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7.3.1894 Erstes Blatt
 
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9!r. 55 Erstes Blatt.Mittwoch den 7. März 1894

ter chi,jener Anzeiger erscheint täglich, mit Xu8nafanif deS Montags.

Die Vießrner Aamisienbsätler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kemrat-Mnzeiger.

iMerkljiifaviflcr A6t»niumenlspreis? 2 liiail 20 Ptg mit Bniigerlofan.

Durch die Poü bezogerr 2 Mark 50 Pfg.

Redaetion, itrv'd narr und Druckerei:

-chusckr-je Är.7.

Ferniprechcr 51.

Zlnrts- und Zlnzeigeblutt für den l(rei$ Giefzen.

chralrsöeisage: Oießener Kamilienbkätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und AuSlandrS nehuirn Anzeigen für den(Miefjencr Anzeiger" entgegen

diesen benachbarten Gemeinden werden ergebenst ersucht, diese Bekanntmachung zur Kenntniß der Landwirthe in ihren ®e- meinden zu bringen und aus möglichst zahlreichen Besuch der Vorträge hinzuwirken.

Gießen, den 23. Januar 1894.

Der Director des landwirthschastlichen Beziiksvereins Gießen. Jost.

lieber den Einfluß der Währung und Valuta auf den Geschäftsverkehr.

Der große Streit um den deutsch-russischen Handels- , vertrag Hal auch wiederum in allen inleressirten Kreisen die Frage angeregt, in wie weit die Währung und die Valuta ihren besonderen Einfluß aus die Preise der GUter auSüben, j resp. Einfuhr und Ausfuhr beeinflussen. Wir erwähnen dabei, daß unter Währung die in einem Lande herrschende Gold-, Silber- oder Papierwährung zu verstehen ist, während die Valuta den schwankenden Courswerth von CreditbilletS und Stlbermünzen deS Auslandes gegenüber der Goldwährung darstellt. Da muß nun zunächst hervorgehoben werden, daß die Goldwährung in erster Linie dem Einsuhrhandel zu Gute kommt, weil man mit Goldwährung erstens dem nur in Gold handelnden die halbe Welt beherrschenden englischen und auch nordamerikanischen Kaufmanne gewachsen ist und kein Agio zu bezahlen braucht, und zweiten« in allen denjenigen Sündern billig einkauft, welche keine Goldwährung haben, weil z. B. das englische oder deutsche Goldgeld in österreichische Gulden oder russische Rubel umgesetzt bei niedrigem Eourje dieses Papiergeldes viel mehr Werth hat als bei uns. Die niedrige Valuta (Courswerth- der russischen Rubel wirkt also auch für den russischen AuSsuhrhändler als Ausfuhrprämie und er bekommt thatsächlich 10 % mehr für seine in Goldgeld verkaufte Waare, wenn der Rubelcours 10% sinkt. Es besteht also die eigenthitmliche Thatsache, daß geringwerthigeS Geld, resp. niedriger Stand deS Rubel- und GuldencourseS die Ausfuhr des betreffenden Landes begünstigen. Was indessen die Ausfuhr eines Landes, welches wie Deuschland Goldwährung besitzt, anbetrifft, so wird die Ausfuhr durch die Goldwährung nur nach Ländern, welche Goldwährung besitzen oder leicht in Goldwährung Zahlung leisten, gestützt und erleichtert/ nach allen denjenigen Ländern indeffen, in welchen Silber- oder Papiergeld herrscht, wird für die Goldwährung besitzenden Länder die Ausfuhr erschwert, weil der in Gold verlangte oder doch in Goldgeld umzurechnende Verkaufspreis in Rubeln oder Gulden auSge-

drückt, immer verhäitnißmäßig hoch ausfallen muß. Man muß zugeben, daß bei den heutigen Weltmarktpreisen sür die meisten Bedarfsartikel diese Unterschiede der Währung und Valuta große Uebelstände sind und daß diejenigen Be- strebungen, welche Reformen in den WährungSverhältniffen herbeiführen wollen, nicht von der Hand zu weisen si> d. DaS Ideal der Bimetallisten, für die ganze Welt eine ge­meinsame Doppelwährung durchzuführen, wird allerdings wohl für immer an dem Widerstande Englands scheitern, aber eine erreichbare Reform wäre wohl eine Annäherung der Silber- und Papierwährung besitzenden Staaten an die Goldwährung, wie dies Oesterreich so geschickt durchgesetzt har.

