Ausgabe 
14.10.1894 Erstes Blatt
 
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Ueber die Ursachen, weßhalb Sheng, der Taotat ton Tientsin und Duffe Li Hung Tschang's in Ungnade ge­fallen ist, werden letzt aus englischer Quelle folgende Einzel­heiten mitgetheilt. Gerade vor dem Ausbruch des Krieges wurde er beauftragt, Waffen und Munition anzukaufen. Nach der Probe erwiesen sich aber die Gewehre als völlig un­brauchbar und eine Menge Beschwerden liefen in Tientsin und Peking ein. Li Hung Tschang selbst leitete die Unter­suchung, und dabei soll sich herausgeftellt haben, daß Sheng 300,000 veraltete Gewehre von deutschen Agenten angekauft hatte, die von den europäschen Armeen als werthlos ver­worfen worden waren. Sheng bezahlte 2 Taels für daS Stück, berechnete aber dem kaiserlichen Schatzamt 9 Taels per Stück. Die Patronen waren auch nicht gut. Auch daran habe Sheng reichlich verdient. Li Hung Tschang ließ seinen Neffen kommen und hielt ihm das vor. Sheng gestand seine Schuld, und der Vizekönig entbrannte so heftig im Zorn, daß er seinem Neffen eines an die Ohren gab. Sheng wurde darauf nicht mehr in der Oeffentlichkeit gesehen. Niemand kennt seinen jetzigen Aufenthalt. Er ist wegen schlechter Gesundheit beurlaubt, so lautet die amtliche Mel­dung. Diese Mittheilungen sind mit Vorsicht aufzunehmen, da sie von interessirter Seite auszugehen scheinen.

Neueste Nachrichten.

Wolff« telegrapbtscheS Eorrcfpondarr-Bureau.

Berlin, 12. October. Die in ausländischen Blättern abgedruckte Depesche desNewyork Herald" aus Berlin vom 8. October über eine angebliche Meuterei der Reservisten des 80 Regiments ist ebenso vollständig erlogen, wie die hierauf bezüglichen Meldungen eines inländischen Blattes.

London, 12. October. Einer Reuter - Meldung aus Shanghai zufolge soll dort ein Gerücht verbreitet sein, wonach China Friedensverhandlungen angeknüpft und sich angeblich erboten hätte, die Unabhängigkeit Koreas anzuerkennen und eine Kriegsentschädigung an Japan zu zahlen.

Wilva, 12. October. Nach achttägiger Verhandlung bei verschloffenen Thüren ist nun der Proceß gegen die Leute, welche am 10. October v. Js. in Kroshi, Kreis Roszienh, die Schließung der katholischen Kirche zu verhindern suchten, beendet. Bon den 70 Angeklagten ist eine Anzahl zu Strafen von vier Monaten Gefängniß bis zu zehnjähriger Zwangsarbeit verurtheilt worden. Ferner wurden Einige zu Ärreststrafen verurtheilt und Einzelne freigesprochen. Der Gerichtshof beschloß, den Kaiser zu bitten, die zehnjährige Zwangsarbeit in einjährige Gesängnißhast zu verwandeln, die Uebrigen zu begnadigen.

Depeschen deS 8ure«u .Herolds

Köln, 12. October. Bei Duisburg stieß gestern Abend ein Güterzug mit mehreren Rangir« wagen zusammen. Der Materialschaden ist ganz be­deutend. Personen wurden nicht verletzt. Bei derselben Station fand heute Morgen ein Zusammen st des von Oberhausen kommenden Personenzuges mit einem Güterzuge statt. Hierbei sind mehrere Personen theilS schwer, theils leicht verletzt worden.

Köln, 12. October. Infolge von Lohndifferenzen mit den Bauunternehmern haben heule fämmtliche an der Herz-Jesu-Kirche beschäftigten Steinhauer die Arbeit ein­gestellt.

Preßburg, 12. October. Die Clericalen haben gegen den heule Nachmittag hier eintreffenden ungarischen Justizmini st er Szilagyi große Demonstrationen angekündigt. Seitens der Polizei wurden umfaffende Vorsichtsmaßregeln getroffen.

