Monat, erfordern, können diese Versicherten ihre Anrechte auf Invalidenrente aufrecht erhalten.
Hieraus erhellt, daß die Fortsetzung des Versicherungs- verhältniffeS auch diesen Versicherten Vortheile bietet und solcher demgemäß der Rückerstattung der Beiträge vorzuziehen ist.
Bemerken wollen wir noch, daß die Bestimmung des § 117, Absatz 3 des Gesetzes, nach welcher die freiwillige Fortversicherung den berechtigten Anspruch auf Invalidenrente nur dann herbeiführt, wenn während der Dauer der vorausgegangenen Versicherungspflicht mindestens 117 Wochenbeiträge entrichtet sind, erst mir Ablauf des vierten Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes in Wirksamkeit tritt. Dis dahin ist die freiwillige Fortversicherung mit berechtigtem Anspruch auf Gewährung von Invalidenrente in jedem Falle gestattet. Hierdurch erwächst den weiblichen Versicherten, welche innerhalb dieses Zeitraumes heirathen und aus der Bersicherungspflicht ausscheiden, ebenfalls die Möglichkeit, durch freiwillige Fortsetzung des Versicherungsverhältnisies auS ihren Beiträgen, auf deren Rückerstattung sie nach den gesetzlichen Bestimmungen keinen Anspruch erheben können, einen Nutzen zu ziehen. Unbeachtet dürfen dieselben allerdings nicht lasten, daß sie die Wartezeit von fünf Beitragsjahren noch nicht zurückgelegt haben, welche der Anspruch auf Invalidenrente erfordert, und es sich daher empfiehlt, zunächst diese Zurücklegung durch regelmäßige Wochenbeiträge anzustreben. Nachher können dieselben langsamer thun.
♦ Pfarrer Kneipp beim hl. Vater. Bekanntlich ist Pfarrer Kneipp kürzlich vom Papste eingeladen worden, nach Rom zu kommen. Ein Wörishofener Kurgast kam nun in die Lage, zwei Briefe, die Monsignore Kneipp von Rom aus an die Frau Priorin des Dominikane»innen - Klosters in Wörishofen richtete, lesen zu können. Dieselben lauten: Rom, Poststempel vom 20. Februar 1894. P. P. So war ich heute beim Heiligen Vater drei Viertelstunden. Er nahm mich so liebevoll auf, wie mich in meinem Leben noch Niemand so ausgenommen. Er faßte meine rechte Hand und ließ sie eine Viertelstunde nicht mehr aus seiner Hand. Er war so erfreut, daß ich gekommen bin, wie ich es nicht begreifen konnte. Er erzählte mir seinen Gesundheitszustand. Endlich sprach er: „Bleiben Sie hier bis zu meinem Krönungsseste, eS wird mir eine große Freude sein!" Auf eine kleine Erwiderung sagte er: „Wenn Sie nicht ein im höchsten Grade dringendes Geschäft abruft, bleiben Sie hier. Schreiben Sie ihren Pfarrkindern, ich segne sie, Sie selber aber müßten hier bleiben, der Papst habe es gesagt!" So wiederholte er dreimal. So durfte ich nichts mehr weiter reden. Herr Br. Baumgarten allein war bei mir. Dieser sagte, so eine Audienz habe ich noch nie gesehen. Frau Benedikta soll wenigstens sechzig bis achtzig Lebkuchen so schnell wie möglich machen und als Eilgut senden für den Heiligen Vater, der
recht tief heruntergekommen ist. Lebt Alle wohl, betet und arbeitet! Ich komme täglich zum Heiligen Vater. Gruß an Alle! S. Kneipp m. p. — Rom, Poststempel vom 23. Febr. P. P. Abends 9 Uhr. Heute war ich drei Viertelstunden beim Heiligen Vater, der wieder die Liebenswürdigkeit selber war. Verlangte aber wieder, daß ich die Festlichkeit seiner ßrönung mitmache. Ich kenne mich (vor Freude) fast nicht mehr aus, wie solche Dinge über mich kommen. War doch immer ohne Ansehen und haschte nie nach Ehre. Eitel will ich nicht werden. Heute durfte ich auf dem Altar des hl. Petrus Meste lesen. Morgen lese ich die hl. Messe im Kerker des hl. Petrus, der, tief in der Erde, noch so schaurig und schwarz ist wie damals, als der hl. Petrus neun Monate darin war. Hier in diesem Kerker, wie auch auf dem Sarge des hl. Petrus, wo ich nächsten Samstag celebrire, darf ein Priester nur mit besonderer Erlaubniß des Heiligen Vaters die hl. Messe lesen. Diese Begünstigung ließ mir der Heilige Vater zukommen. In aller Liebe mit Gruß S. Kneipp m. p.
