Ausgabe 
14.7.1894 Erstes Blatt
 
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Rr 162 Erstes Blatt. SamSta« den 14. Juli

1894

Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener A-amitieovtalter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

Vierteljähriger Avonnemcntspreis: 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Psg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

KchnlstraßeNr.7.

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Amts« und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieszen.

Hratisöeilage: Kichmcr Kamili-nöKtt-r. [

Amtlichem Tbeil.

Nr. 31 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 9. d. M., enthält:

(Nr. 2187.) Bekanntmachung, betreffend Ergänzung der dem internationalen Uebereinkommen über den Eisenbahn­frachtverkehr beigefügten Liste. Vom 4. Juli 1894.

Gießen, den 12. Juli 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 12. Juli 1894.

Betr.: Den Termin für die Einsendung der Gemeinde­rechnungen pro 1893/94.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

<m Mt Grstzh. V-r-ermeifterete» des Sreißes.

Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 11. Juni 1885 Amtsblatt Nr. 4 beauftragen wir Sie, sobald der Gemeinde-Einnehmer die Rechnung für 1893/94 an Sie abgeliefert hat, uns hiervon Anzeige zu erstatten.

Sofern der für die Ablieferung bestimmte späteste Termin Ende September von dem Rechner nicht eingehalten werden sollte, haben Sie uns am 1. October dieserhalb zu berichten.

v. Gagern.

Gießen, den 12. Juli 1894. Betr.: Den Termin für die Einsendung der Kirchenrech­nungen pro 1893/94.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

au die evang. Kirchenvorstände des Kreises

Der späteste Termin für die Ablieferung der Kirchen­rechnung an Sie ist auf Ende August festgesetzt.

Da dieser Termin vielfach seitens der Rechner nicht eingehallen worden ist, beauftragen wir Sie, uns die erfolgte Abgabe bis zum 1. September l. I. anzuzeigen event. zu berichten, daß der Ablieferungstermin vom Kirchenrechner nicht eingehalten wurde.

Mit dieser Anzeige ist gleichzeitig der Nachweis über den an den evang. Centralkirchenfonds abzuliefernden Ueber- schuß des Einkommens der Pfarrstelle einzusenden.

Der aufzustellende Nachweis des UeberschuffeS muß genau der Vorschrift des Amtsblattes Großh. Ober-Consistoriums Nr. 14 vom 17. Juni 1884 entsprechen.

Wir machen endlich noch besonders darauf aufmerksam, daß die Mlialgemeinden, welche ihre Gehaltstheile an den Kirchenfonds i er Psarrgemeinde abzuliefern haben, von Auf­stellung und Vorlage des obenerwähnten Nachweises entbun­den sind.

v. Gagern.

Deutscher Reich.

Berlin, 12. Juli. Die von einer Fülle herrlicher Bilder umrahmte gemeinsame Erholungsreise des d eu tschen Kaiser­paares aus norwegischem Boden hat inDrontheim,wo­selbst die hohen Reisenden im Laufe des Donnerstag ein- trafen, ihr Ende erreicht. Denn in dieser ehemaligen alten norwegischen Königs- und Bischofsstadt gedenken sich die Majestäten nach zweitägigem Aufenthalt am Sonnabend zu trennen, die Kaiserin, um sich über Christiania nach Deutsch­land zurückzubegeben, der Kaiser, um mittels derHohen- zollern" die Weiterreise nach dem Norden allein fortzusetzen. Uebrigens wird der Monarch sich nach Beendigung seiner Nordlandsfahrt nicht direct nach England begeben, wie bislang geplant war, sondern aus Norwegen zunächst wieder in Deutschland eintreffen- erst dann gedenkt er zu dem an­gekündigten Besuche am englischen Hofe zu erscheinen.

Fürst und Fürstin Bismarck sind am Donnerstag von Friedrichsruh nach Schloß Schönhausen in der Altmark, dem Stammgute der Bismarck'schen Familie, abgeretft. In Schönhausen werden der Fürst und die Fürstin einige Tage verweilen, um dann nach Varzin überzusiedeln.

Die Bierfehde in Berlin nimmt trotz der herannahenden hochsommerlichen Jahreszeit eine immer heftigere Form an. Am Mittwoch fanden in Berlin und Umgegend 32 starkbesuchte socialisttsche Volksversammlungen statt, in denen feierlichst der Boycott über sämmtliche demRinge" angehörenden Brauereien ausgesprochen wurde. Wahrscheinlich bestärkt aber diese neue feindselige Maßregel der Socialisten die angegriffenen Brauereien nur in dem Entschluffe, nicht nachzugeben.

Ausland.

