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eingehen und, die Person zu 10 Pfennig gerechnet, etwa 8 Procent der Passanten die Omnibuslinie benutzen. Die Finanzcommission hat sich mir dem Gesuch einverstanden er- klärt. Sie wurde nach Mittheilung des Herrn Oberbürger- meisters hauptsächlich von der Einsicht geleitet, tost dem Nord- und Ostende der Stadt durch bessere Vernindung mit den Bahnhöfen einigermaßen Ersatz für das geboten «erden solle, womit es durch die weite Entfernung sich im Nachtheile befinde. Es entspreche nur dem Gerechtigkeitssinn, wenn man der Umgebung des Wallthors in Bezug auf gute V rbindung mit der übrigen Stadt, besonders den Bahnhöfen, das biete, was anderen Stadtheilen, z. B. dem Südende, durch Herstellung einer Fußgängerbrücke von den Bahnhöfen nach dec Frankfurter Straße u. s. w. schon geboten wurde. Was das in Rede stehende Risico betreffe, so habe man, selbst wenn die Hälfte der gezeichneten Summe verloren gehe, dann doch noch auf verhältnißmäßtg billige Weise Studien gemacht über die Rentabilität eines derartigen Berkehrmittels und Antwort erhalten auf die Frage, inwieweit event. ein Pcrdebahnunternehmen lebensfähig sei. Es fördere aber auch das Vertrauen zur Sache, wenn die Stadt sich mit betheilige, 1 ud sei besonders des Versuchs werth im Interesse der Hebung des Verkehrs in den nordöstlichen Stadtheilen. Das Gesuch wird, nachdem noch Herr H ey lig en stae dt dasselbe unter Hinweis auf das Bedürfntst befürwortet und betont hatte, daß die Stadt sich einen gewissen Einfluß auf ein Unternehmen sichern müsse, das dem öffentlichen Verkehr di ncn solle, einstimmig genehmigt.

Die Wirthschafts-Concessionsgesuche der Herren Julius Well Höfer (Restauration Kronprinz, Wolfstraße), Heinrich Schäfer (Pfungstädter Bierkeller an der Bahnhofstraße) und Friedrich Harnickel (Cafe Leib) werden bezüglich des in Frage kommenden Bedürfnisses zum Ausschank von Brannt­wein befürwortet und die Beschlüsse damit begründet, daß es sich um Uebergang bestehender Wirthschaften auf andere Per­sonen handele.

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Locales unb provinzielles.

Gießen, 12. Januar 1894

Z. Neues Theater. Blumenthal - Kadelburgs vieractiger SchwankZwei glückliche Tage", der gestern Abend hier gegeben wurde, ist eines von jenen Stücken, das sich «och geraume Zett auf dem Repertoir sogar unserer besten Bühnen halten dürfte. Die Verfasser arbeiten weder mit allzu drastischen Mitteln, noch sind die komischen Situationen gesucht oder gar ganz unmöglich, nein sie haben die Personen chreL Schwankes frisch der heutigen Gesellschaft entnommen und sie wahrgetreu zu ihrem Zwecke verwerthet. Deßhalb spricht uns auch das Ganze sofort so freundlich an, hält unser Interesse bis zum letzten Augenblick wach und läßt das Gefühl t-r Langeweile keine Secunde aufkommen. Auch auf das gestern, leider nicht allzu zahlreich versammelte Publikum -ilue die Wiedergabe des Stückes ihre Wirkung im weitesten sllle.ße aus. Insbesondere sind es drei Figuren, von welchen dir Erfolg des ganzen Abends abhängt. Das ist erstens itr vermeintliche Erbonkel Lüttchen, ein überaus sympathisch gezeichneter, wohlwollender, alter Mann, der durch Herrn RI em ei er mit feinem Verständniß erfaßt und in glücklichster Weii'e dargestellt war. In zweiter Linie kommt dann die wirkliche Erbtante Christine aus Masuren in Betracht. Diese'tolle alt? Jungfer, der nichts recht gemacht werden kann, und die deßhalb das ganze Haus sozusagen auf den Kopf stellt und dem ohnehin schon genug gequälten Villenbesitzer den Geschmack an seinemKasten" ganz verdirbt, hätte von Frau Wehn in der Maske noch etwas carrikierter gegeben werden können. Last not least ist dann der naiveWeaner Bua" des Pepi Freisinger zu nennen. Seine Rolle gehört mit zu den besten,

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' die die Autoren geschaffen haben, aber für einen vor Allem in Wien nicht geborenen Darsteller auch zu den schwersten. Am gestrigen Abend hatte Herr Stückel dieselbe übernommen, zu dessen Benefiz die Aufführung war, und wir müssen ge­stehen, daß die vorzügliche Art, in der der Künstler seiner Ausgabe gerecht wurde, uns freudig überraschte. Es war Herrn Stückel gelungen, nicht nur den Dialect ziemlich natur« getreu wiederzugeben, sondern auch die vielen kleinen Eigen thümlichkeilen des Wiener Volkstypus sich so vollkommen anzuetgnen, daß über seinenPepi" nur eine Stimme des Lobes herrschte. Die übrigen Rollen lagen größtentheils in bewährten Händen und geben zu keiner Beanstandung Anlaß. Auch das Zusammenspiel ließ nichts zu wünschen übrig.

