Ausgabe 
6.5.1894 Zweites Blatt
 
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bezirk Wiesbaden 5. Königreich Preußen: Provinz Nhein- lcmde 4, Provinz Hannover 1, Provinz Sachsen 1, Provinz Brandenburg 2, Provinz Berlin 1 , Provinz Schlesien 3, Provinz Ostpreußen 1; Bremen 1. Königreich Bayern 9, Königreich Sachsen 6, Königreich Württemberg 2; Groß- herzogthum Baden 2; Großherzogthum Mecklenburg 1. Thüringische Staaten 2; Herzogtum Sachsen-Altenburg 3. Ausland: Böhmen 1, Luxemburg 1. Hiervon waren: Arbeiter 32, Backer 3, Bergmann 1, Bürstenmacher 1, Färber 1, Former 1, Goldarbeiter 1, Heizer 1, Kaufmann 2, Kellner 2, Maschinenschlosser 1, Müller 1, Metallschleifer 2, Präger 1 , Posamentier 1, Schlosser 3, Schneider 6, Schreiber 2, Steindrucker 1, Schuhmacher 1, Schreiner 1, Töpfer 1, Tüncher 1, Tuchscheerer 1, Weber 2, Zimmer­leute 2. Gearbeitet wurde an 1658 Tagen, hierunter an 333 Tagen für fremde Rechnung. Verpflegt hat die Colonie an 1916 Tagen.. Im Monat April wurden entlasten 15 Mann, und zwar in Stellung durch die Colonie 1, in tue Familie zurück 1, auf eigenen Wunsch 12, wegen schlechten Betragens 1. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2488, dagegen abgegangen im Ganzen 2416 Mann, bleibt Bestand am 1. April 1894 : 72 Mann.

A Darmstadt, 1. Mai. Heute tagte im städtischen Saal­bau die Hauptversammlung des hessischen Landes Lehrervereins. Zahlreich waren Lehrer aus Nah und Fern erschienen und ui ungeahnter Weise füllten sich die weiten Räume des großen Saales und der Galerien. Fünf der erschienenen Gäste, hierunter auch der Festredner, waren die Mitbegründer des Vereins, der heute das Jubelfest seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens feierte, und dem die hessischen Lehrer die Anregung zur Besserung ihres Schulwesens verdanken. Der jetzige Obmann des Vereins, Herr Lehrer Backes dahier, begrüßte in herzlichen warmen Worten das hessische Schulmintsterium, welches, vertreten durch die Herren Geh. Staatsrath Dr. Knorr und die Geheimen Oberschulräthe G r e t m und S o l d a n erschienen war, ferner den Herrn Provinzialdirector von Marquard, Herrn Oberbürgermeister Morn eweg, sodann die Vertreter nichthessischer Lehrervereine und die sämmtlicheu erschienenen Mitglieder des hessischen Landeslehrervereins. Nachdem die Herren Geh. Oberschulrath Greim, Ober­bürgermeister Morneweg und Lehrer Dickel unter leb- haficn Bcifallbezeugungen dem Vereine zu weiterem Blühen unü Gedeihen die herzlichsten Glückwünsche zugerufen, er- gi^sten die Abgesandten des bayerischen, würltembergischen, badischen, pfälzischen und Wiesbadener Lehrererveretns das Wort, um dem Verein zu seinem 25 jährigen Jubelfeste die innigsten Segenswünsche zu entbieten. Andere Lehrervereine sandten Glückwunschtelegramme. Eine Erhöhung der Fest- snmmung trat noch ein, als Herr Director Fiedler von hier in seinem VortrageSonst, jetzt und künftig" die Schul- und Lehrerverhältniste der verschiedenen Zeiten in ihren Licht- unb Schattenseiten beleuchtete. Er zeigte, wie zu Anfang dieses Jahrhunderts der Lehrerstand sich aus ausgedienten -Soldaten und armen Handwerkern recrutirte, wie die Schul­gebäude meistens Armenhäuser waren, wie die Schulzeit zu kurz und die Leistungen der Schüler und in finanzieller Be­ziehung auch die der Gemeinden zu gering waren. Die Zett desWandelnsches", der Verrichtung niedriger kirchlicher Funktionen mit ihren zahlreichen Unannehmlichkeiten und schlimmen Folgen wurden geschildert. Die Pensionsverhält­nisse und der Witwengehalt waren kaum nennenswerlh. Erst tn der Gründung des Hess. Landes-Lehrerveretns sei die Ur­sache zur Besserung der jetzigen Verhältnisse zu suchen, und wenn diese auch nicht bedeutend seien, so dürfe keineswegs Ruhe im Vereinsleben eintreten, damit bis zur Feier des goldenen Jubiläums die Forderungen der Gegenwart erfüllt seien. Als solche bezeichnet er: 1. Gleichmäßige Regelung der Gehaltsverhältnisse der Stadt- und Landlehrer und Ueber- nahme des Gehaltes auf die Staatskasse. 2. Anrechnung der Wohnung bei Berechnung der Pension. 3. Erhöhung der

