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Zlnrts- und Zlnzeigeblutt für den Ttveis Giefzen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Lag erfcheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
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Hratisbeilage: Gießener Aamilienßlatter.
All, Annoncen-Vurraur de» In- und lullenM nehm« Anzeigen für den ,Ließener AnzeigerE entgege».
Amtliche»« Theil.
Gießen, den 7. April 1894. Betr.: Erlaß einer Polizeiverordnung für den Kreis Gießen; betr. den Verkehr der Radfahrer auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen.
DaS Sroßherzogliche KreiSamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Preises.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 29. Decbr. v. I. (Anzeiger Rr. 2 von 1894) machen wir Sie darauf aufmerksam, daß Sie sich bei Bedarf von Nummern für Radfahrer, unter genauer Angabe der erforderlichen Zahl und des Namens und Wohnortes der betr. Personen, jedes» mal an uns zu wenden haben, worauf wir die Bestellung bei dem Lieferanten W. Hamel dahier bewirken werden.
__________________v. Gaa trn.______________________
Bekanntmachung,
betr. die Faselschau zu Gießen im Jahre 1894.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß am 18. April l. I, Bormittags IO Uhr, gelegentlich des an diesem Tage stattsindenden Viehmarkts zu Gießen aus dem Viehmarktsplatze eine öffentliche Faselschau durch die Körcommission abgehalten werden wird.
Die Schau beginnt Vormittag» 10 Uhr- zur Ankörung kommen nur Fasel der Vogelsberger und Berner, speziell Simmenthaler Raffe; auch müssen die Bullen sprung- fähig sein.
Den Besitzern guter Thiere können, soweit die Mittel reichen, Wegegelder, vorbehaltlich näherer Bestimmung in Aussicht gestellt werden.
Gießen, den 7. April 1894.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
_______________v. Kagern.
Rr. 12 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 31. v. M., enthält:
(Nr. 2159). Bekanntmachung, betreffend die Ver- längerung des Handelöprovisoriums zwischen dem Reich und Spanien. Vom 30. März 1894.
Gießen, den 7. April 1894.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Deutscher Reich.
Darmstadt, 9 April. Der Großberzog und die Prinzessin Alix werden am 15. d. Mts. nach Coburg abreisen. — Am VermählungStage des GroßherzogS, 19. April, wird Se. König!. Hoheit nebst hoher Gemahlin Abends im Jagdschloß Kranichstein eintreffen.
Berlin, 9. April. Die Monarchenbegegnung von Venedig ist im Rahmen jenes innigen persönlichen Ver- hältniffeS verlaufen, welches ja schon längst zwischen Kaiser Wilhelm und dem Herrscher Italiens obwaltet und daS nunmehr durch ihre Zusammenkunft in der alten Dogenstadt eine neue Weihe erhalten hat. Besondere politische Züge sind bei dieser Entrevue nicht hervorgetreten, nicht einmal irgendwelche Trinksprüche sind zwischen den beiden Monarchen an festlicher Tafel gewechselt worden. Dennoch weiß Jedermann dieS- sei S wie jenseits der Alpen, wie sehr die soeben am Strande der Adria stattgefuadcne Begegnung Kaiser Wilhelms und König Humberts nicht nur sür die innige persönliche Freundschaft zwischen beiden Herrschern, sondern auch für die enge polnische Freundschaft und die vielen sonstigen nahen Beziehungen zwischen ihren Reichen und Völkern erneut Zeugniß abl-gt. Wenn darum gewaltige Bolksmassen den erleuchten Freunden und Verbündeten während ihres Aufenthaltes in Venedig immer wieder begeistert zujubelien, so kam hierbei gewiß nicht lediglich südländischer Enthusiasmus, sondern auch das Bewußtsein und die Genug'huung weiter 51 reife des italienischen Volkes über die Fortdauer der deutsch.österreichi- schen Allianz zum Ausdruck. Der Aufenthalt Kaiser Wilhelms in Venedig hat übrigens länger gedauert, als ursprünglich projectirt war, denn die berühmte Lagunenstadt beherbergte den deutschen Kaiser vom Samstag Mittag bis zum Montag Vormittag in ihren Mauern. Zum genannten letzteren Zeitpunkte verließ der Kaiser zu SchiftzBcnedig wieder, während König Humbert am Montag Abend abreiste und zwar zunächst nach Florenz zum Besuche der Königin von England. Die Kaiserin Auguste Victoria hatte auf ihren Plan, eben- falls nach Venedig zu kommen, noch in letzter Stunde infolge
einer heftigen Migräne verzichten müssen, so daß alsdann auch die gleicher Zeit geplant gewesene Reise der Königin von Italien nach Venedig unterblieb.
