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»fr. 123 Drittes Blatt. Sonntag den 28. Mai 1893
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politische Wochenschau.
Gießen, 27. Mai 1893.
Die Wahlbewegung befindet sich nunmehr in vollem Flusie. Innerhalb der beiden Parteien, in denen die Ansichten der Parteigenossen sich schroff gegenüber standen, ist die erforderliche Klärung mittlerweile vollzogen worden. Und zwar ist nicht allein in der seitherigen „deutschfreisinnigen Partei", sondern auch im Centrum, um ein oft wiederholtes Wort Richters anzuwenden, ein „entschiedener Ruck nach links" erfolgt. In der Centrumspartei hat man zur Gewinnung einer festen Position am längsten Zeit gebraucht. Zunächst scheint das Centralcomitee bei der Abfaffung des allgemeinen Wahlaufrufes auf gewisse Schwierigkeiten gestoßen zu sein. Es verlautete sogar eine Zeit lang, daß den einzelnen Abgeordneten in ihrer Stellungnahme zur Militärvorlage von Parteiwegen völlig freie Bahn gelassen werden solle. Der zu Beginn dieser Woche herausgekommene Wahlaufruf hat indessen diese Ansicht als irrig erwiesen. Er bezeichnet die Gegnerschaft gegen die Militärvorlage und den etwa gleichbedeutenden Antrag von Huene als „daß Feldzeichen des Centrums" in der beginnenden Wahlschlacht und characterisirt die geplante Armeeverstärkung als eine „bleibende übermäßige Belastung des nothleidenden Nährstandes für den Wehrstand bis zur Erschöpfung vor dem Krieg". Diesem allgemeinen Wahlaufruf des CentralcomiteeS hat sich trotz allen entgegengesetzten Bemühungen von kirchlicher Seite die Bertrauens- männer-Bersammlung der schlesischenCentrumspartei ohne Rückhalt angeschlossen. Demgemäß sind auch die zwölf zumeist schlesischen Abgeordneten des Centrums, welche für den Antrag Huene gestimmt haben, soweit sich bis jetzt übersehen läßt, nicht wieder aufgestellt worden. Dagegen hat in Westfalen der frühere Reichstagsabgeordnete Freiherr v. Schorlemer-Alst den Versuch gemacht, einen Theil der Partei auf die Seite der Regierung hinüberzuziehen. Nachdem dieser Versuch in der Vertrauensmänner-Versammlung des westfälischen Centrums in Münster, wo er zunächst in versteckter Form unternommen wurde, fehlgeschlagen ist, wendet sich Freiherr v. Schorlemer mit einigen Gesinnungsgenossen nunmehr in einem besonderen Wahlaufruf gegen das Provinzial- und Centralcomitee. Bei den Polen, welche bekanntlich für die Militärvorlage eingetreten sind, vollzieht sich dagegen mehr und mehr eine Schwenkung nach links. Es hat sich nämlich gezeigt, daß nur vermittelst des Fractions- zwanges in der polnischen Fraction (welcher übrigens bei keiner anderen politischen Partei in Deutschland eingeführt ist) eine ganz geringe Mehrheit die ganze Partei zu ihrer regierungsfreundlichen Abstimmung hat bringen können. Angesichts dieses Umstandes verlangen die polnischen Wähler jetzt vielfach von ihren Candidaten die bindende Erklärung, keinesfalls für den Antrag Huene einzutreten. Auch bei den Freisinnigen scheint bis jetzt die entschieden bei ihrer von vornherein aufgestellten Forderung der Innehaltung der Prä-
Nachrichteu über den Saatenstand im Grotzherzogthum Hessen um die Mitte des Monats M a i 1893.
Zusammengestellt bei der Großherzoglichen Oberen landwirthschastltchen Behörde.
* 30% Klee, 10% Wetzen, f 30% Weizen, ft 3% Wetzen mußten umgepflügt werden.
Bemerkungen: Aus sämmtlichen Berichten geht hervor, daß die anhaltende Dürre sich in der nachtheiligsten Weise geltend macht. In den Bezirken, in welchen die Vegetation wegen der wärmeren Lage frühzeitiger sich entwickelt, wird von kommenden Niederschlägen eine Besserung der Ernte-Aussichten kaum mehr erhofft; dagegen dürste in den höheren rauheren Lagen (z. B. Erh.-Bez. Lauterbach) ausgiebiger Regen noch Vieles gut machen können.
