muih. Nun, Herr v. Meyer konnte leicht Mannesmuth zeigen; aber in meinem früheren Wahlkreise, den jetzt Herr Möller vertritt, ist -gar mancher Arbeiter zum Selbstmord getrieben worden, weil er brotlos wurde, nachdem er entweder mir oder dem Socialdemokraten seine stimme gegeben batte. Bezeichnend ist, daß dieser Wahlkreis bet jeder Wahl wegen Mandatskassirung zweimal wählen mutz. Der socialdemokratische Vorschlag, die Wahl auf den Sonntag zu verlegen, ist ganz gerechtfertigt. Redner behält sich noch einige Berbesserungs- anträge für die zweite Lesung vor.
Abg. Blos (öoc.): Wir sind mit dem Anträge einverstanden, obgleich er eine absolute Wahlfreiheit nicht schafft. Auf dem Gute wird einfach constattrt, „so viel gegnerische Stimmen sind abgegeben, so viel Lertte werden entlassen." Gegen solche Maßregelungen gibt es keinen Schutz. Die Wahl sollte am Sonntage stattftnden. Leider würde ein bezüglicher Antrag aussichtslos sein. Die Regierung wnd dem Entwürfe nicht zustimmen, sie betrachtet die Regierungs- g.wall nur als Mittel, alle Fortschritte zu bremsen. Unsere Zustimmung zu dem Entwürfe ist daher nur als Demonstration zu betrachten.
Abg. Merbach (Rp.) erklärt sich Namens seiner Freunde gegen de», Arstrag. Auch wir wollen durchaus die Freiheit der Wahl. (Widerspruch links.) Jawohl, und zwar mehr als die Soctaldemo- kralen, welche die Freiheit der Wahl nur darin sehen, daß sie jeden Aroetler zu zwingen suchen, socialdemokratisch zu wählen. Wenn Du nicht für unfern Candidaten stimmst, heißt es da, soll Dirs ichlecht^ gehen. Die vorgrschlagenen Bestimmungen sind ganz undurchführbar. Die Abstempelung der amtlichen Couverts und das Couoertiren ist viel zu zeitraubend; der abgeschlossene Raum, der den Wähler dem „Auge des Tyrannen" entziehen soll, läßt sich in vielen Wahllocalen gar nicht beschaffen.
Abg. Dr. Osann (natl): Aus bloßer Temonstrattonslust darf man keine Gesetze machen. Lenzmann versuchte eine Pression zu Gunsten des Antrags auszuüben; der größere Theil meiner Freunde wird sich dieser Pression aber nicht fügen. Die Wahlbeeinflussung Uegt in ter Hauptsache gar nicht im Wahllocal, sondern vor demselben. Herr Gröber sprach von Wahlbeetnflussung durch die Arbeitgeber. Er hätte dann auch von der der katholischen Geistlichen sprechen sollen, die ihre Wähler ins Wahllocal begleiten. Der ganze Antrag erschwert die Wahl nur und diese Erschwerungen bringen die Leute dahin, überhaupt nicht mehr zu wählen.
Abg. Graefe (Ref.-P.) tritt für den Antrag ein, spricht aber gegen Vornahme der Wahl am Sonntag. Der schlimmste Terrorismus wird von den Socialdemokraten ausgeübt. Darunter leide besonders der Mittelstand, Fleischer, Bäcker, Gastwirthe, die boycotttrt würden, wenn sie nicht nach Wunsch wählten.
Abg. Hilpert (bayr. Bauernbündler) tritt für den Antrag ein.
Abg. Träger (frs. Volksp.): DieintellectuelleWahlbeeinflussung wollen wir nicht beseitigen, möge sie nun vom Geistlichen, vom Landratb ober vom Arbeitgeber ausgehen; beseitigen aber müssen wir die Beeinflussung durch Machtmittel. Auch der Regierung kann es nur angenehm sein, die wahre Meinung des Volkes kennen zu lernen.
Abg. Möller (natl.) wünscht Verweisung oes Antrags an eine Commission, da er einen guten Kern enthalte und deshalb nicht 2 liwive abgewiesen werden sollte. Was die Vorgänge in meinem Wahlkreise anlangt, so habe ich meinen dortigen Freunden stets ab- gecathen, die Arbeiter in illoyaler Weise zu beeinflusien. Viel stärker, viel schlimmer und viel unmoralischer als bei den Arbeitgebern findet sich die Wahlbeeinflussung bei den Arbeitnehmern.
