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Ter Siebener -«teiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags
Die Gießener AamtlieuSlätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
1894
Freitag den 2. Mär;
Erstes Blatt.
Gießener Anzeiger
General-Zl'nzeiger.
Vierteljähriger x Ahonaemenlsprcirr 2 Mark 2t) Pfg. mir vringerlodn. Durch die Post dezogew 2 Mark 50 Pjg.
Redaktion, tfrpfbition und Trnekerei:
-chnkstrahe "Sr.T. Aernjprecher 51.
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Giejzen.
Gratisbeilage: Gießener Aamikienbkätter
29. Lumda
Daubringen
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nnmmer bis Norm. 10 Uhr
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13. Dorf-Gill
14. Eberstadl
15. Ettingshausen
16. Garbenleich
17. Gröbelnrod
Großen-Buseck Grüningen Harbach Hattenrod Hausen
Mainzlar Münster Diuschenheim Ober-Bessingen Ober-Hörgern Odenhausen Oppenrod
Saasen Stangenrod Sleinheim Stockhausen _ Trais-Horloff
37. Queckborn
38. Rabertshausen
39. Reinhardshain
40. Reiskirchen
41. Rodheim
42. Rödgen
43. Röthges
44. Ruttershausen
Utphe Watzenborn Weickartshain WeiterShain
23. Holzheim
24. Inheiden
25. Klein-Linden
26. Langsdorf
27. Lauter
28. Lmdenstruth
1. Albach
2. Allendorf a. L.
3. Allertshausen
4. Alten-Buseck
5. Bellersheim
6. Beltershain
7. Bersrod
8. Bettenhausen
9. Beuern
10. Birklar
11. Burkhardsfelden
50. Treis a. d. Lumda
51. Trohe
Kultur-Ingenieurs Wißmann Einigung dahin erhielt worden, daß die Parzelle Flur V Nr. 657 von dem Unternehmen ganz ausgeschloffen werden soll und die Parzellen Fl. VI, Nr. 608—614 zugezogen bleiben, jedoch nur zur Bezahlung der Hälfte des im übrigen auf die Flächeneinheit entfallenden Kostenantheils herangezogen werden sollen.
Die Großh. Obere landwirthschaftliche Behörde hat nunmehr unter Berücksichtigung vorstehenden Uebereinkomnnus dem Unternehmen die in Art. 67 des Bachgesetze» vom 30. Juli 1887 vorgesehene staatliche Genehmigung unter folgenden Bedingungen erteilt:
1. Daß die behelligten Grundeigenthümer, welche in dem offengelegten Verzeichnis; (Anl. B) aufgeführt sind, Mitglieder der Waffergenoffenschast werden;
2. daß das Unternehmen nach dem von Großh. Kultur- Ingenieur Wißmann ausgestellten Plane ausgeführt wird;
3. daß bezüglich der Verkeilung der auf 5800 M. ver- anschlagten Meliorationskosten nach Art. 53 und 68 des Gesetzes vom 30. Juli 1887 (§ 5 des Statut«) verfahren wird.
Einwendunaen gegen vorstehenden Beschlun der Grvgh- Oberen landw'rthschaftlichen Behörde sind innerhalb 14 Tag n vom Erlaß dieser Bekanntmachung an gerechnet, bei Großh. Ministerium des Innern und der Justiz anzubringen.
leitet liegt in der Zeit vom 1. bis 14. Marz l. I. auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Stemh. m das mit den Bevollmächtigten berathene Genoffenschaftsftoiut zur Einsicht der Betheiligten offen und sind Einwendungen gegen solches innerhalb genannter Frist bei Großh. Bürgermeisterei Sleinheim vorzubringen.
Gießen, den 27. Februar 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, den 27. Februar 1894.
B e t r.: Dispensation der Bahnbeviensteten von den Feuerwehrübungen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
>u Grstzh. VürgermeMereie» des ftwtUi.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung rubr. Betreffs vom 26. Juli 1893. Kceisdlatt Nr. 175 bringen wir zu Ihrer Kenntniß, daß nach Beifügung des Gr. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 13. Februar l. I diejenigen Bahnarbeiter, welche für den folgenden Tag zum Dienst als Bahnpolizeibeamte (Weichensteller, Bahnwärter ?c.) bestimmt sind, auch bei Ucbungen und Alarmirungen m der diesem Tage vorhergehenden Nacht und an dem deniselben vorhergehenden Tage und ebenso Bahnarbeiter, welche als Bahnpolizeibeamte Nachtdienst hatten, auch bei solchen an dem folgenden Tage gegen entsprechende Bescheinigung der Bahnbchördeu als entschuldigt zu betrachten sind. Sie wollen sich in Zukunft hiernach bemessen.
v. Gagern.
