1894
Nr. 205 Erstes Blatt. Sonntag den 2. September
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solche Huldigungen als Antwort nur den Hinweis auf die unerhörte Tapferkeit der Truppen, die Meisterschaft ihrer Führer und den Segen deS allmächtigen Gottes. In solcher Fürstengröße zeigt unS die Geschichte unseren unvergeßlichen Kaiser Wilhelm, den Siegreichen, am Tage von Sedan! Ist es da ein Wunder, wenn diese Wundermär die Herzen bis in den tiefsten Grund erschütterte, so daß man sich unter Thränen umarmte und daS „Nun danket Alle Gott" auf dem Schlachtfelde im Vaterlande ein allgemeines Echo fand und das ganze Volk mit seinem Herrscher wie Ein Mann Gon die Ehre gab, daß die vom Heere improvifirte Illumination um Sedan zu einer großen allgemeinen, bis in die höchsten Berge hinaufgetragenen, in Stadt und Land wurde.
Und wenn nun auch mit dem Tage von Sedan daS Schlachtenfieber noch nicht gedämpft war, wenn es noch heftige Zuckungen und gewaltiges Ringen um Setne-Babrl gab, wenn die endliche Ueberwindung des wahnsinnigen Feinde« auch noch die schwersten und blutigsten Opfer forderte, die Krisis hatte der 2. September bei Sedan gebracht. Und wenn Parts auch eingenommen wurde und die Zahl der Siege und SiegeStage sich noch verdreifachte, die Krone aller Stege
Gefunden: 1 Portemonnaie ohne Inhalt, 1 Uhr- kettchen, 1 Münze, 1 Zwicker, 1 Federhalter, 1 Spazierstock, 1 Metermaß, 1 Kette, 2 Schirme, 1 Schürze, 2 Umlegkragen, 1 Brodbeutel und 1 Weste.
Zugeflogerr: 1 Kanarienvogel.
Gteßen, den 1. September 1894. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
Sedan!
Wer hatte vor dem 2. September 1870 je den Namen dieser unbedeutenden Maasfestung nennen gehört? Im wetten deutschen Varerlavde war der Name Sedan unbe> kannter als das kleinste Dörflein in dem verborgensten Winkel eines abgelegenen GebirgSthales. Und von diesem Tage an und heute? — Auf der ganzen Erde ist kein Name, der in der neueren Weltgeschichte eine größere Bedeutung und einen helleren Klang unter allen Völkern bis ins ferne Asten und in den stillen Ocean erlangt hat, als der Name Sedan. Wie die Feuersäule aus einem bisher stummen Vulcan, stieg dieser Name hoch am Himmel der ganzen Welt sichtbar em« por, von unsichtbarer Hand geschrieben, ein Mene tekel für den übermüthigen Feind, ein Victoria für den demüthigen Sieger.
In rascher Aufeinanderfolge waren schon sieben große und blutige Schlachten, die ebenso viele Niederlagen des mächtigen Feindes wie von großen Erfolgen gekrönten Stege der deutschen Heere bedeutetin, geschlagen.
Da geschah das Unerhörte: Napoleon mit achtzigtausend Mann gefangen bei'Sedan! Die Nachricht wirkte wie ein dröhnender, sinnverwirrender Blitzschlag auf die über erlogene Siege soeben im Taumel sich bewegende Menge der Feinde, die in gottvergessenem Frevel den Krieg ertrotzt und nun beim Anblick der Feuerzeichen von Sedan in rasende Wuth geriethen und den Kaiserthron im Nu zertrümmerten. Dem edlen, frommen, großherzigen Sieger aber, der mit seinem Heere in Buße und Glauben, mit Gotteswort und Sacrament den hingeworfcnen Fehdehandschuh hatte aufnehmen müßen, wurde in demselben Feuer von Sedan die Kaiserkrone des Deutschen Reiches geschmiedet von echtem Golde deutscher Treue. Eine großartige weltgeschichtliche Illustration zu dem Bibelworte: „Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen giebt er Gnade", und dem andern: „Wer mich ehret, den will ich wieder ehren!" Mit dem Tage von Sedan, der den Namen Napoleons in den Staub legte, stieg der Name Kaiser Wilhelms, als vom höchsten Gott mit Ruhm und Ehren ohne Gleichen gekrönt, nicht nur in den Herzen seines Volkes, sondern aller Völker, selbst der Feinde, zu einer beispiellosen Höhe empor, und die ihm dargebrachte Liebe und Verehrung kannte keine Grenzen. Und solchen Erfolgen gegenüber hatte er selbst nur das demüthige Bekenntniß: ES ist Gottes Fügung! und auf alle
blieb der Tag von Sedan.
