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3.6.1894 Erstes Blatt
 
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namentlich weil so viele kleine Leute von dem Ver- lüste ihrer Ersparnisse ihres gesammten Vermögens betroffen wurden. Sehr zu ihrem Glücke wurden die Angeklagten verhaftet und befinden sich noch, mit Ausnahme Schröders, der auf Beschluß des Oberlandesgerichtes auf freien Fuß gesetzt wurde, in Haft. Besonders interessant ist es, daß Brüggemann zu der Zeit, da er schon sehr tief in die Kasse des Bankvereins gegriffen hatte, wie er sagt, zur Rettung des Franz, der Führer der Opposition gegen den Bürger­meister war und öffentlich die Vergeudung von Geldern aus dem Stadtsäckel zu brandmarken suchte.

Der Siegener Bankverein, der 1892 einen Umschlag bon 90 Millionen Mark hatte, ist mit einem Aktiencapital von 1,200,000 Mark gegründet, dieses Capital wurde auf 2 Millionen erhöht und diese ganze Summe, sowie die Reservefonds von 315,000 Mark, sind verloren. Die Straf- thaten, welche den Angeklagten vorgeworfen werden, sind nun folgende: Brüggemann und Kölsch sollen absichtlich zum Nacht heil des Bankvereins gehandelt, wissentlich falsche Darstellungen über die Vermögenslage des Institutes gemacht und mit den Geldern der Bank an der Börse speculirt und dabei enorme Verluste erlitten haben; Brüggemann allein fott ferner durch Erpressung die gänzlich unbetheiligt gewesene Firma Fuchs u. Co. in Tiefenbach mit in den Strudel hinein­gezogen und hierdurch selbe ebenfalls völlig ruinirt haben. Franz soll bet dm Strafthaten, wenn er nicht zu denselben angeftiftet hat, so doch mit Rath und That Hilfe geleistet und durch Differenzhandel übermäßige Summen verbraucht haben. Schröder endlich soll als Mitglied des Aufsichtsrathes Kenntniß von der bereits längst prekären Lage des Bank­vereins gehabt und es vorsätzlich unterlassen haben, die pflicht­gemäße Anzeige zu machen,- er soll also ebenfalls wiffentlich zum Nachtheil des Institutes gehandelt haben.

Folgende Hauptmomente sind es, welche zunächst in Betracht kommen. Zu den Leuten, welche durch den Siegener Bankverein ihre Geldgeschäfte abwtckelten, gehörte auch der Mühlenbesitzer Franz zu Weidenau, der für sehr gut situirt galt und dem bei der Bank ein Credit von 600,000 Mark eingeräumt war. Bereits 1891 war dieser Credit um circa 480/)00 Mark überschritten. Diese Creditüberschreitung, welche ohne Genehmigung einer Bank Commission nicht statt­haft war, sollen Brüggemann und Kölsch dadurch zu ver­schleiern gewußt haben, daß sie von Franz 11 Wechsel, von .denen sie wußten, daß es werthlose Scheinwechsel waren, in das Portefeuille der Bank nahmen, selbe dem Franz an­rechneten und so eine stimmende Kasse erzielten. Die gleiche Manipulation soll Ende 1892 mit 19 Scheinwechseln ge- i3als das Conto Franz die unheimliche Höhe von 1^,205,000 Mark erreicht hatte, wofür es an Deckung mangelte. Franz selbst soll diese Wechsel als Scheinwechsel mit Wissen und Willen ausgestellt und hergegeben haben; Schröder jedoch fou diese Wechsel bei seiner 1891 vorgenommenen Revision QIS Scheinwechsel erkannt und dennoch gegen seine Pflicht keine Anzeige beim Aufsichtsrath gemacht haben. Damit wird diesem Angeklagten der schwere Borwurf gemacht, daß er es gewesen, der den Krach noch rechtzeitig verhin­dern konnte, weil damals sich noch ein Arrangement hätte treffen lassen, ohne daß es zum Concurse kam, daß er also durch seine Unterlassungssünde an der Catastrophe mindestens mitgewirkt hat. Die Creditüberschreitungen des Franz sollen zurückzuführen sein auf Differenzgeschäfte, bei denen große Summen verloren gingen. Hier taucht ein Punkt auf, über den die Verhandlung nur vielleicht Klarheit schaffen wird. Es fragt sich, ob Franz ohnehin, ohne Mitwirkung des Bankvereins, bei Getreide-An- und Verkäufen große Summen verloren hat und dadurch zuerst die Creditüber­schreitung begründet wird- ferner ob dann erst, oder bereits früher, ob nothgedrungen oder aus heiler Haut, das Börsen- spiel des Bankvereins auf den Namen Franz begann und ob dieses Geschäft im Auftrage des Franz geschehen, oder nicht. Thatsachlich hat namentlich in letzter Zeit die Bank mit Bankgeldern, angeblich für Franz, Börsengeschäfte gemacht, um das Conto Franz mit Gewinnen zu entlasten. Die Frage ist nun die, ob Kölsch und Brüggemann selbstständig diese Geschäfte entrirten oder im Auftrage von Franz- ist letzteres der Fall, so schwillt das Conto des Franz noch unheimlicher an. Die Creditüberschreitungen und die Börsen­verluste mußten natürlich verborgen bleiben. Brüggemann und Kölsch mußten deshalb das Conto Franz beständig unvoll­ständig führen und dem Aufsichtsrath gefälschte Bilanzen vor­legen - letztere waren derartig gefälscht, daß der Aufsichtsrath noch eine Dividende von 7 pCt. festsetzte, als der Krach schon vor der Thür stand. Schließlich handelt es sich, wie erwähnt, noch um die Feststellung, ob etwa Brüggemann und Kölsch nebenbei noch Gelder bei Seite geschafft haben.

