Damen der deutschen Colonie beiwohnten. Der bayerische Geschäftsträger Freiherr v. Tücher, der in Vertretung des Grafen Münster dem Banket präsidirte, gab zunächst dem Gefühle der herzlichen Verehrung der Versammelten für den Botschafter Ausdruck, der durch Unwohlsein verhindert war, an der Festesfreude unmittelbar theilzunehmen. Der Redner feierte sodann den Kaiser als machtgebietendes Symbol der deutschen Einheit und den zielbewußten Erhalter des Friedens, den Deutschland aufrichtig wünsche. Er schloß mit einem jubelnd aufgenommenen dreifachen Hoch auf den Kaiser und das Kaiserhaus. Die Festtheilnehmer sandten ein Huldigungs- telegramm an den Kaiser ab.
Petersburg, 28. Januar. Die politischen Streife hoffen mehr denn je auf ein Zustandekommen des russischdeutschen Handelsvertrages, weil sie dadurch hoffen, die angehäuften Getreidevorräthe bereits im Frühjahre auf den deutschen Platz zu bringen. Die russische Zuckerindustrie vermag in den asiatischen Provinzen mit dem europäischen Zucker nicht zu concurriren. — In Polarbriz, den Noth- standsgegenden, ist die Lage der Bevölkerung infolge der außerordentlichen Kälte schrecklich. Die Regierung wird demnächst abermals namhafte Unterstützungen vertheilen lassen.
Deutscher Reichstag.
32. Sitzung. Samstag, 28. Januar 1893.
Der Reichstag setzt die Berathung deS Retchshaushalts- etats bet dem Etat des Innern fort.
Abg. Goldschmidt (dfr.) empfiehlt Veröffentlichung etneS Berichts über die Weltausstellung von Chicago, der von der höchsten Bedeutung sein werde, wenn er von sachverständiger Seite aufgestellt werde. Ferner wünscht Redner Förderung aller Bestrebungen zur Entsendung von Handwerkern zu der Ausstellung.
Staatssecretär v. Bötticher erwidert, daß die Herstellung eines Generalbertchts nicht» in Aussicht genommen sei, dagegen würden von einzelnen Zweigen laufende Berichte ausgegeben. Den Bestrebungen aus Entsendung von Handwerkern nach Chicago habe er seine Unterstützung zugesagt. DaS Deutsche Reich werde in Chicago würdig vertreten sein, auch In architektonischer Hinsicht, wie ein am Tisch des Hauses aufgestelltes Bild des deutschen in Chicago aufgestellten HaufeS beweise. Der Reichscommissar der Ausstellung habe hierher die Mittheilung gelangen lassen, daß mit den verfügbaren Mitteln nicht werde auSzukommen sein. Eine bezügliche Summe sei auch genannt, doch bedürfe es hierzu noch der Verhandlungen mit der Jinanzverwaltung.
Abg. Dr. Lieber (Ctr.) ist von vornherein nicht zweifelhaft darüber gewesen, daß es der Nachforderungen bedürfen werde; bet der Wichtigkeit der Ausstellung sei das Cenlrum bereit, einer Er- höhuna der bisher bewilligten Summe zuzustimmen, nachdem der Bedarf einmal festgesetzt sein werde. Unsere nationale Ehre erfordere, ein einmal begonnenes Werk fortzusühren. Die Herstellung eines Generalberichis über die Ausstellung würde sehr wünschenswerth sein.
Abg. vr. Hirsch (dfr.) befürwortet die Einstellung einer Summe zur Unterstützung von Arbeitern, die nach Chicago gehen.
Staatssecretär v. B ö t t t che r: Entsendung von Sachverständigen, Gewerbtreibenden und Arbeitern nach Chicago werde Sache der bett, gewerblichen Kreise und der Etnzelstaaten bleiben müssen. Das Reich könne hier nur anregen und fördern.
