Ausgabe 
2.9.1894 Zweites Blatt
 
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1894

Amts- und Anzeigeblatt iuv den Areis Gieren.

chratisöeikage: Gießener Kamikienölätter

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Wien, 30. August. Die militärische aeronautische Abtheilung veranstaltete heute Morgen bei Felixdorf in der Nähe von Wiener-Neustadt Sch'etzversuche auf einen Fesselballon, während ein zweiter Ballon behusS Eon- trole der Schußwirkungen in gleicher Höhe von vierzig Sol­daten an einem Seile gehalten wurde. Plötzlich entglitt das Seil den Soldaten und der Ballon mit dem Oberlieutenant Dworschak, der weder Ballast noch Anker.hatte, entschwand den Blicken der Zuschauer. DaS Schicksal des Offiziers und des Ballons ist bis spät Nachts noch unbekannt.

* Heber die neueste Modethorheit, die sich jetzt Jn Berlin breit zu machen beginnt, spottet daSKl. Zl." : Die Vorliebe für zweierlei Tuch, die den Mädchen eigen, bezw. angeboren ist, hat nunmehr ihrehöchste Fructificirung erhalten. In Ermangelung besserer Modelle hat die Son- fection den schneidigen Schnitt der Uniform auf ihre Mantel und JaquetS übertragen, so daß auch die Damen von jetzt an vorschriftsmäßigeingekleidet" werden können. D e Idee, die Damenmode nach dem Vorbild der Montur zu formen, ist nicht neu. Schon in der PosseModernes Babylon erregte Fräulein S. in einem grauen OfficierSmantel mit blanken Knöpfen patriotische Begeisterung. Derartige grauliche Mäntel für Damen sind später in vielen Schaufenstern auf­getaucht ; irgendwelcheAnziehungskraft" scheinen sie jedoch nicht ausgeübt zu haben, auf der Straße sah man sie nie. Jetzt hat ein Confectionär die Idee wieder ausgenommen und Jaquets nach militärischem Schnitt und in den Farben der preußischen Regimenter alsHaute Nouveaute aus­gestellt. Natürlich ist Alles verkleinert und verfeinert und der Zuschneider hat in erster Linie dafür gesorgt, daß auch die uniformirten Damen, nach wie vorauf Taille" schwören können. Nach den Ausbrüchen des Entzückens zu schließen, mit welchen das weibliche Schaufensterpublikum diese Neu­uniform begrüßte, werden wir dieSieben Mädchen in Uniform" in Zukunft nicht nur auf der Bühne, sondern auch

Dermtfdytes,

* Frankfurt, 28. August. Am Sonntag Abend gab es in einer auf der Zeil wohnenden Familie ein feines Souper, desien Beschluß ein Eis Pudding bilden sollte. Der Pud­ding wurde eine Stunde vorher, in Roheis eingestellt, ge- ltefen und war, als man thn serviren wollte, plötzlich ver­schwunden. Endlich stellte es sich heraus, daß ein kurz vorher in den Dienst getretenes Hausmädchen vom Lande, das sich in der Küche nützlich machen wollte, den Pudding heraus- genommen und auf den Herd gestellt hatte! Da war es denn kein Wunder, daß sich der Eispudding unsichtbar ge- macht hatte undweggelaufen" war.

* Berlin, 26. August. Ein schwarzer Stadt­reisender dürfte da« neueste sein, was das hiesige Ge­schäftsleben an Seltsamkeiten aufzuweisen hat. Der dunkle Mitbruder macht einen durchaus tadellosen Eindruck und

Bekanntmachung.

betreffend Ergebniß der Faselkörung auf dem Markte zu Grünberg am 23. August 1894.

Bei der am 23. I. Mts. zu Grünberg abgehaltenen öffentlichen Faselschau find die nachfolgend verzeichneten

findet bei allen Geschäftsleuten seiner Branchen freundliches Entgegenkommen. Im schwarzen Anzug mit hellgrauem Hut, braungelben Gamaschen über den Schuhen, in den braun­behandschuhten Händen das elegante Musterkofferchen tragend, bereist er unermüdlich die Stadt von einem Ende zum an­deren. Ueberall taucht der eigenartige Reisende auf, und zwar stets als eine schon durch seine Person äußerst wirk- same Reklame für seine Firma.

* Posen, 30. August. DerPosener Ztg." wird aus Kempen gemeldet: Der seit langer Zeit gesuchte Raubmörder Kögler aus der Lausitz ist von dem dort stationirten Gendarm mit schwerer Mühe verhaftet worden.

