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5.7.1894 Erstes Blatt
 
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Nr 154 Erstes Blatt. Donnerstag den 5. Juli

1894

Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dc« MontagS.

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Gießener Anzeiger

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Nonefte Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Corr espondenz-Bureau

Wien, 3. Juli. Die Veranstalter der Demonstration gegen Nothnagel wurden behufs Einvernahme zum Rector beschieden. Am schwarzen Brette prangt eine neuer­liche Ermahnung an die Studentenschaft, sich der Demon­strationen gegen Nothnagel zu enthalten. DaS Rectorat hat verfügt, daß zur Vorlesung blos inscribirte Hörer Zutritt erhalten.

Budapest, 3. Jult. Das Magnatenhaus erledigte die Tagesordnung, darunter die Delegationswahlen und ver­tagte sich bis zum 25. September. Bei Beginn der Sitzung gedachte Präsident Szlavy mit Worten des Abscheus der Ermordung CarnotS, die nicht nur von der Familie und der französischen Republik, sondern von der ganzen Welt beklagt wird. Der Präsident gab Namens des ungarischen MagnatenhouseS dem Beileid für die Familie des Verblichenen und der Antheilnahme an der Trauer Frankreichs Ausdruck und wünschte die Protocollirung dieser Kundgebung.

Paris, 3. Juli. Auch heute fanden in Choish le-Roi Zusammenrottungen französischer Erdarbeiter statt. Die GenSdarmerie schützte die Bauplätze, wo Italiener beschäftigt sind. Viele derselben verlassen die Gegend.

Paris, 3. Juli. Die Regierung beabsichtigte, von den Kammern die Bewilligung einer Pension für Madame Ear n or zu verlangen als Zeichen der nationalen Dankbar­keit für die dem Vaterlande von Carnot geleisteten Dienste. Madame Carnot lehnte dieses Anerbieten ab, indem sie dafür dankte.

Paris, 3. Juli. Es verlautet, die Regierung werde den Amnestie-Vorschlag verwerfen wegen des gehässigen Characters, der mit der Maßregel für daS Andenken Carnots verknüpft wäre.

Konstantinopel, 3. Juli. Der König von Serbien besuchte gestern, nachdem er vorher den ökumenischen Patriarchen empfangen hatte, das Patriarchat, wo er mit allen Ehren ausgenommen wurde. Am Abend fand im Jildiz-Kiosk ein Diner statt, an dem der Großvezier, das diplomatische Corps und der kaiserliche Hofstaat theilnahmen. Heute empfing der König die serbische Colonie.

Depeschen deS Bureau »Herold^.

Berlin, 3. Juli. In einer gestern vom deutschen Antisemitenbund abgehaltenen Versammlung führte der Abgeordnete Dr. Förster nach derNat.-Ztg." über die Ursachen der Ermordung Carnots aus, Carnot habe in Frankreich die Plutokratie herausgebildet, welche als der Anarchismus von oben bezeichnet werden müsse. Carnot sei daher nach einer Richtung nicht unschuldig gestorben, weil er nicht richtig regiert habe.

Berlin, 3. Juli. Die Mittheilung, daß die Kaiserin die Nordlandreise bereits in Malmö abbrechen werde und von dort auS zuriickzvkehren gedenke, ist völlig unzutreffend. An der ursprünglichen Bestimmung, daß die Kaiserin ihren Gemahl biS nach Trondhjem begleitet, ist bt6 jetzt nichts geändert und es dürfte voraussichtlich auch bei dieser Bestimmung bleiben.

Berlin, 3. Juli. Vom 4. d. Mts. an findet eine Be­sichtigung des Nord-Ostsee-Canals durch Mitglieder des BundeSraths statt. Auch der Reichskanzler wird an derselben theilnehmen. Die Arbeiten zur Herstellung des Nord-Ostsee Canals sind bereit« so weit vorgeschritten, daß mit Bestimmtheit auf die Eröffnung der neuen Wasserstraße zum Sommer nächsten Jahres gerechnet werden kann.