die nach Goethe unter dem Druck von Giebeln und Dächern, in der Straßen quetschender Enge, in Handwerks- und Gewerkes­banden, den wahren Frühling kaum jemals sehen, ihn nur, sich nach ihm sehnend, ahnen!

, Nun wandeln wir durch unseren ganzen Garten; überall haben uns die Bäumchen, die Sträucher, die Blumen, die jungen Gemüse­pflanzen etwas Neues zu erzählen, etwas Neues zu zeigen: wirtrauen kaum unseren Augen, an den Rosenstöcken des Matgartens die schon halb ausbrechende Blumenkönigin begrüßen zu dürfen! Daneben prunkt die japanesische Quitte; in ihrem Schatten läutet und ladet Maiglöckchen seine beschwingten Gäste zum süßen Morgenmahl. Dort eine ganze bunte Börsenversammlung von Tulpen, sie umsteht die dunkele Säule ihres kleinen Giftbaums, des Taxus, der eben das letzie Gold seines Blüthenstaubs auf sie herabwtrft. Gewaltig über­ragt daneben die deutsche Schwertlilie diese bunte Gesellschaft, läßt stolz aus ihren blauen Ritterhelmen die Straußenfedern wehen und verspricht ihrer schlanken Nachbarin Akelei), den Anemonen und farbenfrtschen Ranunkeln höchstthren Schutz bei jeder Fährltchkett. Dabei scheint sie kleine Blumenwespchen, als Liebesboten, hinüber zur mit Pfingstnelken gepolsterten Rabatte zu senden, um diesen lieben Psingstherolden, ob ihres fast berauschenden Wohlgeruchs, ihre Com- pltmente zu machen.

, Wir sind gerade noch versunken im Betrachten, wie diese Grüße bestellt werden, da schüttelt zu unserem Erstaunen eine mächtige Kat erkrone ihren Schopf mit dem ziegelrothen gewaltigen Glocken­spiel; die Blumenglocken schütteln und läuten so dringend, daß ihrer verborgenen Tiefe die Nectarthränen entfliegen: der Wind ists nicht es muß eine geheimnißvolle Kraft sein. Und das wars. Das dünne um den Schaft gewundene Schnürchen übt Verrath es wurde von verborgener schelmischer Hand gezogen: die Glocken sollten uns heranlauten, ins grüne trauliche Gartenhäuschen, wo auf blüht- weitz gedeckten Tischchen,, tm Schatten des lieblich duftenden Gats- Hande das Frühstück ausgestellt hatten! Wie schmeckt e8 da doppelt köstlich am morgenfrischen, sonnigen jungen Maitag! Dann gehts an die Arbeit: Gurken, Bohnen, Melonen legen. Winterkohlarten äen. Begießen, behacken, behäufeln und 'en. Hierauf Pelargonien, Fuchsten, Heliotrop, Lobelien, Ealceo- larien u. s. w. zu prächtigen Gruppen zusammenstellen. Rasen pfl'gen, die Obstformbäumchen entspitzen, auf Maikäfer- und Raupen- jagd gehen und schließlich von Herzen sich all des Schönen freuen was uns der Garten in der kurzen Spanne sonniger Frühlingszeit schon beute!