Die Wintergetreidearten sind in vielen Erhebungsbezirken in der Entwickelung sehr stark zurückgeblieben, in manchen haben sie empfindlich Roth gelitten; nur in ganz wenigen besonders feuchten Lagen befriedigt der Stand einigermaßen. Die Sommergetretde- arten gingen bis auf vereinzelte Ausnahmen sehr unregelmäßig auf und bleiben in der Entwickelung stehen. Heber den Stand der Kartoffeln läßt sich noch wenig sagen, da sie in den meisten Bezirken erst aufgehen; die jungen Triebe der Frühkartoffeln sind in tiefen Lagen zum Theil erfroren. Der Stand des Klees und der Wiesen zeigt, abgesehen von einigen sehr feuchten Lagen, ein betrübendes Bild; in den höheren und trockeneren Lagen ist Alles ausgebrannt. In der Mehrzahl der Bezirke ist die Befürchtung einer bevorstehenden großen Futternotb leider sehr begründet.
Die Weinberge haben in den kalten Nächten vom 4. bis 6. in einigen Bezirken (Alzey, Ingelheim, Mainz, Nieder-Olm, Wöllstein), besonders in tiefen Lagen vom Frost gelitten.
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Provinzen
Saatenstand
Note 1
— sehr guter, 2 — guter, 3 — mittlerer, 5 — sehr geringer Stand.
4 — geringer,
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Provinz Starkenburg.
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2
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1 —
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4
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6
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—
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3
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7
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3
—
—
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2,5
3,5
2
5
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—
Durchschnitt für Starkenburg
2,2
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2
—
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2.9
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—
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4,3
—
Provinz Oberhessen.
8
Kreis
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3
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2
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2,5
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4
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3
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12
II
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3
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—
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3
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3
3
—
5
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—
13
II
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3
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—
3
3
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4
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5
—
Durchschnitt für Oberhessen
3
3
—
2.6
3
3
3
—
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4,4
—
Provinz Rheinhessen.
14
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2
—
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3
—
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—
4
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3
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—
4
—
4,5
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—
5
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2
—
—
—
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—
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4
—
—
—
2
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—
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2
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2
—
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21
n
„ Osthofen ....
2
—
—
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2,5
2,5
—
2,5
3
—
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—
2
22
„ Pfeddersheim. . .
2,5
3
3
—
—
2
3
2
4 i
4
2
23
„ Wöllstein ....
2
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3
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„ Wörrstadt ....
3
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—
—
3
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4
0
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2
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1»
„ Worms.....
3
— 1
3
— 1
3
—
3
3
4
4
3
Durchschnitt für Rheinhessen
2,7
3
3
—
2,9
—
3,3
3,5
—
4,5
4,2
2,3
Durchschnitt für bas Großherzogthum
2,6
2,5
2,5
—
2,8
3,5
3
3,2
—
4,5
4,3
2,3
Waldhcimath.
Eine Frühlingsgeschichte von Emil Peschkau.
(Nachdruck verboten.)
