ßoHfroa, 6. Decewber. Nach einer Meldung aus Shanghai wurde der Commandant Kirchhoff von der Uvtersuchungs-Eommisfion zur militärischen Degradation verurtheilt, weil derselbe seinen Truppen die Plünderung und Ntedermetzelung bet der Einnahme von Port Arthur gestattete.
Loudon, 6. December. Die „Times" äußert sich^über die englisch-russische Annäherung dahin, daß die Thatsache keine europäische Nation beleidigen könne. Zum Schluß sagt fie: Wir haben Frankreich in Alexandrien nicht gebraucht und können auch die Mitwirkung Deutschlands im chinesischen Kriege leicht entbehren.
Warschau, 6. December. Für den Empfang des Czaren werden bereit- im hiesigen kaiserlichen Palais alle Vorbereitungen getroffen. Der Czar begibt sich von hier aus mit feiner Gemahlin nach Darmstadt.
Warschau, 6. December. Wie verlautet, soll das Gesetz, welches den Juden verbietet, sich innerhalb der Entfernung vou 50 Werft von der Grenze anzusiedeln, aufgehoben werden.
Sofia, 6. December. Die Sobranje hat mit großer Majorität die Ernennung einer Commission, bestehend aus Deputirten, beschloffen, welche die Prüfung aller Handlungen deS Ministeriums Stambulow vorzunehmen hat. Die Commission soll dasselbe Recht erhalten, welches einem Untersuchungsrichter zusteht. Allgemein sagt man, die Commission werde die Versetzung StambulowS in den Anklagezustand beschließen.
tocolts unb Leoviirrtelles.
Gießen, den 7. December 1894.
** AuS dem Justizdieust. @e(ne Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ortenberg vr. Karl Mei sei zum Land- gerichtSrath bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, de» Amtsrichter bei dem Amtsgericht Langen Heinrich Gille r zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ortenberg und den Gerichtsassessor Heinrich Dörr aus Stumpertenrod zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I zu ernennen.
** Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, den Kreisarzt des KreiS- gesundheitsamtes Alsfeld Dr. August Balser zum Kreisärzte des Kreisgesundheitsamtes Mainz, den Kreisassistenzarzt zu Hirschhorn Or. Ferdinand Schwarz zum Kreisarzie des Kreisgesundheitsamtes Alsfeld, den practischen Arzt Or. Karl KöNiger zu Büdingen zum Kreisasststenzarzte für den Kreis Heppenheim mit dem Amtssitze in Hirschhorn zu ernennen.
** SchwurgerichtSfitzuug vo» 6. u. 7. December 1894 gegen Johannes Schröder III. von Nieder -Bessingen wegen Meineids. (Fortsetzung.) Gegen das Schöffengerichtsurtheil verfolgte Diehl Berufung- es stand zunächst Termin vor der Großh. Strafkammer am 24. Juli l. I.- auch in diesem Termin wurde Schröder zeugeneidlich vernommen und beharrte auf seinen Angaben. Der Termin wurde behufs Beiladung weiterer Zeugen vertagt und fand sodann weitere Verhandlung ebendaselbst am 7. August 1894 statt. Nach umfangreicher Beweisaufnahme wurde Diehl freigesprochen, Schröder jedoch wegen dringenden Verdachts des Meineids festgenommen. Derselbe hatte nach Leistung des Zeugenetdes au-gesagt: An dem Freitag den 29. September vorigen Jahres kam ich Mittags gegen 2 Uhr in - die Diehl'sche Wirthschaft in Ettingshausen. Ich war nämlich von Johannes Keil XVI., bei dem ich am Morgen gepflastert hatte und bei dem ich zum Mittagessen nur Kaffee und gebackene Plätze bekommen hatte, hingeschickt worden, um bei Diehl einen Schnaps oder ein Glas Bier zu trinken. Keil wollte selbst hinkommen, um Most zu keltern., In der Wirthschaft waren bereits Jox und Johannes Kühn zugegen und wurde ein Fäßchen Bier aufgelegt, weil wegen eines von dem Kühn dem Jox abgekauften Ackers „Wtnkuf" getrunken werden sollte. Ich trank von diesem Bier mit, vielleicht fünf bis sechs Glas. Dann wurde noch