Paris, 12. October. Der Kriegsminister Mercier hat infolge des Grenzzwischenfalles, wo französische Soldaten mit deutschen fraternisirten, angeordnet, daß die Besatzung der Grenzgarnisonen künftig ohne besondere Erlaubniß sich nicht über die Grenze begeben darf.

Loudon, 12. October. Einer Meldung aus Tientsin zufolge schiebt die Bevölkerung dem Vicekönig Li-Hung- Tschang für alle Niederlagen, welche die Chinesen erlitten, die Verantwortlichkeit zu. In Maueranschlägen wird gegen ihn die Anschuldigung erhoben, der Armee die allernoth- wendigste Munition nicht geliefert zu haben.

London, 12. October. Eine Meldung aus Aokohoma besagt, daß das Gerücht einer Intervention der euro­päischen Mächte in Aokohoma große Erregung hervor« gerufen hat. Japan werde die kriegerischen Operationen indeß nicht eher einstellen, bis es Rechte erlangt und die Sicherheit erhalten hat, daß China sich in die Angelegenheiten auf Korea nicht mehr einmische. Aus Shanghai wird gemeldet, der Kaiser von China hat in vermummter Gestalt mit einigen Getreuen die Stadt Peking inspicirt, um sich über die Gährung im Volke zu überzeugen.

London, 12. October. DieTimes" meldet ans Peking: In seinem Bericht über seine Niederlage in der Schlacht am Aaluflusse schreibt der chinesische Admiral Ting der Ueberlegenheit den japanischen Schnellfeuer- Kanonen zu. Infolge dessen sind Unterhandlungen mit Krupp eingeleitct zur Lieferung der gleichen Kanonen rote die japanischen. Die chinesische Regierung soll je drei Schiffe der chilenischen und argentinischen Regierung angekaust haben.

Loudon, 12. October. Nachrichten aus Tokio zufolge haben japanische Kriegsschiffe sich deS chinesischen SchiffesTenk-Jomaru" bemächtigt. Diese Beschlagnahme wurde der chinesischen Regierung officiös mitgetheilt. Die koreanische Regierung hat acht adelige Personen nach Hiro abgesandt, um die Japaner wegen der letzten Siege zu ' beglückwünschen.

Shanghai, 12. October. Gerüchtweise verlautet, daß ' ein neues Attentat gegen die europäischen Missionare in Newschiwang begangen worden sei. Zwei japanische

Spione, welche von den Chinesen erwischt worden sind, wurden in Nanking hingerichtet.

Cocalt* rrrid ptroittsfetfcs

Gießen, den 13. October 1894.

** Sitzung der Großherzoglichen Handelskammer Gießen vom 11. October 1894. Anwesend die Herren Scheel, Gail, Heichelheim, Klingspor, Kraatz und Wortmann. Infolge einer Anfrage der Handelskammer Frankfurt a. M», die Währungsfrage betreffend, nimmt die Kammer Ge­legenheit, sich entschieden für die Beibehaltung der Gold­währung auszusprechen, indem sie in einem Verlassen der­selben von Seiten der Reichsregierung einen bedeutenden Schaden für den gesammten Handel und die Industrie er­blickt. Eine von derselben Handelskammer an den Reichs­tag gerichtete Petition, betr. Gesuch um Ablehnung der Ab­änderungsvorschläge zum Gesetz vom 12. Juli 1887 über den Verkehr mit Ersatzmitteln für Butter dahin­gehend, der Reichstag wolle dafür eintreten, daß die reelle Fabrikation und der reelle Vertrieb der Margarine weder durch Gesetzesänderungen unterbunden, noch auch, daß durch Besteuerung der Margarine deren Absatz rebuciert werde, beschließt man zu unterstützen. Der Kammer gingen von maßgebender Seite Mitteilungen über zweifelhafte Firmen im Auslande, namentlich in Großbritanien und den Niederlanden zu. Dieselben liegen etwaigen Interessenten auf unserem Büreau zur Kenntnißnahme offen, ebenso eine Notiz, welche Vorschläge für den deutschen Ausfuhr­handel nach Siam, insbesondere in der Maschinen- und Eisenindustrie, enthält.

