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Nr 126

Samstag den 2. Juni

1894

Trr Aiefrener Jhqeiger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montags.

Die Gießener Aamilienöttlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal drigrlegt.

Gießener Anzeiger

Keneral'-Mnzeiger.

®irrtdjäbvig«r AßaanementapreiAr 2 Mark 90 Pf«, mit Vringerlohn. Durch die Poü bezogen 2 Mark 50 Pf».

St^action, Lspeditim» und Druckerei:

>Lutftraße Kr.7. Fernsprecher 51.

2lints- und Anzeigeblutt füv den Äveis Gietzeiu

Gratisbeilage: chießener Kamitienölätter

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

Alle Lnnoncen-Bureaux de» In» und Auslandes nehme« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher Tbeil.

Straßen Sperre.

Die Kreisstraßen (tziesten Taubringen und Taubringen Mainzlar werden von Montag den 4. Juni I. I ab wegen Vornahme von Sauarbeiten an denselben bis auf Weiteres für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.

Gießen, den 1. Juni 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_________________I. V.: Dr. Melior.________________

Bekanntmachung,

die Abgabe der Capitalrentenfteuererklärungen behufs der Veranlagung für das Steuerjahr 1895/96 betr.

Nach Art. 14 des Gesetzes, die Einführung einer Capi- talrentensteuer betreffend, vom 8. Juli 1884, erfolgt die Heranziehung zu dieser Steuer auf Grund einer Erklärung, welcher jeder nach den einschlägigen Bestimmungen Steuer- pflichtige über den Jahresbetrag seiner Zinsen, sowie der etwa zum Abzug geeigneten Lasten bei der hierzu berufenen Ein- fchätzungscommisffon schriftlich abzugeben hat. Zu diesen Er­klärungen ist das von Grobherzoglichem Ministerium der Finanzen festgesetzte Formular zu verwenden und sind die- selben, je nach der Wahl des Steuerpflichtigen, offen oder verschloffen, jährlich spätestens bi» zum 1. Juli, ohne daß der Pflichtige deshalb eine besondere Aufforderung abzuwarten bat, bei der Bürgermeisterei des Wohnorts abzuliefern.

Von der Verpflichtung zur Steuererklärung sind nach Art. 15 des Gesetzes, insofern nicht im einzelnen Fall besondere Aufforderung der Einschätzungscommission ergeht, diejenigen Steuerpflichtigen entbunden, welche im unmittelbar vorausgegangenen Steuerjahr bereits zur Capitalrentensteuer zugezogen waren, auch inzwischen ihren Wohnsitz nicht gewechselt und keine den Betrag von 100 Mk. jährlich erreichende Einkommensverbefferung aus Eapitalzinfen er­langt haben.

Inhaltlich des Art. 16 de- genannten Gesetzes haben die Capitalrentensteuererklarung abzugeben:

1) für minderjährige, vermißte oder unter Vormund­schaft gestellte Personen, deren gesetzliche Vertreter, für moralische Personen (Gemeinden, Körperschaften, Stiftungen, Anstalten), ferner für Gesellschaften, Genossenschaften, Gantmaffen, Erbmaffen, soweit eine Steuerpflicht hier überhaupt in Betracht kommt, die bestellten Vorstände oder Verwalter;

3) in allen anderen Fällen der Steuerpflichtige selbst und zwar hinsichtlich des gesammten Zinsenbezuger, welcher, sei es aus eigenem Vermögen oder aus dem Vermögen seiner nicht selbstständig zur Kapital­rentensteuer gezogenen Angehörigen, ihm in Steuer» ansatz zu kommen hat.

Unter Bezugnahme aus die obigen Bestimmungen richten wir an die hiernach zur Einreichung von Capitalrentensteuer- erklärungen verpflichteten Bewohner unserer Bezirke hiermit die Aufforderung, ihre Erklärungen unfehlbar bis zum ge­nannten 1. Juli d. I. an die betreffenden Bürgermeistereien gelangen zu lassen, von wo sie, und zwar insoweit verschloffen, uneröffnet, an die Vorsitzenden der betreffenden EinschätzungS- cominission übersendet werden.

