Einzelbild herunterladen

sinn, aber lachen muß selbst der ärgste Hypochonder. Und weidlich gelacht wurde gestern Abend. Die Darstellung in ihrer Gesammtheit litt etwas an eitlem Stich ins Possen­hafte, doch dürfen wir daS bei einem derartigen Stück nicht so genau nehmen, denn der ganze heillose Unsinn, der einem da vorgeführt wird, verführt den Darsteller gar zu leicht zu Uebertreibungen. Herr Reiner- entfesselte schon durch sei» bloßes Erscheinen als ^Pseudotante" wahre Lachstürme, dazu die unwiderstehliche Komik seines Spiels und man kann sich einen Begriff von der Wirkung, die er erzielte, machen. Herr Otto spielte sicher und mit wohlthuender Natürlichkeit. Bon Herrn Hacker können wir das diesmal nicht mit vollem Umfang behaupten. Er schien unS an einigen Stellen feine Rolle nicht ganz zu beherrschen, war aber im allgemeinen befriedigend. Herr Geisel harte im Gegensatz hierzu seine Rolle manchmal zu gut auswendig gelernt und überstürzte sich. Er konnte unS in seiner letzten Scene nicht überzeugen, daß er sich wirklich für betrogen hielt. Herrn Heynes Colonell Chesney war eine vortreff­liche Leistung, ruhig und vornehm. Von den Damen waren Frau Reiners und Fräulein Müller allerliebst. Fräulein Ger lach entsprach nicht ganz den Erwartungen, die ihr erstes Auftreten erweckt hatte. Fräulein Ronneberg war alS Tochter AlbionS zu schwärmerisch, sonst aber recht sym­pathisch. Fräulein Küsel und Herr König konnten in ihren Dtenerrollen passiren.

** Zunkermaau Abeud. Mit gewohnter Meisterschaft erfreute am gestrigen Abend im Clubsaale der König'!. Hof­schauspieler Herr Aug. Junkermann die äußerst zahlreich erschienenen Zuhörer mit dem Vortrag aus Fritz Reuters D chtnngen in plattdeutscher Mundart. Es war ein wahrer Genuß, waS der Vortragende zum Besten gab und kein anderer wohl als Junkermann versteht es, so recht sich in die Tiefen des Reuter'schen Humors zu versenken. Reicher Bei­fall lohnte jedes Capitel des VortragS.

* Wiener Concerte. Die acht Wiener Natur- Sängerinnen unter Gorhvo Grün ekes bewährter Leitung, welche gegenwärtig mit außerordentlichem Erfolg in Frankfurt a. M. gastiren, geben am Sonntag den 4. Novem­ber im Gießener Festsaale (Cass Leib) zwei Concerte um 4 Uhr Nachmittags und 8 Uhr Abends. Die feschen Donauweibchen", welche die anheimelnden Wiener Volks­weisen mit Chic unj Humor in so unvergleichlicher Weise zur Geltung zu bringen verstehen, werden auch hier Freunden eines gemüthlichen Liedes einige genußreiche Stunden bieten und wird der Besuch der Concerte zweifellos ein sehr reger sein.

** Pessimismus, Nihilismus, Anarchismus, das war das Thema, über welches gestern Abend auf Veranlassung des Kaufmännischen Vereins Herr Dr. Pohlmeyer im

Saale des Cafe Ebel vor einem größeren Zuhörerkreis sprach. Redner characterifirte in geistvollen Ausführungen die drei Jrrthümer unserer Zeit- die Nationen krankten seit der Zeit, seit welcher die Philosophie Schopenhauers durch die Dichter Allgemeinheit der Bevölkerung geworden, an Pessimismus, der dann seine furchtbaren Blüthen Nihilismus und Anarchismus getrieben. Man befinde sich im Jrrthum, wenn man an­nehme, daß der Weltschmerz so alt sei wie die Menschheit selbst, die alten Egypter z. B. erfreuten sich etwa 3000 v. Chr. eines heiteren Lebensgenusses, der erst aufhörte, als dieVölkervon ver­schiedenen Seiten zu knechten versucht wurden. Herr vr. P o h l- meyer schildert die Verhältnisse der Juden, Inder, Perser, Japaner und Chinesen, der Griechen und Römer, aus denen sich eine düstere Lebensauffassung entwickelt habe. In der Neuzeit sei dieselbe aber Gemeingut aller europäischen Nationen geworden. In Deutschland tauchte der Pessimismus in der Litteratur zuerst bei Schiller auf, er wurzele in politischer und moralischer Fäulniß bei den Russen, wo aus derselben der Nihilismus hervorgegangen sei. Der Anarchismus, die Propaganda der That, sei aus dem Gefühle entstanden, daß alles Parlamentiren zu nichts führe, der bekannteste Vertreter des Anarchismus sei Most. ES sei Sache der Gebildeten, mit ihrer vollen Krast einzusetzen, um die bereits krankenden Thetle unserer Bevölkerung von den das Leben vergiftenden Ideen zu befreien.

