmerzlich, darf uns aber nicht abhalten, am Wohle des Vaterlandes weiter mitzuwirken.

Viele meinen: Man hatte den Zollkrieg mit Rußland weiter fortsetzen sollen, es wäre dann schon zu Kreuze gekrochen. Wir be- zweiseln das. Die Russen sind schlaue Politiker und wissen sich zu Helsen. Wir selbst hatten sehr wahrscheinlich hintendrein ausrufen können: O weh gewonnen!

Das wir mit den Franzosen noch einmal Krieg b-kommen, gilt allgemein als seststehend. Ein Glück wäre es, wenn uns die Russen dabei nicht feindselig im Rücken stünden. Der neue Handels­vertrag bringt Deutsche und Russen einander näher, er ist also in dieser Beziehung ein Friedenswerk und das soll der deutsche Bauer nicht vergessen. Italien ist finanziell am Ende seiner Leistungs- sähigkeit angekommen. Da nach Montecuculis Ausspruche: Geld, Geld und Geld zum Kriegsühren gehört, Italien aber absolut kein Geld hat, ist seine Bundesgenossenschaft für den Kriegsfall nicht viel werth. Die Russen haben zwar auch nicht viel Geld, denn sie pumven ja in ganz Europa hemm, sie haben aber doch andere Hilfsmittel, als Italien. Was die Hilfsmittel Oesterreichs betrifft, so find die auch nicht weit her. Bei uns in Deutschland baperr eS, das weiß, jeder Fortbildungsschüler. Am tiefsten verschuldet der Zahl nach sind die Franzosen. Aber die pyrenäische Halbinsel und der kranke Mann in Constantinopcl brauchen sich auch nicht zu beklagen. Ueberaü Schulden! nichts als Schulden! Wäre es da nicht ami besten, wenn ein allgemeiner großer Krach ausbräche, so daß man gezwungen wäre, die stehenden Heere auf das geringste Maß zu« reduciren und eine ganz neue Wirtschaftspolitik zu beginnen!

Das sind Phantasieen, die aber doch einmal Wirklichkeit werben können. Wir kehren wieder zu den Schmerzen unserer Landwirthe zurück und fragen uns: Was soll der Bauer thun, damit er lebens­fähig bleibt? Viele setzen ihre Hoffnung auf ein neues Agrar» recht; es sollen Landwirthschastskammern errichtet werden; es werden Rentengüter errichtet, der Bauer soll seinen Besitz nicht mit Schulden belasten dürfen und noch manches Andere. Das sind lauter Dinge, die hier und da Helsen können, aber im Allgemeinen helfen sie nicht viel. Der ganze Weltverkehr hat sich umgestaltet fett etwa einem Vierteljahrhundert. Die Landwirtschaft hat diesen Umgestaltungen nicht so schnell folgen können und leidet nun schwer an diesem raschen Umschwung.

Sie kann sich aber helfen und muß es thun, und zwar in erster Linie fie selbst. Selbsthilfe ist Gotteshilfe! Das haben die Landwirthe in der Wetterau zum Thetl schon begriffen, als sie sich sagten: Wir können mit der seitherigen Ackerwirthschaft nicht mehr recht voran kommen; wir müssen den Boden tiefgründiger bearbeiten. Einige Fuß unter der feit hundert'»und mehr Jahren ausgemergelten Ackerkrume liegen noch Schätze vergraben, die wir heben können. Der Bau von Handelsgewächsen liefert auch bessere Körnererträge; die intensive' Boden - Bewirthschastung sichert die Culturgewachse gegen die Unbilden der Witterung. Der Wasser- reichthum des Landes kann in viel vortheilhaiterer Weise nutzbar gemacht werden, als es seith«r geschehen ist. Die Suiammenlegung der Grundstücke ermöglicht die Anwendung von landwirthschastlichen Maschinen, denn die menschlichen Arbeitskräfte werden für den Feld­bau zu theuer. Die Anlage von Feldbahnen laßt Pferdekräfte er­sparen; dazu kann die Electrtcität wesentlich rnithelfen. Die An­wendung von künstlichen Dungstoffen und Kraftfuttermitteln muß die Bodenerträge und die Erträge aus dem Viehstande bedeutend' steigern, so daß nach einigen Jahren das Doppelte aus beiden Zweigen der Landwirthschast resultirt dem gegenüber was jetzt erzogen wird. Meteorologie und Wetterkunde werden sich vervollkommnm und den- Landwirth in seinen Bestrebungen unterstützen und--der Staat

wird bei allem Mitwirken, wo cs wünschenswert und notwendig ist. So z. B. bei Einführung guter Vtehrassen, guten Saatgetreides, vorzüglicher Obstsorten, besonders geeigneter Maschinen und dgl. m.

