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Der Gießener An,elger ericheint täglich, mit Ausnahme drS Montags.
Die Gießmer Jamltienölätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Erstes Blatt. Samstag den 13. Oktober
1894
Meßmer Anzeig er
Vierteljähriger
Monntmtntsprd»:
2 Marl 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Kenerat-Itnzeiger.
Kchukstraße Wr.7.
Fernsprecher 51.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den fokgcnSen Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
chraiisöeikage: Gießener Kamitienökätter.
Me Annoncen-Bureaux des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
2lmtlid?er Ltzeil.
Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß nach Verfügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz die Orts- und Polizeidiener resp. Ausscheller bei Bekanntmachungen und Versteigerungen in herrschaftlichen (fiscalischen) und Privatangelegenheiten vom 1. Januar 1895 an die in dem nachstehenden Tarif festgesetzten Gebühren zu beziehen haben, insoweit nicht durch besondere Verfügung höhere als diese Gebühren genehmigt worden siud.
Gießen, den 9. October 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gebühren-Tarif
der Orts- und Polizeidiener, sowie der Ausscheller bei Bekanntmachungen und Versteigerungen in herrschaftlichen Angelegenheiten.
Die Orts- und Polizeidiener, sowie die Ausscheller haben künftig in herrschaftlichen Angelegenheiten als Gebühr zu beziehen:
L Für Bekanntmachungen durch die Schelle:
£
in
den
Gemeinden
8.
Findet sich in
50
25
75
60
dft
2
1
1
1
50
35 die
Ankündigung verschiedener Versteigerungen zc. formell vereinigt, so ist dafür nur der einfache (einmalige) Gebühren-
Städten Darmstadt und Mainz „ Gießen, Offenbach, Worms
über 5000 Seelen . .
„ 2500—5000 Seelen
„ 1000—2500
„ 500—1000
bis 500 Seelen in Rhein Hessen und Starkenburg
bis 500 Seelen in Oberhessen — einer und derselben Bekanntmachung
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
bezug statthaft; soll dagegen eine und dieselbe Bekanntmachung mehrmals bei der Schelle publicirt werden, so kann ebenso oft die Gebühr beansprucht werden.
II. Für das Ausschellen zum Zeichen des Beginns einer Versteigerung, wenn dies ausdrücklich verlangt wird, — jedoch ohne Verkündigung: X 5,
1. in den Gemeinden über 5000 Seelen ... 1 —
2. „ „ „ „ 2500—5000 Seelen. — 75
3. ....... 1000-2500 „ . — 50
4. in den Gemeinden über 500—1000 Seelen . — 40
5. „ „ „ bis 500 Seelen in 'Rhein
hessen und Starkenburg . — 35
6. „ „ „ bis 500 Seelen in Oberhessen — 20
III. Für das Läuten mit der Thurmglocke zum Zeichen des Beginns einer Versteigerung:
wo dies bisher üblich war und auch fernerhin verlangt
wird.............— JC 20
IV. Für das Ausrufen bei Versteigerungen, wobei jedoch (da es den fiskalischen Beamten unbenommen
ist, sich die Personen zum Ausrufen der Gebote nach ihrem Ermesien auszuwählen) die Orts- und Polizeidiener rc. kein Recht darauf haben, zum Ausrufen verwendet zu werden: 1. in Gemeinden über 5000 Seelen $
a. in Starkenburg und Oberhessen ■
für die erste Stunde des Ausrufens... — 65 jede weitere Stunde des Ausrufens. . — 50 das Maximum für einen Tag darf jedoch
nicht übersteigen........3 —
2. in Gemeinden bis zu 5000 Seelen
a. in Starkenburg und Oberheffen
für die erste Stunde des Ausrufens... — 50 „ jede weitere Stunde des Ausrufens. . — 40 das Maximum für einen Tag darf jedoch
nicht übersteigen........2 40
Die landwirthschaftliche Winterschule in Alsfeld betr.
Die landwirthschaftl. Winterschule Alsfeld beginnt ihren 23. Wintercursus Montag, den 5. November. Indem wir hiermit zum Besuche desselben entladen, bemerken wir, daß die Schule das Ziel verfolgt, jungen Landwirthen diejenigen Fachkenntniffe, welche heute zur rationellen Bewirth- schaftung bäuerlicher Güter nothwendig find, in zwei fünfmonatlichen Wintercursen zu vermitteln. Zur Erreichung
dieses Zieles lehren an der Schule zwei Landwirthschaftslehrer und vier Hilfslehrer. Die Schule ist mit einer reichen Lehrmittelsammlung zweckentsprechend ausgerüstet.
Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren, welche oas Unterrichtsziel der Volksschule erreicht > haben; in den oberen Cursus nur solche, welche schon den 1 unteren Cursus mit Erfolg besucht haben, oder welche nachweisen, daß sie die Kenntnisse, welche der untere Cursus vermitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirthe können als Hospitanten ausgenommen werden.
Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aufsicht der Lehrer und müssen sich der Schulordnung unbedingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Famllien,unb können Pensionen zu 30—40 Mk. pr. Monat von dem Vorsteher der Schule, Herrn Landwirthschaftslehrer Leithiger, nachgewiesen werden. Das Schulgeld beträgt für das Wintersemester 25 Mk.
Anmeldungen sind an den Aufsichtsrath oder an Herrn Landwirthschaftslehrer Leithiger zu richten, welcher auch bereit ist, speciellere Anfragen zu beantworten.
Alsfeld, den 30. August 1894.
Der Aufsichtsrath der landwirthschaftl. Winterschule Alsfeld: v. Grolman.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. October. Die Vorbereitungen für die herannahende Reichstagssession haben mit dem erfolgten Zusammentritt des Bundesrathsplenums einen ersten kräftigen Schritt nach vorwärts gethan. Bemerkenswerthere Beschlüsse hat die begonnene neue Sitzungsperiode des BundeS- raths freilich noch nicht gezeitigt, da eben der genannten Körperschaft noch keine wichtigeren Sachen zur Begutachtung und Beschlußfassung unterbreitet worden sind. Jedenfalls steht aber zu erwarten, daß sie bis zur Eröffnung der Reichstagssession, also bis ungefähr Mitte November, hinlänglich Berathungsstoff für das Reichsparlament ferttggestellt haben wird. Noch nicht völlig entschieden scheint es zu sein, ob der Reichstag nochmals in seinem bisherigen Heim zusammenkommt oder gleich das neue Sitzungsgebäude bezieht, wenigstens lassen neuere Berliner Meldungen durchblicken, daß der Reichstag die ersten Wochen seiner bevorstehenden Session möglicher Weise doch noch in dem bisherigen Sitzungsgebäude zubringen werde.
— Die kürzlich abgehaltenen Berathungen im Reichsamt des Innern über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs haben dem Vernehmen nach hauptsächlich drei Punkten gegolten: Der civilrechtlichen Regelung der ganzen Frage, der Ermittelung des Schadens und der Vorbeugung der aus dem unlauteren Wettbewerb entspringenden Schäden. Inwieweit die Conferenzverhandlungen hierüber eine Verständigung ergeben haben, steht noch dahin.
Nerieste Nachrichten.
ÄolffS telegraphisches Torrespondenz-Burea».
Berlin, 11. October. Der ständige Ausschuß des Colonialraths trat heute zur Regelung der Frage der deutschen Auswanderung unter dem Vorsitz des Unter- ftaatssecretärs Jakobi zusammen. Scharlach (Hamburg) erstattete das Referat; Director Kayser wohnte der Sitzung bei.
Posen, 11. October. Cultusminister Bosse, der gestern hier etntraf und beim Oberpräfidenten v. Willamowitz abstieg, machte gestern Abend dem Erzbischof v. St ab lew Ski einen Besuch. Heute Vormittag fand im Beisein des Cultus- Ministers, des Oberpräfidenten und der Spitzen der Behörden die Einweihung des neuen Amtsgebäudes für das königliche Consistorium statt. Nach dem Wethegebet überreichte der Cultusminister im Auftrage des Kaisers dessen Bild für das neue Consistorium mit einer Ansprache, die mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. Nachmittags reiste der Minister nach Berlin zurück.
Coburg, 11. October. Wie die „Coburger Zeitung" mittheilt, tft heute in Stnaja die Prinzessin Ferdinand von Rumänien von einer Tochter glücklich ent- bunden worden.
Loudon, 11. October. Dem Reuter'schen Bureau wird aus Tientsin gemeldet, der chinesische Kaiser habe dem Hauptmanu v. Hannecken den höchsten Grad des Ordens vom doppelten Drachen für seine Verdienste in der Seeschlacht am Yaluflusse verliehen. — Aus Shanghai wird demselben Bureau berichtet, daß die Ausbesserungen der chinesischen Kriegsschiffe in Port Arthur noch wenigstens zehn Tage beanspruchen. — Nach einem bisher unbestätigten Ge
rüchte fand ein neuer Angriff auf die Missionäre bei Nintschwang statt.
Loudon, 11. October. Der „Times" wird aus Tientsin gemeldet, daß die japanische Flotte bei dem letzten Seegefecht viel stärker beschädigt worden ist, als man geglaubt hat, obgleich die Japaner ihre Verluste möglichst verbergen. — Der japanische Admiral machte in den letzten Tagen mit einem weißgefärbt n Panzerschiff und ähnlichen Schiffen eine Demonstration, während zwei Kreuzer regelmäßig in der Nähe der Halbinsel Shantung bemerkt werden.