Ueber eine angeblich erfolgte internationale Verständigung gegen die Anarchisten, die sich aber lediglich auf gewisse polizeiliche Maßnahme beschränken sollte, waren letzter Tage allerhand Nachrichten verbreitet. Dem widersprechen aber andere Meldungen, denen zufolge die Mittheilungen über jene Vereinbarung als deren Urheber die französische Regierung bezeichnet wurde unbegründet sind, vielmehr würde der Kampf gegen den Anarchismus auch fernerhin Seitens der Regierungen innerhalb der einzelnen Staatsgebiete geführt werden. In der That scheinen die Verhältnisse einem gemeinsamen Vorgehen aller europäischen Staaten gegen die Anarchisten noch immer ungünstig zu sein, da es jetzt Frankreich, Italien und Spanien vorziehen, sich durch besondere Anarchiftengesetze der anarchistischen Gefahr zu erwehren. Was zunächst das neue fravzöfische Anarchisten­gesetz anbelangt, so scheint dasselbe mit Dampfkraft gesetzliche Geltung erlangen zu sollen. Kaum, daß der betreffende Entwurf von der Regierung in der Deputirtenkammer ein­gebracht worden war, so hat er hier auch schon die Zustim­mung der zu diesem Zweck eingesetzten Commission gesunden,- dieselbe genehmigte die Vorlage gegen die anarchistische Pro­paganda mit einigen textlichen Aenderungen und ernannte Lasserre zum Berichterstatter. Da an der Zustimmung auch des Kammerplenums zu dem Entwürfe nicht zu zweifeln ist, so wird sich die französische Republik in Bälde des fünften Anarchistengesetzes erfreuen. Ob dasselbe seinen Zweck endlich beffer erfüllen wird, als die schon bestehenden vier ähnlichen Gesetze, das steht freilich auf einem anderen Blatte.

Auch in Italien und in Spanien haben sich die gesetzgebenden Körperschaften unter dem Eindrücke der jüngsten anarchistischen Attentate zu besonderen Maßnahmen gegen die Anarchisten verstanden. Als Folge des Lega'schen Mord­anfalles auf Crispi waren der italienischen Deputirten­kammer bekanntlich drei Vorlagen unterbreitet worden, welche sich auf die Bestrafung unerlaubter Anwendung und An­fertigung von Explosivstoffen, auf die Bestrafung der Ver­herrlichung anarchistischer Thaten durch die Presse und auf die Anweisung von Zwangswohnorten für verdächtige Indi­viduen bezogen. Erstere beiden Entwürfe fanden rasch und ohne große Debatten die Zustimmung der italienischen Volks­vertretung. Nur die Vorlage über die Zwangsdomicile veranlaßte längere und lebhafte Debatten, die indessen am Mittwoch zur Genehmigung auch dieses Gesetzes führten; alsdann vertagte sich die Kammer auf unbestimmte Zeit. In Spanien endlich haben Senat und Deputirtenkammer schon vor einigen Tagen ebenfalls ein Gesetz gegen den Anarchismus angenommen. Offenbar hat zum Zustandekommen desselben das entsetzliche Bombenattentat im Liceo-Theater zu Barcelona das Seinige mit beigetragen. Am Mittwoch begann vor dem Gerichtshöfe zu Barcelona der Proceß in dieser Attentatsaffaire - der Angeklagte Salvador gestand, die verhängnißvolle Bombe geschleudert zu haben, während seine beiden Mitangeklagten Prat und Alsaro jede Schuld leugneten. Die spanischen Cortes find am Mittwoch geschlossen worden, ohne daß sie sich noch einmal mit dem deutsch­spanischen Handelsverträge befaßt hätten, derselbe ist also endgiltig gescheitert.

Neueste Nachrichten*

WolffS telegraphische« Korrespondenz-Bureau-

Berlin, 12. Juli. DerNationalzeitung" zufolge sollen binnen Kurzem endgiltige Bestimmungen über die Zoll­behandlung der Verschnittweine für das deutsche Zollgebiet erlaffen werden- die Bestimmungen gehen im Wesentlichen dahin, daß für den zum Verschneiden bestimmten Wein und Most nur dann der ermäßigte Zollsatz gewährt wird, wenn die Einfuhr auf dem geraden Wege erfolgt und der Wein ober Most alsVerschnittwein", resp.Berschnitt- most", declarirt ist.

Berlin, 12. Juli. Der Bundesrath beschloß heute, der Resolution des Reichstages, betreffend die Eisenbahn- Freifahrtkarten der Reichstagsmitglieder, keine Folge zu geben.

Elbing, 12. Juli. DerElbinger Zeitung" zufolge ist das Mitglied deS Herrenhauses, Graf Dohna- Schlobitten, heute Vormittag an einem Lungenleiden gestorben.

Paris, 12. Juli. Die mit der Ueberwachung der Zu­gänge zur Deputirtenkammer und dem Ministerium des Aus­wärtigen beauftragten Geheimpolizisten verhafteten heute Nachmittag zwei Personen, die lange vor dem Palais Bourbon standen. Die Verhafteten erklärten, in persönlichen

Angelegenheiten vor einigen Tagen von London gekommen zu sein. Einer von ihnen wurde später freigelassen, weil er seine Identität und Wohnung nachwies. Der andere blieb in Haft. Beide sind angeblich Engländer, einer besaß eine Rückfahrtkarte nach London.