Arr-land.
— Der Urheber deS jüngsten anarchistischen Attentat- in Paris scheint endlich ermittelt worden zu sein. Dem „Journal deS DebatS" zusolge ist dies der Geschäftsagent Henry B., welcher seiner LogiSwirthin gegenüber angeblich eingestanden hat, daß von ihm die Bombenexplosion im Restaurant Foyot veranlaßt worden sei. Auf die De- nuaciation der Wirthin hin erfolgte die Verhaftung 93.8; derselbe leugnete zwar vor dem Polizeicommiffar mit Entschiedenheit, für feine Thäterschaft liegen jedoch dem Vernehmen nach schwerwiegende VerdachtSgründe vor. Selbst wenn aber die Pariser Polizei in dem erwähnten B. wirklich den Urheber des neuesten Bombenattentates erwischt haben sollte, so würde hierdurch an der fortgesetzten Bedrohung der sran- zösischen Hauptstadt durch die anarchistischen Verschwörer schwerlich viel geändert, denn wer bürgt dasür, daß die Pariser Anarchisten vielleicht noch vor der Aburtheilung deS B. nicht neue Bombenexplosionen Hervorrufen?
Deutscher Reichstag.
77. Sitzung. Montag den 9. April 1894.
Eingetreten: Abg. v. Dzieinbowski. Derselbe hat üch der Netchspartei angeschlossen.
Aus der Tagesordnung steht zunächst der Handelsvertrag mit Uruguay.
Abg Gras Kanitz (cons.) erklärt, seine Partei stimme dem Vertrage zu. Die Industrie dürfe sich aber von demselbeu nicht allzuviel versprechen. Es treffe auch hier zu, was er beim Vertrage mlt Rußland gesagt habe: daß sich nämlich stark verschuldete Staaten den LuxuS einer großen Einfuhr nicht gestatten könnten. Die deutsche Landwirthschait ferner werde von dem Vertrage keinen Gewinn haben. Umsomehr müsse er die Regierung bitten, wohlwollende St.llung zu dem conservativen Anträge betr. Monopottstrung des Handels mit ausländischem Getreide zu nehmen. Auch bitte er die Regierung, sich zu diesem Anträge schon vorher zu äußern, ehe derselbe hier im Hause zur Berathung gelange.
Abg. Ham o, ach er (natl.): Zu einem solchen Anträge binnen 24 Stunden Stellung zu nehmen, kann man von der Regierung wohl ernstlich nicht erwarten.
Abg. Möller (natl.) erklärt stch NamenS seiner Freunde für den Vertraa. Bedeutend sei Uruguays Ausfuhr nur in Fleifchextract, Guano, Häuten; in anderen landwirthschastttchen Produclen, wie Wolle rc., sei die Ausfuhr zurückgegangen.
Abg. Barth (frf.): DaS Schweigen der Regierung auf daS Ansinnen des Grafen Kanih bedeute doch wohl, daß die Regierung wenig geneigt sei, auf jenes Verlangen einzugrhen. Eigenthümttch genug sei der Antrag der Agrarier besonders mit Rücksicht auf die Handelsverträge. Würde der Antrag angenommen, so würden die ausländischen Staaten, mit denen wir aber erst die Handelsverträge abgeschlossen, d-r ihnen daraus erwachsenden Vortheile verlustig gehen und das würden sie stch schwerlich gesallen lassen.
Abg. Rickert (frf. Vp.): Ist denn der Antrag überhaupt ernst gemeint? Ich habe geglaubt, es handle stch nur um einen Scherz! Sollten Sie ihn aber wirklich einbrlngen, dann bin ich undrdtrgt dafür, daß wir ihn möglichst bald, womöglich noch in dieser Woche zur Berathung stellen, denn über einen solchen Antrag muß möglichst rasch vor aller O'ffentttchkert verhandelt werden!
Abg. Gras Kanitz: Das Schweigen der Regierung ist erklärlich, der BundeSrath hat ja über unseren Antrag noch keinen Beschluß gefaßt.
