Ausgabe 
4.2.1894 Erstes Blatt
 
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Mall Gazette" ertheilte, sehr entmuthigend gewirkt, da man der Ansicht war, daß Gladstone noch wenigstens zwei bis drei Jahre am Ruder bleiben müsse, um die Homerule-Bill durchzubringen.

Sofia, 2. Februar. Auf das Glückwunschtelegramm des Oberbürgermeisters von Coburg dankte Fürst Ferdinand für die andauernde Anhänglichkeit seiner Vaterstadt, welche -sich auch jetzt wieder bet der Geburt eines Erbprinzen erweise. Der Prinz werde nach den Traditionen seiner Ahnen und in der Liebe zum Coburger Lande erzogen werden.

Petersburg, 2. Februar. In der Krankheit des Kaisers scheint jcyl ein Stillstand eingetreten zu sein, so daß wirkliche Gefahr nicht mehr vorhanden ist. Die Kaiserin pflegt ihren Gemahl mit höchster Aufopferung, ebenso Professor Sacharin, dessen Diagnose die einzig richtige gewesen ist. Unmittelbar nach der Genesung dürfte die Uebersiedelung nach Gatschina erfolgen- ebenso wird die Abreise nach der Krim diesmal früher als sonst avgetreten werden.

Cöcofci ttirö PrsVLirzteves.

Gieße», 3. Februar 1894.

** Vermählung des Großherzogs. Nach derVosfischen Zeitung" wird die Trauung Sr. Königl. Hoheit des Groß- Herzogs mit der Prinzessin Victoria von Sachsen- Kob urg in der dritten Woche des April in Gegenwart des deutschen Kaisers und der Königin von England und des Prinzen von Wales stattstnden.

**Z. Neues Theater.Der Pfarrer von Kirch­feld", Volksstück in 4 Acten von Ludwig Anzengruber. Im Allgemeinen ist die Zeit der Volksstücke mit ihrem kindlich- nawen Lachen und dem officiellen herzbrechenden Weinen vorbei und dahin. Nur wenigen Autoren ist es beschieden, ihre Werke dauernd auf dem Repertoire der guten deutschen Bühnen fernerhin zu erhalten, unter diesen wenigen nimmt aber Anzengruber unstreitig einen der ersten Plätze ein. Der Grund, weshalb dies so ist, dürfte besonders in der Echtheit und Natürlichkeit zu suchen sein, mit welcher jener Autor die einfachen Leute aus dem Volke auszustatten wußte, die seinen Stücken ein besonderes Characteristikum geben. Freilich die Tendenz der Stücke ist nicht immer nach Jedermanns Ge­schmack, indessen davon zu reden, ist hier nicht der Ort, das Eine mag nur gesagt werden, daß an den Stellen, wo der Dichter dieselbe besonders hervorkehrt, gerade die Wahrheit der sonst so genial geschaffenen Charactere leicht eine Einbuße erleidet, jedoch trösten dafür hundert, andere Stellen, wo der Verfasser auch die kleinsten Einzelheiten den von ihm zu schildernden Dolkstypen abgelauscht und mit vollendeter Meisterschaft zu seinen Zwecken verwandt hat. Mit welcher Lieblichkeit und Anmuth hat er in dieser Weise jenes einfache Naturkind Anna,das Dirndl aus St. Jakob in der Einöd", gemalt, wie wenig zeigt diese Figur von unseren modernen Affecten und Leidenschaften und doch, wie unmittelbar und mächtig ist ihre Wirkung. Frl. Grohmann hatte sich die Verkörperung dieser Rolle zu ihrem Benefiz erwählt, eine Wahl, die dem Geschmack der jungen Dame sowohl, als dem Verständniß für ihre Fähigkeiten alle Ehre macht. Fräulein

stücke des kleinen Mozart, gegen die technischen Schwierig­keiten dieses modernen Repertoirs?!" schreibt der erstere. Im Herbst vorigen Jahres gab dieser Concerte in Dresden. Ludwig Hartmann schrieb völlig hingerissen von demClavier- poeten" Koczalski.

