Ausgabe 
4.10.1894 Erstes Blatt
 
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in Gefahr. Selbst blc vielen Hinrichtungen, die täglich statt- finden, schüchtern blc Truppen nicht ein. In traurigem Zustande ist ber Rest ber bei Ping Uang zersprengten Armee in Mnkbcn eingetrvsten. Gerüchtweise verlautet, baß 36000 Japaner zwischen Tientsin nnb dem Hoangho gelandet sind.

Monbon, 2. October. Auö Tokio wirb gemeldet: 29 Kolonnen ber siegreichen japanischen Armee baden aus ihrem Marsche nach dem Norben alle festen Plätze an ber Grenze besetzt, ohne baß ihnen irgendwelcher Widerstand entgegengetreten wäre. Das Gros folgt den Borposten ziemlich rasch, trotzdem da- Borwärt-dringen wegen der Ber- proviautirung und he« Transportes der Artillerie mit vielen Schwierigkeiten verknüpft ist. Die Japaner sanden auf ihrem Wege keine fliehenden Chinesen, doch viele fortgeworfene Massen nnb eine Anzahl völlig niedergebranuter Dörfer.

Welches sind die erzieherischen Ergebnisse des Handfertigkeits-Unterrichts im

Besonderen?

1. Die Handarbeit entwickelt neben den Turnen blc körperliche Kraft, Gewandtheit und Anstelligkeit deö Knaben I und macht ihn durch heilsamen Wechsel der Thätigkeit wider­standsfähiger gegen die rein geistigen Anstrengungen. Sic beeinflußt die physische Entwickelung ber Zöglinge insofern, als sie mannigfaltige s körperliche Bewegung fordert und im Gegensatz zu der Gehirnarbeit eine vielseitige Muökelthätig- kett hervorruft. 2. Der Arbeit« Unterricht entwickelt durch vielseitige Schulung in der geschickten Führung der gebräuch­lichsten Werkzeuge die allgemeine Handgeschicklichkeit. 3. Er erzieht, indem er ihren häusigeu Gebrauch fordert, die Sinne des Kindes, vornehmlich entwickelt er zusammen mit dem Zeichenunterrichte die Fähigkeit des AugeS, scharf und richtig zu sehen. Er bildet die Anschauung, lehrt da« Kind beobachten und gibt ihm Gelegenheit, eigene Erfahrungen zu machen.

Hiernach ist der ArbeitS-Uuterricht am nächsten mit bem Turnen, Zeichnen und mit dem eigentlichen Anschauungs­unterricht verwandt. Durch ihn wirb aber die von Pestalozzi geforderte Anschauung intensiver gestaltet, sie wird bis zu ber mit jeder practischcn Arbeit ««trennbar verbundenen Er­fahrung weitergeführt. Der ArbeitS-Unterricht ist gleichsam ein gesteigerter Anschauungsunterricht- bei ihm kommt daS Kind vom Beobachten nicht loS, denn die praktische Arbeit ist ohne Sehen, ohne stetes Beobachten ganz unmöglich- er erzieht also nicht durch da« Wort, souderu durch die That.

4. Der ArbeitS»Unterricht entwickelt dcn Formensinn und daS Wohlgefallen am Schönen, er legt den Grund zur Bildung des Geschmacks. 5. Er bient aber auch uumittelbar ber geistigen Ausbildung. Da er nämlich Einsicht und klares Berständniß für blc zu lösenden Aufgaben unerläßlich macht, so schärft er die Aufmerksamkeit und übt im folgerichtigen Denken. Er- erweitert durch mannigfache Erfahrungen immciit- Uch die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse deS Schülers und entwickelt blc Fähigkeit, praktische Dinge zu becirtheileu.

Auch insofern steht die erziehliche Hanbarbeit im Dienste ber Geistesbildung, als sie manche unklaren Borstellungen, welche vom theoretischen Unterricht her geblieben sinb, aufhcllt. Dies geschieht namentlich dann, wenn solche praktische Arbeiten hergestellt werden, welche mit bem Schulunterrichte in Beziehung stehen, indem sic die im Unterrichte entwickelten Begriffe praktisch darzustellen nöthigen. (Beziehungen zur Planimetrie, Stereometrie, zum Rechnen, Zeichnen, Anschauungs­unterricht, zur Culturgeschichte, Naturbeschreibung, Geographie, Physik und Chemie).