Abg. Bebel (Soc): Seine Freunde mürben für einen solchen Zweck, wie die Beschickung einer Weltausstellung, immer das Erforderliche bewilligen. Die Begeisterung für die Chicagoer Ausstellung sei aber nicht recht vereinbar mit der Jgnorirung zweier großen Weltausstellungen, die von ungleich größerer Wichtigkeit waren, der Pariser Ausstellungen. Auf der Chicagoer Ausstellung werden wir sehen, um wie viel uns die Amerikaner überlegen seien. Wir hätten auch durch Veranstaltung einer eigenen Weltausstellung zeigen müssen, was wir können. Die Handwerker, welche nach Chicago geschickt werden, würden in sehr gebrückter Stimmung über die großen Fortschritte der Technik, die sie dort gesehen, heimkehren. Von einem amtlichen Generalbericht verspreche er sich keinen Stutzen; man lasse illustrirte populär gefaßte Spkctalberichtc zu billigem Preise im Buchhandel erscheinen.
Abg. Schrader (dfr.) befürwortet die Entsendung von Handwerkern und Arbeitern nach Chicago und wünscht, daß das Reich hierzu Anregung gebe, wie es ja die Anregung zur Beschickung der Ausstellung gegeben.
Staatssecretär v. Bötticher gibt zu, daß die Maschinen- Jndustrie in Amerika ganz bestürzende Fortschritte gemacht habe, dagegen könne sich unsere Handarbeit und Kunstfertigkeit getrost mit der amerikanischen messen. Der Besuch der Chicagoer Ausstellung werde auf die Handwerker nicht so deprimirend wirken, wie Bebel annehme. Bezüglich des Berliner AuSstellungsprojectS habe sich die Regierung völlig neutral verhalten; sie habe die Industrie befragt und diese habe mit großer Mehrheit das Project abgelehnt.
Abg. Möller (natl.): Unsere Verhältnisse können nicht ohne Weiteres mit den amerikanischen unter eine Schablone gebracht werden. Die großen maschinellen Einrichtungen Amerikas auf unsere Industrie übertragen, hieße Tausende von Arbeitern brodlos machen.
Abgg. Goldschmidt und Dr. Hirsch (dfr.) bedauern das dtichtzustandekommen der Berliner Ausstellung, die nur an der Indolenz der deutschen Industrie gescheitert sei.
Abg. Bebel (Soc.) bleibt dabei, daß die deutschen Handwerker aus Chicago bedrückt zurückkehren würden. Er gibt zu, daß wir in Bezug auf Handarbeit und Kunstfertigkeit den Amerikanern überlegen sind, aber die Amerikaner fetzten eben an die Stelle der Handarbeit die Maschine und machten damit noch kunstfertiger, was wir mit der Hand arbeiteten. Von Ausstellungsmüdtgkeit könne in Deutschland keine Rede sein; wir hätten uns ja seit 20 Jahren an keiner größeren Ausstellung betheiligt. Die Reichsregierung habe die Berliner Ausstellung nicht gewollt und nur daran sei sie gescheitert. Nun sei unS Frankreich zuvorgekommen und wir hätten eine große moralische Niederlage erlitten.
Abg. Dr. Bamberger (frs.) verspricht sich von der Entsendung von Handwerkern und Arbeitern nach Chicago nicht viel; zweckmäßiger würde eS sein, wenn Subventionen zur Bereisung jmes merkwürdigen Landes durch Sachverständige gewährt würden. Wie sollen wir uns zur Frage einer etwa künftigen Berliner Weltausstellung verhaltend Er sei sehr zufrieden damit gewesm, daß die Reichsregierung diese Frage im verneinenden Sinne entschieden habe. Die Weltausstellungen seien in moderner Form, was früher die Messen waren. Die ersten WeltauSstellunaen seien auS dem Bedürsniß hervorgegangen, ein Gesammtdild der technischen Entwickelung zu geben. Inzwischen habe sich der Charakter der Ausstellungen, nicht zu deren Dortheil, verändert. Man besuche sie, um sich hier zu amüsiren. Warum denke man in England nicht an eine Ausstellung, nachdem doch die Londoner Kristall-Palast-Ausstellung die erste Weltausstellung roar ? Man fei dort doch sonst zu Opfern bereit, wenn es sich um Hebung der Industrie handle. In Berlin möge ja in gewissen Kl eilen der Wunsch nach einer Ausstellung rege gewesen fein; eine solche würde aber die kräftige und solide Entwickelung Berlins selbst nur gestört haben.