** Verkauft wurde gestern das Haus des Herrn K. Wallenfels, Ecke der Marktstraße und Wettergasse, um die Summe von 27 000 Mk. an die Stadt Gießen. Letztere wird das Object jedenfalls zur Abrundung der Wettergasse nach der Marktstraße zu verwenden. Die Ueber- nahme erfolgt am 1. Juli k. I.

Ein großer Meufcheuauflauf entstand gestern Abend gegen 8 Uhr durch einen betrunkenen Menschen, welcher vom Marktplatz zur Polizeiwache escortirt wurde.

* Patent. Ertheiluug. Dem Forstassessor Wilhelm Schaaf aus Ortenberg wurde das Patent als Geometer 1. Klasse für den Kreis Gießen verliehen.

-s- Büdingen, 1. November. Gestern Nachmittag wurde im hiesigen Mathilden-Hospital von den Gerichtsärzten die Leiche eines neugeborenen Kindes secirt und heute die Großmutter des Kindes (die Ehefrau des Bahn­wärters F.) gefänglich eingezogen, woraus man schließt, daß ein Verbrechen an dem Kinde begangen worden ist.

Dermales.

* Das 2f/2 Jahre alte Söhnchen des Ackerers August Meyer in Hirzbach (Elsaß), welches seit zehn Tagen vermißt worden war, ist tobt im Walde aufgefuudeu worden. ' Das Kind hatte sich dort verirrt und ist verhungert.

wittevUNgSartsfichte«

am 2. November Morgens 8 Uhr (Wetterhäuschen tn der Südanlage).

Barometerstand

Thermometer: min. Vi0 R., max. 4- 2° R.

Hygrometer:

Trocken und schön-

kirchliche Anzeigers -er Stadt Gietzen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst

Sonntag den 4. November. 24. Sonntag nach Trinitatis.

NeformationSsest. An der Etadtkirche.

Vormittags 91/» Uhr: Pfarrverwalter vr. Grein.

Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst- Pfarrer Dingeldey.

Nachmittags 2*/» Ubr: Kinderkirche. Pfarrverwalter vr. Grein.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser

Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und MarkuS- gemeinde. Anmeldungen hierzu werden vorher bei den zuständigen Geistlichen erbeten.

Nach den Gottesdiensten: Collecte für die Gustav»Adolf- Stistung.

Donnerstag den 8. November, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der neuen Stadtknabenschule Bibelstunde. (Das Gletchniß vom ver­lorenen Schaf und verlorenen Groschen, Luc. 15, 110.) Pfarr­verwalter vr. Grein-

An der Johanneskirche.

Vormtttags 91/» Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde: Pfarrer Dr. Nau mann

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey

Beichte und heil. Abendmahl im Abendgottesdienst für die Lukas- und Johannesgemetnde.

Nach den Gottesdiensten: Collecte für die Gustav - Adolf- Stiftung.

Montag den 5. November, Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Confirmandenfaal der Johanne?kirche. (Marcus Cap. 13, von V- 24 an: Da? heilsame Wachen in Erwartung des kommenden Herrn.) Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde

Sonnt,ag den 4. November. 25. S- n. Pf-

Samstag:

Nachmittags um 4</g Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.

Sonntag:

Vormittags von 672 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte;

um 6Vs Uhr erste hl. Messe-

um 7Vs Uhr Austbeilung der hl. Communion;

um |8 Uhr zweite hl- Messe;

um 91/i Uhr Hochamt mit Predigt.