Das Formular zu den Capitalrentensteuererklärungen, welchem ein Auszug aus dem Gesetz und eine bezügliche nähere Anweisung beigefügt ist, hat der Steuerpflichtige von der Bürgermeisterei des Wohnorts zu beziehen.

Gießen, Grünberg, Hungen, Nidda, den 1. Ium 1894. Die Großherzoglichen Steuercommiffariate.

Bahr. I. Erleb.:: cL Schnell. Schmitt.

Bekanntmachung.

Die Gr. Bürgermeistereien des Steuercommiffariats Gießen ersuchen wir in ihren Gemeinden bekannt machen zu laffen, daß Reclamationen gegen die Steueransatze für 1894/95 uoch bis Ende dieses Monats erhoben werden können.

Gießen, den 1. Juni 1894.

Großh. Steuercommiffariat Gießen. Bähr.

Deutscher Reich.

Berlin, 31. Mai. Dor dem Kaiser und seinen er­lauchten sächsischen Gästen, dem König AlbeN und dem Prinzen und der Prinzessin Johann Georg, sand am MM- noch Vormittag die übliche Frühjahrsparade der

Berliner Garnison auf dem Tempelhofer Felde statt. DaS glänzende militärische Schauspiel, dem auch die Kaiserin und die Prinzessinnen Albrecht und Friedrich Leopold von Preußen beiwohnten, verlies in gelungenster Weise. Bet dem ersten Borbeimarsch der Truppen führte der Kaiser da» Königin-Augusta Regiment der Kaiserin und dem König von Sachsen vor, während der sächsische Monarch das 2. Garde- Ulanen Regiment dem Kaiser vorführte. Der Parade der Berliner Gardetruppen folgte am Donnerstag diejenige der Potsdamer Garnison nach, bei welcher die sächsischen Herr­schaften ebenfalls anwesend waren. Am Donnerstag Abend reisten König Albert und Prinz und Prinzessin Johann Georg von Berlin auS nach Dresden zurück. Der Verkehr der hohen sächsischen Gäste mit dem Kaiserpaare während ihres mehrtägigen Aufenthaltes am Berliner Hofe trug einen sehr herzlichen Charakter.

Die Novelle zum Unfallversicherungs­gesetz ist im ReichSamte des Innern zum vorläufigen Ab­schluffe gebracht und den verbündeten Regierungen zur Be­gutachtung übermittelt worden.

Neueste Nachrichten.

Depeschen de» Bureau .Herold".

Berlin, 31. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." theilt gegen­über anderen Meldungen mit, der gestrigen besonderen Audienz deS Erzbischofs Dr. Kohn beim Kaiser habe nur der Chef deS Geheimen CivilcabinetS, LucanuS, beigewohnt. Der Erzbischof Dr. Kohn ist gestern Abend abgereist. In der Audienz bei dem Kaiser sollen wichtige kirchenpolitische Fragen erörtert worden sein.

Berlin, 31. Mai. Nach derPost" haben Sachsen, Württemberg und Hamburg ihre früher geltend gemachten Bedenken gegen die Wiedereinführung der Berufung gegen Straskammerurtheile nunmehr fallen gelassen, nachdem sie die Ueberzeugung gewonnen hatten, daß die Mehrheit deS BundeSrathS für den preußischen Vorschlag ist.

Berlin, 31. Mat. Dem Vernehmen nach beabsichtigt Minister v. Berlepsch zur Organisation deS Handwerks einen neuen Entwurf auszuarbeiten, worin eine durchaus getrennte Organisation für die JnnungS- und Nichtinnungs­handwerker vorgeschlagen wird.

