Ausgabe 
28.11.1893 Zweites Blatt
 
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Dienstag de« 28. November

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2lm und Zlnzeigeblutt für den Kreis Gieren.

ReÖÄchon, t^xMUa und Drucker«:

rietet tiglich,

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iertrtll>dga: >Se«ecmrwU|ir*» 2 Mark 20 Ptg.* Bringerlohn. Durch die Post begehe 2 Mark 60 Pi».

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' n >tr. Anzeig« »i 'f:d, drei mal fcngtlrgl

Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

»"* K | Kratisöeitage: Gießener Aamitienötätter.

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Alle Annoncen.Vurcaux des In» und Auslandes nehm«, Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

Zlrntlicher- Theil.

in die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Rentamtsbezirks Gießen.

Wir ersuchen Sie im Interesse des zahlenden Publikums ül Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise zu veröffentlichen, tiafc auf Veranlassung der Anwesenheit Sr. König!. Hoheit ttei Sroßherzogs, in der Stadt Gießen, der Zahltag auf ^Sennerstag den 30. November ausfällt und daß das Rent- oHtt'Local an diesem Tage geschloffen bleibt.

Gießen, den 24. November 1893.

Großherzogliches Rentamt Gießen Rübe Domänenrath.

Lus Anlaß der am Donnerstag den 30. November d. I. lÜOhiec stattfindenden Festlichkeiten bleibt das Großh. OrtS- c-<«ncht Gießen an diesem Tage geschloffen.

Gießen, den 25. November 1893.

Großherzogliches Ortsgericht Gießen. Gros.

In Sachen der Tabakfabrikatsteuer l|al bit Großh. Handelskammer hier die nachstehend abge« !t ruckt! Petition an den Reichstag gerichtet:

Iroßherzogl. Handelskammer zu Gießen.

"ülcim^eichen 101.

Gießen, den 19. November 1893. Vtlrefffend: Tabak-Fabrikat-Werthsteuer.

An

den Hohen Reichstag in

Berlin.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben wenige Gesetz- ' entwürfe eine solche hochgradige Erregung in allen Kreisen ; »nserer Stadt und Umgebung hervorgerusen, wie derjenige bir jüngst in ihrem wesentlichen Theile bekannt gewordenen lubakS-Fabrikat-Werthsteuer. In erster Linie ist es die un» Wein schwere Belastung eines für breite Bolksmassen schwer entbehrlichen Genußmittels, welche neben der schon bestehenden Bdafiung nolhwendiger Lebensbedürfnisse ernste Besorgnisse ennctft. Daneben aber steht die ebenso berechtigte Besorgniß, H die Verwirklichung deS Entwurfs unser Erwerbsleben md insbesondere den hiesigen Bezirk, der eine hochentwickelte Iflbafinbuftde besitzt und in welchem gegen 4000 Arbeiter

beschäftigt sind, aufs Schwerste schädigen würde. Wie be­kannt ist, hat die Regierung bei Ausarbeitung deS Gesetz- Entwurfes einen Consumrückgang von 20 pCt. in8 Auge gefaßt, während derselbe nach gewissenhaften Ermittelungen Seitens fachmännischer Kreise für die Uebergangsperiode auf 50 und mehr pCt und später dauernd auf mindestens 33</8 pCt. zu veranschlagen ist.

Rechnen wir mit dieser für unS maßgebenden Ziffer, welche erfahrene, fachkundige Mitglieder unserer Handels­kammer bestätigen, so kommen wir zu dem Ergebniß, daß in hiesiger Gegend mit Einführung des vorliegenden Entwurfes alsbald eine Entlassung von circa 2000 Arbeitern stattfinden müßte, von welchen später vielleicht 5600 wieder ange­nommen werden könnten.

