VsrMrfehter.
* Eine wichtige nautische Erfindung sollen englische SchiffSzimmerleute des Staatsdockhofes in Devonport gemacht haben, nämlich eine Vorrichtung, daß sich die wasserdichten Scheidewände der Kriegsschiffe von selbst schließen. Sobald das Wasser in eine Abtheilung strömt, gibt erst eine Glocke automatisch das Warnungszeichen, daß Gefahr droht. Er« langt es dennoch eine gewisse Höhe, so schließen sich die wasserdichten Thüren ohne menschliches Zuthun von selbst. Die neue Erfindung liegt jetzt der britischen Admiralität vor. Die bisherigen Berichte haben im Martnemtnisterium so großes Interesse wachgerufen, daß die Erfinder ersucht worden sind, wettere Einzelheiten einzusenden.
* Sauf au8! Frida Freiin von Bülow, die edelherzige Samariterin, welche seit Jahren in den Lazarethen in Ostafrika thätig ist, veröffentlicht in der „Tägl. Rundsch." reizende Skizzen aus dem häuslichen Leben in Ostafrika. Im neuesten Briefe spricht sie von der schwarzen Dienerschaft und deren Aufwarten bet Tische! „Kaum ist die Gabel niedergelegt, so erscheint der Schwarze hinter dem Stuhl, geräuschlos auf den bloßen Füßen schreitend, und nimmt den Teller fort; kaum ist das Glas geleert, so ergreift der Schwarze die Flasche, um nachzugießen. Meinem ernst und würdig dreinschauenden Hamis trank ich zuweilen zu wenig, was ihm in Anbetracht der besseren Leistungen der Tischgäste ehrenrührig schien. Er stellte sich dann mit der Wein- oder Bierflasche hinter mich und flüsterte mir tiefernst zu: „Sauf aus!" Diese Worte waren ihm offenbar von einem früheren fidelen Herrn eingelernt worden, und er, stolz auf sein Wissen, glaubt nun die correcteste Form zu brauchen um seine lässige Herrin zu mahnen. Man kann sich die Heiterkeit der Tischgenossen vorstellen.
* Von den rusfischeu Triukselder» erzählt man sich in Warschau folgende characteristische Anecdote: Ein russischer Würdenträger wollte die Trinkgelder abschaffen. Unter Anderen wandte er sich an einen höheren Polizeibeamten in Warschau und sagte ihm ins Gesicht, daß er bestechlich sei. „Excellenz," antwortete der Beschuldigte, „in Warschau gibt es nur drei hochgestellte Persönlichkeiten, welche kein Trinkgeld annehmen." — „Nennen Sie mir diese," sagte die Excellenz und schickte sich an, ein Compliment mit unbefangener Miene anzunehmen. Aber es kam anders. „Diese drei sind König Sigismund, Kopernikus und Paszkiewcz oder vielmehr ihre — Standbilder!" war die prompte Antwort.
* Kindermund. Die kleine Else kommt zu spät zur Schule,- der Lehrer erthellt ihr einen Verweis und ermahnt sie: „Hast Du denn den Spruch so ganz vergessen, den wir neulich gelernt haben? Wie lautet dieser Spruch?" — Und Else sagt mit schüchternem Stimmchen und niedergeschlagenen Augen: „Selig sind die Früh fertig en . . . ."
* Ein kleiner Polacke — so schreibt die „Memeler Ztg." — der die dortige Schule besucht, hat folgenden Aufsatz über „die Katze" geliefert, den wir mit Verbesserung der entstellenden orthographischen Fehler wiedergeben: „Der Katz ist schwarz. Nicht immer. Aber Kripskanskis Katz ist schwarz. Wie's trefft. Bald so, bald so. — Der Katz kratzt. — Kripskanskis Katz ist ein Kater. Mancher Katz ist ein wirklicher Katz. Wie's trifft. Mancher Katz ist ein Kater und mancher Katz ist ein Katz. — Mancher Katz fangt Maus'. Mancher nicht. Bald so, bald so."
* Beispiele. A.: „Die Tochter des reichen Kaufmanns Goldamsel soll eine Million Mitgift erhalten haben." B.: „Also ein Kapitalvogel." „Ja, leider aber auch etwas Kapitolvogel."
