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Ter »iehener Anzeiger erscheint täglich, mit Au»nabme des Montag«.
Die Gießener m iliea dläller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal br, gelegt.
Dienstag den 13. März
Erstes Blatt.
1894
Gießener Anzeiger
Kenerat-Unzeiger.
Vierteljähriger Z»a,ae«ent»,reir: 2 Mark 20 Psg. mit Lringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 60 Psg.
Nedaenon, ijptbition Ullb Ti udrrri: <.rf>uffirate Mr.7.
Fernsprecher 51.
Amts- und Anzeigeblatt süv den TLveis Gietzen.
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[ Hratiskeil'age: chießener Kamikienbkätter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de» folgenden Zag erscheinenden Nummer bi« Sorin. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux de- In- und AuSlande« nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger' entgegen.
Der Antrag wird mit 14 gegen 10 Stimmen angenommen und der Rest deS Etats unverändert genehmigt. Beim Etat des ReichSschatzamtS wird der neue Posten des UnterstaatS- secretärS mit 12 gegen 11 Stimmen angenommen.
BerU«, 10. März. Gestern Abend ist auf der Treppe der 12. Polizeiwache in der Linienstraße eine bomben» ähnliche Blechbüchse gefunden worden. Das verdächtige Gefäß wurde sofort in Wasser gesteckt und soll heute unter» sucht werden. Man weiß noch nicht, ob eS sich um ein Attentat oder einen schlechten Scherz handelt.
Kiel. 9. März. Für die Hinterbliebenen der aus dem Panzerschiffe „Brandenburg" Verunglückten wurden von einem Berliner Bürger, der nicht genannt sein will, 15000 Mk. gestiftet. Der Fürst von Hohenzollern hat 500 Mk. übermittelt.
Hamburg. 10. März. Die Altonaer Stadtverwaltung beschloß den Bau einer bis zum neuen Fischereihafen reichenden Industriebahn und zwar im Anschluß an die Staatsbahn.
Attsland.
Wieo, 10. März. Von gut unterrichteter Seite wird gemeldet, daß der österreichische Kaiser dem im Mai bei Pola stattfindenden großen Flottenmanöver beiwohnen wird. Während der Osterfeiertage besichtigt Kaiser Wilhelm das Marine-Etablissement in Pola.
Wien, 10. März. Die „Neue Freie Presse" bringt einen Leitartikel über die Anwesenheit des Zaren- paareS auf der Soiroe beim deutschem Botschafter in Petersburg. Der Verfaffer des Artikels legt dem Umstande, daß der Verlauf der Festlichkeit zuerst durch Regierungsblätter veröffentlicht wurde, eine hochpolitische Bedeutung bei.
Brussel, 10. März. DaS Wort deS KriegSministerS Bronsart v. Schellendorf, daß nur Taktiker vierten Ranges in der Schaffung eines Lagers bei Malmedy eine Gefahr für die Nachbarländer sehen, wird in der hiesigen Presse lebhaft commentirt und besonders auf die von General Brialmont in letzter Zeit in der Kammer gehaltenen Reden bezogen.
Paris, 10. März. Das Organisation- - Comite für die Maifeier nahm die angebotene Mitwirkung der socialistischen Abgeordneten an, um das Arbeiterfest möglichst glänzend zu gestalten.
Paris, 10. März. Hier und in der gesammten Umgegend nimmt der Typhus in schreckenerregender Weise zu. Der Decan der medicinischen Facultät hatte deshalb gestern eine längere Unterredung mit dem Ministerpräsidenten.
Paris, 9. März. Gestern wurde der Vater BourdinS, deS in Greenwich durch Explosion verunglückten Anarchisten, verhaftet.
Loudon, 9. Marz. Morgan, der Director der Ausgrabungen in Egypten, hat gestern die Pyramiden von Bachou öffnen laffen und Gräber der 12. Dynastie sowie verschiedene Schätze vorgefunden.
Venedig, 10. März. Die heutigen Morgenblätter melden die bevorstehende Ankunft deS italienischen Königs- paareS, welches den deutschen Kaiser und seine Gemahlin hier begrüßen will. Wie die Verwaltung deS Palazzo Realo mittheilt, liegt eine osficielle Nachricht bezüglich deS Tages der Ankunft noch nicht vor.
Amtliche* Theil.
Nr. 7 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 7. d. M., enthält:
(Nr. 2146.) Gesetz, betreffend die Ausführung des
16. November 1887 internationalen Vertrages vom 14 ^ebruar 18ij3 Zur Unterdrückung des Branntweinhandels unter den Nordseefischern auf hoher See. Vom 4. März 1894.