Berlin, 3. Juli. Dem Vernehmen derM. P. C." zufolge sollen vom 1. October 1894 ab alljährlich 10 ältere Lieutenants der Infanterie, Cavallerie und Artillerie je für die Dauer eines Jahres zur Luftschiffer-Abtheilung commandirt werden.

Berlin, 3. Juli. Ein hiesiges Blatt theilt mit, daß Herr v. Kotze, welchen Ausgang auch immer die Unter­suchung gegen ihn nehmen werde, nicht mehr in den Hofdienst zurücktreten wird. Die Vernehmungen werden fortgesetzt.

Wien, 3. Juli. DiePol. Corr." meldet aus Rom, dortige politische Kreise seien der Ansicht, daß diesmal mehr Aussicht auf das Zustandekommen eines internationalen Uebereinkommens gegen den Anarchismus wie früher sei. Dagegen constatirt eine Berliner Zuschrift, daß sich die deutsche Regierung einem solchen Uebereinkommen gegenüber weiter ablehnend verhalt. Nach der Ansicht des Reichskanzlers Caprivi sei eine Verbesserung der Polizei das wirksamste Mittel gegen den Anarchismus. Die französische Polizei stehe nicht auf der Höhe der Situation und habe große Fehler begangen.

Budapest, 3. Juli. In der südungarischen Gemeinde L o v r i n wurde in dem Schloß eines Gutsherrn eine Höllen­maschine aufgefunden. Eine diesbezügliche Untersuchung hat ergeben, daß unter den Arbeitern am Eisernen Thor sich viele Anarchisten befinden, welche sich mit der Anfertigung von Bomben und Höllenmaschinen befassen und zur Propaganda der That aufreizen.

Turin, 3. Juli. Ein reicher Gerbereibesitzer wurde gestern Abend das Opfer eines anarchistischen Dolchattentats. Der Hingemordete soll in einem öffentlichen Local erklärt ( haben, jeder Mann habe die Pflicht, den ersten besten Anar- ! chtsten, der ihm begegne, niederzuschießen. Zwei Stunden später war er den Anarchisten verfallen.

Paris, 3. Jult. In der heute durch Dupuy zur 93er- , lesung gebrachten Botschaft führte Casimir Perier etwa Folgendes aus:Er sei nicht ein Mann der Partei, ; er gehöre Frankreich und der Republik an. Nachdem durch ein Verbrechen Frankreich der Präsident g:raubt wurde, welcher sieben Jahre der Hüter der Institutionen gewesen, soll uns die Erinnerung an diesen Edlen leiten. Er sei ent­schlossen, für die republikanische Demokratie die nöthigen ; Sitten zu entwickeln und habe die feste Absicht, nach sieben Jahren die Geschicke Frankreichs in andere Hände zu legen. Frankreich, welches von den Regierungen und Völkern ein- mülhige und rührende Sympathiebeweise empfangen hat, könne sich seiner selbst und im Vertrauen auf Heer und Flotte hoch­erhobenen Hauptes seine Friedensliebe versichern. Es werde ein großer Herd des intellectuellen Lichtes, der Toleranz und des Fortschritts bleiben. Senat und Kammer werden den Wünschen des Landes entsprechen, indem sie sich der Prüfung aller Maßnahmen widmen, die dem guten Namen Frankreichs dienen, Landwirrhschaft, Industrie und Handel entwickeln und den öffentlichen Credit befestigen. DaS Parlament wird zu beweisen wissen, daß die Republik nicht eine unfruchtbare Rivalität individuellen Ehrgeizes, sondern ein fortwährendes Streben nach dem materiellen und moralischen Besten ist. Sie ist die nationale Ausdehnung fruchtbarer Gedanken und edler Triebe, sie ist ihrem Wesen nach eine Regierung, die, wenn sie von unverdienten Leiden ergriffen wird, es sich zur Ehre rechnet, niemals Diejenigen zu täuschen, denen sie anderes schuldet, als bloße Hoffnungen. Die Regierung ladet Sie ein, diesen Ideen zu dienen. Das Herz Frankreichs hat sie seinem Vertreter eingeflößt, um ihren Triumph vorzu­bereiten. Vereinigen wir unsere Bemühungen. Die Ver­gangenheit gibt Lehren, aber Frankreich wendet seine Augen nach der Zukunft. Seine Zeit verstehen, an den Fortschritt zu glauben und ihn zu wollen, das heißt die öffentliche Ord­nung und den socialen Frieden sichern."

