Ausgabe 
7.2.1894
 
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Dem gegenüber theilt dieNordd. Allg. Ztg." mit, nach den ] letzten aus Samoa eingegangenen Nachrichten sei die Kriegs- gefahr dort vorläufig beseitigt. In Hoskreisen verlautet, daß der Kaiser dem ottomanischen General Schakir Pascha an den Sultan ein Handschreiben mitgegeben hat, in dem er für die verliehene hohe Auszeichnung wärmstens dankt und die Hoffnung aussprtcht, in absehbarer Zeit wieder Kon» stantlnopel besuchen zu können.

Frankfurt a. M., 5. Februar. Nach demFinanzherold" beabsichtigt die Rheinische Creditbank in Mann­heim, welche in Folge der jüngsten Vorkommnisse vielfach Gelegenheit zur Anknüpfung günstiger Geschäftsverbindungen findet, ihr Betriebscapital entsprechend zu erhöhen.

Plag. 5. Februar. Die Bevölkerung befindet sich in großer Erregung über die neuerdings vorgekommenen Atten­tate. Letztere haben zwar wesentlichen Schaden nicht an­gerichtet, immerhin jedoch Befürchtungen hervorgerufen. Nachts wurde vom Boden eines Hauses eine Petarde auf die Straße geworfen. Das Geschoß explodirte unter starker Detonation.

Belgrad, 5. Februar. Infolge des gestern verbreiteten Gerüchts, König Alexander werde bei dem Galamahle die Verfassung für aufgehoben erklären und das Land für einige Zeit verlaffen, sowie den Exkönig Milan als Regenten ein- setzen, durchzogen in Schabatz dichtgedrängte Menschenmassen lärmend und johlend die Straßen und schrieen:Hoch Karagiorgievic!" Das gestern am Belgrader Bahnhofe zahlreich anwesend gewesene Publikum, welches die Ankunft der Königin Natalie erwartete, mußte sich enttäuscht wieder zerstreuen, da die Königin nicht eintraf. Sonach war auch das über ihre Ankunft verbreitete Gerücht aus der Luft gegriffen.

Belgrad, 5. Februar. König Alexander besuchte gestern Abend mit Milan den großen Ball der Belgrader Kaufmannschaft. Der Exkönig schritt auf den ebenfalls er­schienenen General Gruic zu und machte ihm heftige Vor­würfe über das Verhalten der Radicalen und' deren Blätter. Gruic antwortete dem Könige in nicht minder erregter Weise und verließ dann den Ball. Da das Borkommniß unter Gegenwart vieler Zeugen geschehen war, rief dasselbe großes Aufsehen hervor.

Berlin, 6. Februar. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge wurde der deutsch-russische Vertragstarif am Montag Nachmittag paraphirt. Die Vollziehung des gelammten Vertragswerkes ist zwar noch nicht erfolgt, doch scheint un­zweifelhaft, daß die Erledigung der nothwendigen Formalien nur noch wenige Tage erfordern werde. Nach Vollziehung des Vertrages werde die betreffende Vorlage sofort dem Bundesrath zugehen. ImReichsanzeiger" wird heute in besonderer Beilage der russisch-deutsche Vertrogstarif sür die Einfuhr nach Rußland veröffentlicht.

Abbazia, 6. Februar. Hofrath Professor Billroth (der berühmte Operateur) ist gestorben.

Aus dem Bertvaltungsbericht der Grotzh. Bürgermeisterei Gießen für 1892/93* (Fortsetzung.)