Heinrich Frhr. Schilling v. Eanstatt.

Unterstützung für die Hinterbliebenen der Lehrer. 4. Hebung der Vorbildung der Votksschullehrer und Ertheilung der Be­rechtigung zum Einjährige Freiwilligendienst. 5. Befreiung der Schule aus ihrer jetzigen Zwitterstellung und Umwand­lung in eine Staatsanstalt. Mit dem Wunsche, daß die Er­reichung dieser Forderungen zum Heile der Schule, Lehrer und des Vaterlandes gereichen möge, schloß der Redner, öfters durch reichen Beifall unterbrochen, seinen schönen Vortrag.

uv. Darmstadt, 2. Mai. Seitens der Großherzogl. Centralstelle für die Gewerbe ist nunmehr beabsichtigt, den Unterricht an der Landesbaugewerkschule auch auf die Sommermonate auszudehnen. Dieses Vorhaben wird gewiß in den Kreisen der Interessenten mit Freuden begrüßt, da hiermit der Baugewerkschule eine Organisation verliehen wird, welche andere derartige Anstalten Deutschlands schon lange besitzen. Es dürsten nun eine große Anzahl von jungen Baugeflissenen die Gelegenheit ergreifen und von dieser Neu - Einrichtung Gebrauch machen und dies umsomehr, als bekanntlich in den Wintercursen die Zahl der Schüler so groß ist, daß Viele abgewiesen werden müssen. In diesen Sommercursen soll' jedem einzelnen Schüler Rechnung getragen werden, was bet den Hebungen in technischen Fächern von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit ist. Ferner eignen sich die Sommermonate mit ihrem guten Tageslicht vorzüglich zum Construiren. Der projectirte neue oberste Curs bedeutet für die Baugewerk-Schule eine bedeutende Erweiterung ihres Lehrprogramms. Es sollen nicht nur Wiederholungen, sondern auch neue Fächer gelehrt werden, welche besonders für die Candidaten des Kreisbauaufseher - Examens von Wichtigkeit sind. Der Beginn der Curse soll schon am 15. Mai erfolgen.

A Mainz, 3. Mai. Neben dem ungünstigen Resultat der meisten Weinversteigerungen zeigen sich die Wirkungen der verschiedenen Weinsteuerprojecte noch immer sehr deutlich in der fortgesetzten merklichen Verminderung der Weineinfuhr in hiesige Stadt. So weisen die amtlichen Zahlen gleich dem Februar und den letztvorhergegangenen 6 Monaten der verflossene März wieder eine beträchtliche Mindereinfuhr auf, indem nur 8070 Hektoliter inländische Weine gegen 9237 Hekto­liter im Vorjahre eingeführt worden sind. Da im März vorigen Jahres die Einfuhr schon bedeutend geringer war, als in den Vorjahren, so läßt sich aus diesen letzten Zahlen sehr deutlich erkennen, daß gegenwärtig nicht nur der Wein­handel sehr gedrückt ist, sondern auch der locale Consum eine wirkliche Verminderung erfahren hat. In der Frage der Errichtung eines Heine Denkmals hier, die unnötiger Weise noch immer viele Gemüther erhitzt, hat jetzt auch das Lehrer­collegium des hiesigen Gymnasiums Stellung genommen. Nach dem Beschluß der städtischen Finanzcommission sollte nämlich dem Denkmal gegenüber dem neuen Gymnasialgebäude ein Platz gegeben werden, wogegen sich nun das Lehrer­collegium in einer Eingabe an die Bürgermeisterei aus päda­gogischen Gesichtspunkten mit Entschiedenheit wandte. Als Verursacher der am Montag Morgen hier stattgehabten Alar- mirung wurde nun ein Unteroffizier, Namens Knobloch vom 27. Artillerieregiment ermittelt und in Haft genommen. Der­selbe hatte sich im Signalblasen geübt und dadurch das Miß- verständniß hervorgerufen.

