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7.1.1894 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 7. Januar

1894

Der

chletzeuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener AamitteuvtLller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

Vierteljährig« Avoanemeulsprei«, 2 Mark 20 Pfg. rott Bring erloh». Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, ^cbitio« und Druckerei:

Kchvlstratze Ar.7.

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Avers Gietzen.

SLyai-.e'a;KT | Hr-ti-beilag-: K!-ßen-r K-mikienöl-tt-r. >

2lmtiid?e* Theil.

Gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Tabaks­pfeife, 1 Taschentuch, 1 Serviette, 1 Pelzmütze und 1 Pelz­kragen.

Gießen, den 6. Januar 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

______Fresenius.____________

Gießen, den 6. Januar 1894.

Betr.: Die Einsendung der Sterbzählkarten und Todeszeug- niffe von Nooember-December 1893.

Das

Großh. Kreis-Gesundheitsamt Gießen

an die Grohh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern für diejenigen von Ihnen, welche diese Auflage noch nicht erledigt haben, an die pünktliche Einsen- -ung der rubr. Sterbe-Nachweise bis zum 10. d. M.

Dr. Follenius.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Januar. Wie in Hoskreisen erzählt wird, hätte der Kaiser, als ihm die erste Nachricht über daS scandalöse Verbiet von Angouleme zu Gunsten der Mörder von Aigues-Mortes zuging, zu seiner Umgebung ironisch geäußert:Diese Franzosen arbeiten doch immer, ohne es zu wollen, mit ihren Aufwallungen pour le roi de Prasse. Tatsächlich hat dieser Spruch in Italien das Ansehen des Dreibundes wesentlich gefördert.

Berlin, 5. Januar. Der Kaiser weilte am Donners­tag und Freitag zum Besuche am fürstlichen Hofe von Bückeburg, anläßlich einer ihm gewordenen Jagdeinladung deS Fürsten Georg. Diese Bückeburger Reise des Kaiserlichen Herrn wird, wie es heißt, in Berliner politischen Kreisen als das äußerliche Zeichen dafür betrachtet, daß die jüngsten be­haupteten Differenzen zwischen den leitenden Berliner Stellen nunmehr wieder vollständig beseitigt seien. Eine derartige Bedeutung kommt indessen dem soeben stattgefundenen Besuche des Kaisers in Bückeburg schwerlich zu, denn die Einladung zu demselben war schon vor einiger Zeit ergangen und auch sofort angenommen worden.

Im Uebrigen scheinen die Krisengerüchte der letzten Zett endlich wieder verstummen zu wollen, nachdem sie lange genug einen ziemlich breiten Raum in der politischen Tagesdtscussion eingenommen haben. Kaum läßt sich mehr bezweifeln, daß während der letzten Wochen und Monate die unleugbar vorhandenen Gegensätze in den Berliner maßgebenden Kreisen wieder einmal aufeinander geprallt sind, die gegen- theiligen Versicherungen von officiöser Seite finden nirgends rechten Glauben. Aber ebenso darf man mit Fug annehmen, daß diese Meinungsverichiedenheiten einstweilen wieder be­glichen worden sind und daß die Minister collegialität wieder hergestellt ist. Inwiefern die jüngsten Vorträge des Reichs­kanzlers, des Staatssecretärs v. Marschall und des Minister­präsidenten Grafen Eulenburg beim Kaiser mit dieser muth- maßlichen Lösung der Krisis in D rbindung gestanden haben, muß zwar noch dahingestellt Meinen, unwahrscheinlich ist in­dessen ein solcher Zusammenhang gerade nicht. Was die gemeinsam statrgefundenen Audienzen der beiden erstgenannten Herren beim Kaiser anbelangt, so wird versichert, daß es sich hierbei um Fragen der auswärtigen Politik unter specieller eingehender Erörterung der Angelegenheit des deutsch-russischen Handelsvertrages gehandelt habe. Der Monarch hat dem Vernehmen nach seine vollständige Zustimmung zu den vom Kanzler entwickelten Anschauungen über den russischen Vertrag ausgedrückt.

Die schon längst lebhaft erörterte Frage einer Re­form der Strafproceßordnung kommt nun wohl in Fluß. Einer Mittheilung derNordd. Allg. Ztg." zufolge hat sich das preußische Staatsministerium jetzt mit der Ein­bringung einer Novelle zur Strafproceßordnung einverstanden erklärt. Die betreffende Vorlage dürfte dem Bundesrath bereits in nächster Zeit zugehen.

