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Die Prospecie, welche die größte Finanzoperation, die seit Jahrzehnten an den europäischen Börsen unternommen wurde, einletten, sind nunmehr erschienen, aber die Börse Hal keine neue Anregung daraus ziehen können. Wie bet allen früheren Fällen, so wiederholt sich auch hier die Erfahrung, daß an der Börse immer nur die Erwartung das stimultrende Element bildet und der Speculation Anlaß flieht, ihre Operationen aufzubauen. Tritt an die Stelle der Hoffnung und E. Wartung die Wirtlichkeit, wird ein Project nach langen Vorlurathungen und wechselnden Schicksalen zur That, so schwtnvet mit der Ungewißheit meist auch das El.ment, welches die Triebfeder der btsherigen Coursen'wtcketung bildete. Das trifft im vorliegenden Falle vielleicht noch in verstärktem Maße zu, weil feit Jahr und Tag dle Börsen mtt diesen Geschäften in Athem gehalten wurden und weit tn der Zeit des geschäftlichen Niedergangs stets die Aussicht auf die hieraus resultiien- ben Gewinne angeführt wurde, um die Haussespeculation und das oerdältnibmätzig hohe Eoursnioeau der Bank<n zu rechtfertigen. Jetzt findet dle Veröffentlichung der Prospecte eine realtsationSbedürstige Börse, und die Folge davon ist, daß die Course langsam von ihrer Hohe zutückweichen, trotz der Anstrengungen, welche von Seiten der Nolhschildgruppe jedenfalls gemacht werden, um die Börse bet guter Laune zu halten.
An den Eonoersionsbedingungen ist das Eine bemerkenswerth, daß sie den Besitzern der alten Anleihen keinerlei Prämie anbteten. Es ift nach den heutigen Coursen ziemlich gleich, ob man die Eonversion annimmt, seinen Besitz kündigen läßt, oder denselben an der Börse verkauft; tn einzelnen Fällen erscheint sogar der letzte Weg noch am günstigsten. Es ist also ersichtlich, dag die Eonv rsionsprämie einzig und allein tn der Stetgerungsfähigkett der neuen Anleihen erblickt wird. Nun nottren btt je allerdings schon Vs—V4% Agio gegenüber dem Emtssionscours, aber dieser ist doch nur einseitig, d. h. von Setten des Consorltums festgesetzt, und es wird Niemand ernstlich behaupten wollen, daß die Nachfrage nach den neuen Anleihen so bedeutend wäre, daß sie das ganze Angebot von 1500 Millionen überwiege, zumal sich doch die Verzinsung der Stlberrenten noch etwas günstiger stellt, als die der neuen Äronenanlelpen. Die Eoursentwickelung der letzteren wird sich vielmehr lediglich nach der deS österreichischen WechselcourseS richten, der ihre Rentabilität vorläufig bestimmt, und dessen Stand wird wiederum von der Zahlungsbilanz der österreichisch-ungarisch.n Monarchie abhängig fern. Ob also für die nächste Zeit im internationalen Verkehr die Forderungen Oesterreichs oder feine Zahlungsoerpflichtungen übeiwiegen, davon wird der Eomsstand seiner Währung und seiner Fonds abhängig sein, und er wird tm ersten Falle steigende Richtung verfolgen, tm zweiten nothwendigerweise herabgedrvckt werden. Nun ist es aber auch dem unbefangensten Auge klar, daß, wenn die Absicht bestünde, den auswärtt- gen Gläubigern ihren Besitz an österreichischen Werthen zu verleiden, die Bedingungen der Eonversion und das ganze Verhalten der Regierung nicht anbeiS gewählt werden konnte, als hier geschehen ist. Von allem An'ang an ist die Reform so angelegt worden, daß ihre Kosten von den Staatsgläubtgern getragen nnrben mußten, denn einzig und allein die ersparten und capitalifuten Zinsen sollen die Fonds liefern, die bestimmt sind, der Papierwährung des Landes die reelle Unterlage zu geben. Sodann wurde Der Werth der künftigen Münze sehr zu Ungunsien der auswärtigen Gläubiger festgesetzt, die Eourse be- Anleihen wurden wett über Den höchsten Stand, den dieselben jemals eingenommen haben, hinaufgetrieben, und weit davon entfernt, den StaatSgläubtgern für ihren zukünftigen Zrnso.rlust nun 'rg.ndwelchen Vorthetl ober eine Entschäbigung zuko.ii men zu lassen, legen bir Convelsionsbebingungen benselben nur neue Lasten auf. N ch einmal die Rücksicht nimmt bie österreich.sche Regierung auf ihre auswä tigen Gläubiger, daß sie die Broipecte in ben auswärtigen Zeitungen veröffentlicht ober Cono.rsioni.stellen im Ausland bestimmt; sie verlangt von ihnen, daß sie sich nach Wien wenden, Portts und Spesen selbst hagen und überd eß noch den Offectenftempel auf die neuen Anleihen ersetzen. Und diese Rücksichtslosigkeit ist doch nicht eine vereinzelte Erscheinung, sie ist nachgerade zum Princip der österreichischen Regierung geworden. Ihre Pflicht wäre es gewesen, in bei Staatsbahn frage zu interoeniren und bie Vergewaltigung zu verhinbern, bie eine ihr unterstellte Gesellschaft ihren Gläubigem angesonnen hat. Aber sie verhält sich tiefer billigen Sortierung gegenüber vollkom- men passiv, ihre Gerichte erschweren sogar noch bie Action, welche die gefährdeten
