Ausgabe 
28.5.1893 Drittes Blatt
 
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senzstarke verharrenden Gruppe unter Eugen Richter, Virchow, Träger, Munckel u. s. w. dem kleineren diplomatisirenden Theil unter Dr. Barth und Professor Dr. Haenel den Vorsprung abgewonnen zu haben. Die Kluft zwischen beiden Gruppen dal sich besonders erweitert, seitdem Dr. Barth in seiner Wochenschrift die Erklärung abgegeben hat, daß liberale Par­teien in Militärfragen im FractionSiniereffe auch dann nach- geben müßten, wenn sie die Forderungen der Regierung sach­lich für ungerechtfertigt hielten, weil die Erfahrung lehre, daß in Militärconflicten die widerstrebenden Parteien leicht eine Einbuße erlitten. Bis jetzt hat die freisinnige Dolks- partei (Eugen Richter) in etwa 70 Wahlkreisen Candidaten mit guten oder mittleren Aussichten aufgestellt, diefreisinnige Vereinigung" (Dr. Barth) etwa 25 Bewerber dieser Art. Von den 67 ReichStagSwahlkreisen, welche im aufgelösten Reichs­tag von der freisinnigen Partei Dertreten waren, sind bis jetzt 42 von derfreisinnigen Volkspartei", 13 von der liberalen Vereinigung besetzt. Drei Wahlkreise sind zwischen beiden Fractionen streitig, in zweien haben sich die Candidaten vor­läufig noch freie Hand gewahrt und in sechs ist eine Ent­scheidung noch nicht getroffen.

In Ungarn hat sich die Unabhängigkeitspartei gespalten. Die kleinere Hälfte unter Eöivös will getreu ihren demo­kratischen Idealen die freisinnige Politik des Ministeriums Weckerle unterstützen, die größere Gruppe unter Fusth da­gegen will ihre Oppositionsstellung auch gegenüber den frei­sinnigen Kirchengesetzen Weckerles nicht aufgeben.

In Italien ist es in Folge der Ablehnung des Justiz­budgets zu einer MinistercrisiS gekommen. An Stelle des bisherigen Justizministers Bonacci ist Eula in das Cabinet eingetreten und außerdem das Schatzamt von dem Finanz­ministerium getrennt und das letztere Gagliardo unterstellt worden. Im Uebrigen ist Alles beim Alten geblieben.

Vermischtes.

* Ausbruchsichere Zellen. Die Schlauheit und die Ge­wandtheit, womit sich Sträflinge ihrer Haft zu entziehen ver­suchen, machen die Herstellung vollkommen ausbruchsicherer Zellen immer schwieriger. Einem findigen Amerikaner, Mr. Claske, ist es jedoch gelungen, eine Zellenconstruction zu ersinnen, die den Freiheitsgelüsten des geriebensten Aus­brechers ein unüberwindliches Hinderns entgegenstellen dürfte. Die Zelle selbst ist in gewöhnlicher Weise möglichst ausbruchssicher hergestellt- in ihr befindet sich aber ein aus Röhren gebil­deter Käfig, der dem Verbrecher zum Aufenthalte dient. Diese Röhren sind mit unter Druck stehendem Wasser gefüllt und so miteinander verbunden, daß sie ein die Seiteuwände die Decke und den Boden des Käfigs darstellendes, fortlau­fendes Röhrennetz bilden, das von der Hauptleitung beständig mit Wasser gefüllt erhalten wird. In der Hauptleitung ist ein Ventil eingeschaltet, das so lange geschlossen bleibt, als das Rohrnetz unverletzt ist, Wasser also nicht ausfließen kann. Sobald aber der Verbrecher eines der Rohre durchbricht, fließt naturgemäß das Wasser aus, das Ventil öffnet sich und setzt hierbei ein Alarmsignal in Thätigkeit. Der Wächter wird hierdurch aufmerksam gemacht, daß der Verbrecher feinen Käfig durchbricht und kann die Flucht verhindern, selbst trenn der Käfig bereits durchbrochen ist, da der Verbrecher nicht mehr die genügende Zeit hat, auch die den Käfig umgebende Zelle zu öffnen. Der Verschluß der THUre des Käfigs be­steht aus einem hohlen Riegel, der durch den Wasserdruck in seine Verschlußstellung gebracht wird. Zerschneidet der Ver­brecher den Riegel, so fließt Wasser aus und das Alarm- signal ertönt, schiebt er aber den Riegel zurück, so muß er hierbei den Druck des Wassers überwinden, diesen also ver­

