die Missionare gesehen, wie eine 300 Mann starke Cara- wane, mit Flinten und Munition beladen, in der Nähe ihrer Station vorbeikam.
Warschau, 31. Juli. Generalgouverneur Gurko verbot für sämmtliche polnische Gouvernements angesichts der stark auftretenden Cholera die Wallfahrten nach Tschenstochow.
Newyork, 31. Juli. Von hier sind bedeutende Ladungen Flinten nach China unterwegs. Die Canada-Pacificbahn har die Beförderung übernommen.
San Francisco, 31. Juli. Die englischen Schiffe finden keine Ladung mehr für China, weil die Ausfuhrhäuser wegen der kriegerischen Vorgänge zurückhalten.
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Justizgebäude.
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Ecke
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straße. Seltersthor. Frankfurterstraße, Liebigstraße.
Hotel Victoria. Bahnhof.
Ludwigsplatz.
Schneidepunkt Licher- und Grünbergerstraße.
Ludwigsplatz,Ecke Ludwig- straße.
Bürgermeisterei.
Gymnasium.
Südanlage, Ecke Goethe- straße.
Cafe Hettler.
Frankfurterstraße, Ecke Liebigstraße.
Hotel Victoria.
Bahnhof.
Linie A. Marburgerstraße 34. Wallthor. Wallthorstraße, Ecke Asterweg.
Lindenplatz. Marktplatz. Kreuz.
Seltersweg, Ecke Goethe-
4. Ostanlage, Ecke Wiesenstraße.
5. Bürgermeisterei.
Linie B.
1. Marburgerstraße 34.
2. Wallthor.
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** Entwischt. Eine dahier untergebracht gewesene geisteskranke Frauensperson hat sich heute morgen aus der Obhut heimlich entfernt. Dieselbe ist 25—26 Jahre alt, groß, schlank und ist bekleidet mit braunem Rock und blauer Jacke.
** Verhaftet wurden zwei Arbeiter wegen Trunkenheit und eine Frauensperson wegen Obdachlosigkeit.
** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Maurer Konrad Busch aus Groß-Karben von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Sittlichkeitsverbrechens; Scherenschleifer Michael Jochum aus Wald-Michelbach vom Amtsgericht Darmstadt II wegen Strafvollzugs; der italienische Erdarbeiter Peter Prioni aus Mailand, zuletzt in Gießen, com Polizeiamt Gießen wegen Unterschlagung- ein angeblicher Buchbinder Georg Virja k aus Agram, zuletzt in Offenbach, von der dortigen Polizeiverwaltung wegen Diebstahls- Taglöhner Heinrich Vogtländer aus Hof, zuletzt in Offenbach, von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Unterschlagung- Schreiner Konrad Zorn aus Erlangen von derselben Behörde wegen Diebstahls- Martin Helbrig oder Hellwig aus Fridritt vom Amtsanwalt in Friedberg wegen Diebstahls- Alois Bornlänger von demselben Amtsanwalt wegen gleichen Vergehens- ein angeblicher George Gray aus London (jedenfalls falscher Name), der am 20. Juli das Mainzer Bankgeschäft von Kayser durch gefälschte Circular- creditbriefe der Londoner Firma Couths & Cie. um Tausende zu prellen suchte, vom Polizeiamt in Mainz.
Eine wichtige Entscheidung über die Kündigung von Arbeitern. Ein Arbeitgeber hatte zwei Arbeiter ohne Kündigung entlassen. Beide nahmen ihre Papiere in Empfang und verließen ohne Einspruch ihre Stellen, um dann nach emtgen Tagen Klage auf Entschädigung kündigungsloser Entlassung bei dem betreffenden Gewerbegericht anzustrengen. Es erfolgte Abweisung der Kläger und zwar mit folgender Mottvlrung: Etn Arbeiter, der glaubt, Anspruch aus Kündigung zu haben, muß diesen Antrag sofort bei seiner Entlassung geltend machen - er darf auch seine Papiere, wie die Karten für die Alters- und JnvaliditätSversicherung nicht annehmen. Mit dieser Annahme gesteht er sein Einverständniß mit dieser Entlassung zu.
