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8.5.1894 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt. Dienstag den 8. Mai 1894

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

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Amts« uttb Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.

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Amtlichem Theil.

Gießen, am 8. Mai 1894.

Betr.: Statistische Nachweisungen über das Volksschulwesen im Kreise Gießen.

Die

vroßh. Krets-Schulcommisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir sehen Ihren Berichten in rnbr. Betreff innerhalb b Tagen entgegen über:

I. Stand der einfachen Volksschule nach Beginn des Schul« jahres 1894/95.

a. ohne Schulgeld, b. mit Schulgeld.

Zahl der Schulkinder: Nach dem Geschlecht:

a. im Ganzen, b. Knaben, c. Mädchen.

Nach dem Bekenntniß: a. evangelische, b. römisch-katholische, e. israelitische, d. anderer Confesffon.

II. Stand der Fortbildungsschulen nach Beginn der Schul­periode 1893/94.

Zahl der Fortbildungsschulen: a. einklassig, b. zweiklassig, c. dreiklassig rc.

Zahl der Schüler nach dem Bekenntniß: a. evangelische, b. römisch-katholische, c. israelitische, d. anderer Confesffon, e. im Ganzen.

III. Stand der erweiterten Volksschulen nach Beginn des Schuljahres 1894/95.

Wo sich erweiterte Volksschulen befinden, ist ganz nach Schema I über dieselben zu berichten.

Die Berichte sind genau nach vorstehendem Schema unter Beibehaltung derselben Bezeichnungen abzufaffen.

v. Gagern.

Deutsche» Reich.

Darmstadt, 5. Mai. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin empfingen am 4. Mai II. DD. den Fürsten und die Fürstin zu Usenburg- Büdingen nebst Priozessinnen-Töchtern Emma und Marie, welche hierauf zur Tafel gezogen wurden,- an derselben nahmen außerdem ZI. DD. der Prinz und die Prinzessin zu SolmS-Braunfels nebst Prinzessin-Tochter Friederike Theil.

Berlin, 5. Mai. Vom Fürsten BiSmarck Hegt wieder eine recht bemcrkenSwerthe Kundgebung vor. Ihren äußerlichen Anlaß bildete der Empfang der Abordnungen einer Anzahl holsteinischer Kriegervereine durch den Schloß- Herrn von Friedrichsruh. Hierbei hielt der Altreichskanzler eine Rede, in welcher er zunächst seiner Beziehungen zur Armee gedachte, sich dann aber hauptsächlich über die vielfach noch immer erörterte Frage seiner etwaigen Rückkehr ins Amt verbreitete. Mit denkbar größter Klarheit und Entschiedenheit hat sich da Fürst Bismarck dahin ausgesprochen, daß eS ihm nicht im Entferntesten einfalle, seine Reactivirung zu erstreben, er sei mit seiner jetzigen privaten Stellung vielmehr durchaus zufrieden. BiSmarck erinnerte daran, daß er zehn Jahre länger, alS er gewollt, im Amte geblieben sei und daß ihn zu diesem AuSharren nur sein Pflichtgefühl bestimmt habe. Warum sollte er sich jetzt nach der Wiederübernahme der AmtSbürde sehnen? Er sei 80 Jahre alt und mit Rang- auszcichnungen, Titeln und Orden übersättigt, eS könnte ihn daher nichts bestimmen, wieder in frühere ZwangSverhältniffe zurückkehren zu wollen. Er danke Gott schloß Fürst BiSmarck daß ihm noch eine Zeit beschaulicher Ruhe vor seinem Ende beschieden sei, von politischem Ehrgeize fühle er sich frei, wenngleich er auf die Aussprache seiner Ansicht über Dinge, die er 40 Jahre lang amtlich betrieben habe, deshalb noch nicht zu verzichten brauche. DaS Zutreffende dieser gelammten Erklärungen des Altreichskanzlers ist so einleuchtend, daß nur Dummheit oder Bosheit ferner noch behaupten können, er sehne sich nach seiner Rückkehr ins Amt.

Berlin, 5. Mai. Die Einladungen für den De le« girtentag der nationalliberalen Partei, der in Frankfurt a. M. am 30. September abgehalten werden soll, sind jetzt ergangen. Bennigsen sagte seine Theilnahme zu.

Berlin, 5. Mai. Im Centrum herrscht bezüglich der Stellungnahme zur Landwirthschaftskammer«Vor« läge eine zweifache Richtung. Der Urheber der Anträge auf Dreitheilung, Abg. Herold, hat seinen Antrag insofern abgeandert, als er die Dreitheilung nur für die Wahlmänner­wahlen aufrechterhält. Graf Ballestrem dagegen hat sich in seinem Vorschläge den CommisfionSbeschlüffen genähert, hielt 2.« obligatorischen Character der LandwirthschaftSkammern

fest, wünscht aber den Ausschluß der Beamten au^den Land­wirthschaftSkammern.