Abg. Möller (nl.) führt einer Bemerkung BebelS gegenüber an, daß die Löhne in Deutschland seit 13 Jahren in starkem Steigen gewesen seien.
Abg. Singer (Soc.): Die ReichSregierung habe die Beschickung der Chicagoer Ausstellung seitens der Großindustrie durch Verzicht auf die Berliner Ausstellung erkauft. Auf einer Berliner Ausstellung hätte sich die deutsche Industrie ganz anders präsentiren können als
auf ausländischeir Ausstellungen. Jedenfalls habe Bamberger nicht alS Dolmetscher der Berliner Bevölkerung gesprochen.
Handelsminifter Frhr. v. Berlepsch: Die Regierung habe dem Berliner WeltausstellungSproject nicht unfreundlich gegenüber- gestanden; er selbst habe eine Ausstellung für nützlich gehalten. Aber innerhalb der Regierung sei man auch darüber einig gewesen, daß ein solches Unternehmen nur erfolgreich durchgeführt werden könne, wenn sich die Industrie dafür interesfire. Die deshalb angeftellte Erhebung habe ein solches Interesse nicht ergeben. Die Berliner Jrdustrie sei für die Ausstellung gewesm; ober für eine Weltausstellung könnte das allein nicht ausschlaggebend sein. Lediglich der Mangel des erforderlichen allgemeinen Jntereffes seitms der deutschm und preußischm Industrie habe die Regierung veranlaßt, der Sache nicht näher zu treten.
Abg. Dr. Bamberger (frs.) verdenkt eS dm Berlinern nicht, daß sie Berlin auch einmal im Glanze einer Weltausstellung sehen möchten. Unter diesem Empfindm gehe die Erkmntniß der Nachtheile verlorm, die ein solches Unternehmen für uns im Gefolge haben würden.
Abg. Frhr. o. Stumm (Rp.) führt aus, daß die Regierung gerade das nationale Interesse im Auge hatte, als sie sich dazu ent- schloß, von einer Weltausstellung in Berlin abzusehen.
Staatssecretär o. Bötticher theilt mit, daß die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten auf Grund stattgesundmer Erbebungm unter dm Jnteressmten sich fast ausnahmslos gegen die Abhaltung einer Weltausstellung in Berlin ausgesprochen haben.
Hierauf wird daS Thema verlaffm.
Auf eine Anfrage des Abg. o. Keudell (Rp.) erwidert Staatssecretär v. Bötticher, daß er glaube, dem Reichstage in der nächsten Session den Gesetzentwurf betr. die Bekämpfung der Trunksucht wieder vorlegm zu könnm.
Abg. Krause (frs.) spricht gegen einen solchen Entwurf. DaS deutsche Volk verdime nicht dm Vorwurf der Trunksucht.
Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) wünscht zunächst vor Allem Beschränkung des unconcessionirtm Branntweinschanks und Handels durch sogmannte Consumvereine.
Wetterberathung DimStag 1 Uhr.
ttatefte rratthrichten.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 29. Januar. Heute fand eine von 250 Männern und 50 Frauen besuchte Anarchisten-Versammlung statt, in welcher Reden gehalten wurden, die den Anarchismus verherrlichten. Bei der Rede des Maurers Schenk, welcher die Rechtspflege kritisirte und die Stellung des Anarchismus zum Eigenthum darlegte, löste der überwachende Polizeioffizer die Versammlung aus, worauf sich die Theilnehmer derselben in aller Ruhe entfernten.