Deutsche» Reich.

Berlin, 5. März. Die Frist bis zur Wiedereinbringung des russischen Vertrages im Plenum des Reichs­tages wird in letzterem wesentlich durch die Fortsetzung der zweiten EtatSlesung auSgefüllt werden. Da von den wich- tigeren Theilen des Etats nur noch das Marinebudget zu erledigen ist, so steht zu hoffen, daß der Reichstag wenigsten* mit dieser Arbeit zu Stande kommen wird, ehe er in die zweite Lesung deS Vertrages mit Rußland eintritt. An eine vollständige Fertigstellung deS Reichsetats vor Ostern ist doch nun einmal nicht zu denken, so daß am 1. April ein No h» etaisgesetz in Kraft treten muß.

Deutscher Reichstag.

63. Sitzung. Montag den 5. Marz 1894.

Die Bcrathung des Mtlt täretatS wird beim (Sapltd

j^erwalhtn^f0ri«eftr^tt D Schellendorsi bemerkt nreb bezüglich des Falls Kirchhofs, daß ein Mensch, der sich noch and re Dinge hat zu Schulden kommen lassen, die ganze Geschichte erfunden habe. Er habe sie in seinem Kreise erzählt und so ist sie in btt TageSbläiter gekommen. Die ganze Geschichte war erstunken und erlogen. Man hat vorgestern die Begnadigung deS Generals Kirchbost bemängelt. DaS Begnadigungsrecht ist aber ein Recht der Kione und wenn dasselbe hier erörtert wird, so muß ich dagegen protefttrrn. Wenn General Kirchhoff tm Etollverfahren von den Herren Lräger oder Munckel verthetdtgt worden wäre, würde er gewiß sretgesprochin wordcn sein; wir haben ihn verurthellt. Wenn Sie (zu den SocUrl- demokraten) einmal in die Lage kommen sollten, eine Begnadigung brauchen zu können, seien Sie dann sroh, wenn dann da« Begnadigung«- recht der Krone noch besteht. Herr Bebel sprach wieder über Soldaten Mißhandlungen. Von der Erörterung solcher Spec affällc kann ich mir keinen Nutzen versprechen. In dem Falle, dem des Hauptmann« Frey, hat Herr Bebel selber erklärt, er sei mystlstcirt woiden. D'e Erklärung kam etwas spät, undmystificirt" ist etwas zu nvlfe

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Amtlich«»» Theil.

Bekanntmachung,

betreffend die Eintheilung der Kaminfegerbezirke.

E« wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß »am 1. April 1894 an auf die Dauer von 2 Jahren der 1. Kammfegerbezirk dem Kaminfeger ftarl Zwcsch dahier und der 2. Kaminfegerbezirk dem Kammfeger Franz Nebl dahier zugewiesen ist.

Der I. Bezirk besteht:

i. au« dem Theile der Stadt Gießen, welcher, von Frankfurt au« gerechnet, rechts der Straße von Frankfurt nach Marburg gelegen ist, einschließlich der Gemarkung Schiffenberg.

b. au« den Otten: Albach, Mendorf a. d. Lahn, Burk­hardsfelden, Garbenteich, Großen-Linden, Hausen, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-Gönö, Leihgestern, Oppenrod, Steinbach und Watzenborn-Steinberg.

Der 11. Bezirk besteht:

r. au« dem links der Frankfurt-Marburger-Straße ge­legenen Theil der Ttadt Gießen sowie

b. au« den Orten: Alten Buseck, Annerod, Bersrod, Beuern, Daubringen mit Heibettshansen, Großen- Buseck, Lollar, Mainzlar, Reiskirchen, Rödgen, Rutters­hausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Trohe, Wieseck und Winnerod.