Dies die Hauptsachen in Umrissen. Die an sich ziemlich verwickelte Sache wird klarer, wenn man festhält: Franz hat Verluste im Getreidegeschäft, sein Conto erleidet bedeutende Creditüberschreitung, die beiden Bankbeamten speculiren mit Bankgeldern an der Börse, angeblich für Franz, verlieren große Summen, die in der Kasse fehlen- man greift zu Scheinwechseln, zu falschen Buchungen und falschen Bilanzen, die Revision deckt die Sache nicht auf und die Verluste werden so groß, daß der Bankerott eintritt und damit Alles ans Tageslicht kommt.

CotAfc» ttttö provinzieller >

Gießen, den 2. Juni 1894.

** Verzeichuiß der Sitzungen des Schwurgerichts pro zweites Vierteljahr 1894 :

1. Montag den 4., Dienstag den 5. und Mittwoch den 6. Juni, jedesmal Vormittags 9 Uhr, gegen Heinrich Münch Ehefrau und sieben Genoffen aus Beienheim wegen Meineid und Verleitung zum Meineid. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Jöckel- Vertheidiger: die Rechtsanwälte

Dr. Gutflei sch, Dr. Stein, Katz, Weidig und Dr. Jung.

2. Donnerstag den 7. Juni, Vormittags 9 Uhr, gegen Kaspar Baitz aus Windhausen wegen schwerer Urkunden­fälschung. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Schilltng- Trhgophorus- Vertheidiger: Rechtsanwalt Metz.

3. Freitag den 8. Juni, Vormittags 9 Uhr, gegen Margaretha Kempel, Karl Kaiser und dessen Ehefrau, sämmtliche aus Wenings, wegen Meineid, .bezw. Anstiftung dazu. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Jöckel- Vertheidiger: die Rechtsanwälte Kraft und Hirschhorn.

4. Samstag den 9. Juni, Vormittags 9 Uhr, gegen Peter Net sch er aus Friedberg wegen betrügerischem Bankerott. Die Anklage vertritt Gerichtsasseffor Koch- Ver­theidiger: Rechtsanwalt Dr. Rosenberg.

5. Montag den 11. Juni, Vormittags 9 Uhr, gegen Johannes Friedrich und Johannes Bernhard I., beide aus Angenrod, wegen Meineid, bezw. Verleitung zum Mein­eid. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Jöckel- Vertheidiger: die Rechtsanwälte Holzapfel unb Dr. Fuhr.