tt. Die Handarbeit leitet den SchasienStrieb in richtige Bahnen, führt zur Freude am Arbeiten und über daS Ge­arbeitete, gewöhnt zu sorgfältigem Ausführen der ArbeltS- aufgaben mib erzieht dadurch zum Fleiß und anderen »vlrth- fchaftlichen Tugenden. So schult sie die WilleuSkraft für daS Handeln und bient ber Entwicklung fester Eharaetere. Indem der Arbeits-Unterricht den Knaben nllthlgt, physische Schwierigkeiten zu überwinden, fordert er seine Willen»- krast heraus und entwickelt sic durch die stusenmäßige Be­wältigung aller nacheinander auftretenden Hindernisse, blö blc Anspannung der Energie durch die schließliche Erreichung des Zieles, der fertigen Arbeit, Ihre glückliche Lösung findet.

In der Leitung deö kindlichen ThätigkeitStriebeS und in ber Erziehung des Willens ist die wesentlichste Eigenschaft und die vornehmlichste Bedeutung deS ArbcitS-UnterrichtS gegeben. Höchstens könnte ihm hierin das Turnen an die Seite gesetzt werden. Während aber das letztere die Willen»» euergie auf kurzdauernde Leistungen zusaunnenrasit, sie gleichsam zur explosiven Wirkung bringt, verlangt der Arbeit» Nnterricht die Anipanuung des Willens auf längere Dauer - bei ihm schließt sich ein WlllenSact an den anderen und dadurch wird die Stetigkeit, die nicht zu erschlassende Zähigkeit des Willens hervorgerufeu. Jede vollendete Arbeit ist aber daun ein Sporn zu neuem kräftigem Streben. Mit dem Können wächst die Freude am Schaffen, damit aber entwickelt sich die Thal- kraft, die characterfeste Selbständigkeit. Niemals kann ein fester Wille durch Worte ausgeredet werden, er vermag sich nur durch daS Handelu zu entwickeln. Deswegen muß ber Arbeit» Unterricht allein schon wegen der Dienste, die er der Wlllendblldung lelftel, gefordert und gefördert werben.

Cocafc* tttr- Heovittzlelles.

Meßen, den 3. Oktober 1894.

** Ernennung. Seine Königliche Hoheit der G roß- Herzog haben Allergnädlgst geruht, am 23. September den Weinbaulehrer Emmerich Mayer aus Berneastel a. d. Mosel zum Direktor ber Wein- und Obstbauschule 311 Oppen­heim, mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. au, zu ernennen. -

Sitzung beb Schwurgerichts der Provinz Oderheffeu am 2. Oktober 1894. (Schluß). Charakteristisch waren die

, Aussagen der Ehefrau Hof und b et Wittwe Schadt. Ihnen | gegenüber hatte nämlich Frau V-rodcvcndt am Tage der Straskammerverhandluug nach ber.i Schlüsse derselben mit» getheilt, die K»,stein (d. i. die Fra u Pohl) kann jetzt auv- reiben, sie hat drei Tage und die Moftcu gekriegt, die hätte« ihr sechs Woche« gegeben, weun sie gekonnt hätte« und wenn wir" nicht gewesen wären." Die Ehefrau Hof gewann hieraus sofort den Eindruck, als ob blc Frau Grodcvenbt damit sagen wolle, sie habe der Frau Pohl durch eine falsche Aussage herauSgeholfcn. Die Geschworene« (Obmann Herr L)r. A«gust Trapp) ko»,Uten sich von der Schuld btt Angeklagten nicht überzeugen, woraus auf ihrNichlfchuldig" Freisprechung der Angeklagten erfolgte.

* Sitzung de« Schwurgericht« der Provinz Oberheffeu am «. Oktober 1894. Zur Berhandlung kam heute hie Strafsache gegen Ea6par Berk von Stockhausen Wege»» Verbrechens wider die Sittlichkeit. Die Anklage vertrat der Grvßh. Staatsanwalt Sch Illing-Trygopyvrus. Die Bertheldigung des Angeklagten führte Herr RechtSanivalt Ile. Schwarz. Als Geschworene wurden anSgeloost die Herren: Johannes Heinrich Jhring, Jacob Wilhelm Lemp, Wilhelm Schwenk 111., Philipp Blecher 11., Wilhelm Reichert I., Kreutzer Hl., Wilhelm Grieb !!., Simon Bieber, EaSpar Kalbfleisch II., Oberförster Bücking, Anton Romps VH. und Heinrich Schmalbach IV. Der 28jährige Dieustkuecht Caspar Berk von Stockhausen ist eine« Verbrechens im Sinne deö § ' 77 deö Strafgesetzbuchs augeklagt. Die Verhandlung sand unter Ausschluß der Ocsfentlichkeit statt. Nachdem die Geschivorenen (Obmaun: Herr Obersörster Bücking) daö Gchiildlg bezüglich Verliichö deö Verbrechens im Sinne bcü § 177 deS Strafgesetzbuchs ausgesprochen, wurde Angeklagter in eine Gesängntßstrase von neun Monaten vcrnrthellt.