Halle, 29. Januar. In der Irrenanstalt Nietleben erfolgten gestern zwei Neuerkrankungen und drei Todesfälle an der Cholera. Die Hilssärzte wurden theilweise entlassen. Die Stadt ist seuchenfrei.
Paris, 30. Januar. Der Deputirte Caf se bringt morgen einen Gesetzentwurf ein, der sich gegen Collectiv-Denunziationen ohne Beweise richtet, die unter dem Schutze der parlamentarischen Immunität abgegeben werden.
Washington, 30. Januar. Das Repräsentantenhaus nahm die Ernennung einer Untersuchungs-Commission an, behufs Feststellung, ob Angeordnete Panama-Gelder erhalten haben.
Locales ttttb provinzielles.
Gießen, 30. Januar 1893.
— Theater. Kyritz -Pyritz, von Wilken und Jnsiinius. Musik von Michaelis. Das Stück ist eine der ausgelassensten Possen, welche wir kennen. Mag man über den Witz desselben, der oft derb, ja sogar manchmal zweideutig ist, denken, wie man will, das ist nicht zu leugnen, daß die Charakterzeichnung der auftretenden Figuren unendlich frisch und natürlich ist. Die biederen Einwohner von Kyritz hatten einen Kegelclub gegründet, dessen Weiterbestehen unmöglich wird, da der seitherige Präsident desselben die Stadt verläßt. Um nun die Auflösurkß des Vereins mit einem „Knalleffect" zu feiern, wird beschlossen, eine Reise nach Berlin zu machen. Unter dem Vorwande einer Audienz beim Landrath in Brandenburg wegen einer Wasserangelegenheit mit dem benachbarten Pyritz, wird dieselbe bewerkstelligt. Doch den braven Ehehälften wird die Wahrheit hinterbracht von dem Sekundaner Thülecke, der das Ganze belauscht hat, und sie beschließen ebenfalls eine Reise nach Berlin. Zufällig steigen sie dort, wie ihre Männer, im „goldenen Löwen" ab. So ist die Verwickelung da, welche sich natürlich in Wohlgefallen auflöst. — Das Stück wurde zum Benefiz für Frl. Luise Coppo gegeben. Die Künstlerin trat als „Secundaner Thülecke" auf, eine Rolle, deren Auswahl der Benefiziantin alle Ehre machte, denn gerade hier in der Darstellung von Charakteren der leichten Comödie, beruht das Talent der jugendlichen Künstlerin,- so wußte sie auch gestern, unterstützt durch ihre angenehme Altstimme, diesen schwärmerischen, verliebten Jungen mit solcher Grazie und Natürlichkeit zu geben, daß das Publikum sie wiederholt auf offener Scene hervorrief. Daneben zeigte eine ganze Fülle prächtiger Blumenspenden, daß Frl. Coppe in Gießen eine sehr beliebte Persönlichkeit ist. Die Rolle der Susanne, der Partnerin der Benefiziantin, führte Frl. Grig o in vorzüglicher Weise durch, auch sie wurde von Seiten des Publikums durch einen herrlichen Strauß Rosen geehrt. Die Kyritzer „Lietzow", „Piepenberg" und „Rux" hatten in Hrn. Martiensen, Born und Reiners köstliche Vertreter gefunden, auch die Frauen derselben, die Damen Frl. Brunner, Frau Coppö und Frl. Märker ließen nichts zu wünschen übrig. Im Ganzen ist über die Aufführung nur Lobendes zu sagen, wir erwähnen deshalb von den übrigen Mitwirkenden nur noch das urkomische Trifolium der drei Pyritzer Sangesbrüder (die Herren Hant schock, Stückel und Rupp), welche bei jedesmaligem Auftreten mit lautem Beifall überschüttet wurden. Ueberhaupt haben wir seit langer Zeit einen solchen Jubel, wie gestern Abend im Theater nicht gehört, mag sein, daß dazu auch noch der Umstand beitrug, daß das HauS nahezu ausverkauft war. Zum Schluffe wollen wir nicht unterlaffen, des Herrn Musiklehrers Huntemann Erwähnung zu thun, der den instrumentalen Theil der Vorstellung in vorzüglicher Weise zur Ausführung brachte.