Den Sedantag hat unser deutsches Volk nur einmal erlebt. Heute sind seitdem 24 Jahre verflossen, die Reihen Derer, die ihn gesehen, lichten sich von Jahr zu Jahr, und bald wird das Geschlecht vergangen sein, das die Erinnerung daran noch in dankbarem Gedächtniß trägt. Ein andere« Geschlecht wächst schon heran, das der großen Thaten Gotte« zu vergessen droht. DaS verpflichtet alle Zeitgenoffen jener großen Zeit, daS nachkommende Geschlecht mit jeder Wieder- des Sedantages aufzurufeu zum Dank gegen
„Den Gott, der groß und wunderbar Nach langer Schande Nacht uns Allen
Amtliche* Theil.
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Nr. 36 des Reichsgesetzblatts, ausgegeben den 29. v. M., enthält: . m
(Nr. 2193.) Verordnung wegen Ergänzung der Verordnung vom 16. August 1876, betr. die Cautionen der ber der Militär- und Marineverwaltung angestellten Beamten. Vom 31. Juli 1894.
(Nr. 2194.) Verordnung wegen Abänderung der Verordnung vom 23. April 1879, betr. den Urlaub der gesandt- schaftlichen und Consularbeamten und deren Stellvertretung. Vom 17. August 1894.
Gießen, am 1. September 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
____________ I. V.: Dr. Melior.__________
Lehrer-Conferenz
des Confererizbezirks Grünberg Mittwoch den 5. September ds. Mts. 10 Uhr in Grünberg.
Lieder: 190, 175, 59;
des Conferenzbezirks Lich—Hungen Donnerstag den 6. September ds. 2Uts. 10 Uhr in Lich.
Lieder: 34, 2, 37.
Gießen, den 31. August 1894.
_______________Büchner, Schulrath.________________
Bekanntmachung.
Die mit Bekanntmachung vom 19. Juli l. I. angeordnete Sperre der Hollergaffe für den Fuhrwerksverkehr wird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 1. September 1894.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
In Flammen aufgegangen war; — Der unsrer Feinde Trotz zerblitzet, Der unsre Kraft so schön erneut Und über Sterne waltend sitzet Von Ewigkeit zu Ewigkeit!"
Deutscher Reich.
Berlin, 31. August. Aus Süddeutschland berichten versch ebene Meldungen übereinstimmend, daß daselbst seit 1870 noch niemals so viele Vergnügungsreisende au«
Ferrilletsn.
Wochcnbriefk «ns her Residenz.
(Originalbericht für ben „Gießener Anzeiger".)
Z. Darmstadt, 31. August.
Lndwigstag. — Geflügelausstellnug. — Vom Hoftheater. — Verschiedenes.
Der letzte Tag der vergangenen Woche, der 25. August, der als der Namenstag unseres Landesherren in der Residenz stets gefeiert wird, hat uns diesmal eine Jubiläumsfeier gebracht, eine Jubiläumsfeier, die keiner Person galt, sondern einem allbekannten Darmstädter Denkmal, das nun schon seit -50 Jahren als eine Art Wahrzeichen unserer aufblühenden Residenzstadt galt, wir meinen die Ludwigssäule auf dem Louisenplatz, oder, wie die Darmstädter schlechtweg sagen, das Monument. Ein halb Jahrhundert steht es nun schon mitten auf der Rheinstraße und innerhalb dieses Zeitraumes hat sich in Darmstadt viel Wichtiges und Bedeutungsvolles vollzogen. Da dürfte es angebracht sein, einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Denkmales zu werfen. Am Louisenplatz endete noch in den siebenziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Residenz. Hier lag ein großer Exerzierplatz, der sich nach dem ehemaligen Mainthor am oberen Ende der jetzigen Frankfurterstraße hinzog. Im Jahre 1777 wurde auf diesem Exerzierplätze das heutige Ministerium, die sog. „Canzlet" erbaut, gegenüber stand das Haus eines Postmeisters Brand, das dann später in eine Reiterkaserne verwandelt wurde, bis au seiner Stelle das jetzige „Alte Palais" errichtet wurde. Zwischen diesem alten Palais und dem Gebäude des Ministeriums erhebt sich seit dem Lndwigstag 1844 das Monument. Schon kurz nach dem Heimgänge des großen Großherzogs Ludwigs I. hatte man in Darmstadt, das ihm so viel verdankte, daran gedacht, ein außergewöhnliches Denkmal zum Gedächtniß an den Landesheren zu errichten. Nach langen Debatten wurde damals endlich der Entschluß gefaßt, eine mächtige Säule aufzurichten, die mit der Coloffalfigur des Großherzogs gekrönt werden sollte. Der Plan fand Beifall und wurde
rasch ausgeführt. Der berühmte Darmstädter Baukünstler Moller übernahm den Bau der Säule und der unsterbliche Meister Schwanthaler in München die Ausführung der Statue. Wie das Werk ausgefallen, davon kann sich noch heute Jedermann überzeugen. Mit vielem Interesse las man vor wenig Tagen die Berichte über die großen Festlichkeiten, die seinerzeit Ml ganz Hessenland zur Feier der Denkmalsenthüllung in Darmstadt veranstaltet wurden. Aus allen größeren Städten, auch aus Gießen, trafen damals die Gesangvereine ein, um alle mitzuhelfen. Prächtig verlief die Enthüllungsfeier. Ein großes Gesangfeft im Walde und eine Festvorstellung im Hoftheater folgte an den nächsten Tagen. Seitdem besitzen wir in Darmstadt unser Monument. An ihm vorbei zogen im Jahre 1871 die siegreichen Truppen in Darmstadt ein und noch jüngst beim Einzug unseres neuvermählten jungen Herrscherpaares war es zum Mittelpunkt der grandiosen Festdecoratton des Louisenplatzes auSerwählt. Möge es unsere Residenz noch lange überschauen und stets auf eine friedliche, aber rasch vorwärts schreitende Entwickelung unserer Stadt herabblicken, bis zum hundertjährigen Gedächtniß- tag seiner Enthüllung und darüber hinaus.