H. Neue« Theater. Vor schwach besetztem Hause gab man gestern Abend Steillemanuö SchwankMedicinische Citren". Ein harmloses Stück, das gerade so gut jeden beliebigen andere»» Titel führen könnte, erfüllte seinen Zweck, einen Abend angenehm atlözufüllen, vollkommen. Mit der Wiedergabe waren wir im Allgemeinen recht zufrieden. Wenn eine neue Trtippe zusammengetrete», ist, bedarf eS erst einiger Zeit, ehe sich die einzelnen Mitgliederauseinander eingespielt haben", wie man zu sagen pflegt. Das war auch heute ein wenig fühlbar - aber mir sind weit davon entfernt, Regie oder Mttwlrkelideu hieraus einen Vorwurf mache»» zu wollen, denn wir sind überzeugt, daß bei den fluten Anlagen, die wir bemerkt haben, in kürzester Zelt ein flottes Zu­sammenspiel 311 Stande kommen wird. Die Leistungen im Einzelne»» Ware»» zwar nicht immer einwandfrei, doch »nüsie»» wir auch hier bei» neuen Verhältnisse» Rechnung trage»«. Herr und Fran RcinerS sinb unS ja längst keine Fremden mehr- wir freuen UNS, feststellen z»» können, daß sie sich die guten Elgclischasen bewahrt haben, blc Ihne»» so schnell blc Gunst be« Publikums errungcu. Herr Retnerö war in MaSke und Spiel mit seinem warnlei« voi» Herzen koimnenden Hillnor ein trefflicher Gutsbesitzer Matteuklott und Frau R ei nerS entzückte wie immer burd) Ihr frisches Spiel - sie war heute ein reizeuder Backfisch. Von bei» übrigen Mtt- wirkeuden müssen iviv besonders Herrn Hacke r als Caudidat Flügge lobend erwähnen. Alle anderen Rollen waren in fluten Händen, doch wäre im Allgemeinen langsameres und deutlicheres Spielen oft sehr z»» wünschen gewesen. Dem Souffleur müssen wir noch a»«S Herz legen, nicht zuvorlaut" zu sein. Für heute niögen diese allge»neiue»» Bemerkungen genüge»,, wir werde», im Laufe deS Winters Gelegenheit haben, a»»f die Leistungen der einzelnen Glieder des EnseuibleS näher etuzugehen. Dem Gießener Publikum aber möchten wir schon jetzt die llnterstützung des ReincrS'schen lluternehmenS warm empfehlen. Wir gla»iben versichern zu dürfen, daß wir einer genußreichen Spielzeit entgcgengehe«.

* DaS Kruse fche Streichquartett, welches am Donnerstag Abend (4. Oclbr.) feine letzte Ouartctt-Soiree auf dem Lahustein eröffnet, erntete in verfloffener Woche in Wetzlar, woselbst es tm dortigenCasino" spielte, reichen Beifall. DieWetzl. Nachr." berichten darüber u. A.: Kein geringerer als Beethoven eröffnete mit seinem F-dur-CUmrtett die Reihe der Tonstücke. Die Wiedergabe dieses echt Beethovcn'schc»» Geist athmenden Werkes war ohne jede Einschränkung eine ausgezeichnete. Daö kurze, rhythmisch eigenartige Thema, auS deut sich der erste Satz aufbaut, hob sich in allen Stimmen klar und scharf begrenzt hervor, ebenso wurde das Adagio sehr innig und gesühlvoll vorgetragen, namentlich leistete hier das Cello Vorzügliches, indem eS die eigenthüm' llchen Durchguerungcn und Gegensätze zu den gesaugreiche»» Viollneu wirksam und edel markierte. Auch daS neckische Scherzo und der feurige Allegro-Schlußsatz nmvbc»» von den Küustier»» knapp und markig aus iesührt. Eine glänzende Blrtuosenleiftung bildete das Cello-Solo: 0 Cara memoria von Servals, den» der Vortragende eine ebensolche, Schweizer» lied von C. Coßmaun, auf Verlangen als Zugabe folgen ließ. DaS Vtollnsolo: Concert Nr. 8 von Spohr, mit seiner süßen Cantileuc fand gleichfalls beifällige Aufnahme und hatte als Zugabe ein Nocluruo von Chopin im Gefolge. ES dürfte somit allen Liebhabern feiuste»! klassischen Kammer styl» in dem Kammerumsikabend der Familie Kruse em Kuustgeliuß seltener Art geboten worden fein.