** Auf Bewilligung von Altersrenten sind bis zum 1. Juli d. I. 279 877 Ansprüche erhoben worden. Davon wurden 222 680 Rentenansprüche anerkannt und 47 796 zurückgewiesen, 3248 blieben unerledigt, während die übrigen dlo3 Anträge auf andere Weise ihre Erledigung gefunden haben. Ansprüche auf Invalidenrente wurden 114 462 erhoben, o?rouri)en 77 406 Rentenansprüche anerkannt und 24 613 zurückgewiesen, 7236 blieben unerledigt, während ie übrigen 5207 Anträge ihre Erledigung gefunden haben. Unter den Personen, die in den Genuß der Invalidenrente traten, befinden sich 1804, die bereits vorher eine Altersrente bezogen.
.. ** »2lie Gattung für - verdorbene Reichsstempelwerth, zeicheu kann nach den gesetzlichen Bestimmungen nur dann erfolgen, wenn der Erstattungsanspruch innerhalb drei Monaten, nachdem der Schaden den Berechtigten bekannt geworden .."nter Vorlegung der verdorbenen Werthzeichen bei der zuständigen Behörde angemeldet wird.
Coeafci nn- provinzielles
Gießen, den 1. August 1894.
** Omnibus-Fahrten. Heute früh begannen die regelmäßigen Fahrten der Omnibus-Gesellschaft. Im Großen und Ganzen klappte es so ziemlich. Kutscher und namentlich auch das Publikum müssen sich noch ein wenig eingewöhnen, alsdann geht es schon. Das Publikum dürfte mit seinen 10 Pfg. sich gleich beim Besteigen des Wagens an die Zahlstelle begeben und dort in den Einwurf solche legen. Nun, es wird sich in Len ersten Tagen schon bessern und zur Zufriedenheit Aller die Fahrtgelegenheit regeln. Wir lassen im Nachstehenden zur Ergänzung des Fahrplans alle Halte- ' stellen beider Linien folgen:
Friedberg, 30. Juli. Am 1. August tritt der seitherige Bezirkscommandeur, Oberstlieutenant Winter, in den Ruhestand und nimmt seinen Wohnsitz in Gießen.
-0- Blofeld, 31. Juli. Man ist bei uns mit der Ernte beschäftigt, sie fällt in Körnern und Stroh gur aus und kann manche Lücke ausfüllen, welche das schlechte Jahr 1893 gerissen hat, aber gutes Erntewetter wird sehr vermißt, denn gestern früh hatten wir wieder starken Regen, welcher die guten Eigenschaften der Halmfrüchte ungünstig beeinflußt. Wir bekommen wieder ziemlich viel Obst, doch nicht in dem reichen Maße, wie im vorigen Jahre. Es zeigt sich, daß Steinobst, besonders Zwetschen, ihre Früchte fallen lassen, was um so merkwürdiger ist, als es jetzt doch nicht an Feuchtigkeit fehlen kann, lieber das Abstoßen der Früchte bei den Zmetschenbäumen wird auch in der Umgegend geklagt. Das H enge schäft, welches unserer Gegend ein gutes Stück Geld einzubringen pflegt, fängt an, immer mehr zu verstauen, denn die Futteraussichten werden mit jedem Tage besser, wodurch die Heupreise sinken. Jntetessant ist es — auch für Städtebewohner — eine Vergleichung zwischen den Viehpreisen des Monats Juli 1893 und denjenigen des Monats Juli 1894* anzustellen. Es ergicbt sich hieraus, daß heute ein zwei Monate altes, zur Nachzucht taugliches Kalb theurer ist, als 1893 eine schöne dreijährige Kuh.