stärken. Die Verstärkung des Wafferdrucks öffnet nun wiederum ein Ventil, wodurch das Alarmsignal berhätigt wird und ruft den Wärter.

* Eia drolliges Völkchen sind die Bewohner deS kirch­losen Dörfchens Uebelroda bei Immelborn a. Derra: DaS Licht der Welt erblicken sie in Uebelroda, getauft werden sie in Salzungen, zur Schule gehen sie nach Immelborn, zum Confirmandenunterricht nach Barchfeld, zum Abendmahl nach Wildprechtroda, ihre Weiber holen sie sich aus Kalten­born und begraben laffen sie sich in St. Wendel bei Salzungen.

* Kindlich. Mutter:Hier hall Du Dein unzerreiß­bares Bilderbuch, Hans, und dann spielst Du etwas mit dem kleinen Brüderchen!" Hanß:Ist Fritzchen auch unzerreiß­bar, Mama?"

Univerptäts - Nachrichten.

Darmstadt. Herr Ernst Reichel, technischer Dtrector der Maschinenfabrik von Nagel & Rämpi in Hamburg Uhlenhorst wurde alS Nachfolger von Herrn Pros. Strtbeck für das Fach der Maschinenkunde an unserer technischen Hochschule berufen. (Herr Prof. Strtbeck hat einen Ruf an die rechn. Hochschule zu Dresden angenommen.)

Marburg. Herr William Tilley aus Sidney, der vor zwei Jahren an der Universität Gießen immatricultrt war, wurde zum Lector der englischen Sprache ernannt.

Kaiserliche Dörpt'sch!e Universität in Jurjer (Dorpat). Als ein Curiosum, einzig in seiner Art, dürfte da» russische Universilätsstatut für Dorpal, das mit dem nächsten Jahre xur Einführung kommt, gelten. Bevor die almu mater einen von Der Liebe zur Wissenschaft beseelten Jüngling an ihren neuen Busen drückt und ihm den Wethckuß eitheilt, muß das Photogramm des zu Jmmatriculirenden in drei Exemplaren, mit eigenhändiger Unterschrift versehen, eingereicht werden. In anderen Vorschriften wird es für nölb'g erachtet, von den Studirendcn die Beobachtung von Anstand und Höflichkeit zu fordern. Dec Ausdruck des Beifalls ober der Mißbilligung den Docenten gegenüber tn den Auditorien ist tn keinem Falle und in keiner Form erlaubt. Zur bestimmt festgesetzten Zeit muß Jeder sich auf seinem Platze befinden! Der Besuch der Vorlesungen ist zur Pfl cht gemacht! Tabakrauchen auf den Treppen zum Eingänge in die Universität verboten! Innerhalb der Universität wird keine Handlung zugelaffen, bie einen corporativen Character trägt, überhaupt sind alle Hanblungen verboten, die einen öffentlichen Character tragen ober bet AuSbruck von Vereinigungen sind, wie z. B. Deputationen, Anschlägen von Bekanntmachungen seitens der otublrenben, Theilnahme an Ver­sammlungen, die von der Obrigkeit verboten find zc. O alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du verschwunden/ ... 0 jerum, jerum, jerum, o quae mutatio rerum (Vielleicht kommt noch die japanesische Bestimmung hinzu, daß die Stubirenden In ihren Zimmern nicht rauchen unbntdjt Alkoholika trinken dürfen; Abends müffen sie von 8 Uhr an zu Hause bleiben.)

