In welchem sie verlesen wurde. — Die „Correspondenza Verde" bezeichnet die Rede des Königs ebenfalls als eindruckslos; sie habe nur Enttäuschung und Entmuthigung hinterlassen. Mit allgemeiner Ueberraschung sei constatirr worden, daß der König, nachdem er über den Tod Alexanders III. sein Bedauern ausgedrückt hatte, nicht ein Wort 'der Ehrung sür den Präsidenten Carnot gesprochen habe, der doch ebenfalls Chef eineS befreundeten Staates gewesen sei und besondere sympathische Erwähnung wegen seines tragischen Todes ver- dient HSttte. — „Diritto" vermißt ebenfalls mit Bedauern eine Erinnerung an Carnot In der Thronrede.
Petersburg. 4. December. In Rostoff am Don haben mehrere GetreideauSfuhr-Firmen beschlosien, nach Schluß der Schifffahrt vorläufig ihre Geschäfte wegen schlechter Rentabilität überhaupt aufzugeben.
Petersburg. 4. December. Unter den russischen Eisenbahn-Industriellen herrscht große Aufregung, da daß Ministerium für Wegebauten einen Vertrag mit einem französischen Hause abgeschloffen hat, welches sich in Rußland etablirt und auf 10 Jahre alle Schienen und Locomotiven zu dem heutigen Preise zu liefern übernommen hat.
Petersburg. 4. December. Es verlautet, Großfürst Constantin werde demnächst Minister für Volksaufklärung.
Odessa, 4. December. Seit einigen Tagen geht die Polizei äußerst streng gegen die Juden vor. Aus Malta wurden 80 und aus Grodno 400 jüdische Familien aus- gewiesen.
Tanger, 4. December. Der Mörder deS deutschen Hauptmanns Neumann ist gefangen genommen worden und hat bereits ein Geständniß abgelegt.
Sieben, den 4. December 1884.
** Ernennung. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 1. December den Ludwig Traber auS Sulza zum Hauptlehrer an der erweiterten Handwerkerschule zu Gießen zu ernennen.
*• Verzeichniß der Sitzungen de8 Schwurgerichts pro viertes Vierteljahr 1894:
1. Mittwoch den 5. December, Vormittags 9 Uhr, gegen Martin Bindewald aus Oher-Seibertenrod wegen Meineids. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, die Ver- theidigung führt Justizrath Baist.
2. Mittwoch den 5. December, Vormittags IP/2 Uhr, gegen Kaspar Herbst aus Roßdorf wegen Versuchs der Nothzucht. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Dr. Güngerich, die Vertheidigung führt Rechtsanwalt Dr. Fuhr.
3. Donnerstag den 6. und Freitag den 7. December, jedesmal Vormittags 9 Uhr, gegen Johannes Schröder III. aus Nieder-Besstngen wegen Meineids. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, die Vertheidigung führt Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch.
4. Samötag den 8. December, Vormittags 9 Uhr, gegen Marie Silberling aus Merkenfritz und Georg Imhof aus Wolferborn wegen Meineids. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, die Vertheidigung führen Rechtsanwälte Justizräthe Dr. Re atz und Dr. Schwarz.
5. Montag den 10. December, Vormittags 9 Uhr, gegen Heinrich Seibert aus Wetzlar wegen Zweikampfs mit tödtlichem Ausgang, sowie gegen Paul Kleiner auS Oels, Heinrich Gebhardt aus AlSfeld, Philipp Schick auS Jugenheim und Hermann Gräber vom Windhof bei Heuchelheim wegen Beihilfe dazu. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Dr. Güngerich, die Vertheidigung führen: für Seibert Rechtsanwälte Grünewald und Dr. Stein, für Kleiner Rechtsanwalt Holzapfel, für Gebhardt, Schick und Gräber RechtSanwalt Weidig.
