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Nr. 161

Amtag den 13 Juli

1894

Der Gießener Anzeiger crid)eint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Tie Gießener Aiamttienvkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

Vierteljähriger A-onnementspreirr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlodn.

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General-Anzeiger.

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Amts- und Anzeigeblatt fiiv den "Kreis Gieren.

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Gratisöeitage: Gießener KamikienMtter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

2lmtlid?er Thrrl.

Bekanntmachung.

Mittwoch den 26. Juli 1894, Vormittags IO Uhr, wird auf Lonys Felsenkeller (Westanlage) zu Gießen eine Generalversammlung des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen abgehalten werden.

Alle Mitglieder der landwirthschastlichen Bezirks- und Orts-Vereine, sowie alle Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch freundlichst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister werden hierdurch ergebenst ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.

Tagesordnung:

1. Bericht über die Thätigkeit des Bezirksvereins in den letzten Jahren.

2. Vortrag des Herrn Dr. Fr. GierSberg von Köln über die FrageIst Deutschland im Stande, seinen Bedarf an Getreide selbst zu bauen und welche Mittel sind zur Erreichung dieses Ziels nöthig?"

3. Vorlage der Rechnung des landwirthschastlichen Bezirks­vereins Gießen für 1893/94.

4. Vorlage deS Voranschlags des landwirthschastlichen Bezirks­vereins Gießen für 1894/95.

5. Ersatzwahl des Vorstandes des landwirthschastlichen Bezirks­vereins. Es haben auszutreten und sind durch Neuwahl zu ersetzen:

a. Der unterzeichnete Director des Vereins.

b. Der Stellvertreter desselben, Herr Gutsbesitzer Schlenke auf der Hardt.

c. Der Secretär des Vereins, der nach Darmstadt versetzte Großh. Oberconsistorial - Assessor Nebel daselbst.

6. Ersatzwahl eines Mitgliedes des Ausschusses an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Pracht zu Grünberg.

Gießen, den 10. Juli 1894.

Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen C. Jost.

Feuilleton.

Der Lump.

Erzählung von O. Hohenthal.

(Schluß.)

Sagen Sle mal, Feldwebel, das scheint ja eine böse Wirthschaft hier zu sein da halten sich wohl selbst die Herren Jäger Lurushunde?"

Der Gefreite Koch hat das Thier nie mitgebracht. Der Herr Oberstlieutenant v. M., welcher daffelbe vor zwei Jahren sah, gestattete, daß sichLump", so heißt der Hund, in der Kaserne aushalten könne und auch hier zu fresien bekomme. Seit dieser Zeit istLump" quasi Bataillonshund."

,/So, so; nun, ich wünsche nicht, daß mir der Köter noch einmal vor die Augen kommt, andernfalls laste ich ihn er­schießen oder in den See werfen!"

Zu Befehl, Herr Major!"

Und der Commandeur verschwand in der Kaserne.

Das war Mittags eine Aufregung unter den Jägern. Jeder brachte einen Vorschlag zur Rettung des geliebten Lump", nur ein einziger wurde aber mit großer Majorität acceptirt, nämlich daS Thier bei einem benachbarten kleinen Restaurateur an die Kette zu legen und alltäglich die Abfälle der Küche nach dort bringen zu lasten. Dann war er gegen die Rache des Majors gesichert.

Und so geschah es. Widerwillig zwar ließ sichLump" an die Kette legen, als ihm aber Freund und College Koch die Nothwendigkeit einer kurzen Jnternirung klar machte, gab sich das Thier zufrieden. Offiziere und Mannschaften grollten dem Commandeur ob seines Machtspruchs, besonders da das Manöver bevorstand, dennLump" war immer ein treuer Begleiter gewesen und die einzige Freude auf strapaziösen Märschen auf sandigen heißen Ebenen.

Eines Morgens machte Herr v. P. dem im Verbände exercirenden Bataillon die Mittheilung, daß morgen der Herr Generalinspecteur der Jäger und Schützen eintreffen werde. Er erwarte von dem Bataillon, daß es seine Pflicht thue. Die Herren Hauptleute setzten pflichtgemäß die ernsteste Sorgenmiene auf und die Lieutenants lächelten wehmüthig bei dem Gedanken, daß für morgen die verabredete Partie mit den Damen zum Teufel gehe.