Berlin, 5. Mai. In der Sub-Commission zur Vor­bereitung der Steuer-Umwandlungen in Gemäßheit des neuen Communalsteuergesetzes hat der Kämmerer Maase die Aufhebung der MiethSsteuer in Berlin beantragt.

Frankfurt a. M, 5. Mai. Wie demFtnanzherold" mitgetheilt wird, ist in Egypten seit dem 1. Mai der Ein- gangSzoll auf entstielten, entnervten, gepreßten und ge­schnittenen Tabak, sowie auf Cigarretten pro Kilogramm von 200 auf 250 Mill.emeS erhöht worden.

Slogan, 5. Mai. Die Behörden haben Warnungs­telegramme vor dem Hochwasser in den Flußgebieten NiiderschlesienS erlaffen. Alle Gewäffer sind infolge der un­geheuren Niederschläge heftig angeschwollen. In voriger Nacht fand starker Schneefall statt.

Cuxhaven, 5. Mai. Bei Nordwest-Sturm stieß heute Mittag der BergungsdampferNewa" auf das Wrack des Daviz", sodaß deffen Propeller in den Maschinenraum der Newa" drang und letztere sank. Die Mannschaft wurde bis auf den Capitän gerettet. Die Leiche ist auch bereits hier angetrieben und geborgen.

Arrrland.

Wien, 5. Mai. Der Minister deS Innern, Bacquehem, gab heute im Abgeordnetenhause in Beantwortung einer Inter­pellation wegen der Eingeschlossenen im Luegloch eine Darstellung der Rettungsarbeiten. Der Statthalter von Steiermark habe versichert, daß die AuMhrung von Dämmen die einzige Möglichkeit gewährleisten ließ, die Eingeschlossenen zu retten- die sei allerdings gering, da man nicht darauf rechnen kann, daß während der wenigen Stunden, in denen das Wasser durch die Dämme aufgehalten werden könne, der durch Baumstümpfe und Gestein verrammelte Höhleneingang fretgemacht werden könne. Inzwischen arbeiten die eingetroffenen Pionierabthettungen rastlos und man hofft trotz des gefallenen Regens noch heute in die Höhle etnzudringen. Die Situation der im Luegloche Eingeschlossenen ist unverändert. Auf Befehl des Kaisers treffen heute Pioniere ein, um die Retlungsarbeiten in großem Stile vorzunehmen. Allgemein herrscht die Ansicht, daß dir Unglücklichen bereits tobt sind. Infolge andauernden Regens wird in Semriach eine Ueber- schwemmung befürchtet.

Wien, 5. Mai. Der bekannte Knnstschwimmer Gr übel ist heute Nachmittag nach der Luegloch-Höhle abgereist und will versuchen, durch eine Leine eine Verbindung mit den in der Höhle Eingeschloffenen herzustellen, um die Beförderung von Lebensmitteln und die Erleuchtung der Höhle zu ermög- lichen. Der Minister des Innern bewilligte Gröbel die Mittel zur Reife und hat die Behörden angewiesen, Gröbel bestens zu unterstützen.

Wien, 5. Mai. Eine von mehr als 2000 Bauarbeitern und Bauarbeiterinnen besuchte Versammlung, in welcher Arbeiterführer und Arbeiterinnen unter heftigen Reden gegen die Bauherren zur Fortsetzung deS StrikeS aufforderten, wurde wegen Ausfällen gegen die Sicherheitswache und daS Militär behördlich aufgelöst. Die Verfügung rief einen tosenden Lärm hervor, es gelang jedoch den Ordnern, den Saal ohne Zwischenfall zu räumen.

Graz, 5. Mai. Nach den angestrengtesten RettnngS- arbeiten der Rettungsmannschaften am Luegloche ist keinerlei Resultat erzielt worden und ist infolge deffen die Hoffnung, die Eingeschlossenen zu retten, völlig aufgegeben. Da das heftigste Regenwetter herrscht, schwillt der Bach immer höher an. Falls die Stauung deS Baches durch die Schließung der Damme gelingen sollte, waS höchstens auf eine Viertel­stunde möglich sein könnte, wollen zwei Mitglieder des Ver- eins zur Erforschung der Schöckelhöhlen, Fröhlich und Brunello, diese Zeit benutzen und durch den wasserfreien Gang in daS Innere der Höhle eindringen, um durch Dynamitsprengung emen anderen Eingang der Höhle zu öffnen.

Rom, 5. Mai. Die Regierung hat dos Kriegsschiff Stromboli" entsandt, um den durch das letzte Erdbeben bettoffenen Orten Griechenlands Hilfe zu bringen.

Mailand, 5. Mai. In Chianti wurden der Director und der Kassirer der Banca agricola et industriale o er« haftet. Manco 130000 Lire.

