Ausgabe 
3.2.1894 Erstes Blatt
 
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mann 4. Gearbeitet wurde an 2825 Tagen, hierunter an 100 Tagen für fremde Rechnung. Verpflegt hat die Colonie an 3660 Tagen. Im Monat Januar wurden entlasten 25 Mann, und zwar in Stellung durch die Colonie 4, in die Familie zurück 1, auf eigenen Wunsch 18, wegen Arbeits­unfähigkeit 1, wegen ContractbruchS 1. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2429, dagegen abgegangen im Ganzen 2311 Mann, bleibt Bestand am 31. Januar 1894 118 Mann.

Darmstadt, 1. Februar. Der gefährliche Einbrecher Glotzbach, welcher einer mehrjährigen Zuchthausstrafe entgegen sah, ist heute Nacht mit einem gewissen Blatter, gegen welcher gestern vor der Strafkammer Termin anbe­raumt war, der jedoch vertagt wurde, auß dem hiesigen Provinzialarresthause ausgebrochen. Da nirgends eine I Beschädigung vorliegen soll, mußten die berüchtigten Diebe die Schlösser geöffnet haben. Hebet die Mauer sind sie mit I Hilfe einer Letter gekommen. Die That ist schwer begreiflich, wenn man bedenkt, daß Nachts die Riegel an der THÜre vorzuschieben sind und daß vor dem Hause eine Schildwache steht. Der hiesige Volksschullehrer Victor Erdmann Schäfer, der längere Zeit als Lehrer in Los Leones (Argentinien) wirkte, hat kürzlich eine Stelle an der deutschen Colonie zu Gal atz (Rumänien) angetreten. Herr Schäfer, der seinen Austritt aus dem hessischen Schuldienste genommen hat, gedenkt, dem Benehmen nach, nicht mehr in denselben zurückkehren zu wollen. N. H. B.

* Frankfurt a. M., 29. Januar. Welcher Beliebtheit sich das Fahrpersonal der Frankfurter Trambahn erfreut, geht am besten daraus hervor, daß 666.60 Mark Neujahrsgelder für dasselbe bei der Direction eingegangen sind.

Kassel, 30. Januar. Vor einigen Tagen kehrte ein in der Unterneustadt wohnender Ehemann spat in der Nacht in sehr angeheitertem Zustande heim. Seine Frau machte ihm hierüber Vorhalt. Aergerlich verließ er darauf wieder die Wohnung und sprang' in der Nähe der Mühlengasse in die Fulda. Das kalte Bad hatte gute Wirkung, der Selbst- mordcandidat schwamm ans Ufer, watete mit seinem Sonntagsanzug durch dicken Schlamm und gelangte durch einen Feuergang auf die Straße. In seiner Wohnung zog er sich um, versuchte dann von der Fuldabrücke aus noch einmal in die Fulda zu springen, wurde aber davon abge­halten. Schließlich ging er in die Apotheke, holte sich ein großes Quantum Thee und legte sich zu Bett, auf weitere Selbstmordversuche verzichtend.

* Berlin, 1. Februar. In einem Hotel in der In- validenstraße geschah heute ein Doppel-Selbstmord. Infolge der gänzlichen Aussichtslosigkeit, zu heirathen, nahmen ein 22jahriger Krankenwärter und seine Braut Gift und er­schossen sich dann.

BreSlau, 1. Februar. In der vergangenen Nacht brannten in dem Dorfe Preiland bei Neisse achtund- dreißig Stellen ab. Eine Frau und ein Kind kamen in den Flammen ums Leben. Viel Getreide und Vieh sind ver­nichtet. Es wird Brandstiftung vermuthet. Auf der Galmei­grubeVictoria" bei Beuthen in Oberschlesien brannte der alte Förderschacht ab; alle Anlagen wurden vernichtet/

* Mannheim, 1. Februar. Vermuthlich infolge von Verlusten, die er beim Bankbruch Maas erlitten hat, erschoß sich Ludwig Mayer von der Hopfenfirma Lazarus Mayer u. Kauffmann.