ein Füßchen aufgelegt und während dasselbe getrunken wurde, wollte ich Weggehen. Der Junge des Diehl, etwa 11—12 Jahre alt, war auch anwesend und hatte mich in Gegenwart des Jox und Kühn ohne jeden Grund geschimpft: „Du nichtsnutziger Schröder, was trinkst Du hier Bier und gehst nicht an die Arbeit!" Hierauf war ich ganz ruhig und als ich später Weggehen wollte, fand ich meinen Stock nicht und sagte deshalb dem Jungen, er habe meinen Stock weggebrachr, er solle ihn mir geben. Als der Junge dann antwortete, er wisse Nichts davon, strich ich thm so mit der Hand den Backen herunter und gab ihm eine leise Ohrfeige. Der Sohn des Rechners Hahn sagte nun dem in seinem Schlachthaus beschäftigten Diehl, ich hätte seinen Jungen geschlagen- nun kam Diehl herein und sagte mir, ich sollte fortgehen, sonst schmisse er mich hinaus. Ich ging aber weg mit meinem Ranzen und Stock, den ich in einer Ecke stehend gefunden hatte- in dem HauSgang stieß und drückte mich Diehl die paar Stufen herunter, die in den Hof führen und dann ging ich die paar Schritte Über den Hof zum Hofthor hinaus. Diehl kam hinter mir her und gab mir hierbei einen Stoß, so daß ich mit aller Gewalt an das Vorderrad des an der Straße stehenden Wagens des Wilhelm Mohr I. widerflog und zwar gerade mit der rechten Seite an den Leib. Ich kam auf die Ecde zu lieget!, erhob mich langsam und nun gab mir Diehl den zweiten Stoß — ich weiß nicht von hinten oder von vorne, so daß ich wiederum gegen den Wagen flog und zwischen den zwei Rädern lag. Daß ich irgend welche Schimpfwörter gegen Diehl gebraucht habe, kann ich «ich nicht erinnern- auch kann ich nicht sagen, daß Diehl mich geschimpft hat. Hierauf ging ich zum damaligen Polizeidiener Keil und erzählte ihm die Sache- wir gingen dann znm Bürgermeister, welcher mir sagte, ich solle den Diehl verklagen. Darauf ging ich mit Keil in die Wirthschaft seines BrnderS Philipp und wollte bei diesem über Nacht bleiben, weil ich wegen meiner Schmerzen nicht gut fort konnte. Er
behielt mich aber nicht wegen deS Diehl und begleitete mich dann der Polizeidiener Keil ein Stück Weges nach Haus. In der Wirthschaft des Philipp Keil hatte ich ein oder zwei Kännchen Schnaps bezahlt, ich selbst habe i/2 Schoppen Bier getrunken. Poltzeidtener Keil ging nur bis vor das Dorf mit mir, es war damals vielleicht 10 Uhr. Ich brauchte zu dem Weg von Ettingshausen nach Nieder-Bessingen, der etwa Vs Stunde weit ist, etwa 4 Stunden. Ich war den ganzen Tag über keinen Augenblick betrunken- ich hatte vielleicht 10 Glas Bier getrunken. Als mich Diehl zweimal an den Wagen geworfen hatte, war es dämmerig, es war zur Zeit des Feierabends. Den Dr. Schaad habe ich über diesen Vorfall gar nicht gesprochen, ich habe ihn überhaupt erst zu Anfang dieses Jahres kennen gelernt, gelegentlich einer Krankheit meiner Frau. Zur Zeit des Vorfalls, Ende September, habe ich ihn noch nicht gekannt. Einige Zeit nach dem Vorfälle begegnete mir ein Mann auf einem Wägelchen, das ich für das Wägelchen des Dr. Seipp hielt und dachte ich, der darauf Sitzende wäre der Stellvertreter des Herrn Doctor. Der Mann fragte mich, warum ich so armselig einhergehe. Da sagte ich ihm meinen Namen und was mir passtrt sei. Der Mann entgegnete, es könne ganz gut möglich sein, daß mir ein paar Rippen zerquetscht worden seien, dieselben könnten aber auch durch das Athmen wieder in die richtige Lage gebracht worden sein. Nach der Mißhandlung durch Diehl habe ich fünf bis sechs Tage ganz sest im Bette gelegen und kann also auch während dieser Zeit nicht in Ettingshausen gewesen sein. Erst in der dritten Woche bin ich nach Ettingshausen gekommen, um bei Philipp Keil