— Neues Theater, lieber ein Gastspiel des nächsten Dienstag hier gastirenden Herrn Büller am Herzoglichen
Hofthcater zu Altenburg schreibt eine dortige Zeitung unter Anderem: In Anwesenheit Ihrer Hoheiten des Herzogs, der Prinzessin Therese, der Prinzessin Friedrich von Sachscn- Meiningen, ging am Dienstag der humorvolle Schönthan'sche Schwank „Der Raub der Sabinerinnen" in Scene. Die Aufführung gewann dadurch erhöhtes Interesse, daß Herr William Büller aus Berlin die Rolle des TheaterdirectorS „Striese" spielte und die ausgezeichnete Darstellung deS auch in Altenburg renonnnirten Künstlers hielt das Publikum andauernd in fröhlichster Stimmung. So herzlich wie gestern ist in dieser Saison im Theater wohl noch nicht gelacht worden und dem, der durch seine unübertreffliche Darstellungskunst von seinem ersten Auftritt an diese Heiterkeit erweckte, und bis zum Schluß wach hielt, dankte daS Publikum wiederholt durch sehr rege gespendeten Beifall und Hervorrufe. Die Wiedergabe des prächtigen SchmierendirectorS „Striese" ist seitens des Herrn Büller aber auch eine ganz außergewöhnliche, da ist keine Scene, welche durch seine humorvolle Mitwirkung nicht einen Treffer zu verzeichnen hatte, kein Witz, keines der vielen Extempores, das nicht angesprochen hätte. Eine bessere Verkörperung der Rolle, als dies durch Herrn Büller geschah, ist kaum denkbar, wobei wir neben dem ge- sammtcn so durchweg gelungenen Spiel, welches die Figur des darzustellenden Charakters so einfach natürlich, in ihrer humorvollen Schlichtheit aber desto wirkuirgsvoller hervortteten ließ, noch ganz besonders aufmerksam machen auf seine selbst- schöpferische, die Gestalt des Dichters sozusagen ergänzende Jndividualisirung derselben, sodaß ganz neue Momente zu Tage treten und last not least auf seine unvergleichliche, so beredte Mimik, welche nicht minder packte, als daS gesprochene Wort.
— Diebstahl. Am vergangenen Samstag wurden hier drei Mansardendiebstähle verübt, anscheinend von ein und demselben Thäter- in einem Falle wurden einem Metzger- burschen aus dem verschlossenen Koffer ca. 50 Mark gestohlen. Von dem Thäter fehlt jetzt noch jede Spur.
— Verhaftet wurde ein hiesiger Einwohner, der aus einem verschlossenen Keller Kohlen entwendet haben soll.
— Armee Trauer. Der Kaiser hat auS Anlaß deS Hinscheidens des früheren commandirenden Generals des 11. Armeecorps, v. Grolman, für das 11. Armeecorps eine dreitägige Trauer vom 28. ds. Mts. ab anbefohlen.
— Beförderung von Desinfections-Mitteln. Die von dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten mit Rücksicht auf die im vorigen Sommer herrschende Choleraepidemie ausnahmsweise zugelassene eilgutmäßige Beförderung als Stückgut von solchen Desinfectionsmitteln, welche in Mengen über 10 Kilogramm nach der Zusatzbestimmung I zu § 50 der Verkehrsordnung von der eilgutmäßigen Beförderung ausgeschlossen sind, wird, da ein Bedürfniß hierfür nicht mehr vorliegt, vom 1. April d. I. an eingestellt und nach diesem Zeitpunkte lediglich in Gemäßheit der bezeichneten Zusatzbestimmung verfahren.
