Ausgabe 
31.10.1893 Erstes Blatt
 
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1893

Dienstag den 31. October

Nr. 256

Erstes Blatt

Gießener Anzeiger

Senerat-Icnzeiger

Amts» unb Anzeigeblatt für den Kwi» Me^en

chratisbeilaqe: chießener Kamikienbtätter. !

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Feuilleton

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gedrängt, wenn Du Dich von ihr

Entsetzlich!" rief Alma.

Das Leben?

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.

Alle Nnnoncen-Burraux de» In» und AuSlande» nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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Berlin, bespricht in russischen daß derselbe

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Die Gießener

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zweifelten Schritte trenntest?"

Das hat sie

Monat später"

auch ausgeführt. Sie nahm sich einen

.Nein, einen anderen. Der arme Kerl!"

,Wie? Du bedauerst ihn?"

Ja freilich. Er war früher mein größter Feind, ich

gebe. Es sei eine längst bekannte Thatsache, daß Rußland auf die Freundschaft und eventuell auch auf die Hceressolge Frankreichs zählen könne und daher keinen Grund habe, diese ihm unentgeltlich zufallende Freundschaft durch das Versprechen der Gegenseitigkeit zu bezahlen.

DieNordd. Allgem. Ztg." wendet sich gegen einen neuerlichen Angriff, den dieHamburger Nachrichten" am 25. October gegen die Handelsverträge auf Grund des Jahresberichts der Chemnitzer Handelskammer richteten. Gegenüber der Behauptung, daß die Handelsverträge an den augenblicklichen unerfreulichen Zuständen Schuld trügen, weist dieNordd. Allg. Ztg." auf das vertragslose Frankreich hin, wo ebenfalls Klagen des Handels und der Industrie ertönten. Das Ziel der Handelsverträge, für die Geschäftswelt einen festen Boden zu gewinnen, der es erlaube, sicher zu rechnen und sich auf längere Zeit einzurichten, sei als erreicht zu be­trachten. Seien auch die gezogenen Grenzen noch enge und infolge dessen große Gewinne nicht zu erzielen, so sei doch die Möglichkeit geschaffen, mit Vortheil zu arbeiten. Die Herstellung stabiler Verhältnisse werde auch von dem bei Weitem größten Thetle der hier in Betracht kommenden Kreise anerkannt und freudig begrüßt. DieNordd. Allg. Zeitung" führt sodann die Aeußerungen einer Reihe von Handelskammcrberichten an, insbesondere der Handelskammern SachsenS, die sich in diesem Sinne äußern.

Berlin, 28. October. Zur Reichstagseröffnung schreibt dieKreuzzeilung": Von maßgebender Stelle aus ist die Weisung ergangen, die Vorarbeiten zur Eröffnung des Reichstages möglichst zu beschleunigen, damit man vor Beginn der Weihnachtspause noch hinreichende Zeit gewinnt, um die dringlichsten Sachen erledigen zu können. Demgemäß gilt es jetzt in den zuständigen Behörden für wahrscheinlich, daß der Reichstag seine Arbeiten eine Woche früher, als bisher angenommen, wird beginnen können, nämlich in den Tagen etwa vom 14. bis 16. November. Die Einberufungs Ordre für den Reichstag steht in einigen Tagen zu erwarten.

