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Erstes Blatt.
Donnerstag den 10. Mai
__1894
Gießener Anzeiger
Kenerat-Ztnzeiger.
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Aitttr« und Anzeigcblatt für bett Kreta Giehen.
Frist von 8 Tagen
Ille ÄnnoacetuBunam bei In. und lullanbe« «chm» ■ n|ti|tn für den ^Gietzener Injeigcf niifef»
Troppau, 9. Mai. Strikende Bergarbeiter wollten heute früh den DreisaltrgkeitSschachl bei Polnisch- Ostran üb er fall en. Die GenSdarmen machten von ihrer Waffen Gebrauch. Ungefähr 20 Personen sind tobt oder verwundet; eS wurde Militär requirirt. Der LandeSprästdent ist nach Polnisch-Ostrau abgereist.
und mit dem Poststempel Wien, ein, welche die Drohung enthielten, das MagnatenhauS würde in die Luft gesprengt werden, falls die Ctvilehevorlage zur Annahme gelange.
Graz, 8. Mai. Ueber das Befinden der au» der Lueloch. höhle geretteten Höhlenforscher wird gemeldet, daß sich alle leidlich wohl befinden bis auf den 15jährigen Realschüler Rudolf Heid, welcher als blühender Jüngling die Unterwelt betreten und als schwachfinniger Greis wieder ans ^.ageSltch. gekommen. Die Schwester deS Unglücklichen fiel beim Anblick ihres furchtbar entstellten Bruders in Ohnmacht. Heid erkennt Niemanden, manchmal lächelt er wie geistesabwesend. ES wird der sorgsamsten und aufopferndsten Pflege bedürfen, den jungen Mann am Leben zu erhalten. Wie weiter gemeldet wird, wird sich der StaatSanwalt mit der Expedition nach der Luelochhöhle beschäftigen.
Mailand, 8. Mai. Bei dem Zusammenstoß zwischen Polizei und DolkShaufen am Sonntag bei der Ankunft CriSpiS wurde eine Anzahl Personen, darunter auch Kinder, durch flache Hiebe verwundet. Diele Radicale, darunter zwei Redacteure deS „Secolo", wurden verhaftet.
Pari», 8. Mai. An der Statue der Jungfrau von Orleans wurde gestern von einem Vertreter der royalistischen Jugend ein Kranz, dessen Schleife die Inschrift trug: „Die royalistische Jugend der Jungsrau von Orleans" niedergelegt. Es dauerte jedoch nicht lange, bis der Kranz von der Poltzei I entfernt wurde. — Gin Schreiben deS Grasen von Paris an die Mitglieder des royalistischen CongresseS fordert zur Fortsetzung des Kampses auf, um zu beweisen, daß die royalistische Bewegung in Frankreich noch nicht erstorben sei. . m
London, 8. Mai. Die Preffe beschwört dte Gruben- I besitz er und Bergleute Schottlands, sich zu verständigen, I damit das Schauspiel eines verderblichen Strikes England I und Deutschland erspart bleibe.
Newyork, 8. Mai. Bergarbeiter in Alabama Haden I Maschinen und mechanische Zecheinrichtungen durch Dynamit- I expl osionen vernichtet- der Betrieb ist vollständtg ein- I gestellt.
Deutsche» Reich.
Darmstadt, 8. Mai. Wegen deS Ablebens Ihrer Königlichen Hoheit der verwittweten Herzogin Max Emanuel in Bayern, geborenen Prinzessin von Sachsen- Coburg und Gotha, ist aus Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer bis -um 14. l. MtS. einschließlich angeordnet worden.
Berlin, 8. Mai. Es scheint fast, als ob die anhebende \ sommerliche Stille in der inneren Politik durch die Wieder- aufnahme der zunächst gescheiterten Action, betr. die Finanz, und Steuerreform im Reiche, gestört werden solle. Aus gut unterrichteten Berliner Kreisen verlautet mit Be- ilimmtheit, daß regierungsseitig alsbald an die Ausarbeitung eine» neuen Entwurfes zu einer systematischen Umgestaltung der ReichSsinanzen herangegangen werden würde. Zugleich werde dieser. Plan auch die Rejorm der preußischen Finanzen umfassen, und da ähnliche Bewegungen sich auch in den Re- gierunngSkreisen in anderen Bundesstaaten geltend machten, so stehe im kommenden Sommer eine neue Finanzminister- Eonferenz zu erwarten. Letzterer würde der Reichsschatz, secretär Graf Posadowsky neue Steuergesetzentwürfe behufs Bermehrung der eigenen Einnahmen be» Reiches vorlegen. Von einer abermaligen Eonferenz bet Finanzminister der größeren Emzelstaaten ging schon lange das Gerücht, vielleicht wird sich nun das Projcct zur Zeit der Hundstage verwirklichen. Was indessen die angekündigte anderweitige Auflage der Frankfurter Finanzminister-Conserenz an neuen steuer- und finanzpolitischen Vorschlägen hervorbringen wird, da» kann man wohl noch ruhig abwarten, eS dürste Niemand besonders darauf brennen, die ferneren Steuerpläne der ver- bündeten Regierungen kennen zu lernen.
totales mn- provinzielle»,
Gießen, den 9. Mat 1894.