* Ein Wort zur Wespenplage. Bis jetzt haben die vielen Wespenweibchen, die trotz des 1893er Vertilgungskampfes gegen die Wespen in den Winter gingen, gut überwintert. Werden sie nicht im Nachwinter durch Näste und Kälte noch dezimirt, so kann es wieder „gut" werden. Besser und bequemer als das Zerstören der Wespennester im Sommer und Herbste ist bas Tödten der Wespen im Frühjahre. Jede im März und April sichtbar werdende Wespe ist das, was die Königin im Bienenvolke ist, die Stammmutter der künftigen Wespencolonie und der sich von diesen wieder abzweigenden Colonien. Wer da zu rechter Zeit ein Wespenweibchen tödtet, tödtet in ihr und mit ihr die Keime von tausenden von Wespen! Man setze einen Preis von 10 Pf. auf jede im März eingelieferte Wespe aus und man steht sich dabei billig und kommt zu seinem Zwecke! Der Vernichtungskampf im Herbste ist meist zwecklos und dabei theuer! Er ist zwecklos, weil die künftigen Stammmütter ja doch nicht die Naschkatzen sind, welche man abfängt- er ist theuer, was keiner Frage umerliegt. Wie leicht ist es zudem, im Frühjahre die Wespen mit etwas Zucker anzulocken, und wie gefahrlos ist es, einer ins Zimmer gelockten Wespe den Brustkasten einzudrücken. Wespen aber bekämpfe man nur da, wo sie wirklich als „schädliche" Jnsecten auftreten: in Weinbergen, Obstgärten, an Bienenständen. Aus einem Aufsatze von Jn'ekten entnehmen wir, daß selbst die Wespen als Schädlinge von Natur oder Naturberuf nicht angesehen werden können, sondern auch ihr Naturämtchen haben und dasselbe z. B. in Waldungen, da, wo sie am Platze sind, getreulich ausrichten.
* Die Gesammtheit der Staatsschulden der europäischen Länder hat gegenwärtig die ungeheure Summe von 105 550979184 Mark erreicht, das macht auf jeden Bewohner unseres Erdtheils 295,35 Mark. Diesem europäischen Durchschnitt gegenüber gestaltet sich das Verhältniß der Staatsschulden, die auf den einzelnen Bewohner eines jeden Staates fallen, ganz anders. Frankreich hat die meisten
Schulden (35 633 Millionen), dann kommen Rußland (14650 Millionen), Großbritannien (13 709 Millionen),. Oesterreich Ungarn (13 371 Millionen), Italien (11 456 Mill.)^ erst als sechstes folgt Deutschland (11 000 Millionen). Noch günstiger steht Deutschland, wenn man die Staaten nach dem Bruchtheil der Schulden ordnet, welcher auf den Kopf der einzelnen Bewohner entfällt. Frankreich steht auch dann wieder an der Spitze (mit 774,51 Mark auf den Kopf), dann folgt Portugal (544,10 Mark), die Niederlande (397,02), Italien (375,00), Großbritannien (356,70), Oesterreich-Ungarn (323,29) - diese Staaten übersteigen also das europäische Mittel von 295,35 Mark, Belgien mit (280 76) und Spanien (279,65) kommen ihm am nächsten, dann Griechenland (267,07). Von allen Großstaaten ist Deutschland mit 223,60 und Rußland mit 149,79 am wenigsten belastet. Freilich liefert diese Zusammenstellung für die Beurtheilung der wirthschaftlichen Lage eines Staates und seine- Volkswohlstandes kein ganz zutreffendes Bild, da die inneren wirthschaftlichen Kräfte, die den Schulden gegenüberstehen, dabei unberücksichtigt bleiben. Immerhin ergiebt sich für Deutschland doch soviel aus dieser Zusammenstellung, daß seine Vermögens Bilanz gegenüber der der anderen Staaten noch vorzüglich zu nennen ist.
Literatur und Aunft.
UnwersahLexikon bet Kochkunst. Das auf 12 Lieferungen berechnete Untversal-Lextkon der Kochkunst unterscheidet fich von anderen Kochbüchern durch Mannigfaltigkeit seiner Recepte. Jedem Geschmack und Bedürfnisse wird darin Rechnung getragen, der Nordländer wie der Südländer findet darin seine Lteblingtzspeisen oder seine Nationalgerichte, was besonders Gasthofbesitzer sehr begrüß'n werden. Aber auch für die bürgerliche Küche ist gesorgt, wie wir es selten in Kochbüchern finden, denn die Recepte sind alle so einfach und practisch geschrieben, daß es auch Unerfahrenen und Anfängern leicht wird, sie mit Erfolg in Anwendung zu bringen. Das vorliegende Werk ist aber wohl auch das umfangreichste und gründlichste aller Kochbücher. Es wird nach feiner Vollendung nicht weniger als 10000 Recepte enthalten. Diese sind alphabetisch geordnet und auf einheitliches Maß und Gewicht zurückgeführt. In klarer verständlicher Weife ist sogar die Naturgeschichte der dazu verwendeten Stoffe besprochen. Die Schreibweise und Einthetlung bieten so viel Unterhaltung und Anregung, daß man das Buch sowohl dem großen Restaurateur wie auch der etnsachen Hausfrau getrost em- pfehlen darf.