— Mitteleuropäische Zeit und Schulanfang. Mit dem 1. April d. Js. wird, wie feststeht, die „m i 11 e l e u r o p ä i f ch e Zeitrechnung" auch für das Großherzogthum Hessen obligatorisch in Aufnahme kommen. Wie dem „Mzr. Tgdl." mitgetheilt wird, beabsichtigt man in den Kreisen der maßgebenden Schulbehörden von diesem Zeitpunkte an den Beginn des Schulunterrichts auf 8*/z Uhr Morgens und 2* 3 Uhr Mittags festzusetzen.
— Von einem practischen Landwirth, Herrn Franz LaverPfeifferin Dieburg, erhalten die „N. H. Dolksbl." folgende Zuschrift: „Wie man hört, sollen in vielen Kellern Kartoffeln durch Frost gelitten haben. Durch AuSschweseln (mit Faßbrand) des KellerS und zwar so stark, bis alle Feuchtigkeit verzehrt ist, werden mindestens die noch nicht weichen Kartoffeln gerettet und genießbar. Auch gegen Kartoff elfäulniß ist Ausschwefelung des KellerS von Nutzen, besonders alsbald nach der Gährung. Alles, was vegetiren soll, braucht Sauerstoff zur Lebensfähigkeit; dieser Sauerstoff wird im geschlossenen Raum durch AuS- schwefeln verbrannt, somit wird den Kartoffelpilzen ihre Lebens- bedingung entzogen. Alles Ungeziefer kann durch fleißige Ausschwefelung verdrängt werden- sogar Ratten und Mäuse, wie mein Vater in unseren Obstkellern stets zu thun pflegte."
x. Reiskirchen, 27. Januar. In recht erhebender Weise feierte der hiesige Kriegerverein den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers. Reden, Gesang und Streichmusik wechselten mit einander ab und trugen zur in jeder Beziehung wohlgelungenen Feier ihr gutes Theil bei.
y. Reiskirchen, 30. Januar. Der in der Gemarkung Reiskirchen, nahe an der Großen-Busecker Grenze gelegene „Schlieberg", in dem sich einzelne Basaltlavabrüche befinden, soll in nächster Zeit zur weiteren Ausbeute verpachtet werden. Das Material ist, wenn auch nicht in der Reichhaltigkeit, wie in den Steinbrüchen zu Nordeck, Londorf und Kesselbach, so doch in einer mindestens ebenso guten, wenn nicht besseren Qualität vorhanden. Unternehmer dürften sich hierorts finden und so steht zu erwarten, daß unser Ott um eine Erwerbsquelle, welche sowohl der Gemeinde, wie verschiedenen Ortseinwohnern und endlich auch der Eisenbahn zum Vottheil gereicht, bereichert wird. Es ist sehr wünschens werth, daß die Verpachtung sowohl als auch der Betrieb baldigst, geschieht, zumal sich hier beschäftigungslose junge Leute befinden und wir auch durch Verlegung einer sich gut renti renden Cigarrenfabrik in gewerblicher Hinsicht einen unschätzbaren und sich jetzt schon fühlbar machenden Verlust erlitten haben.
R. Muschenheim, 28. Januar. Auch hier wurde Kaisers- Geburtstag in dem Saal des Herrn Bürgermeisters Roth am 27. d. M. Abends von dem Krieger-, Gesang- und Musikverein unter heiterer Stimmung festlich begangen.
L. Langsdorf, 30. Januar. Gestern Nachmittag fand in der A. Roth 's chen Witthsckaft dahier eine Versammlung


