Ausgabe 
1.11.1894 Erstes Blatt
 
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erkläre, um seine heiligsten Interessen mit Wort und That zu schützen. Von der Versammlung wurde der Gewerbverein Darmstadt beauftragt, Erhebungen bet säuMlichen Gewerb- vereinen des Landes anzuftellen, und das so gesammelte Material Sr. König!. Hoheit dem Großherzog durch eine Deputation in einer Denkschrift überreichen zu lasten, gleich» zeitig aber auch Großh. Staatsregierung um Abhilfe zu bitten. Wir wünschen dem hessischen Gewerbestand zu diesem Voraeben besten Erfolg.

CeceiUs Prsvtitztelle»

Sieben, den 31. October 1894.

** Bismarck-Ehrnng. Wie bereits in unserem Blatte berichtet wurde, hat die Bonner Studentenschaft auf Antrag des Bonner D. C. beschlossen, an die gesummte akademische Jugenö Deutschlands einen Aufruf ergehen zu lasten, der, ausgehend von dem Gedanken, dem Fürsten Bismarck zu desten 80. Geburtstage eine Ehrengabe der gesammten Studentenschaft zu übermitteln, [bie einzelnen llniversi- täten zur Fassung entsprechender Beschlüste auffordert. Der Gießener D. C. sah sich veranlaßt, hierauf durch folgenden gestern am schwarzen Brette veröffentlichten Anschlag zu einer Freitag Abend im Cafe Leib abzuhaltenden Stu d ent en - Versammlung einzuladen, über welche wir noch näher berichten werden.

Ludov., 29. October 1894. Commilitonen!

Die Bonner Studentenschaft fordert die deutsche aka­demische Jugend auf, dem Begründer des Reiches, Sr. Durch­laucht dem Fürsten Bismarck zu Höchstseinem achtzigsten Geburtsfefte ehrerbietige Glückwünsche, begeisterte Huldigung darzubringen und durch Ueberreichung einer Ehrengabe die 5kränze der Liebe und Verehrung, die an diesem Tage die L-tirne des besten Sohnes Germanins schmücken werden, um ein Zeichen unwandelbarer Treue und Dankbarkeit eines Theiles der Nation zu vermehren, den der Fürst einst die Hoffnung seines Lebens nannte. Mit freudiger Zustimmung begrüßen wir den Gedanken der Bonner Studentenschaft, unserem verehrten Fürsten noch einmal huldigenden Dank darzubringen für die gewaltigen Thaten, durch die derselbe das viele Jahrhunderte hindurch zerriffene, nach außen hin ohnmächtige Deutschland zu Einheit und Größe geführt und dem Deutschen wieder ein deutsches Vaterland gegeben hat.

Nach menschlichem Ermesten sind uns nur noch wenige Jahre vergönnt, den Fürsten Bismarck unter uns zu sehen, verfehlen wir deshalb nicht, den Lebensabend des Alt-Reichs- kanzlers, des Besten, der aus unserem Stande hervorgegangen ist, durch einen letzten Beweis unauslöschlicher Liebe und Dankbarkeit verschönern zu helfen! Handeln wir im Sinne des Bonner Aufrufes! Es bietet sich uns kein besserer Tag, als der 1. April 1895, an dem der Fürst das 80. Jahr ewes Lebens vollendet, das ganz voller Müh' und Arbeit nur des Deutschen Reiches Macht und Herrlichkeit ge­widmet war.

Laßt uns den Bonner Commilitonen eine zustimmende Antwort ertheilen und laßt uns durch einmüthiges geschloffenes Vorgehen den Beweis liefern, daß wir vermögen, der trennenden Parteiungen im Dienste vaterländischer Gesinnung Herr zu werden.

Im Sinne des Bonner Aufrufes gestattet sich der unter­fertigte D. C., die gesammte Gießener Studentenschaft zu einer Freitag den 2. November, Abends 8>/2 Uhr, im Saale des Cafe Leib stattfindenden Studentenversammlung behufs Wahl eines Ausschuffes einzuladen, der mit der Bonner Studentenschaft zwecks Berathung über eine in Berlin pro- jectirte Versammlung von Abgeordneten aller Hochschulen in Verbindung treten soll.