WB. Lowal, 13. Juli. Das Schwurgericht oerur* theilte den Vicar Brune au, welcher seinen Pfarrer in den Brunnen warf, zum Tode.

WB. Konstantinopel, 13. Juli. Das Erdbeben nahm Angora furchtbar mit, auch in Konia wurde ein sehr starker Erdstoß verspürt - in Aalowa sind mehrere Häuser eingestürzt, wobei es Tode und Verwundete gab. Auf der Anatolischen Eisenbahn wurde das Erdbeben bis auf 480 Kilo­meter Entfernung gespürt. Eine Commission vertheilt Lebens­mittel und Geldspenden. Die Bosporusinseln litten stark- mehrere Bahnstationen sind zerstört. Der Mittelpunkt deS Erdbebens ist Brussa.

WB. Chicago, 13. Juli. Der Strike ist voraus­sichtlich bald beendigt- in Kalifornien ist die Situation un­verändert. _____

Depeschen de» Bureau .Herold".

Berlin, 12. Juli. DerReichsanzeiger" schreibt: Nachdem in Spanten die Cortes geschlossen worden sind, ohne daß die zur Begutachtung des deutsch-spanischen Handelsvertrages eingesetzte Senatscommission ihren Bericht an das Plenum erstattet hat, muß das Zustande­kommen des Vertragswerkes definitiv als ausgeschlossen an­gesehen werden. Die Schuld hieran, sowie an der hierdurch begründeten Fortdauer des deutsch-spanischen Zollkrieges fällt auf die spanischen Politiker zurück, welche die Durchbcrathung des Vertrages während der jetzigen Session der Cortes zu vereiteln gewußt haben. Die deutsche Regierung sieht die Verhandlungen als gescheitert an.

Berlin, 12. Juli. DieNordd. Allg. Ztg." thellt mit, der Kaiser werde voraussichtlich am 1. August an Bord derHohenzollern" in Wilhelmshafen eintreffen. Seine Ankunft in England dürfte erst gegen Ende der ersten Woche des August erfolgen. DieNordd. Allg. Ztg." wendet sich in einem langen Artikel gegen die CentrumSpresse, welche die Regierung anläßlich der Ablehnung der Aufhebung des Jesuitengesetzes durch den Bundesrath angegriffen habe. Sie weist den Vorwurf zurück, daß der Bundesrath bei dem Beschlüsse sich von Tendenzen gegen Rom habe leiten lassen und meint, daß die. Rückkehr der Jesuiten nicht nur der Kirche Triumpf bereiten, sondern den Frieden wirklich stören würde. Eine solche Rückkehr sei aber entschieden aus­geschlossen, da mit der jetzt gefällten Entscheidung die Sache für die Regierung endgiltig erledigt sei.

Berlin, 12. Juli. Das neue Organ des Bundes der Landwirthe erscheint hier vom 1. September d. I. ab unter dem Titel:Deutsche Tageszeitung". Die Oberleitung übernimmt der zweite Vorsitzende des Bundes, Dr. Rösicke. Unter den Redacteuren befinden sich Oertel-Leipzig und Dr. Strehlke-Frankfurt a. M.

Hamburg, 12. Juli. Nach demEcho" dürfte der Protest gegen die Wahl des Socialisten v. Elm zum Reichstagsabgeordneten erfolglos bleiben, v. Elm sollte gar kein preußischer Unterthan sein. Nun ist zwar sein Vater 1864 von Dänemark nach Schleswig eingewandert, hat aber im Jahre 1867 nicht für Dänemark optirt und gehört somit dem preußischen Unterthanenverbande an.

Stuttgart, 12. Juli. Aus Hechingen wird gemeldet, daß dort heute früh 2 Uhr ein starker Erdstoß verspürt wurde.

Karlsbad, 12. Juli. Fürst Ferdinand von Bul­garien ist hier zum Kurgebrauch eingetroffen. Der Fürst sieht äußerst angegriffen aus.

Rom, 12. Juli. Der Polizeiagent Pietro Dafi wurde gestern in Syrakus am Tage und in der belebtesten Straße von Anarchisten erdolcht.

Paris, 12. Juli. Die äußerste Linke der Kammer hat in ihrer gestrigen Fractionsfitzung beschlossen, gegen die Gesetz­vorlage, betreffend die Anarchisten, zu stimmen und den Abgeordneten Goblet beauftragt, die Handlungsweise der Linken vor der Kammer zu rechtfertigen. Man erwartet für die Discussion der Vorlage äußerst stürmische Sitzungen. Goblet wird nämlich die Gelegenheit wahrnehmen und gegen die Wahl Casimir Periers zum Präsidenten der Republik protestiren.

Loudon, 12. Juli. Heute verließ unter Anführung des Capitäns Jackson eine Nordpolexpedition von 9 Ge­lehrten und 22 Seeleuten den Hafen von London. Die Expedition führt Lebensmittel für 4 Jahre mit sich, ferner