, . Abg. Auer (Soc): Den alten Kalauer, daß die Socialdemo- ;"ten die eigentlichen Wahlbeeinflusier seien, hätten sich die Herren sparen können. Derjenige, dem die Faust an der Gurgel sitzt, soll 1-tzt das Karnickel sein! Das glauben die Herren doch selber nicht. Wir haben nur ein Klasienbrwußtsein geschaffen, auf das wir stolz find. Sie wurden sonst noch mehr Schtndluber mit den Arbeitern spielen.
Präsident v. Levetzow rügt diesen Ausdruck.
Nachdem noch Abgg. Dr. Barth (frs.Der.) und Ulrich (Soc.) sur den Entwurf gesprochen, wird ter erste Theil desselben gegen die stimmen der Rechten und der Mehrheit ter Nationalliberalen angenommen und dann Vertagung beschlossen.
Morgen: Etat des Innern, Postetat.
Neueste Nachrichten»
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 7. Februar. Die hiesige medicinische Facultät hat durch ihren Decan, Professor v. Bergmann, anläßlich des Ablebens Billroths, ein Beileidstelegramm an die Wiener Facultät gesandt.
Helgoland, 7. Februar. Hier herrscht starker Nordweststurm. Das Denkmal Hoffmann v. Fallerslebens wird von der See umspült, die Einfriedigung wurde von den Wellen weggerissen. Das Denkmal wird geborgen. Die Stelle ist dem Comile schon vor der Aufstellung als eine un- paffende von den Helgoländern bezeichnet worden.
Paris, 7. Februar. Aus Rio de Janeiro wird gemeldet, daß der Präsident Peixoto forlfahre, verdächtige Personen, darunter viele Fremde, verhaften zu lassen. Die Nachricht, daß zwischen Mello und Saldanha Meinungsverschiedenheiten entstanden seien, wird dementirt.
Depeschen teS Bureau „Herold".
Berlin, 7.'Februar. Die Unterzeichnung des deut sch- russischen Handelsvertrags erfolgt am 9. Februar durch Caprivi und Schuwalow. — Entgegen der neuerdings verbreiteten Nachricht, daß der Unterrichtsminister eine neue Verfügung über den Beginn und dasEnde der Schul- pflicht getroffen habe, erklärt der „Reichsanzeiger", die Nachricht beruhe anscheinend auf Verwechselung mit einer Anordnung vom 4. März 1880, welche seit 14 Jahren gehandhabt werde. — Im Reichstagsfoyer verlautete, die Regierung unterziehe die Wetnsteuer einer gänzlichen Umarbeitung und solle eine Flaschenwein st euer planen.
Die wirthschastliche Vereinigung des Reichstages ist heute zusammengetreten behufs Stellungnahme zum russi» sche-n Handelsvertrag. Kardorff hat einen Antrag emgecracht, die Bundesregierungen möchten ein Reichsgesetz Kollegen, roobu.-d) der Bundesrath ersucht, ermächtigt und rerpflichtet wird bei^Einfuhr von Roggen, Weizen und Mehl in das deutsche Reich denjenigen Staaten gegenüber, welche Papi-rvalmen mit Zwangscurs besitzen, b-zw. in welchen für G°ld Ausgeld gezahlt wird, Zollzuschlägc zu erheben unter entsprechender gleichwerthiger Normirung des Zollzuschlags aus Einsuhr von Mehl nach den Werthrelationen zwischen Getreide und Mehl. Rach verschiedenen AuS- sührungen gegen den Handelsvertrag wurde der Antrag einer Subcommission überwiesen.
Berlin, 7. Februar. Wie verlautet, beabsichtigt die Vertretung der Stadt Berlin den russischen Delegirten Lei den Verhandlungen des Handelsvertrages ein Fest zu vermrstalten.
Berlin, 7. Februar. Während des gestrigen Fastnachtsballes im königlichen Schlosse wurde der Reichs kanzler Graf v. Caprivi wie auch der italienische Botschafter Graf Lanza vom Kaiser und der Kaiserin durch Gespräche ausgezeichnet.
Stuttgart, 7. Februar. Im „Schwäbischen Merkur" wenden sich eine Anzahl Gutsbesitzer gegen die durch den russischen Handelsvertrag bevorstehende Zoller- mäßigung auf 3,50 Mark. Die Einsender verurtheilen jedoch nichts destoweniger die Agitation des Bundes der Landwirthe.