Abends um 6 Uhr Andacht für die Abgestorbenen.

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Stangenrod sürI8S5/S6 liegt vom 6. November l. I. an acht Tage lang zur .Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeifterei-Büreau offen.

Stangenrod, den 2. November 1894.

Großh. Bürgermeisterei Stangenrod. ______________________________Bock._________________________8993

Vergebung von Bauarbeiten.

Die bei Erbauung eines neuen Treppenhauses im Haftlocale dahier vorkommenden Maurer-, Cement-, Steinhauer-, Zimmer-, Dachdecker-, Schreiner-, Schlosser-, Glaser', Weißbinder-, Spengler- und Pflasterer- Arbeiten, sowie Lieferung von ca. 9 cbm Bruchsteine, ca. 1300 Stück Ringofen-Backsteine bester Qualität, ca. 90 Ctr. hydraulischem Kalk und 30 cbm Mauersand sollen

Montag, den 12. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, in öffentlicher Submission vergeben werden.

Pläne, Arbeitsbeschreibungen und Bedingungen liegen bis dahin in den Vormittagsstunden auf unserem Bureau dahier zur Einsicht offen und sind die in Einheitspreisen einzulegenden Angebote, versiegelt, portofrei und mit der Aufschrift Submission auf........-Arbeit oder Lieferung bis

zunt genannten Termine, an welchem die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Submittenten stattfindet, bei uns einzureichen.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Alsfeld, den 2. November 1894.

Großherzogliches Kreisbauamt Alsfeld.

8994___________________Cellarius.______________________

Feierabend für Lehrlinge geöffnet im alten Rathhaussaale jeden Sonntag, Abends von 610 Uhr. Wiedereröffnung am nächsten Sonntag den 4. November.

9000 Der Vorstand.

Versteigerung.

Samstag de« 3. »ovember d. I» , Nachmittags 2 Uhr,

»ersteigere ich imAdler" dahier:

2 Pferde, 1 Break, 1 Petroleum- behälter mit Leitung, 1 Eisschrank, ver­schiedenes Porzellan u. andere Sachen.

Bor«,

9908__________________Gerichtsvollzieher.

Möntsg den 5. November,

Nachmittags 2V, Uhr, werden auf hiesigem Orlsgericht die dem Herrn Louis Flett gehörigen Grund­stücke, welche in 3kr. 245, 248, 250 des hiesigen Anzeigers näher bezeichnet find, auf dessen Wunsch wiederholt versteigert und kann bei annehmbarem Gebote der Zuschlag baldigst erthrilt werden. 8925

In Auftrag:

fr. Hoffmau«, Ortsgerichtsmann.

Raupenleim, wirksamstes Mittel gegen Froftsparmer rc. empfiehlt beste Qualität billigst 8157 Gustav Walter, Mäusburg 13.

Rehe

im Anschnitt empfiehlt [9002

Ha Klotz, MäuSburg 17.

Hasen, Rehrücken, Rehkeule

empfiehlt 8991

I. Schäfer, Kirckenplatz 4.

Wreißekbeeren ganz vorzüglich, in 50 pCt. Zucker, empfiehlt per Pfund 8984

50 Pfennig 55

Emil Orbig.

Wetterauer Zwiebel iu haben Samstag in 3987 eswaldS Garten.

8998] Eine Parthie

Damen- und Kinder-Korsetten verkaufe wegen Aufgabe dieses Artikels bedeutend unter Einkaufspreis, desgl. eine Parthie Spitzen. Jos. Mark, Schulstraße 5.

Prima Speise?wiebel,

per Gentner 3 Mk. und

Prima Kartoffeln,

per Gentner 2 Mk.

sind von Montag ab zu haben bei Georg Gnler, Wallthorstraße 33; dieselben werden auch im Kleinen abgegeben.

8979 Jaeob ManS, Ober-Mockstadt.

Keinen Husten etc. mehr bei Gebrauch von Hahns Spitzwege- rich-Brust-Saft, ä GlaS40 «. 80 Pfg, und Spitzwegerich - Brust - Bonbons, a tya&ti 10 u. 20 Pfg. Viels, anerkannt. Begutachtet von Herrn Dr. «eitler.