Berlin, 28. October. Die Landtagswahlbewegung in Preußen steht vor ihrem Ausgange, denn an diesem Dienstag finden die Urwahlen zum Abgeordnetenhause statt. Man kann nicht sagen, daß die Wahlcampagne einen besonders lebhaften oder gar heftigen Character getragen hätte, im Gegentheil, die Agitation bewegte sich meist in sehr gemäßigten Grenzen und jene Wahlkreise, in denen sie einen regeren Wellenschlag zeigte, sind zu zählen. Trotzdem darf man dem Ausfälle der preußischen Wahlen immerhin mit Jntereffe ent» gegenblicken, hauptsächlich deshalb, weil die Parleiconstellation diesmal denn doch gegenüber den Landtagswahlen von 1888 einigermaßen verändert erscheint. Damals wirkte noch das bei den Reichstagswahlen von 1887 zwischen den beiden conservativen Parteien und den Nationalliberalen abgeschlossene Cartell nach, in der am DienStag zum Abschlüsse gelangendes Landtagswahlbewegung aber sind die preußischen Cartell» Parteien fast überall unabhängig von einander vorgegangen. Dafür haben sich einerseits die Conservativen vielfach mit dem Bunde der Landwirthe verbündet, während anderseits di( Nationalliberalen nicht minder häufig Wahlallianzen mit den Linksliberalen eingegangen sind. Außerdem ist im Lager der letzteren die bekannte Spaltung in Volkspartei und Vereinigung eingetreten, die bereits in den letzten Reichstagswahlen zur Geltung kam und die zweifellos auch bei der bevorstehenden Wahlschlacht in Preußen erneut zu bemerken sein wird. Jeden­falls sind interessante Ueberraschungen bei den Wahlergebnissen des 31. October nicht ausgeschlossen, obschon an eine ernst­liche Verschiebung der bisherigen Stärkeverhältnisse in der preußischen Volksvertretung schwerlich zu denken ist.

Entschädigung unschuldig Verurtheilter. Die ,,B. B.-Ztg." schreibt: Mit aller Bestimmtheit wird die Einbringung eines Gesetzentwurfs, betreffend die Entschädigung unschuldig Verurtheilter, in der bestehenden Reichstagßsession angekündigt und sogar der Inhalt der Vorlage bekannt ge­geben. Bis zur thatsächlichen Erfüllung des Wunsches wird man sich aber, wie von guter Seite verlautet, noch gedulden müssen. Die Sache ist in der allerersten Entwickelung be­griffen und wenn es auch wahr ist, daß der Staatssecretär des Reictsjustizamtes sich besonders dafür interessirt, einst­weilen ist noch gar nicht abzusehen, wann es möglich sein wird, die Angelegenheit weirerzuführen.

Die Organisation des Handwerks. Die Pläne des preußischen Handelsministers bezüglich der Organi-

würdig verneigenden und sonderbar krümmenden Collecteuren gegrüßt und geleitet.

Dann aber brach ein donnerndes Gelächter los.

Weiß der Himmel," sagte Zwistebtll, als sich der Sturm etwas gelegt hatte,die am wenigsten intelligenten Oeconomen erfreuen sich doch stets der größten Erdapfel."

Gespannt wartete Alma der Rückkehr ihres Gatten- seine bestimmte Erklärung hatte ihr ihre Hoffnungsfreudigkeit nicht genommen, denn von bloßer armseliger Logik hatte sie sich noch nie bestimmen lassen.

Ihre Neugierde hielt sie am Fenster fest und da gerade die Sonne stark schien, spannte Alma ihren Sonnenschirm auf und blickte so auf die Straße hinab.

Gleich allen Vorübergehenden über dieses Schauspiel er­staunend, kehrte Hermann zurück.

Alma eilte zum Spiegel, um schnell noch ein erzürntes Gesicht der Briefe halber zu studiren, dann lief sie ihrem Gatten auf der Treppe entgegen.

Nun, haben wir gewonnen?" rief sie lebhaft.

Fällt unS nicht im Traume ein," entgegnete Hermann phlegmatisch.

Die Liebesbriefe hat Alma ihrem Manne nach längerem Zürnen und Schmollen verziehen, jedoch erst, als sie sich persönlich von der Wahrheit seiner Aussagen überzeugt.

Daß er jedoch das GlückslooS nicht gekauft, daß er so alle ihre Hoffnungsträume zerstört hat, daß sie nun nicht in der Lage ist, andere Frauen durch kostbare Kleider und Schmucksachen, durch Reisen und Gesellschaften neidisch zu machen und zu ärgern, das hat sie ihm nie vergeben.

Hermann ahnte dies bereits an jenem Tage voraus.