Da fuhr es plötzlich kläffend und keifend durch das Thor

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Juli. Die Feier des 70. Geburtstages Herrn v. Bennigsens ist an zahlreichen Orten des Reiches festlich begangen worden. Es beteiligten sich hieran nicht nur die Kreise der Parteigenosten des Jubilars, sondern auch Angehölige anderer Parteien, wird doch Rudolf v. Bennigsen auch außerhalb der nationalliberalen Reihen wegen seiner großen Verdienste um das deutsche Reich hochgeschätzt und geehrt. Im Mittelpunkte aller festlichen Veranstaltungen zu Ehren Rudolf v. Bennigsens stand natürlich die Feier in Hannover, dem amtlichen Wohnsitze des Jubilars, sie hat nach den hierüber vorliegenden Meldungen einen glänzenden Verlauf genommen. Unter den Herrn v. Bennigsen zuge­gangenen überaus zahlreichen Glückwunschschreiben befinden sich auch solche vom König von Württemberg, vom Groß­herzog von Baden, vom Herzog von Coburg und anderen deutschen Fürsten, vom Fürsten Bismarck, vom Reichskanzler Grafen Caprivi, vom preußischen Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg u. s. w. Der schriftliche Glückwunsch des Fürsten Bismarck lautet:Im Rückblick auf unsere langjährige Arbeit an der nationalen Wiedergeburt unseres gemeinsamen Vater­landes bitte ich Sie, zum heutigen Tage meinen herzlichsten Glückwunsch entgegenzunehmen. Wir sind nicht immer in demselben Geleise gefahren, aber unser Ziel war das gleiche. Daß wir die annähernde Erreichung desselben noch Beide erlebt haben und ich Ihnen heute meinen Glückwunsch und Dank für Ihre Mitarbeit noch lebend übermitteln kann, ge­reicht mir zur besonderen Freude. Ich bitte Sie, mir auch in Zukunft, die jedenfalls kürzer sein wird, als die 70 Jahre, die wir gleichzeitig lebten, das Wohlwollen zu bewahren, welches gemeinsame Arbeit uns als Ergebniß des Vorlebens gegenseitig geschaffen hat."

DerBi erkrieg" in der Reichshauptstadt geht, nachdem der Versuch einer Verständigung zwischen den beiden kämpfenden Parteien an der Halsstarrigkeit der socialdento> kratischen Boycott - Commission gescheitert ist, mitallen Chicanen" weiter. Einerseits haben sich die vereinigten Brauereien, Wirthe und Saalinhaber noch fester anemander- geschlossen, anderseits wird von den Socialdemokraten der Boycott mit größtem Nachdruck zur Geltung gebracht.

des Kasernenhofes und venire ä terre jagteBijou", der kleine verwöhnte Seidenspitz der Frau Majorin, die Reihen entlang, gefolgt vonLump", der seinen aristokratischen Collegen in der Mitte der Front faßte und ganz gehörig schüttelte, so daß der Spitz ein klägliches Geheul von sich gab. Der Major wurde hochroth im Gesicht. Er befahl sofort einigen Jägern, das Thier einzufangen und ihm den Garaus zu machen.

Es ist gerade, als ob es dieses Hundevieh auf mich abgesehen hätte," meinte der Major wüthend.

Fünf bis sechs Jäger, unter ihnen selbstredend Koch, traten aus dcr Front.Lump" hatte angesichts der nume­rischen Ueberlegenheit der Verfolger sein zerzaustes Opfer fahren lassen und lief so schnell er konnte Über den Kasernen­hof dem Depotschuppen zu hinter ihm drei Jäger, ihnen voran Emil Koch.

Jetzt warLump" gefangen und das Thier wäre sicher­lich seinem Schicksale nicht entgangen, wenn der flinke Gym­nastiker es nicht blitzschnell beim Klagen gefaßt und in einen der leeren Munitionskästen geschoben hätte.

Süll, meinLump", still, sonst wirst Du ersoffen!" Und das kluge Thier mußte die Tragweite dieser Worte verstanden haben, denn die eifrig suchenden Jäger konnten keine Spur vonLump" entdecken, wie sie zum größten Gaudium des ganzen Bataillons später dem Feldwebel der vierten Compagnie meldeten.

Am anderen Morgen traf der Generalinspecteur der Jäger und Schützen ein. Das Bataillon übte am ersten Tage auf einer ungefähr eine Meile von der Stadt entfernten Haide im Felddienst. In langen Schützenlinien avancirte die Truppe gegen den marfirten Feind.

Munitionsersatz im Feuergefecht'."

In scharfem Trabe gingen die beiden Wagen bis an die Linien vor, die Patronenkisten wurden herausgehoben und mit ihnen sprangLump" ins Freie. Das Hurrah der um­stehenden Oberjäger und Jäger wurde glücklicherweise über- tönt von dem Rollen des Rottenfeuers, denn im selben Augen­blick galoppirte der Generalinspecteur nebst Major und zwei Adjutanten an. Dem scharfen Auge des Jnspecteurs war der herauSspringende Hund nicht entgangen.

Na, was ist denn das? Führt man bei Ihnen denn das Hundezeug in den Munitionswagen mit?" wandte er sich an den Major.

Hierher gehört die Erklärung des Boycotts gegen sämmtliche demRinge" angehörigen Brauereien, sowie der Versuch der Boycott-Commission, die verfehmten Berliner Biere durch Hofer und Fürther Biere zu ersetzen.