Als der König von Sachsen von diesem hörte, besuchte er mit seinem Gefolge Raouls nächstes Concert. Er zeigte llch höchst überrascht über seine Leistungen. Gleich dem König von Sachsen war es auch die Herzogin von Schleswig-Hol­stein, Mutter der deutschen Kaiserin, welche dem Knaben ihr regstes Interesse bekundete. Nach seinen Dresdener Con- certen ließ sich der kleine Hofpiantst in Leipzig hören. Auch hier entzückte er an mehreren Abenden. Von Leipzig aus reiste er weiter, und spielte in verschiedenen Städten Deutsch­lands, wie z. B. Erfurt, Magdeburg u. s. w.Ueberall dieselbe Bewunderung dieses Naturspieles, welches uns in so frischer, kindlicher Gestalt vor Augen tritt!"

Im Februar vorigen Jahres begrüßten wir Raoul in Berlin. Eine ganze Anzahl Concerte veranstaltete der Acht­jährige in dec Singacademie, sowie Philharmonie, und zwar alle allein, ohne jede Mitwirkung. Die Sicherheit seines Auftretens ist geradezu verplüffend! Die Singacademie war bis auf den letzten Podiumplatz ausverkauft, obwohl kein Freibillet vergeben werden durfte. Dies gentrte den Kleinen nicht im geringsten. Er kann die Zeit kaum erwarten, bis er hervor darf. Wohlgemuth läuft er dann in seinem blau­seidenen Blusenanzug mit einigen seiner Ehrenzeichen ge­schmückt, dem Flügel zu. Vor jeder Piece beginnt er in überraschender und stets neuer Art zu präludiren. Er will sein Publikum zur Ruhe bringen. Man ist gerade neugierig, wie er diese freien Phantasien vielleicht fortsetzen wird, da plötzlich hält er inne, ein gebieterischer Blick über den Saal, und erst nachdem Alles mäuschenstill ist, spielt er das programmmäßige Stück. Selbst die schwersten Solopiecen trt>?VLQU6l^n^mOor' Anschlag ist entzückend weich und dufttg. Im Gegensatz entwickeln die kleinen Händchen aber auch eine erstaunliche Kraft. Seine Läufer sind per- . V un^ doch muß man sagen, daß seine Technik nicht m dem Grade bedeutend ist, wie seine, für sein Alter un­begreifliche Auffassungsgabe. Wiederum ein Beweis daß es nicht Dressur, sondern eine ungewöhnliche Kraft ist, die hier das Ungewöhnliche zeitigt. Wer dieses gottbegnadete Kind aufmerksam beim Spielen beobachtete, dem wird es unver­geßlich bleiben. Raoul ist im Privatleben ein sehr lebhafter Junge. Am Flügel wird er mit einem Male anders - MeGeister der Töne" scheinen ihn zu ergreifen, er oeräth in nne Art künstlerische Extase- er vertieft sich in die großen Werke der Meister mit Hingabe seiner ganzen Seele. Das bezeugen seine seltsamen, oft wehmüthigen Mienen!

Grohmann besitzt nicht nur alle Mittel, welche zur Darstellung jener liebenswürdigen Dichtergestalt erforderlich sind: Jugend, natürliche Anmuth und ein besonders in den tieferen Lagen recht sympathisches Organ, sondern weiß dieselben auch mit feinem Verständniß zu gebrauchen. So konnte es denn nicht fehlen, daß ihre gestrige Leistung von einem vollkommenen Erfolg begleitet war, was von dem Publikum nicht nur durch lebhaften Hervorruf, sondern auch durch prächtige Blumen­spenden anerkannt wurde. Die Rolle des Pfarrers wurde von Herrn Reiff recht tüchtig wiedergegcben, nur das Costüm hätte etwasclericaler" sein dürfen. Gerade dieser letzte Uebelstand fiel auch bet dem sonst sehr gut gespieltenPfarrer von St. Jakob" des Herrn Majewski unangenehm auf. Man denke sich einen katholischen Pfarrer im modernen Jacket! Ganz vorzüglich war Herr Niem ei er als Wurzelsepp". In Maske, Sprache und Spiel verstand es der Künstler, jene knorrige, trotzige Gestalt so prächtig und packend zu geben, daß er das Publikum zu wiederholtem Beifall fortriß. Auch über Frau WehnsBrigitte" läßt sich nur Gutes berichten. Herrn RaschigsGraf Peter von Finsterberg" hätte entschieden gewonnen, wenn er etwas mehr Sicherheit im Auftreten, dem Pfarrer gegenüber gezeigt haben würde. Der Dialect wurde im Großen und Ganzen leidlich beherrscht, nur Herr Stückel (Michl) zeigte etwas sehr vielSchneide". Der Besuch der Vor­stellung war ein recht reger, das Haus war fast vollständig besetzt, eine Thatsache, die der jugendlichen Benefiziantin be­weisen dürfte, daß sie in Gießen viele Sympathien besitzt.