Gläubiger zurMahrung ihrer Rechte eingeleitel haben, und sie selbst legt die Leitung ihrer Währungsreform in die Hände der Männer, von denen diese Vergewaltigung ausgeht und gegen welche im Augenblick noch weit schwerere Beschuldigungen erhoben werden. Dieselbe Nichtachtung ihrer Gläubiger tritt auch bei dem gegenwärtigen Umtausch der Galizischen Carl Ludwigsbahn-Actien zu Tage: auch hier fühlt sich bie Regierung nicht verpflichtet, bie beit. Bekanntmachungen tn deutschen Blättern zu erlassen und Umtauschstellen in Deutschland zu bestimmen, obgleich, wenigstens in früheren Jahren, der weitaus giößt- Thril des Actiencapitals tn deutschen Händen lag. Es liegt also Methode tn diesem Verhalten, und die seitherigen Anlethenbesitzer gaben keine veranlaffung, Gläubiger eines Staates zu bleiben, von dem ihre Interessen eine solche Würdigung erfahren. DaS werden sich Hunderte und Tausende selbst sagen; werden doch sogar Stimmen laut, die den Verkauf der alten Silberrente anrathen, well deren Wortlaut dem Staat eine Handhabe gibt, im Falle deS Mißlingens der Reform eine neue ZinSverkürzung seiner Gläubiger . oorzunehmen. Das ist eine sehr bezeichnende Seuberung deS Mißtrauens, und gerade | tm Angesicht dieser Verhältnisse kann der Entwicklung der österreichischen Valuta I; kein günstiges Prognosticon gestellt werden. Dieselbe steht heute bereits 1 •/• unter ' der zukümtigen Parität, und nehmen die Verkäufe österreichischer Werthe irgendwie größeren Umfang an, so muß dieselbe weiter zurückgehen und die Eourse der Anleihen ungünstig beeinflussen- Vorläufig wird dadurch daS Gelingen der Reform nicht in Frage gestellt, denn noch auf Jahre hinaus wirb die Frage, ob bie Goldzahlung ausgenommen werben kann, nicht actuell werden. Je mehr aber der Valutacour» fällt, um so kostspieliger wirb bie Golbbeschaffung, so baß schließlich daS Eonsortium seine Rechnung nicht mehr babei hüben wird; um so schwieriger wird auch endlich das Festhalten der Goldbestände nach Aufnahme der Baarzahlungen. Daß unter solchen Umständen auch die Anregung auSbleibt, auf welche die Böise mit so großer Sicherheit rechnete, ist begreiflich, und gerade das ist es, was die Realisationen am meisten angezergt erscheinen ließ. Nebenbei übte auch der Montanmartt einen Druck auf die Eourse. Um den Forderungen einzelner Zechen entgegen zu kommen, hat oaS Eo nitS, in d.ssen Händen die Bildung deS zrohleniyndicatS liegt, bie Dauer I des Vertrages vorläufig auf fünf Jahre herabgesetzt, hat damit aber rohber das | Mißfallen anderer Zechen erregt. Zudem macht sich eine starke Opposition gegen die Gewährung der von den Rheberzechen gestellten BebMgungen gellend, so daß die ( Aussichten des Syndikats zur Zeit wieder recht ungünstig erscheinen, zumal die Frist I für die BeitrittSerk.ä ungen in ben nächsten Tagen abläuft.
In Argentinien ist das Golbagio wieder anhaltend gestiegen und hat den Eours von 207 rohber erreicht. Das zeigt jedenfalls, wie wenig verläßlich die Üeflerung war, auf welche die Hausse im oeigangenen Jahre aufgebaut wurde. Die Eourse der Anleihen sind daher auch ebenso anhaltend wieder gefallen, und die Tendenz hat weiter darunter gelitten, ebenso wie durch das tortwäh. ende Sui tauche» neuer Steuerp ojrcte, durch welche die G-müther beunruhigt werden.
Die Prolongationsarbeiten sind in dieser Woche in Angriff genommen worbe» unb haben anfänglich dazu beigetragen, bie Zurückhaltung zu verschärfen. Später als man sab, mit welcher Leichtigkeit sich biefelben abwickelien, daß ber Geld st and überaus flüssig wurde unb bie meisten Papiere noch Deportsätze bedangen, wurde auch die Stimmung wieder etwas besser unb die Course zogen an. Da» Geschäft bleibt aber außerordentlich still unb unbebeutenb, unb bie Eourtzschwankungen sind so gering, daß sie der Spekulation keine Gelegenheit zum Umgreifen geben
Course der Frauffitrier Börse.
eUatoanUitrtu
Cour* vom
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i'onr« vorn
20./I
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28 50
28-
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107 15
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„ Baben.....
104 60
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Rente ....
76.90
77 20
sächsische Rente. .
88 40
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98 —
98 20
Hyp.-Obl. L. A.
78 40
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, Hrmb.StaatSrente
97 80
97-90
4"/ Schwed.Oblig.l880r
103 30
103 75
VH-, Oein. Golbreirte
98 65
98.45
1 7„ Türken cono. Lit. D.
21 20
21.25
, GriechischeMonopol-
5'/» ÄrgcnL Gold - flnl.
44 20
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Anleihe . . .
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94 25
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IBexbach) . . .
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So/» bo. bo.
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108.30
108.35
fiaatt. garant Jtal.
bo. bo.
101.30
101.45
Eisenbahn . .
56 85
57.10
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3Vo Lioorneter . . .
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