6. Dienstag den 12. Juni, Vormittags 9 Uhr, gegen Joh. Westerweller Wittwe und Heinrich Schmidt Ehe­leute, sämmtliche aus Melbach, wegen Meineid, bezw. Ver­leitung zum Meineid. Die Anklage vertritt Erster Staats­anwalt Jöckel- Vertheidiger: Rechtsanwalt Justizrath Batst, sowie die Rechtsanwälte Grünewald und Dr. Stein.

* * Stenographisches. Der Verband der Stenographen des Main-Rheingaues, der die Förderung und Ausbreitung der Schnellschrift nach Gabelsberger System in Hessen, Hessen-Nassau und den angrenzenden Thetlen Bayerns bezweckt, hält seinen diesjährigen 15. Stenographentag Sonntag den 10. Juni in den Räumen des Kaufmännischen Vereins zu Frankfurt ab, und die Frankfurter Verbandsvereine bemühen sich, den zahlreich von auswärts erwarteten Kunftgenossen anregende Stunden zu bereiten. Vormittags 10 Uhr findet ein Wettschreiben statt, an welchem sich diesmal auch Damen betheiltgen werden, darauf folgt die öffentliche Hauptversamm­lung mit der Tagesordnung:Stenographie und Schule", eingeleitet durch Vorträge der Herren Dr. v. Oven und Dr. Gantter, und nach dem gemeinschaftlichen Mittagessen ein Besuch des Historischen Museums, dessen Besichtigung von den städtischen Behörden ausnahmsweise gestattet wurde. Für den Abend haben der Gabelsberger Stenographenverein und der Club für Kammerstenographie eine gesellige Unterhaltung veranstaltet, bei welcher auch der Frankfurter Männergesang­verein mitwirken wird.

* * ConcerthanS Lahusteiu. Wie uns mitgethetlt wird, beginnen die Sommer-Abonnementsconcerte am Freitag den 8. Juni. Abonnementskarten sind daselbst zu haben. 4666

* * Brodrevifion. Das von auswärtigen Bäckern und Brodhändlern hier eingeführte Brod wurde gestern einer- wiederholten Gewichts-Revision unterzogen. In einem Falle wurden 24 Laib theils ganz frischen Brodes beschlagnahmt, das Mindergewicht von 100 bis zu 150 Gramm pro vier- pfündtgen Laib zeigte.

* Unfall. Einem hiesigen Herrschaftskutscher ging gestern Abend in der Frankfurterstraße das Pferd sammt Chaise durch. Die Chaise schlug um und trug der Kutscher außer Hautabschürfungen noch einen Kapselriß am Fuße davon, sodaß er in die Klinik verbracht werden mußte. Pferd und Wagen blieben unbeschädigt.

* * Der Getreidemarkt. Auch in der abgelaufenen Berichts­woche herrschte auf dem Getreidemarkte wenig Leben. Zwar hielten sich im Allgemeinen die Preise in den einzelnen Ar­tikeln auf dem Niveau der Vorwoche, ja, sie bekundeten hier und da eine steigende Tendenz, die Umsätze selbst indessen bewegten sich nur in sehr mäßigen Grenzen. Speciell konnte dies vom Roggengeschäft gelten, bei dem namentlich die Ver­nachlässigung naher Termine auffällig hervortrat. Eine Be­lebung der Stimmung des Marktes ist indessen für nächste Zeit ebensowenig zu erwarten, da die Saatenstandsberichte trotz des in vielen Gegenden anhaltenden Regenwetrers der jüngsten Zeit durchschnittlich fortdauernd recht günstig lauten. Notirungen an der Berliner Productenbörse: Weizen per 1000 Kilogramm von 130136 Mk., Roggen von 109 bis 115 Mk., Hafer von 128163 Mk., Gerste von 90 bis 165 Mk.

* * Elftes deutsches Buudesschießeu in Mainz. Nach einer Mittheilung des Hofmarschallamts in Berlin ist der von Sr. Majestät dem deutschen Kaiser gestiftete Ehrenpreis nach Mainz abgeschickt. Zu dem Probebankett und dem Probeschießen, welches am 10. Juni stattfindet, sind alle Schützen, welche dafür Interesse haben, freundlichst etngeladen. Bei dem Wohnungsausschuß sind bereits allein in Privatquartieren 1600 Betten angemeldet. Die Unterbringung der fremden Schützen wird sich also in durch­aus zufriedenstellender Weise erledigen Von einer besonderen Commission wird jedes angebotene Quartier geprüft. Der Mainzer Aerzteverein hat die ärztliche Station auf dem Festplatz übernommen. Der Ordnungs- und Wachtdienst wird von der Mainzer Turnerschaft, unter­stützt durch eine Abtheilung der freiwilligen Feuerwehr, ausgeführt. Die privilegirte Schützen-Gesellschaft zu Dresden wird sich zur Uebernahme des zwölften deutschen Bundes- schießens melden.