** Sitzungen des Schwurgericht« der Provinz Oberheffeu vom 5. December 1894. Unter dem Vorsitz des Großh. Landgerichtsrath Wehner wurden heute die Sitzungen des Schwurgerichts des IV. Quartals 1894 eröffnet. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Martin Bindewald von Ober-Seibertenrod wegen Meineids. Die Anklage vertritt der Großherzogl. Staatsanwalt Koch, die Vertheidigung des Angeklagten führte Herr Rechtsanwalt Justizrath Batst. Der 26 jährige, bereits vorbestrafte Dienstknecht Martin Bindewald steht unter der Anklage, daß er am 3. August 1894 zu Nidda vor Großh. Schöffengerichte Nidda den in der Strafsache gegen Paul Metz von Karlstadt wegen Diebstahls vor seiner Vernehmung als Zeuge geleisteten Eid wiffentlich durch ein falsches Zeugniß verletzt habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Martin Bindewald und Paul Metz waren zu Anfang dieses Jahres in Eichelsdorf bei einem dortigen Müller, mit Namen Otto Schudt in Diensten - als Metz aus seinem Dienste bei Schudt wegging, nahm er ein Paar Zugstiefel mit, die
er vorher an Btndewald für 2 Mk. 50 Pfg. verkauft hatte. Metz glaubte zur Mitnahme dieser Stiefel berechtigt zu sein, weil Bindewald ihm trotz Aufforderung den ausbedungenen Kaufpreis nicht zahlte und weil dieser ihm den Betrag von 3 Mk., den Metz ihm darlehnswcise gegeben, nicht zurückerstattete. Die Zugstiefel waren in einen Koffer eingepackt worden, der an Metz nachgeschickt werden sollte. Auf Veranlaffung Bindewalds, der nach dem Weggänge des Paul Metz das Abhandenkommen der Stiesel bemerkt hatte und diese in dem Koffer vermUthete, wurde der Koffer polizeilich an- gehalten und geöffnet und es wurden die Stiefel in demselben gefunden. Anfangs April l. I. erhob nun Bind-.wald gegen Metz auf Grund des Abhandenkommens der Stiefel eine Anzeige wegen Diebstahls. Es wurde gegen Metz das Haupt- verfahren vor dem Schöffengerichte Nidda eröffnet, es kam zur Hauptverhandlung vor diesem Gerichte, die am 3. August 1894 stattsand, aber mit Freisprechung des Paul Metz en« bete. In dieser Hauptverhandlung wurde Bindewald als , erster Zeuge vernommen. Nach seiner Beeidigung erklärte
er zur Sache, Metz und er hätten Anfangs dieses Jahres gleichzeitig bei Müller Schudt in Etchelsdorf in Dienst gestanden. Als er Anfangs April einmal vom Mistfahren heimgekommen, hätte er gesehen, daß Metz seinen Dienst^ver- lassen und mit einem Koffer nach der Bahn gegangen sei. Da er alsbald das Fehlen seiner Zugsttefel entdeckt und Verdacht gegen Metz geschöpft habe, habe er die polizeiliche Beschlagnahme und Oeffnung des noch auf der Station Etchelsdorf gestandenen Koffers des Metz veranlaßt, wobei sich die Stiefel vorfanden, welche er dem Polizeidiener als sein Etgenthum bezeichnet und diese hierauf mitgenommen habe. Auf Vorzeigen der Stiesel erklärte Bindewald in der Schöffengerichtsverhandlung, „das sind meine Stiefel". Metz gab hierauf Erklärung ab, auf die Bindewald weiter angab: „Er habe dem Metz noch keine Stiefel abgekauft, diese Zugstiefel habe ihm Heinrich Lust neu gemacht, solche für seinen Fuß vorher angemessen. Nichtig sei nur, daß Metz ihm s. Z. 3 Mk. geliehen habe und er ihm solche noch schulde, Metz habe aber bis zu seinem Weggänge von Eichelsdorf dieses Geld noch nicht zurückverlangt. Metz habe ihm die Stiefel nicht verkauft, auch keine 2 Mk. 50 Pfg. für dieselben verlangt. Er habe vielmehr einmal zu ihm geäußert, die Zugstiefel seien ihm zu klein und ihn um lieber» laffung derselben gebeten, worauf Metz ihm die Stiefel geschenkt habe". Metz wurde damals freigesprochen, weil das Gericht den Angaben Bindewalds, trotzdem dieser unter Eid stand, keinen Glauben schenkt^. Bindewald hatte nach anfänglichem Leugnen in der Voruntersuchung zugestanden, daß er seine falschen Aussagen mit dem uollen Bewußtsein ihrer Unwahrheit unter Eid gemacht und mithin den von ihm geleisteten Zeugeneid durch ein falsches Zeugniß verletzt habe. Auch heute wiederholte er sein Geständniß. Nachdem die Geschworenen (Obmann Herr Georg Adam Kißner) die ihnen vorgelegte Schuldfrage bejaht halten, erfolgte Verurtheilung des Angeklagten in eine Zuchthausstrafe von einem Jahr sechs Monaten unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft. Dem Angeklagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt, auch die dauernde Unfähigkeit desselben, als Zeuge ober Sachverständiger eidlich vernommen zu weiden, ausgesprochen.