Paris, 3. Juli. Der Marineminister und Admiral Gervais statteten auf der deutschen Botschaft den Dank für die Begnadigung der beiden französischen Offiziere ab.

Paris, 3. Juli. Am 14. Juli findet keine Truppenschau statt, auch alle Volksbelustigungen fallen auS. Die Fest­fonds sollen für mildthätige Zwecke verwendet werden.

Paris, 3. Juli. Die Polizei fand bei dem verhafteten Anarchisten Leger eine halbfertige Bombe.

Madrid, 3. Juli. Der Marquis de Cuba, der Führer der Pilger, welche sich anläßlich des Papstjubiläums nach Rom begaben, sollte gestern von einem anarchistischen Ar- beiter erdolcht werden. Ein anderer Arbeiter warf sich dazwischen und fing den Stoß mit seinem Leibe auf. Der Marquis blieb unverletzt, der Arbeiter wurde schwer ver­wundet- der Attentäter befindet sich in Haft.

Washington, 3. Juli. In Regierungskreisen beobachtet man die Vorgänge in Chicago nicht ohne Besorgniß. Die Regierung ließ die strikenden Eisenbahnarbeiter wissen, daß sie etwaige Meutereien mit allen ihr zu Gebote Gehenden Mitteln niederhalten und zu diesem Zwecke den Bundestruppen in Chicago Verstärkungen Äsenden werde.

Darmstadt, 4. Juli. Der König von Sachsen ist um 11 Uhr 35 Mm. mittelst Extrazuges wieder abgereist. Der Großherzog begleitete den König zur Bahn und ver­abschiedete sich herzlich.

Cocafc* ttirö provinzielle*

Gießen, den 4. Juli 1894.

* Sitzung Großh. Handelskammer vom 29. Zuui 1894. Anwesend die Herren Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Kraatz und Wo rtmann. Auf der heutigen Tagesordnung stand wiederholt die Ausführung des am 1. October I. I. in Kraft tretenden Reichsgesetzes zum SchutzederWaaren- bezeichnungen. Die Kammer hat es nicht unterlassen,