Der Vertrag wird sodann in erster und zweiter Lesung genehmigt.
ES folgt die zweite Berathung deS Patent-, Muster- und Markenschutz-Abkommens mit der Schweiz. Die Commission beantragt Genehmigung.
Abg. Ha mma cher (natl.) bedauert, daß der Vertrag leider nur die Modelle und nicht das EisindungLoerfahren schütze.
Abg. Lenz mann (frs. Vp.) fordert die verbündeten Regierungen auf, mit der fchweizerifchen Regierung in diplomatifche Verhandlungen zur Abstellung bte'cr Abnormität einzutreten.
Abg. o. Stumm (ReichSp.) hoffi gleichfalls, die Schweiz werde ihre Patentgefetzgebung ändern, aber nicht au6 Anstand, fondern aus wohlverstandenem eigenem Inieresse. Den Anstand möge man hier nicht hinein bringen, denn auch unfere Industriellen hälten früher, unter unserem früheren mangelhaften Patentgefetz-, fremde Eifind- , ungen benutz'.
Abg. Hammacher bestreitet letzteres, insbefondere für die , rheinische Industrie o. SrummS Ausführungen würdkn schwerlich ' dazu dienen, in unserem deutschen Interesse daS schweizeresche Volk zu einer Änderung seiner Patentgefetzgebung zu veranlassen.
r Abg Bachem (Etr.) desü'wortet gleichfalls Verhandlungen mit der Schweiz, um diese zu einer Abänderung ihrer Patentgefetzgebung zu veranlassen.
• Das Abkommen wird genehmigt.
ES folgt zweite Berathung des Diehfeuchen-Gefetzes.
Adg. Graf zu Inn- und Knyphaufen (HoSp d. Eons.) ist für das Gesetz, welches e« uns ermögliche, unS bei Viehseuchen im AuS : lande gegen dieses abzufperren und bittet die Regierung dringend, auf Grund der betreffenden Bt'i'erun- deS SU'H.S im Jater«sse unser er Landwirthschast die bis j'tzt an unseren Grenzen herrschenden Zustände abzustillen.
Abg. Stephan-Beuthrn (Etr.) äußert verfassungsmäßige Bedenken grgm S 4 der Vorlage, wonach bei bedrohlichem Umfange
von Seuchen im AuSlande der Reichskanzler selber einzuschreitm befugt sein solle, während ihm nach der Verfassung nur die Beaufsichtigung der von den Medicinalbeamten zu treffenden Maßregeln zusteht.
Auf Anfrage deS Abg. Müler»Eagan (frs. Bp.) bezeichnel Reg.-Commissar HauS die Grenzsperre als im geaeben.n Falle em- psehlcnSwerth, wogegen die Landquarantänen gerade die Gefahr der Ausbreitung der Seuche vermehren.
Zu 8 17 beantragt Abg. Boeckel (Antis) die Viehhändler zur regelmäßigen Führung von Büchern über Ab- und Zugang bei ihrem Viehbestände zu verpflichten. Die Controlle des gefammten VichhandelS könne nicht scharf geuug sein, um Manipulationen der Viehhändler, durch welche die Bauern geschädigt würden, unmöglich zu machen.
Abg. Kruse (ntl): Eine solche Bestimmung gehöre gar nicht in ein Viehseuchen Gesetz; auch sei es fraglich, ob das, was der Antrag wolle, durchführbar fein werde. Sicherlich nicht ohne starke Vermehrung der Bcamttn. ES stehe auch dahin, ob überhaupt eine genügende Anzahl von Thterärzten da fd, um auch die öffentliche» Schlachlhäufer zu beaufsichtigen, wie da- nach einem von der Commission beschlossenen Zusatz zum S 17 geschehen solle.
Abg. Bick (Soc) schlägt vor, die Beaufsichtigung der „Schlachthäuser" durch beamtete Thierärzte nur vorzuschreiben, „insoweit dieselben nicht schon unter communaier Aufficht stünden."
Minister v. Heyden erwidert dem Abg. Kruse, an der genügenden Anzadl von Thterärzten werde eS nicht fehlen.
Nach Ablehnung deS Antrags Boeckel wird $ 17 genehmigt.