Auf dem weiten Gebiete der Armenpflege wurden die Mittel der sür dieselben vorhandenen Kassen und Stif­tungen theils infolge des strengen Winters 1892/93, theils infolge des Darniederliegens einer Anzahl von Erwerbs­zweigen in hohem Maße in Anspruch genommen, welche Um­stände auch nachtheilig einwirkten auf die öffentliche Gesundheit und eine dadurch veranlaßte erhöhte Inanspruchnahme der Kliniken. In der sog. streitigen Armenpflege wurden durch das Armenamt in die Kliniken eingewiesen: in die medicinische und Frauenklinik, sowie in die chirurgische und ophtalmologische Klinik 185 Personen, die 5751 Tage verpflegt wurden (in 1891/92 betrugen die entsprechenden Ziffern nur 79 bezw. 2281). In die Herberge zur Heimath wurden einge­wiesen 34 Personen mit 363 Verpflegungstagen. Mit Schuhen wurden unterstützt 41 Personen, mit Kleidungsstücken 11, während für 6 Personen die Beerdigungskosten vorlagsweise übernommen werden mußten. Im Ganzen waren 277 streitige Unterstützungssachen anhängig, gegen 120 im Vorjahre. Die Zahl der auf der Armenliste in offener Armenpflege stehenden Personen bezw. Familien ist gestiegen von 228 in 1890/91 auf 353 in 1892/93, in den Kliniken wurden ver­pflegt 153 Personen mit 4104 Verpflegungstagen (gegen 95 Personen mit 2998 Verpflegungstagen im Vorjahre). Bon den in offener Armenpflege ständig Unterstützten bezogen im Durchschnitt wöchentliche Baarunterstützung 53, wöchentliche Brodunterstützung 97, monatliche Miethunterstützung 121, Kohlenunterstützung a) ständig: im ersten Quartal 14, im Zweiten 9, im dritten 44, im vierten 101; b) vorübergehend: im ersten Quartal 26, im zweiten 4, im dritten 54, im feierten 26. Die gesammten Aufwendungen an Unterstützungen in offener Armenpflege beliefen sich auf 24 196,21 Mk.- durch Ausscheidung nicht Bedürftiger und Förderung der Selbsthülfc konnten die Unterstützungen wirklich Hülfsbedürstiger wesentlich gesteigert werden. 8 Personen mit 293 Verpflegungs­tagen wurden wegen Geisteskrankheit bis zur Aufnahme in die LandeStrrenanstalt im alten Arresthause untergebracht. In Privatpflege befanden sich durchschnittlich 49 Kinder, 3 Lehrlinge waren auf Kosten der Armenkasse in der Lehre. Im städtischen Hospitale waren untergebracht 12 Plock'sche Pfründner, 14 Hospitaliten, vorübergehend 7 Personen mit zusammen 7636 Verpflegungstagen. An Mittagessen wurden nach außerhalb des Hospitals verabreicht an 12 Stadtarme zusammen 874 Portionen. An Naturalien wurden verabfolgt: 4649 Liter Milch, 9488 Laib Brod, 1731 Centner Stein- kohlen, Seitens des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege 301 Centner Kohlen. Der Verpflegungstaq eines Hospitaliten stellt sich einschließlich aller General­unkosten auf 1,20 Mk. Die Überlastung des Stadtbau­amts mit anderen bereits genehmigten und dringlichen Aus-

trägen hat es im Berichtsjahre unmöglich gemacht, dem Pro- I ject eines Hospitalneubaues näher zu treten. In Heil-, Bewahr- und Erziehungsanstalten waren 13 Personen untergebracht. Auf Grund des Gesetzes über die Zwangs­erziehung waren 24 Kinder untergebracht. Die Leistungs­fähigkeit der Plock'schen Stiftung, für welche 12 Pfründner mit zusammen 3490 Verpflegungstagen im Hospitale unter« gebracht wurden, ist damit noch nicht voll ausgenutzt. Er­schwert wird diese Ausnützung dadurch, daß die Stiftung nur für Personen bestimmt ist, welche in Gießen geboren sind. Die Zahl der Stiftungen hat sich im Berichtsjahre ver­mehrt um die Wilson-Stiftung von 20 000 Mk., die Gaßner- Stiftung von 4000 Mk., die Hemy-Stistung von 6020 Mk. Von einem nicht genannt sein wollenden Fräulein ist der Stadt ein Vermächtniß zugefallen zur Errichtung und Er­haltung einer Verpflegungsanstalt für obdachlose kranke Thiere. Diese eigenthümliche Zwecksbestimmung hat die Stadtver- ordneten-Versammlung bezw. den an Stelle der Stadt gesetzten Thierschutzverein zu einer Verständigung mit den übrigen Erben veranlaßt, wonach schließlich die Stadt ein Capital von 11 431,69 Mk. erhielt unter der Verpflichtung, die Zinsen desselben alljährlich unverkürzt dem hiesigen Thierschutzverein zur Verwendung für seine Zwecke zukommen zu lasten. Erhebliche und dankbar anerkannte Unterstützung in der Armen- und Krankenpflege hat die Stadt auch im Berichtsjahre wieder Seitens der hier bestehenden Vereine: All gemeiner Verein für Armen- und Kranken­pflege" undVerein für Krankenpflege" erfahren. Ersterer hat 178 Familien und Personen in 826 Fällen mit im Ganzen 4836,93 Mk. unterstützt. In der Krankenpflege waren thätig 7 Schwestern, die in 349 Familien zusammen 572 Nachtwachen, 147 ganze Tagespflegen und 8299 Pflege­besuche leiteten. Durch theilweise Beihülfe der städtischen Armenkasse wurde 24 Kindern eine Badekur im Elisabethen- hause zu Bad-Nauheim gewährt. Die Krippe nahm 37 Kinder mit zusammen 3526 Verpflegungstagen auf. Das Mieths- patronat des Vereins in zwei eigenen Häusern, sowie in der gemieteten ehemaligen Stallmeisterwohnung nahm guten Fortgang. Die Flickschule wurde in dem ehemaligen Schul­haus in der Neustadt abgehalten und war stets gut besucht - im demselben Hause wurde am 8. Juni 1892 eine Kochschule eröffnet, die ebenfalls gute Ergebnisse zeigte.

