Ausgabe 
6.5.1894 Erstes Blatt
 
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Nr 104 Erstes Blatt.

Sonntag den 6. Mai

1894

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und Anzeigeblatt für den K«i» (Riehen.

[icher Zwangsarbeit verunheilt worden sind, eine anarchistische Gegendemonstration" hervorgcrusen wird. Leider läßt sich nach Lage der Sache Seiten« der spanischen Regierung so gut wie gar nichts thun, um die zu befürchtenden neuen Attentate der einheimischen Anarchisten zu verhüten.

Die Franzosen bemühen sich, zu zeigen, daß sie noch keineswegs an der Grenze ihrer militärischen Leistungsfähig­keit in Bezug aus daS Menschenmaterial angelangt .sind. Dem FachblatteProgr.'s Militaire" zufolge soll die im französischen Budget für 1895 vorgesehene Vermehrung der Effectivbestände der Armee 230 Osfiziere und 34597 Mann betragen; dieselben sollen zur Erhöhung der Bestände bc' 6. und 7. Armeecorps, die bekanntlich in den Grenz- bezirken gegen Deutschland hin stehen, dienen. Man darf einigermaßen darauf gespannt sein, ob den Franzosen dre geplante Vermehrung ihres Heeres um 35 000 Mann ge (Ingen wird, da eS schon in den letzten Jahren seine großen Schwierigkeiten hatte, die etatmäßige Sollstärke der franzö­sischen Armee mit der Iststärke in Einklang zu bringen.

den Willen ihrer Arbeitgeber am 1. Mai feierten, theils durch die in manchen Orten sich jetzt zeigende erhöhte Strikelnst der Arbeiter. Der erstere Fall ist z. B. in Berlin emge- treten, wo in einer Anzahl Brauereien die daselbst beschaf. tigten Böttcher, weil sie am 1. Mai zur Arbeit nicht er­schienen waren, Seitens der Directionen bis zum 7. Mai ausgesperrt worden sind. Die gemaßregelten Böttcher haben hieraus durch die Forderung eines Minimallohnes von 30 Mark, einer neunstündigen Arbeitszeit und eines 25pro- centigen Zuschlages geantwortet und wollen sie zur Erreichung ihrer Forderungen eventuell den Generalstrike proclamiren. Anderseits ist der Strike z. B. der Bergleute in den Gruben- revieren an der österreichischen Nordbahn vom 2. Mai ab ein fast allgemeiner geworden, während aus Wien n ue Aus­schreitungen der strikenden Tischlergesellen, offenbar unter bem Einflüsse der Maifeier begangen, gemeldet roerben. Der­artige Nachwirkungen des Arbeiter-Maifestes sind gewiß un­erfreulich und bedauerlich, aber die Verantwortung hierüber fällt eben aus die schrankenlose Agitation zu Gunsten des

löt Innontm-eurtaut M In- unb MuiltuM n*e* «njeifen für brnditfctntt Kneifte mtyy.

Amtliche^ Theil.

Nr. 16 desReichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 26. v. Mts.,

<Nr. 2164.) Internationale Uebereinfunft, betreffend Maßregein gegen die Cholera. Vom 15. April 1893.

Nr. 17 de» Reichs Gesetzblatts, ausgegeben den 28. v. Mts.,

<nt^ä(9lr. 2165.) Gesetz wegen Abänderung des Gesetzes, betreffend die Erhebung von Reichrstemvelabgaben, vom 1. Juli 1881 2wm 27. April 1894.

29. Mai 1885. , u .. .

(Nr. 2166.) Bekanntmachung, betreffend bte Redactton des Reichsstempelgesetzes. Vom 27. April 1894.

Gießen, 4. Mai 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

lm|v< »en »n,eigen ju btt B.chm.tfg, ftr b«n I Attttisßfifttdt*. SfattttfttttßfäftCr.

WynM* tu er'che.nend<v Nummer bii ®.rm 10 Ubr I V____________

Gefunden. 1 Tafchenmeffer, 1 Sporn, 1 Kleiderauf­hänger und 1 Frauentasche mit Inhalt.

Gießen, den 5. Mai 1894.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Frese niu».

Deutfche» Reich.

9wi» a m?flt Ti^r Großfürst-Thronfolger

^lüBtn und Ganzen rühig verlaufen, worüber wohl all- fettig Genugthuung herrscht. Immerhin treten hier und da unerquickliche Folgen der Maifeier der Arbeiterschaft zu Tage, theils durch dieAussperrung" von Arbeitern, welche gegen

Weltfeiertages" zurück.

Ausland.

Die belgischen Dynamitbolde scheinen sich neuerdings die Stadt Lüttich zum Schauplatz ihrer unheimlichen Kund­gebungen ausersehen zu haben. Wiederholt sanden in Lüttich wahrend der letzten Wochen kleinere Dynamitexplosionen statt, am Donnerstag Abend nun ist in genannter Stadt wiederum ein Dynamitattentat begangen worden, welches Unheil genug 'nrichtete. Vor dem Hause des Dr. Renson in der rue e la paix erplodirte eine Bombe, wodurch Dr. Renson und essen Gattin erhebliche Verletzungen erlitten, während das ienson'sche Haus iheilweise zerstört wurde- in den Nachbar- äusern zersprangen zahlreiche Fensterscheiben. Heber den igrniUchen muthmaßlichen Zweck des. Schurkenstückes liegen och keine näheren Nachrichten vor, ebensowenig ist etwas der seine Urheber bekannt.

