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Nr. 127
Der chleßeaer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme drs MontagS.
Dir Gießener Aamilien d lä ller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Sonntag den 3. Juni 1894
Gießener Anzeiger
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Kreis-Conferenz
der Voltsschultehrer im Streife Gießen
am 30. Mat 1894.
(Schluß.)
2. Dir zweite Vortrag wurde von Herrn Lehrer Mohr zu Grünberg gehalten. Sein Thema lautete:
„Die Poesie und ihre Bedeutung für die Volksschule/' Seiner Abhandlung setzte er die schönen Worte Goethes aus „Wilhelm Meisters Lehrjahren" als Motto vor:
„Eingeboren auf dem Grunde des Dtchter- „herzens wächst die schöne Blume der Weisheit „hervor und so ist der Dichter zugleich Lehrer, „Wahrsager, Freund der Götter und Menschen." Im Eingang seiner Abhandlung stellt der Verfasser daS Wesen 6er Poesie klar, deren Ziel ist, da- Menschenherz für alles Schöne, Edle. Erhabene zu begeistern. Auch weist er auf die unterscheidenden Merkmale der Poesie und Prosa hin. Er zeigt, daß die Poesie ein Gemeingut aller Völker sei, ein heiliges Feuer, von dem Schöpfer Einzelnen anvertraut, um damit Viele zu erleuchten und zu erwärmen. Die Poesie reicht als ein angeborenes Erbe bis in die ältesten Zeiten eines Volkes zurück. Dies wird belegt durch die Worte VUmarS: „Die Poesie ist die älteste und etgenthümlichste Sprache aller Völker, so auch deS deutschen Volkes, in welcher sein Eharacter an Leib, Seele unb Geist sich am vollständigsten und sichersten ausprägt."
Der Verfasser beklagt, daß die idea'en Güter, welche eine edle, reine Poesie dem Menschenherzen spendet, in unserer Zeit des rastlosen Ringens nach materieller Verbesseiung immer mehr unserem Volke verloren zu gehen scheinen. Im Hinblick auf die hohe Be- aeisterung, welche die Sänger der Freiheitskriege und die unserer letzten schweren Kämpfe gegen Frankreich angefacht, ruft er au8: „Noch sind wir von dem Abgrund, der unsere idealen Guter zu verschlingen droht, ein gutes Stück entfernt, noch klingen in Millionen deutschen Herzen die DankeS- und Siegeslieder auS jenen großen Zeiten so voll, so hell, so rein wie damals fort, pfleget sie, Ihr Führer des Volkes, Ihr Lehrer der zukünftigen Nation!"
Der Verfasser zeigt unS weiter, wie die Pflege reiner Poesie »eredelnd im HauS, in der Familie wirkt. Je seltener aber diese Pflege in der Familie wird, um so mehr muß der deutsche Lehrer
in der Schule die Ideale, die unS edle Poesie vorhält, in der Kinder Herzm senken.
Treflend und schön sagt hierüber Barthel in seiner VolkSschul- pädagoaik.
„DaS Kind lebt in der Einbildung, der Jüngling in der Phantasie im Reiche der Ideale, die Einbildungskraft verbreitet über die Jugend einen eigentümlichen Zauber, dem ernsten Manne erscheinen die Tage der Kindheit im lieblichsten Lichte und manche Sehnsucht wie nach einem ocrlorenen Paradiese wird in seinem Herzen laut. Sehr ist Derjenige zu beklagen, in besten Leben daS Leben selbst nie verklärt, nie vom Dämmer schein süßer Ahnungen umfloffen schien, in dessen Brust nie der Himmel dichterischer Gefühle sich niedersenkte, der nie im Hinblick am eine schöne Zukunst sich glücklich wußte."
Der Lehrer schildert nun die Lust der Kinder an den ihrem Alter angemestenen Liedern und Gedichten und ihre Dankbarkeit und Hangen an dem Lehrer, der ihnen von Zeit zu Zeit ein Märchen, eine Fabel oder eine Kindergeschichte erzählt. Gerade durch den Vortrag poetischer Stücke kann er dcm Kinde auch den Reichthum unserer Sprache recht zeigen und sein Sprachgefühl wecken und Der» edlen. Verkehrt ist deßbalb auch, sagt Dietlein, die Gedichte zu irgend welchen grammatischen Hebungen benutzen zu wollen. Satzbau und Wortbildung kommen bei ihnen nur dann in Betracht, wenn dies für das Verstöndniß deS Gedichtes nothwendig ist oder wenn etwas besonders Schönes und CharacteriftischeS in der Form eines Gedichtes damit hervorgehoben werden soll.