Vermischtes

* Marseille, 29. April. Ein 19 jähriges schmuckes deutsches Dienstmädchen, Dorothea Hilbenz, feuerte heute Nachmittag in belebtester Straße auf ihren untreuen Liebhaber vier Revolverschüsse ab und jagte ihm zwei Kugeln in den Nacken. Das Mädchen befindet sich im Ge- fängniß, der L ebhaber im Hospital.

* Eine romantische Geschichte wird aus Florenz be­richtet: In Grossetta, einem anmuthigen Städtchen Toskanas, lebte von der Welt zurückgezogen die Marquise V. Als ihr Gatte, der Kavallerie-Oberst Marchese P., noch lebte, hatte sie als Ehrendame der Königin zahlreiche Bewunderer ihrer Schönheit gefunden; feit er aber gestorben war, floh sie, ob­zwar erst 34 Jahre alt, alle Vergnügungen der großen Welt und lebte einsam der Erziehung ihres einzigen Kindes und der Bewinhschaftung ihrer Güter. Eines Tages nahte ihr ein Nachbar, Graf C., ein durch Reichthum und Bildung hervor­ragender, aber auch wegen feiner derben Manieren bekannter Edelmann. Er kam, um wegen des Ankaufs eines Grund­stückes zu unterhandeln. Die Verhandlung zog sich aber in die Länge, und da sie sich durchaus nicht einigen konnten, entfuhr dem Grafen in seinem Unmuth ein grobes Wort, das einer Dame gegenüber ' doppelt beleidigend war. Kaltblütig wies die Marchesa die Beleidigung zurück und forderte den Grafen auf, sich sofort zu entschuldigen.Marchesa", er­widerte der Graf,ich habe in meinem Leben bereits zwölf Mal die Klinge gekreuzt, ehe ich mich zu einer Entschuldi­gung verstand."Geschmackssache!" entgegnete die Marquise gle chgiltig ;übrigens, wenn es Ihnen auf ein Duell mehr nicht ankommt .. Rasch erhob sie sich, ging in ein Neben­zimmer und kehrte in wenigen Augenblicken mit zwei zier­lichen goldtauschierten Revolvern zurück.Belieben Sie, Herr Graf, mir zu folgen!" sprach sie in einem Tone, der keinen Widerspruch duldete. Stumm folgte er ihr. Sie gingen in den Fechtfaal des Schlosses.Herr Graf", fing die Mar­quise an,ich kann zwar die Klinge nicht führen, aber ich weiß leidlich mit den Dingern da umzugehen, da ich meinen Sohn im Schießen unterrichtet habe. Nehmen Sie 20 Schritte Distanz. Gestatten es Ihre Ahnen nicht, daß Sie ein Wort der Entschuldigung sprechen, so gestatten es die meinen nicht, eine Beleidigung hinzunehmen. Kein Wort Zweiter!"An­genommen!" antwortete er barsch. -Ihr Muth reizt mich, das Duell ohne Sekundanten anzunehmen. Sie sind die Be­leidigte- Sie haben den ersten Schuß." Sie schoß und traf; die Kugel war in seine Schulter gedrungen. Da erhob er die Waffe und schoß auf eine alte Rüstung, die in der Nähe der schönen Duellantin hing. Dann verneigte er sich und sprach: i

Die Waffen haben uns nicht versöhnt; wer weiß, ob dieses Werk nicht besser durch eine Kreuzung unserer Wappen ge­länge." Und es gelang. Vor wenigen Tagen stand es in allen Florentiner Blättern zu lesen, daß die Marchese P. und Graf C. im Dome den Schwur der ewigen .Treue ge­tauscht haben.