** Fahrplananderung der Gießener Omnibus - Limen. Die von uns am 8. d. M. gebrachte Verlegung des Früh­zuges Nro. 408 von Marburg veranlaßt auch eine kleine Fahrplanänderung der Omnibuslinie A. (BahnhofMar­burgerstraße). Mir verweisen auf die diesbezügliche in vor­liegender Nummer im Jnseratentheil erlassene Bekanntmachung und bemerken dazu, daß Deckblätter zu den ausgegebenen \ Fahrplänen vom 15. d. M. ab bei Herrn Ernst Balser \ auf Wunsch unentgeltlich abgegeben werden.

** Panorama. Wie aus dem Jnseratentheile der i heutigen Nummer ersichtlich, findet die Eröffnung des j Schmidt'schen Panoramas, das sich vor zwei Jahren mit ) seinen ausgezeichneten landschaftlichen und architektonischen ! Bilderserien ein gutes Renommee erworben, morgen im Laden, i Neuen Baue 1, statt. Als erste Serie ist Hamburg, Helgoland, j Schloß Friedrichsruh rc. angesetzt. Diese Serie soll in der ! Farbenbeleuchtung und Plastik alles bis jetzt Gezeigte über­treffen. Dieselbe ist diesen Sommer aufgenommen und noch j nie ausgestellt worden. Nach dem, was Herr Schmidt früher geboten, bedarf es bei dieser Serie keiner besonderen Empfehlung. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß das Panorama auch Sonntags von 11 Uhr ab ununterbrochen geöffnet ist bis 10 Uhr Abends.

** Auszeichnung. Aus der Antwerpener Weltausstellung wurde der Beerenweinkelterei H. F. Nassauer in Gießen für die daselbst ausgestellten Dessert- und Sanitäts- toeine die bron cene Medaille nebst Diplom zuer­kannt. Gewiß ein schöner Erfolg bei der überaus großen Concurrenz von Seiten Frankreichs, Italiens, Spaniens und Portugals.

** Diebstahl. Der Fahrraddieb, ein junger Mann von | hier, wurde in Groß-Karben verhaftet und befindet sich be- reits hier in Untersuchungshaft. Derselbe hatte sich vor \ einiger Zeit schon einmal ein Fahrrad angeeignet und stand ! dieserhalb noch in Untersuchung. Vor seiner jetzigen Flucht mit dem entwendeten Fahrrad hatte sich derselbe er ft 10 Mk. j Reisegeld mittelst Schriftfälfchung zu verschaffen gewußt.

** Der Getreidemarkt. Aus dem Getreidemarkte will sich noch immer keine Aussicht auf eine nachhaltige Wendung - zum Bessern zeigen. Im Gegentheil, die aus Amerika ein­gelaufenen Berichte über die starke Zunahme der Weizen- vorräthe auf dortigem Markte haben auf die ohnehin ge­drückte Stimmung im deutschen Getreidegefchäft noch weiter l verschlechternd eingewirkt, so daß an den meisten Plätzen die Preise noch mehr gesunken sind. Die Umsätze bewegten sich dabei im Allgemeinen in beschränkten Grenzen, da. gegenüber den Realisationsangeboten die Kauflust vorwiegend eine ziem­lich geringe war. Hafer behauptete sich in feinen bisherigen Preisen, allerdings aber auch bei beschränktem Verkehr. Preisnotirungen von der Berliner Producteubörse, alles zu 1000 Kilogramm gerechnet: Weizen von 112132 Mk., Roggen von 102110 Mk., Gerste von 95180 Mk., Hafer von 107144 Mk.

