1894
Samstag den 9. December
Nr. 289 Erstes Blatt
Der
Die Gießener
Is«»ikienvkülter
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen
chratisöeikage: Hießener Kamikienötätter.
Amtlichem TKeil
Berlin, bespricht in gestrigen
werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigefegt.
Neueste Nachrichten»
Wolff» telegraphische- Torrespondenz-Bnre«.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Berlins 7. December. Von der social demokratischen
den Wiener Männergesangverein folgendes Handschreiben: „Aus der Eingabe deS Vorstandes vom 17. v. M. habe ich mit Vergnügen ersehen, daß mein „Sang an Aegir" auch vom Wiener Männergesangverein mit gutem Erfolge zur Aufführung gebracht worden ist. Den mir aus diesem An- lasse eingesandten Ehrenducaten habe ich gern angenommen und wird mich derselbe stets daran erinnern, daß in der schönen Donaustadt deutscher Sang und deutsche Musik sich hervorragender Pflege und Förderung seitens des Wiener Männergesangvereins zu erfreuen hat. Ich danke dem Vorstande für die freundliche Aufmerksamkeit aufs Wärmste und wünsche dem Vereine auch ferner kräftiges Blühen und Gedeihen. Neues Palais, 6. December 1894. Wilhelm I. B.u
Paris, 7. December. Zur Einweihung der deutschen evangelischen Kirche am Sonntag trifft der Ober- ronsistorialrath Freiherr von Goltz ein, der eine von der Kaiserin gewidmete Bibel überbringt.
Paris, 7. December. Ferdinand von Lesseps ist heute Nachmittag auf Schloß Chesnaye gestorben.
der auf wirksamere Bekämpfung der Umsturzbewegung abzielende Vorlage durch ein drastisches Beispiel zu verstärken. DaS Blatt führt aus, der Vorgang stelle vor die Kernfrage gegen die Umsturzpropaganda und darin sei ein Gewinnst zu erblicken. DaS vom Präsidenten v. Levetzow gestern aus-- gcbrachte Hoch gelte dem Kaiser als dem Oberhavpte eines Bundes, welcher den Namen „Deutsches Reich" führt. Wer nach dieser Seite demonstrirt, wende sich gegen die Bestimmungen der Derfaffung. Am Schluffe des Artikels führt das osficiöse Blatt aus, der Abgeordnete Singer halte durch seine gestern ausgesprochene Ansicht schützend seine Hand über eine offene, blutige Revolution, er identificire sich unzweideutig durch die von ihm ausgesprochene Meinung mit der Idee der Revolution.
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7. December. Die „Nordd. Allgem. Ztg." einem Leitartikel die Vorgänge in der
Berlin, 7. December. Das Ergebniß der Schriftführerwahl im Reichstage ist heute festgesetzt worden. Der von den Socialdemokraten vorgeschlagene Abgeordnete Fischer wurde zurückgewiesen. Zu Schriftführern wurden die Abgg. Kropatschek(cow-), Holleufer (dcons.), Merbach (Reichs^), Braun (Ctr.), Gräfe (Reformp.), Pieschel (natl.), v. Koscielski
(Pole) gewählt.
Berlin, 7. December. Der Reichstag wird voraussichtlich in der dritten Decemberwoche nicht mehr zusammenzuhalten sein und es stehen somit nur noch wenige Tage zur Verfügung, welche für die erste Etatsberathung gebraucht werden dürften.
Berlin, 7. December. Nachdem nunmehr die erste Etat- berathung eine Priorität erhalten hat, wird die Umsturzvorlage wohl kaum noch vor den Weihnachtsfeiertagen zur Verhandlung kommen.
Berlin, 7. December. Infolge des gestrigen Vorganges im Reichstage wurde von der conservatioen Fraction angeregt, eine Abänderung der Geschäftsordnung dahin vorzunehmen, daß eine Verstärkung der Disciplinar- gewalt durch den Präsidenten herbe'gesührt werde. Ob ein diesbezüglicher Antrag eingebracht wird, ist noch unbestimmt.
