Sonntag den 4. März
1894
Nr. 53 Erstes Blatt.
Vierteljähriger
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
betreffenb Schafräude zu Lich.
Nachdem die mit Räude behaftete Schafherde zu Lich vollständig abgefchlachtet ist, wird die am 21. November v. I. verfügte Gemarkungssperre wieder aufgehoben.
Gieße», den 2. März 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern. __________
Gefunden: 1 Zwicker, 1 Spazierstock, 1 Haveloct, 1 Frauenhut, 1 Reisetasche, 1 Kinderhandschuh, 1 Packet mit Inhalt, 4 leere Säcke, 1 Weckbeutel, 1 Schiebkarre, 1 Stuhl, 1 Chaiseutrittbrett und 1 Hundehalsband.
Gießen, den 3. März 1894.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Deutsche» Reich.
Berlin, 2. März. Der Kaiser hat dem Reichskanzler Grafen Caprivi für die hervorragende Vertretung des russischen Handelsvertrag» im Reichstage persönlich seinen Dank ausgedrückt. Zugleich soll der Monarch dem Kanzler mttgetheilt haben, er wolle ihm seine (deS Kaisers) Büste überreichen laffen, als besonderes Zeichen der kaiserlichen Anerkennung.
— DaS preußische Abgeordnetenhaus trat am Donnerstag in die Spezialberathung deS CultuSetatS ein. Die DiScussion über die Position „Minister" entwickelte sich gleich von Beginn an zu einer ziemlich lebhaften kirchen- politischen Debatte mit deutlichen Anklängen an die Cultur- kampfperiode, auch die polnischen Beschwerden tauchten in ihrem Verlause wieder aus. Gegen die von den Centrumsrednern erhobene Forderung der Wiederherstellung der katholischen Abtheilung tm CultuSministcrium verhielt sich Cultus- Minister Dr. Bosse durchaus ablehnend.
— Der Bundesrarh genehmigte in seiner gewöhnlichen Plenarsitzung vom Donnerstag die Novelle zum Unter* stützungSwohnsitzgesetz und zum Strafgesetzbuch in der vom Reichstag beschlossenen Fassung.
Berlin, 2. März. Die gestern von 3000 Studenten und „Alten Herren" besuchte Versammlung im Feenpalast, deren Zweck es war, zu den jüngsten Agitationsversuchen der Socialdemokratie Stellung zu nehmen, hat fast einstimmig solgenden Beschluß gefaßt: „Die Akademiker-Versammlung erklärte gegenüber den neuerding» gemachten Versuchen, die Lehre der Socialdemokratie auch in die Studentenschaft zu tragen, daß sie vom socialen Geist und von Liebe zu ihren wirthschaftlich minder begüterten Brüdern erfüllt ist, daß sie aber nach wie vor den Bestrebungen der vater- land-losen Socialdemokratie einen unerschütterlichen Widerstand entgegensetzt." Ein Telegramm an den Kaiser und den Fürsten BiSmarck wurde abgesandt, in welchem von diesem Beschluß Kenntniß gegeben wurde. Einberufen war die Versammlung von dem Verein deutscher Studenten. Zu den Rednern des Abends gehörte auch der antisemitische Abgeordnete v. Langen.
Deutscher Reichstag.
61. Sitzung. Freitag den 2. März 1894.
Zur Beratung steht der Militär - Etat, und zwar zunächst der Titel Gehalt des KriegSministers.