Als er am Nachmittag in seinem Comptoir saß, stellte sich ihm der Reisende einer großen Theersabrik vor.

Hermanns Geschäft brachte es, nebenbei gesagt, mit sich, daß er mit Großhandlungen dieser Art zu thun hatte.

Mein Name ist Drängler," sagte der Reisende höflich. Ich komme von der Firma Schmier und Söhne und möchte mir erlauben, unsere Fabrikate zu empfehlen. Wir führen Pech in Prima-Qualität"

Danke bestens, bin reichlich versehen!" rief Zwistebill und warf den Reisenden hinaus.

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f in der CMch. D us Darmstadt.

luvg in Steinl GaA ®

Zum Reformationsfeste.

Unsere Zeit vergißt schnell. Jedes Jahrhundert bringt Männer hervor, deren Namen und Person ein rasch lebendes Geschlecht bald aus den Augen verliert und lebt doch von ihrem Werk, erbt Segen oder Fluch von jenen, und muß ernten zum Unglück oder Heil, was die Vergangenheit gesäet. Der Tag der Reformation läßt wieder den Mann vor unfern . Augen erstehen, dessen mächtiger Geist dem Leben Deutsch» hnbS sein Gepräge gegeben hat bis auf diesen Tag, den Mann so muthig wie demüthig, so stark wie gläubig, Martin Luther. Auch die, welche sein Werk nicht verstehen oder gar hassen, danken ihm für ihr Geistesleben mehr, als sie selber es ahnen. Unsere Zeit lebt von seinem Erbe.

Zwei Gegner hat das Reformationswerk Luthers: die» jentgen, welche im Banne der römischen Satzungen das Heil suchen, und diejenigen, die sich selbst und die eigene Willkür unb Lust als höchste Autorität ansehen und von jeder andern sich emanzipiren. Luther hat uns die Freiheit von den Fesseln falscher Autorität und von der Willkür des eigenen Beliebens errungen und uns den Weg zur wahren Freiheit geführt, bi< nur im Gehorsam gegen den lebendigen Gott und sein hliliges Wort gewonnen werden kann. Unter heißen Kämpfen hrt er den Frieden mit Gott durch Jesum Christum gefunden unb Allen, die ihrer Seelen Heil suchen, diesen Weg geöffnet. Hier stehe ich, ich kann nicht anders," das ist die Sprache eines Helden, der, allen irdischen Feinden trotzend, nur unter den heiligen Gott und die Stimme des Gewissens sich beugt. Wo das von Gott und seiner Offenbarung in Christo ge» bindene Gewissen diese höchste Autorität preisgiebt, da öffnen sich die Schleusen der Re v ol u ti o n- wo diese Autorität zu ihrem Rechte gebracht wird, da hält die Reformation ihren siegreichen Einzug.

Was Deutschland groß gemacht hat, ist das Erbe der Reformation. Vielfach ist es vergessen, verachtet und in den 6 taub getreten. Der Ernst der Zeit mahnt uns, die wir : Evangelische nennen, den lebendigen Gott, den Viele zu

fom Todten geworfen, mit aller Kraft unserer Seele wieder zu suchen und seinen Dienst als die Aufgabe und das Ziel . uitfereß Lebens zu erkennen. Heute ruft alle Welt nach Freiheit, aber es gießt keine Freiheit ohne den Glauben an Christum, I in welchem der Mönch von Wittenberg sein Reformationswerk au-gerichtet hat.

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November.

mlnng in der Stobr Siffig aus Bad-Nr-

ütverks Noth".

Frankfurt a. M.

Ich habe kein Loos genommen," sagte Hermann betroffen.

Wie? Du hast" rief Alma erbleichend.Es gibt doch nur einen Zwistebill in der Stadt."

Einerlei, ich habe kein Loos."

Alma quälte ihn nun so lange, bis er sich entschloß, das Lotteriegeschäft aufzusuchen.