** Gießener Omnibus-Gesellschaft. Die gestern Abend im Cafe Ebel stattgehabte Versammlung der Antheilzeichner kam zu einem Beschlüsse über die Form der Gesellschaft nicht. Es wurde eine aus fünf Herren bestehende Commission ge­wählt, welche einer demnächst abzuhaltenden weiteren Ver­sammlung darüber Vorschläge unterbreiten wird, ob die Gesellschaft die Fassung einer Actiengesellschaft, einer Genossen­schaft oder einer freien Vereinigung erhalten soll.

* * Bank für Süddeutfchland. Wie dieN. H. V." melden, hat der Aufsichtsrath der Bank für Süddeutschland beschlossen, der Generalversammlung die Bertheilung einer Dividende von 4^2 P®t. oder 13 Mk. per Actte für das Geschäftsjahr 1893 (gegen 3,70 pCt. für das Geschäftsjahr 1892) vorzuschlagen.

* * Ernennung. Der Director der Realschule und des Progymnasiums zu Friedberg Dr. Georg Windhaus wurde zum Director des Gymnasiums Fridericianum zu Laubach und der Lehrer an dem neuen Gymnasium zu Darmstadt, ProfessorDr. Theodor Goldmann zum Director der Real­schule und des Progymnasiums zu Friedberg, beide mit Wirkung vom 1. April l. I. an, ernannt.

* * Ruhestands-Versetzung. Am 31. Januar wurde der Director des Gymnasiums Fridericianum zu Laubach Dr. Ernst Ritsert auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner mit Eifer und Treue geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. April I. I. an, in den Ruhestand versetzt.

* * Stiftungen und Vermächtnisse. In dem abgelaufenen Jahre hat der Großherzog 36 354 Mk. an Stiftungen und Vermächtnissen genehmigt- davon kommen auf die katholische

Bei einer besonders poetischen, gedankenreichen Stelle zuckt es um den rosigen Mund- bald darauf verdüstert sich das volle Kindergesichtchen, seine Lider zwinkern. Zu­weilen beugt sich das blonde Köpfchen über die Claviatur, als woye er die Töne mit den Augen herausholen- dann wieder bei rein technischen Stellen schweift sein Blick ruhig im Saal umher. Der empfängliche Zuhörer ist starr, daß es ein Kind ist, welches die poesieretchen Melodien eines Chopin, dieUngarischen Rhapsodien" von Liszt, und die großen Concerte einesBeethoven" so ausdrucksvoll wieder- giebt. Und wie reizend spielt er die feinen Stimmungs­bilder von Schumann. Auch die Physische Ausdauer des kleinen Raoul ist ungewöhnlich. Er spielt z. B. einschließlich der Zugaben 18 Stücke an einem Abend, und jedes Concert bringt ein neues Programm. Er macht sich von seinem Vater, der ihm stets auf dem Podium nahe ist, los, und spendet dem ihm förmlich zu Leibe rückenden Publikum vergnügt lächelnd noch mehr!