Der Verein für Krankenpflege beschäftigte sieben Schwestern und hat für deren Unterhalt, Miethe 2c. 3123,24 Mk. ausgewendet.

Die Ortskrankenkasse zählte durchschnittlich 1792 männliche und 188 weibliche Mitglieder mit 10 234 Krank­heitstagen der männlichen, 1258 der weiblichen. Die Ein­nahmen bestanden aus Mitgliederbeiträgen 30 445,15 Mk., Ausständen 925,79 Mk., Resten aus vorderen Jahren 653,33 Mk., Ersatzleistungen Dritter für geleistete Kranken­unterstützungen 811,43 Mk., Zinsen 1414,78 Mk., sonstigen Einnahmen 1082,62 Mk., in Summa 35 333,10 Mk.- die Ausgaben erforderten: an ärztlicher Behandlung 6772,43 Mk., Arzneien und sonstigen Heilmitteln 8297,51 Mk., Krankengeldern 9433,91 Mk, Ünterstützung an Wöchnerinnen 143,30 Mk., Sterbegeldern 368 Mk., Verpflegungskosten 1821,70 Mk., Vorlage für Berufsgenossenschaften 796,23 Mk., Verwaltungs­kosten und Formulare 2427,58 Mk., an sonstigen Ausgaben 818 Mk., ausgeliehen wurden 2034,78 Mk., in Summa 33 183,58 Mk., somit verbleibt ein baarer Rest von 2149,53 Mk. Das Vermögen der Kasse betrug Ende 1892 11834,78 Mk.

Die Zahl der Versicherungspflichtigen bei der Alters- und Jnvaliditätsversicherung, welche nicht der Ortskrankenkasse zugetheilt sind, auch nicht einer hiesigen Fabrikkasse angehören, sonach der Bürgermeisterei zugetheilt sind, betrug 3174, bei 1138 Arbeitgebern. An Marken wurden verwendet für 24 531,62 Mk. Altersrente be­ziehen 9 Personen a 106,80 Mk., 1 Person 135 Mk., 3 Personen ä 162,80 Mk. und 3 Personen ä 191,40 Mk., Invalidenrente ein Versicherter 111,60 Mk.

(Fortsetzung folgt.)

Coeales unb KroviirrLeUes.

Sießea, 6. Februar 1894.

* * Die Reichsbank ermäßigte den Discont aus drei Prozent, den Lombardzinsfuß für Darlehen gegen ausschließ­liche Verpfändung von Schuldverschreibungen des Reiches oder eines deutschen Staates auf 31/2, gegen Verpfändung sonstiger Effecten auf 4 Prozent.

* * Berichtigung. Bezugnehmend auf unsere gestrige Localnotiz bezüglich des wegen Diebstahls verhafteten Dach­deckergesellen wird uns berichtigend mitgetheilt, daß die gegen denselben wegen Diebstahls eingeleitete Untersuchung auf versehentlicher Denunciation des Benachtheiligten beruhte und die Schuldlosigkeit des Verhafteten sich herausgestellt hat.