Köln a. Rh., 7. December. Die „Köln. Ztg." fordert angesichts der gestrigen Vorgänge im Reichstage, daß der bereits im Jahre 1879 dem Reichstage vorgelegte Entwurf betr. die Disciplinargewalt über die Parlamentsmitglieder wieder eingebracht werde. Bei der zur Zeit erfolgten Ablehnung dieser Vorlage habe man an ein derartiges Sinken des socialen Niveaus der Volksvertreter nicht geglaubt, wie es heute unleugbar vorhanden sei. Der Reichstag solle nun nicht länger in schlimmer Verblendung verharren- es handle sich heute nicht um den Schutz wehrloser Außenstehender, sondern um seine eigene Würde und um die Ehrfurcht vor dem Kaiser, die man von allen Deutschen, besonders aber von Volksvertretern beanspruchen könne.
Karlsruhe, 6. December. Der Papst ernannte den Er- sinder der Weltsprache (Volapük), Pfarrer Schleyer in Constanz, zum Monsignore.
München, 7. December. Wie das „Bayer. Vaterland" meldet, soll gegen sechs Münchener Redacteure wegen der Fuchsmühler Affaire Anklage erhoben werden.
Paris, 7. December. Die gestern Nacht erfolgte Verhaftung des ChefredacteurS der „Nation", Camille DreyfuS, rief allgemeine Ueberraschung hervor. Die Ursache ist noch unbekannt, wahrscheinlich ist die Verhaftung wegen Erpreffung erfolgt. DreyfuS, der Reservelieutenant ist, früher Cabinets- chef WilsonS im Finanzministerium und Deputirter von
dem Reichstage zugegangen.
Berlin, 7. December. Das Staatsministerrum hat heute unter dem Vorsitz des Reichskanzlers eine Sitzung Qb0^Berlin, 7. December. In Bundesrathskreisen verlautet, der Reichskanzler beabsichtige bei der ersten Berathung des Etats zu einer längeren Ausführung das Wort zu ergrei^en.^ December. Einer der ersten im Reichstage zur Berathung gelangenden Initiativanträge wird der Antrag des CentrumS um Aufhebung der I esuiten-Aus-
Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Reichstagssitzung. In demselben sagt sie, die Socialdemokraten hätten sich beeilt, die Nothwendigkeit
Ausschreiben.
Ein in Limburg inhaftirter Mann war bei seiner Fest- «ahme im Besitze eines 3—4 Meter langen schwarz-weiß- rotb en Fahnentuches, über dessen Erwerb er sich mcht aus- weifen kann, so daß die Vermuthung nahe hegt, er habe das Tuch gestohlen. , „
Wir ersuchen daher um gefällige Mttherlung, wenn Jemanden von einem Diebstahl des bezeichneten Fahnentuches etwa» bekannt sein sollte.
Gießen, den 6. December 1894.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Paris war, ist sehr niedergeschlagen und nimmt wenig Nahrung zu sich. Es circuliren Gerüchte über weitere Bet« H^London, 7. December. Der „Standard" veröffentlicht Telegramme auS Varna, wonach der Czar Nikolaus aus das Glückwunschtelegramm des Snltanö kühl geantwortet hat. Die Haltung des Kaisers wird dahin ausgelegt, daß der Czar den Sultan für die Borkommniffe in Armenien verantwortlich macht.
Loudon, 7. December. Ein osstcielles Telegramm aus Shanghai sagt, wenn die Japaner die Verhandlungen mit dem mit kaiserlichem Decret versehenen Bevollmächtigten in Peking ablehnen, so sei dies Beweis, daß sie nicht eher nachgeben wollen, bis sie das chinesische Kaiserreich gedemüthigt und vollständig vernichtet haben. — Yamagala hat definitiv auf die Eroberung von Mukden verzichtet.