Verkehr, Land- nnd Volkswirthsehaft»
- Die «chLdttchkeit der PSkellake für die -»«Sthiere. Da in Folge von Unkenntntß gerade in der Winterszeit Pökellake zuweilen dem Vieh mit als Futter oder Getränk gegeben wird, fc sei auf die große Schädlichkeit der Pökellake für Hausthiere besonders aufmerksam gemacht. Nach Versuchen, die man an Hausthieren mittels Pökellake anstellte, wurden Rinder durch 1 bis 2 Liter, Schweine und Schafe durch Vi Liter und Geflügel durch kleinere Mengen Pökellake getödtet. Je älter diese Lake ist, desto stärkere Wirkung der Pökellake besitzt sie. Die Ansichten über die schädliche Wirkung der Pökellake sind getheilt; einige Thierärzte behaupten, daß die Vergiftung der Thiere durch das Salzwasser herbetgesührt werde; andere Thierärzte hinwiederum sehen die sich bildenden Fettsäuren und die Zersetzungsproducte von Eiweiß als Ursache der schädlichen Wirkung der Lake an.
Bekauntmachnng.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß der städtische Friedhof in der Zeit vom 16. März bis 15. August 1894 von Morgens 6 bis Abends 8 Uhr geöffnet bleibt und daß die auf dem Friedbof Verweilenden eine Viertelstunde vor Schluß desselben auf diesen durch ein Glockenzeichen aufmerksam gemacht werden.
Gießen, 5. März 1894.
Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 2068
Gnauth.
Bekanntmachung.
An der Beterinäranstalt dahier sollen vergeben werden:
1) Die daselbst in der Zeit vom 1. April 1894 bis Ende März 1895 erwachsenden Pferdehäute an den Meistbietenden;
2) die Abfuhr von Afche und Mulm, die Reinigung der Senkgruben und der Oefen an den Wenigstnehmenden vom 1. April 1894 bis Ende März 1895. [2007
Ich ersuche die Interessenten, sich mit ihrem Angebote bis zum 20. d. Mts. an den Unterzeichneten zu wenden.
Ferner sollen an den Meistbietenden Mittwoch den 14. März a. c. Vormittags 11 Uhr versteigert werden.
a) 2 Blasebälge (Spitzbälge), der eine ist noch sehr gut brauchbar; beide Bälge mit Röhren und Zugstangen,
b) 2 Ambofe, davon einer noch gut verwendbar,
c) 2 Schraubstöcke,
d) 2 eiserne Formen für die Esse (Esseneisen),
e) 1 Bohrmaschine, gut erhalten
f) 2 Schwungräder für Ven- tilatoren,
g) Altes Eisen.
Sämmtliche Gegenstände können vorher besichtigt werden.
Gießen, den 6. März 1894.
Die Direction der Gr.Veterinäranstalt. Prof. Dr. Pflug.
Holzversteigerung am 15. ds. Mts. im Gemeindewald Münchholzhausen.
1) Nutzholz, Beginn Vorm. 10 Uhr an der großen Straße von Wetzlar nach Gießen.
Eichen: 1 Stamm I. Kl. — 3,06 fm, 7 St. II. Kl. ----- 12,44 fm, 36 St. III. Kl. == 19,48 fm, 15 St. IV. Kl. = 2,80 fm und 22,50 rm Nutzholz.
Nadel: 6 Stämme — 1,09 fm, 287 Stangen I.—III. Kl. und 23 rm Nutzholz.
*2) Brennholz, Nachm. 2 Uhr im Dorf im „Australischen Hof".
Eichen: 37 rm Derbholz, 17 rm Stockholz, 92 rm Reiser.
Buchen: 6 rm Derbholz, 20 rm Stockholz, 152 rm Reiser.
Nadel: 52 rm Derbholz, 2 rm Stockh., 445 rm Reiser.
Weichholz: 1 rm Stockh., 6 rm Reiser.
Groß-Rechtenbach, 5. März 1894. 1963 Das Bürgermeister-Amt.
Jeikgeöotenes.
Manzenkübel und Stübe in großer Auswahl empfiehlt L. Kohlermann, Bleichstraße 12, ______________Küfer ei.__________1785
1984] Garten, an der Ärofborfer« straße gelegen, zu verk. Hammstraße 2
1977] Ein gut erhaltener Schretvpnlt . und Schreibtisch billig abzugeben. 1 Marktplatz 9.
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V er Steigerung.
Dienstag den 13. d. M., Nachmittags 2 Uhr, werden in dem Universitäts-Marstall auf dem Brandplatz,! Eingang von der Brandgasse, nachfolgende Gegenständes öffentlich versteigert:
Ein sehr gut erhaltenes Break, 8 vollständige Herren-! reitzenge, 6 Schulsättel, 1 Damenreitzeug, Fahr- und Reitpeitschen, 1 Kühl - Apparat, 1 Egge, 1 Haferkasten, Hafersiebe, Hohlmaße, 1 Schiebkarren, Wassereimer und Stallgeräthe.
Z. A.: Schneider 2055 Taxator.
Tapeten
1791
Tapeten-, Teppich- und Möbelstoff-Geschäft.
reichhaltigstes Lager in allen Preislagen, sowie Reste und zurückgesetzte Muster zu bedeutend ermäßigten Preisen.
Linoleum in engl. und besten deutschen Fabrikaten, empfiehlt
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