Hamburg, 7. Februar. Durch einen orkanartigen Sturm sind Hierselbst große Verheerungen verursacht worden. Berichte von der unteren Elbe melden heftige Stürme und Schiffsunfälle.
Wien, 7. Februar. Der „Polit. Corresp." geht aus Sofia die Meldung zu, daß sich der Zustand der Fürstin Luise verschlimmert habe. Sämmtliche Minister sollen in das Palais berufen worden sein.
Prag, 7. Februar. Bei einer polizeilichen Haussuchung im Vereinslocale des Studentenclubs „Slavia" wurden zahlreiche amerikanische Zeitungen und Zeitschriften, sowie eine Statue, welche die französische Republik darstellt und von französischen Studenten dem Club dedicirt worden war, confiscirt.
Paris, 7. Februar. Dem Präsidenten Carnot ist eine große Anzahl Drohbriefe zugegangen, in welchen ihm deutlich gesagt wird, daß die Anarchisten bei der nächsten Gelegenheit den Tod Vaillants rächen würden.
Paris, 7. Februar. Die Wachen auf dem Friedhöfe Jvry sind verstärkt worden, da man eine Entführung des Leichnams Vaillants durch die Anarchisten befürchtet.
Venedig, 7. Februar. Auf der Treppe des Oberlandesgerichtsgebäudes zu Livorno explodirte unter heftiger Detonation eine Bombe, welche großen materiellen Schaden verursachte. Zwei Stunden nach der Explosion fand trotzdem eine für diese Zeit anberaumte Gerichtsverhandlung gegen Anarchisten statt. Dieselbe endete mit der Bestätigung der durch die erste Instanz erfolgten Verurtheilung der Anarchisten.
Sofia, 7. Februar. Aus der Thatsache, daß der Tauf- fei erlich keil des neugeborenen Prinzen die diplomatischen Vertreter Griechenlands, Englands, Oesterreich-Ungarns, Belgiens und ein Abgesandter des türkischen Commissariats beiwohnten, zieht man den Schluß, daß in nicht mehr allzu langer Zeit die Anerkennung des Fürsten Ferdinand seitens der europäischen Mächte erfolgen werde.
Petersburg, 7. Februar. Die Aerzte des Czaren dringen wegen der anhaltenden Schwäche deffelben auf baldigste Uebersiedelung nach Gatschina, indem sie der Luftveränderung eine raschere Genesung zuschreiben.
Newyork, 7. Februar. Nach einer offiziellen Statistik wanderten in Amerika während des Jahres 1893 ein: 60,000 Italiener,. 54,000 Deutsche, 38,000 Russen, 30,000 Irländer, 23,000 Oesterreicher und 14,000 Engländer.
Cocofes tttrd prot>htsfe(les,
Vietze», 8. Februar 1894.
** Aus ter Garnison. Am 8., 9., 10., 12., 13. und 14. d. Mts. findet beim Jnsanterie-Regiment Kaiser Wilhelm die Besichtigung der im October v. I. eingestellten Rekruten statt. Seine Excellenz der commandirende Herr General v. Wittich und der Brigade-Commandeur Herr Generalmajor v. Oppen sind zu diesem Behufe in der hiesigen Garnison eingetroffen.