Alic Annoncen-Bnreaux de« In- und Au-londcS netfhrn Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
ES ist zu unserer Kenntniß gekommen, daß in Gemeinden die Hessische Feuerwehrzeitung überhaupt nicht oder wenigstens nicht auf Gemeindckosten gehalten wird.
Mit Rücksicht auf die Bedeutung der Feuerwehren und die Nothwendigkeit, das Feuerlöschwesen auf zeitgemäße Höhe zu bringen und zu erhalten, müssen wir Ihnen dringend empfehlen, daß diese Zeitung von Ihren Gemeinden gehalten und den Commandanten der Feuerwehren auSgehändigt werde, damit diese mit dem Inhalt sich nicht allein selbst
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Bekanntmachung, betreffend Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft für die Fluren V und VI der Gemarkung Steinheim.
An der für die Fluren V u. VI der Gemarkung Stein- heim beantragten Bildung einer öffentlichen Waffergenoffenschast sind 112 Grundbesitzer mit 22,6917 ha beteiligt.
Bei der am 11. October v. I. abgehattenen Berhand- lungStagfahrl hat sich Niemand gegen das Unternehmen erklärt.
Einwendungen Dritter gegen das Unternehmen sind nicht erhoben worden.
Bezüglich der bei der Verhandlungstagfahrt beantragten Ausschließung der Grundstücke Flur V Nr. 657 und Flur VI gtr. 608—614 ist durch die Verhandlung am 14. d. M1S-. mit den betreffenden Eigenthümern unter Zuziehung des Großh.
Bekanntmachmg.
Im laufenden Monat kommen zur Erhebung: 1) die birecten Steuern für das 6. Ziel, 2) die Forst- und Feldstrafen der 6. Periode 1893, 3) die Hundesteuer für 1894.
Gießen, den 1. März 1894.
Großh. Diüricts-Einnehmerei I.
Platz.
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Amtlicher Theil.
Gießen, 27. Februar 1894.
Betr.: Die Zeitung für Feuerlöschwesen.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grostherzoglichen Bürgermeistereien
vertraut machen, sondern auch solche den übrigen Führein und den Mitgliedern der Feuerwehr zur Kenntniß bringen und mit diesen besprechen.
Wir erwarten, daß Sie in dieser Hmstcht das Ersor- derliche veranlaffen. Der Preis der Zeitung beträgt halbjährlich 2.50.
v. Gagern.
Feuilleton.
Zwei Feinde.
Von Theo Seel mann.
(4. Fortsetzung.)
„Mein Name ist Burwig," begann der Fremde. „Ich komme von Paris und habe das Unglück gehabt, daß mein Wagen in den Chausseegraben gerathen ist. Würden Sie die Güte besitzen und mir ein anderes Gefährt zur Verfügung stellen, das mich bis zum nächsten Dorf bringen kann?"
Der Hofmeister bat ihn einige Augenblicke zu entschuldigen, da er erst die Crlaubniß seiner jungen Herrin einholen müsse. Nach kurzer Zeit erschien er wieder. Die Gräfin laffe ihr Bedauern darüber ausdrücken, daß sie wegen der vorgerückten Stunde nicht in der Lage sei, den Reisenden selbst zu em- p angen. Sein Wunsch um Stellung eines Wagens solle sofort erfüllt werden, doch mache sie ihn daraus aufmerksam, daß das nächste, eine halbe Stunde entfernte Dorf Riemecourt einen Gasthof besitze, der zur Ausnahme eines Reisenden kaum geeignet sei. Sie lade ihn deßhalb ein, die Nacht in einem der Fremdenzimmer des Schlosses zu verbringen und am nächsten Morgen den Schaden an seinem Wagen durch die Handwerker des Dorfes ausbessern zu taffen.
Der junge Kaufmann ward durch das unverhoffte Anerbieten auf daS Angenehmste berührt. Er erklärte sich sofort bereit, die Einladung mit Dank anzunehmen und bat nur um die Herbeischaffung seines Gepäcks. Der Hofmeister führte ibn in ein traulich auSgestattetes Zimmer des Schloßflügels, wo daS im Kamin flackernde Feuer eine behagliche Wärme ouSströmte. Der junge Mann hatte kaum in dem kleinen Gemach Umschau gehalten, als auch schon ein Diener eintrat und ihm einen stärkenden Imbiß vorletzte. Eine halbe Stunde später wurde ihm gemeldet, daß sein Gepäck im Schlöffe eingetroffen sei.