Die ordentlichen Doctorpr omotionen in der juristischen Facultät werden im deutschen Reiche verhältnißmäßig selten erworben. So fanden z. Z. tn Gießen im Jahre 1887/88 zwei, in den zwei darauffolgenden Jahren 1888/89 und 1889/90 keine, in den Jahren 1890/91 und 1891/92 je eine Promotion statt. Das gleiche minimale Verhältntß waltet bei den übrigen deutschen Universitäten mit Aus­nahme von Göttingen, Heidelberg, Jena, Leipzig. Bei diesen lautet das Zahlenverhältniß während der oben angegebenen Jahre wesentlich anders. Für Göttingen: 41, 31, 21, 31, 45. Für Heidelberg: 89. 85, 102, 73, 79. Für Jena: 81, 61, 66, 62, 62. Für Leipzig: 59, 70, 75, 100, 105. Der Gründ dürfte darin zu suchen fein, daß bet 17 Facultäien eine drucksähige wissenschaftliche Arbeit gefordert wird, bet den 3 übrigen aber nicht.

Das Dorkommen von Viehseuchen in Hessen

während des Monats April 1893.

Milzbrand wurde festgestellt in Semd, Kreis Dieburg, am 25., in Rothenberg, Kreis Erbach, am 24., in Hattenrod, Kreis Gießen, am 6., in Steinfurth, Kreis Friedberg, am 2. und 12., und in Wohnbach, Kreis Friedberg, am 25. April, jedesmals bet einem creptrten Rindotehstücke.

Rotz. In Herrnsheim, Kreis WormS, stehen zwei Pferde wegen Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung.

Er steckte das Buch zu sich, mit der Absicht, es der Eigenthümerin nicht wieder zurückzugeben. Draußen im Walde, unter den hohen, verschwiegenen Bäumen, öffnete er eS und blätterte neugierig in dem Bändchen.Will doch einmal sehen", murmelte er spöttisch,was so ein Faselhans zusammenspintisirt". Er las und las weiter, biß er zu Ende war mit dem Buch; erst widerwillig und dann mit immer steigendem Jntereffe. Dann las er diese und jene Stelle wieder und es geschah ihm dabei, daß er sich bewegt und ge­rührt fühlte, daß sich ihm etwaö vom Herzen löste und er danach offener, herzlicher, freudiger wurde. Langsam däm­merte ihm eine Ahnung heran, daß dieses scheinbar zweck­lose Geschreibe nicht ganz ohne Nutzen sei, und je mehr er daß Buch des Sohnes auf sich wirken ließ, desto mehr kam cS ihm zum Bewußtsein, daß ein solches Dichtwerk sogar einen hohen, erhabenen Zweck habe: daß es unsere Seelen läutert, sie daS Gute lieben und das Böse hassen lehrt, daß cS uns befreit von dem trüben Dunst, mit dem das Leben unsere Häupter umhüllt, und uns wieder neue Hoffnung ver­leiht, neuen Muth zum Kämpfen giebt. Er dachte daran, wie er als Knabe einen solchen Tröster in der Religion ge­sunden und wie er ihn von dem Augenblicke an entbehren . mußte, da er -ben Glauben verlor. Sind die Dichter nicht die Priester, die Denen zur Seite stehen, die der Kirche ent­fremdet sind? . . .

Aber baß Buch gewann immer mehr Herr über ihn und heute am FrÜhlingßsonntag, hatte er seine Morgenandacht daraus geschöpft um dann wieder unwillig, in seine alten Zweifel verfallend, wegzulegen. Jetzt nahm er die Flinte von der Wand, hing sie über die Schulter und trat inß Freie. Da hörte er Waldmann, den braunen Hühnerhund, ein heftiges Freudengeheul auSstoßen und sofort accompagnirten die übrigen Bewohner deS Hundestalleß. Er pfiff, aber Waldmann, der als alter HauSgenoffe daß Vorrecht genoß, frei umherspazieren zu dürfen, kam nicht wie sonst herbeigesprungen. Er heulte nur stärker und daß feine Ohr beß Försterß merkte bem Gebell wohl an, baß baß Thier babei heftige Sprünge machte. Tin seltsames Zittern befiel seine ©lieber unb fein Herz be­gann stärker zu schlagen.