Auch die Anarchisten in Spanien dürsten in ächster Zeit wieder etwas von sich hören laffen. Wenigstens steht zu vermuthen, daß der jetzt soeben gefällte Urtheilsspruch deo Kriegsgerichts zu Barcelona, wonach von den beim Attentat auf den Marschall Martinez Campos beteiligt ge- wesenen Anarchisten sechs zum Tod und vier zu lebenSläng-

Neueste Nachvichteiu

Wolffs telegraphisches Corresponbenz-Bureau.

Breslau, 4. Mai. Im Laufe deS gestrigen TageS gingen in Bolkenhain und Umgegend schwere Gewitter und Wolkenbrüche nieder, die große Ueberschwemmungen ver­ursachten. Der Schaden ist sehr bedeutend und noch nicht zu übersehen. DaS Waffer der Neiffe stieg zu einer me beob­achteten Höhe; viele Brücken wurden weggeriffen.

Graz, 4. Mai. DaS Schicksal der in der Schake l- höhle eingeschloffenen, den schrecklichsten Qualen preis- gegebenen Menschen verursachte in der Grazer Bevölkerung eine seit Jahren nicht mehr wahrgenommene hochgradige Er­regung. Nach einem Wiener Telegramm werden die steyrischen Abgeordneten am Schluffe der heutigen Sitzung des Abge- ordnetenhauses den Minister des Innern interpelliren über die Katastrophe im Lvegloch, insbesondere wird sich die Inter­pellation mit der unzulänglichen Hilfeleistung beschäftigen und den Behörden Mangel an Energie und Umsicht zum Bor­wurfe machen. Heute Mittag sind die Rettungsdämme ge­schloffen worden- man hofft Nachmittags mit den eigentlichen Rettungsarbeiten beginnen zu können.

Graz, 4. Mai. Durch den Semriachbach brangtn Abends Arbeiter bis zum Slam In des LueglochS- der Eingang in

Feuilleton.

Wochendriesc ans ber Rksidrn?.

(Ortgtnalbericht für denGießener Anzeiger".)

Z. Darmstadt, 4. Mai. fein Knnstlersiibilaum. Die neue Leitung de« tzoftheater». Der Familienadend zu Ehren Otto Roquettes

Arn vergangenen Montag waren es vierzig Jahre, daß Herr Hoftheaterdirector T h e o d o r^Wün z e r seine Laufbahn als Schauspieler begonnen hatte in der That ein Tag, der der würdigen Begehung werth erscheint. In Regensburg betrat Wüuzer, nachdem er daS Gymnasium durchlaufen und sich dann juristischen Studien zugewandt, zum ersten Male die weltbedeutenden Bretter und zwar als Valentin in Goethes Faust". Von dort rief den vielversprechenden jungen Künstler bald ein Engagement nach Augsburg, von da nach Würzburg, Kissingcn, Zürich und Chemnitz, wo er überall, wenn auch nur kürzere Zeit wirkend, dock recht große Erfolge zu ver­zeichnen hatte. Im Jahre 1856 erhielt dann Wünzer einen Rus na* Weimar, wo er unter der Leitung deS berühmten Dingelstedt acht Jahre laug verblieb und sich deS steten Beifalls oller Kunstverständigen erfreute. Von den nun noch folgenden Engagements ist besonders Meiningen zu erwähnen, daS damals gerade, gesördert durch die Munisicenz und den Kunstsinn deS Herzogs Georg begann, sich zu einer der ersten Pslcgstätten wahrer Kunst emporzuschwingen. Im Jahre.1874 endlich wurde des Künstlers Wanderleben beendet durch seine Berufung an unsere Hofbühne, an der er seit dieser Zeit unausgesetzt und mit dem größten Erfolge wirkte. Sein QcdiguS",Götz",Wallenstein",Macbeth" re. sind Ge- stalten, die den Mitgliedern unserer Bühne immer zum leuchtenden Vorbilde gedient haben. Aber nicht nur als Darsteller, auch als Director und als Mensch ist der Jubilar stets für die, die ihn kannten, eine beliebte Persönlichkeit ge­wesen, was der herzliche Ton, der in der erhebenden Fest­feier überall durchklang, nicht zum Mindesten bewies. Auf der mit frischem Grün und zahllosen electrifchen Lampen prächtig herausgeputzten Bühne hatte sich am Vormittag des vergangenen Montags daS gejammte Personal des Großh.