* * Wasserwerk. Zufolge eingetretener unerwarteter Verhinderung muß die für morgen (Donnerstag) vorgesehene Betriebsübergabe des Queckborner.Wasserwerks auf Freitag den 7. d. M. verschoben werden.
* * Spar- und Leihkaffe Gießen. Dem in der Generalversammlung am 3. d. Mts. erstatteten Verwaltungsbericht entnehmen wir Folgendes: Die gesammte Einnahme betrug im Jahre 1893 Mk. 1 791275.16, die Ausgabe Mk. 1 757 105.54. Die Einlagen betrugen zu Ende des Jahres 1892 Mk. 4 621560.37, es wurden während 1893 neu eingelegt: Mk. 990 079.71, dagegen zurückerhoben: Mk. 691 840.61, sonach mehr eingelegt: Mk. 298 239.10, so daß sich ein Bestand an Einlagen von Mk. 4 919 799.47 ergiebt, wovon Mk. 4 615 162.26 zu 31/2«/0, Mk. 304 637.21 zu 4 % verzinslich sind. Es sei hierüber bemerkt, daß die Einlagen der Dienstboten erfreulicherweise zugenommen haben. Die Zahl der Einlagebücher betrug Ende 1892 : 7805, zu- gegangen sind in 1893: 1338; es gingen ab : 763, so daß sich Ende 1893 ein Stand von 8380 Einlagebüchern ergiebt. Die einzelnen Etnlageposten betrugen in 1893 : 16 315, die Rückzahlungen 2185, zusammen 18 500, durchschnittlich 237 Posten auf einenZahltag. — Der Stand der ausgeliehenen Kapitalien betrug Ende 1892 insgesammt Mk. 4 863 632.36, während 1893 wurden neu ausgeliehen: Mk. 858 634.01, zurückempsangen Mk. 533370.63, daher Stand der ausge- liehenen Kapitalien Ende 1893 : Mk. 5 188 895.74, ergiebt gegen das Jahr 1892 sonach einen Zuwachs von Mk. 325 263.38, welcher hauptsächlich bet Hypotheken entstanden ist. Die Ausleihungen gegen Bürgschaft der Gemeinden haben wieder abgenommen, obwohl bei der Ausleihung unter dieser Rubrik eine Zunahme stattgefunden hat, die aber nur durch Ausleihungen an Gemeinden selbst dezw. die in den meisten Gemeinden gebildeten FeldbereintgnngSgenoffenschasten entstanden ist. Die Ausleihungen gegen Bürgschaft von Privaten haben etwas zugenommen. — Der Refervefond betrug zu Anfang des Jahres 1893: Mk. 383062.22. — Der Reingewinn berechnet sich au/ Mk. 28 332.50, Mk. 728.31 weniger als im Vorjahre. Der Ausfall ist veranlaßt durch Minderwerth an Staatspapieren. Die Pfennigsparkaffe hat 1893 eine Zunahme von Einlagen in Höhe von Mk. 676.50 ergeben; in Gießen selbst sind die Einlagen um Mk. 713 zurückgegangen, so daß der auf die Orte kommende Zugang eigentlich Mk. 1389.50 beträgt. Psennigspatkassen bestehen außer in Gießen in 12 Landgemeinden; die Zahl der Dereinsmiiglieder beträgt 42. — Die Gewinn- und Ver- luftrechnung stellt sich wie folgt: Einnahmen: Von Häusern und Gütern Mark 1200, Kapitalzinsen Mark 205126.31, verschiedenen Einnahmen Mark 2252.40; Ausgaben: Verwaltungskosten und Lasten Mk. 12 722.48, Zinsen und Einlagen Mk. 164 731.43, verschiedene Ausgaben exel. des für 1892 zu Unterstützungen verwendeten Betrages Mk. 2792.70, Reingewinn Mk. 28 332.50. Die beantragten und bewilligten Unterstützungen bezifferten sich insgesammt auf Mk. 11815.
