Ausgabe 
11.4.1894 Erstes Blatt
 
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Ans den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt, 7. April 1894.

In geheimer Sitzung erledigte die Kammer heute zunächst den Antrag des Abg. Weber und Genossen, Verwilligung von 100000 Mark zum Hochzeitsgeschenk Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs.

Der Antrag wird mit 37 Stimmen angenommen.

Dem Antrag stimmten nicht zu die Abg. vr. Schröd er, Hirsch, Osann,, sowie die Socialdemokraten.

Die General-Debatte über die Justizverwaltung wird hierauf fortgesetzt.

Abg. Schmidt-Mainz führt aus, daß das Verhältniß in Rheinhessen zwischen den Anwälten und den Richtern ein ausgezeichnetes sei und deshalb habe er sich für verpflichtet gefühlt, die Beschwerden derselben zur Kenntniß deö Hauses zu bringen, um diese Beamten in ihrer Berufsfreudigkeit zu stärken. Sehr oft seien die Richter in Mainz genvthigt, die Functionen des Gerichtsdieners zu übernehmen, weil es an ausreichender Hilfe fehle. Vier Amtsrichter seien vom Chef des Justizministeriums aufgefordert worden, auf das Land zu gehen. Gleichzeitig sei denselben mitgetheilt worden, falls sie nichtgingen, würden sie nie in das Colleg kommen. Dies sei ein Eingriff in die Unabsetzbarkeit des Richterstandes. Auch in anderen Landeslhetlen seien diese Klagen laut ge­worden und daher sei es Pflicht der Kammer, gegen ein solches Verfahren Front zu machen. Unbegreiflich fei es auch, daß man junge Leute, welche sich im Vertrauen auf das Gesetz der juristischen Laufbahn gewidmet, blos wegen ihres politischen Glaubens nöthige, eine andere Carriere einzuschlagen oder

aus einem leichtfertigen Gerüchte ohne zuverlässigenMwahrS- mann beruhe und sich als jedes Grundes entbehrend erwies.

Kopenhagen, 9. April. Der König reist Ende des Monats nach Wiesbaden, wo Kaiser Wilhelm ihn be­suchen wird.

Milwaukee, 9. April. Eine Feuersbrunst zerstörte das Davidsonhotel und das Theater. Die Polizei meldet 16 Todte und eine Anzahl Verwundete. Der Schaden wird auf eine halbe Million Dollars geschätzt.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 9. April. Der ,,Reichsanzeiger" publtcirt die Verleihung des Großcomthurkreuzes des königlichen Haus­ordens von Hohenzollern an den Reichskanzler Grafen Caprivi.

Berlin, 9. April. Die Steuercommission ist heute Mittag behufs Neuconstituirung zusammengetreten. Zum Vor- sttzenden wurde Rintelen (Centr.), zum Stellvertreter Paasche (natl.) gewählt. Die nächste Sitzung soll Montag den 16. d.',M. staltsinden zur Berathung der Tabaksteuer, dann soll die Wein­steuer und die Finanzreform vorgenommen werden.

Berlin, 9. April. In der heutigen Sitzung^ des Seniorenconvents des Reichstages erklärte ^Prä­sident von Levetzow, der Reichstag werde vermuthlich Ende der nächsten Woche geschlossen werden (nach derKreuzzeitung" würde der Schluß am 18. April erfolgen). Demnach sollen nur die Vorlagen erledigt werden, welche bereits die Com­mission, bezw. die zweite Lesung passirt haben- außerdem noch Initiativanträge des Reichstags.

Berlin, 9. April. Schneidermeister Dowe hat gestern vor einigen Engländern, Amerikanern, Franzosen und einem höheren deutschen Offizier trotz des Polizeiverbots an seinem eigenen Körper seinen kugelsicheren Panzer vorgeführt. Zunächst wurde mit einem jetzigen Jnsanteriegewehr nach einem Eisenblock geschossen, in den die Kugel einen Meter tief eindrang. Sodann wurde ein Schuß auf Dowes gepanzerte Brust abgegeben und die Kugel blieb im Panzer stecken. Dowe erklärte, gar nichts zu fühlen. Ein Versuch an einem lebenden Pferde fiel ebenfalls glänzend aus.