auf die Wichtigkeit dieses Gesetzes durch einen Aufruf in den hiesigen Zeitungen hinzuweisen. Derselbe ist bis jetzt nur theckweise von den Interessenten bethätigt worden. Wir ver­fehlen daher nicht, an dieser Stelle nochmals darauf hinzu­weisen. Das Kaiserliche Patentamt in Berlin ist zur Vor- Prüfung der Waarenbezeichnungen gesetzlich verpflichtet. ES liegt daher nur im Interesse der Anmeldenden, dieselben möglichst bald der Kammer mitzutheilen, damit dem Patent­amt seine schwierige Aufgabe erleichtert wird. Von der Handelskammer Hagen lief eine Petition zur Unterstützung ein, betr. die Abänderung des § 136 der Gewerbeordnung (Dauer der Arbeitsstunden der jugendlichen Ar­beiter). Dieselbe wurde einer Commission zur Berathung überwiesen und wird die Kammer nach Berichterstattung der­selben in der nächsten Sitzung definitiv zu der aufgeworfenen Frage Stellung nehmenDer Kaufmännische Verein hat über eine Reihe wichtiger, die neu gegründete kaufmännische Fachschule verbunden mit Lehrlingsheim berührende Gegen­stände eine Generalversammlung einberufen. Die Kammer, die von Anfang an den gedachten Bestrebungen des Vereins ihr regstes Interesse entgegenbrachte, hat auf Wunsch de« letzteren die fraglichen Gegenstände einer Vorberathung unter­zogen und ihren Vertreter, Herrn R. Scheel, beauftragt, daS Resultat derselben in der Generalversammlung des Kauf­männischen Vereins zum Ausdruck zu bringen. Der Kammer gingen Mittheilungen über zweifelhafte Firmen in England und Spanien zu, ferner Berichte über die Geschäftslage, namentlich über die Creditverhältnisse in Ru­mänien, über den deutschen Exporthandel in der Schweiz, sowie den Handel und die wirthschaftlichen Verhältnisse Nor­wegens, um sie den an denselben interessirten Kreisen, insbe­sondere den Exporteuren, bekannt zu geben. Die Mtt- theilungen find zur Veröffentlichung nicht geeignet, stehen aber in gewohnter Weise den Interessenten auf unserem Bureau Zwecks Kenntnißnahme zur Verfügung. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz übersandte der Kammer einen Auszug aus einem Bericht des ViceconsulatS in Rustschuk über die wirthschaftliche und handelspolitische Bedeutung von Donau-Bulgarien. Derselbe liegt eben­falls auf dem Bureau zur Einsicht offen. Sodann referirte der Vorsitzende über die am 27. Juni l. I. stattgehabte, von ihm besuchte 25. Sitzung des Bezirks-Eisenbahnrath- in Hannover. Betreffend die wesentlichsten, seit der letzten Sitzung im Bezirke der Königlichen Eisenbahn - Direction in Kraft getretenen Aenderungen und Erleichterungen im Per­sonen- und Güter-Verkchre berichtete der Regierungßvertreter über die Erstellung eines Ausnahmetarifs für Kalstalz und auf diesseitiges Betreiben erfolgte Einstellung eines Abend­zuges FrankfurtGießen, Ankunft Gießen 930, mit Anschluß in der Richtung Wetzlar und Marburg. Die Vorlage der Königlichen Direction, ob es sich empfehle, den Artikel Speck, sonstige Fletschwaaren, Rohmarg arine und Schmalz in den Ausnahmetarif für den Verkehr mit den Elbe-, Weser- und Emshafen-Stationen vom 1. Januar 1892 aufzunehmen, wurde gegen den Widerspruch der Vertreter der Landwirth- schaft angenommen- es war der Hinweis ausschlaggebend, daß gegenüber der Einfuhr über deutsche Häfen die zehnfache Tonnenzahl über Holland und Belgien z. Z. importirt und durch Annahme der Vorlage ein vermehrter Import der deutschen Rhederei, deutschen Häfen und Bahnlinien zu Gute kommen werde. Eine weitere Vorlage der Direction,die den Eisen- und Stahlwaaren der Specialtarife I und II im Verkehr nach den Seehäfen für den Jnlandsverbrauch zugestandenen Frachtermäßi­gungen nicht weiter zu gewähren", wurde fast ein­stimmig abgelehnt. Referent sprach der Direction den Dank der Kammer aus für die Gewährung der erwähnten Zug­verbindung und verband damit eine Interpellation bezüglich der Durchgangszüge 75 und 76, darauf hinweisend, daß die Verhandlungen in der Sitzung vom 5. Januar zu der Er­wartung berechtigt hätten, die genannten Züge würden des Platzkarten-Zwanges entledigt, dafür die Züge 73 und 74 als Durchgangszüge eingestellt werden. Nun sei letzteres erfolgt, ohne dafür jene Schnellzüge dem freien Verkehr zurückzugeben. Nachdem auf wiederholte Vorstellung an Se. Excellenz Herrn Minister Thielen, Seitens der Handelskammer Gießen, von höchster Stelle kein Bescheid ertheilt worden sei, erbitte man sich eine Auskunft über den Stand der Angelegenheit von Königlicher Direction. Der Regierungs Vertreter war nicht in der Lage, eine bestimmte Erklärung abzugeben, da eine definitive Entscheidung des Herrn Ministers nicht vorliege.

* DaS erste Concert der Rnsfischen Gesellschaft in Steins Garten war außerordentlich gut besucht und hatte, was rotr