Die verehrltchen Corporationen und Vereine werden im Jntereffe der Sache um möglichst zahlreiches Erscheinen ersucht und gebeten, der unterzeichneten Burschenschaft ihr Erscheinen zu melden. Den Meldenden werden besondere Tische durch den D. 0. reservirt. Als Meldeschluß ist der 1. November \u betrachten.

Für den Gießener D. C.

die z. Zt. Präs. Burschenschaft Alemannia.

I. A.:

Krug, stud. jur.

* Neues Theater. Auf einen vielfach ausgesprochenen Wunsch hat Herr Director Reiners für Donnerstag den 1. November noch einmalCharleys Tante" angesetzt. Wer dies tollste aller tollen Werke noch nicht kennt, soll nicht versäumen, es kennen zu lernen- für einen heiteren Abend können wir garantiren.

** Junkermanns Reuter Abend. Für den morgigen /»Fritz Reuter-Abend" wurde das folgende durchweg neue Programm festgesetzt: 1) Hanne Nüte (Cap. 7, 8), Die Spatzenfamilie (Lottings Gardinenpredigt). 2) Ut mine Stromttd (Cap. 5), Pomuchelskopps Besuch im Pastor-Hause. Pause. 3) Ut mine Stromttd (Cap. 35 und 38), Der Rehnstädter Reformverein. In diesem Capitel führt der Redner 21 in Character und Ausdrucksweise ganz verschiedene Personen vor. Dauer der Vorträge circa zwei Stunden.

** Kaufmännischer Verein. Auf den am Donnerstag Abend stattfindenden Vortrag des Herrn Dr. Poblmeyer, Men interessantes Thema überPessimismus, Nihilismus und Anarchismus" lautet, sei hierdurch nochmals aufmerksam gemacht.

** Panorama. Auf nach Salzburg und das Salz­kammergut! heißt das Losungswort diese Woche im Panorama, um eine bequeme und billige Tour durch die derrlichsten Gebilde unserer Mutter Erde zu unternehmen. Lassen wir nun diese neueste Serie, das Salzkammergut, Revue passiren, so sind wir erstaunt und überrascht zugleich über die außerordentlich großartigen, wechselvollen Szenerien, die an unserem Auge vorüberziehen. Beispielsweise empfehlen wir nur folgende Bilder einer besonderen Beachtung: Die Veste Hohensalzburg, sowie die. verschiedenen Ansichten von

Salzburg, Gmunden mit Schloß Ort, dann das wildroman­tische Ischl, Parthie in Hallstadt, der Mühlbachfall, Traun- fall, Wildfallschlucht. Dann sehen wir herrliche Bilder von Preßburg und den Karpathen- u. A. die photographische Expedition vor der Tatraspitze, auf der Meeraugspitze, Pano­rama im PreduglaSkythal, der gefrorene See rc., von Preß­burg ganz besonders die in reizendem Blumenflor stehende Promenadenanlage. Diese wenigen Bilder an sich allein lohnen einen Besuch im Panorama und können wir nicht umhin, das überaus lehrreiche und hochintereffante Institut den verehrten Lesern bestens zu empfehlen.

** 3 Folge der starken Regengüsse am gestrigen Nach­mittag ist der Wasserstand der Wieseck und Lahn von gestern Abend 11 Uhr bis heute Nacht 3 Uhr am Pegel beim Aus­gerinn von 2,76 Mtr. auf 3,76 Mtr. gestiegen. Die städt. Pumpstation ist seit heute Nacht 4 Uhr im Betrieb.