** Gebrauchsmuster - Eintragung. BentllationSa»ilage für Wohngebäude re., gekennzeichnet durch Lnftkauäte an den Zwticheudecken, mit burchbrocheneu Wänden, Ludwig Sculiug. Gießen, 25. .Juli 1891

** Sonntagsruhe in den Anwaltbnreaur. Auf der Tages­ordnung der nm 6. d. in Darmstadt ftaitfiudendeu Jahre»- Versammlung der Anwalikatntner steht außer der Bericht­erstattung über Verlauf nnb Beschlüsfe deS AnwalttageS zu Stuttgart die Einführung der Sonntagsruhe für die Anwalt- Bureaux.

** Für 0 Züge mit tarifmätziger Plahgebühr. Sv lautet j letzt der Aufdruck auf den Fahrkarte«, die bisher nur mit dem VermerkGiltig für alle Züge" versehen waren und die auf de», Strecke», beiiutzt werden, aus denen D-(Har-

monlka-)Züge verkehren. Damit ist der Streit auö der Welt geschafft, ob blc bisherigen Fahrkarten mit dem Auf­druckGiltia für alle Züge" auch zur Benutzung der Durch- gangSzüge ohne Zahlung der Platzgebühr berechtigten. Die Eisenbahnverwaltung fordert bekanntlich Platzgebühren, und blc Gerichte, die über diese Anordnung der Verwaltung in Anspruch genommen wurden, entschieden theilS für, theilS gegen die Kläger. Vo», jetzt ab brauchen sich die Gerichte mit dieserDoctorsrage" nicht mehr zu beschästlgeu, denn die Karten mit obigem Vermerk verpflichte», natürlich tarifgemäß zur Zahlung ber Platzgebühr.

** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Dlenstknca^ Jakob Graf auö Alteubach wegen Diebstahls vom AmtSann,'alt Zwingenberg - Taglöhner Johanne- Schnei­der aus Dorf-c^^ wegc», Betrugs vom Amtsanwalt Gießen, Holzschneider Vlcto? Sief ert aus Oberst»,kcnbach wegen Körperverletzung und y^chard Weiß, Dienstknecht aus Hohen­stein, wegen Körperletzung/ beide von der Staatsanwaltschaft Darmstadt.

** Da« Bundesamt für bad' Hkimathwesen hat in mehreren am 29. September b. I. verhandc '"en Streitsachen über die auch tu der Presse mehrfach erörterte Frage entschiedeu : ob den Vorschriften der Novelle zum lt 'llerstUtzmigSwohnsitz- Gesetz, durch welche die Altersgrenze für ^en Erwerb und Verlust deS UuterstützungSivohusitzeS von, au' oas 18. Lebensjahr herabgesetzt worden, rückwirkende' zulegcn sei? Daö Bundesamt hat die Frage ii?1 ^tinclp bejaht, jedoch mit der Einschränkung: daß, insoweit e6 nm vor bem 1. April 1894 (dem Tage, an welche»,^ Novelle in Kraft getreten ist) gewährte Unterstützung^ hmidelt, das alte Recht zur Anwendung kommt. Dasselbe gilt für alle vor dem 1. April 1894 begonnenen und über diesen Zeitpunkt hinaus fortgesetzte», Pflegesällc. Im

übrige», dagegen, b. h. bei allen erst nach bept

1. April 1894 eingetretenen Untcrstützungöfällc7,, für blc Frage beS Unterstützungswohnsitzes der Aufenthalt oder die Abweseuheit uach volle»,detern 1/3. Lebensjahre auch insoweit in Betracht zu ziehen, al» der Aufenthalt oder die Abwesenheit vor bei, 1. April 1894 stattgefunden hat, eS sei beim, baß Aufenthalt ober Abwesenheit in blesem Zeit­punkt nicht mehr bestand.