* Hamburg, 30. August. Sechs werthvolle Gemälde: Lutteroth:Am See", Braune:Schusterstube", Bethge: Badende Kinder", Proelß:Landerfolg", Zimmermann: Sorrento", Mosengel:Dachstein" wurden in letzter Nacht durch Einsteigen aus der Gemäldesammlung des Freiherrn von Pohl aus den Rahmen geschnitten und gestohlen.

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Nr. 205 Zweites Blatt. Sonntag de» 2. September

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Der Hlehmer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MonlagS.

Die Gießener AlamikieaSlätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Meßmer Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Feuilleton.

Unser Garten im September.

Seinen Wanderstab anmuthig mit rubinfarbenem wilden Wein umwunden, mit einem Sträußchen Aftern und Georginen geschmückt, so zieht unser alter lieber Freund September durch den Garten.

In seinem Gefolge begrüßen uns wieder die zarten Morgen­nebel, die goldklaren Lichter, die einzigen Wolkenbilder, die der Uebergang vom Spätsommer zum Herbst über unsere heimathlichen Fluren und Berge ziehen läßt. t ,

Der Frühltngsetnzug im Garten stillt unser Sehnen. Das leise sich öffnende Thor des Herbstes läßt uns goldne Harfenklänge vernehmen, die mit sinnigen Freudeaccorden Harmonien stiller Weh- muth verweben. . . _ ,. ,

Und wie gern stehen wir am Thor, blicken wonnetrunken hinein und lauschen der Zettenharfe!

Wenn die zarten Morgennebel zerreißen, die goldklaren Lichter eines sonnigen Septembertages sich über Garten, Feld und Wald ergießen, daS Radnetz der Spinne zum diamantfltmmernden Palast wird, die späte Farbenpracht deS Blumenflors im Garten gi utzt und fruchtschwer die niedergebogenen Zweige unserer Mühen Lohn uns freundlich winken, da wollen wir zwar von Abschiednehmen nichts wissen, aber wir fühlen es er wird bald kommen: Die mit metallschimmerndem Gefieder zu großen Gemeinden sich sammelnden Schwälbchen, die auf dem feuchten Wtesenplan etngefticktev zarten Farben der Zeitlosen, die rothen Beeren der Eberesche, bc8 wilden Schneeballs, der mattere Flug der Blumeninseclen und die sich zeitiger rüstende Sonne Alles das sind Zeitmahnerinen! Sie rufen uns zu: genießt die schönen Tage bald werden sie im Zettenwechsel versinken! _ m , ....

Hört Ihr tm Geist in den fernen blauen Bergen da« melodische Geläute klingen ? Es sind die zu Thal ziehenden Herden; langsam, bedächtig geht ihr Zug. Träumerisch schreitet der Hirte ihm nach; immer und immer wieder bleiben Gruppen stehen sie sehen zuruck, hinauf nach den verblühten blumigen Höhen:

Ihr Matten lebt wohl!

Ihr sonnigen Weiden!

Der Senne muß scheiden, Der Sommer ist hin.--

Aber in unserem Garten soll er für unS noch nicht erstorben sein, ebensowenig wie unsere Sorge für diesen. Nicht an den Heim­gang und an den Winter, sondern an ein kommendes Wtedererwachen des Gartens denkt schon j-tzt der sorgsame Gartenfreund: das pflegende Sinnen eilt stets der Zeit voran! ,

Wie köstlich wars tm letzten Lenz, die prunkenden Beete der Zterzwtebeln in manches Nachbarn Garten zu sehen! Wir wollen unS auch solche schaffen! Wir lassen uns Crocus, Schneeglöckchen, niedere und hohe Tulpen, Narzissen, Hyazinthen und besonders die herrlichen vielfarbenen, noch so wenig gekannten Anemonen und Ranunkeln kommen sie werden ja Jahr für Jahr schöner und wohlfeiler und legen sie in wohlumgegrabene Beete oder Rabatten, etwa stark eine Handbreite tief; und bei etntretender kalter Witterung TannenretS darüber. Wer im Kontrast zu diesen lieblichen Früh- ltngSktndern für einen sonnigen, tief- und feuchtgründigen Winkel eine ebenso interessante als abenteuerliche Frühsommergestalt erwarten will, der lasse sich die Knolle eines Purpurarum (Arum purpureum

Fasel für tauglich befunden worden als Gemeinde Zuchtstiere I verwendet zu werden. '

Gießen, den 30. August 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Wallau.

asiaticum) kommen; ich erzog in diesem Jahre eine solche Pflanze I mit einer 64 cm langen Blüthe! Ihr Anblick war fastteufelmäßig , I ihr Duft leider infernalisch. Die Knolle wird etwaS tiefer gelegt und der Boden darüber später mit TannenretS gedeckt.