** Eisverein. Falls das dem Eissport günstige Wetter anhält, findet am Sonntag Nachmittag Concert der Regiments- musik auf der Eisbahn statt.

vermischtes.

* Frankfurt a. M., 9. Januar. Einem Mädchen, dessen reicher Verlobter es sitzen ließ, wurden 15 000 Mark als Entschädigung für das gebrochene Eheversprechen im ganzen gerichtlichen Jnstanzenzuge zuerkannt.

* Berlin, 11. Januar. Der 27jährige, im Auftrage der bayerischen Regierung hier weilende Dr. med. Ferdinand Gutmann töbtete sich gestern in seiner Wohnung, Louisen- straße 9, durch Ausschneiden sämmllicher Schlagadern am Hals, an den Schläfen, den Händen, den Füßen und durch Morphium. Als Grund wird momentane Geistesstörung durch Ueberarbeitung angenommen.

* Berlin, 11. Januar. Bei dem Attentat des Malers Klinger auf den Redacteur Engel vomBerliner Tage­blatt" wurde Engel das Nasenbein zertrümmert.

* Berlin, 11. Januar. Wegen Ermordung seines jüngsten Kino es und unter dem Verdacht, auch ein früher geborenes absichtlich getöbtet zu haben, ist in Weißensee ber Arbeiter Carl Rahmlow verhaftet worben.

* Berlin, 9. Januar. Ueber ein ergr e ifenb es Wiebersehen berichten Berliner Blätter rote folgt: Die Wärmehallen werben bei bem herrschenben Frost stark in An­spruch genommen. Unter den Aermsten ber Armen, welche bort kürzlich Einlaß begehrten, stand bebend vor Frost, halb erstarrt vor Kälte, ein Grcis, von dessen langem Barte die Eiszapfen herunterhingen. Immer wieder von den jüngeren Schicksalsgenossen zurückgedrängt, war er saft der Letzte in der schier endlosen Reihe der Unglücklichen.B., sind Sie's wirklich?" wurde der Greis plötzlich von einem behäbigen Herrn, der soeben vom Einwohner-Meldeamt kam, angeredet. Bevor sich der Befragte von seinem Erstaunen erholt hatte, nahm ihn der Fremde unter den Arm und führte ihn in ein in der Nähe belegenes Restaurant, wo er ihm eine Tasse Bouillon und ein Butterblob geben ließ. Der Herr war ein bekannter Bauunternehmer, der Greis ein ehemaliger Gutsbesitzer, der in den Gründerjahren den größten Theil seines beträchtlichen Vermögens durch unglückliche Speculation jenes Bauherrn verloren, dann ein Geschäft eröffnet hatte und dabei durch völlige Unkenntniß auch um den Rest seiner Habe gekommen war. Nachdem sich seine Frau aus Gram über das Unglück das Leben genommen, hatte der alte Mann jeden Halt verloren und war ein häufiger Gast der Wärme­halle, sowie des städtischen Obdachs, die er nun wohl nicht mehr betreten wird, da sein Retter in der Noth mit ihm, als er sich genügend gesättigt hatte, in einer Droschke davon­fuhr, dem Unglücklichen versichernd, daß er fortan für ihn sorgen werde.

* Geul, 11. Januar. In der Lämerstraße stürzte ein Bau ein, wobei 9 Arbeiter begraben wurden. 4 Arbeiter und der Bauunternehmer blieben tobt, bie übrigen sind schwer verletzt.