Schackel!" (weiß der Himmel, woher er den Taufnamen des Fisches wußt!) „komm' schön herein, da hast a guat's Brockerl . . ."
Ein höhnisches Lächeln entstellte die sonst so sympathischen Züge des Karpfen und als ihm der Herr Schoderböck bis auf einen Schritt nahe gekommen war, da sagte dieses menschenscheu gewordene Thier zu sich: „Geh'n ma wieder um a Häuserl weiter!" und segelte eiligst in das parketürte Vorzimmer hinaus, wo er hinter dem Kleiderkasten landete.
„Wart' Bursche!, Dir werd' ich den Weg abschnetden!" rief Schoderböck ingrimmig, indem er sich nach jener Seite des Schrankes schlich, wo nach seiner Meinung der heftig „plädernde" Fisch wieder zum Vorscheine kommen mußte. Doch dieser war ein gewiegter Stratege- er ließ den gnädigen Herrn lauern und ruderte in das anstoßende Zimmer unter ein Bett.
„Der Kerl versteht ja, was ma red't," sagte Schoderböck verwundert. „Dei Mama wird uns do net eppa gar an abg'richten Karsen g'schickt hab'n, der sie auf amal in d' Conversation mischt, wie a Papagei?"
Wir wollen uns damit begnügen, zu bemerken, daß die Karpfenjagd, in deren Verlauf das Schuppenthier nahezu die ganze Schoderböck'sche Wohnung kennen lernte, noch eine reiche Quelle der Unterhaltung und Zerstreuung bildete. Und als sie ihn endlich erwischt hatten, rief die junge Frau bei seinem Anblick schmerzbewegt aus: „Um Gottes Willen, er wird doch nicht wieder ins Wasser eini müssen!"
Bet der nächsten Stammtischsitzung klagte Herr Steindl, welcher an jenem denkwürdigen Abend Gastfreund der Familie Schoderböck gewesen war, daß der Karpfen einen Geschmack gehabt habe, den er Persönlich bei Fischen nicht gouitire.
„Gar ka Wunder," platzte da Schoderböck uuvorsicktig heraus, „er hat uns ja a d' Lampen umg'worfen, da wird er halt a Schlüpfer! g'macht hab'n!"
Landwirthschastlichr Winke und Kathschlägr.
△ ««» Oberhesse«, Anfang Februar.
Der «nfschwnns in der Znckerrühenenttnr nnd inteoftve« Ackerwirthschast in der Wettera«.
Im Spätherbste vorigen Jahres tauchte zu Berstadt und dessen Umgegend der Gedanke auf: Der Bau unserer Halmfrüchte, rote er seither betrieben worden ist, rentirt nicht mehr. Das Ausland: Amerika, Rußland, Ungarn und andere Länder senden uns ihre Getretdemassen zu so billigen Preisen, daß wir nicht mehr concurrenz- fähig sind. Die Witterungseinflüsse (als da sind: große Trockenheit in den Jahren 1891 und 1893, starke Fröste ohne Schneedecke, übermäßige Nasse, Ausfrieren der Halmfrüchte u. A. schädigen das Getreide, welches zu wenig widerstandsfähig ist) beweisen, daß wir neue Culturmethoden etnführen müssen, wenn wir nicht außer Curs gesetzt werden wollen. Außerdem sehen wir aber, daß der Bau von Hackfrüchten, das tiefgründige Pflügen, das vernünftige Düngen und Durcharbetten des Bodens, rote es der Bau der Zuckerrübe fordert, vollständig geeignet ist, unsere geringe Letstungsfähigkeit zu heben. Wir müssen also mit voranschretten, auf daß wir über Wasser bleiben. SZ3
Diese Selbsterkenntniß ist der erste Schritt zur Besserung. Die Ackerwirthschaft des kleinen Bauern krankt an einigen liebeln. Es fehlt an Maschinen, um den Bodm so gründlich zu bearbeiten, wie er fein muß, um Höheres zu leisten. Es fehlt an Capital, an Kenntniß und Wissen. Grund und Boden stob zu lehr zersplittert, wodurch zu viel Zeit verloren geht, ihn zu bebauen, ober Zett kostet Geld, also ist Zett auch Geld, wie die Engländer sagen. Der zersplitterte Grund und Boden enthält zu viele Furchen und zu wenige Zufahrtswege. Diese Mängel find von den kleinen Bauern erkannt worden; wenn der Arzt einmal eine Krankheit richtig erkannt hat, findet er auch die Mittel, dem liebel entgegen zu arbeiten.