Sein Weib unb Elise waren noch in ber Kirche ihnen konnten bie Freubenbezeugungen nicht gelten. Der Ge­

Hilfe hatte einen Auftrag erhalten mußte also ein Fremder sein, ber baß Sträßchen entlang schritt, baß an ber Rückseite beß Försterhauses entlang führte. Ein Frember ... Er zitterte stärker unb zog sich nach ber Haußthüre zurück, währenb baß Gebell beß Hunbes näher kam unb nun auch beutlich die Schritte eineß ManneS vernehmbar wurden. Unb ba kam er nun, von bem Hunbe umsprungen, selber um bie Ecke unb streckte bem Alten bie Hanb entgegen. Der aber blieb stehen, starr wie eine Bilbsäule. Die nüber« sprcchenbsten Gefühle zermarterten sein Herz, aber als ber Frembe nun raschen Schrittes herankam, ba siegte bie Freude, er faßte, eine Thräne im Auge, die dargebotene Hand unb zog sich nicht zurück, als ber Ankömmling nun ben Arm um ihn schlang und ihn an seine Brust zog.

Also fein Lügner! Das war, was immer unb immer fort in ber Brust beß Alten klang, währenb bie Beiben unter bem Birnbaum saßen unb Heinrich von feinem Weltleben erzählte. Er hatte Alleß gefunben; Gelb, Ehre Ruhm nur ben Frieben nicht. Tausende von Menschen hatte er kennen gelernt, hunderte davon in seinen Büchern geschildert. Aber sie alle waren seinem Herzen fremd geblieben sie alle durchschaute er, kaum daß er ihnen nahe getreten war. Nur bie Schlechten, die Egoisten unb Heuchler, bie Jntri- guanten unb Gauner, bie Mobepuppen unb Dirnen, bie er in seinen Büchern bezeichnet, hatten ihre Mobelle im Leben; bie herzerquickend Gestalten sie entstammten alle seiner Phantasie.

Nur zwei," sagte er, in tiefeß Sinnen verloren,zwei, bie ich immer unb immer roicber fdjilberte, hab ich gekannt, geliebt Vater unb Mutter Du kannst mir glauben!"

Ich weiß eß," fiel ihm ber Alte inß Wort,ich hab' erst heute Früh gelefeit."

Du hast ?"

Ja, Elise hat Deine Bücher inß Hauß gebracht unb eineß bavon hab' ich gestohlen unb studirt."

Elise?"

Ach so Du weißt nicht. Der Onkel Wolfgang starb wir haben sein einzig Kinb zu unß genommen."

Daß kleine Ließchen?"

Klein ist sie just nimmermehr. Auch viel zu gebilbet

Die Maul- unb Klauenseuche ist erloschen in Erzhausen, Kreiß Darmstadt, Groß-Bieberau und Zeilhard, Kreis Dieburg, in Neustadt. Mühlhausen und RaUbad), KrerS Erbach, in Astdeim unb Enelden, Kreis Groß-Gerau, in Heppenheim unb Hirschhorn. Kreis >?epvmheim. in Klein-Linden, und Heuchelheim. .'kreiS Gießen, tn Angenrod, KreiS Alsfeld, in Marienborn, Hrtnchen und Bleechendach, Kreis.Büdingen, tn Über-Roßbach und Osten heim. Kreis Friedberg, in Nieber-Olm, Krets Main», in Albig, Kettenheim, Lchafbausen, Onenheim und Framersheim, Kreis Alzey, tn Schorn«heim Gabs­heim und Wolfsheim, Kreis Oiwenheim. und tn Monsheim und Hamm, Kreis Worms.

