Ausgabe 
7.8.1894 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

zeitigt, speciell ist es nicht gelungen, das Vorhandensein von directen oder indirecten Mitschuldigen Caserios bei seinem Verbrechen nachzuweisen. Kurz nach der Verurtheilung Caserios fand in Lyon eine weithin hörbare Explosion statt, sodaß Viele zunächst an ein neues anarchistisches Attentat glaubten. Indessen stellte es sich bald heraus, daß eine Granate aus dem 1870er Krieg, welche in einem Laden der Rue des Feuillantö aufgestellt war, explodirt war- mehrere Personen sind durch die Explosion verunglückt. Am Freitag ist in Frankreich noch ein zweites bemerkenswerthes Urtheil ergangen. Dasselbe betrifft Cornelius Herz, den Erzgauner in der Panama - Affaire, welcher am genannten Tage vom Pariser Zuchtpolizeigericht in contumaciam zu fünf Jahren Gefängntß und 3000 Francs Geldstrafe verurtheilt wurde. Monsieur Herz wird es unter diesen Umständen natürlich vorziehen, dem Boden seines geliebten Frankreichs auch weiterhin fern zu bleiben.

Lyon, 4. August. Caserio wurde nach seiner Verur- theilung gestern sofort in einem Zellenwagen nach dem Ge- fängniß St. Paul gebracht, wo ihm eine Zwangsjacke ange­legt wurde. Der Gefängnißdirector fragte den Mörder, was er thun würde, wenn er jetzt seine Freiheit wieder- erhielte, worauf Caserio antwortete:Ich würde nicht mehr tödten, aber doch Anarchist bleiben!" Seine gestrige Schwäche bei der Rede des Vertheidigers, wo er gelegentlich der Er­wähnung seiner Mutter zu weinen begann, bedauert er leb­haft, weil er glaubt, seine Rührung könne ihn in der Achtung seiner anarchistischen Kameraden herebsetzen. Seinem nahen Tode scheint er mit Ruhe entgegenzusehen; er wird wahr­scheinlich auch das Caffationsgesuch nicht unterzeichnen. Der Abbe Grassi, der frühere Beichtvater Caserios, besuchte diesen gestern und suchte in ihm die Hoffnung auf Begnadigung zu erwecken. Caserio zuckte hierauf die Achseln und sagte lächelnd:Ich werde das Schaffst muthig besteigen."

London, 4. August. Wie dieTimes" aus Tokio melden, haben zwischen den Chinesen und den Japanern neue Zusammenstöße stattgefunden. Die Japaner haben alle Landtruppen zusammengezogen und die Offensive ergriffen. Es verlautet, daß sie einen entscheidenden Sieg über die Chinesen davongetragen haben, doch fehlen noch Einzelheiten hierüber. Weiter lassen sich dieTimes" aus Tientsin berichten, daß der Kaiser von China an alle Militärbehörden Ordre habe ergehen lassen, auf Grund der hundertjährigen Rechte Chinas auf Korea, jedes japanische Schiff, dem chinesische Schiffe begegnen, zu zerstören. Dieser kaiserliche Befehl ist heute den Mächten zugestellt worden. Die Meldung von der Abberufung des Vicekönigs Lt-Chung-Tschang wird demenrirt.

Brüssel, 4. August. An der hiesigen und an der Pariser Börse sind die russischen Papiere gesunken, weil man befürchtet, Rußland möchte sich in den japanisch-chinesischen Conflict einmischen.

Chicago, 4. August. Unter der Locomotive eines ge­mischten Zuges explodirte in der^Nähe der Station Eureka eine Dynauntbombe. Im Zuge befand sich eine Dynamit­ladung, die glücklicher Weise nicht explodirte. Die Eisenbahn- Gesellschaft glaubt, das Attentat sei begangen worden, um den Zug auszuplündern.

Unsere kaufmännische Fachschule.