** Personalien. Durch Entschließung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 5. Mai wurde der Großh. Fabrikinspector Möser zu Darmstadt mit Rücksicht aus die zeitweilige Beurlaubung deS Großherzogl. Fabrikinspectors Kraus bis auf Weiteres mit der Versetzung der Dienstgeschäste des Fabrikaufsichtsbeamten für den Fabrik- aufsichtSbczirk II und der Chemiker Friedrich Lösser auS Darmstadt mit der Versetzung des Dienstes eines Assistenten bei dem Fabrikinspector beauftragt.
** Arena Kieffer. Wenn wir Veranlaffung nehmen, nochmals auf die Vorstellungen der Arena Kieffer zurückzukommen, so geschieht dies, um der Ueberzeugung Ausdruck zu geben, daß im Verlauf der letzten Jahre ein derartiges Unternehmen mit gleich guten, ja vorzüglichen Leistungen nicht dagewesen ist. Ohne auf die Reichhaltigkeit des Programms näher einzugehen, muffen doch die mit Eleganz verbundenen Ausführungen der Parterregymnastik, am fliegenden Reck, deS Jongleurs, sowie deS Schlangenmenschen hervorgehoben werden. In angenehmer Abwechslung folgte im Verlauf de» gestrigen Abendprogramms ein kunstgerecht imitirter Schuhplattler, sowie ein von den kleinen Geschwistern Kieffer aller- liebst gegebener Schwäbischer Tanz. Die gut geschulten graziösen Darbietungen aller Piecen waren stets fesselnd und sanden ungeteilten reichen Beifall. Den Schluß der gestrige« Vorstellung bildete eine Pantomime, „Die Zauberflöte", deren grotesk-komische und dabet im Sinn gut verständliche Ausführung die Besucher aufs Angenehmste verabschiedete. Wie verkündet, finden bloS noch zwei Vorstellungen statt, auf welche wir besonders Hinweisen, da ein Besuch derselben einige unterhaltende Stunden verbürgt. Die Arena ist mit Sitzplätzen gut eingerichtet und können Damen ohne Bedenken den interessanten Vorstellungen betwohnen.
♦* Boa hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt Fuhrknecht Adolf B e ck aus Alzey von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Diebstahls, die Dirne Louise Form aus
Ausland.
— In der freien Schwei, geht man den Herren Anarchisten und den ihnen geistesverwandten Elementen endlich ebenfalls kräftiger zu Leibe. Durch Bundesraths, beschluß sind die Brüder Friedrich und Heinrich Hoß aus Bremen und der Schreiner Dedeck auS Böhmen aus dem Gebiet der Eidgenoffenschaft ausgewiesen worden. Die Genannten sind Mitglieder der anarchistischen Partei, sie sind auS dem speciellen Grunde von der AuöweisungSmaßregel betroffen worben, weil sie am 1. Mai eine schwarze Anarchistensahne in Zürich öffentlich herumtrugen. Ferner ist vom Bemer Gerichtshof der Wühler und Agitator Wassilieff, Secretär der Arbeiterorganisation zu Bern, wegen Anstiftung deS Berner Strahencrawalles vom vorigen punt nach mehrtägigen Verhandlungen zu der verhältnißmäßtg hohen Strafe von elf Monaten Gefängniß verurtheilt worden.
— Im ungarischen Oberhause haben am Montag die Plenarverhandlungen über die Civi l e h e-V o rl age begonnen. Die Commission empfiehlt die unveränderte Annahme des Entwurfes und unterliegt es keinem Zweifel, daß sich die Mehrheit des Hauses in diesem Sinne entscheiden wird. In der Montagsdebatte sprach Fürstprimas Vaszary gegen die Vorlage, hauptsächlich auS dogmatischen Gründen, während Gajzago und Juftizminisler Dr. v. Szilagy für die Vorlage
Bekannimachuna.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnih gebracht, daß die nach S 6 des Reichsgesetze» vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eine» Aufschlag» von Fünf vom Hundett, pro Monat April 1894 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen;
Hafer JL 17.40, Heu JL 10.—, Stroh 7.90.
Gießen, 8. Mai 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
. v. Gagern.
Gießen, den 8. Riai 1894.
Betr.: Die Vertilgung der Maikäfer.
Daß Grotzherzogliche Kreisamt Gietzen Ml die «rotzt,. Bürger«eiitereie« bei Kreise».
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Verfügung vom 11. April l. I. — Anzeiger Nr. 86 — noch nicht nachgekommen sind, erinnern wir an Erledigung derselben mit
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eintraten. Letzterer erntete mit seinen Darlegungen lebhaften | i Beifall.