„Am Waldrand steht das Forsthaus. Ein Bau, halb Holz, halb Stein, ergraut von Alter, mit weit vorspringendem Giebel und einem Wetterhahn auf dem Firste. Zur Rechten ein Gärtchen, zur Linken ein Birnbaum mit weitschattenden Aesten, dahinter die schwarzen, im Winde sich leise wiegenden Fichten. Sitzt man aus der Bank neben der Haus- thüre, so gleitet der Blick über ein weites, sonniges Thal. Blaugrüne Haferfelder wechseln ab mit goldigen Streifen Korns, das Bächlein schimmert aus dem Grün der Wiesen hervor und halbverborgen unter schwerbeladenen Obstbäumen gewahrt man die Häuser des Dorfes mit ihren weißen Wänden und rothen Ziegeldächern ... Oft sitz' ich und starr' in die blaue Luft und dann kommt mir das Bild. Und dann seh' ich wohl auch einen Buben mir rothen Wangen und zerzaustem Kopfhaar durch die Felder schlendern oder den Bach durchwaten, ich sehe ihn, wie er die Krebse hinter den Steinen und Baumwurzeln hervorholt, wie er unschlüssig vor dem erdbraunen Wiesel steht, das sich vor ihm in der Radfurche des Weges verborgen hat, oder wie er seine Leim- Ruthen stellt in den Dornhecken der Haide. Und dann seh' ich einen alten Mann unter dem Birnbaum sitzen mit verwitterten Zügen und weißem Haar. Dann ist's mir, als wäre ich der Bube wieder und müßte an sein Herz fliegen — ach es ist ja Alles ein Traum! Vorbei, für immer verloren, und müde zieh' ich weiter mit der Wunde im Herzen, Sie nimmer heilen will. Wer dich wieder hätte, Wald- Seimath! . . "
Bis hierher harte der Mann gelesen, dann nahm er die große Hornbrille von der Nase und fuhr sich unmuthig über die Augen. Wann hatte er geweint in seinem Leben? Und nun wird er doch nicht über solches Geflunker . . . „Nichts als Lügen," murmelte er vor sich hin, „nichts als Windbeuteleien. Es soll mir aber auch nichts von dem Kram mehr ins Haus kommen. Geschichten, um das Weibervolk zu rühren, und das — schreibt ein Mann. Ein solches Handwerk treibt ein Mann! .. ." Er klappte das Buch zu, verschloß es in einer Schublade und sprang auf. Ein mächtiger Seufzer drang aus seiner Brust. „Es wird warm," sagte er zu seiner Entschuldigung. Dann trat er vor das Fenster, öffnete die Flügel und holte tief Athem. Da lag das Thal breit und sonnig — die Wiesen grünten, das Bächlein schimmerte und die Häuser hatten noch immer ihre weißen Wände und rothen Ziegeldächer. Die Obstbäume aber waren wie überschneit mit weißen Blüthen und der Morgenwind trug den Duft der Traubenkirsche aus dem Gehölz herüber. Er preßte die Lippen aufeinander und dachte einen Augenblick an den Buben, der an das Herz des Greises flog. Der Mann rührte doch nicht blos der Weiber Herzen! . . . Und jetzt klangen die Glocken vom Dorfe herüber und luden zur Andacht ein. „Waldheimath," sagte er leise . . . „Wer hat ihn denn daraus vertrieben??..."
Es waren viele Jahre her, daß er die Heimath, das Vaterhaus verlassen. Er war des Försters einziges Kind, die Freude seines Lebens und — sein Leid. Von der Forstschule zurückgekehrt, erklärte er dem Vater, daß er dem Drange seines Innern folgen, daß er Künstler, Dichter werden müsse. Der alte Förster war einer von den Leuten, die nicht begreifen konnten, daß es ein Verdienst sei „Lügen zu fabri-
ziren".^ „Wenn ein armer Teufel am Wirthshaustische Schnurren erzählt, um zu einem Abendbrod zu kommen, ober ein Einarm, der zu keiner anderen Arbeit tauglich, mit seiner Fiedel von Haus zu Haus zieht — meinethalben," pflegte er zu sagen- „aber ehrlicher Leute Kind, das was Rechtes gelernt hat, soll auch was Rechtes werden. Wozu ist denn das Geschreibsel nütze? Nur um Andere verrückt zu machen ober sie von nützlicher Arbeit abzuhalten. Meinetwegen ein Hanbwerker, ber sich im Schweiße seines Angesichts ernährt, aber kein Federfuchser, kein Federfuchser!" . . . Umsonst bat Heinrich, umsonst flehte bie Mutter zu Beiben. Der Alte blieb fest unb Heinrich wäre nicht sein Sohn gewesen, hätte er nicht bie Thüre hinter sich zu'geschlagen unb wäre gegangen für immer.
Jahre lang hörte ber Förster nichts mehr von bem Sohne. Dann las er eines Tages den Namen Heinrich Roller in seiner Zeitung. Es war nur Ehrenvolles, was von bem jungen Dichter berichtet würbe, unb bem Vater klapste das Herz rascher vor Freude. Dann aber verfinsterte sich sein Gesicht wieder, er zerknitterte das Blatt mit den Händen und stieß ein mürrisches: „Faselhans!" hervor. Dann vergingen wieder Jahre, ohne daß er ein Wort von Heinrich vernahm. Als aber bie alternbe Frau ihre Nichte zur Stütze ins Haus nahm, ba brachte biese eine Kiste voll Bücher mit unb unter biesen Büchern waren mehrere, bie den Namen Heinrich Roller auf dem Titelblatte trugen. Elise war von der Mutter in das Geheimniß des Hauses eingeweiht worben unb sie verbarg beshalb bie Bücher vor dem Alten. Diesem aber spielte ber Zufall boch eines in, bie Hänbe unb zum ersten Male in seinem Leben beging ber Förster eine unrebliche Hanblung.


