Vaillant leugnet, Geld zur
Madame
Vorbereitung des Attentats erhalten zu haben.
Zünder gefunden worden.
Paris. 10. Januar.
Paris, 10. Januar. Zu der heutigen Verhandlung gegen Vaillant wurden von dem Schwurgericht die um« fassendsten Sicherheitsmaßregelu außerhalb und innerhalb des Justizpalastes getroffen. Der Geschworenensaal ist streng überwacht. Es herrscht lebhafter Zudrang in den Saal. Baron Gustav v. Rothschild, einer der Geschworenen, fehlt. Die Haltung Vaillants bet seinem Eintritt in den Saal ist energisch und entschloffen. Er hört aufmerksam die Verlesung der Anklage, bei dem Verhör durch den Präsidenten gibt Vaillant sichere Antworten. — Gerüchtweise verlautet, an den Zugängen des Justtzpalastes sei eine Bombe mit erloschenem
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau-
Berlin. 10. Januar. Der „Reichsanzeiger" meldet: Bezüglich des Beschlusses des Bundesrathes vom 14. De- eember v. I. wegen der Stundung und Sicherheitsstellung der Branntwein-Verbrauchsabgabe wies der Finanz- minister in einer Verfügung vom 2. Januar die Provinzialsteuerdirectoren darauf hin, daß hinsichtlich der Art und Weise für die creditirte Branntwein-VerbrauchSabgabe fortan die für die Sicherstellung gestundeter Abgaben sonst bestehenden allgemeinen Vorschriften derartig angewendet werden, daß inländische Slaatspapiere, deren Cours hinter dem Nennwerth zurückbleibt, nur nach ihrem Courswerth anzunehmen sind.
Berlin, 10. Januar. Die „Nationalzeitung" erfährt zuverlässig, die bisher vereinbarten Bestimmungen des deutsch- russischen Handelsvertrags-Entwurfs betreffen auch eine Reihe landwirthschaftlicher Producte, insbesondere Kartoffel- und Stärkemehl, Hopfen, Obst, junges Gemüse und Käse. Nach Lage der deutsch-russischen Handelsbeziehungen konnten manche andere Producte der Landwirthschaft nicht in Betracht kommen. Die deutschen Unterhändler erhielten jedoch ausdrückliche Instruction, soweit nur möglich die Interessen der deutschen Landwirthschaft nachdrücklich wahrzunehmen, was ihnen hinsichtlich der angeführten Producte auch gelungen sei.
Berlin, 10. Januar. Nach einer bei dem Reichscom- missar für die Chicagoer Weltausstellung eingegangenen amtlichen Meldung ist bei dem Brande der Welt- ausstellungs - Gebäude kein deutsches Gut beschädigt worden.
Köln, 10. Januar. Sicherem Vernehmen nach beabsichtigt, so meldet die „KölnischeZeitung" aus Stuttgart, König Wilhelm sich Ende dieses Monats zur Theilnahme an der Geburtstagsfeier des Kaisers nach Berlin zu begeben.
Leipzig, 10. Januar. Der Aquarellmaler Professor Carl Werner ist gestorben.
Paul Reclus habe ihm 20 Francs gegeben, aber nur, um ihm zu helfen. Er habe nicht beabsichtigt, Zuschauer zu treffen, sondern nur Depmirte, weil dieselben die Urheber des socialen Elends seien. Er hätte vorgezogen, 200 Deputirte zu tödten, als nur einen einzigen Zuschauer zu treffen. Er leugnet überhaupt, daß er habe tödten wollen, denn sonst hätte er Patronen, nicht Nägel in die Bombe gethan. Er protestirt lebhaft, als der Präsident erklärte, Vaillant spreche nur so, um sein Leben zu retten. — Die am Eingänge des Juftizpalastes gefundene Bombe ist eine Sardinenbüchse. Man glaubt, es handle sich um einen schlechten Scherz.