„DaS hat noch einmal ein gutes Ende genommen, Georg Harwegk, genannt Burwig," redete sich der junge Mann mit
einem leisen Lächeln um den Mund selbst an und ließ sich ermüdet auf den Divan nieder, der in der Nähe des Kamins ausgestellt war. Georgs Mienen spiegelten deutlich die Zufriedenheit feines Innern wieder. Wenn auch durch das unerwartet schnelle Eimücken Napoleons in Paris sein dortiger Aufenthalt früher, als er erwartet chatte, abgebrochen worden war, so konnte er doch mit den Ergebnissen seiner Beobachtungen zufrieden sein. Die Berichte, in denen er seine Wahrnehmungen niedergeschrieben hatte, machten ein stattliches Bündel aus, das er in einem feiner Koffer unter den verschiedenen Waarenproben verborgen hielt. In vier Togen hoffte er die preußische Grenze wieder zu erreichen. Schon sah er sich im Geiste vor seinem Oberst stehen und ihm die Schriststücke überreichen.
Die Strapatzen der Reise machten ihre Rechte geltend. Erst widerwillig und nur für den Augenblick schloß Georg die müden Augen, aber dann öffnete er sie immer seltener und seltener und schließlich sank der Kopf matt auf die Schulter.
Wohl mehr als zwei Stunden mochte der Schläfer geruht haben, als er erschreckt von seinem Sitze aufsprang. Em heftiger Lärm wie von schreienden Männern hatte ihn aus dem Schlafe geweckt. Ehe er sich noch über die Natur des Geräusches vergewiffern konnte, wurde auch schon die Thür seines Zimmers aufgeriffen und herein drang eine Schaar bewaffneter Bauern.
An ihrer Spitze stand ein älterer Mann, der eine brei- farbige Schärpe um den Leib geschlungen hatte.
„Kraft meines Amte« als Maire des Dorfes Riemecourt," begann er, „verhafte ick Sie im Namen des Kaisers. Sie haben sich als Kaufmann abgegeben, der in Geschäften Frankreich bereist. Durch den Sturz Ihres Wagens aber ist Ihr wahrer Stand entdeckt worden. Bei diesem Unfall wurde einer Ihrer Koffer zertrümmert und unter den Waarenproben diese Schriftstücke vorgefunden."
Der Maire hatte b:i diesen Worten Georgs Berichte aus der Brusttasche gezogen und sie dem Urberraschten triumphirend entgegengehalten. „Der Hofmeister," fuhr der Maire fort, „verstand a'.s Elsässer von Ihrer Sprache genug, um den
Inhalt der Papiere zu erkennen. Er hat von seiner Entdeckung der Gräfin d'Ärvillac sofort Mittheilung gemacht und diese hat uns sogleich zu sich entboten und unS Ihre Seridre vorgetragen. Auf ihre Beranlaffung stehe ich vor Ihnen. Sie sind durch Ihre Schriftstücke der Spionage überführt. Wie Sie toiffen werden, hat der Kaiser feit drei Tagen in ganz Frankreich das Standrecht angeorbnet. Der Gemeinde- Vorstand des Dorfes Riemecourt wird daher noch in dieser Nacht zusammentreten und über Ihr Vergehen den Beschluß saffen, aus dem der Kaiser die Tiefe unserer Ergebenheit erkennen soll. Bis zur Verkündung des Urtheils werden S t durch einen Posten bewacht werden."
Noch ehe Georg ein Wort der Erwiderung thun konnte, hatte der Maire mit feiner Begleitung das Zimmer verlassen und gleich darauf kreischte der Schlüffel im Schloß der Thür. Dumpf erklangen die Schritte deS aus- und abgehenden Wachtpostens.
Durch die Plötzlichkeit der erlebten Scene überrascht, sank Georg wie betäubt auf einen Stuhl und vergrub daS Gesicht in den Händen. Gefangen! Gefangen so nahe vor dem Ziele!
Der junge Offizier war sich der Gefährlichkeit seiner Lage wohl bewußt. Er kannte den Erlaß Napoleons, nach dem alle der Spionage verdächtigen Personen von derjenigen Behörde, in deren Bezirk sie ergriffen wurden, sofort ab geurteilt und, wenn überführt, mit dem Tode bestraft werden sollten. Bei der leidenschaftlichen Erregung, die alle Schichten des Volkes durchdrungen hatte, war an Schonung nicht zu denken.
Doll dumpfer Verzweiflung starrte Georg v. Harwegk vor sich hin, während langsam Stunde auf Stunde verrann. Die Uhr des Schlosses hatte eben die zwölfte Stunde verkündet, als ihn ein Geräusch vor der Thür aufhorchen ließ. Er vernahm deutlich, wie eine weichere Stimme mit der rauheren des Wächters abwechselte.
(Fortsetzung folgt.)