Auszeichnung. Zu unserer gestern gebrachten Notiz über die Auszeichnung der hiesigen Firma H. F. Nassauer bei der Kochkunstausstellung in Frankfurt a. M. mit dem Diplom zur broncenen Medaille wird uns durch Herrn Nassauer die Mittheilung, daß er mit 127 Firmen gegen die Prämiirung Protest erhoben. Die im Hotel Diehl in Frank- surt darüber einberufene Protest-Versammlung gab kund, daß Frankfurt und nächste Umgebung prämiirt worden seien, während man die zahlreichen fremden Firmen nicht oder nur sehr gering bedacht habe. Die Prets-Jury habe eine große Menge Gegenstände einfach gar nicht erprobt und trotzdem ein Urtheil gefällt. Die Versammlung nahm alsdann folgende eingebrachte Resolution an:Der hochlöbliche Vorstand der Frankfurter Kochkunst-Ausstellung wolle beschließen, diejenigen von endesunterzeichneten Protestlern vorgebrachten Recla- mationen, betreffend die nicht genügende Würdigung ihrer Ausstellungsartikel, durch die jeweilige Jury (jedoch Fachleute) einer nochmaligen genauen Prüfung und Untersuchung unter­ziehen zu wollen, um zu constatiren, ob nicht eventuell doch dem Einen oder Anderen eine höhere Auszeichnung noch nach­träglich zugedacht werden muß."

** Die Cigarrevfabrikauteu bereiten sich, wie wir aus- wärtigen Blättern entnehmen, schon auf die neue Tabak­steuer vor, damit sie trotz der zu erwartenden Vertheue- rung doch nicht einen allzu hohen Aufschlag in den Preisen der Fabrikate eintreten zu lassen brauchen. Um dieses Ziel zu erreichen, suchen einige Berliner Fabriken an den Kisten zu sparen. So sind in den letzten Tagen Händlern von den Geschäftsreisenden neue Kisten vorgelegt worden, die nicht mehr, wie bisher, aus amerikanischem Cedernholz, sondern aus einer Pappimitation bestehen. Nur die beiden kleineren Settenbretter sind nach wie vor aus Holz, während Boden, Deckel und die beiden Längsseiten aus einem Stück Pappe gefalzt find, dem auf künstlichem Wege ein holzähnliches Aussehen gegeben ist. Man berichtet, daß dadurch die Herstellungskosten einer Kiste auf sechs bis neun Pfennig herabgesetzt werden. Eine Verteuerung der Cigarren wird aber doch eintreten müssen, da diese Ersparniß wohl kaum hinreichen würde, den durch die Steuer zu er­wartenden Aufschlag zu decken.

K. Effolderbach, 27. October. Eine hiesige Bürgers­frau hat sich heute Abend in die in Mitte unseres Dorfes be­findliche Pferdeschwemme gestürzt und ist darin ertrunken.

O. Aus Oberheffeu, 29. October. Wie im vorigen Jahre, so hat auch dieses Jahr die Hauptstaatskasse in Darm­stadt im Auftrage des Finanzministeriums angeordnet, daß alle staatlichen Kassen am 31. October eine Kassenaufnahme machen müssen. Durch diese Kassen­aufnahme sollen die Beträge an Reichsgeldmünzen, Thaler- stücken, Reichssilbermünzen, Ntckelmünzen und Kupfermünzen, außerdem aber die Retchskassenscheine zu 50 Mk., 20 Mk. und 5 Mk., die Reichsbanknoten, sowie die Privatbanknoten festgestellt werden. Ist dies geschehen, so haben die Kassen­beamten die vorgefundenen Beträge in eine Postkarte, welche von der Hauptstaatskasse geliefert wurde und mit den noth° wendigen Rubriken versehen ist, einzutragen und die Karte sogleich zur Post zu geben, so daß die Hauptstaatskasse im Laufe des 1. November in den Besitz der Karten gelangt und daraus eine Gesammtzusammenstellung für das ganze Land anfertigen kann.

Mainz, 26. October. Sie säen nicht und ernten doch! Ein hiesiger Weinhändler, der in der Gemarkung Weisenau begütert ist und daselbst namentlich eine Anzahl Weinberge besitzt, wollte dieser Tage mit dem Traubenlesen beginnen- er mußte aber die Wahrnehmung machen, daß be­reis vor ihm eine Auslese gehalten worden war, und zwar in so umfangreicher Weise, daß dem Besitzer mehrere Ohm Wein entgehen. Auf Befragen erfuhr der Weinhändler bet den benachbarten Weinbergbefitzern, daß man allerdings ge­sehen habe, wie in seinen Weingrundstücken die Lese vor­genommen wurde, man habe aber geglaubt, die Leute seien von dem Eigentümer beauftragt. Trotz allem Bemühen gelang es bisher nicht, zu ermitteln, wer dieVor"-Lese in den Weinbergen vorgenommen hat.