Schon im Jahre 1883 wurden im preußischen Abgeord­netenhause Verhandlungen über kaufmännische Fortbildungs­schulen gepflogen, welche aber leider zu dem Resultat führten, daß eine kaufmännische Fortbildungsschule als eine eigen­artige Lehranstalt und ein besonderes Glied im Systeme unserer öffentlichen Erziehungseinrichtungen nicht nothwendig sei. Genau 10 Jahre später, es war am 25. Februar 1893, hatten sich die Meinungen und Ansichten des genannten Ab­geordnetenhauses vollständig geändert und gelegentlich der Etatsberathung stand im Mittelpunkt der Debatte diesmal die kaufmännische Fortbildungsschule. Ja, der Handelsminister Herr v. Berlepsch versicherte, daß die Neigung des Ministeriums, J>a6 Fachschulwesen des Handelsstandes noch mehr wie bisher zu unterstützen, durchaus vorhanden sei. Er sagt selbst: Ich kann nur meine volle Zustimmung dazu geben, daß auch die kaufmännischen Fortbildungsschulen erhöhter Pflege bedürfen, denn die Vervollkommnung des Fachunterrichts hat für uns eine große Bedeutung, weil unsere Beziehungen zum Ausland von Jahr zu Jahr sich vergrößern und ausdehnen." Man ist nun all überall zu der Ueberzeugung gekommen, daß es ein bringendes Bedürsniß ist, den den Kaufmannsstand als Beruf wählenden jungen Leuten eine tüchtige Ausbildung angedeihen zu lassen. Zu dem Zwecke ist die Stellungnahme der Prinzipale zur Weiterbildung der Lehrlinge im Laufe der Zeit auch eine andere geworden und muß es noch immer mehr werden, indem den angehenden Kaufleuten, wenn sie eine bestehende Fachschule besuchen, die zur Vervollständigung ihrer Kenntnisse und Fertigkeiten nöthige Zeit gewährt wird. Leider kommt es immer noch vereinzelt vor, daß Prinzipale die Befähigung derjenigen jungen Leute, welche sich zwecks Erlernung des kaufmännischen Betriebes bei ihnen melden, nicht genügend prüfen, sondern dieselben, wenn sie Söhne achtbarer Leute sind, als Lehrlinge engagiren und sie dann nach Kräften zur Verrichtung untergeordneter Arbeiten be­nutzen, die eigentlich nur von Laufburschen besorgt werden sollten. Ein Lehrling, welcher in ein solches Geschäft kommt, verliert bald die Lust zu dem erwählten Beruf und beruhigt sich schließlich mit dem Gedanken, daß sein Bildungsgrad ausreiche, für die von ihm zu verrichtenden Arbeiten und alle Lust nach Vervollkommnung und Weiterbildung erlischt bei ihnen vollständig. Hier gilt es also, daß der Herr Prinzipal eingreift und seine jungen Leute anhält, die Fach­schulen regelmäßig zu besuchen. Wird in dieser Beziehung gefehlt, so wird aus diesen jungen Leuten in späteren Jahren derjenige Theil der HandlungScommis, die den Arbeitsmarkt überschwemmen und den jungen Kaufleuten, die kraft ihrer besseren Ausbildung in guten Stellungen sich befinden, zur

Last fallen oder dieselben aus ihren Positionen durch geringere Gehaltsansprüche zu verdrängen suchen. Daß das Gesagte auf Wahrheit beruht, erhellt am Deutlichsten aus einer Statistik, welche Herr Dr. Max Fuchö, der bewährte Leiter des Kaufmännischen Hilfsvereins zu Berlin, auf Grund seiner Erlebnisse im letzten Jahre aufgestellt hat. Nach dieser haben von 3532 Handlungsgehilfen, die die Vermittlung des kauf­männischen Hilfsvereins in Anspruch nahmen, nur 627 die Berechtigung zum einjährigen Militärdienst erworben, nur 1413 die Buchführung erlernt - von wieder 743 in Braun­schweig befindlichen Lehrlingen hatten nur 202 das Einjährigen- zeugntß und 319 erhielten keinerlei Fortbildungsunterricht. So liegen etwa die Verhältniffe in Deutschland, einem nicht unbedeutenden Industrie- und Handelsstaat. Daraus ergeht aber die ernste Mahnung an alle berufenen Factoren, diesem Nothstande nach Kräften abzuhelfen. Es muß daher eine der ersten Aufgaben der Handelskammern und der kauf­männischen Vereine, unter kräftiger Mithilfe der Unterrichts­und Städteverwaltung sein, das kaufmännische Fachschulwesen in einer Weise auszugestalten, daß den jungen Kaufleuten ein wirkliches Fundament gegeben wird, auf dem sie ihre Stellung sicher begründen können. \