Der zweite Theil der Abhandlung bespricht nun die Art und Weise der Ausführung der Pflege der Poesie für die Volksschule.'
Wir heben daraus hervor:
Von dem Lehrer wird vor allen Dingen verlangt: lieber» zeugung und Begeisterung für die Wahrheit und Schönheit deS zu behandelnden poetischen StoffeS:
„Begeisterung ist die Sonne, die daS Leben Befruchtet, tränkt und treibt in allen Sphären. Sie ist der Born, der ewiges Leben quillt, Vom Leben stammt, allein mit Leben füllt."
Die weiteren Ausführungen enthalten nun die Bestimmungen über die Vertheilung der poetischen Stücke aus die verschiedenen Altersstufen der Kinder nach der Ordnung: epische, lytische, dramatische Poesie.
Dann folgt noch eine ausführliche Anleitung zur Behandlung der poetischen Stücke nach verschiedenen Gesichtspunkten. Auch dieser
Arbeit, die sich ebenfalls zu einer Veröffentlichung in einem Fach blatte eignet, wurde wie der ersten lebhafter Beifall gezollt unb den Ausführungen be4 Verfasser» Zustimmung ertheilt.
In einer ganz kurzen Diskussion wurde berselbe nur zu einige» näheren Erläuterungen aufgesorbert.
ES folgte nun ber Gesangvortrag einiger Lieber durch die Lehrer deS EonferenzbezirkS Grünberg, der ebenfalls wie die bereits früher genannten Vorträge mit großem Beifall ausgenommen unb für die besonders gebankt würbe.
Nachbem alle Lehrer vereint das Lied „Brüder reicht die Hand »um Bunde" gesungen hatten, schloß der Herr Vorsitzende mit Worten deS DankeS an die Lehrer, die vollzählig erschienen waren, an die beiden Lehrer, die Vorträge gehalten, und für die gelungenen Gesangs productionen die Eonferenz.
Bei dem sich daran anschließenden Mittagsmahl wurden Trink sprüche auf Seine Majestät den Kaiser und Seine Königliche Hoheit den Großherzog von Herrn Provinztaldirector Freiherrn v. Gager», auf die Mitglieder ber Kreitzschulcommission von Herrn Oberlehrer Fuhr, auf die Lehrerschaft der deutschen Volksschule von Herr» Schulrath Büchner ausgebracht. Wohl alle Theilnehmer der Eon- fcrenz schieden am Nachmittag in dem Bewußtsein, bei den so schäm verlaufenen Verhandlungen neue Anregung zu einem rüstigen, fr endigen Weiterwirken im Berufe empfangen zu haben.
Volksspielrasen.
Die Borstänbe sämmtlicher Schulen, gymnastischen vereine und einzelne als Freunde deS Unternehmens bekannte, ober dabei interefsirte Herren sind auf künftigen Montag Abends 8'/, Uhr in das Cafö Ebel zu einer Besprechung über die Gründung eines BolkSspielrasenS eingeladen worden durch folgenden Ausruf:
Unser Zeitalter steht unter dem Zeichen ber Nervosität, unser Geschlecht jeden Alters, jeben Standes leidet unter ber Hetze ber t» 6 Ungesunde gesteigerten Erwerbs- unb Verkehrverhältnisse; rückstchiSl»* unb brutal wirb körperlich unb geistig ruinirt, wer nicht die Krast hat, in dem Ringen nach Bildung unb Wissen, Ehre und Reichthu» auSruhalten. — Die vermehrte Arbeitslast, der Verbrauch an Net»«» wird unb kann nicht geminbert werben, bie Entwickelung unserer
Feuilleton
„Ja, wars beim Mottengezücht, daS da seinen poetischen AuferstehunaS- und Junimoraen feierte?* fragt der Leser. Wir wollen eS einmal weiter belauschen, um eS aus seinen Thaten vielleicht zu erkennen.
Die auseinander gestobene Gesellschaft flattert wonnetrunken hinaus. Hier fliegt eines hinab, immer fort, über die frühsommer- lichen Blumen, vorüber am den reifenden Kirfchen, über die lachenden ©emüfebeete, bis in daS Heiligthum deS DoctorS, wo er bas trauteste Steckenpferd feiner Mußestunden reitet — In den Spaliergarten. „Dort trafen sich die Brüder (fo ziemlich) im Schiff- Icin wieder!"