zu pflastern, habe es aber nicht fertig gebracht. Die eingeleitete Voruntersuchung ergab, daß die zeugeneidlichen Aussagen des Schröder vor den beiden Gerichten wissentlich falsch seien und von ihm aus Gehässigkeiit gegen Diehl ein an sich unbedeutender Vorfall in unerhörter Weise aufgebauscht worden sei. Auch die gestrige und heutige Verhandlung ergab dasselbe Resultat. Es wurde zunächst von Johannes Keil XVI. mit Entschiedenheit in Abrede gestellt, daß er den Schröder angewiesen habe, in die Diehl'sche Wirthschaft zu gehen. Die Masse des von dem Angeklagten getrunkenen Biers war von demselben viel zu niedrig angegeben worden, er selbst hatte solche einigen Zeugen gegenüber viel höher angegeben. Keinem der zahlreichen in der Diehl'schcu Wirthschaft anwesenden Gäste ist das Geringste davon bekannt, daß der junge Diehl den Angeklagten irgendwie durch Schimpfworte beleidigt habe. Der Angeklagte versetzte vielmehr ohne allen Grund dem jungen Diehl eine derartig kräftige Ohrfeige, daß derselbe wider einen Tisch taumelte und höchgeröthete Backen hatte. Die Ohrfeige war derartig kräftig, daß die Entrüstung der Gäste hervorgerufen wurde. Unwahr war weiter, daß Angeklagter der Aufforderung des Diehl, sein Haus zu verlassen, gutwillig gefolgt sei, er mußte vielmehr mit Gewalt entfernt werden, da er sich an der Hausthüre festhtelt. Weiter wurde festgestellt, daß Schröder den ersten Stoß nicht un- vermuthet bekam, er wurde von Diehl bis an das Hofthor gebracht und erhielt dann einen Stoß, weil er schimpfte, daß er mitten auf die Straße fiel. Er erhob sich sofort, drang schimpfend auf Diehl ein, wurde wieder zurückgestoßen und fiel rücklings auf seine Hände auf die Straße/ (Schluß folgt in nächster Nummer dieses Blattes.)
** Kaufmännischer Verein. Der gestern Abend von Herrn Jens Lützen, Prioatdocent an der Humboldt Academie zu Berlin, gehaltene Vortrag über „Ein Tag auf dem Monde" war überaus zahlreich besucht. Es ist dies auch erklärlich, denn das Interesse, welches uns Menschen meist nur durch Sagen und Märchen an den von Allen oft geschauten, aber noch nicht betretenen Mond fesselt, ist ein reges. Daß der Vortrag durch eine große Anzahl von Lichtbildern begleitet wurde, trug wesentlich zum Verständniß bei, wenn man berücksichtigt, daß diese Bilder nicht nach der Phantasie gemalt, sondern mit Hilfe riesiger Fernrohre durch die Photographie die Oberfläche des MondeS birect fixirt wurde. Herr Lützen verbreitete sich sehr eingehend zunächst über das Alter deS MondeS, seine Entfernung von der Erde und die verschiedenartigsten Erscheinungen, in denen sich der Mond der Erde zeigt, die Mondfinsternisse, den Lauf des Mondes usw. Die mit Hilfe der Photographie gewonnenen, sehr klaren Bilder von der Oberfläche des Mondes lassen mit Bestimmtheit darauf schließen, daß der Mond ein mit vielen Gebirgszügen (Rtnggebtrgen) bedeckter Körper ist, die Ringgebirge sind durch heftige Eruptionen entstanden, was durch die Aehnlichkeit derselben mit dem Vesuv bewiesen wird. Weil sich, wenigstens auf der der Erde zugekehrten Seite des Mondes, nur diese kraterbildenden Erscheinungen zeigten, von Vegetation, Wasserläufen usw. aber nichts wahrgenommen werden konnte, so ist mit Sicherheit darauf zu schließen, daß der Mond jeglichen organischen Lebens entbehrt, weder bewohnt, noch bewohnbar ist. Herr Lützen ging schließlich auf die Beschreibung des Mondhimmels und die Erscheinungen ein, die sich aus demselben für etwaige Mondbewohner im Vergleich zu den Beobachtungen, die wir am Himmel machen können, bieten. Der recht verständliche, auch mit Humor gespickte Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen.