Man fängt an, die Mittel tn Anwendung zu bringen. Mit anerkennenswerthem Eifer verlangen die Gemeinden die Zusammenlegung der Grundstücke, die Herstellung von guten Flur- und Gewann- wegen; es werden Bicinalwege gebaut, damit die Erzeugnisse der einen Gemeinde den Nachbardörfern leichter erreichbar sind, wie z. B. die Wölfersheimer Braunkohlen den umliegenden Oemeinben. Von verschiedenen Seiten werden Drainageanlagen gemeldet, welche Grund und Boden in ihrem Ertrage auf das Doppelte und Dreifache heben und manches Andere. Eine Hauptsache, vielleicht die erste, aber ist: den Boden besser zu pflegen, daß er reichere Gabe bietet.
In Berstadt traten thatkräftige Männer zusammen, welche sagten: Wir wollen auch eine Zuckcrrübenfabrtk tnS Leben rufen, auf daß wir an den Vortheilen participiren können, die den Land- wirthen im Kreise Friedberg und im südöstlichen Thetle deS Kreises Büdingen bescheert sind. Zwar bauen die Leute auch bet uns Rüben, aber der Nutzen geht uns zum Thetle verloren, weil der Weg bis zum Lieserungsorte zu wett ist. Sehnliche Gedanken regten sich in Wohnbach, Wölfersheim, Echzell und den umliegenden Orten, man zeichnete Räben und brachte tn kurzer Zeit eine stattliche Anzahl von Morgen zusammen.
Die Berathungen und das thatkräftige Handeln der Berstädter Männer hat bereits greifbare Resultate erzielt, denn die Herren der Stockheimer Fabrik erschienen und machten Vorschläge, welche nicht zu verachten sind. Die Stockheimer Fabrik bat etwa 3700 Morgen Rübengelände zur Verfügung. Sie kann dessen wohl 5000 und mehr Morgen gebrauchen. Baut man tn Berstadt und Umgegend eine neue Fabrik, so werden beide Unternehmungen nicht dasjenige Rüben- quantum erhalten, das sie oerarbeiten können, es gibt also eine Concurrenz, die beide Unternehmungen beeinträchtigt. Damit aber den Bewohnern der östlichen Wetterau der Segen des Rübenbaues nicht geschmälert werde, will die Stockheimer Fabrik durch Folgendes den Berstädtern entgegenkommen: Entweder die Stockheimer Fabrik errichtet tn der Gegend von Berstadt eine Filiale ober sie stellt in Trais-Horloff, das an der Gießen-Gelnhäuser Bahn liegt, eine Rüben- wäsche und eine große Lagerhalle auf, wohin die Rübenproducenten ihre Erzeugnisse abliefern, sodaß die weite Entfernung nach Stockheim wegfällt.
Der letztere Vorschlag verdient entschieden Beachtung. Um eine Fabrik zu bauen, hat man große Kapitalien nöthig, welche in den gegenwärtigen Zeitläuften nicht so leicht zu beschaffen sind. Es vergehen mehrere Jahre bis Dividenden gezahlt werden können, der kleine Bauer erhält keine Zinsen für sein dargeltehenes Capital, was große Unzufriedenheit erregt. In Stockheim und Umgegend wurde daher tn den ersten fünf Jahren viel gemurrt. Die Beschaffung von Wasser, die Ablösung der Müller an den Bächen erfordert ein bedeutendes Capital und geht nicht so leicht, als sich viele vorstellen. Diese hier nur angebeuteten Punkte unb noch manche andere lassen es räthltch erscheinen, mit der Stockheimer Fabrik, welche ihr Entgegenkommen bewiesen hat, Hand tn Hand zu gehen. Es ist ein Erfolg, den sich die Leute tn Berstadt und Umgegend durch ihr vernünftiges Rathen und Thaten errungen haben.