Coburg, 9. April. Während des Aufenthalts des Kaisers Hierselbst kommt eine Escadron des in Bamberg garnisonirenden 2. bayerischen Ulanenregiments, dessen Chef der Kaiser Wilhelm ist, hierher. ,

Wien, 9. April. Privatmeldungen aus Ungarn zu­folge glbr die dort herrschende anhaltende Dürre zu ernsten Besorgnissen Anlaß. In Krain ist der Wassermangel sehr groß. Die Flüsse, sogar der Zirknitz-See, sind fast vollständig ausgetrockner. Das für den Eisenbahnbetrieb erforderliche Wasser muß aus Laibach beschafft werden.

Prag, 9. April. Dienstleute fanden auf den Feldern der Ortschaft Großjenitsch drei mit Dynamit gefüllte Blechbüchsen- eine explodirte beim Oeffnen, wobei ein Mädchen schwer verletzt wurde. Man glaubt, es handle sich um einen Racheacl eines entlassenen Arbeiters.

Rom, 9. April. In Siena platzten vor der Wohnung des Obersten Bertelli zwei mit Etsenstücken gefüllte Bomben, welche das Haus unbedeutend beschädigten. Fünf Anarchisten wurden verhaftet.

Paris, 9. April. DerFigaro" meldet, er werde morgen eine Unterredung seines römischen Correspondenten mit dem König Humbert, die vor dessen Abreise nach Venedig stattgefunden hat, veröffentlichen. König Humbert und seine Umgebung hätte seinem Correspondenten eine liebe­volle Ausnahme bereitet. In ernsthaften politischen Kreisen I wird der Veröffentlichung mit Achselzucken entgegengesehen. I Soleil" schreibt, sämmtliche Meldungen bezüglich einer Ver­ständigung zwischen Italien und Frankreich seien rein phan­tastischer Natur, indem die Begegnung zwischen König Hum­bert und Kaiser Wilhelm sowie die Erklärungen Crispis in der Finanzcommission den Beweis geliefert hätten, daß Ita­lien sich mit gebundenen Händen und Füßen an Deutschland ausgeliefert habe.

Constautinopel, 9. April. In vergangener Nacht brannte das größte Hotel von Constautinopel, das Hotel d'Angleterre, fast vollständig nieder. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen.

von ihrem Glauben abzufallen. Er sage, Diejenigen, welche letzteres thun, sind schlechter als die Ersteren. Durch ein derartiges System werde dec Heuchelei Thor und Thür ge­öffnet und ihm sei Derjenige lieber, der offen seine politische Meinung bekenne, als ein Heuchler. Er habe sich für ver- vfltchlel gehalten, diese Mißstände zur Sprache zu bringen, denn für ihn gebe es in einem Rechtsstaat nichts edleres als einen freien, unabhängigen Richterstand.