(Nr. 2147.) Bekanntmachung, betreffend den Antheil der Reichsbank an dem Gesammtbetrage des steuerfreien ungedeckten Notenumlaufs. Vom 27. Februar 1894.
Gießen, 12. März 1894.
GroßhsrzoglicheS Kreisamt Gießen.
_________________________v. Gagcrn.__________________________
Die Bürgermeistereien Albach, Alten-Bufeck, Bersrod, Daubringen, Eberstadt, Ettingshausen, Großen - Buseck, Heuchelheim, Lauter, Lich, Lumda, Mainzlar, Muschenheim, Ober-Bessingen, Queckborn, Röthges, Steinbach, Steinheim werden an die Einsendung der Sterbzählkarten für Januar und Februar erinnert.
Gießen, den 12. März 1894.
Krotzh. Kreisgesundheitsamt.
Deutsche» Reich.
Berlin, 10. März. Die Kaiserin tritt nebst den kaiserlichen Kindern am Montag die angekündigte Erholungsreise nach dem österreichischen Süden an. Die Reiseroute geht über BreSlau, Oderberg und Wien- am Dienstag Mittag werden die erlauchten Herrschaften in Abbazia eintreffen. Der Kaiser gedenkt seiner Familie erst einige Tage später nachzusolgen.
— Die Einberufung einer internationalenMünz- conferenz nach Berlin auf Grund des Programms der Doppelwährung ist von den Herren Dr. Ahrendt, v. Kar- dorff, Leuschner und Wülfing, Mitgliedern der von reichswegen eingesetzten Silber - Enquete - Commission, beantragt worden. Ob indeffen die Reichsregierung dem Antrag Folge leisten würde, selbst wenn ihn die Silbercommission befürworten sollte, ist zur Zeit mindestens noch fraglich.
— Im „Reichsanzeiger" wird endlich die Abberufung des württembergischen Gesandten am Berliner Hofe, v. Moser, offiziell bekannt gemacht. Hiermit verschwindet ein Zwischenfall von der politischen Bildfläche, welcher seinerzeit viel Staub aufwirbelte und der trotzdem noch nicht völlig aufgeklärt worden ist.
— Noch sehr der Aufklärung bedürftig ist aber eine andere, gegenwärtig viel besprochene Affaire, diejenige der Art griffe des „Kladderadatsch" gegen hochgestellte Renchsbeamte. Ganz offen bezichtigt das genannte Witzblatt dick Herren Geh. Legationsrath v. Kinderlen - Wächter und Gfch. LegationSrath v. Holstein, beide vom Auswärtigen Amt, g-rwiffer politischer Umtriebe und Jntriguen, nachdem daS fälatt die genannten Reichsbeamten zunächst als „v. Spätzle" i Md „v. Austernsreund" angegriffen hatte. Außerdem werden ' lese Anklagen jetzt auch in Briefen eines der Redacteure M „Kladderadatsch" erneuert und hierbei wird auch noch Le dritte politische Persönlichkeit, der preußische Gesandte " München, Graf Eulenburg, gleicher Jntriguen beschuldigt.
'.ffälliger Weise scheint man in den Berliner Regierungs- ; sen gesonnen zu sein, diese Angriffe des „Kladderadatsch" gj n so hochgestellte Beamte hinzunehmen, ohne daS Ein- i itcn der Gerichte zu veranlassen- natürlich trägt diese '4nc Haltung nur dazu bei, daß der ganze peinliche „ Wenfall in der öffentlichen Meinung immer lebhafter er- 5 " wird.
i Berlin, 10. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: in einzelnen Preßorganen auch neuerdings wieder der T^e gtaum gegeben wurde, die verbündeten Regierungen für die lausende Session darauf verzichten, die dem s fit gemachten Steuervorlagen durchberathen zu sehen, so hnb>ir in ber Lage, auS bester Quelle versichern zu die verbündeten Regierungen unter allen Um» nanoen rauf bestehen, nicht nur über die Steuervor-
«/ ndern auch über das Finanzreformgesetz vom Jtetd^tQgbnie bestimmte Antwort zu erhalten."
Berlk, 9. März. Die Budgetcommission deS .n etchstax hat heute die Einnahmen deS Reiches an Zöllen, ^erbrauchsfiaern und Aversen berathen. Die Zölle und die Tabaksteuer vurden unverändert genehmigt. Beim Titel L-uckersteuer, reren Brutto - Einnahme 85 160 000 Mark be» beantrag Richter 5 bis 6 Millionen mehr anzusetzen.
Deutscher Reichstag.
68. Sitzung. Samstag den 10. März 1894.
Abg. Koscielski (Pole) hat sein Mandat niedergelegt.