Damit die Leute nun sehen mögen, was eine gut geleitete Fabrik zu bieten vermag, wollen wir tn Nachstehendem eine kurze Ueberstcht davon geben, was die beiden Fabriken Friedberg und Stockheim im abgelaufenen Jahre 1893 zu leisten in der Lage waren.
Beide Fabriken begannen in der letzten Septemberwoche 1893 (am 25. unb 26. September) ihre Rübenzerkleinerungscampagnen und endigten dieselben tn der ersten Januarhälfte (12. unb 13. Januar 1894). Die Friedberger Fabrik hat runb 6000 Morgen Rüben- gelänbe zur Verfügung unb braucht nicht mehr als sic hat, denn es wurden rund 800000 Ctr. Rüben erzielt, die ausretchen. Die Stockheimer Fabrik hat 3700 Morgen Gelände, erzielte darauf rund 550 000 Ctr. und kann daher noch ein namhaftes Gelände brauchen, um ihre Maschinen und Arbeiter reichlich zu beschäftigen. In beiden Bezirken wurden 150 bis 170 Ctr. Rüben im Durchschnitt auf dem Morgen erzielt. Da wo die Engerlinge stark hausten, war der Ertrag bedeutend geringer. In guten Lagen kam es aber auch vor, daß bis zu 250 Ctr. auf dem Morgen geerntet wurden. Nimmt man den Gentner Rüben zu 1 Mark an unb zieht man alle Erzeugungskosten ab, so kann sich jeder Landwtrth ausrechnen, daß der Bau von Wetzen, Gerste, Korn ober Hafer an die Rübenerträge nicht heran« reicht.
Zu diesen Erträgen kommt aber noch die Dividende. Sie beträgt für das abgelaufene Jahr 1892/93 in beiden Fabriken 17 pCt. Das ist ein sehr bedeutender Betrag, rote er in anderen lanbwtrth- schaftlichen Zweigen selten vorzukommen pflegt.
Etwa« Aehnliches findet sich tn der Wetterau (bei Ober- und Nteder-Mockstadt, Dauernhetm, Glaubcrg, Staden ufro.) bet der Zwiebelcultur, die im verflossenen Jahre ebenfalls gute Erträge abwarf. Diese 17pCt. können den kleinen Bauer aber auch nicht für die sonstigen Einbußen entschädigen, wenn sie auch einige Lücken zu verstopfen im Stande sind. Die kleinen Leute haben nämlich in der Regel einen Morgen Rüben draußen und eine Geldactte, mit denen nicht wett zu springen ist, wenn sonst Alles versagt hat.
In beiden Fabriken sind tüchtige Männer an der technischen Leitung und im Nerwaltungsrathe, welche sich unablässig bemuhm, ihre Unternehmungen durch die Fortschritte der Wissenschaft und im Maschinenwesen weiter zu fördern. In Friedberg hat man zwei Submaschtnen aufgestellt, wodurch altere, weniger leistungsfähige Apparate entbehrlich wurden. Die Letfiungsfähigkeit der Fabrik hat sich dadurch so gesteigert, daß sie im Stande ist, an einem Tage bis zu 10 000 Centner Rüben zu verarbeiten. Sie hat zwei Chemiker, die Stockheimer Fabrik hat einen. In letzterem Etablissement wurde eine Schnitzeltrockeneinrichtung aufgestellt, die aber noch der Verbesserung fähig ist. Sind die Schnitzel getrocknet, so werden sie viel leichter, also weiter transportabel und lassen sich monatelang aufheben rote Dürrfutter. Der Landwtrth kann mit einem solchen Futtermittel besser ab und zu geben und einem Futtermangel leichter entgegenroirfen.