SW. Aus der südlichen Welterau, 10. October. Ein gewaltiger Rückschlag ist für uns wenigstens ur­plötzlich im Obstgefchäste eingetreten, denn feit gestern sind alle Einkäufe eingestellt worden und die Nachricht traf ein: der Frankfurter Markt ist mit Kelterobft vollständig gesättigt und überfüllt, Niemand will noch haben, die Con- fumenten^finö vollständig versehen, man bietet nur noch 4 Mk. pro Doppelcentner, welcher zu Anfang der Woche noch mit 6Vs bis 7 Mk. bezahlt worden ist. Man kann sich denken, daß diese Nachricht sehr deprimirt, denn das Obst ist um die jetzige Zeit sehr gut geworden und wäre zu 4 Mk. pro Malter halb verschenkt. Wir glauben nicht, daß dieser Rück­schlag lange anhält, rathen den Producenten aber doch, sich auf ungünstige Vorfälle einrichten und selbst Obstwein herzustellen, wenn es äußerst möglich ist. Bei 4 Mk. pro Malter, kommt das Glas Apfelwein auf 3 Pfg. zu stehen, unter Umständen wird es noch billiger. Im nächsten Jahre gibt es sicher eine schlechte Aepfelernte, denn nach 2 reichen Obsternten folgt schwerlich eine dritte, der Aepselwein wird darum in 1895 und bis zum Herbste 1896 ein sehr begehrter, ! gut bezahlter Artikel sein, an welchem ein schönes Stück Geld j verdient werden muß. Wer daher Fässer und Kellerräum- j lichkeiten besitzt, und ein Bischen etwas vom Obstweinmachen

versteht, was gar nicht schwer zu begreifen ist, der lasse sich von den schlechten Preisen nicht ins Bockshorn jagen, sondern macheAstheimer" was er unterftouen kann. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß er sein Obst um hundert Procent besser dadurch verwerthen kann, als wenn er es zu den jetzigen Schleuderpreisen weggibt.

SW. Aus der südlichen Wetterau, 12. October. Der plötzliche Rückschlag im Kelterobstgeschäfte wird wahrscheinlich einige gerichtliche Nachspiele im Gefolge haben. Die Händler, welche noch zu höheren Preisen kauften, wollen nämlich die gekauften Quantitäten nicht abnehmen, sondern versuchen unter allerlei Vorwänden und Nörgeleien, wie man zu sagen pflegt:die Halfter auszustrippen." Aber was gekauft ist, muß ordnungsmäßig bezogen und bezahlt werden, das ist Handelsrecht. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß solche Rückschläge, wie jetzt einer eingetreten ist, gar nicht selten vorzukommen pflegen, DieseBaisse" wird bann von besonders schlauen Händlern benutzt, um die Bauern abzu- schlachten. DerGießener Anzeiger" hat vor mehreren Jahren in einem Aufsatze überObstverwerthung" auch auf diesen Fall aufmerksam gemacht. Wir sind der Ansicht, daß Grund zu Besorgniß nicht vorliegt, denn übermäßig viel Kelterobst, insbesondere Aepfel, hat es nicht gegeben, der Markt kann also auch nicht überfüllt und gesättigt sein. Der Rückschlag scheint uns daher mehr eine künstliche Mache zu fein. Wer einige Zeit zuzufehen vermag, wird wahr­scheinlich seine Rechnung finden. Die Herstellung von Apfel­wein wird noch ei-mal empfohlen.

-o- Blofeld, 10. October. Die schweren Herbstarbeiten auf dem Lande mahnen zur Vorsicht, welche, wenn sie unterlassen wird, manchmal bitter gebüßt werden muß. Eine junge, blühende, kaum 32 Jahre alte Frau that sich dieser Tage beim Honigkochen am Kessel weh. Sie bekam Darmverschlingung, welche mit baldigem Tode endigte. Heute wurde die junge Frau unter großer Betheiligung zur letzten Ruhe bestattet.