DaS Hanbelsprovtsorium mit Spanien wird in erster unb zweiter Lesung bebattelos angenommen.
Der zweiten Lesung des Handelsvertrages mit Rußland gebt eine kurze GeschäftSordnungS Debatte voraus.
Abg. v. Manteuffel (conf.) gibt Namens seiner politischen Freunde dem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Commission bei einer so wichtigen Angelegenheit keinen schttstlichen Bericht erstattet habe.
Abg. Rickert: ES wärm 3 bis 4 Wochm verlorm wordm, wmn schriftlicher Bericht erstellet worden wäre; der Vertrag wäre dann nicht biS zum 20. d. Mts. zu Stande gekommm und d-mtt gescheitert.
Abg Bachem (Str.): Der Wunsch nach einem schriftlichen Bericht mußte Angesichts der Kürze der Zeit, da wir jedmfallS vor Lstero fertig werden wolltm, zurücktreten.
Abg Hammacher (natl.) gibt den Sonservativm anheim, noch jetzt etnm Anttag aus schriftliche Berichterstattung kinzubrftrgen.
Abg. o. Manteuffel: Damit würdm wft doch keinmErfolg habm.
Die Berathung erstreckt sich zunächst auf Artikel I: Gleichstellung der Angehörigen des fremden Staates mit dem Einheimischen in Bezug auf Handel und Gewerbebetrieb, unter Zusicherung der Meistbegünstigung mit der Maßgabe, daß die Landesgesrhe auf die Fremdm Anwendung finden sollm.
Nach einem eingehenden Referat deS Abg. Möller nimmt daS Wort zunächst
Abg. Haff« (natl.): Die in der Sommission Seitm« der Regierung abgegebenen Erklärungen über die wirthfchaftSpolitische Bedeutung de« Artikels I haben uns nicht völlig genügt. Wft bitten deshalb um Wiederholung dieser Erklärungen hier. Dft Bestimm- ungen über den Bevölkerungsaustausch sind hier nicht so klar, wie z. B. in dem Vettrage mit Serbien. So bedarf eS der näher« Aufklärung über die Behandlung der Judm, die nicht ReichS- angehölige find. Wie deckt sich Artikel I mit dem $22 deS Echluß- prolokolles, wonach die russischen Juden in Rußland auch ohne Paß ausgenommen werden müssm, wenn ihr Aufenthalt In Deutschland nicht länger als ein Monat gebauert hat. Was die Einwanderung russischer Arbeiter anlangt, welche man früher alS Folge der Sachsen gängeret ansah, so hat sich inzwischen gezeigt, daß man die Ursache und Wirkung verwechselt hat. Diese Einwanderung ist jedenfalls entbehrlich. Wir werden aber tiofcbem, eine ganze Anzahl meiner Freunde, für den Artikel I und dm Vertrag stimmen. Ferner wünschen wir eine Bestätigung der Aufhebung der Staffeltarife möglichst schon vor dem 1. September.
Reichskanzler Graf Caprivi: Wesmtliche wftthschaftliche Be- denkm, die Staffeltarife schon am 1. August aufzuheben, bestehen nicht. Die Zweifel, ob auch die Staffeltarife für die ganze Dauer des russischen HandelSvettrageS aufgehoben bleibm werden, haben fich durch die einfache Erwägung, daß ja die Motive für die Aushebung der Staffeltarife wesentlich zusarnmmhängen mit dem Handelsverträge und der Aushebung des Jbmtitäts-RachweiseS. ES ist also eine einfache logische Schlußfolgerung, daß die Staffeltarife für die Dauer deS Vertrages aufgehob-n bleiben. Bindende Erklärungen können wir darüber natürlich nicht abgebm, da ja die Möglichkeit von NothstandSfällen eintreten kann. WaS die Ursache der Aufhebung der Staffeltarife anlangt, so kann ich erklären, daß dft erste Anregung dazu von der mtscheibmstm Stelle in Preußen auS- gegengen ist.
Staalssecretär o. Marschall: Die Reichsregierung hat vollständig freie Hand, russische Individuen abzuschieben, auSzuweisen ober nicht zuzulaffm. DaS Hohettsrecht bleibt vollständig unberührt. Verschieden von der Frage, wie russische Staatsangehörige zu be- bandeln sind, ist die, wie solche zu behandeln find, welche die russische Staatsangehörigkeit verloren haben. In diese» Beziehung enthalt S 22 des SchlußprotokollS einen großen Fortschritt, insosern fich Rußland verpflichtet hat, auch solche Individuen wieder auszunehrnm. Bisher war eS dazu nicht verpflichtet.