* • Concert Verein. Das am Sonntag den 9. December stattfindende Concert dürfte zu einem der bedeutendsten gehören, welches wir in den letzten Jahren gehabt haben. Drei gleichwerthige, vorzügliche Künstler, von denen Jeder sein Instrument in virtuosester Weise behandelt, haben sich zu einem Ensemble zusammengesunden, wie es vornehmer kaum gedacht werden kann. Nicht eine Nebeneinanderstellung der Instrumente bedeutet das Zusammenspiel dieser Künstler, sondern eine organische Verbindung. Ebenso vornehm wie die fAussührenden ist zugleich das Programm derselben. Beethovens Trio B-dur, weiches den Reigen beginnt, ist eines der schwierigsten Werke überhaupt, dabei voll tiefer Gedanken und von einem Melodienreichthum, der den Hörer völlig gefangen nimmt. Raffs G-dur Trio, welches den
Abend schließt, wird zu den bedeutendsten Tonschöpfungen dieses Meisters gezählt. Die dazwischen liegenden Nummern^ in welchen die Künstler als Solisten auftreten werden, bergen eine Fülle des musikalisch Jntereffanten, stellen ober gleichzeitig an Technik und Vortrag die allerhöchsten Anforderungen. Herr Hofcellist Grünfeld hat sich drei aufierlefene Stücke gewählt, von denen das neckische Menuett von Valentin und baß Vito von Popper wahre musikalische Cabinet- ftückchen sind. Der Kammervirtuos Zajic erwählte sich die Ciaconna von Bach, eine Composition, an die sich nur ein Meister heranwagen darf. Die Eigenlhümlichkeit der Ciaconna besteht darin, daß die Unter ft Immen ein kurzes Baßthema fortwährend wiederholen, während die Oberstimmen bei jeder Wiederholung eine neue Variation bringen. Professor Pauer spielt die charakteristische Barca- rolle von Rubinstein und die zwölfte Rhapsodie von LiSzt (Joachim gewidmet); beide Compositionen stellen den Künstlern ebenso große, wie dankbare Aufgaben.
H. Neues Theater. Auf allgemeinen Wunsch wurde gestern Abend Mosers zugkräftiges Lustspiel „Der Veilchenfresser" wiederholt. Es ist ein guteß Zeichen, daß trotz der sogenannten modernen Geschmacksrichtung dieseß harmlos- lustige Stück immer noch den Beifall eines großen Publikums findet. Auch gestern wurde der witzigen Dialog und die komischen Situationen, die Moser gerade im „Veilchenfeesser" in reicher Fülle spendet, viel belacht und beklatscht. Besonders der dritte Act mit seinen mehr drastischen als militärischen Exercierplatzscenen erzielte eine stark erheiternde Wirkung; doch möchten wir hierbei bte Regie darauf aufmerksam machen, daß im Winter die Bäume kahl zu fein Pflegen und daß eß die Illusion empfindlich stört, Damen im Pelzcostüm in eine Sommerlandschaft treten zu sehen. Die Darstellung war sehr befriedigend. Den Hauptantheil zum Gelingen trugen die Damen Reiners und Gerl ach und die Herren O tt 0, Heyne und Hacker bei. Befonderß Herr Hacker, der den Reinhardt von Feldt zu seinen besten Rollen zählt, erntete großen Beifall. Herrn Ottos Victor von Berndt war diesmal viel schneidiger, als früher, und wurde dadurch zu einer tadellosen Darbietung. Von^Herrn Heyne können wir nur wiederholen, was wir bet der ersten Aufführung deS Stückes sagten, nämlich, daß sein Oberst von Rembach eine prächtige Leistung war. Die Vorstellung fand vor gut besuchtem Hause statt.