Dies einsehend, hat auch in unserer Stadt der Kaufmännische Verein unter Beihilfe der Groß- herzoglichenHandelskammerin lobender Anerkennung , im November vorigen Jahres eine kaufmännische Fachschule ins Leben gerufen. Dank der großen Mühe und rastlosen Thätigkeit des Vorsitzenden des Kaufmännischen Vereins Herrn C. Orbig und seiner Vorstand-Coll-gen kam damit ein längst gehegtes Ideal zur Verwirklichung und zwar mit vorher nicht geahntem Erfolg. Wurden doch im vorigen Winter schon über 100 junge Leute in einfacher und doppelter Buch­führung, Wechsellehre, Rechnen und Correspondenz unterrichtet, was nur zu deutlich den Beweis liefert, wie groß das Be- i dürfniß nach einer solchen Anstalt in unserer Stadt war. ' Für den kommenden Wintercursus ist ein noch größerer ! Zudrang anzunehmen, umsomehr als der jetzt bestehende Sommercursus für Terminologie, Schön- und Rechtschreiben von 50 Schülern und der für Englisch und Französisch von 28 Schülern besucht wird. Selbstredend wirkt nun diese neue Anstalt nicht allein nutzbringend für den Kaufmanns­stand, sondern auch für Stadt und Staat. Eine Stadt wie Gießen, wo so viel Industrie und Handel getrieben wird, kann eine solche Anstalt nicht mehr entbehren, wenn sich nicht bewahrheiten soll das Sprichwort:Stillstand ist Rückgang V*

Doch eine solche Anstalt zu gründen und zu unterhalten, erfordert aber auch nicht geringe Opfer an Geld. So mußte infolge des großen Andrangs der ganze obere Stock des Postkellers gemiethet werden, woselbst auch ein Lehrlingsheim errichtet wurde, worin die jungen Leute an freien Abenden sich in anständiger Weise mit Spiel und Lectüre unterhalten und dadurch vor manchen Ausschweifungen an anderen Orten bewahrt bleiben. Es muß also der Kaufmännische Verein für Miethe, Beleuchtung, Heizung, Material und Unterricht erhebliche Summen aufbringen und wäre daher sehr zu wünschen, wenn die Herren Prinzipale sowohl, wie auch die Behörden von Stadt und Staat solche Anstalt nach Kräften unterstützen würden, als sonst die Lebensfähigkeit der ganzen Einrichtung in Frage gestellt werden muß.

Cscalss « j)rovin;iclle»

Gießen, den 5. August 1894.

* Seine Königliche Hoheit der Großherzog traf heute Morgen mit dem Schnellzug 8 Uhr 9 Min., von Frankfurt kommend, hier ein und setzte die Reise nach Romrod um 8 Uhr 20 Min. fort.

* * Billiges Fleisch. Hebet das hamburgisch-amerikanische Fletsch, wovon in letzter Zeit mehrfach die Rede war, theilt ein Betichterstatter derKl. Pr." Folgendes mit:Herr Heinrich Orth von Gießen, der den Frankfurter Schlacht- und Vtehhof regelmäßig besucht, hat sich mit einer großen Hamburger Firma, die amerikanisches Vieh zum Schlachten einsührt, in Verbindung gesetzt und bringt das Fleisch des Viehes, das in Hamburg geschlachtet wird, dahier zum Ver­kauf. Während auf dem hiesigen Markt das Ochsenfleisch lebend Gewicht daS Pfund bereits mit 7880 Pf., das Kuh- und Rindfleisch mit 7273 Pf. bezahlt wurde, liefert er das Pfund Ochsenfletsch zu 5860 Pf. Die erste Sendung, die vor acht Tagen im Schlachthof zum Verkauf kam, wollte Anfangs nicht recht Käufer.finden, da unsere Metzger der Meinung waren, das amerikanische Ochsenfleisch sage dem hiesigen Geschmack nicht zu. Der geringe Vorrath von Schlachtvieh zwang sie aber gewiffermaßen zum Kaufen. Das Fleisch ist durchgehends von jungen Thieren und sehr zart. Vorerst soll einmal wöchentlich eine Sendung erfolgen, da der Transport bis jetzt noch Umstände macht. Man ist nämlich in Hamburg noch nicht genügend mit den noth- wendtgen für Eiskühlung eingerichteten Waggons versehen, so daß man sich vorerst auf die einmalige Sendung beschränken mußte, weil die Waggons auch nach anderen Plätzen zu laufen haben. Herr Orth hat nach Bekanntwerden seines Unternehmens sofort aus einem halben Dutzend größerer Städte Zuschriften erhalten mit dem Ersuchen, dorthin eben­falls Fleisch zu senden. Vorerst will er Nürnberg und G i e ß e n berücksichtigen und je nach dem Vorhandensein von Waggons mit Eiskühlung das Geschäft weiter ausdehnen. Wir theilen im Anschluß hieran weiter mit, daß auf dem heutigen Vieh­markt 64 Viertel amerikanischer Ochsen aus Hamburg ein- trasen. Das Pfund wurde mit 57 bis 60 Pf. bezahlt. Die Metzger nahmen dieses Mal das Fleisch williger ab, weil die Viertel leichter und magerer waren. Für nächste Woche sind von Großhändlern bedeutende Sendungen angezeigt. Ferner standen 64 Ochsen und 44 Kühe zum Verkauf."