Gießen, den 5. März 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

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Bekanntmachung.

Cs wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirthschaftslehrer Leit Higer von Alsfeld

Sonntag den 11. März l. Is., Nachmittags 3 Uhr, einen Vortrag imEnglischen Hof" zu Grünbcrg über Futtcrbau auf dem Ackerlande,

Samstag den 17. März L I., Abends 7 Uhr, einen Vortrag in dem Saale des Herrn Witth« Helland zu Lich über die Anwendung künstlicher Dungmittcl halten wird.

Alle Mitglieder des landwirthschastlichen Vereins, der landwirthschastlichen Localvercine, sowie alle Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Vorträgen hierdurch freund­lichst cingeladen.

Die Herren Bürgermeister der vorgenannten und der

Feuilleton.

Die Borfeier des 70. Geburtstages von Cho Roquette.

(Nachdruck verboten.)

Dr. M. ES ist nicht mehr wie billig, daß aus aca- demischen Kreisen, mit welchen Otto Roquette durch sein Amt alS Literaturprofessor am Polytechnikum zu Darmstadt eng verbunden ist, die erste Anregung auSgeht, einen Mann nach Verdienst zu ehren, deffen Wirksamkeit für die studirende Jugend und für andere Kreise der Großherzoglichen Residenz von geist- und gemüthbildendem Einfluß ist.

Alljährlich veranstaltet der hiesige Academische Verein eine musikalisch-dramatische Aufführung zu einem wohlthätigen Zweck. Die erste Hälfte deS Programms besteht in der Regel in einem Eoncert, welchem heimische und auswärtige Künstler ihre Kräfte leihen, und die zweite füllt gewöhnlich ein kleiner Schwank, ein Lustspiel u. dgl.

Diesmal gelangt ein OpuS von Roquette zur Darstellung und zwar der EinacterHanswurst", welchen der Autor mit Fug und Recht alsZeitbild" betrachtet wissen will. Wer je daran gezweifelt hat, daß der Dichter vonWald­meisters Brautfahrt" über feinen, frischen Humor verfügt, braucht nur seinSchönbartspiel Reinecke und Fuchs" und seinen ,,HanS Wurst" zu prüfen, um sich augenblickS zu über­zeugen, daß Roquette nicht nur der stille, selbstgenügfame, sentimentale Romantiker ist, sondern daß er einen gar offenen Blick für daS wirkliche Leben und sein bunteS, wechfelvolleS Spiel an den Tag zu legen im Stande ist.Hans Wurst" ist im Grunde ein kleiner Bühnenscherz, aber mit culturgc- schichtlichen Nebengedanken.

Roquette führt unS in die Zoit des Morgengrauens der 'deutschen Bühne und der deutschen Schauspielkunst- Sterne finb bis dahin weder über dem einen, noch anderen Felde aufgegangen, aber an dem Horizont zeigt sich ein lichter Streifen, und, sobald man überhaupt schon die Frage nach

der Nützlichkeit ober Schädlichkeit der Schaubühne aufwarf, sobald das Pro und Contra ernsthaft erwogen wurde, konnte auch der dichterische Genius, der plötzlich mit seinem Zauber­stabe eine Welt des schönen Scheins und der Ideale wach­ruft, nicht mehr ferne sein. Roquette nennt diesen Genius nicht bei Namen, enthält sich überhaupt aller billigen Prophezeihungen post eventum, aber er zeigt die Zeit, in welche er hineintrat, in der gleichsam Alles auf sein Kommen zugespitzt war. ES ist die Zeit von Gottsched und der Neuberin, da ein deutsches Theater noch kaum im Traume existirte, da der Schauspielerstand sich mit Mühe und Noth aus verrufenen, gesellschaftlich verfehmten Gauklern zu streb­samen Künstlern heraufzuarbeiten versuchte. Wählerisch durfte da der Mime nicht sein. Gings nicht mit einem stolzen BrittanicuS" oderNero" im steifen, hochtrabenden Alexandrinerschritt, so mußte auch abwechselungshalber die HarlekinStracht herhalten und das bischen Kleingeld, das zu des Lebens Nothdurft gehörte, etnbrtngen helfen.