•* Für Fußleidende. Dem orthopädischen Institut für Fußleidende in Köln-Lindenthal, geleitet von Joh. Dott, ist es gelungen, einem jeden Fußleidenden Schuhe anfertigen zu können, in denen sich die Betreffenden ohne jegliche Schmerzen beim Gehen fortzubewegen im Stande sind. Durch Tragen der von Dott gefertigten Schuhe wird bewirkt, daß bei den Leidenden nach kurzer Zeit eine derartige Besserung eintritt, daß das Tragen der so lästigen Maschinen gänzlich überflüssig wird. Durch das Anschnallen der Maschine wird die Blutcirculation gehemmt, das betreffende Glied bedeutend geschwächt und im Wachsen gehindert- bei den von Dott angefertigten Schuhen kann dies nicht vorkommen. Ist der Fuß auch noch so krumm gewachsen, so wird derselbe 1 sich beim Anziehen des bezeichneten Schuhwerkes sofort
strecken, und jeder Leidende kann gerade und bequem gehen, sogar ohne Zuhülfenahme von Stock und Krücke. Bei Kindern, welche die schlimmsten Klumpsüße haben, erfolgt die vollständige Geraderichtung in 1 bis 6 Monaten. Wir verweise« aus das Inserat in heutiger Nummer.
Niederweisel, 6. December. Vorgestern ereignete sich dahier der gewiß seltene Fall, daß zwei hier wohnende Schwestern an einem Tage, nach wenigen Stunden Zwischenzeit, in hohem Alter starben. Dieselben werden in einem gemeinschaftlichen Grabe zur Ruhe eingebettet.
A Köddingen, 6. December. Heute wurde die Leiche des htesigen Bürgers Rühl, eines Mannes in den 60er Jahren, vom Bahnhof Grünberg hierher verbracht. Derselbe war auf feiner Heimreise von der Arbeit in der Wetteran, wo er bei einer Dreschmaschine beschäftigt, in einem Abtheil des Bahnzugs von Gießen nach Grünberg plötzlich an einem Schlaganfall verschieden. Das Geschick des fleißigen Mannes erregt umsomehr Theilnahme, als er vor zwei Jahren seinen Sohn auf tragische Art verlor. Demselben wurde von einer Dreschmaschine das eine Bein abgerissen, er verstarb an der ! entsetzlichen Verstümmelung.
§ Windhausen, 6. December. Ein hiesiger 63jähriger Mann, Wittwer, stürzte sich heute Morgen in einen tiefen Brunnen, aus dem man ihn alsbald als Leiche hervorzog. Die Motive der grausigen That find in einer geistigen Umnachtung zu suchen.
§ Ans dem Ohmthal, 5. December. Das Lehmann'sche Mittel, naffes und ausgewachsenes Korn so backfähig zn machen, daß ein Schliffigwerden des Brodes vermieden wird, indem man auf den vierpsündigen Laib 30 Gramm Salz dem Einteigwasser zusetzt, ist in der That ganz vortrefflich. Wir haben nicht blos selbst die Probe gemacht, sondern auch Nachfrage gehalten bei den Leuten, die den gleichen Versuch gemacht. Alle waren verwundert, statt des früheren schliffigen, unaufgegangenen und dichten Brodes ein vollständig auS- gebackenes, lockeres erhalten zu haben. Man ist recht sroh darüber, ein solch einfaches Mittel zu wissen, mit dem man ein gutes Brod aus schlecht geernteter Frucht zu erzielen vermag. — lieber das sehr stark auftretende Faulen der Kartoffeln in den Kellern wird vielfach geklagt. Namentlich sind es die mastig gewachsenen Knollen der „blauen Riesen", die starke Fäulniß aufweisen. Ganze Körbe voll lieft man aus den Haufen, die bereits vollständig verfault sind. Durch
die große Nässe im Herbste waren die Kartoffeln so von
nasser Erde umgeben, daß man gar nicht die bereits leicht angefaulten von den ganz gesunden unterscheiden konnte.