* * Der Fechtverband Gießeu-Lahr erzielte durch seine beiden gut besuchten Maskenbälle annähernd einen Ueberschuß von 100 Mk. zur Ablieferung an die Reichs-Waisenhauskasse in Lahr.

* * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Tischler Gustav Adolph aus Gladenbach vom Amtsanwalt in Gießen wegen Unterschlagung- Schlosser Friedrich Barth aus Kostheim vom Amtsanwalt in Mainz wegen Betrugs- Geschirrhändler Peter Gerhard von Framersheim, ohne festen Wohnsitz, vom Amtsgericht Wöllstein wegen Betrugs - die Ehefrau des herumziehenden Korbmachers Andreas Günther, Elisabetha, geb. Müller, aus Partenheim von demselben Ge­richt wegen Diebstahls- der umherziehende Schirmmacher Peter Gronen aus Münchrath vom Amtsgericht Herbstein wegen Strafvollzugs- Taglöhner Heinrich Hartmann II. von Atzenhain, Kreis Alsfeld, vom Amtsanwalt in Gießen wegen Betrugs- Dienstmagd Katharina Kühn von Zeilhard vom Amtsanwalt I in Darmstadt wegen Diebstahls- Metzger­geselle Georg Pfefferler, vielleicht auch Josef Pfeffle oder

Pfeiffer aus Saarbrücken, vom Amtsanwalt in Gießen wegen Diebstahls und Unterschlagung- Schlosser Richard Bruno Stülpner aus Marbach in Sachsen vom Amtsanwalt in Darmstadt wegen Körperverletzung.

* * Congreß für innere Medicin. Aus Wiesbaden schreibt uns Herr Dr. Emil Pfeiffer, ständiger Secrerär des Congresses für innere Medicin, Folgendes:Da in Folge der Verlegung des 11 .internationalen medicinischenCongresses auf die Zeit vom 29. März bis 5. April 1894 sich für die Ab­haltung des Congresses für innere Medicin Schwierigkeiten ergeben haben, so hat das Geschäftscomile und der engere Ausschuß dieses Congresses einstimmig beschlossen, den 13. Con­greß für innere Medicin zu verschieben und erst im Jahre 1895 in München abzuhalten."

* * Die Kalenderfeiertage. Die Zahl der jährlichen kalendermäßigen Arbeitstage ist bei den verschiedenen Völkern sehr verschieden. Sie beträgt nach einer Zusammenstellung desCentralblattes sür die Textilindustrie" für das Innere von Rußland 267 Tage, während Canada 270, Schott­land 276, England 278, Portugal 283, Russisch-Polen 288, Spanien 290, Oesterreich und die Ostsee - Provinzen 295, Italien 298, Bayern, Belgien und Luxemburg 300, die sächsischen Herzogthümer 301, das Königreich Sachsen, Russisch- Ftnland und Frankreich 302, Württemberg, Schweiz, Däne­mark und Norwegen 303, Schweden 304, Preußen und Irland 305, die Vereinigten Staaten von Nordamerika 306 und Holland 308 jährliche offizielle Arbeitstage haben. Die meisten Arbeitstage, nämlich 312, finden wir in Ungarn. Wie man sieht, gestattet die Zahl der Kalenderfeiertage keinen Schluß auf Fleiß und Wohlstand eines Volkes, da England und Rußland die meisten, Holland und die Vereinigten Staaten nächst Ungarn die wenigsten haben. Es kommt eben darauf an, ob, was und wie an den als Arbeitstagen angestrichenen Tagen gearbeitet wird.