Staatsminister Finger erklärt, der Tag werde kommen, wo die Frage der Einrichtung eines besonderen Justiz­ministeriums erörtert werden müsse, weil außer den vor­gebrachten Gründen auch noch andere für eine Reorganisation des Justizwesens in Hessen vorhanden seien. Er könne aber seine gestrige Erklärung nur wiederholen, daß, so lange er im Amte sei, und das werde voraussichtlich nicht mehr lange dauern, da er bereits 49 Dienstjahre hinter sich habe, werde er diese Veränderungen nicht mehr vornehmen. Vielleicht würden die Herren Schmidt oder Metz dazu berufen sein, dies zu thun. Er komme nun zu dem, was Herr Schmidt gesagt habe. Derselbe habe offenere Sprache geführt wie Herr Metz-Gießen. Er habe ihm (den Minister) ein gewisses Vertrauensvotum ausgestellt, während er seinen Stellvertreter mit Mißtrauen angegriffen habe. Das könne er nicht gelten lassen. Für das System sei er allein verantwortlich. Er wisse wohl, daß gegen seinen Vertreter Mißstimmung und Vorurtheil im hessischen Richterstand herrsche. Er müsse aber bekennen, daß derselbe ein treuer, ehrenhafter Beamter sei. Er übernehme die ganze Verantwortung für dessen Thätig- feit und er bitte die Herren, welche ein Mißtrauensvotum gegen denselben erlassen wollen, es nur gegen ihn zu richten. Der Herr Abg. Schmidt habe sich über die Zustände auf der Gerichtsschreiberei zu Mainz beschwert, insbesondere beim Hypothekenwesen. Diese Zustände seien nicht zu ändern, so lange nicht das Wettrennen beseitigt werde, bet solchen Hypo | thekenverschreibungen der Erste zu sein. Minister Finger \ widerlegt sodann noch eine Reihe von dem Abg. Schmidt gemachter Ausstellungen und kommt sodann auf die Rede des Abg. Schmidt wegen der Abweisung und Zurücksetzung von jungen Juristen wegen ihres Glaubens. Hier verfahre die Regierung nach den Grundsätzen, welche dem allgemeinen Interesse genügten. Er sei kein Gegner gegen die Ernennung eines Juden zum Richter. Aber es habe auch seinen Haken, die Herren in jeder Stellung zu verwenden. Auf dem Lande würde es großen Anstoß erregen. Er habe nichts dagegen, daß wieder einmal ein jüdischer Richter ins Colleg eintrete. Dies müsse aber mit Rücksicht auf die öffentliche Rechtspflege mit Maß und Ziel geschehen.

Abg. Metz- Darmstadt sagt, der oberste Gerichtshof habe früher im Deutschen Reich einen guten Ruf gehabt. Diese Zeiten seien aber durch verschiedene Umstände leider vorüber.

Abg. Metz-Gießen erklärt, Staatsminister Finger genieße bei ihm wie auch in Oberhessen volles Vertrauen, während sein Vertreter es nicht genieße. Der Herr Staats- mintster habe ihn aufgefordert, die Fälle zu nennen, in. welchen die Regierung den Schein der Zurücksetzung nicht gewahrt habe. Er wolle ihm den Gefallen thun. Der eine Fall ist der, daß ein Amtsrichter nach Gießen berufen wurde, in Wirklichkeit aber ruhig auf seinem Posten in Zwingenberg blieb. Der andere Fall ist die auffallend rasche Ernennung eines jungen Landesgertchtsraths zum Oberlandesgerichtsrath. Der Mann heiße Hallwachs und sei ein Reffe des Chefs der Justizverwaltung. Das habe Aufsehen erregt.

Staatsminister Finger erläutert die Gründe des ersten Falles. Der zweite Fall sei der, daß bei der Ernennung des Oberlandesgerichtsraths sein Stellvertreter, Geh. Staats­rath Hallwachs, gar nicht mitgewirkt habe, sondern daß dessen Ernennung nur seiner Qualification zuzuschreiben sei. Derselbe habe sich auch vortrefflich bewährt.

Geh. Staatsrath Hallwachs nimmt nun das Wort und erklärt, es sei ja von dem Herrn Staatsminister die Erklärung abgegeben worden, daß er für alles Vorgebrachte die Verantwortung übernehme. Eine solche Erklärung habe ihn schmerzlich berührt. Er habe mit treuer, selbstloser Hin­gabe dem Staate gedient und es werde ihm vielleicht noch in der Zukunft die Genugthuung zu Theil, daß man ihm Unrecht gethan habe. Sem ganzes Verbrechen bestehe darin, daß er die Interessen des öffentlichen Dienstes höher gestellt habe als die Person. Er wisse aber auch, daß er deswegen zu den bestgehaßten Männern des Landes zähle. Er widerlegt ebenfalls die Beschwerden oer Abg. Schmidt und Metz und schließt, er nehme Alles auf sich mit dem Bewußtsein, seine Pflicht gethan zu haben.

Abg. Euler wünscht, daß Bensheim recht bald ein Amtsgericht erhalte.

Abg. Friedrich halte es für eine Pflicht des Abgeord­neten, daß er die Stimmung der Volkskreise zur Geltung bringt. Es sei nicht zu bestreiten, daß dem Chef der Justiz­verwaltung Mißtrauen entgegengebracht werde. Er sei für Vieles verantwortlich, was geschehen sei, insbesondere dafür, daß eine gewisse Partei, die Intoleranz treibe, sich auf ihn berufe.