* E>n entdeckter Schah. Die in Berlin wohnhafte Bauunternehmers - Wittwe Weiß galt allgemein als blutarm, roeil sie sich das Allemöthigste abdarbte und fast täglich sich im Hause trockenes Biod erbettelte, hatte sie selbst d e vier ärztlichen Besuche zu je 2 Mk. nicht zahlen wollen, weil es ihr angeblich an Mitteln fehlte, und es mußte deswegen erst gerichtliche Intervention nachgesucht werden. Der betreffende Gertchisvollzieher erhielt nun, nachdem die Weiß inzwischen gestorben, den Auftrag, zur Ordnung des Nachlasses die tn ihrer Wohnung befindlichen Gegenstände auszunebmen. Der Beamte war sicherlich der Memung, daß die Ausnahme des Inventars bei einer so atmen Frau am Endx doch wohl überflüssig sei. Man denke sich aber sein Staunen, als er in einem Versteck ein Vermögen von beinahe zwei­hunderttausend Mark vorsand, theils tu guten Hypo« theken, theils in Staatspapieren. Trotz dieses Vermögens hatte die alte Dame seit Jahren von Almofen gelebt! Natürlich ist das Geld mit Beschlag belegt worden und wirb sich, bevor in Dresben wohnende Erben dabei in Frage kommen, zuerst der Steuerfiscus wegen der seitherigen Steuer­hinterziehung daran schadlos halten. Die Verstorbene bat in Dresden einen Schwager, der Jnstrumentenmacher ist und Universalerbe sein dürfte.

Schiffsnochvichten.

(Mitgetheilt durch den Agenten des Norddeutschen Lloyd, Herrn Carl Loos in Gießen).

Bremen, 11. Januar. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Spree, Capt. W. Willigerod, vorn Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher em 2. Januar von Bremen und am 3. Januar von Southampton abgegangen war, ist heute 9 Uor Vormittags wohlbehalten in Newyoik angekommen.

Tttvchliche Anzeigen -ev Stadt Gieszen.

itvaugelische Gemeinde.

Gottesdienst.

2. nach Epiphanias, Sonntag den 14. Januar:

In -er Ltadtttrche.

Vormittags 9/a Uhr: Pfarrverwalter Dr. Grein.

Der Nachrnittagsaollesdienst fällt aus.

Kinder kir che: Vorrn. 11 Uhr Pfarrverwalter Dr. Grein-

Bibelstunde im Turnsaale der Stadtknabenschule Donners­tag den 18. Januar, Abends 8 Uhr: Pfarroerwalter Dr. Grein (Gietchniß vorn Schatz im Acker und von der einen köstlichen Perle. Matth. 13, 444b).

2 nach Epiphanias, Sonntag den 14. Januar: 2« der JovanneSkirche.

Vormittags 9'/r Uhr: Pfarrer Din gelb ey.

Vormittags 11 Uhr: Kinderktrche der Lukasgemeinbe. Pfarrer Dingeldey

Die Ettern werden gebeten, ihre Kinder zu diesem Gottesdienst zu senden und auch spater dazu anzuhatten.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann

Beichte unb heiliges Abendmahl für die Johannes- gemetnde. Anmeldungen im Pfarrhaus an der Südanlage.

Bibelstunde am Montag den 15. Januar, Abend« 8 Uhr, im Confirmandensaale der Johanneskirche: Markus Cap. 10: Ehesegen und Kindersegen. Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

Sonntag den 14. Januar^ Namen-Jesu-Feft:

SarnStag: Nachmittags um 4Vs Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.

Sonntag: Vormittags von 6Vs Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 6Vs Uhr erste hl. Messe; nm 7Vs Uhr Austheilung ber hl. Kommunion; um 8 Uhr zweite hl. Messe; um 9 s Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 51/» Uhr Christenlehre; darauf Andacht-

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80 rm Buchen-, 40 rm Eichen-, 10 rm Nadelholz, und 20 rm Weich­holz-Prügelholz;

60 rm Buchen-, 50 rm Eichen-, 15 rm Nadelholz- und Weichholz-Stockholz;

350 rm Buchen-, 580 rm Eichen- und 700 rm Nadelholz und Weichholz- Retserholz;

40 rm Fichten-Reiserprügelholz (Bohnenstangen, Baumstützen rc.);

3 rm Eichen-, 1 rm Erlen- und 7 rm Nadelholz-Nutzprügelholz;

20 Fichten-Stämme 6 fm.

Kaufliebhader für das Reiserholz wollen dasselbe gefl. vorher ansehen.

Zusammenkunft: Vormittags 10 Uhr im District Colnhäuser Kopf am Dorfgiller Fußpfad. 366

Arnsburg, den 11. Januar

Oeffentliche Aufforderung.

Die Erbschaft der Lehrer Philipp Anbei Eheleute zu Gießen ist unter der Rechtswohlthat des Jn- vcntars angetreten worden.

Es werden daher Alle, welche An­sprüche an fraglichen Nachlaß zu bilden haben, hiermit aufgefordert, solche binnen 14 Tagen dahier anzumelden, anderenfalls sie bei Ordnung des Nachlasses nicht berücksichtigt werden fönnen.

Gießen, 10. Januar 1894.

Großherzogliches Amtsgericht.

Stammler. 358

1894.

Gräfliche Oberförsterei.

Samstag, 13. Januars

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