Roll, 31. Mai. DieKöln. Ztg." meldet auS Sofia: Gestern fand zwischen den Anhängern und Gegnern Stam- bulows ein blutiger Zusammenstoß vor dem Palaste des Fürsten statt. (Eine Anzahl Personen wurde verwundet. Die Thüren deS Palastes sind geschloffen worden. Ein Volks- Haufe brachte nachher Stambulow eine Kundgebung dar, worin der Hoffnung Ausdruck gegeben wurde, daß er sein Rück- trittsgesuch zurücknehmen werde. Stambulow antwortete, so­bald seine Demission angenommen sei, werde er als Mann aus dem bulgarischen Volke mit diesem für die Rechte der Bulgaren eintreten. Line erneute, vor dem Palaste statt- gefundene Zusammenrottung wurde durch Cavallerietruppen gesprengt. DieKöln. Ztg." versichert, nach Annahme der Entlaffung werde Stambulow in schärfste Oppositton zur Re­gierung treten.

Wien, 31. Mai. Die Hierherberufung sämmt- licher ungarischer Minister hat den Zweck, die gestern von Wekerle dem Kaiser unterbreiteten Vorschläge, über die noch gewichtige Differenzen zwischen dem Kaiser und Wekerle bestehen, noch einmal eingehend behufs eventueller Modifi- cirung zu berathen. Der Ministerrath unter Vorsitz de» Kaisers findet morgen statt.

Nom, 31. Mai. Gestern war die Nachricht vom Tode deS schwer erkrankten früheren Ministers Nicotera ver­breitet. Dieselbe war verfrüht, dock ist an ein Wiederauf­kommen deS Erkrankten nicht zu denken.

Nom, 31. Mai. Gestern Abend gegen 11 Uhr platzte noch eine zweite Bombe, diesmal im Kriegsministerium. Auch durch diese Explosion wurde Niemand verletzt, das Gebäude aber beschädigt. Aus einem dritten Punkte platzte eine Petarde, ohne weiteren Schaden anzurichten.

Paris, 31. Mai. Kammersltzung Die Tribünen sind durch ein zahlreiches Publikum dicht gefüllt. In der Diplomatenloge befinden sich die Botschafter Deutschlands, Oesterreichs und Italiens. Der Abgeordnete de Mahy präsidirt. Auf der Ministerbank sitzen Dupuy, Hanotaux, Mercier, Diger, Barthou, LeygueS, Delcaffe und Faure. Nachdem die De­mission DupuyS als Kammerpräsident und FaureS als Vice- präsident formaliter angekündigtist, verliest Dupuy folgende Erklärung: Sie haben Männer vor sich, die von dem besten Willen beseelt find. Wir haben die Regierung Niemanden entriffen und haben sie auS Pflichtgefühl als Pattioten und

Republikaner übernommen. Wir kennen die Schwierigkeiten der Lage und hoffen, daß sie unS die Kammer beseitigen Hilst. Wir werden die öffentliche Ordnung entschloffen vertheidigen und auf Befolgung der Gesetze halten. Wir werden demo- kratische Reformen fordern, aber feine neuen Projecte Vor­schlägen, sondern die vorliegenden durchzusühren suchen, namentlich die Gesetzentwürfe über den Arbeiterschutz und -Versicherung. Unser Hauptbestreben wird auf Berbesierung der republikanischen Institutionen gerichtet sein. (Beifall.) Besondere Aufmerksamkeit werden wir dem Budget zuwenden. Wir wollen die nöthigen FiScalreformen nicht aufschieben, da in ihnen der wichtigste Theil der Socialreform mit ein­begriffen ist. Wir werden die bisherige auswärtige Politik fortfetzen, die Frankreich wieder zu einem feiner würdigen Rang erhoben hat. Frankreichs Jntereffen und Rechte sollen energisch vertheidigt werden. (Beifall.) In wirthschaftlicher Beziehung werden wir namentlich der Noth der Weinbauer abzuhelfen suchen. (Beifall auf den Bänken deS CentrumS.) Die Radicalen bringen eine Interpellation über die Verhand­lung bei der Bildung und die Politik des Ministerium» eie. Dupuy bittet um die Vertagung der Jnterpellatton auf nächsten Montag. Die Kammer willigt ein, trotz deS Proteste» GobletS.