Abg. Ulrich kommt nochmals auf den Fall Katzenstein zu sprechen. Er empfiehlt der Regierung, dafür zu sorgen, daß die Schreiber der Rechtsanwälte ihren Sonntag frei erhalten.

Abg. Köhler stimmt dem Verhalten im Falle Katzenstein zu. Seine, die antisemitische Partei sei nicht intolerant.

Ministerialrath Schliepe widerlegt noch einige Punkte.

Abg. Erk zieht sein dem Staatsminister Finger vorher gestelltes Vertrauensvotum wieder zurück.

Hierauf wird die Sitzung geschloffen. Dienstag 9V3 Uhr Fortsetzung.

Localer unb provinzieller.

Gießen, den 10. April 1894.

** Se. Königl. Hoheit der Großherzog kamen gestern Abend 7 Uhr 51 Min. von Frankfurt hier an und fuhren

um 8 Uhr nach Alsfeld weiter. Die Rückreise erfolgt am Mittwoch Vormittag 8 Uhr 22 Min.

** Se. Majestät der König von Sachsen kamen in vergangener Nacht mit dem Zuge 12 Uhr 19 Min. hier an und traten sofort die Weiterreise nach Dresden an.

* Unterricht für stotternde und stammelnde Schüler. Wir erhalten über den an der hiesigen Volksschule seit einiger Zett eingesührten Stottercursus folgenden Bericht: Gestern Mittag um 3 Uhr versammelten sich im Knabenschulhause (Nordanlage) auf ergangene Einladung der Schul- und Stadtvorstand und das Lehrercollegium der Knabengruppe, um einer Prüfung stotternder und stammelnder Schüler (Knaben und Mädchen) anzuwohnen. Eröffnet wurde dieselbe unter Vorlesung des Rechenschaftsberichts durch Herrn Oberlehrer Hahn. Derselbe weist eine recht beträchtliche Anzahl von Theilnehmern auf und beklagt bei mehreren Schülern das allzuhäufige Fern­bleiben vom Unterricht. Bezüglich der Zweckmäßigkeit des Stotteruuterrichts verdient hervorgehoben zu werden, daß seine Bedeutung und zwar sowohl für eine erfolgreiche und ungehemmte Thätigke t in der Schule selbst als auch im Leben außer Frage steht. So viel Gewicht man mit Recht heutzutage auf eine tüchtige Ausbildung und Hebung der Hand und des Auges legt, so unbestreitbar ist die Thatsachc, daß auch Zunge und Lunge in der rechten Weise und am rechten Orte in Zucht genommen werden müssen. Hat sich aber einmal die Heberzeugung von der Nothwendigkeit der Hebung und Kräftigung dieser Körpertheile Bahn gebrochen, so ist die naturnothwendige Frage: Auf welche Weise kann dieses am besten geschehen; wie ist unterrichtlich diesem Hebel­stande am besten abzuhelfen? Herr Lehrer Backes, dem dieser Hnterricht übertragen ist, legte Proben seines Lehrtalentes ab und führte die Art der Einführung in den Hnterricht, der Weiter- entwickelung desselben, des sicheren und präcisen Ansatzes in der Aussprache in lebendiger und geschickter Form vor. Hiernach gilt ruhiges und gleichmäßiges Aus- und Einathmen als Grundbedingung. Der Schüler erfährt, mit dem Athem sparsam umzugehen und diesen so zu reguliren, daß er für einen ganzen Satz ausreicht. Wird das im Geringsten ver­absäumt, tritt also zu starker Athemverbrauch ein, so führt das zum alsbaldigen Stocken, erfordert Neuathmung und veranlaßt merkliche Störung. Wir bemerkten mit Vergnügen, daß diese Grundlehren von allen Schülern verstanden und in richtiger Weise zur Anwendung gebracht wurden. Bei ent­sprechend vorsichtiger Weiterbehandlung von Seiten der Klassenlehrer darf angenommen werden, daß die Heilung eine dauernde bleibt. Wie wir erfahren, sollen diese Stolter- curfe zum Segen der Betheiligten und im Interesse der Schule fortgesetzt werden.