Die Seuche herrscht fort in GinSheim unb Mörfelden. Kreis Groß-Gerau, in Hattenrod, Kreis Gießen, in Echzell, Kr Büdingen, in Ruppertsburg. K>eis Scholten, tn Stadecken, Kreis Main», in Gensingen. Kreis Bingen, unb in EnShetm, Wörrstadt, Bechtolsheim und Ilnbenbetm, Krets Oppenheim.

Die Seuche wurde im Monat April sestgestellt unb war am Schluffe desselben wieder erloschen in Darmstadt, in Michelstadt und Stockheim, KreiS Erbach, in Gießen. Ettingshausen unb Cbn» Bessingen, KreiS Gießen, in Nieder-Mockstadt, Kreis Büdingen, In Rodhetm unb Nieder-Weisel, KreiS Friedberg, tn Tautenheim unb Köngernheim, KreiS Alzen, in Dietersheim, KreiS Btnaen. in Wmters- heim, Krets Oppenheim, und in Neuhausen unb Mölsheim, Kreis WormS.

Die Seuche wurde im Monat Aptil festgeftellt unb herrschte am Schlüsse beffelben noch fort tn Eppertshausen unb Semd, Kreis Dieburg, tu Erbach, Würzberg und Beerfelden, KreiS Erbach, in Mönchhof, KreiS Groß-Gerau, in Wimpfen. KreiS Heppenheim, in tannen, KreiS Offenbach, in Garbenurch, Aldach unb ang-Göns, KreiS Güßen, in Homberg a. b. O., Erbenhausen. Ober-Gleen und Heimertshausen, KreiS AlSfeld. tn Engelthal und Allenrod, Kreis Büdingen, inHaarbeim. Ober Eschbach, Lteinfuith und Etammheim, KreiS Friedberg, in Gonterskirchen, Kreis Schotten, in EderSheim, Kreis Main», in Planig. Heimersheim, Obernheim. Zohenheim unb Nieder-Wiesen, KreiS Alzey, in Gau-AlgcSheim unb Nieder Ingel­heim, KreiS Bingen, in Gau Bickelheim, Biebelnheim, Nierstein unb Friesenheim, KteiS Oppenheim, unb in Offstein, Monzernheim, Ober FlörSheim und Heßloch, Kreis Worms.

Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Alten-Buseck, Stangenrod unb Saasen, KreiS Gießen, in Bernofelb, Krets AlSfeld, tn Lißberg, Bingenheim und Tubmrob, Kr. Büdingen, und in Bad-Nauheim, Kreis Friedberg.

^erfebr, £anO* in- Volf»wirtschaft,

- Lebensverficherungs und Ersparniß - Bank in Stuttgart. Der Rechenschaftsbericht für ba* adgctaufenr 38. Se. schäfisjahr ist dieser Tage erschienen. Er weist auf, daß diese Ge­sellschaft, eine der größten deutschen LebenSoerstcherungsgesellschasten, auch im Jahre 1892 ein sehr günstiges Srgebniß erzielt hat. sowohl htnstchtlrch des Btutiozugangs von neuen Versicherung^ Anträgen unb Aufnahmen alS auch deS ReinzuwachfeS an Versicherungen hat dieses Jahr alle vorhergehenden weit übertroffen. Es würben 6162 Versicherungsanträge übtr 40303900 Capital beantragt (tunb 5Vt Millionen mehr als 1891) unb davon angenommen 5226 über 32 873 100 Jt Der Reinzuwachs betrug 3064 Policen, 2665 Personen unb 22 588 009 Versicherungssumme. Der Gesammtversicherun^.'stand ist baburch auf 59 849 Personen gestiegen, bie mit 68 008 Policen über 366 261 639 JL Capital versichert sind. Der Sterblichkeit , verlauf war ein sehr günstiger, eS wurde ein Gewinn durch Mtndri sterbltchkeit von 1 128 778 erzielt. Der Bankfonds ist ;u -l'. in J?9pot^<n angelegt; eigene Werthpapierc besitzt die Bank tun') 2 Millionen, auf Policen der Bank sind 7,2 Millionen Mark aus geliehen. Es darf hervorgehoben werden, daß diese« günstige Resultat mit dem kleinen Lerwaltungsaufwande von einschließlich Agentur- provifloncn nur 5,3% der Jahreseinnahme erreicht worben ist. Die Bank macht bekannt, daß der Rechenschaftsbericht über 1892 auf Verlangen von jedem Verstcherten von ihr direct zu beziehen ist.

