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30.11.1893 Erstes Blatt
 
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Nr. 282 Erstes Blatt. Donnerstag den 30. November

1893

Meßmer Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Der Mtw >«ieifer «scheint tigltch, , Wtt lulnal)mt bet Rontaftl.

DN «teßener * yeetHtelfitlct »»erben bem Inzeiger tätlich dreimal Wiegt.

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Redacnon, ExpebNia» und Druckerei:

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2lintr- unb Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.

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Mienbm Da, erschnnenden «immer bis vor«. 10 Ufr. @T<ut5l)U(igt. Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger" entgegen

Amtlicher Theil.

Gießen, den 28. November 1893.

B etr.: Die Abschätzung der Flurschäden im Kreise Gießen im Jahre 1893.

DaS Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien Hausen, Gar­beuteich, Steinbach, Hungen, Langd, Laug-Göns, Grüuiugeo, Holzheim, Eberstadt, Muscheuheim und Ober-Hörgern.

Sie wollen die Interessenten davon in Kenntniß setzen, daß die in rubr. Betreff festgestellten Entschädigungsbeträge ' |ir Auszahlung angewiesen worden sind.

________________ v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Nahrungsmittel-Jndustrie-Berufs^enossenschaft.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß : Seitens der Nahrungsmittel Industrie - Berufsgenossenschaft E ommerzienrath Otto Rüger, Chocoladefabrikant in Sobri- gau im Lockwitzgrund bei Dresden zum Vorsitzenden des Ge- mssenschaftsvorstands, sowie

1. Fabrikant Karl Kaden, in Firma Franz Kaden, Nudelfabrik in Mainz,

2. Metzgermeister Jean Falk, in Finns I L. Falk in Mainz zu Vertrauensmännern für den XXXII. Bezirk (Großh. Hessen) bestellt worden sind.

Gießen, den 27. November 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_____v. Gagern. _________________

Bekanntmachung,

betreffend die Anwesenheit Sr. Königlichen Hoheit des Groß­herzogs ist Gießen am 30. November 1893.

Um etwaige Störungen bei der morgigen Fest­feier zu vermeiden, haben wir den Fuhrwerksverkehr über den Kirchenplatz und Lindenplatz am 30. l. M. in der Zeit von Vzl011 Uhr gesperrt. Da nicht allein die hiesigen Einwohner, sondern voraussichtlich auch eine große Anzahl von Fremden an dem morgigen Feste Theil nehmen werden, vertrauen wir dem ge­sunden Sinn der hiesigen Einwohner sowohl als der Fremden, daß den in den verschiedenen Theilen der Stadt zur Aufrechthaltung der Ordnung ausgestellten Polizei-Organen in jeder Beziehung Folge geleistet wird.

Gießen, den 29. November 1893. Großherzogtiches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutscher Reich.

Berlin, 28. November. Der Centralrath der deutschen Gewerkvereine hat in seiner letzten Sitzung einen Antrag, die Reichsregierung zu ersuchen, in den Be­trieben des Reichs und der Bundesstaaten (Eisenbahnwerk- statten 2C.) die achtstündige Arbeitszeit einzuführen, mit allen gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt und darauf nach langer Besprechung unter Ablehnung aller übrigen Anträge beschlossen, nachstehende Petition an Leu Reichstag zu richten: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß in den Betrieben des Reiches und der Bundesstaaten 1) eine Statistik über die gesammten Arbeitervkrhält- nisse, namentlich über die Dauer der täglichen Arbeitszeit nach Arbeitercategorien, mit besonderer Berücksichtigung der Ueberstunden, der Nacht- und Sonntag^arbeit, über die ge­zahlten Jndividuallöhne, die Fristen und Tage der Lohn­zahlung bezw. Abschlagszahlung und Abrechnung, über ZM und Alter der neu- bezw. wiedereingestellten und der ent­lassenen Arbeiter, nebst den Gründen der Entlassung, nach gleichartigen Formularen schleunigst und alsdann in regel- mäßiger Wiederkehr erhoben und dem Reichstage borgelegt werde- 2) eine tägliche Arbeitszeit von höchstens neun Stunden, für Bergwerke und andere gesundheits­schädliche Betriebe bezw. Beschäftigungen von höchstens acht ! ' Stunden, sowie wöchentliche Lohnzahlung, mindestens aber ! Abschlagszahlung eingeführt werde,- 3> bei der zeitlichen Ein- 1

theilung der Arbeiten wesentlich darauf Rücksicht genommen werde, daß die Arbeiter dauernd für da- ganze Jahr hin­durch beschäftigt und in Zetten der Arbeitslosigkeit nicht Ver­minderung, sondern, soweit irgend möglich, Vermehrung der Arbeiterzahl erfolge.