* Hessische Landes- Irrenanstalten. Nach dem soeben gegebenen Bericht der Verwaltung der Unterstützungskasse

der Hessischen Landes-Irrenanstalten für das Rechnungsjahr- 189394 ließ die überall herrschende wirthschaftliche Noth des Jahres 1893 von vornherein ein erhebliches Sinken der Einnahme an freiwilligen Beirrägen befürchten, trotz alledem haben sich diese Befürchtungen als grundlos erwiesen und die Regel des jährlichen Zuwachses wurde auch im Jahre 189394, dem zwanzigsten Betriebsjahr, glänzend bestätigt. Die Zahl der inländischen Geber stieg von 20 545 auf 22 726 und die Einnahme an freiwilligen Beiträgen von 10 431 auf 11 061 Mark. Die Provinz Starkenburg, die in 189293 eine Einbuße von 408 Gebern gezeigt hatte, führte diesmal 815 neue Geber zu, die Provinz Rheinhessen brachte einen Zugang von 453 Gebern und die Anzahl der Geber in der Provinz Oberhessen stieg in den vier letzten Wochen des Jahres 189394 um 3608 und erreichte so zum ersten Mal die Ziffer 10 229.

* * Zechprellerei. Ein junger Mann von hier wurde vorigen Samstag wegen Zechprellerei verhaftet.

* * Taschendiebstahl. Am vorigen Samstag wurde einem Studenten am Billetschalter des Bahnhofs das Portemonnaie aus der Tasche entwendet. Hebet den Thätet fehlt bis jetzt jeber Anhalt.

* * Ein alt r betrunkener Stromer belästigte gestern Abend die Spaziergänger auf bet Südanlage in gtober Weise, inbem er Jeben, wer es auch war, mit ben gemeinsten Schimpfwörtern bebachte. Die Schutzmänner, welche burch Verhaftung beS Alten bem Unfug ein Ziel setzten, mußten sich auch alle Liebenswürdigkeiten sagen lassen.

Nidda, 2. August. Eine überreiche Ernte an P f l a u m e n und Frühbirnen gibt es Heuer. Man verkauft von ersteren 50 Pfund zu 1 Mk., auch zu 80 Pf.- letztere werden vielfach mit dem Vieh gefüttert. Es ist unerfindlich, warum man gerade hier zu Lande nicht die Bäume mit anderem haltbarerem Obst veredelt, wie dies an anderen Orten ge­schieht. Darmst. Ztg.