Paris, 10. Januar. Bei dem Wiederbeginn der Verhandlungen erklärte Vaillant, er habe die Bombe geschleudert, weil er keine Arbeit finden und seine Familie nicht ernähren konnte. Er verlas sodann ein langes Schriftstück, indem er die bestehende Gesellschaftsordnung angreift. Er erklärte schließlich, er habe in dem Kampfe gegen die Gesellschaft die Gegner verwundet, man könne ihn bestrafen, aber was werde der Wahrspruch der Geschworenen in der Geschichte der Völker sein? Aus dem weiteren Zeugenverhör geht hervor, daß Vaillant nach der Explosion zu entfliehen versuchte. Der Generalprocurator wies nach, daß Vaillant nicht durch Nothlage, sondern durch Eitelkeit zu dem Verbrechen veranlaßt sei. Er wählte die Kammer für das Attentat, weil er größeres Aufsehen erregen wollte, als der Urheber des Attentats in Barcelona. Schließlich beantragte er die Todesstrafe und ermahnte die Geschworenen ihre Pflicht zu thun. Der Vertheidiger Vaillants, Labori, hob in seinem Plaidoyer hervor, das Verbrechen Vaillants falle nicht unter die Categorie der Verbrechen gegen die Gesellschaft, Vaillant habe Niemand getödtet, es sei daher unmöglich, ihn zum Tode zu verurtheilen. Die Geschworenen zogen sich hierauf zur Berathung zurück. Baron Rothschild befand sich nicht unter den Geschworenen, weil er von der Vertheidigung abgelehnt worden war. Die im Eingang des Justizpalastes aufgefundene Bombe enthält Sand.
Paris, 10. Januar. Die Geschworenen beriethen 25 Minuten und bejahten sämmtliche Schuldfragen betreffs des vorbedachten Mordversuchs, Zerstörung eines öffentlichen Gebäudes ohne Zubilligung mildernder Umstände.
Rom, 10. Januar. Einer Meldung der „Ag. Stef." aus Modena zufolge veranstalteten tausend zur Fortschaffung des Schnees verwendete Arbeiter in Finale-Emilia eine Demonstration, indem sie die zur Dienstleistung ein« berufenen Militärpflichtigen zum Bahnhofe begleiteten, Arbeiterlieder anstimmten und Hochrufe auf den Deputirten Agnini ausbrachten. Truppenverstärkungen sind nach Finale- Emilia entsandt.
Palermo, 10. Januar. In ganz Sicilien herrscht vollste Ruhe.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 10. Januar. Aus Centrumskreisen wird der „Kreuzzeitung" geschrieben, die Regierung habe sich mit dem rechten und linken Centrumsflügel und deren Führern v. Buol I und Lieber in Betreff der Durchdringung des russischen Handelsvertrages verständigt. Bei diesem Unternehmen würden aber die beiden Herren, wie s. Z. v. Huene und v. Ballestrem, in den politischen Ruhestand übertreten, denn das ganze Centrum bis auf etwa zehn sei gegen den russischen Handelsvertrag.
Berlin, 10. Januar. Wegen Beleidigung des Finanzministers Miquel ist gegen die Antisemiten Ahlwardt, Schwennhagen und Black Anklage erhoben worden.
Berlin, 10. Januar. Der „Kreuzzeitung" zufolge scheint eine bedeutsame Aenderung in der Leitung der Colonialabtheilung bevorzustehen. Es sollen Erwägungen statlfinden, ob die Colonialabtheilung vom auswärtigen Amte zu trennen und dieselbe dem Reichsmarineamte zu- zutheilen ist. — Die „Nordd. Allgem. Zig." dement irt in ihrer heutigen Abendnummer unsere Mittheilung über das Gespräch des Finanzministers Miquel. Demgegenüber halten wir unsere Meldung aufrecht und fügen ergänzend hinzu: Miquel schloß sein Gespräch über die Schwierigkeiten mit dem Reichstage betreffs der Deckungsfrage mit den Worten: Jetzt hetßts: „tua res agitur.“
Triberg, 10. Januar. Auf allen Höhen des Schwarzwaldes ist überall starker Schneefall eingetreten.
Wien, 10. Januar. Nack authentischer Meldung aus Petersburg sind die Generalstabchefs der Gouvernements Warschau, Wilna und Kiew nach Petersburg berufen Iworden. Die Neujahrsansprache des Czaren soll einen sehr friedlichen Character tragen.
Lemberg, 10. Januar. Graf Badeni machte im Landtage bekannt, daß der Unterrichtsminister der Einführung von Uniformen für Mittelschüler zugestimmt habe.
Prag, 10. Januar. Bei der Beerdigung des Soldaten, welcher von einem Polizisten erstochen worden war, beging die nach Tausenden zählende Volksmenge sehr arge Excesse, welche leicht zu größeren Ausschreitungen hätten Veranlassung geben können, wenn die Polizei nicht mit größter Strenge und Energie eingeschritten wäre. Die aufgeregte Menge hatte es offenbar auf das deutsche Casino abgesehen, vor welchem der Pöbel ganz besonders lärmend sich verhielt. Die in be
werben könne.