* Abenteuer eines Radfahrers. In Bukarest ist dieser Tage aus Koustantinopel ein ungarischer Radfahrer, Herr Jordan, der Sohn einer reichen Budapester Familie, in einer Verfassung angekommen, welche den Anhängern des Distanz­sports auf dem Fahrrad die Lust zu Velozipedfahrten nach den romantischen Ländern der Balkanhalbinsel wohl verderben dürfte. Besagter junger Mann hatte sich ein englisches Fahr­rad bester Constrnction in der Absicht angeschafft, auf dem­selben eine Tour durch die Balkanhalbinsel und, wenn möglich, durch Kleinasien zu machen. Durch Ungarn, Bosnien, Ser­bien und Bulgarien ging die Sache trotz mancher Abenteuer recht passabel. Der Fahrradreifende überstieg auch glücklich den Balkan aber in Ostrumelien hat ihn sein Geschick ereilt. Unweit Philippopel wurde derselbe eines Tages vom Ein­brüche der Nacht überrascht, bevor er noch das fahrplan­mäßige Nachtquartier erreicht hatte. Um nicht auf freiem Felde übernachten zu müssen, hielt er in einem abseits der Straße gelegeren Dörfchen an, wo er in einer den stolzen Namen einesHan" führenden armseligen Hütte mehr gegen Geld, als gute Worte Unterkunft sand. Müde von der Anstrengung des Tages suchte unser Reisender alsbald den ihn als Schlaf­raum angewiesenen Bretterverschlag auf, indem er fein Fahr­rad unter der Obhut des Wirthes in dem als Schanklocal dienenden, gewöhnlich nur am Sonntag von einigen durstigen Seelen besuchten Raume zurückließ. Der Wirth hatte das sonderbare Instrument zwar mit einigem Mißtrauen entgegen­genommen, doch würde er wohl dasselbe am nächsten Morgen unversehrt seinem Eigenthümer zurückgestellt haben, wenn sich nicht trotz der vorgerückten Abendzeit die Nachricht im Dorfe verbreitet hätte, es fei irgendein fremder Hexenmeister auf einem von unsichtbaren Geistern gezogenen Zauberwagen" im Wirthshause eingekehrt. Kaum hatte noch der Reifende feine Schlafzelle aufgesucht, um sofort in Morpheus' Arme zu sin­ken, als sich die kleine Schankstube mit neugierigen Bauern füllte. Bald war auch der Pope bei der Hand, der das Fahrrad zunächst mit Weihwasser besprengte, um die in dem­selben hausendenbösen Geister" unschädlich zu machen. Dann aber wurde über dasselbe, ohne daß es der Wirth zu hin­dern vermochte, Gericht gehalten und schließlich der verdäch­tigeZauberwagen" vor der Schänke in Stücke zerschlagen. Als dessen Eigenthümer bei Tagesanbruch seine Reise nach Philippopel fortsetzen wollte, blieb demselben Angesichts der vollzogenen Thatsache und des Umstandes, daß für ihn im ganzen Dorfe fein Fuhrwerk zu haben war, nichts Anderes übrig, als den ziemlich weiten Weg bis zur nächsten Bahn­station zu Fuß zurllckzulegen. Derselbe ist nun über Konstan­tinopel-Bukarest in feine Heimath zurückgekehrt, gedenkt aber trotz der gemachten traurigen Erfahrungen den Plan einer Fahrradreise durch die Balkanhalbinsel keineswegs aufzugeben.