Mainz, 28. October. Cie Enthüllungsfeier der Gedenktafel am Geburtshause von Peter Cornelius hat heute Mittag in Anwesenheit der Schwester Susanne des Dichtercomponisten stattgefunden. Die Wittwe, der Sohn und die Tochter Cornelius' telegraphirten, daß sie im Geiste bei der Feier seien. Nachdem der Präsident desLieder­kranz" gesprochen hatte, pries in trefflicher Rede Ober­bürgermeister Dr. Gaßner den Dichtercomponisten.

Vermischtes

* Fulda, 26. October. Der 13jährige Schulknabe Wilhelm Brustus aus Isenburg bei Frankfurt a. M. wurde in vergangener Nacht auf einer Bremse des Schnell­zuges 1 von Frankfurt a. M. sitzend, auf hiesiger Station ohne Fahrkarte betroffen, ausgesetzt und einstweilen im hl. Geist-Hospital untergebracht. Der Knabe war mittellos

und hatte das elterliche Haus angeblich wegen schlechter Be­handlung durch seine Stiefmutter verlassen, um zu seinenr Onkel nach Berlin zu reisen.

* Görlitz, 25. October. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte die Dtenstmagd Anna Schubert, die in der Nacht zum 30. August einen Mordanfall gegen die Magd Roftiz. in Friedersdorf verübte, zu 10 Jahren Zuchthaus.

* Altona, 29. October. Das Schwurgericht verurtheilte den Grünwaarenhändler Blanck wegen Ermordung seiner früheren Geliebten, Frau Bruhn, zum Tode.

* Aus Westpreußen, 22. October. Zwei Offiziere, ein Premierlieutenant vom Trainbataillon Nr. 17 in Langfuhr und ein solcher von der Garnison Thorn, find sahnen^ flüchtig. Beide hinterlassen bedeutende Schulden. Gestern wurde der Kreis Stuhm von einem starken Sturme heimgesucht, der überall großen Schaden anrichtete. Namentlich die Waldungen haben sehr gelitten.

* Mannheim, 26. October. In einem elsässischen Eta- blisiement des Vereins chemischer Fabriken wurde bekanntlich kürzlich ein Arbeiter von Säuren spurlos auf­gezehrt. Die Berufsgenoffenschaft der chemischen Industrie weigerte sich Anfangs, eine Entschädigung zu zahlen, da sie die Möglichkeit eines derartigen Unfalls nicht zugeben wollte. Die betheiligte Fabrik wies jedoch diese Möglichkeit durch Experimente mit Fleisch, Knorpeln und Knochen aufs Schlagendste nach, worauf die Berufsgenossenschaft sich nunmehr zur Ent­schädigung verstanden hat.

* Karlsruhe, 28. October. Gestern Abend hat sich eit? junger städtischer Schreibgehtlfe denHalsdurchschnitten, so daß er nach kurzer Zeit verstarb. Er war ein eifriges Mitglied des evangelischen Jünglingsvereins- aus hinter­lassenen Papieren scheint hervorzugehen, daß er an einer Art religiösen Wahnsinns gelitten hat. Der Selbstmörder hatte sich in das Zimmer des zweiten Bürgermeisters begeben, sich in die Ecke eines Kleiderschrankes gestellt und die tödtlichen Schnitte vorgenommen. Bei einer Zimmerreviston fand der Hausmeister den noch stöhnenden Schwerverletzten.

* Stuttgart, 30. October. An der neuen Bahnlinie Untertürkheim-Kornwestheim stürzte gestern Abend die Wand einer Fundamentgrube ein und begrub sechs Arbeiter, hiervon waren drei sofort tobt. Die übrigen sinb schwer verletzt.