Abg. Rickert (srs. Der.): Es sei ein wichtiges Recht des Reichstags, die Verbesserung bestehender Gesetze zu verlangen; dann aber dürfe man sich nicht auf alle Redensarten beschränken. Was solle die Regierung mit den zweitägigen Debatten des Reichstags Iber das Jnvaliditäts- und Altersverstcherungsgesetz anfangen! Die äußere Rechte nähere sich sehr bedenklich der äußeren Linken; die Socialbemokraten haben auf der Rechten Eroberungen gemacht. Wohin die Rechte steuere, dazu werde man zunächst nicht kommen; aber das müsse er doch sagen, daß die ganze Tendenz des Gesetzes hinausläust auf eine Normalrente, die Beseitigung der Beiträge und die Auferlegung der ganzen Kostenlast auf die Gesammtheit der Steuerzahler. Deshalb habe er mit seinen Freunden gegen das Gesetz gestimmt. Die Conservativen suchten jetzt die Verantwortlichkeit für das Gesetz von sich abzuwälzen, nachdem sich zeige, daß es für die Landwirtbschaft sehr drückend wirke. Sie trügen gerade die Hauptverantwortlichkeit für das Gesetz.
Abg. Richter (frs.) weist darauf hin, daß gerade die Parteien, die den Hauptantheil an dem Erlaß des Gesetzes hatten, jetzt zuerst mit Abänderungsanträgen kommen. Eine Beseitigung des Markensystems sei ohne Verlassen des PrincipS der Leistung und Gegenleistung nicht möglich. Die Rechte verlange größeren Staatszuschuß; dieser staatliche Zuschuß aber sei ein Zuschuß zu den Löhnen — warum nur zu den Löhnen der Arbeiter, warum nicht zu dem Verdienst der kleinen Handwerker, die oft viel schlechter stehen, als die oberen Lohnklassen der Arbeiter. So gelange man zum StaatS- sscialiSmuS. Die Schwierigkeiten würden mit dem Bestehen des Gesetzes wachsen. Er stimme mit seinen Freunden für den Thetl des Centrumsantrags, welcher eine Einschränkung der Versicherungspflicht anbahnt. Je früher man mit einer solchen Einschränkung den Anfang mache, desto mehr werden die Schwierigkeiten verringert, die einer Beseitigung des ganzen Gesetzes im Wege stehen.
Abg. Ulrich (Soc.) wiederholt, daß die Socialdemokraten den Versuchen, die ersten Anfänge einer SocialreforM- wieder zu beseitigen, Widerstand leisten und beschwert sich über mangelnde Humanität bei der Feststellung des Rechtes auf Rentenbezug, sowie darüber, daß die Industriellen den Arbeitern, die eine Rente beziehen, Lohnabzüge machten.
Abg. Fihr. v. Manteuffel (cons.) erwidert den Social- demokraten, daß sie sich immer mit ihren gesetzgeberischen Leistungen brüsten und hier doch gegen Alles stimmten. In dem von Singer angeführten Falle habe der betreffende Leiter der Grube ganz richtig gehandelt; man müsse jedem Arbeitgeber das Recht einräumen, Agitatoren von seiner Arbeitsstätte fern zu halten. Das Jnvaliditäts- und AlterSverficherungsgesetz bringe in manchen Thetlen unseres Vaterlandes große Belästigungen, in anderen dagegen, wie z. B. im Königreich Sachsen, werden über die Ausführung desselben keine Klagen laut.
Abg. Berkh (frs. Dolksp.) bekämpft das Gesetz betreffend die Jnvalidiiäts- und Altersversicherung als staatssocialisiisch, will von einer Verbesserung desselben nichts wiffen und schließt mit der Forderung: Fort mit dem Gesetz!
Siaatssecretär v. Bötticher: Der Vorredner habe jedenfalls damit die Mehrheit des Landes nicht hinter sich. Dasfelde sei heute schon viel freundlicher beurtheilt worden, als das letzte Mal. Bei der so kurzen Wirksamkeit des Gesetzes könne man heute noch mit feinem abschließenden Urtheil kommen. Das Gesetz komme in erster Linie den landwirthschaftlichen Arbeitern zu Gute; so constatire ein Bericht aus Schlesien, daß dort vor dem bisher gezahlten Reichszuschuß 12,9 Millionen auf die landw. und nur 5,5 Millionen auf die Arbeiter der Industrie und des Bauwesens entfielen. Das Markensystem sei nicht zu entbehren. Im Uebrigen sei er bereit, an allen möglichen Erleichterungen mitzuwirken. Eine wesentliche Erleichterung würde die Einführung des Quittungsbuches bringen.
Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.): Bei den Knappschaftskassen werbe nicht geklebt und man fühle sich sehr wohl dabei. Die Jn- validitätsversicherung habe er schon 1868 beantragt, also zu einer Zeit, wo hier von Socialdemokraten noch keine Rede war. Die Furcht •or den Socialdemokraten kann also nicht den Impuls zu dem Gesetz gegeben hahen.
Abg. Dr. Ennecerus (ntl.) erklärt seine und seiner Freunde Zustimmung zu dem Anträge v. Staudy, betr. das Markensystem.
Schließlich werden der Theil des Centrumsantrags, der Erhebungen behufs einer Revision des Jnvaliditäts- und Alters- versicherungsgesetzes verlangt, sowie der Antrag Staudy gegen daS Markensystem angenommen.
Morgen: Handelsprooisorium mit Spanien, Tabaksteuer.
haben will. Das laffe sich schwer vereinbaren. Auf die Deckung 8 der Kosten der Versicherung durch einen allgemeinen Zuschlag zur Emkommensteuer dürften die verbündeten Regierungen schwerlich eingehen, und wenn man, wie Herr v. Staudy wolle, ohne Weiteres Jedem die Rente zubilligen wolle, ohne einen Nachweis über sein früheres Arbeitsverhältniß zu verlangen, so werde das ganze dem Getetz zu Grunde liegende System verschoben. Er möchte dringend davon abrathen, schon heute, nach erst dreijährigem Bestehen, an eine Abänderung des Gesetzes heranzutreten. ES sei das um so weniger zu empfehlen, alS das Gesetz vielfach fünfjährige Uebcrgangsbestimm- I imgen sestsetze, heute also noch gar nicht in seiner Wirkung übersehen
deutender Verstärkung erschienene Polizei trieb aber das Volk wiederholt auseinander. Auf dem Wenzelsplatze schritt die Polizeiwache ganz energisch ein und drängte den Pöbel mit blanker Waffe in die Seitengassen. Die Wache begegnete hier dem größten Widerstande Seitens der Menge und mußte viele Personen arretiren, weiche wiederholt der Wache wieder entriffen wurden. Nur mit größter Mühe, und nachdem die Polizei erhebliche Verstärkungen erhalten, gelang es schließlich, die Ruhe wiederherzustellen und einzelne Excedenten sestzu- nehmen. Aus der Menge, welche, wie es schien, vollständig organisirt geleitet wurde, ertönten wiederholt rebellische Rufe, unter Anderem: „Schlagt die Polizei tobt" und „Es lebe die Socialdemokratie."
Antwerpen, 10. Januar. Während der Ausstellung, und zwar Mitte Mai, wird hier ein Typographen-Congreß zusammentreten, auf welchem zahlreiche ausländische Typographen und Arbeiter der Buchindustrie anwesend sein werden.
Berlin, 11. Januar. Professor Virchow ist seit einigen Tagen an Influenza erkrankt- sein Befinden hat sich heute etwas gebessert.
Cocale» nttö Provinzielle».
Gießen, 11. Januar 1894
** Neues Theater. Auf die heute Donnerstag Abend angekündigte Aufführung von „Zwei glückliche Tage", dieser Sensations-Lustspiel-Novität, welche als Benefice von Herrn A. Stückel erwählt, sei nochmals aufmerksam gemacht.
** Das vor Kurzem vom „Kaufmännischen Verein" errichtete Lehrlingsheim befindet sich in den vom Verein ge- mietheten Localitäten des „Postkellers". Ebendaselbst befindet sich das Bereinslocal nebst den Unterrichtszimmern. Morgen (Freitag) Abend wird in den neuen Localitäten eine Eröffnungsfeier stattfinden- es ist zu hoffen, daß sich alle Mitglieder des Vereins und die besonders Eingeladenen recht zahlreich daran betheiligen werden.