Berlin, 28. November. Unter den für den Herrn Reichskanzler Grafen v. Caprivi bestimmten Eingängen, welche in dem Dtenstzimmer deS Adjutanten, Wilhelmstraße 77, abgegeben werden, befand sich am Sonntag den 26. d. M. ein Brief aus Orleans, datirt 23. 11. 1893, nebst einem dazu gehörigen Kästchen in der Größe eines Visitenkarten- Cartons. Major Ebmeyer, welcher mit der Durchsicht der für den Reichskanzler eintreffenden Sendungen rc. beauftragt ist, öffnete zunächst den Brief, welcher den Inhalt jenes Kästchens alsun echantillon de graines de radia dune espece etonnante bezeichnete. Bei dem weiteren Versuch des Majors Ebmeyer, das Kästchen mittelst eines Taschen­messers zu öffnen, hatte derselbe das Glück, daß ihm auS den Fugen des zunächst nur leicht augehobenen Holzdeckels von dem angeblichen RadieSchen-Samen einige Körner in die Hand fielen, welche er bei näherer Untersuchung unschwer als Schießpulver feststellen konnte. Der hierdurch erweckte Ver­dacht, eine Höllenmaschine vor sich zu haben, sand durch die unter Zuhülfenahme der Polizei sofort eingeleitete Unter­suchung vollste Bestätigung. Nur dem glücklichen Umstande, durch das der Schachtel entfallende lose Pulver auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht worden zu sein, ist es zu verdanken, daß eine Katastrophe vermieden worden ist, welche um so beklagenswerther hätte werden können, als zu jener Zeit sich der Adjutant nicht allein in seinem Dienst- zimmer befand.

Der Reichsetat für 1894/95 weist einen Fehl­betrag von 70 Millionen Mark auf, welcher eine Herab­minderung um ca. 35 Millionen Mark erfahren würde, sofern sich der Reichstag zur Bewilligung der Kosten der Heeres- vorlage durch Vermehrung der Reichseinnahmen und Steigerung der Matricularbetträge verstehen sollte.

Die Annahme, daß die Reichsweinsteuer- Vorlage im BundeSrathe im Gegensätze zu den beiden anderen Steuervorlagen keine einzeilige Billigung gefunden habe, bestätigt sich. Es haben sich gegen den Entwurf, selbst nach den Veränderungen desselben durch die Vorberathung in den Ausschüssen, die Vertreter Württembergs, Bavens, Hessen-, Hamburgs und von Reuß ä. L. erklärt, das Wetnsteuergesetz ist demnach dem Reichstage aus dem Bundesrathe nur als Mehrheitsvorlage zugegangen. Einigermaßen gespannt darf man bei dieser Sachlage darauf sein, wie sich bei den Wein­steuerdebatten des Reichstages die Vertreter der Reichsregierung und der preußischen Regierung mit den Finanzministern der drei genannten süddeutschen Staaten auseinaudersetzen werden.

Posen, 27. November. In den Provinzen Posen, Ost- und Westpreußen greift die Influenza immer mehr um sich- die Zahl der Kranken wächst in erschreckender Weise. In den industriellen Etablissements ist der vierte Theil der Arbeiter ausständig.

Köln, 27. November. Gegenüber den Blättermeldungen, welche den apostolischen Stuhl in scharfen Gegensatz zum Dreibunde bringen, constattrt dieKölnische VolkS- Zeitung", daß in mehreren, langen Unterredungen, welche ein bekannter süddeutscher Parlamentarier mit dem StaatS- secretär Rampolli hatte, Seitens deS Letzteren die mit allem Nachdruck und aller Bestimmtheit gemachte Erklärung gefallen ist, daß der Papst niemals an eine gewaltsame Wieder­herstellung der früheren Zustände gedacht und darum auch stets abgelehnt habe, sich in eine der politischen Gruppirungen hinetziMen zu lassen.