Nidda, 30. Juli. Gestern Nachmittag stürzte der in Büdingen stationirte Weichenwärter der Oberhessischen Bahn, Uhl, der mit dem nach 6 Uhr von hier in der Richtung Gelnhausen fahrenden Zug als Passagier fuhr, in der Nähe des zweiten Wärterhauses unterhalb Nidda von dem in voller Fahrgeschwindigkeit befindlichen Zuge ab und wurde bewußtlos aufgehoben. Der telegraphisch alsba'd herbeigerufene Bahnmeister Falk ließ den anscheinend schwer Verletzten nach Station Ranstadt bringen, von wo er nach Büdingen mit dem letzten Zug verbracht wurde. Derselbe hat offenbar während des Fahrens die Plattform des nach dem Durchgangssystem gebauten Wagens betreten, um dem ihm bekannten Bahnwärter des Wärterhauses zuzuwinken und ist. dabei abgestürzt, hat sich somit, da das Betreten der Platt- : form verboten ist, sein Unglück selbst zuzuschreiben. Er ist ein schon älterer Mann und sollte morgen in Pension treten ; seine Kinder sind bis auf eins erwachse.'. (D. Ztg.)
8 Kaulstoß (Kreis Schotten), 30. Juli. Wie sehr man auf Kinder Acht geben muß, zeigt folgender Vorfall: Der Landwirth und Müller Heinrich Bücher hier war gestern in seiner Mühle beschäftigt und da seine Ehefrau krank im Bette lag, hatte derselbe sein zweijähriges Kind bis zur Rückkunft aus der Mühle der Obhut des Dienstjungen anvertraut. Als Böcher das Wohnhaus wieder betrat, vermißte er sein Kind. Endlich fand man dasselbe in dem Mühlgraben unterhalb der Mühle im Wasser, an einer Hecke hängend, liegen. Das Kind war, wie es scheint, in die Mühlrenne- gefallen, mit dem Wasser über das Mühlrad herunter und dann noch eine Strecke im Wasser fortgetrieben, bis es an der Hecke hängen blieb. Man trug das anscheinend tobte Kind ins Haus. Sofort angestellte Wieder- belebungsversuche hatten jedoch Erfolg, der rasch hinzugekommene Arzt hofft das Kind wieder herzustellen.
*** Ober-Moos, 30. Juli. Heute Nachmittag gegen 1 Uhr brach auf noch nicht aufgeklärte Weise in der Hof- raithe des Johannes Schad dahier Feuer aus. Die ganze Hofraithe brannte ab und wurde ein weiteres Umsichgreifen des Feuers nur durch die schnell herbeigeeilte Pflichtfeuerwehr verhindert.
Büdingen, 30. Juli. Sicherem Vernehmen nach wird Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich um die Mitte des nächsten Monats, zum Besuch am hiesigen fürstlichen Hof erwartet.
-6. Neu - Ulrichstein, 31. Juli. Monatsbericht der Arbeiter - Colonie pro Juli 1894. Ende Juli 1894 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 47 Mann. Dieselben vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 8, Regierungsbezirk Kassel 7, Regierungsbezirk Wiesbaden 1. Königreich Preußen: Provinz Rheinlande 4, Provinz Westfalen 1, Provinz Sachsen 4, Provinz Brandenburg 1, Provinz Schlesien 3, Provinz Ostpreußen 1. Königreich Bayern 5, Königreich Sachsen 6- Großherzogthum Baden 1 - Thüringische Staaten 3 - Herzogthum Sachsen- Altenburg 1. Ausland: Böhmen 1. Hiervon waren: Arbeiter 14, Bäcker 2, Barbier 1, Bildhauer 2, Brauer 1, Drechsler 1, Eisendreher 1, Färber 1, Former 1, Gärtner 2, Kaufmann 1, Messerschmied 1, Metallschleifer 1, Präger 1, Maschinenschlosser 1 , Bauschlosser 1 , Schriftsetzer 1, Schneider 4, Schmied 1, Schuhmacher 2, Schreiber 4, Tüncher 1, Zimmermann 1, Fleischer 1. Gearbeitet wurde an 1352 Tagen, hierunter 70 Tage für fremde Rechnung. Verpflegt hat die Colonie an 1554 Tagen. Im Monat Juli wurden entlassen 35 Mann, und zwar in Stellung durch die Colonie 2, auf eigenen Wunsch 25, wegen Arbeits- nnfähigkeit 2, auf Requisition der Behörde 1 , wegen Arbeitsscheu 1, wegen Contractbruch 2. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 2564, dagegen abgegangen im Ganzen 2517 Mann, bleibt Bestand am 31. Juli 1894: 47 Mann.