Zu haben in Gießen bei den Herren A.u.G.Wallenfcllsu E.Dort. [8186

Glaser-Diamanten, größte Auswahl, sowie Anleitung im Schneiden bei 8986

___________I. Hirz, Seltersweg 22.

8995] 20 btS 30 Wagen

Chanssirfteine

werden auf meinem Hofe billig abgegeben, wenn solche sofort abgefahren werden-

Ed. Silbereisen.

Conserven

aller Art empfiehlt [8863

Heinrich Wallach.

HeSliWimnlqen nnd Hülsenfrüchte empfiehlt in bester Qualität [8862 Heinrich Wallach.

Frisch eingetroffen!

Bismarckheringe, Bratheringe, Rollmöpse, Sardinen^ Sardellen, grobkörniger Caviar, marinirte und Holland.

Heringe. 84u

J. M. Schulhof

Colonialwaaren und Delicatessen.

ff. fiinirnlioiiig, selbstgezüchteten und prämiirt, ver­kauft per Psund 1 Mark, in größerem Quantum billiger

Ph. Bauer, Bienenzüchter

8830] Bahnhofstraße 57.________

ScheMch und ffMiau

große und frische Waare

8048_____________im Rebstock.

ff. geräucherte

Würstchen

empfiehlt 8839

_____Adolph WlöhL

Cognac feinster französtfcher, sowie deutscher tn allen Preislagen. 19009

Daniel Heil, Lindenplatz 3.

Prima amerik.

Petroleum, durch Neuanlage eines Filtrir- a p p a r a t s doppelt gereinigt, voll- ständig crystallhell, per Liter SO Pfg-, sowie

Kaiseröl

in 5-Liter- und 10-Liter-Korbflaschen, per Liter 25 Pfg., empfiehlt 8855

ll. F. Nassauer.

8953] Eine Saute Bttst abrugebe«. An dr« BahnhSfe« 21.

Lauterbacher Bier 2976 aus der Fttih-Rie-estlischkli Kramet vorzüglich eingebraut und gut bekömmlich ist nur in Zapf und Flaschen bei

PH. Bauer II., Bahnhofstraße, G. Bötz, Brandgasse, I. Häuser, Ludwigstraße, 3 Hengst, Licherstraße, M. Iaskorosky, zum Aquarium, Wallthorstraße 5.

Hch. Leib, Philosophenwald, Wilh. Noll, Ederftraße, H. Zipp, Ostanlage, A. Blum, Steinstraße, F. Egly, Brandplatz, P. Geisel, Ostanlage, Schlabach Nachf., Ludwigplatz, H. Schöllhals, Ederftraße, W. Semmler, Seltersweg, C. Roth II., Wallthorstraße 5, H. Arnold, Grüningen, Niebergall, Burg Gleiberg, 6. Scheid, Großenbuseck, 3. Schön, Lollar, zum Schwanen. Vertreter für Gießen «nd Umgegend: C. Roth II.,

Wallthorstraße 8.

Die Hauptgewinne

-er Schneidemühle!

Geld-Lotterie find 100 000, 50 000, 20 000 Mark Baar u. f. w. Loose ä 3 ll* = 1 x. = 10 JL, '/« = 50 H, H/8 = 5 sind zu haben bei 8923

A. Gretscher, Gieffen,

Reustadt Nr. 55.

Mermieißungen.

8975] Kleines LogiS zu oermiethen. Näheres bei H. Hirz, Seltersweg 22.

8638] Bergstraße 22 ein sehr schönes Logis, fünf Zimmer Imit Bodenkammer und allem Zubehör, großem Gattenantheil, zu vermiethen- Preis 480 Mack.

Näheres Steinstraße 78.

8618] MansardenlogiS, vier Zimmer, Küche, großes Cabinet, fofort zu Denn- __Nähere? Westanlage 19, II.

7359) Eine Wohnung von 4 Zimmern mtt Zubehör, eventuell auch Gartenanth-, bis zum 15. November zu vermiethen- __________________Bahnhofstraße 31.

8985] Die Wohnung im mittlere« Stock der Ltleinkinderf-ule, 5 Zimm, eine Mansarde, Keller-Hmd Speicherräume, ist zu vermiethen für jährlich 480 Mark- Der Vorstand d. Kleinkmderbewahranstalt.

Dr. Naumann, P'arrer-