Sofia, 31. Mai. Nach derFranks. Ztg." herrscht in Sofia der Belagerungszustand und sind in ganz Bulgarien die Truppen in Bereitschaft. In Barna hat ein Zusammenstoß beider Parteien mit blutigem AuSgang statt­gefunden und auS Tatar-Bazardschik wird ein politischer Mord gemeldet. Alle Schulen sind geschlossen. Der gestern ver­wundete Student Hyer ist gestorben. DaS neue Cabinet werde sich jedenfalls nur aus Mitgliedern der bisherigen Opposition zusammensetzen.

Sofia, 31. Mai. Die politische Lage ist jetzt von sehr bedenklichem Character, da sie immer neue öffentliche Demonstrationen hervorruft. Heute Vormittag sanden wiederum Tumulte statt. AuS verschiedenen größeren Städten deS Landes treffen ebenfalls Nachrichten von mehrfach vor­gekommenen Unruhen ein. Truppenverstärkungen find nach hier eingezogen worden. Oberstlieutenant Winarow hat das Eommando der hiesigen Garnison übernommen.

die

Sofia, 1. Juni. Das neue Cabinet ist wie folgt constituirt: Stoilow: Präsidium und Innere», Natschewitich: Aeußeres und interimistisch Arbeiten, Geschow Finanzen, RadoSkawow: Justiz und interimisch Unterricht, Petrow Krieg, Tontschew: Handel und Ackerbau.

An den Schulen wüten zur Zett 166 Lehrer und 3 Lehrerinnen, wozu tn Gießen noch ein besonderer Fachlehrer für Zeichnen «d Turnen kommt. Erwähnt fei hier noch, daß auch an der Stabt- knabenschule ein Handfertigkeit-Unterricht etngeführt worden ist, >tt großen Anklang findet und auch zahlreich von Schülern der höheren Lehranstalten besucht wird. Ter städtische Lehrer, der den Unterricht leitet, ist besonder» dafür in Leipzig ausgebildet worden.

Unterricht in weiblichen Handarbeiten wird in allen Volksschulen deS Kreises ertheilt. Hervorzuheben find dabei bk Leistungen tn der städtischen Mädchenschule in Gießen und auf dem Lande ganz besonder- in den Orten, wo Lehrerinnen unterrichten, in der Alice-Schule in Siehrn ausgebildet worden find.

Erweiterte Volksschulen bestehen: . Ä ,

1. in Grünberg, gegenwärtig mit 42 Schülern (25Knaben und 17 Mädchen), 5 mehr al8 in 1891;

2. in Hungen, , Z. mtt 24 Schülern (16 Knaben und 8 Mädchen), 6 Schüler mehr als in 1891.

An jeder der beiden Schulen wirkt ein Geistlicher, ein akademisch gebildeter und ein seminaristisch gebildeter Lehrer.

Areis-Conferenz

der Volksschullehrer im Streife (Hießen

am 30. Mai 1894.

Die Conferenz wurde mit dem Gesang de» ChoralsiDlit dem Herrn fang Alles an" von den Lehrern aus dem Eonferen,bezirk Lich-Hungen begonnen. t . _. ..

Hierauf hielt der Vorsitzende, Herr Provinzialdirector Freiherr v. Sagern, eine Ansprache, tn der er die Anwesenden brgrüßte imb aus die Bedeutung der KreiS- und BezirkS-Eonsermzen für hie Weiterbildung und Anregung der Lehrer für ihr amtliches Wirken hinwieS.

Von Mitgliedern der KreiSschulcommisfion waren noch anwefeeb die Herren Schulralb Büchner, Oberbürgermeister Gnauttz, Decan Wahl, Professor Dr. Fromme; als Gäste die Herren Director der höheren Mädchenschule Dr. Landmann, Pfarrer Strack von Leihgestern, Pfarrer Walz von Lang-GönS.

Herr Schulralh Büchner erstattete einen Bericht über den Zustand der VolkSfchulen im Kreise seit der Zeit vorn 17. October 1891, dem Tag der letzten KreiS-Conferen» bis jetzt.

AuS diesem Bericht heben wir Einzelnes, wa» allgemeines Interesse beansprucht, hervor:

Volksschulen bestehen tn allen amtlich auigeführten 80 «e meinben deS Kreises in zusammen 170 Schulklassen, 14 mehr als