Ausland.

Olten, 27. November. Auf dem schweizerischen socialdemokratischen Parteitag ist beschlossen worden, daS Recht auf Arbeit zu proclamiren, gleichzeitig die Initiative zur unentgeltlichen Krankenpflege zu unterstützen. Der ehe­malige Staatsanwalt Fuerholz wurde zum Präsidenten gewählt, Solothurn als Vorort bestimmt. Die Ausländer wurden einstimmig von der Partei ausgeschlossen.

Wien, 27. November. Die Entscheidung des Kaisers betreffs Bildung eines eigenen ungarischen Ho sh alte- ruft in allen Kreisen, selbst in oppositionellen, ungethellte Freude hervor. Die Position deS Ministerpräsidenten Wekerle ist dadurch wesentlich verstärkt.

Prag, 27. November. Auf der czechisichen Uni­versität >kam eS in den letzten Tagen bei der Jmmatricu- lation zu sc an dalösen Scene n. Der altczechssche Student

Pavlonsek ist von wehren jungczechischen Studenten so schwer verletzt worden, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Da trotz aller gütlichen' VermittelungSversuchc die Ruhe nicht hergestellt werden konnte, mußte die Polizei in energischer Weise entschreiten.

Kopenhagen, 27. November. Scharlachfieber und Influenza greifen nach den vorwöchentlichen Anmeldungen der Aerzte in der Hauptstadt um sich; die Anzahl der Er­krankungsfälle an Influenza betrug 86, während an Scharlach­fieber 133 Personen erkrankten und 5 starben.

Sofia, 27. November. Die Leich enfeier für den verstorbenen Grafen Hartenau hat gestern in überaus glänzender 'und ergreifender Weise statrgefunden. Eine un­geheure Menschenmenge säumte die Straßen ein, welche der Leichcnzug passiren mußte. Die meisten Häuser waren mit schwarzen Draperien versehen und allgemein härte man Aeußerungen der Trauer über den frühen Tod des Heim­gegangenen.

Deutscher Reichstag.

7. Sitzung. Dienstag ben 28. November 1893.

Am BundeSrathstische: Reichskanzler Gras v. Caprivi, StaatSsecretäre Graf PosabowSky und Hollmann, Minister Dr. Miquel und Gmeral Bronsart v. Schellendors.

Eingegangen:' Gesetzentwurf betr. den Schutz der Maaren- zeichnungm.

Die erste Lesung des Etats für 1894/95 wird fortgesetzt.