Dort»n»d, 31. Januar. Als der reichste Mann in Preußen ist für daS Etatsjahr 1893/94 ein Dortmunder aufgeführt. Es ist dies der italienische Consul Albert Hoesch, Leiter und Hauptactionär deS Eisen- und Stahl­werks Hoesch Hierselbst. Herr Hoesch stammt von der als sehr reich bekannten Familie gleichen NamenS in Düren, die nebst den mit ihr verschwägerten Familien Schleicher, Schüll und Schüller, Eisenwerke, Papierfabriken und sonstige Etab« liffements besitzt. Den größten Thetl seines Vermögens hat Albert Hoesch in Effecten angelegt. Er ist mit einem Ein­kommen von 8,23 Millionen eingeschätzt, während er im EtatSjahr 1892/93 mit 10,9 Millionen eingeschätzt war und dafür 436,000 Mk. Steuer zahlte. Der zweitreichste Preuße ist Krupp in Essen mit einem Einkommen von 7,190,000 Mk. und einem Steuerbetrag von 287,000 Mk. Der Dritte ist Rothschild in Frankfurt mit einem Einkommen von 5,840,000 Mk. Dann folgt ein Berliner mit einem Einkommen von 5,705,000 Mk. Hierauf ein Breslauer mit einem Einkommen von 4,330,000 Mk. - dann zwei Berliner mit 4,220,000 bezw. 3,500,000 Mk. Im ganzen haben drei Berliner ein Einkommen von 34 Millionen, fünf weitere von 23 Millionen, ferner zwölf von 12 Millio­nen. In Berlin haben 556 Personen mehr als 100,000 Mk. Einkommen. Nimmt man an, daß ein Einkommen von 120,000 Mk. jährlich erforderlich ist, um einen Thaler- millionär vorzustellen, so giebt es solcher Thalermillionäre in Berlin 426. Ihre Zahl ist aber seit dem Vorjahre nicht gewachsen, sondern hat sich sogar um 14 verringert. Mehr als 100,000 Mk. Einkommen besitzen in Berlin 556 Per­sonen, gegen 569 im Vorjahre. Im ganzen preußischen Staat giebt es solcher Personen mit mehr als 100,000 Mk. Einkommen 1332. Auch hier ist ein Rückgang feit dem Vor­jahre um 48 bemerkbar.

» Nach Berichten auß Wörishofen betrug die Zahl der Kranken, welche im Jahre 1893 beim Pfarrer Kneipp Hülfe gesucht haben 10,999.

Der Pallasch des Kaisers. Dem Kaiser ist aus Anlaß seineß 25 jährigen Militärjubiläumß von dem Prinzen Fried­rich Leopold von Preußen Namens des Osfiziercoips des Regiments der Gardes du Corps ein Pallasch als Erinne­rungsgabe überreicht worden. Die Waffe ist nach den An> gaben des Prinzen entworfen und in sehr starker Vergoldung ausgeführt. Die Klinge ist aus echt türkischem Damascener- stahl gefertigt und mit der erhabenen Inschrift versehen: Dem allerhöchsten Chef. Das Regiment Gardeß du Corps am 27. Januar 1894." Auf der Rückseite der Klinge be­finden sich sämmtliche Namen der activen und inactiven Offi­ziere deß Regiments. Die Schriftzeichen sind gothisch aus­geführt. Die Klinge steckt in einer massiv silbernen Scheide. Das Ganze ruht in einem künstlerisch ausgeführten Etui.

* Schicksale hoher Orden. Aus N ü r n b e r g, 30. Januar, schreibt man derFrkf. Ztg.": Der Beamte des städtischen Leihhauses stellte an den Magistrat die Anfrage, ob er einen grobherzoglich badischen Orden in Pfand nehmen dürfe. Das Magistratsrollegiurn hat heute entschieden, daß dies nicht angehe. Der Inhaber der Auszeichnung soll von diesem Beschlüsse wenig erbaut sein.