** Mit der Arbeitslosigkeit scheint es noch nicht schlecht zu stehen. Schon öfters haben hiesige Meister Gesellen aus der Herberge gesucht und auch solche gefunden, allein in Arbeit treten wollten sie nicht. Gestern Abend wieder war ein Schuhmachermeister auf der Herberge und suchte Gesellen. Es waren zwei anwesend, aber in Arbeit zu treten lehnten sie ab, sie zogen vor, weiter zu walzen, obwohl sie ganz ab­gerissen und mittellos waren.

W. Lich, 9. April. In verschiedenen Orten hiesiger Gegend, wie Muschenheim, Bettenhausen rc., sind noch alt­deutsche Möbel anzütreffen, welche aus dem ehemaligen Kloster Arnsburg stammen. Der hiesige Schreinermeister Schultheß hat verschiedene derselben angekauft und in ihrem ursprünglichen Stile kunstvoll reftaurirt. So sind gegen­wärtig bei demselben ein Eannelirter Kleiderschrank, ein mit reichem Schnitzwerk versehener Bücherschrank, ein sogenannter Luthertisch und eine Commode zum Verkaufe ausgestellt.

§ Vom höheren Vogelsberg, 5. April. Seit 14 Tagen herrscht hier so trockene Witterung, daß an die Aus­nahme der landwirthschaftlichen Arbeiten kaum gedacht werden kann. Die wenigen Futtervorräthe von vorigem Jahr sind zur Neige gegangen und an ein Wachsen von neuem Futter ist bei gegenwärtiger Witterung nicht zu denken. Es ist daher begreiflich, daß unsere Landwirthe mit Sorgen der Zukunft entgegensetzen. Die Wintersaat, Roggen und Weizen, steht bis jetzt noch ziemlich schön, doch wird bald Stillstand und damit Verderben der Saat eintreten, wenn es nicht regnet. Mit der. Aussaat des Hafers ist bereits begonnen,, dieselbe aber bald wieder eingestellt worden. .Sollte, was wir nicht hoffen wollen, dies Jahr über wieder eine anhaltend trockene Witterung herrschen, dann würde der Schaden für die notbleidende Landwirthschast dreifach so groß werden, wie im vorigen Jahr; ja es würde für die Mehrzahl Landwirthe vollständiger Ruin sein. Die Preise für Rindvieh und Schweine sind in Folge des trockenen Wetters bedeutend gesunken. Der Handel auf dem Viehmarkte stockt überall.

+ Tübingen, 8. April. In verflossener Nacht sind dic in der Bahnhofstraße gelegenen Oeconomiegebäude des I. Fetzberger niedergebrannt. Für das Steuerjahr 1894/95 wird die hiesige Stadt an Gemeindesteuern etwa 38 % mehr wie im Vorjahr erheben.

Mainz, 8. April. Seitens der Regierung sind neuerdings- die Kreisämter angewiesen worden, die Polizeiorgane zur strengen Handhabung der Polizeiverordnung betreffend Verbot des Besuches von Wirthshäusern und öffentlichen Tanzlocaleir von Seiten schulpflichtiger Kinder, zu veranlassen. Beregte Polizeiverordnung belegt Besitzer oder Verwalter von Gast- und Schankwirthschaften, welche schulpflichtige Kinder ohne ihre Eltern ober Vormünder in ihrem Locale dulden, mit einer Geldstrafe von 30 Mk., die im Falle der Hneinbringlichkeit in Haft urngewanbelt wirb. Verflossene Nacht wurde hier kurz nach Mitternacht Großfeuer ge­meldet, das in einer Polstermöbelfabrik in unmittelbarer Nähe des GUterbahnhoseS der Hessischen Ludwigöbahn aus- gebrochen war. Das Feuer, dessen Entstehung bis jetzt noch nicht ermittelt ist, griff sehr rasch um sich und legte in kurzer Zeit die aus leichtem Fachwerk mit größtentheils Holzwandungen bestehenden Gebäulichkeiten, in welchen sich Werkstätten