♦* Gießener Ruder-Gesellschaft. In zahlreich besuchter General-Versammlung fand am Dienstag Abend Jahresbericht, Rechnungsablage und Neuwahl des Vorstandes statt. — Dem Jahresbericht zufolge war die sportliche Thätigkeit der Ruder-Gesellschaft im verfloffenen Jahre eine sehr rege, indem 21 Meldungen und zwar 15 zu fünf auswärtigen Regatten und 6 zu der hiesigen Regatta erfolgten. Wenn auch ein Theil dieser Meldungen, infolge Auflösung einer Mannschaft, nicht aufrecht erhalten werden konnte, so verblieben immerhin 15 Rennen, 11 auf auswärtigen und 4 auf der eigenen Regatta, in welchen unsere Ruderer ihre Kräfte mit fremden Gegnern messen konnten. Das Resultat war, wie wir noch kurz ansügen wollen, ein sehr günstiges, indem Gießen neun Mal siegreich bestand und in einem zehnten Rennen mit nur 1/8 Secunde Differenz zweites Boot unter 10 Concurrenten wurde. — Die Rechnungsablage ließ erkennen, daß die finanziellen Verhältnisse der Gesellschaft in jeder Hinsicht gesunde und geordnete sind. Wenn auch das Jahr 1893 einen Ueberschuß nicht ergab, so steht einem kleinen Fehlbetrag, welcher durch das ungünstige Wetter vor und am Tage der Gießener Regatta hauptsächlich verursacht ist, doch ein beträchtliches Vermögen, sowie namhafte, durch die stets zunehmende Mitgliederzahl gesicherte Außenstände an Beiträgen gegenüber. — Bei der Neuwahl des Vorstandes, welchem auch der langjährige, verdiente Leiter der Ruder- Gesellschaft, Herr I e a n K i r ch, als Ehrenvorsitzender angehört, wurden folgende Herren mit der Leitung der Geschäfte pro 1894 betraut: Chr. Reiber, 1. Vorsitzender, Ernst Balser, 2. Vorsitzender, Heinr. Fillmann und Willy Kilbinger, 1. resp. 2. Schriftführer, Josef Sauer, Kassierer, Adolf Klingspor und Eduard Silbereisen 1. resp. 2. Jnstructor, Louis Petri III., Materialverwalter, Anton Weigand, Hausverwalter, Alb. Scheel und C. Gerbode, Ruderälteste, sowie die Herren Commerzienrath Wilh. Gail und Hof Buchdruckereibesitzer Curt v. Münchow, Vertreter der passiven Mitglieder.
* * Ernannt wurden: am 6. Januar die Gerichtsschreiber- Aspiranten Karl Seitz in Gießen, Ferdinand Supp in Mainz und Wilhelm Heinrich Schäfer in Mainz zu Hilfsgerichtsschreibern bei den Amtsgerichten Gießen, bezw. Darmstadt I. und Mainz.
* * Die deutsche Reichsbank ermäßigte den Zinsfuß auf 4, den Lombardzinsfuß auf 5%.
* * Slädteordnung betr. Wie der „W. Ztg." aus Darmstadt geschrieben wird, ließ die Großh. Regierung zunächst der Zweiten Ständekammer eine Vorlage wegen Abänderung gewisser Artikel der in Geltung stehenden Städteordnung zugehen. Es betrifft das „die Wahl des Bürgermeisters und der Beigeordneten", wie deren Geschäfte und Geschäftsver- theilung. Der bei dem vorigen Landtage thätige Sonderausschuß für die Regierungsvorlagen genannter Art, welche bekanntlich nicht zur Annahme und Verabschiedung gelangten, hatte bereits die jetzt von der Regierung vorgeschlagenen Abänderungen zur Annahme empfohlen. Es soll damit betreffs der Wahl, Bezahlung, Geschäftsleitung, Zahl und Titel der Beigeordneten in Städten mit Städteordnung den Verhältnissen Entsprechendes angeordnet werden (Art. 28, 31, u. f., Art. 50). Mit Rücksicht auf das für diese Aenderung in den Städten hervortretende Bedürfniß ist an der ständischer' Annahme der kleinen Regierungsvorlage kaum zu zweifeln. Mit derselben ist von der Regierung ausgesprochen, daß sic auf die gleichzeitige durchgreifende Aenderung unserer Verwaltungsgesetze verzichtet und im Einzelnen Besserung derselben erstrebt, wie dies auch die jüngste Thronrede bet Eröffnung des Landtags in Aussicht nahm.
** Anspruch aus Altersrente. Alle diejenigen Per,onen aus dem Geburtsjahre 1824, welche die gesetzlichen Vorbedingungen zum Bezug der Altersrente erfüllt, sind nunmehr berechtigt, Anspruch auf dieselbe zu erheben. Diese Personett müssen mindestens 141 Beitragswochen Nachweisen könnett und diesen Nachweis, sowie sonstige Beweismittel, wie
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