Die Zuckerprocente waren in beiden Fabriken ungemein verschieden, sie schwankten zwischen 7 und 15,5pCt., d. h. es gab sehr
schlechte und sehr gute Rüben. Wer mit seinen Erzeugnissen «ege» späten Auflaufens der Rüben geringe Procmte erzielte, der machte schlechte Geschäfte, sobald 1,2 Pfennig für jedes ViovEt. Zucker unter 12pCt. »Zuckergehalt in Abzug gebracht wird. Daher kommt eS, daß die Leute von Vergütung, wenn der Zuckergehalt über 12pCt. geht, ober von Abzug, wenn er darunter bleibt, nichts wissen wollen, sondern wünschen, es möchte 1 Mark pro Centner gezahlt werden, einerlei ob die Procente so oder so stehen. Das Richtige ist aber doch die Berechnung nach Procenten, denn die Qualität der land- wirthschaftlichen, Industrie- und Kunstproducte soll bezahlt werden, nicht die Masse, sonst könnte schließlich ein Weißbinder, der ein HauS anstretcht, verlangen, daß er mindestens ebenso gut oder noch bester als ein Kunstmaler bezahlt werde, welcher nur ein metergroßes Bild — also eine viel kleinere Fläche — bemalt ober angestrichen hat.
In beiden Fabriken werden viele Arbeiter beschäftigt, welche alle einen anständigen Lohn empfangen. ES sind Arbeiter an bat Maschinen, an ben Wiege- unb Waschmaschinen, an ben Kochapparaten, auf ben Zuckerböden u. «. m. Als Taglohn für gewöhnliche Leistungen kann 190 bis 2 Mark verdient werden. Die feineren Arbeiter, welche technische Kenntniste und Fertigkeiten haben müsten, verdienen dagegen wöchentlich auch gut ihre 40 biS 50 Mark.
Für beide Fabriken ist es von großem Werthe, wenn die bei ihnen einmünbenoen Nebenbahnen Hungen-Friedberg unb Stockheim- Frankfurt fobalb als möglich ausgeführt mürben. Dies bezieht sich aber nicht blos auf ben Transport ber Zuckerrüben unb die Verfrachtung der Zuckerproducte, sondern überhaupt auf ble Fortbringung der land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnisse, als da sind: Milch und Molkeretproducte, Zucht- unb Fetivieh, Obst, Körnerfrüchte und Futtermittel, Kraftfuttermt tel unb ©treumaterial, Bau-, Werk-, Brenn- unb Nutzholz, Steine aller Art, Beerenfrüchte und viele« Andere.
Daß eS für die Menschen selbst von ungeheurer Bedeutung ist, wenn sie mit der Bahn fahren können, bedarf keiner Erwähnung; es muß soweit kommen, daß keine Marktfrau mehr zu Fuß geht, wozu gehört, baß bas Fahrgelb so billig wie möglich angefetzt wird.
Zum Schlüsse müssen wir noch auf eine Thatsache Hinweisen, bie manchem freunblichen Leser einleuchten unb gefallen wirb. Zu Anfang Juli, als bie Futternoth immer heftiger unb bas Aussehen ber Felber immer erbärmlicher würbe, machte Einsenber eine Tour nach Friedberg und gleich darauf nach Stockheim. Selbstverständlich ist die Rübencultur in unmittelbarer Nähe ber beiben Fabriken am stärksten vertreten. Aber nicht blos bie Rübenfelber, sonbern Ge- treibeäcker, Kartoffeln, Kleefelber unb Hackfruchtstücke sahen viel bester aus, als anberswo, obgleich kein Tropfen Regen mehr gefallen war unb bie Sonne gerabe so heiß schien wie in ben übrigen Orten beS Landes. Auch ber Unerfahrenste mußte zu ber Ueberjeugung gelangen, zu welcher bie Berstäbter Lanbwirthe gekommen sinb, wie wir zu Anfang bieses Aufsatzes auSsprachen: Es ist eine neue Cultur- methobe einzuführen; es muß tiefer gepflügt, vernünftiger gebüngt, richtiger gepflanzt unb gehackt werben. Die Zuckerrübe braucht nicht allein ben Anlaß hierzu zu geben, benn es finb große Bobenflächen vorhanben, Lagen unb Klimaten, wo bie Zuckerrübe nicht fortkommen kann. Die Cultur ber Zuckerrübe hat aber zuerst practisch bargethan, wie es gemacht werben muß unb bie gesammelten Erfahrungen sollen wir jetzt auf unsere übrigen lanbwirthschaftlichen Bodenerzeugnisse anwenben lernen. Wer nach biesen Erfahrungen arbeitet, sät, pflügt und wirtschaftet, ber wirb vorwärts kommen unb sein Anwesen wirb einen neuen Aufschwung nehmen; wer nach feinen alten Gewohnheiten weiter forifährt und dem besseren Neueren ben Sinn verschließt, ber wirb rückwärts gehen.
