»Affen. Aber wenn das Hilfewerk in rechter Weife angegriffen wird, so steht dafür auch zu hoffen, bafe, die Spuren des Erdbebens bald verwischt sind. Man hat dies vor einem Jahrhundert gesehen, als im Jahre 1783 das südliche Calabrten durch ein Erdbeben noch schwerer heimgesucht wurde wie in diesen Tagen. Die zerstörten Dörfer waren an anderer Stelle rasch wieder ausgebaut, Epheu und Gesträuch überwucherte die Ruinen und nach wenigen Jahren gemahnte nicht- mehr an das furchtbare Ereigniß. Die Regierung König HumbertS wird es sicherlich den Bourbonen jener Tage gleich rhun.
* Die Misvre des Kunstlerthums. Zahlen sprechen ost eine grausame Sprache. Parts, so recht das Land der freien Künste, hat neue Nachtasyle für Obdachlose. In diesen fanden Ausnahme während des letzten Jahres: 137 Schauspieler, 34 Concert- und Bühnensänger, 83 Musiker, darunter 12 Pianisten, 20 Architecten, 398 Zeichner, 27 Reci- tatoren, 28 Journalisten, 52 Gehilfen von Notaren und Advocaten, 14 Literaten, 17 Studenten und 272 Lehrer und Erzieher. Das ist noch schlimmer als bei unß.
* Der Brautwageu der Kaiserin von Rußland, der aus dem vorigen Jahrhundert stammt, ist seiner Zeit in Berlin angefertigt worden. Der Brautwagen, der 1856 bei der Krönung der Kaiserin Marie Alexandrowna benutzt wurde, hat an den Ecken vergoldete Amoretten und Karyatiden, am Wagenschlage das kaiserliche Wappen in imitirten Diamanten und auf dem Verdeck eine Krone zwischen vier großen Doppeladlern, sowie kostbare Spiegelscheiben. Damals war der Wagenbau in Berlin so angesehen, daß die Kaiserin Elisabeth daselbst mehrere Hofequipagen in Auftrag gab. Friedrich der Große, der mir der Kaiserin auf gespanntem Fuße stand, benutzte die Gelegenheit, diesen Prachtwagen, der 11 285 Thalcr kostete, ihr zum Geschenk zu machen. Der Wagen ging zu Waffcr von Stettin nach Petersburg, wo ihn der Oberst v. Große dem Gesandten v. Marchfeld übergeben mußte. Die Kaiserin, die der König in einem früheren Briefe die ^Semiramts des Nordens" nannte, beantwortete das Geschenk mit einem Schreiben, worin sie die schöne Arbeit des Wagens besonders hervorhob (d’un ouvrage tres-estimable).
* Eine ergiebige Zagd. Aus Wien berichtet das ^Wiener Tageblatt": Die erste Jagd im Groß-Wiener Gemeindegebiet hat vor Kurzem auf der Simmeringer Heide stattgefunden. Wohl an zweihundert Schützen nahmen an der Gemeindejagd Thetl. Das Jagdresultat war folgendes: Abgegebene Schüsse..... 2000
Geschossene Hasen ..... 20
Todte Hunde....... 2
Ein schwerverwundeter Jagdleiter.
Angeschossene Treiber .... 2
Waidmannsheil!
* Gutes Beispiel. Frau (zum Dienstmädchen): „Ich sage Ihnen nun heute zum letzten Male, Sie haben jeden Morgen um sechs Uhr aufzustehen, um mich um ne uff Uhr zu wecken- wenn Sie das nicht wollen, dann suchen Sie fich einen anderen Platz, — verschlafene Leute sind mir ein Greuel!"
Citeratiir rrnd Rrirrst.