London, 7. December. „Morningpost" schreibt, in Kürze sei die Reorganisation und das Wiederauftreten der Fenier in Großbritannien und Irland zu erwarten, das Blatt wacht die Behörden hierauf aufmerksam und sordert die Regierung auf, rechtzeitig einzuschreiten, indem es den Grund de« Wiederauftretens der Fenier in der Ablehnung der Homerme sieht- __
Berlin, 7. December. Zur Wallot-Feier waren ca. 500 Theilnehmer, darunter Vertreter aus allen großen Städten Deutschlands, versammelt. Die Stimmung war eine (iWllllll(tl --------------------------
sehr gehobene. Seitens des Vereins der Berliner Künstler | Hon rtnb <ür die Berathung der Umsturzvorlage die übergab Anton v. Werner das Diplom als Ehrenmitglied- » b Un Auer, Frohme und Singer als Redner be- Baurath Hinkeldey überreichte für den Verband deutscher 8^ worden. Zur Zucker-Interpellation werden die Ab- Archrtecten- und Jngenieur-Vereme eine Adrcffe. Das Gleiche ' nelen eventuell Schippel ober Bock sprechen, that NamcnS des Frankfurter ArchttectenvereiuS Bauinspector I ° - -- - — - ° *•*
Wolff, der an die frühere Zugehörigkeit WallotS zu diesem Verein erinnerte. Für die deutsche Kunstgenoffenschast sprach Profeffor Thiersch-München. Die Vereinigung der Berliner Architecten widmete einen Lorbeerkranz. Wallot dankte tiefgerührt. Nach dem Schlußgesang begann das Festessen, dem sich ein Festspiel und allerlei „Wallotria" anschloffen.
Wien, 7. December. Kaiser Wilhelm richtete an
welche eine Vertagung der Strafproceffe gegen Abgeordnete zulaffe. Dutzende von Strafproceffen würden während feder Session durch den Beschluß des Hauses unterbrochen und oft auf Jahre hinaus verschleppt. Diese Privilegirung systema. tischer Gesetzesverletzung führe zur Nichtachtung der Justiz. — Das „Berl. Tagebl." schreibt wörtlich: „Mit einer Brutalität, die sich nur aus dem völligen Mangel gesellschaft- sicher Gesittung einigermaßen erklären läßt, hat der Sprecher der socialdemokratischen Partei dem Vorsitzenden geantwortet und er hat dadurch auch das unzweideutig erwiesen, daß er sich mit seinen Anschauungen außerhalb unserer ganzen Empfindungslehre stellen wollte.
Berlin, 7. December. Die in der Thronrede angekündigten Justizgesetze, Abänderung der Strafprocehordnung durch Wiedereinführung der Berufung und Einführung eines Gesetzes zur Entschädigung unschuldig Derurtheilter, find heute
Gesunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 gold. bedauert die „Nationalzeitung" die Verfaffungsbestimmung, Ring I Maiffcheltenknops, 1 fioarpfeit, 1 Regenschirm, > -.......- °e°en Abo-ordn-t-
1 Handschuh, 1 Muff, 1 Kaputze, 1 Schürze, I Buch, 1 Paar Zugstiefel, 1 Lampenbrenner, 1 Halsriemen (Pferde- Geschirr), 1 Handkorb und 1 Laterne.
Gießen, den 8. December 1894.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Betriebseröffnung
des Queckborner Wasserwerks.