Die liebenswürdige Blumenpartnertn bepflanzt jetzt ihre g^ räumten Blumenbeete im Rasen rc. mit Stiefmütterchen, Stlenen und Vergißmeinnicht. Wo ein kleines Wintertepptchbeet geschaffen werden soll, da können zu geschmackvollen Formen und Linien die winter- harten Sedum glaucum, Sedum Lydium aureum und Antenana tomentoea verwendet werden; auf diesen wilden Sedumarten baust in den Alpen und in den südlichen Bergen das Kind desDeutschen Apoll" (Doritis Apollo), nämlich die Raupe dieses schönen Falters.

Wer Rittersporn, gefüllten Mohn, Ringelblumen, Goldblumen liebt, kann diese jetzt noch aussäen. Für den Zimmergarten können jetzt noch die oben angeführten Blumenzwiebeln in Topfe gelegt werden; auch Nelken, Goldlack, Winteraster und Winterlevkoyen können wir vom Land in Töpfe einpflanzen.

Im Gemüsegarten muß alles abgeräumte Land hübsch gesäubert und umgegraben werden. Man säet für den späiwinterltchen oder ersten Lenzgebrauch noch Spinat, Winterschnittkohl, Körbel und den beliebten Feldsalat (Rabinschen oder Sonnenwtrbel). Junger Man­gold und Blattkohl werden verpflanzt und Schalotten gelegt. Sind die Spargelstauden gelb, abgestorben, werden sie abgeschnitten;-rostiges Kraut muß stets verbrannt werden; ebenso kropfige Kohlstrunke, krankes Bohnen-, Erbsen-, Zwiebel- und Kartoffelkraut; letzteres ist in diesem Jahre, wo mchtbordelaisirt" wurde, leider meist ötttes)h! sorgsame Gärtnerin sehen wir jetzt mit ihren etikettirten Beutelchen an trockenen Tagen noch mancherlei Sämereien ernten, besonders von Blumen; die Selbstiamenzucht bei Gemüsen ist im Allgemeinen weniger rathsam; die Samen gewiegter Züchter werden stets bessere Resultate bringen, sodaß der geringe Preis für gekaufte Saat dabei gar nicht in Anschlag kommt. Zum Ueberwintern können junger Blumenkohl, Wirfing, Blau- und Kopfkohl in sogen, kalte Beete gepfla^tf wer den.«gl Liegenlassen des Fallobstes. Die

Thättgkett der Obstmade ist in diesem Jahre eine gan-ungeheuere; wird der Schädling in den Gärten, besonders wo viel edles Spalier­obst gezogen wird, nicht sachgemäß und gründlich bekämpft, so schleppt sich diese Plage -um empfindlichsten Schaden der Besitzer in die kommenden Jahre weiter. Diesem Schaden kann man mit einem ganz einfachen, so gut wie kostenlosen Mittel - das Material dazu ist in jedem Hause vorhanden - energisch entgegentreten. Es gründet sich auf die Gepflogenheit des Jnsects, sich zur Verpuppung zeitig in möglichst geschützte, trockene,mollige" Winterlager zu begeben, die sich das Räupchen, daS die Frucht verläßt, in näherer oder fernerer Umgebung letzterer aufsucht. Bietet man den erfahrungs­gemäß nach Quartieren herumsuchenden schlimmen Gasten an den Spalieren usw., in den Obsträumen, Kellern rc. solche mollige Winterlager, so werden sie von ihnen angenommen und in oft erstaunlicher Menge bezogen. Am besten dazu eignen sich alte Baumwollparchend-Lappen, die im Freien an den Spalinen, Baum- ästen, Mauern, in Räumen auf dem Bodm, in den Gestellen, an dm Wänden usw. in Form von Gürteln, Doppelschürzchen, Lappm- haufen rc. geboten werden. cmr.».rs