N. Aus dem unteren Nidderthale, 27. Mai. Um Ihre Nachricht hinsichtlich der Zuckerrübencultur in der Wetterau, besonders im östlichen Theile derselben, zu ergänzen, theilen wir Ihnen mit, daß auch in unserer Zuckerfabrik zu Stockheim noch bedeutende Vorräthe an Rohzucker lagern. Es können ähnlich wie in Friedberg noch 17 000 bis 18 000 Gentner sein. Man will auch bei uns vorerst noch eine Zett lang mit dem Verkaufe zusehen und bessere Preise abwarten.

Während mau in Friedberg für die 1894er Rüben nur 85 Pfg. pro Gentner in Aussicht gestellt hat, zahlt man bet uns 1 Mk. Der Unterschied wird sich am Schlüsse der Gampagne in der Dividende bemerklich machen. Nach Lage der Dinge zur gegenwärtigen Zeit wird angenommen, daß Friedberg 5 pGt. Dividende pro 1894 zu zahlen im Stande ist, Stockheim aber für 1894 gar keine oder doch nur eine sehr mäßige. Bei Friedberg sprechen die Großcapitalisten das entscheidende Wort und sie wollen natürlich eine kräftige Dividende haben. In Stockheim sind es fast ganz aus­schließlich Landwirthe, welche zu bestimmen haben- ihnen kommt es darauf an, daß ihre Producte richtig verwerthet und wenn dies geschehen ist, wird eine gute Dividende auch "och dankbar angenommen. So lange die landwirthschaftlichen Interessen nicht befriedigt sind, müssen in Stockheim die capitalistischen zurücktreten. Von dieser Ansicht geht man auch bei den neu zu gründenden Unternehmungen in Echzell und Berstadt aus.

D Vom Vogelsberg, 1. Juni. Wenn die Kalenderregel: Juni-Donner bringt fruchtbar Jahr" Anspruch auf Bewährung machen darf, so erweckt der heutige erste mit seinen mehrfach niedergegangenen Gewittern diese Hoffnung. In der That ist die jetzige Wetterlage eine so vortreffliche, daß sie zu den besten landwirthschaftlichen Aussichten berechtigt. Das seither durch das trocken-kalte Wetter gehemmte WachS- thum treibt nun mit Macht hervor. Ganz vortrefflich eignet sich das feucht-warme Wetter zum Setzen der Ackerpflanzen, das die Landwirthe jetzt fleißig vornehmen. Sogar die Krautpflanzen setzt man schon, da man früher nach veralteter Regel erst um Johanni (24.) zu setzen pflegte. Von einer starken Heimsuchung durch Ungeziefer, wie sie aus anderen Gegenden berichtet wird, sind wir hier bisher verschont ge­blieben. Namentlich treten die oft alle Blätter der Obftbäume fressenden Blattläuse bei Weitem nicht in dem Maße auf, wie im vorigen Jahr. Infolge dessen zeigen die Obstbäume ein kraftstrotzendes Aussehen.