* Besser wohlgethan als illumimrt. Eine bemerkenswerthe Bekanntmachung veröffentlicht der JnsterburgerMagistrat. Derselbe forderte,gegenüber der Noth der hiesigen Armen", die Einwohnerschaft auf,auch bei der diesjährigen Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs von einer Illumination Abstand zu nehmen, anstatt derselben aber werkthätig der Armen zu gedenken, unter

Pfarrer vr. Naumann.

im Confirmandensaal der Johanneßkirche. Vers 46 an: Hilfe und Herrlichkeit auf

61441 Dogelf ceunde. Schiffers Voaelfuiter, nur echt in ver- n Packet«nmit dem Vogelneste" (eingetragene Schutzmarke), .ertroffen im Alleinverkauf zu Oriqinalpretfen bet A- u- G- Wallenfels. Gießen, Marktplatz 21

welche wir eingehende Spenden bei der erwähnten Feier ver- theilen werden."

* Der junge König von Serbien hat kürzlich seinen ersten Ball mitgemacht Es war der Ball deß Belgrader Jockeyclubß, den der 171 /a jährige König zu seinem Debüt wählte, und die Zeitungen verzeichnen getreulich die Namen der Damen, mit denen er getanzt hat. Die erste Dame, welche er zum Tanze aufforderre, war Frau Konstantinowitsch, die Gemahlin deß Präsidenten deß Jockeyclubs, welche eine Verwandte des königlichen Hauses ist.

Verkehr, Canb* rrnd Volkrwirthschaft.

Die Pommersche Hypotheke« «etien-Banr ^Berlin Übersendet uns ihren Geschäftsbericht pro 1893 und stellt voni dem­selben laut Inserat in unserer heutigen Nummer jebem Pfandbrief- Besitzer ein Exemplar kostenlos zur Verfügung.

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Bibelstunde "am Montag den 5. Februar, AdendS 8 Uhr,

kirchliche Anzeigen dee Stabt Gietzen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst

Sonntag Estomihi, den 4. Februar:

vr. Naumann- _________

Katholische Gemeinde.

Sonntag den 4. Februar, Quinquagestma:

Samstag: Nachmittags um 4*/i Uhr und Abends um c> Uhr ®de8^nnta<l-,ÄtEta88 ton 6/, Uhr an @de8en6dt ,ur 61. W um W', Ur »ff- HI. M-ffh um 7-/.UH- Au-ts-luu- der hl Communion; um 8 Uhr zweite hl. Messe, um 9/, Uhr Hochamt; Verlesung des Fastenhirtenbriefes; Nachmittags um 5 /, Uhr Am°Zsch»rnff.w°ch nach d-r hl. M-ff- um 71/1 an jtbetn Mfflwoch d-r 6t

Fastenzeit Fastenandacht.

In der «tadttirche.

Vormlltags 9«/i Uhr: Pfarrer Schlosser-

Vormittags 11Uhr:MilitärgotteSdienst. Pfarrer ^^Nachmittags 2ss, Uhr: Kindetkirche. Pfarrer Schlosser.

Der Abendgotiesdienft fällt aus.

(Nach Beschluß deS Kirchenvorstandes fällt in Abwechselung mit der anderen Kirche jeden dritten Sonntag der AbendgoiteSdienft miß. Da dies sich regelmäßig - von Festtagen abgesehen - wiederholt, so wird künftig keine Bekanntmachung darüber mehr «Hoffenwerben.

Mittwoch den 7. Februar, Abends 6 Ubr: 1- PafstonSandacht. PfarreiSchlosfer^ndachte^ mrben szmmtliche Gemeinden ge­meinsam abwechselnd in der Stadtkirche und in der Johanneßkirche gehalten werden- _____________

Sonntag Estomihi, den 4. Februar:

An der Johanneßkirche.

Vormittags 9Ve Uhr: Professor v. Reischle.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dtngeldey- e ,n. ÄtXrgotUSblenft für bt« Johann-Sg-rn-inb-.

Bekanntmachung,

betreffend die Stiftung des Gemeinderathsmitgliedes Friedrich Lony sen.

Die diesjährigen Zinsen aus der rubricirten Stiftung sollen an acht Arme der Stadt Gießen mit je 20 JL vergeben werden. Bewerb­ungen um dieselben sind bis zum 15. dieses Monats schriftlich oder mündlich bei dem Armenamt, Zimmer Nr. 3, vorzubringen.