Diese Entlassungen werden um so schwerer empfunden, als bei der seit längerer Zeit auf allen wirthschaftlichen Ge­bieten herrschenden Calamität die Möglichkeit einer ander­weitigen Unterkunft für die Beschäftigungslosen fast gänzlich ausgeschlossen ist, zumal eS sich bei dieser Kategorie von Ar­beitern vielfach um ältere, schwächliche und gebrechliche Per­sonen handelt. In weiterer Folge kann die Rückwirkung nicht ausbleiben, daß dem Gemeinwesen eine schwere Pflicht der Fürsorge für die aus dem Erwerbsleben Ausscheidenden erwachsen wird, während zu gleicher Zeit eine große Anzahl bisheriger Steuerzahler ausscheidet.

Solchergestalt droht der Gesetzentwurf eine unsägliche Summe socialen Elends heraufzubeschwören und birgt ein großes Maß von Verantwortung für die mit ihm befaßten gesetzgeberischen Körperschaften.

Schon jetzt beginnen die Tausende, welche durch den Gesetzentwurf tn ihrer Erwerbslage bedroht sind, sich mit Erbitterung gegen den Staat zu erfüllen, der ihnen diese wirthschastliche Unbill zufügt. Nach Annahme des Gesetzes wird die Erbitterung vielfach zu gänzlicher Abwendung der Geschädigten von den Aufgaben des Staates und von dem Vertrauen zu diesem führen, also zum Gegenthetl der Ver­söhnung der verschiedenen Gesellschaftsklaffen, wie die sociale Gesetzgebung der Neuzeit sie bezweckt.

Neben der Schädigung des Arbeiterstandes darf und muß erwähnt werden die enorme Schädigung, welche für die Fabrikanten, Grossisten, Kleinhändler und alle mit dem Erfolg dieser Industrie zusammenhängenden Gewerbe unausbleiblich sind. Für den Fabrikanten erwächst zunächst der unwieder­bringliche Verlust seines alten Kundenkreises, welcher seither in Folge Gewöhnung an eingeführte Marken zum über­wiegenden Theile aus treuen Abnehmern bestand. Wenn trotz dieses Umstandes seither zuweilen vorübergehend sich eine Flaue im Absatz e'nstellte, so konnte unter Vermeidung von Arbeiter Entlastungen, wie solche unter ähnlichen Verhältnissen bet anderen Branchen so häufig stattfinden, ohne

erhebliches Risiko in gangbaren Sorten auf Lager ge­arbeitet werden mit der Aussicht, diese Vorräthe bei wieder sich belebendem Geschäftsgang abzusetzen. Aber diese glück- 1 ltche Position, diese durch Intelligenz und Erfahrung, jähre- I langen Fleiß und große Opfer an Geld erworbene Errungen­schaft ist mit dem Tage der Einführung jener Vorlage dahin. Da der Abnehmer in den weitaus meisten Fällen höhere Preise nicht anlegen kann, muß der Fabrikant von Neuem versuchen, welche Mischungen billigerer Tabake den Geschmack seiner Kundschaft befriedigen, er muß aufs Neue hierin mit der Concurrenz den Wettbewerb aufnehmen, aufs Neue sich einen Kundenkreis zu erwerben suchen.

Der sich unter diesen veränderten Verhältnisten ent» spinnende, im Einzelnen unberechenbare Concurrenzkampf wird unausbleiblich zur Folge haben, daß die minder Capital- krästigen zurückstehen müffen und ihre Existenz gefährdet sehen. Hierzu kommt, daß die Vorräthe an besseren Tabaksorten, welche bis jetzt zur Herstellung der hier hauptsächlich in Be­tracht kommenden 5 Pfg.- und 6-Psg.-Cigarren dienen, für die indessen später geeignete Verwendung fehlt, eine starke Entwenhung erleiden.

Eine sehr bedenkliche Gefährdung der Geschäfts-AuSstände ist ebenfalls in sichere Aussicht zu nehmen, da die Aufbringung der vorgesehenen Nachsteuer für viele Händler mit großen Schwierigkeiten verknüpft sein dürfte, zumal diese durch die bewirkte Preisverschiebung Gefahr laufen, ihren Absatz ver­mindert zu sehen oder mit Verlust verkaufen zu müssen.