iw der Menschheit. Eine populäre S)aiftdlung der magnetischen und elecirtschen Naturkräfte uvo.threr pracHfd). n Anwendungen. Nach dem gegenwärtigen Standpunkte der Wissenschaft bearbeitet von vr. A. Ritter v. Urbanitzky
^000 Abbildungen. Zweite, vollständig neu bearbeitete Auslage, in 2o Lieferungen zu 60 Psg. In Origtnal-Prachiband lo Mk. (A. Hartleben's Verlag in Wien.) Die Bedeutung, welche die El.ctrotechnik in fast allen Zweigen menschlichen Schossins errungen hat, macht es erklärlich, daß man überall, wohin nur überhaupt menschliche Cultur gedrungen ist, darnach strebt, sich mit den helvorragendsten Errungenschaften der modernen Electiotechnik be- kannt zu machen. Obwohl nun gute Fachzeitschriften bereits zu Gebote standen, machte sich doch bald der Wunsch nach einem zwar umfassenden, aber auch jedem Gebildeten verständlichen Weite geltend. Diese Aufgabe hat als Erster der Verfasser der Elecirtcttät im Die .sie der Menschheit gelöst, und wie die allgemein günstige Ausnahme mwietz, mit vollem Erfolge. Dieser Erfolg einerseits und andere,- seits die rascheo Fortschritte, welche auf allen Gebieten der modernen Electrotechntk seither gemacht worden sind, veranlaßten die Herstellung der nunmehr vollständig vorliegenden zweiten, vollkommen neu bearbeiteten Auflage. Wie durchgreifend diese Neubearbeitung erfolgt ist, dürste schon zu erkennen sein, wenn wir von ganz neu hinzugekommenen Capiteln, größer en und kleineren Abschnitten nur 'vlgende beispielsweise erwähnen: Ueber die Natur der Magnete, die Magnetistrungscurve, den magnetischen Kretsproceß, Hysteresis, über L>elbfrindvction, die Hertz'schen Versuche, über die Wirkung der electrischen Sttöme auf Menschen, Thiere und Pflanzen, über den Drebstrom, Accumulatoren und Transformatoren, Lettungsmalerialien und Leitungsbau, Ausbeutung der Naturkräfte und über Eleclrictläls- werke, das Schweißen, Löthen und Heizen, sowie die Aluminium- Gewinnung, über den electrischen Bahn- und Schiffsbetrieb, über electrilche Hebewerke und Ventilatoren, über Telrpbonc ntralen, Accu« mulatoren- und Maschinenbetrieb in Telegraphenämtern usw. usw. Es ist selbstverständlich, daß außerdem auch sämmtltche übrigen Caprtel vollständig dem gegenwärtigen Stande der Electrotechntk entsprechend umgearbettet worden sind. Ohne den wtssenschastlichen Eharacter aufzugeben, wurde j'doch eine jedem ©ebtlbehn verständ- Hdie Darstellung gewählt und dieselbe durch sorgfältig ausgewäblte Abbildungen und möglichst einfach gehaltene schematische Darstellungen unterstützt. Der Inhalt des gesammten Werkes zerfällt zunächst iu ote drei Hauptabtheilungen: Magnetismus und Electri- cttat, Erzeugung, Umwandlung und Leitung electrischerStröme und die practtsche Anwendungen der Elrctricität. Die erste Haupt- abtheilung bringt als Einleitung eine geschichtliche Darstellung der Forschungen über Magnetismus und Electrtcität und hieran reihen sich die magnetischen und electrischen Grunderscheinungen: auch die atmosphärische Electricität, der Erdstrom und das Nordlicht finden Erwähnung. Es folgen hierauf die Abschnitte über galvanische Electrrcität, Juduction und Electricität im Thier- und Pflanzenreich, womit die I. Hauptabteilung, welche die für das Verständntß der folgenden Abthetlungen notbwendige Grundlage darstcllt, abschließt. In der II. Hauptabteilung wird zunächst die Erzeugung der electrischen Ströme durch Maschinen, galvanische Elemente und Thermosäulen dargestellt, bann werden die Umwandlungs- und Reoulirunasmethoden durch Accumulatoren, Transformatoren, Aus- gletchsmaschinen und Regulatoren erläutert und schließlich finden die Leitungen, welchen gegenwärtig infolge der raschen Ausbreitung der Telephonte und der Staikstromtechntk hohe Bedeutung zukommt eine entsprechend ausführliche Schilderung. Die III. Hauptabteilung umfaßt sämmtltche Anwendungen der electrischen Ströme und ist in die Unterabthetlungen: 1. Das electrtiche Licht, 2. Galvanop'astik Electrochemte und Eleclrometallurgre, 3. Die elecirische Kraftüber- tragung, 4. Telephonte und 5. Telegraphie und Stgnalwesen abgetheilt.
— Eine klassische Länderkunde. Den Freunden der geographischen Wissenschaften widmet die Verlagtzhandlung des Bibliograph,schen Instituts in Leipzig und Wien eine prächtige Weihnachtsgabe in Gestalt des durch gemeinverständlichen, anziehenden und fesselnden Text wie durch wundervolle Illustrationen gleich ausgezeichneten Meisterwerkes »Europa«. Eine allgemeine Landeskunde von Dr. A. Phillip,on und Prof. Dr. L. Neumann, Herausgegeben von Prof. vr. Wilhelm Sievers. (Preis in Halb-
Kunden 16 Mk.). Das Buch erschien soeben als vierter, selbständiger Thetl des von dem genannten Verlag herausgegebenen großen geographischen Sammelwerkes „Allgemetne Länderkunde". •pxutT‘ "uen Male ist in diesem weit angelegten Unternehmen der Versuch einer Zusammenfassung unserer heut-gen gesammten Kenntntß "Oss, "er Erdbeschreibung in einheitlicher, übersichtlicher Form, gemein-- verständlicher Darstellung und bildlicher Anschauung unternommen Und practisch gelöst. Das epochemachende Werk wendet sich an die weitesten Kreise. Und in der That verdient Sievers „Europa" die