Wenn bann Handel, Gewerbe und Industrie einen neuen Auf­schwung genommen haben und die Landwirthschast nicht zurückge­blieben ist, dann wird sich eine allgemeine Vorwärtsbewegung tnr ganzen Vaterlande kundgeben müssen. Hierzu hätten die Hanvsls-- vertrüge den Anstoß gegeben. Bitter ist nur die Uebergangszeit vom alten zum neuen Wirthsschaftssysteme und sie kann nur unter schwerer Arbeit und harten Entbehrungen erreicht werden. Es ist wahrscheinlich, daß viele wirtschaftlich Schwache dabei zu Grunde gehen und das muß mit allen Kräften verhütet werden. Die Ge-^ funden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Der kleinste Bauer soll sich dabei nicht verhehlen, daß er und seine Kinder mehr lernen müssen, als es seither der Fall war. Wer mehr gelernt hat. kann mehr leisten, Wissen ist Macht.

Sobald der Bauer mehr und billiger producirt als seither,, wird er wieder concurrenzfähig. Das kommt , dem Ganzen zu guter In den Gewerben und der Industrie spricht sich dies schon lange aus. Möbel, Kleiderstoffe, Bettwerk, Vorhänge, Teppiche, Haus- und Küchengeräthe sind in den letzten Decennien wesentlich billiger ge­worden und ermöglichen auch dem weniger Begüterten eine ange­nehmere Lebenshaltung. Die billigeren Lebensmittel werden hierzu noch ganz besonders beitragen, denn es muß auch noch gelingen, Mittel und Wege aufzufinden, daß nicht einige wenige Berufszweige den Rahm abschöpfen und der größeren Mehrzahl nur die Schlipver- milch übrig bleibt.

Das ungefähr find unsere Gedanken beim Beginn der 1894er Arbeitscampagne. Sie ließen sich noch weiter aussühren, wenn es der Raum geftattete. Für diesmal mag es genug sein. Die Land­wirtschaft wird das ist unsere feste lleberzeugung die CrisiS überstehen, sobald sie es an Fleiß, Thatkraft und Intelligenz nicht fehlen läßt.

- LebenSversichernngS»Gefettfchaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit gegr. 1830 (alte Leipziger). Es sind vom 1. Januar bis Ende März 1894 1539 Versicherungen über 11,258,200 Mk. beantragt worden, 11 Versicherungen über 480,300 Mk. mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Als gestorben wurden in derselben Zeit angemeldet 194 Mitglieder, die mit 1,352,000 Mk. versichert waren. Der Verstcherungsbestand stellte sich Ende März 1894 auf 60,000 Personen mit 411 Millionen Mk. Versicherungs­summe. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegen- seitigkeltsanstalt ist, fließen alle Ueberschüsfe den Versicherten wieder zu. Die Dividende der letzteren beträgt für die länger als 5 Jahre bestehenden Versicherungen im laufenden Jahre 42 % der ordent­lichen JahreSplämie und bei abgekürzten Versicherungen außerdem 1% der Summe der gezahlten Zusatzprämien, was mit Rücksicht auf anderweite Auslastungen über diesen Punkt hier ausdrücklich hervorgehoben werden mag. Würde eine Dividende auf die Zusatz- prSmie nicht gezahlt, so wäre der Dividendensatz auf die ordentliche Jahresprämie noch wesentlich höher als 42 %.

Waö ift der Grund der Beliebtheit von Apotheker A. Flügges Myrrhen-Eröme*) bei den Aerzten? Seine erstaunliche Wirkung bei den verschiedensten Hautleiden und Hautverletzungen I Man lese die Gutachten der Aerzte, welche vor einiger Zeit dem Blatte beigelegen haben. Erhältlich in Dosen ä Mk. 1.- oder Tuben zu 50 Pfg. in allen Apotheken.

*) Flügges Myrrhen - Eröme ist der patenttrte ölige und ver­dickte Auszug des Myrrhen-Harzes. 2211