Literatur und ICunft.
— Die Eleetricität im Dienste der Menschheit. Eine populäre Darstellung ber magnetischen unb electrischen Naturkräste unb ihrer practischen Anwenbrmgen. Nach bem gegenwärtigen Standpunkte ber Wissenschaft bearbeitet oon Dr. A. Ritter o. Urbanitzky. Mit circa 1000 Abbilbungen. Zweite vollstänbig neu bearbeitete Auflage in 25 Lieferungen ä 50 Pf. Bisher 10 Lieferungen ausgegeben. In den vorliegenden Lieferungen (7 bis 10) gelangt zunächst bie Besprechung ber Jnductionserscheinungen zum Abschlüsse, wobei b!e Selbstinbuction, bie in ber mobernen Electrotechnik eine so wichtige Rolle spielt, entsprechenb erläutert wirb unb auch Elihv Thomsons überraschenbe Versuche Erwähnung finben. Den Abschluß bilben bie berühmten Hertz'schen Untersuchungen, zu beren besserem Verstänbnisse auch bie betreffenben Sätze aus ber Wellenlehre erklärt werden. Das hierauf folgende (Sapitel, betreffend bie electrischen Erscheinungen im Thier- unb Pflanzenreiche, enthält ebenfp interessante als practisch wichtige Angaben über bie tierische ®le Jrlcität, übet bie Wirkungen ber Gleich- unb Wechselströme auf Menschen und Thiere, übet ben electrischen Sonnenstich, bie Telephonkrankheit ufro., sowie auch über bie Glectrocultur. Hiermit ist zugleich auch bie erste Hauptabteilung bes gefammten Werkes, nämlich ber theoretische Theil, oollenbet. Der hierauf folgenbe Abschnitt enthält bie Erzeugung, llmroanblung unb Leitung electrischer Ströme unb .beginnt mit der Geschichte der electrischen Maschinen.
— Renn ErzLhlnngen von Maurus Jokai. Deutsch von L. Wechsler. 283 Setten Octav geheftet Mk. 3—, gebunden Mk. 4.—. Ein Buch, bas wirklich gelesen zu werben verbient, so recht geschaffen, bie langen Winterabenbe zu verkürzen. Unerschöpfliche Phantasie, feinste Kenntniß bes menschlichen Seelenlebens unb ber modernen gesellschaftlichen Zustände, sowie meisterhafte Character- schilderung, das sind die Vorzüge, bie sich in allen seinen Werken roteberfptegeln unb bie auch Dem vorliegenden in hohem Grade eigen sind. Das Buch enthält: Scepter unb Thespiskarren, humoristische Erzählung. — Der Gatte ber Frau Heliogabal Brasil. Die letzte ihres Stammes. — Die weiße Dame, historische Erzählung. — Ist es ein Verbrechen seine eigene Frau zu küssen ? — Roth bricht Eisen. — Demirs Braut, Romantische Erzählung. — Die Wunber ber Nähnabel. — Die Golbmacher. Die Erzählungen sind zum Theil köstlichen Inhalts, ernster unb heiterer Natur. Eine rasche Aufeinanderfolge der Ereignisse hält den Leser ununterbrochen in Bann und Jeder, ber nur bie erste Geschichte lieft, wirb bas Buch nicht früher aus ber Hanb legen, als bis er es zu Enbe gelesen hat.
Die beutsche Goethe »Gesellschaft hat zu ben reichen Gaben, bie sie ben >Mitgliedern bereits geboten hat, z. den herrlichen, originellen Briefen der Frau Rath, ben Briefen Goethes aus Italien u. s. w. unlängst einem achten Band bargereidjt: Die Leuten von Schiller unb Goethe, ursprünglich erschienen im Musen-Aimanach vom Jahr 1797. Die Herausgeber biefer Bänbe arbeiten mit einer Sorgfalt unb Genauigkeit, bie ben bantbaren Lesern manche neue Erkenntniß aus neu aufgeschlossenen Quellen barbieten.