Sieh, hier hat es sich niebergelaffen, auf einem Blatt der Goldparmäne: es hat feine Flügelchen zu einem kleinen Dach über den Rücken zusammengelegt. Jetzt breitet es dieselben aus, damit wir sie sein betrachten tonnen. O weh! wie einfach das ganze Kerlchen auSsieht unb doch: wie fchön spielen die Lichter des Morgens über sein unbeschreiblich zart beschupptes Kleidchen! Der kleine, kaum Fingcrnagelgröße spannende Falter hat eine düstere graubräunlicbe Farbe, die ein wenig inS Bläulichgraue oariirt. Die Vorderflügelchen sind in ihrem Haupttheil ganz zart bräunlich — wie die Wasserzeichen eines Atlasbandes — gewellt. Im äußeren Winkel dieser Flügelchen fällt uns ein dunkler, zum Theil kupfer- glänzender Fleck auf. Das ist sein Wappenschild und Erkennungszeichen! Die Hinterflügelchen, die ziemlich lang befranst,, sind glänzend bräunlichgrau; der Leib unb die Beinchen etwas fUbcrig angehaucht.
„Ja, ists nun eine Motte?" „Nein!" „Jsts ein Wickler?" „Ja!" „Was für einer?" Das werden wir gleich sehen-
Husch' läuft jetzt das Thierchen daS Blatt entlang; eS hüpft, fliegt ein wenig unb ein wahrer Freudentaumel überkommt fein kleines Herz, al- es, lauschig im Laub versteckt, einen allerliebsten Quirl kräftiger, vielversprechender junger Aepfelchen erblickt. Auf einem dieser läßt eS sich niebir, läuft daraus lustig hin und her, betastet es mit seinen zarten Fühlern, küßt eS mit ber seinen Rollzunge: prüft die dralle Haut, dessen Stielgrube und die kleine Kelchhöhle oben, wo im jungen Mai die Blüthe geprunkt. Hier, diese Stelle, wo bie vertrockneten Kelchblättchen stehen, scheint eS besonders zu interefftren. tzg dreht sich mehrmals im Kreise, mit kurzem Walzertritt, bann macht es seine Reverenz. Potz tausend! Da hatS ein Si gelegt 1 Warum nicht!" sagt es, fliegt befriedigt weiter, um etwa 20 weitere Aepfelchen auf gleiche Weise an irgend einem geschützten Punkt zu beglücken.
Könnten mir nun das ahnungslose Aepfelchen weiter beobachten, so würben wir nach etwa 8 Tagen aus dem ongrflebten, röthlichgelben, kaum hirsrkorngrotzen Ei ein winziges Räupchen ausschlüpfen sehen, daS sich nun direkt neben ber leeren alasigen Eischale in bie Haut der jungen Frucht einfrißt. Dort rastet eS einige Zeit, um bann seinen Weg ins Innere ,ortzusetzen.
ES thut dtes in der Regel auf dem kürzesten Weg nach dem Kernhaus, denn nur notbgebrungen lebt eS in der ersten Zeit vom grünen fauren Fruchtfleisch: seine Nahrung, auf die eS allein abgesehen ist, sind bie eiweißreichen Samenferne. Die Zett, innerhalb der die Frucht durchquert wirb, ist ganz verschieden. Sie hängt von der Reifezunahme, von ber Gestalt der Frucht und vor Allem von der Gröhe, Zahl, Reife unb bem Nährstoffgehalt der Samenkerne ab: wo reicher Proviant, da dauert es langer; wo zu spärlicher Tisch, das ist früher tabula rasa gemacht unb fort gehts an eine zweite Frucht! Ein Apfel ober eine Birne kann vom Wurm bewohnt sein, wo wir wetteten, dag keiner darin ist, weil wir von außen nicht» bemerken. DaS kommt daher, weil der Ein- bohrungSgang des sehr klein'n Räupcheus beim Gröherwerden der Frucht bald wieder verwächst. Verloren ist die Frucht immer, ob fie nun mehr ober weniger nothreif abfällt ober erst bei der Ernt« den Baum derlös'. Tas erstere ist meistens überwiegend der Fall:
Unser Garten im Inni.