HoftheaterS und der Hofmusik eingefunden und begrüßte den in Begleitung sämmtlicher Regisseure ankommenden Herrn Director mit einem Festchor aus der OperTituS". DaS Wort ergriff hierauf Herr Cabinetsrath Röm Held, um im Namen Sr. König!. Hoheit des Großherzogs dem greisen Jubilar Höchstdessen Glückwunsch zugleich mit dem Ausdrucke des Bedauern« zu übermitteln darüber, daß der langjährige Leiter des Hoftheaters nunmehr die Absicht hege, sich von dem Schauplatz seiner Thätigkeit zurllckzuziehen, dabei wurden dem Jubilar zum Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste daS Comthurkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen und der TitelGeheimer Hofrath" ver- liehen. Tief ergriffen dankte Herr Wünzer für diese Beweise landesväterlicher Gunst, in der er nicht allein den Beweis der Anerkennung seiner persönlichen Thätigkeit, sondern eine Ehrung aller seiner Mitarbeiter, also des ganzen Personals des Kunstinstituts erblickte. Er schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Königl. Hoheit den Großherzog Ernst Ludwig, daß von allen Anwesenden begeistert ausgenommen ward. Hieran schloß sich eine Rede deS Herrn HosschauspielerS Werner, der eine mit den Unterschriften aller Mitglieder des Personals versehene, künstlerisch auSgeführte Adreffe über­reichte und zugleich in herzlichen Worten die Gefühle der Liebe und Verehrung der Untergebenen zu ihrem Chef zum Ausdruck brachte. Sein Hoch galt dem scheidenden Herrn Wünzer, der als Director, als Künstler und alS Mensch sich die reichsten Sympathien aller Mitglieder deS Hoftheaters erworben habe. Nachdem dem Gefeierten dann noch eine Adreffe der Bühnengenoffenschast, ein mächtiger Lorbeerkranz NamenS des Gesammtpersonals, und ein silberner Pokal von Frau Clara Ziegler überreicht worden war, dankte dieser in bewegten Worten und übergab dem Hoftheaterensemble sein Bild, daS Herr Werner dankend entgegennabm und mit einem Hoch auf den Förderer der Künste und Wiffenschaften, Se. Königl. Hoheit den Großherzog die erhebende Feier beschloß. Auch von vielen anderen Seiten waren dem greifen Künstler ehrende Aufmerksamkeiten erwiesen worden. So hatte die Loge Johannes der Evangelist zur Eintracht demselben durch Herrn Hauptmann Zernin ein wundervolles Ro'enbouquet übersandt, Herr Oberbürgermeister Momeweg NamenS der

Stadt Darmstadt schon früh gratulirt; auch die Mitglieder des Großherzoglichen Hauses hatten den Künstler mit ihren Glückwünschen beehrt, und fast unzählig endlich waren die Telegramme und Schreiben der auswärtigen Collegen desselben. Mögen die Wünsche, die darin ausgesprochen sind, in reichstem Maße in Erfüllung gehen!

Jetzt, da Herr Wünzer scheidet, wird eS für Ihre Leser von Jntereffe fein, etwas von dessen Nachfolger zu erfahren. Hierfür ist Herr Emil Werner, eine der ältesten und bedeutendsten schauspielerischen Stützen unserer Hofbühne' auSersehen. Allerdings ist Herr Werner bis jetzt nur zuw Oberregiffeur ernannt und zugleich mit den Functionen des Directors betraut, weshalb in den hiesigen Tagesblättern die Vermuthung auftauchte, es würde nach dem Beispiele anderer Hofbühnen auch hier ein Intendant ernannt werden, ja sogar Namen wurden für diesen Posten schon erwähnt, da jedoch bis jetzt nichts Ofsicielles hierüber verlautet, gewinnt bte Annahme immer mehr Wahrscheinlichkeit, daß wie fein Vor­gänger auch Herr Werner nach einiger Zeit ebenfalls den TitelHoftheaterdirector" erhalten wird. So erfreut man allenthalben über diese Rangerhöhung deS beliebten Künstlers ist, so bedauert man sie saft in anderer Hinsicht wiederum, obwohl man sich bewußt ist, dadurch egoistisch zu handeln, aber wir Menschen sind nun einmal so: Herr Werner wird nämlich, da die Geschäfte der Direction sehr umfangreich sind, jedenfalls lange nicht mehr so oft wie seither im Stande sein, auftreten zu können, eine Thatsache, mit der alle unsere Theaterbesucher nur ungern rechnen.

Von sonstigen Ereigniffen dieser Woche will ich nut noch die ursprünglich für letzten SamStag angesagte, aber auf Mittwoch den 2. Mai verschobene Roqnette-Feier im Saalbau erwähnen, die unter außerordentlicher Betheiligung Seitens der Bürgerschaft einen glänzenden Verlauf nahm. Es wirkten mehrere Künstler unb geschätzte dilettantische Kräfte unserer Stadt mit, die im Verein mit dem Männerchor HurnanitaS" und dem Musikverein Roquette sche Dichtungen zum Vortrag brachten. Natürlich fehlte es auch nicht an zahlreichen Reden und Toasten, die dem Jubilare galten, der in voller Frische dem schönen Feste beiwohnte.