** Zur Warnung. Ein langwieriger Proceß^ seit 1890 spielend, ist jetzt zu Eude geführt worben. Ein tu der 9cähc Weimars »vohnenber Rittergutsbesitzer hatte von einem Großhändlerkeimfähige»' Samen" gekauft, jedoch er wleü sich derselbe alö nicht kelmsähig, indeu, nicht ein Korn aufging. Vo», dein Gericht, bei dein Käufer Klage crhobeir halte, Ist jetzt daS Handllmgöhauö zu bcu Kosten und zu einem Schadenersatz von 1800 Mark vcrnrthellt worden. Ma», steht hieraus, wie nothwendig eS ist, die Samenproben bei einer landwirthschaftlichen Versuchsstation untersuchen zu laffeu l

** Blumeupflege in Ar-riterfamilieu. In Darmstadt werden alljährlich eine größere Anzahl Pflanzen an Arbeiter- famlllen auögegeben, denen dann je nach ber von ihnen auf die Pflege ber Blumen verwendete», Sorgfalt Prämie», gc- flebc« werben. Die bleöjährige Ausstellung der im Juni auSgegebeneu Pflanzen sand am 30. September in der KnabenarbeitSanstalt dortseldst statt. ES waren von 900 auSgegebenen Pflanzen je 3 Stück an eine Familie 1 Aputilon, 1 Begonia und 1 Fuchsie 314 Pflanzen vow 72 Aussteller», abgeliefert worden und waren dieselbe», mit wenig Ausnahmen im Ganzen gut gepflegt. Von den Herren Preisrichtern konnten 14 mit ersten und 20 mit zwelien Preisen prämiirt werden, während die anderen für ihre Mühe mit einem Blumcnprcife belohnt wurden. Die ganze Einrichtung hat sich wiederum als eine sehr schöne erwiesen, und dürfte dieselbe allgemeiner Verbreitung zu empfehlen sein.

* Die Zeltausrüstung der Iufauterie hat sich in den Manöver« wieder ausgezeichnet bewährt. Die aus braunem wasserdichtem Stoff bestehenden Zelte sind nicht spitz, sondern haben ungefähr daS Aussehen eines Planes über einen Wagen und werden für gewöhnlich so gebaut, daß jeder Zug einer Compagnie, iu» Frieden 3040 Mann, geschlossen in einem Zelt liegt- bei einem Aufbau für die drei Zelte der ganzen Compagnie erhält daS Zelt die Form eines nach einer Seite hin offenen Viereck» oder auch eines Kreises, so daß auch bei einem Allarm bei Nacht die Compagnie schnell geschloffen ist. Aeußcrst zweckmäßig ist auch die Einrichtung, baß selbst die kleinste im Borpostendienst biwakirende Abtheilung, ein llnteroffizierposte», von sechs Mann, sich ci», Zelt bauen kann, da zu diese»« nur fünf Zeitstücke nöthig sind, »im für diese sechs Mann ein nach allen Seiten abgeschloffenes Obdach zu geben. Welchen große», Nutzen die Zeltausrüstung für den GeslindheitSzustand von Truppen hat, die längere Zeit zu biwakire», gezwungen sind, liegt auf der Hand- um so mehr werde», sich die Vorthcile Herausstellen, wenn sich die Krieg­führung in wenig bevölkerten Gegenden bewegen sollte, in denen die Ortschafte», «»eilenweit zerstreut liege»,.

* DaS Kitzeln mit Pfauenfeder», da» sich seit einigen Jahren bei manchen Veranstaltungen breit macht, führte dieser Tage drei Angeklagte vor da» Schöffengericht zu Frankfurt. Auf der Rückkehr vom Forsthause amWäldcheStag" machte einer der Angeklagten sich denScherz", die Frau eines Bockenhelmer Einwohner», der mit seiner Familie nnb zwei befreundeten Mädchen vorbclglng, im Gesicht mit einer Pfauenfeder zu kitzeln. Der Mann schlug ihm mit seinem Stock auf die Hand und es entwickelte sich bald eine Schlägerei, im Verlauf derselben der Bocke»,Heimer Mann verletzt wurde. Da» Gericht sieht bk Schuld ber An­geklagten als erwiesen an. Das Kitzeln mit der Pfauen­feder sei eine grobe Injurie, der Bockenhelmer daher zur Abwehr befugt gewesen. Zwei junge Leute seien unter An­nahme mildernder llmstäude wegen ihrer llnbescholtenhcit z« drei Woche», Freiheitsstrafe, einer zu 20 Mark Geldstrafe jx bcYurthcilcn.