(Han; seid, bebrmftc AonlardS Mk. 1.35 bis 5.85 p. Mtr. (ca. 450 versch. DiSposit.i sowie schwarze, weiße unb farbige Seibenstoffe von 75 Pf. bi« Wt. 18.65 per Meter glatt, gestreift, carrirt, gemustert, Damaste k (ca. 240 versch. Qual, unb 20(0 versch. IFarben, Desfin« rc), porto- unb zollfrei. Muster umgehend. |662

Seiden-Fabrik 6. Henneberg (k u. k. Hon.), Zürich.

dazu. Sonst schleppt man nicht eine Kiste Bücher mit unb gar die von Heinrich Roller. Aber dort kommt sie ja selbst."

Den Fußweg herauf, der vom Dorfe zum Foruhauc führte, kamen zwei weibliche Gestalten. Ein alte« Mütter- lein, daß trotz der Frühlingßsonne daß blaufarrtric Tuch fröstelnd um bie Schultern zog, unb ein schlankeß Mädchen mit frischen, rosigen Wangen und sinnigen Beilchenaugen. Alß die Beiben an baß Haus herankamen, sprang ihnen Walbmann entgegen unb nun traten auch Vater unb Sohn hinter bem Baume hervor. Die Mutter fuhr erschreckt zu­sammen- bann aber, alß Heinrich sie in seine Arme schloß, begann sie heftig zu schluchzen unb streichelte mit rübrenber Zärtlichkeit Haar unb Bart ihreß Kinbeß.

Alß sich bie Mutter etwa- gefaßt hatte, trat Heinrich an Elise heran unb reichte ihr die Hand. Eine Weile sah er sie stumm an, während sie ihre Augen zu Boden schlug. Dann aber sagte er, ihre Hand rasch an die Lippen führend: Dir, Ließchen, danken wir alle unser Auferstehung-fest, unfern neuen Frühling. Nicht wahr, Vater?"

Der Alte nickte mit bem Haupte.Ja, Ließchen ß ist Dir vielleicht gar nicht abgegangen, baß Buch unsere- Heinrich?"

Elise erröthete heftig und Der Vater lächelte.Ich hab gestohlen und so ist'ß gekommen. Nun brauchst Du die andern nicht mehr heimlich zu studiren Heinrich wird sie Dir vorlesen."

Vom Dorfe herauf drangen die Glocken, baß Ende des Gotteßbiensteß verkünbenb. Die Mutter faltete die Hände unb Elise that baß Gleiche. Unb während die Beiden ihrem Gott bankten für bie Erfüllung besten, maß sie vor Kurzem erst noch so heiß von ihm erfleht, faßte Heinrich wieder die Hanb beß Vaterß unb sagte tief ergriffen:Vater ich habe nun Alleß gefunben, waß ich braußen nicht finden konnte."

Heimatb, zu dir.

Was ich nun träumen mag, Seliger Frühlingstag Du stehst vor mtt!

Augen wie Veilchen blau, Strahlend wie rings die Au, Sonnigen Schern» Was für ein Bild ich schau Hmmer, Du liebe Frau, Seh' ich nur Deins!

Unb eine Woche später schrieb Heinrich in sein Tagebuch: Müde de- Zorns, der Plag', Floh ich zum stillen Hag,