Der Reichstag tritt an diesem Dienstag nach Ablauf der dreiwöchigen weihnachtlichen Ferienpause zur Fortsetzung seiner Arbeiten wieder zusammen. Stand der erste, am 16. November 1893 begonnene Sessionsabschnitt vorwiegend im Zeichen der neuen Handelsverträge mit Spanien, Rumänien und Serbien, so wird der jetzt anhebende neue Sessionsabschnitt des Reichstages in erster Linie von den weiteren Verhandlungen über die schwebenden großen Steuer- und Finanzreformfragen im Reiche beherrscht werden. Bis jetzt hat das Parlament die betreffenden Vorlagen nur flüchtig gestreift, konnte doch vor Weihnachten nur die Novelle zum

Stempelabgabengesetz in der Generaldebatte durchgenommen werden, während die Tabaksteuer- und die Weinsteuer-Vorlage, sowie der Entwurf des Reichsfinanzreformgesetzes erst noch die Generaldiscusston zu passiren haben. Um so entschiedener werden sich nunmehr diese wichtigen Fragen in den fernere« Verhandlungen des Reichstages geltend machen, immerhin werden aber bis zu einer vorläufigen Entscheidung, die bei der Specialberathung der betreffenden Entwürfe im Plenum zu erwarten steht, noch längere Wochen vergehen. Vielleicht, daß daher erst der nachösterliche Sessionsabschnitt die erstmalige Abstimmung des Reichstages über die Steuer- und Finanz­vorlagen und mit ihr eine bedeutungsvolle Entscheidung bringt. In der Zwischenzeit dürsten Fragen, die mit den verschiedene« hervorragenden Theilen des Reichsetats und mit der Colonial­politik Zusammenhängen, weiter die noch ihrer Erledigung harrenden Vorlagen zweiten und dritten Ranges ihre Rolle spielen. Ob der Reichstag in den nächsten Monaten auch dazu kommen wird, sich endlich mit dem deutsch-russische« Handelsvertrag zu befaffen, dies muß noch völlig dahingestellt bleiben, zumal ein positiver Ausgang der nun schon s, lange hierüber schwebenden Verhandlungen noch keineswegs ganz gewiß ist.

Die Ruhe in Kamerun ist seit Niederschlagung der Meuterei der eingeborenen Polizeitruppen nicht wieder gestört worden. Wenn jetzt trotzdem ein größeres Commando Marine­truppen von Wilhelmshafen nach Kamerun abgeht, so hat man hierin wohl nur eine für alle Fälle berechnete Vorsichts­maßregel zu erblicken. Die Verstärkungen dürften Anfangs Februar an ihrem Bestimmungsorte eintreffen.

Nerreste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Korrespondenz- Bureau.

Berlin, 5. Januar. Die anhaltend strenge Kälte, die ein starker Ostwind noch besonders empfindlich macht, ruft bereits vielfach Verkehrsstörungen hervor. Die Eisen­bahnzüge treffen mit großen Verspätungen ein und der Ver­kehr der Stadt- und Ringbahn war heute unregelmäßig und zeitweilig ganz unterbrochen, weil die Kälte die Heizröhren zum Gefrieren bringt.

München, 5. Januar. DieReuest. Nachr." versichern auf das Bestimmteste, daß die Memoiren Bismarcks vom Nachfolger des Cotta'schen Verlags (Gebrüder Kröner in Stuttgart) im Drucke bereits vollendet sind. DaS

Feuilleton.

Fanny.

Humoreske von Gebh. Schätzler-Pereffini.

(1. Fortsetzung.)

Der Feind versolgte ihn bis unter die Thür er drückte diese schleunigst zu, um aber gleich daraus einen knurrenden Ton auszustoßen. Mit der Thüre hatte er seine Schlafrockschnüre eingeklemmt- wie er davon wollte, hing er fest.

Alle Bomben und Granaten!"

Ein Helles Gelächter begrüßte ihn, als er die Thüre vorsichtig aufmachte.

Bist Du böse, Papachen?"

Laß mich, Hexe!"

Fort war er in seine Stube, er war ein Held aber ein Pantoffelheld.

Nun komme her, Mamachen," bat Aennchen,ach, ich habe Dir so viel zu erzählen."

Die Mama erschrak ordentlich.

Noch mehr?" fragte sie.Aber, Kindchen, was hast Du denn nur?"

Das Kindchen wurde sehr verlegen; es blickte sich hilflos um. Aber es war Niemand da, der ihm helfen konnte. Aennchen mußte schon alleine dran.

Ach, Mamachen, schenkt mir noch ein kleines Weilchen," bat der kleine Schelm.Es ist furchtbar wichtig, was ich Dir zu sagen habe"

Was Du nicht sprichst," sagte die erstaunte Mama. Sie nahm aber dennoch auf dem dunkelblauen Sammet- stuhle Platz, der in der Fensternische stand.Nun sprich, Aennchen!"

Das war gleich gesagt, aber gar nicht so schnell besorgt.