wärmste Empfehlung an Jeden, dem darum zu thun ist, sein positive- Wissen über uns ren Erdtheil auf der Grundlage einer ausreichenden, fiar.n Gesammt Ueberstcht zu erweitern. Allein das Buch übet trägt seine Vorzüge nicht nur auf die Darstellung des geographisch Wissens- werth'sten über Europa, sondern es wird auch in jedem Touristen und Reisenden, der dieses oder jenes Gebiet aus eigener Anschauung kennt, durch die naturgetreuen Abbildungen und durch die mit Citattn aus zuverlässigen Retsewerkcn versehenen Schilderungen von Land und Leuten eine Fülle von Erinnerungen wachrufen, gewonnene Eindrücke festhalten und zu neuen Excurfionen — sei es selbst bis nach Spitzbergen — Anregung geben. Wer den politischen Tages- fraoen Europas nachgeht, der gewinnt durch das Buch ein klares Bild der engeren Interessensphären der europäischen Länder und ihrer Beziehungen zu einander. Dem Kaufmann endlich wird der gegenwärtige Band geradezu unentbehrlich durch die eingehende und anschauliche Schilderung des Naturreichthums, der Productivität jed.'s Landes wie der gewaltigen Entfaltung des Verkehrswesens in Europa. — Der gesummte riesige Stoff ist in acht Abschnitten musterhaft bearbeitet worden. F-sselnd geschrieben sind besonders die dem zweiten Abschnitt angehörenden Schilderungen der Gletscher, der Hockalpen, der Karst - Erscheinungen, der Oberflächengestalt des großen russischen Reiches und im dritten Abschnitt die eingehende Darlegung der wechselvollen klimatischen Verhältnisse Europas. Besondere Erwähnung verdient der fünfte Abschnitt, welcher in Wort und Bild die mannigfaltige und doch im ganzen einheitliche Menschheit Europas dem Leser vorführt. Die großen Staatenbildungen dieser Bevölkerung und ihre großartige wirthschaftliche Entwickelung behandelt der sechste Abschnitt, unter Anderem mit werthvollen Beiträgen zu den socialen Verhältntssiu der Türkei, Bulgariens und Italiens. Jnstructiv unterrichtet dieser Abschnitt auch über die VolkSdichter Frankreichs, sowie über Deutschlands Bedeutung in wirthschaftlicher Beziehung. Das siebente Capitel, eines der besten und gelungensten, ist dem Verkehrswesen Europas gewidmet. Mit größter Sorgfalt, u b der angeftnbten Anschaulichkeit des Werkes entsprechend, ist dessen illustrativer Thetl behandelt. Außer 166 Abbildungen im Text enthält Sievers „Europa" 14 nach dem neuesten und zuverlässigsten Material bearbeitete Kartenbeilagen. Kleine Kunstwerke verdienen die beigegebenen 8 Tafeln in Farbendruck genannt zu werden, von denen die bildlichen Darstellungen desOrtler, des Vesuvs und der Bai von Neapel sowie der deutschen Volkstrachten einen geradezu bestrickenden Reiz auf den Beschauer ausüben. Werthvoll ergänzt wtrd der bildnerische Schmuck des Werkes durch 20 Tafeln in Holzschnitt, woraus besonders die Tafeln: „der Felsen- circus von Gavarnie", „die Engelsburg in Rom" und „der Hasen von Marseille" durch die Feinheit der Zeichnungen und vollendeter Wiedergabe im Druck hervorzuheben sind. — Die sonstige gediegene innere und äußere Ausstattung des Buches entspricht jener Sorgfalt, welche das Bibliographische Institut den Standard works seines Verlags herkömmlich widmet.
Technische Fortschritte.
- Eine« rasch erhärtende« «nd bindende« Kitt erhält man nach Pollack, wenn man fernpuloerisi-te Silderglätte (Bleioxyd) mit soviel Glycerin vermischt, daß ein dicker Brei entsteht. Dieser Kilt «st im Wasser unlöslich, wird nur von starken Säuren angegriffen, kann zum Verkitten von Stetnarbetten und von Eisen in Stein angewandt werden und verdient deshalb andern vorgeschlagenen Mitteln vorgezogen zu werden.
— Heizung ««d Lnfterueuerung ohne Ofen nut durch den Schornstein. Erne neue wichtige Erfindung ist durch das D. R.-P. Nr. 75726 für Herrn Friedrich Hollmann in Berlin geschützt. Sie ist ein Schornstein mit Einrichtung zur Ventilation und Heizung von Räumen. Zu diesem Zwecke ist der Schornstein in seinem Innern mit einem Wellblechrohr derart ausgekleidet, daß zwischen dem Rohr und der Schornsteinwandung von unten bis oben reichende Hohlräume entstehen. Ein Thetl dieser Hohlräume wird zu Heiz-, der andere zu Venttlationszwccken benutzt. Diejenigen Hohlräume, welche zur Ventilation dienen sollen, sind durch Canäle, welche die untere Schornsteinwandung durchschneiden, mit dem zu ventilirenden Raume verbunden und führen oben ins Freie. Die in diesen Hohlräumen befindliche, hoch erhitzte Lust wird infolge ihrer constanten Bufwärtsbewegung oentilirend auf den angeschlossenen Raum wirken. Die zu Hetzzwecken verwandten Hohlräume sind unten mit der atmosphärischen Luft durch Canäle verbunden, oben geschlossen und mit dem zu heizenden Raume verbunden, so daß die erhitzte Lust in diesen etnzutreten gezwungen ist.
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