Dieser Umstand, sowie auch das nasse Einbringen der Kar
toffeln in die Keller verursacht nun die überaus starke Fäulniß. Ein öfteres Um- und Durchlesen der Kartoffelhaufen muß vorgenommen werden, soll der Schaden sich nicht noch mehr vergrößern.
Babenhausen, 4. December. In unserem benachbarten Dörfchen Hergershausen ist am verflossenen SarnStag der sonderbare Fall vorgekommen, daß nach beendigtem jüdischen Gottesdienst die Theilnehmer, erst nachdem durch einen herbeigerufenen Schlosser die Thür geöffnet worden war, die Synagoge wieder verlassen konnten. Veranlassung hierzu hatte ein geistig nicht zurechnungsfähiges Frauenzimmer gegeben, welches nach Beginn des Gottesdienstes die Thür verschloß, den Schlüssel an sich nahm und sich in den Wald begeben hatte.
A Mainz, 6. December. In Folge zahlreicher Beschwerden über die ungleiche Handhabung der Feierabend stunde durch die Lokalpoltzeibehörde, hat das hiesige Kreisamt durch eine Verordnung der jüngsten Tage eine allgemeine Regelung der Feierabendstunde für die Landgemeinden des Kreises Mainz eintreten lassen. Demnach ist in der Mehrzahl der Gemeinden die Feierabendstunde, Winters wie Sommers, Sonntags wie Werktags auf 11 Uhr Abends festgesetzt. Nur in einzelnen Gemeinden ist auS besonderen Gründen 10 Uhr Abends als Feierstunde bestimmt. Kastel, welches noch zu den Landgemeinden zählt, macht von den übrigen Gemeinden eine Ausnahme, indem hier mit Rücksicht auf die vielen Nachtzüge der Eisenbahn die Wirthschafte« bis zur Mitternachtsstunde geöffnet bleiben dürfen. Für Nachtschwärmer ist Mainz im ganzen Großherzogthum Hessen die angenehmste Stadt, da es hier überhaupt keine Feierabendstunde gibt und der Wirthschaftsbetrieb die ganze Nacht durch gestattet ist. — Einem Theil der hiesigen städtische» Beamten steht eine unerfreuliche We ih nachts- bescheerung, bevor. Zahlreiche dieser Beamten — die oberen Beamten der städtischen Verwaltung — beziehen nämlich neben hohen Gehältern seit dem Jahre 1885 sogenannte AversionalgebÜhren, die sich von Mk. 100 bis Mk. 500 per Jahr belaufen. Da diese auf jederzeitigen Widerruf bewilligten Gebühren unter den Beamten fortwährend zu allerlei Streitigkeiten führen und inzwischen auch eine generelle, ziemlich beträchtliche Gehaltserhöhung der städtischen Beamten eingetreten, ist jetzt in Anregung gebracht, diese Nebengebühren ganz Wegfällen zu lassen. Mit Rücksicht auf die nicht mageren Gehälter der betreffenden Beamten wird die Mehrheit der Stadtverordneten dieser Anregung unzweifelhaft Folge geben.
vermischte*.
* Kreuznach, 5. December. Ein feit Herbst im 7. Ulanen Regiment zu Saarburg dienender junger Man« aus Niederhosenbach tm Fürstenthum Birkenfeld wurde an- Heimweh vor einigen Tagen fahnenflüchtig und hielt sich zu Hause verborgen. Gestern wurde der Flüchtige von Gensdarmen gesucht- er eilte zu Verwandten und tödtete sich dort durch einen Revolverschuß.
♦ Gotha, 4. December. Eine edle That. DerLand- wirth H. in Seebergen, einem V/2 Stunden von hier gelegenen größeren Dorfe, hat infolge jahrelangen Siech- thumS seiner Frau und eigener Kränklichkeit, sowie durch die