Finanzminister Dr. Miquel hall eS für angezetgt, über ble Gesichtspunkte, von denen sich die Regierung bet ihren Deckungs­vorschlägen leiten läßt, Mittheilung zu machen, nachdem di« DeckungS- vorschläae in der bisherigen Debatte behandell worden sind. Einer Reichs-Einkommensteuer stehen gesetzliche Bedenken nicht entgegen, trotzdem halte ich die Einführung einer solchen für unzulässia und undurchsübrbar. Man würde damit in die Selbstständigkeit der einzelnen Staaten in einer Weise eingreifen, welche von dieser Selbst- stSndiftkett wenig übrig lasten, mit dem Geiste der Verfassung und des FörderalismuS im Widerspruch stehen würde. Die Etnzelftaaten sind auf die birecten Steuern angewiesen; will man ihnen diese Einnahmequelle verschließen, woher sollen sie dann die Mittel nehmen, um ihre verfassungsmäßigen und culturellen Ausgaben zu erfüllen? Die dtrecte Steuer ist eine Zwangssteuer, mährend man sich der indtreclen Steuer aus Genußmtttel entziehen kann. Ist eS nicht viel härter, einen Familienvater zur Entrichtung einer birecten Steuer zu zwingen, als wenn ein junger Mensch infolge der indirecten Steuern sich veranlaßt findet, anstatt fünf Cigärren nur vier zu rauchen? Der Wein ist in bem weitaus größten Theil« Deutschlands Getränk der Wohlhabenden und die Stimmung im Reichstage ging doch dabtn, daß namentlich die Genußmtttel der wohlhabenden Klassen getroffen werden sollen. Einer Wehrsteuer, die sich allerdings in Volksver­sammlungen leicht angreifen lasse, stehen ganz erhebliche Schwierig- letlen entgegen. Das Reich bedürfte zu ihrer Erhebung eine» großen Apparats, der um so größer sein müßte, als man dieselbe nicht in her Form einer Kopfsteuer erheben wollte. Der Regierung bleibe nach Lage der Sache nichts anderes übrig, als die Deckung auf dem Wege der indirecten Stenern zu suchen. Eine Erbschaftssteuer, die auch von Asbendenten und DeScendmlen erhoben würde und um eine solche könnte es sich bei einer Reichs-Erbschaftssteuer nur handeln, da die Etnzelstaäten für die anderen Fälle schon Erbschaftssteuer J baden würde bet den in Deutschland bestehenden Verhältnissen die drückendste Steuer sein. Durch daS Ableben der Eltern verschlechtert sich in ber Regel ble Lage ber Rtnber. Eiste NeichS-ErbschastSsteuer, bk nur 40 Millionen bringen solle, müßte bet ihrer Erhebung von Eltern, Kinbern und Ehegatten schon 2 Procent betragen. DaS heutige Tabaksteuersystem erschwert die Entwickelung des Tabakbaues unb ber Tabakindustrie, die vorgeschlaaene Werthsteuer macht dm Tabak­bau frei unb beschränkt den Consurn nicht so, wie die jetzige, ich möchte sagm, brutale, GewichtSsteuer. Wenn ber Bebarf eines Laubes so gestiegm ist unb so steigen mußte, als bei uns, wenn nothwendtge LebenSmilttl befeuert werden müssen, glauben Sie, baß Sie es bann bet 1 Mark Stea« pro' Kopf auf ein Genußmtttel wie bet Tabak bewmden lassen tönnen, während Frankreich 7, England 5 Mark pro Kopf davon beziehm? Der RetchStaa ist verantwortlich für bie Finanzen des Reiches wie für die gedeihliche Entwickelung des Reiches unb ber Bundesstaaten, ebenso verantwortlich wie ber Bunbesrath. (Beifall rechts.)

Abg. Richter (stets.): Die bem Kaiser auf seinen Reisen dar- gebrachten Ooationm galten nicht einer einzelnen politischen Streit­frage, sonbern sie galten bem Repräsentanten bes beutschen Gemein- wesmS. Man sollte sich gerade in heutiger Zett hüten, den monarchi- schm Gedanken im Volke herabzudrückm. Der Kriegsminister schien gestern anbeutm zu wollen, daß bem Reichstage bie Vorgänge in ber Armee nichts angtngen. Die Armee geht ben Reichstag sehr viel an, finanziell sogar mehr, als uns Heb ist. Es erregt ble öffentliche Meinung, wmn sie steht, daß Offiziere, bie sich mit bem Abschaum der Wucherer unb Falschspieler gemein machen, gerabe solchen OffiziercorpS angebören, welche am exclufivsten sind. So lange ber Staat mit feiner Lotterie mit schlechtem Beispiele vorangeht unb bemoraUftrenb wirkt, kann man sich über ble Zunahme bet Spielsucht nicht wundern, umso roentger, wenn man sicht, welcher Duldung sich ber Totalisator erfreut. Der Ftnanzmtntster meint, ble Beschaffung von 100 Millionen Mark neuer Steuern sei nothwenbtg, denn wie käme sonst bie Regierung dazu, sich dem Kreuzfeuer der Interessenten auszusetzm. Ran da« Kreuzfeuer geht vorüber- wenn der Reichstag bie neuen Steuern bewilligt hat, fragt er auch ble Verantwortung dafür, bet Ftnanzmtnister aber könne aus bem Vollen schöpfen. Redner führt des Wetteren aus, daß es sich bei den neuen Steuer­vorlagen nur um PluSmacheret handle. Der Bedarf fei thalsächltch niedriger als angegeben, unb ble natürliche Steigerung ber Einnahmen werbe ganz außer Acht gelassen. Es ist zwar nicht unmöglich, daß