Wer sich über die nähere Anwendung des erprobten Mittels, überhaupt über das Wesen und die Bekämpfung des viel zu wenig bekannten bösen Obstschädlings.Apfelwickler (Carpocapsa pomo-

nella L.) näher orientiren will, der mag in den Nummern 14, 15 und 16 des bekanntenPractischen RathgeberS im Obst- und Gartenbau" von diesem Jahre nachlesen. Ich habe diese für dm deutschm Obstbau brennend gewordene Frage dort als vor der richtigen Schmiede unter Beifügung der nothtgen Abbildungen Ctnße Wenn^di"?Mahregel aber nickt jetzt im Freien und alsbald nach Einbringen der Früchte in den Rämnm zur Ausführung gelangt, kann ein Segen für das nächste Jahr darLus ntcht ent- sprtngen. Es verlieren oft Züchter der feinsten Tafelfruchte durch den infamen Schädling 70 bis 80pEt. ihrer köstlichsten, mit großem Aufwand von Mühe und Arbeit erzogenen Kernobstfrüchte. Da ist wohl die kleine Mühe der Ausführung obiger Maßregeln zur Be­kämpfung des kleinen Satans der Schmetterlingswelt schon am Platze- all die famosenJnsectenmittel", mögen sie noch so universale und wissenschaftliche BetheuerungSmäntelchen umhängen, nützen gegen ihn mÖ0e d^an erinnert sein, daß es höchste Zeit geworden, etwaige neu anzulegende Erdbeerbeete zu bepflanzen und die alten Beete in Ordnung zu bringen Ranken und schwächliche Stöcke müssen verschwinden. Nur reich bewurzelte, beste und tragbarste Sorten sollten angepflanzt werden.

An allen Kohlsorten ist die gründliche Jagd auf die verschie­denen Kohlraupm fortzusetzen; besonders die zweite Generation des Herzwurms" macht jetzt großm Schaden; diesen scheußlichen Kohl verderber und -Beschmutzer zieht man am besten mit einn Ptncettte aus seinem eingeklemmten Sitze heraus; er oerräth sich stets.durch feinen Auswurf. Aber oft sind es mehr die Schnecken, die Den Kohl so grauenhaft zurichten. Diese kleinen nackten Strecken er­scheinen meist erst Abends oder bei schlechtem Wetter. Manl scheue die Mühe nicht event. mit einer Schneckenzange sie abzulesen, sie bet gutem und schlechtem Wetter unter ausgelegten großen Kohl­blättern, Ziegeln, Brettstücken rc. zu fangen. Das Herumliegenlaffen übrigens von unorbentlld) °°r»5'-lten, s.ulenden K°hlbl-t ern »Icht diese gefräßigen Mollusken massenhaft herbei; solche Abfälle gehören auf den Compost. Den Magazinen dieses werthoollen Düngematertals ist ieht reaere Pflege zu widmen: alte Hügel werden umgestochen, begüllt, neue angelegt und die verschiedenen B-st-ndthetle mit Erde Unt> C^?r im°SpÄE^junge Obstbäume zu pflanzen wünscht, der sehe sich jetzt nach ihnen um: nur die schönsten und tadellosesten Bäumchen der geeignetsten Localsorten sollten rur Anpflanzung ge­langen; die Annahme von Mtnderwerthigem aus Baumschulen sollte grundsätzlich verweigert werden. Die Pflanzung vorzubereiten, lasse man jetzt schon auf den bestimmten Plätzen in möglichster Entfernung von 10 m (f. Kernobst) Pflanzlöcher auSheben.

Wo Steinobstbäume, Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche rc. etwas zu sehr ins Holz getrieben haben, zu buschig wurden,, sind sie jetzt auszulichten bezw. zu beschneiden. - . .

Wo irgend noch ein Rosenstammchen vngessm sein Dasein fristet, dem werde eilig noch ein schlafendes Auge einer köstlichen Rose eingesetzt, daß von ihm im kommenden Sommer nicht mehr das bescheidene Dornröschen, sondern eine strahlende Schönheit herab auf die erstaunte Gemeinde der Leokoyen, Löwenmäulchen und die geheimnißvolleNachtschwärmerinMtrabilis lacht - aber e8isthöchste Zeit dazu, sonst schließt sich das schlafende Auge zum ewigen> Schlaf.

Heinrich Frhr. v. Schilling.

Namm

Wohnort

Rasse

Alter

Farbe

Körper­beschaffenheit

'GefundheitS- u.

Rährzuftand

Konrad Langohr Pachter Engel Konrad Börger Hermann Velten JohS. Schultheiß KaSp. Kauß Peter Neunobel

Wettfaafen Rüddingtzhaufen Niederohmen Göbelnrod Göbelnrod Stockhausen Stangenrod

Simmenth. Bastard Berner Bastard Berner Bastard Vogelsberger Vogelsberger Vogelsberger Simmenth. Bastard

19 Monate 2 Jahre 5/< Jahr IVi Jahr 2 Jahre V/t J-Hr l8/« Jahr

Falbscheck Rothscheck Rothscheck roth dunkelroth roth Falbscheck

genügend gut genügend genügend genügend genügend genügend

gut gut

gut gut

gut gut

genügend