△ Mainz, 31. Juli. Anläßlich des Todes des Erzherzogs Wilhelm von Oesterreich hat die hiesige Bürgermeisterei ein Beileidstelegramm an den Kaiser von Oesterreich nach Ischl gesendet. In demselben wurde darauf hingewiesen, daß sich der so jäh Dahingeschiedene als letzter österreichischer Gouverneur der ehemaligen Bundesfestung Mainz hier viel Sympathien erworben habe und daß man d^er dem Verstorbenen ein dankbares Andenken bewahre. Erzherzog Wilhelm war vom Jahre 1862 bis 1864 Gou- berneur der hiesigen Festung. Er war Nachfolger des im Jahr? 1862 verstorbenen Fürsten Windischgrätz und wurde im Jahre 1864 durch den Prinzen Karl von Preußen ab- gelöst, welch letzterer bis zur Auflösung des deutschen Bundes (1866) Gouverneur von Mainz blieb. — Die in einem Angriff auf das als belagert gedachte Mainz bestehenden großen militärischen Uebun gen, an denen neben ber gesummten hiesigen Garnison die hier zusammengezogenen Pionierbataillone Nr. 11, 16 und 20 theilnehmen, beginnen
morgen und währen bis Freitag. Für den Laien außerordentlich interessant waren die gestrigen Hebungen des eben angeführten 3. Pionierbataillons, welche im Schlagen einer Brücke zwischen Walluf und Budenheim bestand. In kaum einer Stunde waren die beiden Rheinufer durch eine Brücke verbunden, welche dann zur Erprobung der Haltbarkeit von Cavallerie und Jnspnterie im Marschtempo und Laufschritt passirt wurde. . Die Üebungen der Pioniere endigen kommenden Freitag und zwar mit einer Inspektion der drei Bataillone.
Vermischtes.
* Eisenach, 29. Juli. Der Pächter der Wartburg hat die Besucher der Burg, sowie seine Gäste beim Allgemeinen Deutschen Versicherungs-Verein in Stuttgart versichert, um gegen etwaige Ansprüche geschützt zu fein, die auf Grund der Haftpflichtgesetze bei Unfällen gegen einen Hotelbesitzer oder Restaurateur erhoben werden können. Auch das Comite der Thüringer Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Erfurt hat für die Ausstellungsbesucher eine derartige sehr zeitgemäße Versicherung abgeschlossen.
* Berlin, 31. Juli. Heute Vormittag wurde die Familie Patschowsky, die aus vier Personen bestand, in ihrer Wohnung erhängt aufgefunden. Der Ehemann Patschowsky ist am Samstag zum letzten Male lebend gesehen worden. Es unterliegt keinem Zweifel, ’ daß das Ehepaar die That wegen unheilbarer Klankheit begangen hat. — Die „Franks. 3tg." berichtet hie über: Die Katastrophe in der Familie des Schlossers Pa^i chowsky hat sich in dem Hause Swine- münderftraße 80 ^getragen. Dort wohnt im zweiten Stock der 37 Jahre alte Schlosser Max Patschowsky mit seiner gleichalterigen Ehefrau und seinen beiden Kindern, dem zehn- jahngen Knaben Carl und dem sieben Jahre alten Albert. Alle vier Personen wurden heute Vormittag um 11 Uhr in der Wohnung erhängt als Leichen aufgesundru. Am Samstag wurde Patschowsky zum letzten Male lebend im Hause gesehen- Sonntag früh kam die in der Höchste Straße wohnende Mutter der Frau Patschowsky in das Haus, um ihre Tochter zu besuchen, erhielt aber keinen Einlaß. Vom Hofe aus sah sie an dem Küchenfenster ein schwarzes Tuch flattern und machte den Verwalter des Hauses, den Schutzmann Rumplant, darauf aufmerksam. Dieser glaubte, daß die Familie Patschowsky ausgegangen sei. Heute früh erschien der Stiefvater der Frau bei dem Schutzmanne und sprach die Vermuthung aus, daß ein Unglück vorliege, und beantragte die polizeiliche Oeffnung der Wohnung, die auch vorgenommen wurde. Die Leichen waren bereits in Verwesung übergegangen. Auf dem Tische lagen verschlossene Briefe: einer an einen Collegen Patschowskys, ein Zettel an Frau Rumplant mit 42 Mk. als Miethe für die Monate August und September. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Ehepaar im Einverständniß erst die Kinder und dann sich selbst erhängt hat- unheilbare Krankheit soll die Veran- laffung dazu gegeben haben. Die Leichen wurden um 2 Uhr Nachmittags nach dem Schauhause abgeholt. Die verschlossenen Briefe, die vielleicht einen näheren Anhalt bieten,, sind von der Polizei in Verwahrung genommen worden. — Nach einer anderen Meldung litt Patschowsky an hochgradiger Schwindsucht und war in Folge seines schlechten Gesundheitszustandes in den letzten Wochen ohne Beschäftigung.