Abg. Lotze (antis. Reformp.): Wir erblicken im Artikel 1 eine nicht zu unterschätzende nationale Gesahr. ES ist ja bekannt, welcher Art die russtsch-jübischen Einwanberec finb. Schon biete« Artikels I halber müssen wir ben Vertrag ablehnen. ES ist bekannt, wie bet Reichskanzler über bie Antisemiten benft, er sieht «in unS bie Vorfrucht ber Soctalbemokratie. Aber nicht wir, sonbern vielmehr gerabe baS Jubmtbum ist bie Vorfrucht ber Soctalbemokratie.
Abg. Rickert (fr. Vp.): Ich habe bie Erklärungber Vertreter ber Regierung so ausgesatzt, baß eine generelle Reform bes Eisen- bahntarifwesenS in Aussicht ist. Aus bie Jubensrage einzugehen, halte ich hier nicht für nöthig, um so weniger, als ich bie Erledigung des Vertrages nicht aufhalten will. Eine nationale Gefahr liegt in dem Artikel l nicht, dazu ist die Zahl der rufsischM Staatsangehörigen bei uns zu gering. Unsere Regierung hat auch ausreichende Macht- mittel, um eine Ueberschwemmung mit Einwanderern zu verhüten.
Abg. Liebermann von Sönnenberg iDeutschsoc.) will gegen den Vertrag im Allgemeinen sprechen, wird jedoch daran durch den Vicepräsidmtm v. Buol verhindert, woraus er in Aussicht stellt, in der Generaldebatte der britten Lesung, unb alsbann zu jebem Paraoraph zu sprechen. (Heiterkeit). In biesem Vettrage liegen alle Vottheile auf Seiten Rußlands unb gar keine auf Seiten Deutschlands. ES ist bekannt, daß eS keinen schlechteren Markt giebt als *n Rußland. (Präfid. v. Leoctzow weist ben Redner wiederum auf »rttW J.) Vortheil von dem Vertrage haben nur wenige deutsche Industrien. Der Absatz nach Rußland wird auch ftotz diese« Vertrages immer mehr abnehmen. Run die nationale Seile deS VettraaeS. Jetzt, wo Rußland in witthschaftlicher Roth war, hätte — wie dies früher Fürst Bismarck so gut verstand, es nahe gelegen, mehr für bie Interessen unserer StammeSgenossen zu sorgen. Ein kalter Wafser- strahl nach Rußland hätte ergehen müssm, sind doch die russischen Blätter fo unverschämt, unS mit Krieg zu bedrohen, wmn wir ben Vertrag nicht annehmen. Wozu haben wir benn bie alte Spritze, bie Nordbeulsche Allgemeine?! (Große HefterkeitI Daß ber «unb ter Lanbwirthe biesen Drohungen entgegengetreten ist, ist ein Verdienst, von ihm gewesm. Dte Ruffm sollen nur kommen, wie ein Mann werden wft zufammenftehm, auch der Landsturm. (Gelächter links. Ruse: Falstasfiade! Große Heiterkeft). Herr R.chftr ruft mft zu. .. (Richter: es ist unwahr, ich habe kein Wort ge'agt.) Nun bann war eS (auf Singer weismb) ber Herr! (Große Heiterkeit!. (Abg. Richter: Sie wollen sich wohl nur interessant machen?) Nun, die Zeitm find vorbei, wo man fich mit dem Namm Richter interessant machm konnte. (Heitetteit). Wft roetben in Ostpreußen einen schweren Kampf haben, namentlich auch der rnffischm Iubm wegen, benn diese hat ja schon Napoleon als Spione bmutzt. Zehn Jahre sollen wir jetzt die rusfifchm Iubm behalten unb baS ist genug, um unS zu ruftrirm.
Abg. v. Hammerstein (cons.): Daß bie russischen Iubm eftre Lanbpiage feien, fei allgemein anerkannt, ebenso baß bmfelbm burch Attikel 1 ber Zutritt nach Deutschlanb erleichtert werbe. Darum sei er mit feinen Freunbm gegen biefen Attikel.
Abg. Fürst Radziwill (Pole): Der heutige Hanbelsvertrag läßt sich nicht von bet gesammten HanbelSoertragspolttik loSlösm. EMe Aufrechterhaltung des Differmttalzolles gegen Rußland können wft daher um so wmtger für richtig hatten, als auch ohnehm zum 3V3 Mark-Zoll über die anderen Grenzen große Mafim Getreide frlnrin* strömen würdm. Auch würdm bei Aufrechterhaltung deS DiNermtial- zolle» bie an Rußl-nb grmzmdm Landestheile zu todtm Wtnreln