* Ein Duell auf Dynamitbomben. Amerikanische Zeitungen veröffentlichen einen mit den schauderhaftesten Details aus- geschmückien ausführlichen Bericht über ein amerikanisches Duell auf Dynamitbomben also ganz fin de si^cle! bei dessen Lectüre den Lesern die Haare zu Berge standen und es ihnen eiskalt über den Rücken lief. Der Bericht schließt folgendermaßen:Als die Zeugen, die sich in ange­messener Entfernung gehalten hatten, auf den Schauplatz kamen, fanden sie Crackson vollständig zu einem Brei zu- sammengeschrnolzen und Metrockins war spurlos verschwunden. Sie fanb- n blos die Stiefel der beiden Gegner unversehrt vor. Diese stammten aus der Fabrik von .... (folgt der Name der Firma). Die Zeugen erklärten, daß die Ehre der beiden Gegner vollständig reingewaschen war."

Zur Maikäfer-Plage.

In Nr. 100 Ihres Blaties theilt ein Eorreipondtnt aus dem Horloffthale mit, daß dort beim Ackern Hinte'm Pflage 30 bis 40 Engerlinge aufgelesen werden können und ist der Meinung, daß mit diesem Sammeln derMaikäfetplage" am sichersten enigegen- gearbeitet werden könne.

Es ist zwar selbstverständlich wirksam, wenn auch Engerlinge vertilgt werden; aber der Einsender möge bedenken, daß beim Ackern, zumal auf schwerem Boden, in der Furche, welche 30 bis 40 Enger­linge bloslegt, mindestens die dreifache Zahl verborgen bleibt und von der folgenden Furche wieder untergeackert wird _@r wird es an seinen Dickwurzeln über Sommer erleben und spüren. Man muh auch bedenken, daß */z der Feldgemarkung im Früdjahr nicht geackert wird, nämlich das Winterfruchtfeld, woselbst der Engerling intact bleibt, weil er bei dem Ackern im Herbst schon unter der Tiefe der Pflugschar lag. t r _

Wenn dem Land- und Forstwirth im deutschen Reich der Engerling nicht über kurz oder lang die Haare vom Kopf fressen soll, dann muß die Sache anders angepackt werden, um der Engerltng- plage vorzubeugen. Von Mackäferplage kann eigentlich keine Rede fein, denn der Käfer selbst kann während seines kurzen zwei- bis dreiwöchentlichen Daseins nicht viel Unheil anstellen, weil er sich von Blättern nährt und den Ertrag der Obstbäume meist wenig birect schädigt, wohl aber als Engerling die Wurzeln des jungen Baume« benagt und ihn unter Umständen zum Absterben bringt. Gleichwohl laßt sich im Großen bem 4 Jahre lang fressenden Engerling nur dadurch beikommen, daß man die Käfer sammelt, also die Eltern, denn mit jedem Weibchen vernichtet man 25 bis 40 Enge> linge. Wirkung hat nur, w.nn dem Käfer auf der ganzen Linie der Krieg erklärt wird und hinreichende und wohlfeile Truppen können nur die Lehrer und die Schuljugend stellen. Die Regierung hat mit den für das laufende Frühjahr getroffenen Anordnungen zum Käfersammeln den richtigen Weg gewählt; leider scheint er nicht überall betreten zu werden. So gut wie im Interesse der Landwtrthschast@rntefetien* undKartoffelferien" gehalten werden, müßten auchMaikäferfertm" angeordnet werden und zwar im Interesse der Landescultur. EL würde schon genügen, wenn die Schulstunden vor 10 Uhr im Mai ausfielen ober Nachmittags nachgehalten würden, um zum Käfersammeln billige Arbeitskräfte zu erhalten. Der Engerling bat in Deutschland, namentlich auch in den Wäldern, eine höchst gefähr­liche Verbreitung gewonnen, welche den Bodenertrag jährlich um Millionen schädigt. Die Gemeindeoorstände sollten sich daher durch die vier- bis fünfjährigen Flugjahrpausen nicht einschläfern und abhalten lassen, Alles zur Vertilgung des Käfers zu thun, wa« nur in ihren Kräften steht, wo und sobald er erscheint.

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