Seine Mutter wünschte nicht, daß er zu anhaltend ar­beite- so wirthschaftete er denn mit der kleinen Halina im Zimmer herum. Ebenfalls sei zur Beruhigung gesagt, daß Raoul Koczalskt einige Monate im Jahre überhaupt nicht concertirt. Im Sommer stärkt er stch in den Bädern. Nach Marets Tode wurde der Componist Leschetitzki sein Lehrer. Die Chopin'schen Werke, Harmonie und Kontrapunkt studiert der kleine Künstler bei Mikuli in Lemberg, der wieder als letzter Schüler Chopins die Traditionen dieses großen polnischen Klavierpoeten als theures Vermächtniß weiter Pflegt, Instrumentation bei Director Heinriä) Jarecki in Lemberg. Den wissenschaftlichen Unterricht erhält er zu Hause. Lesen, Rechnen und Schreiben lernte er spielend- seine Handschrift ist schon jetzt auffallend ausgeschrieben. Auf seine 18 Ehren­zeichen, die er bisher empfing, scheint er Gottlob nicht gerade besonders stolz zu sein, obwohl sich darunter viele Kunst­medaillen von Musikvereinen u. s. w. befinden.

Man könnte noch Manches von dem Knaben, sowie dem Künstler Koczalski erzählen. Wir wollen aber schließen. Noch viele empfängliche Herzen mag dieses räthselhafte Phänomen wohl entzücken- aber er wird auch vor Allem fleißig weiter lernen, um einst zu einem großen Meister heranzuwachsen!"

Möchte es diesem Genie gelingen, ferner den ihm von der Vorsehung bezeichneten Pfad zu verfolgen!"Möge er in seiner Kunst erstarken, wie ja so viele der großen Meister, die auch einst als Kinder austraten!"

Er hat alle Anwartschaft auf ein Künstlerthum von Gottes Gnaden; möchte der allmächtige Vater und die Muse ihn gnädig schützen

Kirche 13873 Mk., die evangelische Kirche 3121 Mk., die israelitischen Religionsgemeinden 600 Mk., Hospitalanstaltew 12300 Mk., für Arme 5200 Mk. und sonstige Schenkungen 1200 Mk.

* * Gemeindesteuern betr. Der Abg. Ripp er hat bei der Zweiten Kammer den Antrag gestellt, die Großh. Re­gierung zu ersuchen, die Beträge von 1 Mark Normalsteuer- capital für Gemeinde-Umlagen nicht 40 Pfg. übersteigen zu lassen und alle größeren Lasten der Gemeinden, wenn solche nicht zu vermeiden sind, auf die.Staatskasse zu übernehmen..

* * Hessische Staatsschulden. Nach einer Rechnung über die Staatsschulden-Verwaltung für das Jahr 1891/92 be­trugen die Activa 5412580 Mk. und die Passiva 35813 773.03. Mk.

* * Fabrikiuspectoren betr. Die Landtagsabgeordneten Cramer und Müller haben den Antrag gestellt: Bei Capitel 69 des Voranschlags Fabrikinspektoren betreffend, die Aufsichtsbeamten zu vermehren, eventuell mehr Hilss- beamte anzustellen, damit es den Fabrikinspectoren ermöglicht wird, jeden Betrieb ihres resp. Bezirks alljährlich einmal persönlich zu controlliren.

* * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt r Schlosser Heinrich Christ aus Oberzwehren von der Staats­anwaltschaft in Gießen wegen Diebstahls und Unterschlagung Schreinergeselle Heinrich Seile aus Darmstadt, zuletzt in Wiesbaden, und ein dem Namen nach unbekannter Mit­schuldiger von der Polizeiverwaltung in Kastel wegen Ein- bruchsdtebstahls- Dienstmagd Emilie Höhr von Babenhausen von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Diebstahls-^ Handarbeiter Frdch. Kolb aus Ungstein (Pfalz), zuletzt in Worms, von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen schweren Diebstahls- Maurer Joh. Julius Lamby von Ober-Hilbers­heim von derselben wegen gleichen Vergehens- Elise M'üller von Ranstadt vom Amtsanwalt in Friedberg wegen Dieb­stahls- Maurer Friedrich Bachmann aus Jxheim von dem­selben wegen Unterschlagung- Erdarbeiter Josef Saccant aus Italien, zuletzt in Groß-Breitenbach t. O., von der Staats­anwaltschaft in Mainz wegen Diebstahls- Müllerbursche Johann. Schlicht aus Geisenfeld, zuletzt in Worms, von derselben wegen gleichen Vergehens- Elise Weber von Wald-Michel­bach von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Urkunden­fälschung. D. Ztg.