** Zst die Bahn zur Rückzahlung des Betrages nicht benutzter Fahrkarteu verpflichtet? Durch § 6 der Verkehrsordnung wird die Bahnverwaltung zur Beförderung aller sich dazu meldenden Personen verpflichtet, welche die allgemeinen Beförderungsbedingungen erfüllen, so weit die der Bahn zur Verfügung stehenden Mittel dazu ausreichen. An gleicher Stelle wird die Bahn zur Rückzahlung des Fahrkartenpreises veranlaßt, wenn der Reisende die beabsichtigte Fahrt infolge eines bei der Bahn etngetretenen Hindernisses, z. B. Ueber- füllung des Zuges, Unmöglichkeit der Abfahrt wegen Schneewehen und dergleichen nicht ausführen kann. Die Frage, ob die Bahn zur Rückzahlung des Fahrpreises auch dann angehalten werden könne, wenn der Fahrgast wegen eines bei ihm eingetretenen Hindernisses die Fahrt nicht unternehmen kann oder will, hat zu vielfachen Meinungsverschieden- heiten Veranlassung gegeben, insbesondere bei der Erörterung der Uebertragbarkeit der Rückfahrkarte. Ueber diese für das reisende Publikum wichtige Frage giebt nun die „Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen" einer Erörterung Raum. Der Reisende, so heißt es da, welcher am Schalter eine Fahrkarte löst, schließt damit einen Transportvertrag ab, dessen Bedingungen außer Vorauszahlung des Preises sich nach den bekannt gemachten allgemeinen Transportbestimmungen richten. Soweit diese eine Einschränkung nicht enthalten, kommt das bürgerliche Recht zur Anwendung. Diese Vertragsbedingungen, auch das durch Abdruck auf der Rückfahrkarte bekannt gegebene Verbot der Uebertragung der letzteren, sind für den Fahrgast verbindlich, mag er dieselben vorher gekannt haben oder nicht. Zu seinem Gunsten enthalten sie die Herabsetzung des Fahrpreises bet Rückfahrkarten, zum Schutze der Bahnverwaltung die Beschränkung der Giltigkeitsdauer der Fahrkarten. Durch die Ueberschreitung der Fristen wird die Fahrkarte rechtsungiltig, nicht aber erlischt damit ohne Weiteres der Anspruch aus dem Transportvertrag. Denn wie nunmehr allgemein anerkannt, ist die Fahrkarte nicht Jnhaberpapier, d. h. nicht selbstständiger Träger von Rechten, die mit der Hinfälligkeit derselben ebenfalls fallen, sondern sie ist vielmehr nur ein Legitimationsschein, ein Ausweis über den Vertragsabschluß. Inhalt des Vertrages ist das Trausportversprechen. Kommt dieses nicht zur Ausführung, so hat die Bahn ihrerseits die Vertragsleistung nicht bethätigt. Für die Leistung des Reisenden ist damit der Grund fortge-
| fallen- bei dem Erlöschen der Verpflichtung der Bahn erlischt I auch die [einige und er kann zurückfordern, was er der Bahn bezahlt hat, die um diesen Betrag ohne Grund bereichert ist. Dieser Auffassung hat die preußische Etsenbahnverwaltung Rechnung getragen, indem sie bie Betriebsämter anwies, bei verfallenen Rückfahrkarten auf Anfordern des die Rückfahrt nicht ausführenden Reisenden den auf diese entfallenden Theil des Fahrkartenpreises zurückzuerstatten.
][ Aus Friebelhaufe», 7. Februar. Die seit drei Jahren neu ^eingerichtete Haltestelle Friedelhausen bietet nicht nur den in der Nähe liegenden Dörfern manche Ver- kehrserleichterung, sondern auch den AuSflüglern aus den benachbarten Städten Marburg und Gießen. In 15 bis 20 Minuten wird die Höhe erreicht (Staufenberg), die schon für gar Manchen das Ziel einer Erholungs- und Erfrischungstour geworden ist, immer aufs Neue mit Lust und in Erwartung lieblicher Ausblicke erstiegen. Wenn wir auch für dies Jahr zur Besteigung der genannten Höhe, sowie der Altenburg bei dem Dorfe Odenhausen einladen und auffordern, so hegen wir dabei die gewisse Erwartung, daß nach beiden Seiten hin die Wege endlich einer gründlichen Erneuerung unterzogen werden. Die benachbarten Gemeinden, vor andern besonders Staufenberg, dürfen nicht länger unthätig in dem Gedanken verharren: man wird schon auch so den Weg wohl zurücklegen und finden können, oder: wir wollen die Ehre, den Weg menschenwürdig gestaltet zu haben, willig Andern überlassen. Die nicht lange Strecke z. B. von der Haltestelle bis zu der Chaussee von Kirchberg nach Sichertshausen in der Richtung nach Burg Staufenberg ist in einem Zustande, wie er kläglicher nicht sein könnte und hier erfordertes schlechterdings die Ehre einer wohlhabenden Gemeinde, nun nicht mehr zu zaudern, sondern auszuführen, was schon längst hätte geschehen müssen. Dasselbe ist auch zu wünschen, für den Verkehr bis zu der Brücke bet Odenhausen, und gewünscht ist von Vielen schon eine kräftige Bank zum Ausruhen und zur Umschau auf der Altenburg. An die herrliche Fußtour: Gießen—Krofdorf—Waldhaus (mit Ruhebänken), von da weiter Altenburg—Friedelhausen—Staufenberg oder Friedelhausen direct Gießen sei auch für diesen Sommer erinnert. Der Weg führt durch Thal, Wald und über Höhen, ist nicht allzu anstrengend und in hohem Maße genußreich.