R. Reichelsheim i. d. W., 5. August. Von sämmtlichen Mitgliedern des Gemeinderathes von Reichelsheim und anderen Interessenten war eine Eisenbahnversammlung hierher in das GasthausZurPoft" auf heute, den 5. August l.J., Nachmittags 2 Uhr eingeladen worben, welche sehr zahlreich besucht war. Spezielle Einlabungen hatten bie Abgeorbneten Graf Or io la -Büdesheim, Weith-Niederwöllstadt, Erk- Nidda, sowie die Bürgermeister von 22 betheiligten Gemeinden erhalten. Graf Oriola war durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Die Versammlmung wurde durch Postverwaltet Zinset begrüßt und eröffnet und auf dessen Vorschlag durch Dr. Schäfer (Reichelsheim), welcher schon viel für daS Project gethan hat, geleitet. Herr Landtagsabgeordneter Erk-Nidda hielt einen längeren Vortrag und wies an einer von ihm mitgebrachten Kartenskizze nach, daß die Regierung an den Kammerbeschluß vom Jahre 1890, der Gesetzeskraft durch den Landtagsabschied erhielt, gebunden sei. Nach diesem Gesetze habe die Bahn in Nidda einzumünden und sei über Echzell nach Beienheim und Friedberg weiter zu führen. Herr Erk wies aber auch weiter nach, daß die Führung über Salzhausen wegen geringerer Betriebskosten thatsächlich billiger käme als über Oberwtddersheim, weil von hier aus ein zweites Geleise nöthig und zahlreichere Beamten erforderlich seien, als über Salzhausen. Der Vortrag des Herrn Erk erklärte die Anwesenden, von denen die meisten keinen rechten Begriff von der wahren Sachlage hatten, auf und trug zur Beruhigung der Gemüther außerordentlich viel bet. Die ganze Versammlung gewann die Heberzeugung: die beiden Linien HungenFriedberg und NiddaFriedberg dürften unter keinen Umständen von einander getrennt, sondern müßten gleichzeitig in Angriff genommen und gebaut werden. Dies soll in einer Eingabe an das Ministerium ausgesprochen und durch eine Deputation an die Allerhöchste und höchsten Stellen zum Vorträge gebracht werden. Zwist und Uneinig­keit' sind beseitigt, bas haben bie Beschlüsse, welche protokollirt würben, bargethan- was bas Gesetz verlangt, soll zur Aus­führung kommen, jebe wettere Agitation unb Gegenströmung würbe bet guten Sache schaben unb könne sie nur auf unab­sehbare Zett hinausschieben. Denselben Gebanken vertrat Herr Abgeorbnetet Weith, sowie eine große Anzahl von Rebnern. Damit man aber auch ben Interessen bet anderen Otte Echzell, Gettenau und Bingenheim gerecht würde, soll dahin gewirkt werden, daß den Güter- und Personentarifen derselben eine Erleichterung zu Theil würde, d. h. daß sie den Umweg über Nidda und zurück nach Ober - Widdersheim nicht extra bezahlen müßten, wenn bie Reise nach Gießen eingeschlagen würbe. Die ganze Versammlung athmete er­leichtert aus, als bie wiberstreitenden Jnreressen unter einen Hut gebracht unb bie Anwesenden geintgt waren. Nun wird es endlich rasch vorwärts gehen, sagten sich die Leute unb gegen bas Gesetz wollen wir uns nicht auflehnen. Wir finb überzeugt: es freuen sich Tausenbe, baß daS Einigungswerk gelungen ist und wer baran mithalf, verbient ben Dank ber Bevölkerung, beim wenn es nicht gelungen wäre, hätten noch Jahre verstreichen können, bis es einen Anfang gegeben hätte.

nn. Darmstadt, 4. August. Die feierliche Hebersühtung ber Leiche des 1888 verstorbenen Prinzen Alexander von Hessen vom Mausoleum auf ber Rosenhöhe bei Darmstabt nach ber Familien-Gruft aus bem Heiligenberg bei Jugenheim hat heute Morgen um 4^2 Uhr in aller Stille ftottgefunben. Nach bem Eintreffen ber Hofbeamten würbe ber schwere Zinksarg burch Kanoniere aus ber Gruft getragen unb aus eine von ber 4. Batterie bes 25. Artill.-RegtS. gestellte und mit 6 Pferben bespannte Geschützlaffette gehoben unb mit einer Hess. Fahne, welche bas Hess. Wappen trug, ganz bedeckt. Punkt halb 5 Hht setzte sich ber Conbuct in Bewegung. Eröffnet würbe betselbe burch einen Zug ber Leib-EScabron des 24. Drag.-Regts. unter Führung beS Rittmeisters von Gelbern-Knispenborf - bann folgte ber Sarg, hinter bem Major Freiherr von Röder zu Diersburg, Adjutant Seiner König!. Hoheit des GroßherzogS, sowie Hauptmann Menges,.