0. Aus Oberhefseu, 12. October. Wer die richtige Erziehung und Pflege des Obstbaumes sehen und auch lernen will, der lenke feine Blicke jetzt wieder auf die Staatsstraßen, wo man sich bereits mit den Einwinterungsarbeiten für die Obstbäume befaßt. Man wird bemerken, daß alle Stämme bis hinauf in die Kronen sauber abgekratzt und von der alten Rinde gereinigt werden, denn diese ist der richtige Zufluchtsort und Schlupfwinkel für alles Geschmeiß, Obstbaumschädlinge und Jnsecten, die dem Baume die größten Feinde im kom­menden Frühjahre und Sommer sind. Das alles ist zwar schon hundert und tausend mal gedruckt und vorgetragen worden, trotzdem sollen die öffentlichen Blätter ihre Spalten immer von Neuem diesen Ermahnungen und Zurufen öffnen, weil es zu viele Obstbaumzüchter gibt, die Augen und Ohren haben, aber dabei doch weder sehen noch hören mögen. Wenn die Stämme gereinigt sink', werden sie bis in die Krone hinauf mit Kalkmilch angestrichen, wodurch Eier und Larven des Ungeziefers vollends beseitigt werden. Ist dies geschehen, so binden die Straßenwärter die Stämmchen etwa 5 dis 6 Fuß hoch mit Buchenreistg, an welchem gegenwärtig das Laub noch hängt, sorgfältig ein. Man wählt wahr­scheinlich Buchenreisig um deswillen, weil es sehr billig ist. Wir machen weiter noch auf Folgendes aufmerksam: Die Zeit ist gekommen, wo das Weibchen des FrostspannerS (Geometra brumata) an den Obstbäumen in die Höhe fliegt, um seine Eier in die Knospen dieser Bäume abzulegen. Im nächsten Frühjahre schlüpfen die Raupen aus, umspinnen die Knospen, bohren sich hinein und fressen die entstehende Blüthe aus. Wenn man jetzt die sogenannten Kleberinge anlegt, kann man sich vor großem Schaden bewahren. Die Weibchen bleiben auf diesen Ringen hängen und können dort leicht vertilgt werden. Wie die Kleberinge mit Raupen- oder Brumataleim angelegt werden, weiß Jeder, es soll daher nur auf die Sache aufmerksam gewacht und darauf hinge- roiefen werden, daß jetzt der geeignete Zeitpunkt gekommen ist, den kein Obstbaumzüchter versäumen sollte.

Mainz, 12. October. Von der Strafkammer des hiesigen Landgerichts wurde heute der Redakteur desMainzer Journal" wegen Beleidigung der Ober-Ersatzcommission zu einer Geldstrafe von 100 Mk. eventuell 10 Tage Gefängniß verurtheilt. Alsbald nach Annahme der neuen Militärvorlage hatte das genannte Blatt unter der SpitzmarkeAlles, was kriechen kann, wird genommen" nach der Mittheilung eines Arztes eine Notiz gebracht, in welcher behauptet wurde, daß ein schwindsüchtiger Mann hier zum Militärdienst ausgehoben und zum Train nach Darmstadt beordert worden fei. Durch diese Mittheilung fühlte sich die Ober-Ersatzcommission be­leidigt, doch erfolgte vor dem Schöffengericht Freisprechung des Redacteurs, der in Folge Berufung sich heute vor der Strafkammer zu verantworten hatte. Während der Civilarzt, der dem Blatte die Mittheilung gemacht hatte, bei der heu­tigen Verhandlung deponirte, daß der zum Militärdienst AuSgehobene öfters krank gewesen, Lungenentzündung gehabt und Blut gespieen und gehustet habe, gab der Oberstabsarzt fein Gutachten dahin ab, daß der Ausgehobene nicht mit den behaupteten Leiden behaftet gewesen auch keine erbliche Belastung Vorgelegen, sondern die Untersuchung nur eine Lungenvereiterung ergeben habe, indeß nicht so hochgradig, daß der Mann hätte zurückgestellt werden müssen.

Vermischtes.

* Frankfurta. M., 12. October. Im Laufe des heutigen Tages soll auf dem beinahe fertiggestellten Städtischen Elcctricitäts-Werke ein erster practischer Versuch mit dem Anlassen des Stromes in das Straßennetz gemacht werden und zwar zunächst mit dem einen völlig vollendeten von vier Kesseln gespeisten 700pferdigen Dynamo von Kühn in Stuttgart. Die weiteren zwei noch vor­gesehenen, gleichgroßen Dampfdynamos sind noch in der Montage begriffen und werden voraussichtlich erst in den nächsten Wochen zur Inbetriebnahme bereit fein. Die für