* * Panorama. Was Ludwig II. von Bayern, geleitet von seiner großartigen Phantasie, in seiner Laune durch Erbauung seiner Königsschlösser erschaffen hat, das ist einzig, das ist so wunderbar schön, daß die Welt AehnlicheS nicht bietet. Im hiesigen Panorama ist Gelegenheit geboten, die Schlösser, die sich wie wahre Zaubergebilde ausnehmen, in einziger Vollendung zu sehen. Die Wirklichkeit ist täuschend nachgeahmt. Wir sehen staunend den seidenen Glanz der Sammetplüsche auf Sesseln und Teppichen, den Schimmer des Goldes, das Flimmern der herrlichen Kronleuchter aus Vergcrystall, den feinen Quarzcrystall in der Politur der Marmorsäulen und Granit- und Porphyrwände. Wir bewundern die auf hohem Felsen thronende Burg Neuschwanstein mit ihrer herrlichen Rundficht, unbe vor Allem das inmitten des wunderbaren Chiemsees aus der Herreninsel erbaute Herrenchiemsee, dessen Inneres an üppiger Pracht und künstlicher Ausstattung Alles übertrifft. Das Gleiche gilt von Linderhof. Alles zu beschreiben, fehlt uns der Raum; wir empfehlen deshalb den Besuch auf das Angelegentlichste.
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* * Hebet das neuentberfte römische Castrum bei Okarben in der Wetterau (bergt, die diesbezügliche Mittheilung in letzter Nr.) wird uns von zuständiger Seite noch mitgetheilt: Bet der rastlosen Thätigkeit der Reichslimescommtssion und dem aufopfernden Eifer ihrer einzelnen Mitglieder ist eß nicht zu verwundern, baß jeden Tag bald da, bald dort auf der ausgedehnten Strecke deß Limesgebiets zwischen Donau und Rhein neue Entdeckungen gemacht werden. Herrn Pro- seffor Dr. Wolff von Frankfurt ist eß gelungen, in den allerletzten Tagen nun auch ein großes römisches Castrum bet und tn Okarben, Wetterau, nachzuweisen. Die mächtige Mauer an der Nord- und Westseite ist nachgewiesen. Das Dorf liegt zum größeren Theil mit Kirche und Friedhof innerhalb des Kastells, wodurch die genauere Erforschung wesentlich erschwert wird. Schon vor einigen Jahren hat der Oberhessische Geschichtsverein mit gütiger Hilfe des Herrn Kof ler innerhalb und außerhalb des Dorfes an verschiedenen Stellen gegraben, aber nichts von einem Kastrurn entdeckt. Nur Eftlichboden, Topfscherben, Heizröhren und Grabbeilagen wurden aufgefunden. — Ein Besuch des Castrums Okarben ist von Gießen aus leicht auszuführen. Mit Zug 2,18 Uhr erreicht man Okarben um 3,31 Uhr, besichtigt die Kastellreste in den Versuchsgräben und kann schon 5,14 Uhr wieder zurück- sahren.
* * Schutz der Handwerker vor Bauschwiudlern. Auf der in Mainz ftattgefunbenen Generalversammlung des LandeS- gewerbevereins für Hessen im August d. I. brachte der Ortsgewerbeverein Worms durch seinen Delegirten, Schlosser- meister L. Müller, einen Antrag auf Sicherung der Bauhandwe rker bet Neubauten ein und begründete denselben mit einer Reibe von Fällen aus dem Capitel des sogen. „Bauschwindels". Die Versammlung beschloß damals einstimmig, der Sache auf den Grund zu gehen und gesetzlichen Schutz anzustreben. Die Großherzogliche Central- stelle für die Gewerbe fordert nunmehr sämmtliche Gewerbe- 1 vereine des Landes mittelst Rundschreiben auf, ihr mit \ authentischem Material an die Hand zu gehen, wo Gewerb- i treibende durch sogen. „Hintermänner" um ihren Verdienst ! und ihr Material gekommen sind.
* * Zur Warnung für Hundebesitzer. Manche Hundebesitzer sind der irrigen Ansicht, daß zur Winterszeit daß Laufenlassen der Hunde in den Anlagen gestattet sei. Es ist dies durchaus nicht der Fall : auch im Winter richten die Hunde an den Beeten und namentlich an den Anpflanzungen Schaden an und ist die Schutzmannschaft angewiesen, aufs