Butzbach, 6. Februar. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr zählt 125 Mitglieder; davon entfallen 25 auf die Steiger und 80 auf die Spritzenleute und Hydrantenmannschaften. D:e Ordnungsmannschaft zählt 20 Mann. Als Hülfsmann- schaften stehen dem Corps ca. 150 Mann, die Altersklasse vom 21.—45. Lebensjahre, zur Verfügung. • Diese finden als Druckmannschaften, Raummannschaft und Reserve Verwendung. Der Geräthebestand ist der Hauptsache nach: 5 Spritzen, 1 Schlauchhaspel mit Hydrant, 1 Geräthewagen mit 2 Hydranten, 1 mechanische Schiebeleiter, eine Anzahl Fackeln, Lettern rc. 2c.
§ Grebenhain, 7. Februar. Der hier stationirte Gendarmerie-Wachtmeister Schreck wurde in gleicher Diensteigenschaft nach der Station Wöllstein (in Rheinhessen) versetzt, und Wachtmeister Krebs von der Gendarmerie-Station Altenstadt ebenfalls in gleicher Diensteigenschaft nach Grebenhain.
D Vom westlichen Vogelsberg, 7. Februar. Nachdem die Preise für fette Schweine kurz vor Weihnachten mit 45 und 46 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht ihren Höhepunkt erreicht, gingen dieselben um Weihnachten bemerkens- werth zurück und fielen bis auf 42 und 40 Pfg. per Pfund Lebendgewicht. In letzterer Zeit haben die Preise wieder angezogen und stehen gegenwärtig auf 44 und 45 Pfennig. Diese Preissteigerung entsteht aus der um diese Zeit nach dem häuslichen Schlachten naturgemäß verminderten Anzahl fetter Schweine, weshalb dieselben umsomehr von Händlern gesucht werden. Aus der Höhe der Schweinepreise erhellt, daß unter den jetzigen Verhältnissen die Schweinezucht für den Landwtrth bei Weitem die lohnendste unter aller Viehzucht ist.
Weiskirchen, 5. Februar. Am vorletzten Sonntage feierte ein hiesiger junger Mann, Arbeiter in einer Offenbacher Fabrik, mit einem Mädchen aus achtbarer Familie das Hochzeitsfeft. Am Dienstag nahm der junge Ehemann in Offenbach die Arbeit wieder auf, kehrte aber vorgestern nicht, wie er versprochen, zu seiner Frau zurück. Die geängstigten Angehörigen begaben sich deßhalb gestern nach Offenbach und erfuhren auf der Polizei, daß am Mainufer Arbeiterkleider gefunden worden seien. Die Leute erkannten in den Kleidungsstücken den Anzug des Vermißten. In dem vorgefundenen Portemonnaie befand sich eine Notiz, in welcher der Lebensmüde die junge Frau wegen seines Vorhabens um Verzeihung bittet. Als Motiv des Selbstmordes bezeichner man einen Brief, welchen der Verlebte von seiner früheren, nach Amerika ausgewanderten Geliebten erhalten hat, worin diese ihren Besuch in Aussicht stellt.
Vermischtes
Ms. Aus Kurhefsen, 7. Februar. Familientragödie. In dem Flecken Wabern (Bahnstation der Main-Weser- bahn) hat sich gestern ein Aufsehen erregender Vorfall zugetragen. Der begüterte und bisher angesehene Oeconom Thielepape, welcher schon seit längeren Jahren mit seiner Ehegattin in schlechtem Einvernehmen lebte, gerieth mit derselben abermals in heftigen Zwist, der den Mann dermaßen in Wuth versetzte, daß er sein Jagdgewehr herbeiholte und aus allernächster Nähe zwei Schüsse auf feine Frau abgab, welche dieselbe tödtlich verwundeten. Die Frau fiel blutüberströmt zusammen. Der Mörder richtete darauf die Waffe, nachdem er solche von Neuem geladen, gegen sich selbst und stürzte, in den Kopf getroffen, sofort tobt zusammen. Frau Thielepape ist ebenfalls kurz darauf ihren Wunden erlegen. Das