Den Wählern des Reichstagswahlkreises ElmS- horn-Pinneberg wird vielleicht das Vergnügen einer nochmaligen Nachwahl blühen. Der jetzige Vertreter desselben, der socialdemokratische Herr v. Elm, entpuppt sich dem Ver­nehmen nach als Ausländer, als Däne. Sein Vater soll ein geborener Däne sein und sich nicht haben naturalisiren laffen, so daß also auch sein Sohn, der jetzige Reichstagsabgeordnete v. Elm als Däne betrachtet werden müßte. Falls dies zu­trifft, so wäre natürlich das parlamentarische Mandat des Herrn v. Elm ungültig.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphtsches Eorrespondenz-Buren».

Berlin, 11. Juli. Das Kaiserpaar trifft morgen in Drontheim ein. Am 14. Juli reift der Kaiser an Bord derHohenzollern" weiter. Die Kaiserin reift nach Christiania zurück, begibt sich auf dem Seewege nach Deutschland und trifft in Wilhelmshöhe bei Kassel am 20. Juli ein.

Berlin, 11. Juli. DerReichsanzeiger" meldet: Zur Ausführung des Gesetzes betreffend die Aufhebung des Identitätsnachweises verfügte der Finanzminister am 5. Juli, daß Einfuhrscheine nur für Maaren von markt­gängiger Beschaffenheit zu ertheilen sind. Als marktgängig gilt auch Waare, welche mit unerheblichen Mängeln, wie beispielsweise mit leicht dumpfiger Beschaffenheit, Sommer­geruch, mäßigem Auswuchs, geringem Besatz mit Käfern behaftet sind. Bei Getreide, Hülsenfrüchten, Raps und Rüb- saat sind etwaige fremde Bestandtheile, wie Sand und Unkraut, nicht zu beanstanden, soweit sie nicht über zwei Gewichts- procenre ausmachen. Bezüglich der Beschaffenheit der Mühlen- sabrikate gelten die auf Grund des Regulativs für die Ge­währung Don Zollerleichterung bei der Ausfuhr von Mühlen- und Mälzereifabrikaten getroffenen Anordnungen auch bei den Mühlenfabrikaten, die mit Anspruch auf Ertheilung des Ein­fuhrscheins zur Ausfuhr angemeldet werden.

Hamburg, 11. Juli. Der Senat verbot aus sanitären

Dieser färbte sich hochroth und mochte im Innern mit tausend Donnerwettern den Köter verwünschen.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als wir uns in Bataillonsfront am Ende der Haide, mit dem Rücken an eine WaldlifiLre gelehnt, aufgestellt hatten. Der Jnspecteur ritt im Schritt die Front ab, hinter ihm der Major. Auf dem linken Flügel wendete er daS Pferd und im Galopp ging es zurück. In gleicher Gangart folgte ihm der Bataillons- commandeur.

Da brach urplötzlich mit einem wüthenden GebellLump" aus dem Walde hervor, auf das Pferd des MajorS zu und belästigte dies in ächter Kläffermanier. DaLump" diese Untugend nie hatte merken lassen, so war es klar, daß sein Gebell nicht dem Pferde, sondern deffen Reiter galt. Der nicht mehr junge Gaul opponirte zwar kräftigst, doch dies machte den Hund nur noch wüthender. Der Herr Major malträtirte das Pferd auf unverantwortliche Weise, bis sich dieses endlich hoch aufbäumte und den steifen Reiter aus dem Sattel hob. Tiefer Ernst lagerte auf den Gesichtern der Offiziere und Mannschaften, als der unbeliebte Commandeur auf den Haideboden flog alle freuten sich wohl im Innern über daS Mißgeschick desselben.

Der General drückte ironisch lächelnd dem Major sein Bedauern über deffen Mißgeschick aus.

Sofort nach der Rückkehr in die Garnison wurdeLump" durch Freund Koch bet dem Bahnwärter an die Kette gelegt, denn wenn er dem Major zum dritten Male in den Weg gelaufen wäre, hätte ihn derselbe höchsteigenhändig nieder- gestochen, dies war uns allen klar.

Das Manöver konnte der Bataillonshund in diesem Jahre leider nicht mitmachen, dafür hatte er aber die Genugthunng, sofort nach Beendigung deffelben wieder mit allen Ehren vom Bataillon empfangen zu werden, da der Commandeur während des Manöverserkrankt" und um seinen Abschied eingekommen war. Und da man alle Ursache hatte, anzunehmen, daß Lump" durch sein bissiges Benehmen während der Vor­stellung den ersten Anlaß zu dieser Krankheit gegeben, so nahm man keinen Anstand, ihm die Sergeantenknöpfe anzu- zunähen. Leider lieferte der Artist nach einigen Tagen feine Sachen ab undLump" begann nach dreijähriger ehrenvoller Dienstzeit wieder baß alte Vagabundenleben.