* Dresden,9. September. Ein entsetzliches Drama spielte sich, wie die „Dresdner Nachrichten" berichten, gestern Vormittag kurz vor 9 Uhr in dem Hause Strehlenerstraße 20 ab. Dort wohnt in der vierten Etage der verheirathete und mit fünf Kindern gesegnete Schneidergehilfe Gustav Herold Roth, ein Monn in den vierziger Jahren, der schon zweimal in der Jrrenabtheilung des Siechenhauses untergebracht und erst vor ca- 8 Wochen als wieder geheilt bezw. als gebessert entlasten worden war. Kurz darauf verschwand er auS Dresden, ohne daß seine Angehörigen eine Ahnung hatten, wohin er sich gewendet haben könne. Vor ca. acht Tagen tauchte er indeß bei den Seinen plötzlich wieder auf und bemühte sich, Arbeit und Verdienst zu finden, was ihm indeß nicht gelungen sein soll. Das zwischen den beiden Eheleuten obwaltende Derhaltniß mag durch die aus der Arbeitslosigkeit des Mannes entspringende Noth sich immer ungünstiger gestaltet haben, kurz, als die Frau gestern früh von einer Besorgung zurückkehrte, fand sie die Thür zu ihrer Wohnung von innen verschlossen und trotz wiederholten Pochens keinen Einlaß. Im Begriffe, wieder fortzugehen, um die Intervention der Polizei in Anspruch zu nehmen, sah sie sich auf her untersten Treppe plötzlich einem Wohlfahrtsbeamten gegenüber, der sie zur Umkehr veranlaßte. Das Entsetzliche war bereue geschehen. Auf der Straße lagen, vom eigenen Vater aus dem vierten Stock herabgestürzt, die drei Kinder des Schneiders, ein Zwillingspaar (Knaben) im Alter von drei Jahren und ein einjähriger Knabe, sowie der unglückliche Mann selbst. Der Letztere und zwei der Kinder waren sofort tobt, während der eine Knabe des ^Zwillingspaares noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Ein hilfsbereiter Dienstmann trug den zuckenden Körper des Letzteren schleunigst in die nahe Klinik des Herrn Hofrath Dr. Sprengel, wo das Kind nach Ablauf einer halben Stunde gleichfalls starb. Merkwürdigerweise erntete der Dtenstmann für diese That samaritischer Nächstenliebe noch Vorwürfe, weil nichts angerührt werden dürfe, bevor nicht die Staatsanwaltschaft zur Stelle sei. Ein löjähriger Sohn des Roth'schen Ehepaares befand sich außer dem Hause auf Arbeit und ein neunjähriger Knabe in der Schule, als die grausige That geschah.
* Friedland (Mecklenburg), 6. September. In dem benachbarten Dorfe Ferdinandshof ist ein ILjähriges Dienstmädchen des dortigen Arztes ermordet worden. Dasselbe wurde von dem Kutscher des Arztes, mit dem es auf die Wiese gefahren war, überfallen und erdrosselt. Der
Mörder verscharrte die Leiche. Als man auö dem Wegbleiben des Mädchens Verdacht schöpfte, ging man den Fußspuren in dem langen thaufeuchten Grase nach und gelangte unwett eines Morastes an einen frisch aufgeworfenen Erdhügel, auS dem Frauenhaare heraushingen. Nach Entfernung der Erde entdeckte man die Leiche der Vermißten. Der Kutscher gestand die That.
♦ Wien, 10. September. Einer Meldung aus Lemberg zufolge ereignete sich dort gestern Abend, kurz nachdem der Kaiser die Ausstellung verlassen hatte, ein Unglück. Die electrische Bahn wurde von einem dichtgedrängten Publikum fast gestürmt- infolge der Uebersüllung der Waggons versagte plötzlich die Bremse, sodaß die Wagen haltlos mit rasender Schnelligkeit bergab fuhren. Dieselben stießen mit einem vorher abgelassenen Zuge zusammen und wurden durch den heftigen Zusammenstoß sieben Personen schwer, mehrere leicht verletzt.
* Helfiugfors, 7. September. Dreißig Fischer wurden beim Fischfang auf dem finischen Meerbusen von einem Orkan überrascht. Acht Boote wurden umgeworsen, fünfzehn Fischer ertranken, die übrigen konnten sich auf ein Felseneiland retten, wo sie erst nach drei Tagen Hilfe erreichte, nachdem zwei gestorben waren. Von den noch Lebenden waren fünf typhuskrank und die übrigen vor Hunger und Kälte bewußtlos.
Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle tu Gießeu.
36. Woche. Dom 2. September btS 8. September 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (tnd. 1600 Mann Militär) SterblichkeÜsziffer: 23,88°/« bezw. 21,17 nach AuSschl. der Ortsfremden.
Kinder
E8 starben an: Zusammen-.
Diphtheritis 1 (1)
Lungentuberkulose 1
Tuberkulose anderer
Organe
Brechdurchfall 1
Neubildungen 1
Altersschwache 1
Sonstige benannte
Krankheiten 4 (1)
Nicht angegebene
Krankheit 1
Summa: 11 (2)
Anm. Die in Klamm der Todesfälle in der betreff Gießen gebrachte Kranke kor
«achfene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr:
1 (1)
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Barometerstand.
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Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof.
Bremen, ll.Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Trave, Cavitän R. Sander, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 1. Scptbr. von Bremen und am 2. öeptbr. von Southampton abgegangen war, ist gestern, 10 Uhr Vormittags, wohlbehalten in Newyork angekommen.
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Anmerkung: Die punktirte Linie bei der Barometerscala gibt bei vorhergehenden Tages an.
witterung-aussichten
am 12. September Morgens 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage)
Thermometer: min. + 2,/i°K> max. + 4° R.
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