* Eine gepfändete Fahne. Tiefe Trauer herrscht unter ben Mitgliebern bes Militärvereins in Gera. Der un­erbittliche Gerichtsvollzieher hat bem Verein seine neue, schöne Fahne gepfänbet, und was das Schlimmste ist, das Fest der feierlichen Fahnenweihe ist die Veranlassuog dazu gewesen. Damals hatte man den Ehrenjungfrauen ein großes Festessen veranstaltet, auf dessen Bezahlung der Wirth bisher vergeblich gewartet hat. Auch mit der Bezahlung der Stickereiunkosten soll es noch hapern. So steht denn nun die schöne neue Fahne, der Stolz des Vereins, im gerichtlichen VersteigerungS- local unter allem möglichen alten Gerümpel.

* Der alte Renz hat, wie aus einer Amtshandlung des Wiener Gerichts, welches einen Vormund für dort lebende Enkel des Circusbirectors Ernst Renz bestellte, hervorgeht, seinen Kinbern rund 16 Millionen Mark hinter­lassen.

* Der erste Helgoländer, welcher als Einjährig-Frei­williger in die Armee eintrat, ist der Sohn des Apothekers Pilger, stud. jur. Willy Rudolf Helgo Pilger, geboren auf Helgoland am 3. März 1873, in diesem Herbste beim 2. Pomm. Feldart.-Regt.^ Nr. 7 im Dienste.

* In München haben die städtischen Wasserleitungen im Jahre 1893 das sehr respectable Reinerträgniß von 391 982 Mk. geliefert.

* Der Gedanke, eine Lntherkirche in Rom zu baue», ift zur Zeit zurückgetreten gegen den anderen Gedanken, ein evangelisches Hospiz in Rom" zu errichten. Dasselbe wird ebensowohl der Unterkunft der nach Rom reisenden Protestanten dienen, als einen Sammelpunkt der evangelischen Gemeinde in Rom bilden. Die Unterstützung dieses Werkes ift eine ächt evangelisch-protestantische That, an der wir uns Alle recht thatkräftig betheiligen sollten. Auch i)te kleinsten Gaben werden dankbar entgegengenommen von Pfarrer M. Wenk in Darmstadt, Promenade 47. Quittung erfolgt durch Postkarte.

* Ehen von heute. Eine arge Enttäuschung mußte der in der Stralsunderstr. zu Berlin wohnende Materialwaaren-- händler L. machen, der sichauf dem gar nicht mehr un­gewöhnlichen Wege" der Zeitungsanzeige einereiche" Lebens­gefährtin gesucht hatte. Auf seine Anzeige meldete sich ein Heiratsvermittler, der für den geldbedürftigen jungen Ge­schäftsinhaber eine Fünftausendthaler-Dame auf Lager hatte - der Pakt wurde geschlossen, die jungen Leute lernten sich kennen und lieben und in letzter Woche fand die Trauung statt. Bis dahin hatten die Gläubiger gewartet, als aber auch jetzt der junge Ehemann zur Zahlung unfähig war es stellte sich nämlich nachträglich heraus, daß die junge Fran kaum fünftausend Pfennige als Mitgift in die Ehe bringen konnte, waren die Gläubiger unerbittlich. Am Montag früh trafen in dem L'schen Geschäft drei Gerichtsvollzieher zusammen. Das Geschäft wurde geschlossen, die junge Frau kehrte nach kaum achttägiger Ehe in das Elternhaus zurück ' und der Mann ist auf und davongegangen. Ein andrer Fall: Der Kaufmann St. war seit einigen Monaten mit der Tochter einer im Schönhauserthor-Viertel wohnenden Wittwe verlobt und dem Bräutigam waren 15000 Mark Mitgift versprochen worden. Die Heirath war auf Samstag den 27. d. Mts. festgesetzt gewesen, der Bräutigam erschien am Vormittag, um seine Braut nach dem Standesamt ab­zuholen. Vorher aber sollte die Mitgift überreicht werden und nun ergab es sich, daß statt der versprochenen 15 000Mk- nur 12 000 Mk. zur Stelle waren, den Rest der Mitgift sollte der Bräutigam später erhalten. Damit war derselbe jedoch nicht einverstanden und er erklärte, nicht eher den Weg zum Standesamt antreten zu wollen, bis diedrei Mille" auf dem Tisch lägen. Der peinlichen Geschichte