* *, Der Getreidemarkt. Der Getreidemarkt zeigte auch in der vorigen Berichtswoche die ihn schon seit einiger Zeit characterisirende Physiognomie matte Preistendenz und äußerst geringe Kauflust. Aus Amerika lagen allerdings ziemlich günstige Berichte vor, sie vermochten indessen bie Stille in dem einheimischen Getreidegeschäft nicht zu beteben; an den meisten Plätzen haben Roggen wie Weizen gegenüber den Preisnotirungen der Vorwoche wieder etwas nachgegeben. Hafer behauptete sich im Allgemeinen, doch war der Verkehr auch in diesem Artikel sehr träge. Das Spiritusgeschäft ift an den meisten Plätzen fast gleich Null, bei weichenden Preisen.. Preisnotirungen an der Berliner Productenbörse: Weizen von 137 Mk. bis 147 Mk. per 1000 Kilogramm, Roggen von. 123 Mk. bis 127 Mk., Hafer von 140 Mk. bis 177 Mk.^ Gerste von 107 Mk. bis 180 Mk.

* * Der Verband der Militär-Kriegs- und Friedeus-Zn- validen Deutschlands, welcher seinen Sitz in Darmstadt hat, ließ an die Budget Commission des Reichstages folgendes Gesuch um Ablehnung der Gesetzesnovelle, betreffend die Ein­richtung und Verwaltung des Reichs-Jnvalidensonds, abgehen: Durch alle Gauen unseres herrlichen Vaterlandes weht ein Zug der Verbitterung über die seitens einer hohen Reichs­regierung in Bezug aus die Verwaltung des Reichs Invaliden- fonds ergriffenen Maßregeln. Die Unterfertigten vermögen' zwar nicht gegen diese Maßregel zu protestiren, glauben aber an die hohen Reichsboten der Budget-Commission das dringende und berechtigte Ersuchen richten zu dürfen: 1) in Anbetracht des Zweckes, dem der Reichs-Jnvalidenfonds zu dienen hat, ein ablehnendes Votum in dieser Angelegenheit abgeben zu wollen - 2) eine hohe Reichsregierung dazu bestimmen zu wollen: a. die Pensionen und Verstümmelungszulagen zu er­höhen, b. die Ungleichheiten im Jnvalidengesetz zu beseitigen,, sowie eine größere Anzahl von Krtegsjahren anzurechnen, c. allen Kombattanten aus dem Feldzuge 187071 einen Ehrensold zu gewähren, d. die Belassung der Militärpension in allen Stellungen anzuordnen und für Nichtbenutzung des Civilversorgungsscheines anderweitige Regelung, bezw. Er­höhung der Entschädigung für solche eintreten zu lassen, sowiL der Hinterbliebenen Wittwen und Walsen.

Aus dem Ohmthal, 5. Februar. Wie im vorigen Jahre im oberen Ohmthal, fo grassirt auch im unteren die Diphth erie unter den Kindern als ein wahrer Würgengel. In Mardorf sind an 30 Kinder der Seuche erlegen, andere wenige durch Operation gerettet wurden. Ein Ehepaar verlor durch diese Krankheit in kurzer Zeit vier ^Kinder. Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß gerade im Ohmthal diese Kinderepidemie in so starkem Maaße auftritt.

H. Butzbach, 5. Februar. Großh. Oberamtsrichter Fr itz ist vergangene Nacht einem Schlaganfall erlegen- derselbe litt seit einiger Zeit stark an der Influenza. Der Verstorbene,, der erst feit ca. drei Jahren hier amtiert, erfreute sich allge­meiner Beliebtheit.

x Nieder-Gemunden, 5. Februar. Nach einem Tanze gerieten zwei hiesige Burschen, um geringfügiger Ursache willen, in Streit. Der eine derselben holte zur besseren Schlagfertigkeit seinen bereits schlafenden Bruder. Beide bear­beiteten nun vereint den dritten Burschen und in diesem Streite spielte dann das Messer eine Rolle. Von einem der Brüder erhielt der Bursche einen Messerstich in den einen Arm und am anderen wurde ihm am Handgelenk Flechse und Adern durchschnitten, so daß er sich beinahe verblutet hätte. Der Schwerverletzte mußte in die Klinik nach Gießen verbracht werden. Die Untersuchung ist im Gange.

Vermischtes.

* Hagen, 4. Februar. Die Strafkammer verurtheilte den Gärtner Wind zu Langerfeld, der sein 11 jähriges Mädchen und seinen 8jährigen Knaben in unmenschlicher Weise mißhandelt hatte, zu zwei Jahren Gesängniß. Der- unnatürliche Vater hat die Kinder mit Säge, Hacke, Todt-