Abg. Bebel kommt auf den hannoverschen Spielprozeß zurück. Diese Sptelwuth in der Armee ist bekannt und daher rührt auch zum Theil der agrarische Notstand Die ehrengerichtlichen Urthetle über die am hannoverschen Prozeß bethetligten Oifiziere sollen so milde ausgefallen sein, daß sogar der oberste Kriegsherr Bedenken getragen habe, dieselben zu beftältgen. Dagegen ist der Anwalt in dem Pro- ceffe Ahlwardt, der Antisemit und Reserveoffizier Hertwig, von dem Offizier stände ehrengerichtlich ausgeschlossen wo, den, weil er bei jenem Processe die Standesinteressen der Armeeoifiziere nicht gewahrt habe. Wohin soll eine solche Vermischung von bürgerlichen und militärischen Pflichten führen? Sind doch die Reserveosfiztere jetzt sogar gezwungen, Abschied zu nehmen, wenn ihre politischen Anfichten nicht mit denen deS obersten Kriegsherrn überetnstimmen. Das steht doch auch im Widerspruch mit der allgemeinen Wehrpflicht. Einem mir bekannten Mediciner ist sogar das Recht, als Unterarzt zu dienen, abgesprochen worden, well er einmal in meiner Begleitung gesehen und alSSoc'aldemokrat erkannt wurde. ES besteht tin vollständiges Ueberwachungs ustem. Die Polizei theilt dm MUitärbehörden mit, wer von dm Rekruten Socialdemokrat ist. Redner theilt zum Beweise hierfür u. A. einen Erlaß der Amtshauptmannschaft zu Anna- berg an die Gendarmen mit. Dabei ist es vorgekommen, daß Personen sälichlich der Militär Behörde als Socialdemokratm bcnuncirt worden sind. Dieses Spionieisystem erstreckt sich offenbar auf das ganze deutsche Reich. Auch in ber Armee selbst soll diese Heber-
wachuna fortbestehm. In dm Listm ist bei jedem Reserviftm der Mann blau angestrichen, wenn der Mann etwa blo8 soctaldemokratischc Versammlungen besucht. Dabei erfüllm die Socialdemokratm in der Armee ihre Pfltchtm durchaus, fie sind mit die besten Soldaten. Wenn man conkquent sein wollte, müßte man fie überhaupt nicht Menen laffen. Man erlebt ja bei unS Wunderbares, jedes Jahr Neue». So ist eine Aeußerung des Kaisers durch die Presse gegangm, eine Rede an R.krutm, in der eS heißt: Ihr habt die Ehre bei meiner Garde zu stehen ...
Präsident o. Leoetzow: Herr Abgeordneter, ich kann nicht zu- geben, daß Sie hier die Person Sr. Majestät in die Debatte ziehen.
Abg. Bebel: ES hat mir fern gelegm, die Person zu krittfirm, aber meine Bezugnahme aus seine Rede erschien mir erforderlich, um die ganze Situation zu kritifirm. (Ein demgemäß vom Redner wiederholter Versuch, auf jene Rede einzugehen, wird von Neuem durch den Präfidmtm verhindert.) Dann will ich nur noch sagen, daß nur derjenige Soldat werden kann, der Vaterunser beten kann. Dann kann also auch kein Jude Soldat werden. Dann gehe man doch gleich weiter und treffe entsprechende gesetzliche Bestimmungen!