Ein weiterer, unausbleiblicher Nachtheil entsteht sodann für den Fabrikanten durch die Entwertung seiner Betriebs­anlage, deren völlige Ausnutzung ihm infolge der verminderten Arbeitskräfte nicht mehr möglich ist. Insbesondere werden hierdurch die dem volkswirthschaftlich so nützlichen Filial- betriebe dienenden Anlagen betroffen, da schon die zu er­wartenden Controle-Maßregeln eine Concentration des Betriebs zur Nothwendigkeit machen. Und wie werden diese Con- trole-Bestimmungen beschaffen fein? Sollen sie ihren Zweck nicht verfehlen, so werden sie dem Fabrikanten Be­schränkungen auferlegen, eine derartig vexatorische Beauf­sichtigung im Gefolge haben, wie sie selbst zur Zeit der inneren Zollschranken nicht existirt haben. Denn hier gibt es nur eine Alternative, entweder ftrenge und zuver­lässige Controle, damit Herbeiführung unerträglicher Zustände, oder die Controle wird schonend auSgeübt und man öffnet der Defraudation zum Nachtheil des ehrlichen Fabrikanten Thüre und Thor.

Inwieweit eine Verschiebung in der Weise sich vollziehen wird, daß die hiesigen Fabrikanten ihren Betrieb nach Baden verlegen, um sowohl von den dortigen billigen Arbeitskräften Nutzen zu ziehen, wie auch an dem Vortheil zu participiren, welchen ihnen die Lage inmitten des tabakbauenden Gebietes

FeuMeton.

Kriegslist.

Humoreske von Ed. Wilde.

(Nachdruck verboten.)

O Hammel, Hermann, er ist da!"

,*EBer ist da?"

O Gott, das Ungeheuer."

Du meinst doch nicht den reichen Weinbergsbesitzer vom 9)cin, den Dir Dein Vater zum Gatten erforen?"

Wen denn sonst! Soeben ist er angekommen und HPa ist nicht zu Haus. Nun muß ich ihn empfangen. Ä, ihr Götter, was ist zu thun? Wie soll ich ihm entgegen» Ml en ?*

Grob, denk' ich."

Wie meinst Du das?"

Kalt, rücksichtslos, feindselig sonst berste ich hier eilen vor Eisersucht. Ach, mein liebes, süßes Büschen, warum rufet Du so schön, so bezaubernd liebenswürdig fein! Ich löschte, Du wärst häßlich, so abschreckend häßlich, daß ir, Dich erblickend, davonliefe! Das wäre die einzige Jilteung noch."

Du, Vetter, sieh Dir meine rothgeweinte Nase an, ge- .liig-t das nicht ?"

Um ihn in die Flucht zu schlagen? O, nein tils'tS rothgeweinte Stumpfnäschen ist trotzdem himmlisch - zum Anbeißen! Da " und Vetter Hermann pflanzte einen glühenden Kuß auf dasbimmlische Stumpfnäschen."

Einen Rath, Geliebter, sofort", flüsteite Malwinchen jittitrnb,sonst ist alles verloren, Du kennst Papas Ent- schlniß.... Der Schreckliche steht oben im Fremdenzimmer onto harrt meiner o weh, o weh, was soll ich be- Miaen?"

Warum bist Du nicht lahm, nicht blind, nicht bucklig und dumm!" rief Hermann in heller Verzweiflung aus. Dieser rheinische Geldprotz will nicht nur Deine Mit­gift, er kriegt auch Deine Schönheit und Deinen reichen Geist."