Gießen, 1. Februar 1894.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

958________Gnauth.______________________

Holzverfteigerung

in der fürstlichen Oberförstern Mch.

Montag den 12. Februar l. I., von Vormittags 973 Uhr au, sollen versteigert werden:

a) im District Höler (sogen. Prinzenstück): 4860 Fichtenstangen von 90,19 fm Inhalt.

b) im District Kellersberg (am Kölnhäuserfeld): 1030 Eichen-Forft- wellen.

c) im District Fuchsstrauch bei den schweren Eichen (hier wird etwa um 12 Uhr fortgefahren werden können);

Buchen: 194 rm Scheiter, 78 rm Knüppel, 70 rm Stöcke, 1420 Wellen;

Eichen: 50 rm Scheiter, 43 rm Knüppel, 100 rm Stöcke, 310 Wellen.

Die Zusammenkunft ist auf der Hauptschneise im Höler beim Parkthor am Prinzenstück.

Dienstag den 13. Februar, ebenfalls von 9l/2 Uhr an, sollen im District Riedwald versteigert werden:

Buchen: 24 rm Scheiter, 58 rm Knüppel, 17 rm Stöcke, 950 Wellen,

Eichen: 21 rm Knüppel, 22 rm Stöcke, 5350 Wellen;

Nadelholz (Kiefern): ca. 40 rm Knüppel, 2 rmStöcke, 1120 Wellen.

Die Zusammenkunft ist auf der sogen. Pfaffenschneise (Fuß­pfad Hattenrod. Ettingshausen) am Hattenröder Feld.

Lich, den 29. Januar 1894. 949

Dr. Dieffenbach.

Bekanntmachung,

betreffend Absperrung der Gasleitung.

Wegen vorzunehmender Arbeiten in unserem Werk findet am Sonntag den 4. Februar d. I., von 121/* bis voraussichtlich spätestens gegen 2 Uhr Nachmittags eine Absperrung des Stadt­rohrs, bezw. eine Unterbrechung der Gaslieferuug statt, wovon wir unsere geehrten Consumenten in Kenntniß setzen.

Gießen, den 2. Februar 1894.

Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.

Otto Bergen. 948

Bekanntmachung.

Aus den Waldungen der Gemeinde Hattenrod sollen auf Dem Submissions­weg vergeben werden:

60 fm Kiefern-Stammholz,

90 Kiefern-Derstangen (Gmbenholz).

Schriflliche Offerten sind getrennt für Stammholz und Stangenholz bis zum 9. Februar 1894, Mittags 1 Uhr auf der Großh. Bürger­meisterei Hattenrod einzureichen, woselbst die Eröffnung erfolgt.

Hattenrod, den 1. Februar 1894. Großh. Bürgermeisterei Hattenrod.

I. V.: 943

Rock, Beigeordneter.

Gemse- n. W-Conlem« Misch- und Fisch-Couservrn empfehlen in großer Auswahl billigst

A. G. Wallenfels,

938]__21 Marktplatz 21.________

953] Wirft«- »erkauft

Friedrich Tost, Neustadt 10.

Aeikgeöolmes.

964] Prima «indfteisch, das Pfund 4550 Pfg-, verkauft

®. D-rner, Neustadt 39.

Montag den 5. Februar 1894

Bormitta-S 11 Uhr

in der Hofraiihe von I. Sieck zu Gießen (Hammstraße) versteigere ich auf An­stehen des Herrn Moses Schierling m Mardorf gemäß Art. 373 H. - G- - B. öffentlich gegen Baar!

1 trächtiges Rind.

Versteigerung vorauss. bestimmt.

Gugel,

963 Gerichtsvollzieher.

Vieh- Versteigerung

Dienstag den 20. Febrnar, von Vormittags 9 Uhr ab, werden zu Hof Eisenbach, Poft und Bahn­station Lauterbach, Oberhessen

22 Pferde und 114 Kühe, worunter 67 schwere Fahrkühe sind, öffentlich wegen Pachtablauf ver­steigert und lade Liebhaber hierzu ein. 940) Gg. Fülberth, Pächter.

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432

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