Antwerpen, 5. Mai. Heute Nachmittag um 2 Uhr sand die feierliche Eröffnung der Weltausstellung statt. Der königliche Extrazug, welcher um l*/4 Uhr hier ankam, brachte sämmtliche Mitglieder des Königlichen Hauses, den Prinzen Karl von Hohenzollern mir Braut, die Minister und Diplomaten, darunter den päpstlichen Nuntius. Bürgergarde

und mehrere Stadtbataillone erwiesen die militärischen Ehren Die Straßen sind prächtig geschmückt, eine ungeheure Merfichen menge durchwogt dieselben. In der Ausstellung hielt der Präsident des OrganisationscomitLS eine Rede. Sodann eröffnete der König nach einer Rede deS LandwirthschaftSr Ministers die specielle belgische Ausstellung und besuchte die deutsche und englische Abtheilung.

Neueste 2lad?rid>4ctt,

WolffS telegraphische« Korrespondenz-Bureau-

Wien, 6. Mai. Die Generalversammlung des Kaiserl. und König!. YachtgeschwaderS hat durch Acclamation beschlossen. Seine Majestät den Deutschen Kaiser zum Ehren- mitgliede zu ernennen. Erzherzog Carl Stefan hat in einem Telegramm ouS Pola Seine Majestät den Kaiser ge­beten, die Ehrenmitgliedschaft anzunehmen, worauf Seine Majestät in einem Telegramm aus Schlitz vom 29. v. Mts. dem Erzherzog Carl Stefan für die liebenswürdige Mittheilung dankte und erklärte, freudigst die Ehrenmitgliedschaft an- zunehmen.

Graz, 6. Mai. Die Rettungsarbeiten bet der Lueglochhöhle werden fortgesetzt. Oberhalb des Schlurfe- gräbt man einen Stollen, welcher morgen sertiggestellt wird und die Verbindung mit dem Höhlen-Jnnern vermitteln soll.

Graz, 5. Mai. Zur Rettung der Eingeschlos­senen in Luegloch sind fünf Meter von dem vermeint- lichen Schlurfeingang Diagonalstollen mittelst Dynamit­sprengung heute Nachmittag von Pionieren und Bergknappen in Angriff genommen und auf vier Schüsse 31/2 Meter ge­wonnen worden. Das Militär hofft morgen in die Höhle zu gelangen- Fachmänner behaupten jedoch, eS sei längere Zeit als bis morgen nothwendig. Die Hoffnung auf Rettung ist fast ganz geschwunden.

Graz, 6. Mai. Gestern Nachmittag begannen militär- technische Truppen unter Oberstlieutenant Pizzighelli die Sprengungen mit Dynamit und Ecrasit nach der Lauer- schen Methode, um einen Diagonalstollen zu dem noch immer unpasfirbaren Kamm des Luegloch herzustellen. Gleichzeitig werden die durch neuerliche Regengüffe gehemmten BaggerungS- arbeiten im Schlurfe fortgesetzt, um von zwei Seiten gleich­zeitig vorzudringen. Es ist Hoffnung vorhanden, daß die Verbindung mit den seit 175 Stunden eingeschloffenen Höhlen­forschern noch heute hergestellt werde. Von den Eingeschlossenen ist noch kein Lebenszeichen an die Außenwelt gedrungen. Bei der Durchsuchung der Badlhöhle bei Peggau wegen einer etwaigen Verbindung mit dem Luegloch wurden gestern Knochen von vorweltlichen Höhlenbären gefunden.

Peggau, 6. Mai. Die vormittägige Hoffnung des bal­digen Eindringens in die Semriacher Lueglochhöhle hat sich jetzt vermindert, weil man auf weiteres Schwemmholz gestoßen ist. Die Dynamitsprengungen am Schlurf sind bis­her fünf Meter weit vorgedrungen. Sie dauern auch Nachts fort. Der Wafferstand ist in der Höhle noch immer hoch. Morgen früh beabsichtigt man den Wafferzufluß einige Stunden abzusperren. Man hofft dann tauchend am Seil eindringen zu können.

Paris, 6. Mai. Das Fest der Jungfrau von Orleans wurde heute in Marseille, Montpellier und Bordeaux feierlich begangen. Der kirchlichen Feier am Vor- mittag wohnten die Offiziere der betreffenden Garnisonen bei.

London, 6. Mai. Eine heute Nachmittag im Hydepark veranstaltete Demonstration verlief in voller Ordnung. Von 12 Tribünen sprachen zahlreiche Redner, darunter die Franzosen GueSde, Lafargue und Delesclnze und der Holländer Van der Melde. ES wurden Resoluttonen ange­nommen, in welchen der internattonale Achtstundentag und das allgemeine Stimmrecht verlangt wird.

Graz, 7. Mai, 10*/2 Uhr Vormittags. (Privatdepesche.) Ein Taucher ist in die Lueglochhöhle eingedrungen- er gab an, daß sämmtliche Eingeschlossenen am Leben seien. Die Rettung ist zweifellos.

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Gieß«, den 7. Mai 1894.

" Diez-Feier. Mit all. dem würdevollen Prunke, der die akademischen Feste auszeichnet, wurde am Samstag von der Universität der hundertjährige Geburtstag deS großen j Philologen Friedrich Diez feierlich begangen nach- träglich, da der eigentliche Gedenktag in die akademischen Ferien gefallen war. . Als Ehrengäste waren geladen un