Lahm bucklig dumm ivas Du für entsetzliche Wünsche hast!.....Aber halt! mir fällt etwas ein

ein Gedankenblitz hu, es sei gewagt,- ich setze alles auf eine Karte.....Leb' wohl, Geliebter, fort, fort, muß

ich--"

Büschen, Geliebte, was hast Du? wohin so plötzlich?"

Sie war schon fort; die Thür deS kleinen Comptoirs, in dem die Unterredung stattgefunden, flog hinter ihr zu, und Vetter Hermann, der Geschäftsführer der Weinhandlung, deren Inhaber MalwinenS verwittweter Vater war, blieb allein mit seinen Liebesschmerzen und Eifersuchtsqualen. Ach, es war das alte und immer wieder neu aufgefrischte Lied vom armen Liebhaber, den Papa nicht mag und vom reichen Neben­buhler, welchen väterliche Fürsorge und speculative Berechnung mit Hand und Herz des heirathsfähigen Töchterchens beglücken will, ohne Rücksichtnahme auf des Letzterenalberne Senti­mentalitäten". Papa Biesemann, kürzlich von seiner rheinischen Herbstreise zurückgekehrt, hatte kurz und bündig erklärt, daß er in der Person eines steinreichen Lieferanten das Ideal seines zukünftigen Schwiegersohnes gefunden damit basta! Thranen, Bitten, WehklagenAlles lauter werthloses Zeug!"

Und so ist er denn angelangt, derSchreckensbräutigam", dasUngeheuer", um sich fein unbekanntes Bräutchen anzu­sehen. Da steht er dickleibig, glatzköpfig, mit kupserrothem Mostgesicht jeder Zoll ein Liebhaber wie er nicht fein soll, wie er Malwinchens Treue zu Hermann nimmermehr schwankend machen kann. Der Diener meldete thm, das Fräulein befände sich im Salon, er möge gütigst eintreten.

Gnädiges Fräulein", beginnt der dicke Freiersmann mit selbstgefälligem Lächeln,ich schätze mich unendlich glück­lich, Ihre werthe Bekanntschaft zu machen- über den Zweck meines Besuches dürften Sie vollständig informirt fein." Fräulein Malwine das Näschen noch röther wie vorhin ruht im Schaukelstuhl, pflegmatisch sich wiegend. Selt­sam! Sie scheint den Eintritt und die Begrüßung des Fremden gar nicht vernommen zu haben, ihn selbst auch nicht zu sehen- sie schaukelt gemächlich weiter. Gnädiges Fräu­lein, mein Name ist Sylvester Koppitz", meint der Gast lauter. Das Fräulein nimmt keine Notiz von ihm. Gestatten Sie mir die Ehre, Fräulein Biesemann, mich Ihnen vorzustellen", ruft Herr Koppitz mit lauter Stimme.

Sie bleibt auch jetzt noch in ihrer Stellung- endlich dreht sie daß Köpfchen nach ihm, schaut ihn blinzelnd an und meint:

Du bist's Johann? Warum erscheint denn mein Bräu­tigam noch nicht?"

Sehr verehrtes Fräulein", ruft Herr Koppitz verblüfft, ich bin nicht der Bediente, sondern derjenige, auf dessen Erscheinen Sie zu warten die Güte haben."

Johann, hast Du nicht bemerkt, ob mein Bräutigam schöne Geschenke für mich mitgebracht?" fährt die Dame des Hauses unbeirrt fort.Komm näher, Johann, sprich, hat er Dir schon Trinkgeld gegeben?"

Donnerwetter, das ist arg V* Herr Koppitz starrt seine Zukünftige mit aufgerissenen Augen an, dann tritt er an sie heran.Fräulein Biesemann, ich habe nochmals die Ehre!" poltert er grimmig. Das Fräulein richtet sich auf, lächelt ihn an, lächelt immerfort besonders geistreich findet Herr Koppitz dies Lächeln nicht....

Ach, Sie find wohl der Herr, den Papa für mich" //Ich heiße Koppitz, wie gesagt."

Sie fragen nach Papa?"