Draußen vor dem Thor, ganz einsam im lauschigen Obstgarten, Da liegt daS graue HauS des Doctor HelopS.
Ein alter knorriger Apselbaum ragt mit einem Arm bis zu dem spitzen.Dachglebcl hinauf unb klopft bei Winden und Stürmen wie warnend an ein blindes Fenster: das blöde Auge einer Rumpel- Tammer.^ fln eincm schien Junifrühmorgen ausgelassenes
Leben. ES schien, wie wenn der Jahrzehnte alte Staub lebendig geworden. Er wirbelte von dem gichtbrüchigen GlobuS unb aus dessen flaffenber Kopswunbe empor, senkte sich auf die zersprungenen dickbauchigen Gläser, bie neben ihm auf bem wurmzerfressenen Schranke standcn unb riefelte in tanzenden Sonnenstäubchen dcS ersten Lichtstrahls hernieder, auf ein in die Kniee gesunkenes , kopfloses Todtengerippe, auf einen griesgrämig dreinschauenden urväterlichen Reitstiefel, einen zertrümmerten Toilettenspiegel, eine längst verstummte Kindertrompete unb hunderllei ähnliche invalide Dinge, die einer Rumpelkammer Reiz und Poesie mrleibem fl5ubtc DOn Zeit zu Zeit an einem alten
ivetteroerschosscnen Mantel auf, der an bem Gestell eines leeren Slpfellagets hing ES war, wie wenn auS feinen stillen Aermel- lödjern, auS feinen Falten unb Taschen ab unb zu knalllose, rauchschwache Schüsse von Zinnsoldalm ausblitzten unb aus ber Meinen Wolke bann triumphirenb, wie ein kleiner Phönix je ein winziger Falter ausstieg. ES waren in ber That kleine Schmetterlinge bie luftig herumflatterten unb bann ihren Schabernak im weltvergessenen Reich ber Kammer trieben; bie den Staub auf- Wh beiten unb bie Sonnenstäubchen zu stürmischen Gänzen herauS- forberttn-n g^s, wie wenn ber alte Doctormante! sich darob, sreudedurchschauert, schüttelte; ja, tuschelt er nicht jetzt gar Goethe'sche Reime zum Gerippe hinüber?
„Wie überraschend mich bie junge Schöpfung freut! Man fäe nur, man erntet mit der Zeit.
Ich schüttle nochmals meinen alten Flau«; Noch eines flattert hier unb dort heraus. Hinaus! umoei! in hunderttausend Ecken Eilt euch, ihr Liebchen, zu verstecken, Dort, wo bie alten Schachteln stehn, Hier im bebiäunkn Pergamen, In staub gen Scherben alter Töpfe, Dem Hoblaug' jener Todtenköpfe.
In solchem Wust- unb Moberleben Muß es für ewig Grillen geben "
Aber diese Grillen wollten hinaus, ihr Leben nicht in ber Gerümpelkammer vertrauern: als die goldnen Strahlm deMorgensonne durch die trüben Scheiben blinkten, da stürmten sie ihnen mit hastigen Flügelschlägrn entgegen, stießen j6reft!uppt6en Ä?P^“J gegen das Glas und flatterten sich, nach Freiheit $cn Fensterrahmen ab. Sie sollte Vielen werden, die goldne Freiheit die Thür der Kammer sprang plötzlich tltncnb auf, dtsHaufeS treue Hüterin, die alte „Bärbel" fuhr herein - einem mächtigen Flederwisch unter bie Bestürzten. „C ihr vertrakteS Moltrngt- zücht'" Manche sielen von wvchtigkn Hieben und der SUbersiaub ihrer Flügelchen wirbelte nieder. Dann aber riß sie daS blinde Fenster auf unb jagte ben Rest hinaus in« goltne Morgerrlrcht deS Ei artens !
dem frechen Zahn deS Wurms fallen alljährlich die aller schönsten Acpsel und Birnen, auch Quitten zur Beute. Die Zahl der dadurch dem Obstbau verloren gehenden Früchte ist, Jahr für Jahr, eine so ungeheuere, daß bet Vtrlust sich allein für bm beutschen Odstzüchter unb Liebhaber auf Millionen von Mark beziffert!