Kriegsminister Bronsart v. Schellendorfs bestreitet, daß die Zahl bet Lplcüxcesse in Hannover groß sei. Der hannoversche Prozeß gehört überhaupt nicht zu den Gegenständm, über die das hohe HauS verfassungsgemäß zu berathen und zu beschließen hat. Auch bet der Reitschule in Hannover besteht das Bestrebm, Herz und Nieren bet jungen Offiziere zu stärken. Im Dlooember sprach Bebel u. A. von einer EabinelSordre, die nicht befolgt worden sei. Das ist unmöglich, denn CabinetSordretz werden in der Armee sehr streng befolgt; tm Falle beS Ungehorsams wird der Betreffende sofort entlassen. Wenn überhaupt irgendwo von Verschwendung die Rede fein kann, so mache tch mich derselben schuldig, indem ich die .kostbare Z it des HauseS hi Anspruch nehme, um werthlose Behauptungen Bebels zu widerlegen. (Heiterkeit.) Bebel sprach von militärischem Gigerlthum. Worin besteht die« GigerUhum? Sie sehen voll Neid auf den reinen Rock und die reinen Handschuhe ber Offiziere und au» bloßem Nerv bewerfen Sie die Offiziere in Ihrer Presse. Bedel hat die Kriegstüchtigkeit unserer Armee bezweifelt und sich auf ausländische Fachurthetle berufen. Diese haben für mich wenig Bedeutung, denn ber Wunsch ist da gewöhnlich der Vater des Gedankens. Auch unsere Cavallerie hat er abfällig beurtheitt. Nach meinen Erfahrungen ist dieselbe im Stande, auch trotz ber kleinkalibrigen Gew.hre Tod und Verderben in die Reihen der Feinde au tragen. Bebel erwähnte btn Fall Oppenheimer, In dem, wie in bei Budgetcommtssion festgestellt worden, doch vollkommen nach dem Gesetze vertahren ist. Einen Socialbemokraten können wir nicht zum Vorgesetzten machen, dem Untergebene gehorchen sollen. Mit dem Dr. Hertwig beschäftigte sich zuerst das Ehrengericht der Anwaltschaft, das militärische Ehrengericht dann, als in der Wablbcwegung gewisse graotrenbe Behauptungen gegen Hertwig in ber Pt esse aus tauchten. Auf Me an ihn beöhalb wiederholt ergangenen Anfi agen der Militärbehörde hat Hertwig nicht geantwortet. Wegen dieses be» harrlichen Ungehorsams — ein Militär mutz auf behördliche Anfragen antworten — ist Hertwig mit Festung bestraft worden. — Ob ein Soldat zielbewuhter Socialdemokrat ist, das zu erfahren, habln wir ein Interesse. Ob Einer einmal eine socialdemokratische Versammlung besucht hat, ist uns gleichgiltig. Wir müssen ober wissen, welche Soldaten widerwillig ihre Pflicht thun. Socialdemo- Iiöten ganz vom Militärdienste auszuschliehen, laffen die Gesetze nicht zu.
Abg. Rösicke (fractionslos) empfiehlt, dm Volksschullehrern das Recht zur einjährigm Dimstpflicht zu geben.
Kriegsminister Bronsart o. Schellendorf: Die Militärverwaltung beschäftigt sich mit dieser Frage schon längst im Sinne des Vorredner« (Beifall.) Ich persönlich bin durchaus dafür. Ich glaube, gerade für den Kriegsfall würden fie ein sehr nützliche«, ein wichtiges Element sein, vermöge ihres Ehrgefühls, ihrer Jntelligmz und DtSciplin. Jedenfalls würdm die Lehrer ein bessere« Element sein, als die. welche widerwillig dienen. Auf Anfrage Rickerts erwidert der Kriegsminister noch: er sei bestrebt, einen einheitlichen Militärstrasprocetz für das ganze Reich zu schaffm. Innerhalb seiner RessoitS seien die erforderlichen Vorbereitungen bereit« abgeschlossen. Beim Antritt seiner Stellung habe er bereits einen fertigen Entwurf vorgefunden, ber aber noch verschiebene Stabten ber Ver- banblung zu burchlaufen habe. Er glaube aber, bah bte im Eivil- proceh geplanten Aenberungen nicht ganz ohne Rückwirkung auf bte Festst-llung des MllitärprocesseS sein mürben. (Beifall.)
Abg. Weih (frs. Dp ) bankt bem Minister für sein Entgegenkommen in bet Frage der Dienstpflicht ber Dolksschullehrer unb volimisirt gegen einen früheren Antrag v. Karborffs, wonach bte Lehrer froh feien, wenn fie bte Kaserne roteber verlassen könnten.
Abg. Hasse (nl.) glaubt, bah bte etwa von Setten ber Unten richtsv-rwaltung bestehmben Schwierigkeiten unschwer zu überrotnben seien. Von Sachsen wentgstms wisse er, baß bort kein Lehrermangel, sonbern eher ein Uebeiflufc vorhanben sei. Gerade ber Letztere sei boch eigentlich ber geborene Jnstructor auch ber Rekruten.