Am Ludwigstag wurde im Orangeriehaus des Beffunger Herrengartens die große Herbstausstellung des Darmstädter Geflügelzuchtvereins eröffnet. Die Ausstellung war sehr umfangreich und zeigte den Freunden der Geflügelzucht eine große Anzahl von Gruppen der seltensten und theuersten Hühner- und Taubenarten. Neben einigen bedeutenden Darmstädter Züchtern gewann bet der Preis- vertheilung vor allen Herr Schwan aus Gießen für die ihm gehörigen Thiere eine ganze Anzahl von Preisen. Am Dienstag sollte die Ausstellung bereits wieder geschlossen werden, doch entschloß man sich, auch noch denMittwoch vergehen zu lasten, ehe man die große Schlußverloosung begann, da Se. Königl. Hoheit der Großherzog seinen Besuch für den Mittwoch angekündigt hatte. Gegen halb 10 Uhr erschien denn der hohe Herr auch, direct von der Bahn kommend, im Ausstellungsraum und besichtigte die ganze Ausstellung sehr eingehend. Auch das Publikum bewies ein großes Interesse an den Bestrebungen des Vereins durch zahlreichen Besuch, wie denn
auch die fachmännischen Preßberichte das Arrangement des Ganzen nur loben und den Verein zu seiner letzten Leistung nur beglückwünschen konnten.
Vom Stiftungsfest deS beliebten Darmstädter Zitherclubs, das am Samstag im Saalbau gehalten wurde, bleibt zu berichten, daß dasselbe nach den vorliegenden Berichten sehr animiert verlief und den künstlerischen Leistungen des Vereins große Anerkennung brachte. Der kommende Sonntag bringt nun die Eröffnung des Hoftheaters unter seiner neuen Leitung. Dem in der hiesigen Presse mitgetheilten Spielplan nach dürfen wir uns auf ganz besondere künstlerische Genüsse freuen. Der erste Abend bringt „Lohengrin" mit dem neuen Heldentenor Herrn Ludwig Hausschild vom Hoftheater in Stuttgart als Gast, dann wird am Dienstag Shakespeares „Wintermärchen" gegeben, am Mittwoch „Figaros Hochzeit" mit Herrn Hartmann von Chemnitz als Gast, der zum Ersatz für Herrn Kammersänger Eilers auserwählt wurde, am Donnerstag Brülls melodiöse Oper „Das goldene Kreuz u. s. w. Die erste große Neuheit im Schauspiel ist dann, wie es scheint, Sardous „Madame Sans Gone", ein historisches Lustspiel, das überall großes Aussehen gemacht hat. In der Oper ist Sanstanas „Verkaufte Braut" als erste Neuheit bestimmt, dieser sollen dann noch mehrere folgen. Ueber den Verlauf der ersten Spielwoche werden Ihre Leser an dieser Stelle Bericht erhalten. Uebrigens werden die Darmstädter sich künftig auch des Besitzes einer ständigen Sommerbühne erfreuen. Die Direction des Badetheaters in Nauheim hat daS Sommertheater im Saalbau übernommen, das nun eine schöne Bühne erhalten hat. In einem regenreichen Sommer, wie ihn uns das laufende Jahr brachte, kann die Direction, die freilich mit ihrem Spielplan nicht mit dem Hoftheater concurrieren darf, am Ende ganz gute Erfolge erzielen, wie seinerzeit Herr Director Reiners aus Gießen. Außer den zahlreichen Militärconcerten ist ja auch im Sornrn:r hier nicht allzuviel geboten, da wird die Errichtung eines ständigen Sommertheaters gemäß Manchem willkommen sein.