-e. Neu - Ulrichstein, 1. Juni. Monatsbericht der Arbeiter-Eolonie pro Mai 1894. Ende Mai 1894 sind in der Eolonie stellen-, resp. arbeitslos 67 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 12, Regierungsbezirk Kassel 10, Regierungs­bezirk Wiesbaden 1. Königreich Preußen: Provinz Rhein­lande 5, Provinz Westfalen 1, Provinz Sachsen 2, Provinz Brandenburg 1, Provinz Berlin 1 , Bremen 1, Provinz Schlesien 3, Provinz Ostpreußen 3. Königreich Bayern 9, Königreich Sachsen 5- Großherzogthum Baden 3- Herzog- thum Sachsen-Altenburg 1, Thüringische Staaten 6 - Groß- herzogthum Luxemburg 1. Ausland: Böhmen 2. Hiervon waren: Arbeiter 32, Bäcker 3, Brauer 2, Bürsten­macher 1, Bergmann 1 , Färber 1, Former 1, Gold­arbeiter 1, Heizer 1, Kellner 2, Kaufmann 2, Metallschleifer 1, Mechaniker 1, Messerschmied 1, Präger 1 , Schneider 3, Schuhmacher 3, Schlosser 2, Schreiber 3, Schreiner 1, Tuchscheerer 1, Tüncher 1 , Weber 1 , Zimmermann 1. Gearbeitet wurde an 1853 Tagen, hierunter 128 Tage für fremde Rechnung. Verpflegt hat die Eolonie an 2250 Tagen. Im Monat Mai wurden entlassen 36 Mann, und zwar in Stellung durch die Eolonie 1, in Stellung durch eigenes Bemühen 1, auf eigenen Wunsch 20, wegen Arbeitsunfähigkeit 4, wegen Arbeitsscheu 1, wegen grobem Verstoß gegen die Hausordnung 1, wegen Eontractbruch 8. Seit Bestehen der Eolonie sind ausgenommen worden int Ganzen 2419, dagegen abgegangen im Ganzen 2352 Mann, bleibt Bestand am 31. Mai 1894: 67 Mann.

-d- Rodenbach i. d. W., 31. Mai. Die zweite Mai­hälfte war zwar kühl, zuweilen sogar rauh- trotzdem sind unsere Kirschen, die sich eines guten Rufes in der ganzen Umgegend erfreuen, auch dieses Jahr so zeitig reif geworden, daß sie denjenigen an der Bergstraße nicht viel nachstehen. Unsere Kirschenernte hat begonnen und es werden nach allen Seiten Versendungen vorgenommen. Die Kleinhändler, welche mit diesem ersten Kernobste hausiren, geben das Pfund zu 20 Pfg., was zur gegenwärtigen Zeit ein billiger Preis ist. Bei größeren Quantitäten find die Preise niedriger. Die Kirschencultur ist für unseren Ort ein Segen, sie bringt die ersten Erträge in die magere Frühlingszeit- ein bekanntes Sprüchwort sagt:Um Pfingsten hat der Bauer am wingsten." Das Kirschengeld wird darum stets sehr freudig begrüßt.

A Mainz, 1. Juni. Die Hierherkunft des Groß­herzogs mit seiner jugendlichen Gemahlin ist nunmehr auf den kommenden Donnerstag, den 7. d. Mts., festgesetzt. Nach den bis jetzt getroffenen Dispositionen wird das Groß- herzogliche Paar voraussichtlich bis zu dem Abend deS 27. Juni hier bleiben. Der hiesige Bürgermeister weilt gegen­wärtig in Dresden, wohin er zur Abholung seiner auf der Rückreise von Karlsbad dorten erkrankten Gemahlin gereift ist.

A Aus Rheinhessen, 1. Juni. Infolge der ungünstigen Witterung hat die diesjährige Spar gelernte in den be­rühmten Gemüseorten Gonsenheim, Mombach rc. sehr Noth gelitten. Infolge des geringen Erträgnisses hatten die meisten Conservenfabriken auf den Bezug verzichtet, indem sich der Preis fortgesetzt auf fast 60 Pfg. das halbe Kilo hielt.

Vermißtes.

* Marienburg, 1. Juni. Ein schauerlicher Mord ruft hier die größte Aufregung hervor. In einem unweit der Stadt belegenen Sumpfe wurde eine Frauenleiche, aufrecht stehend, mit zusammengebundenen Händen aufgefunden. Am Halse der Todten sand man Spuren von Erdrosselung. Die Staatsanwaltschaft hat sofort die Untersuchung eingeleitet.

* Eine sonderbare Passion hat einen 17jährigen Kauf­mannslehrling in Metz ins Gefängniß gebracht. Derselbe hatte sich ein Velociped geliehen und dasselbe bann für 156 Mark verkauft. Von diesem Gelbe kaufte er sich bann eine Offiziers-Uniform und zeigte sich damit in den Straßen.