Depeschen bei Bure« »Herold*.
Berlin, 11. October. Der Ministerpräsident Graf Eulenburg hat ebenso wie Reichskanzler Graf Caprivi in Hubertusstock dem Kaiser einen Vortrag gehalten, nachdem beide Herren vor der Abreise des Grafen Eulenburg nach Hubertusstock eine Besprechung gehabt hatten. ES ist noch unbestimmt, ob die Sitzung des Staatsministeriums, worin die Maßregeln zur Bekämpfung der Umsturzbewegung berathen werden, morgen oder Samstag stattfindet. — Wie die „Börsenzeitung" erfährt, hat sich Professor Schweninger deshalb gestern nach Varzin begeben, um zu constatiren, ob das Fürstenpaar jetzt die Reise nach Friedrichsruh vornehmen soll. — Gegenüber anderweitigen Meldungen über die bevorstehende Eröffnung und Tagung des Reichstages theilt die „Kreuzztg." mit, die erste Sitzung nach Eröffnung im weißen Saale findet im neuen Gebäude statt- es ist tndeß nicht ausgeschlossen, daß dann noch einige Sitzungen im alten Hause abgehalten werden.
Berlin, 11. October. Dem Bundesrath find der Etat des Reichsamts des Innern für 1895/96, die Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen der Landesverwaltung von Elsaß-Lothringen für 1893/94, sowie der Entwurf einer An- Weisung zur chemischen Untersuchung des Meines zugegangen.
Berlin, 11. October. Aus Wiesbaden wird gemeldet: Der König von Griechenland und Prinz Heinrich werden heute zum Besuch der Kaiserin Friedrich auf Schloß Frtedrichshof erwartet, wo der Statthalter von Elsaß-Loth- ringen, Fürst Hohenlohe, bereits gestern Abend eingetroffen ist. Prinz Waldemar und die Prinzessin Feodora weilen schon seit einiger Zeit bet ihrer kaiserlichen Großmutter.
Berlin, 11. October. Auch heute Morgen siud einige freigelassene Unteroffiziere aus Magdeburg hier angekommen- dieselben erzählten, daß Alle, ob schuldig ober unschuldig, an ihre Truppentheile zurückgewtesen werden.
Berlin, 11. October. In der Affaire der Oberfeuerwerkerschüler soll die Untersuchung 'ergeben haben, daß der Ruf „Hoch die Anarchie!" gar nicht gefallen, sondern nur die Worte: „Hoch die Artillerie!" was bet dem herrschenden Lärm falsch verstanden worden ist.
Berlin, 11. October. Aus dem Antwortschreiben des Fürsten Bismarck an die Deputation der Ostpreußen, welche ihn in Varzin besuchen wollen, geht hervor, daß der Fürst seines ungünstigen Gesundheitszustandes wegen um einen Aufschub des Besuches ersuchen mußte. Professor Schweninger ist nach Varzin abgereist.
Berlin, 11. October. Der in dem großen Wucherprozeß verwickelte berüchtigte Geldverlether Pariser ist, wie die „Staatsbürgerzeitung" zu melden weiß, entflohen. Auch soll der flüchtige Wucherer Ostertag bereits in London in Sicherheit sein.
Berlin, 11. October. Dem „Tageblatt" wird aus Petersburg gemeldet, daß am 5. October Inder Mongolei ein Aufstand ausgebrochen ist. Chinesische Truppen wurden zur Unterdrückung des Ausstandes abgeschickt. DaS Ziel der Aufständischen soll dahin gehen, die Mongolei, nachdem die verhaßten Chinesen vertrieben, Rußland zur Jn- corporation anzubieten.
Posen, 11. October. Nach einer Meldung auS Krone an der Brahe ist die katholische Kirche in Dobrcz gestern Abend vollständig niedergebrannt.
Hamburg, 11. October. Der von hier nach Afrika abgehende Reichspostdampfer „Kanzler" stieß in vergangener Nacht im Altonaer Hafen mit einem Last schiff zusammen, welches sofort unter sank. Die Bemannung konnte nach vieler Mühe gerettet werden.
Wien, 11. October. Das „Fremdenblatt" meldet, die Regierungen von Oesterreich-Ungarn beabsichtigen ein Spiri- tus-Zwischenhandelmonopol einzuführen. An den Mehrerträgen sollen die Kronländer theilnehmen.
Wien, 11. October. AuS Corfu wird gemeldet, es sei der Auftrag hierher gelangt, die nöthigen Vorbereitungen für die Ankunft des Czaren zu treffen. Die Ankunft