Abg. Manteuffel (c.) aenbet sich gegen Bebel, der wieder einmal die Gelegenheit nicht habe vorübergehm lassen tonnen, die Agrarier und die Nothlage der Landwtrthe io die Debatte zu ziehm. Was bat ber Roggenpreis mit bem Fallen ber Karte unb dem Rollen ber Roulettenkugel zu thun ? Eine Unwahrheit ist c8, bah conferoatioe Abgeorbnete ihren Abschieb als Reserveoffizier etngerei^t hätten. Wenn Bebel verlangt, daß man bte Socialbemokraten doch Hebet überhaupt von ber Dimstpflicht befreien solle, so ist bas burch- aus zurückzuweisen, denn bte Dienstpflicht bessert gerade die Soctal- bemofraten. (Gelächter bet diesen.) Die Sozialdemokraten kehrten sich immer gegen Cbristenthum unb Armee, weil diese betdm Fac- toren bte besten Stützen bes Staates seien.
Abg Graf Oriola (nl.) bemängelt, dah verschiedene Kasernen unbenutzt stäuben unb wünscht Vorlegung einer bezüglichen Liste, damit man über die KasernementS-Erfordernisse überhaupt einen Ueberbl ck gewinne.
Generallieutenant v. Funx erwidert, schon aus Grundm Der Sparsamkeit lasse die Militärverwaltung Kasirnen nur unbenutzt, insoweit zwingende Gründe dazu ootlägm.
Abg. Gras Roon etklätt dem Abgeordnetm Bebel gegenüber, auch sein Name sei in der Presse als einer von dmm genannt, bte ihre Stellung als Reserveoffizier eufgegeben hätten. Er bentc aber
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Eorrespondmz-Bureau.
Berlin, 2. März. Der Kaiser wohnte der heutige» Sitzung deS Laubes OeconorniecollegiurnS bei, baS über die Einwirkung deS Zuckerfteuergesetze- unb über das Kleinbahnwesen verhandelte. Der Kaiser war brei Stunden anwesend und folgte den Verhandlungen mit regster Aufmerksamkeit.
Berlin, 2. März. Die Eommisston für den russischen Handelsvertrag besteht aus folgenden Mitgliedern: Manteuffel, Mirbach, Frege, Hammerstein, Salisch, Holtz, Stumm, Kardorff, Hammacher, Möller, Bennigsen, Schulze-Henne, Bachem, Buol, Lieber, Heeremann, Klose, Weidenfeld, Aichbichler, Weber, Rickert, Lenzmann, Ancker, Lotze, Herbert, Schippel, Schule- dazu noch ein Pole. Die „Nationalliberale Corresp." berechnet 14 Anhänger, 11 Gegner des Vertrages und drei Zweifelhafte. Die Berathungen beginnen morgen.
Rs«, 2. März. Der Papst empfing heute Mittag an- läßlich der Doppelfeier seines Geburtsfestes und seiner Krönung das Heilige Collegium. Er erwiderte auf die vom Cardinal MonacoLavaletta zum Ausdruck gebrachten Wünsche: „Am Abend unseres Lebens stehend, werden wir und gleich- wohl bis zum letzten Tage der Aufgabe widmen, den wohl- thätigen Einfluß der Kirche allgemein zum Bewußtsein zu bringen. Die Kirche ist besttebt, bei den Nationen die Grund- sätze des Glaubens und der Moral zurückzurusen, im christlichen Familienleben aller Gesellschaftsklassen den Sinn für Billigkeit und Nächstenliebe und bei Allen das Verlangen nach dem von Gott kommenden Frieden zu wecken." Der Papst erfreut sich des besten Wohlseins.
Petersburg, 2. März. Der Gesundheitszustand des Herrn v. GierS hat sich derart gebessert, das Bulletins nicht mehr ausgegeben werden.
Depeschen de« Bureau „Herold".