* Warschau, 31. Juli. Die Stadt Zakrocyn im Gouvernement Plozk ist gänzlich niedergebrannt. Fünf Personen kamen in den Flammen um und 800 Familien sind obdachlos. Das Feuer war in einem Naphtalager entstanden.
* Schreckliche Wirkung der Electricit'ät. Aus Brüssel geht der „Vosf. Ztg." unterm 25. Juli Folgendes zu: Bei dem starken Gewitter, das sich gestern über Brüssel entlud, hat sich auf der Chausse de Waterloo ein schwerer Unfall ereignet. Der Draht, welcher die electrischen Uhren in Bewegung setzt, zerbrach und fiel auf den Draht der dort vorüberfahrenden electrischen Trambahnen. Ein Knabe wollte sich des auf dem Geleise liegenden Drahtes bemächtigen, empfing aber den vollen electrischen Strom, wurde durch den Draht gefesselt und schwer verbrannt. In Folge seiner Schmerzensschreie eilten zwei Arbeiter herbei, um das Kind zu befreien, kaum hatten sie aber den Draht berührt, so waren auch sie von dem Strom ergriffen und konnten ihre Hand nicht mehr losbekommen. Alle drei wanden sich vor Schmerzen. Ein Unteroffizier des Guidenregiments wollte den Draht mittels feines Säbels durchhauen, als aber der Stahl den Draht berührte, zerbrach die Klinge- der Soldat erhielt Brandwunden und wurde zu Boden geschleudert. Inzwischen hatten sich an 1000 Menschen um die Jammernden versammelt- Polizisten gelang es, den Draht zu durch- schneiden. Die Verletzten wurden nach der nahen Apotheke geschafft, aber die erregte Menge zertrümmerte nicht nur zwei elektrische Uhren, sondern suchte auch die elektrische Anlage der Trambahn zu zerstören. Die Polizei trieb die Menge auseinander, konnte aber erst durch Verhaftungen der Hauptschreier die Ruhe Herstellen.
* Die Titelsucht zeitigt oft seltsame Blüthen. In der Sammelliste der „M. N. N." für die durch die Windhose bei Schwaben verunglückten Landbewohner figurirt auch eine „K. bayer. Staatsschuldentilgungskassebureauauskehrers- Wittwe" mit dem Betrage von 50 Pfg. — Gewiß ein schöner und wohlklingender Titel.
Hnivcrfitäte - Nachrichten.
Berlin, 31. Juli. Zum Rector der hiesigen Universität wurde heute ein Theologe, der Dogmatiker Prof. Dr. Otto Pfleid erer, gewählt, ein Württemberger von Geburt. Za Decanen wurden gewählt: von der theologischen Facultät der Ktrchenhistoriker Adolf Harnack, von der juristischen Facultät der Lehrer des Kirchen- und preußischen CivilrechtS Paul Hin sch tus von der medicinischen Facultät der Dtrector des zweiten anatomischen Instituts Oskar Hertwig, von der philosophischen Facultät der Geograph und Forschungsreisende Freiherr v. Richthosen.