Aennchen hatte jetzt furchtbare Angst- sie holte sich das kleine Tabouret und ließ sich zu Füßen der Mama nieder.

Ach, das schöne, grüne Waldheim," seufzte sie schüchtern, hob dann die Hellen Augen flehend zur Mama und fragte: Du b'st mir doch nicht böse, Mamachen?"

Aber, mein Kind, böse! Warum soll Waldheim nicht schön und grün sein?"

Aennchen nickte.

Und wie warm die Sonne dort scheint viel wärmer wie hier und alles blüht und duftet und die gesunde Luft ach, Mamachen, ich traue mich nicht," flüsterte Aennchen und verbarg das hübsche Gesichtchen in den Kleider­salten der Mama.

Nun bitte ich Dich aber, Kindchen, ein wenig deut­licher zu sein- ich verstehe Dich nicht," drängte die Frau Oberst.Du bist ja heute sonderbar verwirrt. Wenn diese Veränderung die schöne warme Sonne und die gesunde Luff in Waldheim hervorgebracht haben, muß ich doch dafür danken."

Ja, die Lust," stotterte Aennchen, da sie gar nicht mehr wußte, was sie sagen sollte,und nicht wahr, Mamachen, j die Rosen sind die Blumen der Liebe? Hast Du auch schon ' einmal geliebt, Mamachen?"

Diese Frage war eigentlich sehr unüberlegt und die Frau Oberst hatte auch demgemäß die Antwort:

Aennchen, was sprichst Du denn da! Hast Du den Papa vergessen? Wenn Du aber nicht endlich klar redest, machst Du mich böse."

Aennchen fing an, laut zu schluchzen.

Ich bin ja ganz unschuldig. Was kann ich dafür, daß dort so viel Rosen blühen und so viel Liebe"

Wie meinst Du?" fuhr Frau Eulalie auf.

Allein Aennchen hatte die Frage anders verstanden.

Erglühend lispelte sie:Erich heißt er!"

Ja, wer heißt denn Erich? Die Rosen ?"

Ach, du lieber Gott!" rief erschrocken der kleine Schelm, i wie kannst Du mich so in die Falle locken, Mama!"

Verwundert schüttelte die Frau Oberst ihr Haupt.

Dieser Erich?"

Ach, nicht böse sein, Mamachen! Er ist ja zu lieb! Ich bin auch gar nicht schuldig an der Geschichte und j wie ich ihn wieder liebe und die Tante weiß es auch, ' Mama," sprudelte Aennchen hervor.

Frau Eulalie war aufgestanden- in ihren Zügen zeigte sich ein Zug von Strenge, gepaart mit der größten Ver­

wunderung. Aber nachdem sie ihr Kind angesehen, daS hilflos und reizend in seiner Unschuld zu Mama aufblickte, schwand die Strenge fast augenblicklich.

Sie nahm Aennchen bei der Hand und drückte sie sanft neben sich auf einen Stuhl.

Nun aber spreche ruhig und vernünftig, Kindchen, wenn Du willst, daß ich Dir helfen soll."

Freilich sollst Du mir Helsen bei Papa! Und Du thust es auch, nicht wahr, Mamachen? Du bist ja so lieb und gut," schmeichelte das Kätzchen.

Na, na," lachte die liebe gute Mama,eigentlich sollte ich mit Dir strenge ins Gericht gehen. Was das für Streiche sind! Hinter unserem Rücken"

Aber ich konnte Euch doch nicht dazu nach Waldheim holen," entschuldigte Aennchen.

Erzähle mir jetzt, aber ruhig."

Das Kind that es gerne- durfte es doch von ihm sprechen. Erich studirte Medicin, hatte einige Wochen eben­falls in Waldheim auch bei einer Tante verlebt, nachdem er kurz vorher den Doctor machte. Nun wollte sich Erich in der Residenz niederlaffen. Er war von gutem Hause, besaß weitgehende Verbindungen es konnte also gar nichts fehlen. Nur eine Frau brauchte Erich.

Ein unverheiratheter Doctor ist nicht gerne gesehen," hatte er Aennchen geklagt.

Und natürlich gab sie ihm Recht und antwortete:

Weßhalb suchen Sie sich denn keine Frau?"

Er war solch netter Mensch, weßhalb sollte sie ihm nicht einen guten Rath geben?

Sie schaute ihn bei ihren Worten ein bischen scharf an und er hatte gleich etwas gemerkt. Aber noch getraute er sich nicht- sie war so lieblich und so übermüthig lustig und er so entsetzlich schüchtern.

Endlich mußte er aber doch anbeißen- das kluge Köpfche« Annas brachte ihn bald herum.

Nachdem fand er ohne weitere Anleitung das rothe Lippenpaar. . . . Alles dies erzählte Aennchen der begierig lauschenden Mama.

(Fortsetzung folgt.)