E. Echzell, 2. Februar. In °dem nur wenige Minuten von hier entfernt liegenden Dorfe Bisses wurde eine Familie schwer geprüft. Kurz vor Weihnachten wurden der­selben zwei Knaben im Alter von 10 und 11 Jahren in wenigen Stunden durch die Diphteritis geraubt und gestern beerdigte man daS dritte Kind, welches einer Lungenentzündung zum Opfer fiel. Der Schmerz der hartgeprüften Eltern ist schwer zu schildern. Der Keuchhusten grassiert immer noch heftig in unsrer Gegend. Das naßkalte Welter leistete der Plage Vorschub. Der Schnee, welcher Ende Januar gefallen war,, verging sofort wieder und die Felder sind vollständig kahl. Einen ähnlichen schneelosen, regnerischen Winter hatten wir im Jahre 1868 auf 1869. Das Frühjahr brachte dann Spätfröste und verdarb die Aussichten auf Wein und Obst. Was die Obstaussichten pro 1894 betrifft, so har Einsender eine größere Anzahl von Bäumen auf Tragknospen untersucht und dabet gefunden, daß sie wenig zahlreich vorhanden sind. Nach den Erträgnissen des Jahres 1893 ist diese .'rscheinung sehr begreiflich, sogar wünschenswerth, denn die Bäume würden sich erschöpfen, wenn sie so weiter tragen würden, wie es- der Fall war.

Butzbach, 1. Februar. Die Verlegung unserer Garnison scheint nur noch eine Zeitfrage zu sein. Dem Stadtrath wurde auf eine Anfrage vom Generalcommando - des 11. Armeecorps mitgetheilt, die Verlegung der Garnison sei allerdings in Aussicht genommen, der Zeitpunkt jedoch noch nicht bestimmt, doch werde man darauf sehen, daß die Stadt möglichst wenig Schaden erleide.

Rockenberg, 2. Februar. Am letzten Sonntag Abend spielten zwei Sträflinge Dambrett zusammen. Ueber einen Zug geriethen sie in Streit, in dessen Verlauf einer der Sträflinge das gerade zur Hand liegende Brodmesser ergriff und dem anderen dieses in den Hals stieß, wodurch er ihm die Schlagader durchschnitt, was den augenblicklichen Tod des Gestochenen zur Folge hatte.

Friedberg, 2. Februar. In der Suppenküche wurden vom 2. bis 31. Januar an Suppe verabreicht 238 D/g Liter d. i. im Durchschnitt täglich 79 Liter. An Brod kamen 125 Laib zur Bertheilung. Einschließlich der Ueberzahlungen und Zu­schüsse wurden 14.15 Mk. vereinnahmt.

Darmstadt, 2. Februar. Vorgestern fanden zwei Knaben beim Holzsammeln in derTanne" in einer Lapinshöhle eine Cassette mit circa 2000 Mark Inhalt. Die Cassette war vor einigen Monaten aus der Wohnung eines in der Heidel­bergerstraße wohnenden Offiziers gestohlen und jedenfalls von den Spitzbuben an dem Fundort versteckt worden. Möglicher­weise hat der Dieb dann den Platz, wo er seinen Raub verborgen hatte, selbst nicht mehr aufgefunden, bis er dann zufällig durch die erwähnten Knaben entdeckt wurde.

A Mainz, 2. Februar. Die Mitglieder der Centrums- fra cti on haben in der Zweiten Hessischen Kammer folgenden Antrag eingebracht:Die Hohe Kammer wolle an die Groß- herzogliche Regierung das Ersuchen richten: Den hessischen Vertreter im deutschen Bundesrath dahin zu instruiren, daß er im gegebenen Falle im Sinne der Aufhebung des sogen. Jesuitengesetzes wirke und stimme." In der Begründung sagen die Antragsteller: Wir fühlen uns zu obigem Antrag umsomehr veranlaßt, als jüngst die evangcl. Landessynode es für angemessen erachtet hat, in dieser vollständig außerhalb ihrer Competenz liegenden Frage durch einen Beschluß im gegentheiligen Sinne einen Einfluß auf die Regierung aus- üben zu wollen. Der Feldwebel Köhler vom Fuß- Art.-Reg. Nr. 3 hat sich gestern in der Weisenauer Kloster-