Berlin, 2. März. Bei der heutigen fortgesetzten Be- rathung deS MarineetatS m der Budgetcommiision deS Reichstags wurden 500,000 Mk. gestrichen für die Jndienst- Haltung von Kriegsschiffen. Beim Titel Staatssecretär verlangte Müller (freis. VolkSp.) Auskunft über den Unfall auf der „Brandenburg". Admiral Hollmann erwiderte, an dem Panzer „Brandenburg" habe eins gefehlt, nämlich die Sicherung, wodurch daS Unglück herbeigeführt worden fei. Man müsse sich wundern, wie die Gesellschaft Vulkan bei den reichen Erfahrungen sich solcher Unterlassungen habe schuldig machen können.
gar nicht Daran. Bebel müßte doch wissen, daß 5/e von bem, wet in ber Presse stehe, erlogen sei. Bebel habe außerbem gewisse Red» erwähnt. Aber Rebm militärischer Vorgesetztm gingen Bebel gar nichts an, benn biefe Reben kosteten fein Gelb.
Abg. Bebel (Soc.) spricht gegen AuSbehnung be« Privileg« ber einjährigm Dienstpflicht, welche« er überhaupt verurthetle, aus bte Lehrer. Wir wollm gleiche Dimstzett für Alle, unb haben wir diese erst, so werben wir sehr halb bahtn kommen, baß für Alle die Dienstzeit auf 1 Jahr herabgesetzt wirb. Die Nachricht von ber ^Überlegung von Reserveosfizterstellungm fetten« confervattoer Ad- georbneter hat ja etn konservative« Blatt, da« „Volk", gebracht. Wenn wir hier Gelber bewilligen sollen, so haben wir auch ba« Recht, über bte Leitung unb bte Entwickelung ber Armee zn sprechen. Gegen bte Verschwenbung in Offizierskreisen sind Erlasse ergangen, ebenso gegen bte Mißhanblungen in ber Armee. Beides muß also wohl vorkommen. Der Minister sagt, wir erheben bte Anklage gegen Offiziere nur aus „Neid". Ich verwahre mich da- gegen, alS sei tch hier gewissermaßen Vertteter be« Schmutzfinken- thurns. (Große Heiterkeit.) Fernholtm kann bte Armee die Socialbemokraten boch nicht. Allein in meiner Fractton sind 13 Reservisten tm UnteroffijterSrang. Für die Ausbreitung ber Social- bemofratte sorgten schon bte Agrarier. (Abg. Manteuffel: „Ach herrje!) Wir haben keine Veranlassung, ben Agrariern die hohen Roggm- preise wegen ber noblen Passionen ber Herren Söhne zu bewilligen.
Ab. o. Karborfs (R.-P.) will ben Volksschullehrern Me einjährige Dienstzeit nötigenfalls burch staatliche Unterstützung ermig» licht wissen.
Abg. Werner (Antisemit) stellt fest, Hertwig sei nicht nur wegen Ungehorsams bestraft worben, sonbern e« sei auch noch nachher gegen bmselben bafl Dtsclplinarversahren eröffnet worben wegen seines Verhallen« tm Ahlwarbt-Processe.
Abg. v. Manteuffel (conf) stellt Bebel gegenüber in Abrebe, baß baS „Volk" ein konservatives Blatt sei. Die conservative Partei habe mit bem Blatte nichts zu thun.
Abg. Tutzauer (Soc.) spricht gegen bk Eoncurrenz, welche bie Mtlitärrnufiker ben Etotirnusikern rnachren.
Kriegsminister v. Bronsart: Hertwig habe im Ahlwarbt- Proceß in ber That an bie Zeugen Fragen gestellt, welche nicht in ber Drbnung seien.
Abg. Förster (Ant.): Es wäre am besten, wenn baS Institut durch Einjährigen überhaupt nicht bestände. Es müsse jeder sich jedoch der Prüfung dazu befähigt zeigen, zum Officter aufrücken zu können. Es würde das auch zum Ausgleich der Gegensätze zwischm dm volkS- klassen führen.
Der Titel Mmtstergehalt, sowie einige wettere werden bewilligt. Wetter derathung morgen 2 Uhr.