Die gestern stattgehabte feierliche Betriebseröffnung M Queckborner Wasserwerks nahm unter erfreulicher Anwesenheit bei Vertreter hoher Behörden und sonstiger Ehrengäste, einer großen Anzahl Stadtverordneter, der betr. städtischen Beamten, Vertreter her Presse u. s. w. in programmmäßiger Weise den schönsten Verlauf. Die technischen Erläuterungen des Herrn Oberingenieurs Schtwck in dem Sitzungssaale des ^thhauseS, die vorgenommenen Druckproben aus Hoch- und ^ederdruck- netz, der mächtige Springbrunnenstrahl tm Garten des GaS- und Wasserwerks, ferner die Besichtigung des Hochbehälter« und der sämmtlichen Anlagen in Queckborn erweckten daS höchste Jntereffe aller Theilnehmenden. — Die Ausschmückung der Anlagen, die finnige Jnnendecoration des Hochbehälters, der erhebende Weihegesang des Knabenchors in demselben, die Bedeutung und den Betrieb der Anlage betreffende Sinn- sprüche erfreuten nicht minder alle Theilnehmer. Kein Wunder, daß auch das gegen 2 Uhr Nachmittags in Queckborn im festlich geschmückten Saale bei Sames stattgehabte „Frühstück den schönsten Verlauf nahm und nach dem durch Herrn Oberbürgermeister Gnauth, mit dem sich TagS zuvor unser ver- ehrtester Landesvater in freundlichster Theilnahme über unser neues Wasserwerk unterhielt, auf Seine Königl. Hoheit bat Großherzog ausgebrachten ersten Toast noch mancher Trink- sprach der Bedeutung des Tages gewidmet wurde.
Wir wüffen uns Vorbehalten, auf die Elöffnungsseier des Werks ausführlicher zurückzukommen, und geben heute nur die nach stattgehabter stenographischer Aufzeichnung von Herrn Oberbürgermeister Gnauth am Maschinenhaus an die Versammlung gerichtete Festrede wieder:
Verehrte Festversammlung'
Der alte Hochbehälter unseres Wasserwerkes an der Licherstraße wird demnächst die Inschrift erhalten: „Eröffnet 1883, erweitert 1886 und 1890, vollendet 1894; in diesen einfachen Zahlen und schlichten Worten aber steht verzeichnet die ganze Geschichte der planmäßigen Versorgung der Stadt Gießen mit gutem Quellwasser: eine G. schichte glatt zu lesen, nun sie glücklich durchlebt ist, aber voll ernster Sorgen und banger Zweifel für alle Diejenigen, welche daran gefchrieben.
Ursprünglich nur berechnet auf die Speisung weniger öffentlicher Brunnen, hat unser Wasserwerk alsbald sich erweitert zu einer HauS- versorgung und ist heute ausgewachsen zu einer Gesammtverforgung unserer Stadt mit reichlichem Wasser mit hohem Druck: für alle öffentlichen und privaten, gesundheitlichen und wirihschastlichen Zwecke. Die knapp 200 cbm. lägllchen QuellenzuflusstS im Anfang sind heute erhöht auf 3500 cbm., 820 Häuser, 32 Ventilbrunnen und über 150 Hydranten sind nunmehr ongeschlossen an Leitungen von zusammen rund 60 km Länge und der Wasserpreis ist dabei letzt schon ermaftiat auf 25 Pf. pro cbm., ein weiterer Abschlag für den Hans- oerbrauch und für Großabnehmer biS zu 50 pCt. Rabatt sind in Aussicht genommen! -. « .
Die Erweiterung unseres Wasserwerkes aber, welche heute wir dem Betrieb übergeben, sie zeichnet sich von ihren Vorgängerinnen ganz wesentlich dadurch aus, daß sie zugleich die Vollendung unseres Werkes darstellt: nach all ben kleinen Schritten des seitherigen Vorgehens dürfen wir heute mit einem großen Sprung tm« am Ziele glauben, am Ziele einer ausreichenden, planmäßigen Wasserversorgung unserer Stadt auf so lange, als deren Einwohn« nicht die Zahl von 35- bis 40 000 überschritten haben, und auch bann noch stehen auf diesem Quellengebiet weitere Vorräthe zu unserer Verfügung. ,
An solches Ziel gelangt, dürfen wir darum wohl m gehoben« Stimmung den heutigen Act begehen, mit Stolz und Dank bei insoweit glücklich vollendeten Werke- uns «freuen.
Berlin, 7. December. Die ganze hiesige Presse verur- thei't das Verhalten der Socialdemokraten in der | gestrigen Reichstagssitzung. Am Sckluffe ihrer scharfen Kritik
U Gießener Anzeig er
Kenerat-Wnzeiger.