Als er sich der Thür näherte, kugelte sich Euphrosine so schnell sie es vermochte, vom Schlüsselloch hinweg, an dem sie eine lauschende Menschenmaffe dargestellt hatte.

Wäre ein Schutzmann zugegen gewesen, er hätte sie sicherlich ersucht, auSetnanderzugehen.

Im Lotteriegeschäft fand Hermann außer einigen An­gestellten einen stillen, ältlichen Herrn, auf dessen Antlitz ein behagliches Lächeln Platz genommen hatte.

Ich komme, um ein Mißverständniß auszuklären. Mein Name ist Zwistebill."

Sehr liebenswürdig," sagte einer der Collecteure.Die Sache ist bereits geordnet. Der Herr hier", und dabei wies er auf den ältlichen Herrn,ist der glückliche Besitzer des Looses Nr. 42."

Ja, das bin ich," schmunzelte dieser.

vDer Herr glaubte unter seinem eigenen Namen nichts zu gewinnen und ließ das Loos daher auf Ihren werthen Namen eintragen," fuhr der Collecteur fort.

Weil der Name Zwistebill der letzte im Adreßbuch ist," schmunzelte der ältliche Herr.Meine selige Tante machte es immer so."

Jaso!" sagte Zwistebill.

Noch eine ergebene Frage, hochgeehrter Herr!" wandte sich jetzt der Collecteur an den ältlichen Herrn.

Alle Anwesenden horchten gespannt.

Vorhin, als ich das Vergnügen hatte, Ihnen Ihren Gewinn auSzuzahlen, bemerkten Sie gütigst, Sie hätten sich viele Mühe gegeben, gerade Nr. 42 zu bekommen."

Das will ich Sie sagen," schmunzelte der ältliche Herr. Ich träumte vor ein paar Monaten einmal in der Nacht von lauter Sechsern, von nichts wie lauter Sechsern. Nun machte ich Sie meine Combination: siebenmal sechs ist zwei­undvierzig. Punktum!"

Ah sooo!" rief alles.

Der ältliche Herr ging jetzt hinweg, von den sich merk-

Deutsches Reich.

28. October. DieNordd. Allgem. Zeitung" ihrem heutigen Leitartikel den Besuch der Flotte in Toulon und hebt dabei hervor, Deutschland keinen Grund zur Beunruhigung

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MB 8 Uhr: mgsfesi« "-USat

!takte einen kostspieligen Prozeß gegen ihn verloren. Seit per Zeit, wo ihn Bertha nahm, sind wir ausgesöhnt."

Herr Zwistebill sprach die reine Wahrheit- seine Gattin Raubte selbstverständlich nicht ein Wort davon.

Endlich wurde ihm die Sache zu bunt- er fragte:Wie kamst Du denn dazu, meinen Schreibtisch zu offnen?"

Alma ließ es sich nicht merken, daß der Lotteriegewinn ein treffliches Pflaster auf ihren Schmerz war- noch immer oürnenb, gestand sie ihm den Beweggrund.

Pech in Prim« - AuslM.

Humoreske von Ad. Thiele.

(Schluß.)

Alma war allein mit ihrem Schmerz.

Sie konnte es sich nicht versagen, den Dolch noch tiefer einzubohren, die Briese sämmtlich zu lesen.

Endlich kehrte ihr Gatte zurück.

Er erschrack allerdings, als er die Briefe in der Hand feiner Frau sah.

Mit den pathetischen Worten:Sieh her, Treuloser!" begann eine Scene, wie wir sie der schönen Leserin nie, nie tvünschen wollen.

Hermann faßte sich, doch vergebens versuchte er Almas Anklagen abzuwehren.

Die Sache ist ja längst aus," sagte er.Sie wurde unS beiden viel zu langweilig."

Aber diese Briese besagen das Gegentheil."

DaS war nur eine schlechte Angewohnheit von der Bertha, solche Briefe zu schreiben."

Wie? Und hier in diesem letzten, wo sie betheuert, sie könne dieses Leben nicht fortführen, sie sei zu einem ver»

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