Im Artikel 6. Maul- und Klauenseuche, wird auf Antrag des Abg. Brunck (ntl.) die Bestimmung gestrichen, daß die Jmpfmrg der von der Seuche bedrohtrn Thiere poltzeittch angeordnet werden kan».
Damit ist die Berathung des Gesetzes beendet. Die Eommisston beantragt dazu noch eme Resolution- Die Regierungen zu ersuchen, in Betreff der Einschleppung von Viehseuchen aus dem AuSlande, insbesondere der Maul und Klauenseuche, die allerstrengsten Maßregeln zu ei greifen (welche in der Resolution im Einzelnen empfohlen werden) und in Bezug auf die Tilgung der Maul- und Klauenseuche im Jnlande gewisse gleichfalls näher angegebene Vorschriftm zu cilaffcn.
Ferner beantragt die Commission, verschiedene Petitionen dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen und zugleich die Erwartung auszusprechen, daß die Anforderungen an die Vorbildung der Thierärzte nicht herabgesetzt werden.
Im Laufe der längeren Debatte über die Resolution legte
Minister Thielen gegen die von o. Kardoiff aufgestellte Behauptung Verwahrung ein, daß die neuerliche Verbreitung der Maul- und Klauenseuche bet unS in Zusammenhang mit unserer Seuchen- Convention mit Oesterreich-Ungarn stehe. Abgesehen von einem einzigen Jahre habe bei unS auch schon vor jener Convmtion stets die Seuche geherrscht, lieberbaupt habe dieselbe bei unß weniger ihren Ursprung in Ansteckung vom Auslande her, als in Gründen, die in unserem eigenen Lande lägen. Die Regierung habe auch bisher schon in jedem gegebenen Falle die erforderlichen Anordnungen getroffen und ob die neuen Maßnahmen, welche die Resolution empfehle, so besonders wirksam seien, sei noch zweifelhaft.
Die Resolution wird schließlich angenommen gegen Freistnnige und Socialdemokraten.
Morgen: Wahlprüfungen, Abzahlungsgeschäfte.
Neueste 27achr^chten.
WolffS telegraphisches Correspondmz-Bureau.
Berlin, 9. April. Den heutigen Verhandlungen deS deutschen JnnungS- und allgemeinen deutschen HandwerkerrageS wohnten Vertreter deS Reichskanzlers, des Staatssecretärs deS Innern, des HandelSminlsterS und des Polizeipräsidenten bei und sprachen Namens ihrer ChesS die wärmste Sympathie mit dem deutschen Handwerk, daS lebhafteste Interesse für die Berathungrn und die besten Wünsche für den Erfolg auS. Beutel-Berlin referirte über die Organisation deS Handwerks und die Regelung deS Lehrlingswesens, Magier München über die Errichtung von Handwerkskammern, Voß-Hamburg über Gesellen-Ausschüsse und Regelung deS Lehrlingswesens.
Berlin, 9. April. Nach auS Loanda heute einge- troffenen Telegrammen hat Major Leut wein den Häuptling der sogenannten KhauaS Hottentoten NamenS Andreas Lambert gefangen genommen und wegen des an dem Händler Kribr im Jahre 1893 verübten Mordes kriegSrechtlich erschießen lassen. Der ganze Stamm wurde entwaffnet. Lamberts Nachfolger erkannte die deutsche Hoheit an.
Abbazia, 9. April. Kaiser Wilhelm kehrte mit Gefolge heute Abend 81/2 auf der A^cht „Christadel", bezw. dem Schulschiff „Moltke" zurück. Die Kaiserin, die Prinzen und der Hofstaat erwarteten den Kaiser am Landungsstege, wo die Feuerwebr mit Fackeln Spalier bildete. Der Strand und das Hotel Quarnero waren glänzend beleuchtet.
Brüssel, 9. April. Gestern Abend wurde im Orte Herchies bei MonS eine Bombe gegen das Treibhaus deS Notars Dalere Bernard geschleudert. Die Explosion verursachte großen Materialschaden, jedoch keinen Verlust von Menschenleben. Die gerichtliche Untersuchung ist eröffnet.
Christiavia, 9. April. Der Correfpoudent verschiedener schwedischer Provinzblätter, der das Gerücht über eine Aeuße- rung deS Kronprinzen von einem bewaffneten Einfall in Norwegen verbreitet hatte, erklärte dem nor- wegischen StaatSminifter in Stockholm, daß diese Mittheilung