„Ja waS ist denn das für ein niederträchtiges Biest?" fragt Mancher erstaunt. Die Meisten haben eS schon gemerkt: e- ist bie Obst made, ber Obftwurm und der kleine listige Falter, der in btt doclorlichen Rumpelkammer oben seinen GeburtS- unb Aubfliegetag in den Junigarten feierte, ist der Apfelwickler, Carpocapea pomonella, wie ihn Altmeister Linn» getauft.
„Aber wie ist denn der Rumpelkammer geburtStag zu erklären?" werden Viele fragen. Ganz einfach: In der IbnUtfcbar Kammer auf der Obsthürde, ba lagerte der Doctor im Herbste feine Lieblinge. Lachende Aepfel und Birnen, frisch von Spalieren »nb Hochstämmen. Da hat er vielen — der Fäulniß verfallenen — gar nicht angesehen, welch häßlicher Wurm tn ihrem Innern wohnte. Dieser kroch, fatt, halb heraus unb suchte sich ein mollige» Winterquartier. Da mutzte der alte Doctormantel, bet GlobuS mit bem eingeschlagenen Schöbel, ber tapfere alte Reiterstiefel mit vielen «oberen ehrwürdigen Dingen dazu herhalten, Winter- und Ruhe- quartier so mancher eingefponnmen Räupchen, die sich bekanntlich erst im nächsten Mai verpuppen, zu werben. AuS ihnen stäubte es, als in der Junimorgendämmerung die Puppensesseln sprangen u»b die Wicklet entfliegen, denen dann „Bärbel", nach schnell verrauchter Motblust, bie Freiheit gab.
Trotz beS beträchtlichen Schadens, den der Apfelwickler jährlich dem Obstbau beibtingt, ist man bisher fast völlig gleichgiltig gegen ihn verfahren. ES war mir daher eine freudige Genugthuung, all auf meine Anregung hin der wohl allen Freundm der Obstzucht bekannte „Practifche Rathgeber im Obst- unb Gartenbau" mir eS ermöglichte, in biefer wichtigen Materie, bie ihm am Herzm lag, tn diesem Jahre eine Umfrage im ganzen deutschtedenden Obstbaugebiet ergehen zu laffen und auf Grund der etngegangenen Antworten, sestzustellen, datz unser Kernobstbau -inen DvrchschnittSveielmW von 86,5 pEt. durch den Obstwurm erleidet, ferner, daß das Wes« diese» hochschLbltchm Jnsects noch viel zu wenig allgemein getane! und bcShalb zu seiner Bekämpfung meist nicht« geschieht, obgleich jeder Obstzüchter — unb wenn et nur ein Bäumchen besitzt Interesse dafür haben muß, weil die souveräne Nichtachtung der Sache mit Merger urb einem Loch im Geldbeutel endet! Es ist ja kein freudiges Thun, mit Feuer und Schwert gegen daS Wes« der Schöpfung oorzusahrm. Wo aber diese Wesin sich selbst natur- feindlich unb unS, nun einmal egoistischen Menschen, hochschädlich zeigen, bm sauren Schweiß so Vieler übel belohnen, be wirb bat giieberfimpfcn zur Nothrvenbigkeit. Unb eS giebt einfache, so gut arte kostenlos selbst zu schaffenbe Maßregeln, dem Fortbestehen triefe* Apfelwürgens, BirnzerstörenS durch baS gehaßte Jnfect vorzubeug«, btn ungeheuren Schaben etnjubämmm. Ich bebauete nur, hier aef die hochwichtige Nothwendigkeit nicht näher eingeben zu können, weil sie kurz nicht abzumachm ist. In dem reinen Bestreb«, unterer. Obstbau damit zu nutzen, habe ich an ber Hand ber erwähnten Umfrage, unter genauer Schilderung bet Lebensweise be» von mir seit eklen Jahren beobachteten Schädlings unb Beifügung der nöthigen Bilder, die Bekämpfungsrnethoden im Freien, wie in den Obsträumen, in der oben erwähnten bekannten Zeitschrift INr. 14 bis 16 d. I.) eingehend dargelegt. — Erwächst unserem freudig a»f- strebenden Obstbau barau» ber zu erwartende Nutzen, so ist meta btfcbeiber.es Mühen reichlich belohnt; dann werben durch bie kleine Mahnung, bk heute auS der idyllischm Rumpelkammer to bie Jrnt weit flog, die Apselkörbe voller und bk Mienen ber Odstzüchter vergrüzrer dreinschaum! ,. _ „ „
Heinrich Frhr. Schilling v. Eanstatt.