— Die Stadt Klauseuvurg in Siebenbürgen macht äugen- I i blicklich durch den vor dem dortigen Schwurgericht sich ab- I spielenden sogenannten Memorandumproceß von sich I reden. 23 Mitglieder des Executiv-ComiteS der rumänischen I Nationalpartei in Siebenbürgen, sowie eine Anzahl anderer I Personen sind angeklagt, sich durch eine von ihnen an den I Kaiser von Oesterreich gerichtete politische Denkschrift des I Verbrechens der Aufreizung schuldig gemacht zu haben. In I der Denkschrift (Memorandum) wird auSgesührt, daß die I im Jahre 1848 erfolgte Vereinigung Siebenbürgens mit I Ungarn die den Rumänen gewährleistete Autonomie vernichtet I habe- der betreffende Beschluß sei von einem Landtage gefaßt I worden,'in welchem die rumänische Bevölkerung des Lande« I weder ihrer Zahl noch ihrer Bedeutung nach entsprechend I vertreten gewesen sei. Kaiser Franz Josef hatte e8 seiner I Zeit abgelehnt, die mit Ueberreichung der Denkschrist beauf- I tragte rumänische Deputation zu empfangen. In den Kreisen I bei Siebenbürger Rumänen zeigt sich anläßlich des Klausen- I burger ProcesseS eine bedenkliche Erregung, die ihr Echo auch I im Königreich Rumänien findet und hier wie dort unliebsame I Demonstrationen befürchten läßt. Auch der Proceß selbst I dürfte nicht glatt verlaufen, schon am ersten Verhandlungs- I tage, am Montag, kam e« mehrfach zu Zwischen- I fällen.
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Corresponden,-Bureau.
«Berlin, 8. Mai. Eonferenz der Centralstelle I für Arbeiterwohlfahrtsei nrichtungen. Der! Stabsarzt Wutzdorff- (Berlin) referirte über Reinhaltung I der Lust in den Fabrikräumen, woran sich eine längere I Debatte schloß. Hierauf wurde die Conserenz geschloffen. I । Die Mitglieder besichtigten später verschiedene industrielle I Etablissements.
Köln, 8. Mai. Wie der „Köln. Ztg." aus Petersburg I gemeldet wird, ist die Hochzeit der Großfürstin Xenia I aus Anfang August festgesetzt. Der Czare witsch reist in einiger Zeit nach England zum Besuche seiner dort weilenden I Braut.
Baar ((Santon Zug), 8. Mai. Der Durchschlag des AIbiS-Tunnels auf der im Bau befindlichen directen Linie Zürich-Gotthard ist heute genau nach Berechnung erfolgt. Der Albis-Tunnel ist nächst dem Gotthard-Tunnel der größte der Schweiz.
Brüssel, 8. Mai. Der Arbeite Minister empfing heute das Mitglied deS Ausschusses des Verbandes deutscher BerufSgenoffenschaften, Handelsrichter Emil Jacob aus Berlin, in längerer Audienz, um erläuternde Mittheilungen I über die Ausstellung des Verbände- in Antwerpen entgegenzunehmen. Der Minister bekundete ein lebhaftes Interesse I an den überreichten Statuten und Unfallverhütungsvorschriften ' I der BerufSgenoffenschaften.
Depeschen deS Bureau »Herold-.
Berlin, 8. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." theilt osficiös mit, die dem Kaiser zugesallene Gemäldegallerie des Grasen Schack werde ungestört in ihrem alten Heim an der Briennerstraße in München verbleiben, da das Haus infolge Vereinbarung mit den Erben ebenfalls an den Kaiser übergegangen sei- die Gallerie werde auch künftig für daS Publikum geöffnet bleiben.
Berlin, 8. Mai. Die hiesigen Böttcher sind, weil ihre Forderung auf 30 Mark wöchentlichen Minimallohn und neunstündige Arbeitszeit nicht bewilligt und ihnen am 1. Mai nicht freigegeben worden ist, in den AuSstand etngetreten. Bisher haben sich demselben 350 Mann angeschlosien.
Berlin, 8. Mai. Der im Duell verwundete Redacteur deS „Kladderadatsch", Dr. Polstorff, befindet sich außer aller Gefahr und wird voraussichtlich bald wieder her- gestellt sein.
Hamburg, 8.' Mai. Kanzler Leist kommt am Donnerstag mit dem Dampfer „Eduard Bohlen" auS Kamerun hier an.
Wien, 8. Mai. Die Befürchtung, daß die ausständigen Arbeiter gestern Abend Scandale insceniren würden, hat sich dank der umfaffenden Sicherheitsmaßregeln nicht erfüllt. In Mährisch-Ostrau dehnt sich der Strike der Kohlenarbeiter immer mehr aus. Die Behörden verlangten : Militärverstärkung.
Budapest, 8. Mai. Bor Beginn der heutigen Sitzung des Oberhauses, in welcher das Ehegesetz diScutirt wurde, gingen Korrespondenzkarten, in ungarischer Sprache geschrieben