Ein junger Mann auS einer sächsischen Professorensamilie, LucaS, ist unter die Comödianten gegangen und infolge dieses Schrittes völlig mit feinen entfernteren Verwandten zerfallen. Als der Vorhang aufgeht, kann die Base Salome sich in Klagen nicht genug thun ob der erschrecklichen Schande, daß ein junger Mann, der Psarrer hätte werden können, mit wandernden Gauklern in der Welt herumzieht. Ihr Vetter, der Professor Mylius, gehört zu jener Sorte von Gelehrten, die in den alten Clasfikern zu Hause sind, d. h. sie mit Glossen versehen, aber keinen Blick für das geistige Leben ihrer Zeit besitzen. Vom deutschen Theater weiß er nichts, will auch nichts wissen und kann eS nicht begreifen, daß der College Gottsched in Leipzig sich mit solchem Allotria abgibt.

Der Wiener Comödiant Prehhauser, eine historische Persönlichkeit, er ist derjenige, welcher nächst Straritzky, in die Komik gesunde, natürliche Menschendarstellung einführte, dieser Prehhauser, der sich gerade in Leipzig befindet, erlaubt I sich mit der steifen Perrückc MyliuS einen kostbaren Scherz, I auf den der eitle Magister hineinfällt. Prehhauser macht

ihn weiß, das Prosessorencollegium beabsichtige die Aufführung der Comödien des Plautus und Terenz und ihm, dem Pio- fessor Mylius, sei darin die Hauptrolle zuerkannt worden. Ferner stistet der Menschen- und lebenskundige Prehhauser daS Glück des armen Schelms LucaS, der als Hanswurst m der Welt herumsährt, indem er ihn an sein Theater in Wien nimmt und einen tüchtigen Mimen aus ihm zu machen ver­spricht. DaS Probestück, welches Lucas vor dem Meister ab- zulegen hat, besteht darin, daß er auS den Buchstaben des Alphabets einen freien Vortrag improvisirt. Dieser freie Bor trag zeigt, daß Roquette bei HanS Sachs und Fischart in die Schule gegangen ist?

Von den Herren Academikern, die unter der Regie des Herrn Hosschauspieler Knispel standen, wurde ganz-vor­trefflich gespielt, und, was bei Dilettanten sehr selten der Fall ist: die Aussprache war durchweg eine sehr deutliche. Eine Berufsschauspielerin war in der Person deS Fräulein Widmann gleichfalls bei der Herstellung deS flotten Ensemble thätig. Durch einen Prolog, welcher RoquetteS dichtettsche Verdienste feierte, wurde die Vorstellung des Hanswurst" eingeleitet. Die Programme mit ihrem ele- ganten zeichnerischen Schmuck wiesen daS Porttait deS Dichters auf.

Hinsichtlich der Beurteilung deS ConcerteS, welches dety Theaterspiel voranging, will ich dem Autor derResidenz- Briefe" nicht vorgreifen. Ich beschränke mich zum Schluß auf die Angabe, daß in denSchweden in Altdors", dem Stück, welches am Großherzoglichen Hostheater im April dem Dichter zu Ehren gegeben werden soll, die Hauptrollen die Schauspielerinnen Frl. Berl und Frl. Ethel, sowie Herr Monnard, unser jugendlicher Liebhaber, inne haben.

Acht Tage darauf wird im Saalbau ein gemächlicher Familienabend stattfinden, an welchem sich zu betheiligen aller Freunden und Verehrern deS Dichters frei steht. DaS für den Abend vorgesehene musikalisch-dramatische Programm ver­spricht sehr reichhaltig zu werden.