Ausgabe 
28.3.1893 Erstes Blatt
 
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1893

Dienstag den 28. März

Rr. 74 Erstes Blatt

Amts- und Anzeigeblutt für den ICrets Gieren

| Hralisbeitage: Hießener Aamilienökätter.

Amtlicher Theil

Antisemit Paasch wurde heute

DieVossische Ztg." meldet aus

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den lolgen-m Tag erscheinenden Nummer bi« Borin. 10 Uhr.

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Die «Siebener HeeUUwiriltet erben dem Anzeiger schentttch d reimel d «gelegt.

die Erwartung aus, daß abgehalten werde.

Berlin, 25. März, wieder verhaftet.

Der

Gletzener A«»el«er erscheint täglich, Btt Ru«nabme be« Montag«.

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Locales und provinzielles.

Gießen, 27. März 1893.

** Der gestrige Palmsonntag bot der geistig wie körperlich erholungsbedürftigen Menschheit wiederum Gelegenheit, sich für die kommenden Wochentage zu stärken. Es herrschte vom frühen Morgen an das herrlichste Frühlingswetter, so daß ebenso der Vormittag durch die große Anzahl der Kirchenbesucher wie der Nachmittag durch die große Schaar der Ausflügler recht belebte Bilder in und außerhalb der Stadt boten. Unsere beliebten Ausflugsorte Schiffenberg, Gleiberg u. s. w. waren recht gut besucht, auch dem Walde wanderten Diele zu, in der Absicht, ihm die ersten Frühlingsboten, Veilchen u. s. w. zu entführen. Auch das beliebte Maikraut wurde, obwohl in noch recht niedlichem Gewächs, bereits ge­funden. Unsere befiederten Waldbewohner, die Vögel in ihren verschiedenen Arten, ließen überall ihre Frühlingslieder erklingen. Hält das Wetter an, so können wir schönen Oster- feiertagen entgegen sehen.

* Die erweiterte Handwerkerschule dahier hat in ihrem Schulhause (Asterweg 25) eine Ausstellung der Arbeiten ihres Wintercurses veranstaltet, deren Besichtigung für Jeder-

Cierteliäbriger Jteonnfmrnt5»reUi 2 Mark 20 Psg. nett Brmgerlohn. Durch die Post btjojte 2 Mark 50 Psg.

Reboction, itrprbmei und Druckerei:

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Fernsprecher M.

vom 17,/ffi. 24,m.

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Alle Annoncen-Lureaux bei In» unb Äuflanbe« nehmen Anzeigen für benGießener Anzeiger- entgegen.

Verkaufs-Monopols für die deutschen Landwirthe bean­tragt. Die Grundpreise sollen 19 und 16 Mark für den Doppelcentner betragen.

Würzburg, 25. März. Die Freisinnigen, National- liberalen und die Volkspartei beschloffen gemeinsames Vorgehen gegen den Ultramontanismus bei den Landtagswahlen.

o. Mb. «w Silber .Zttl.

üfmb. gamt teftfr.

Bekanntmachung, betreffend Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft zur Entwässerung von Grundstücken in den Fluren III. und IV. der Gemarkung Bergheim.

Nachdem zur Ausführung einer Entwässerung von Grund­stücken in den Fluren III. und IV. der Gemarkung Berg­heim Antrag auf Bildung einer öffentlichen Waffergenoffen­schaft gestellt worden ist, und die Großh. Obere landwirth- schädliche Behörde als sachliche Centralbehörde das beabsich- ngte Unternehmen als zulässig und zweckmäßig erachtet und die Einleitung des Verfahrens zur Bildung einer öffentlichen Waffergenoffenschaft angeordnet hat, wird hiermit zur öffent­lichen Kenntniß gebracht, daß die Vorarbeiten hierzu in der Zeit vom 589. März bis einschließlich 11. April l. I. auf dem Amtszimmer der (tzroßh. Bürgermeisterei Holzheim zur Einsicht sämmtlicher Grundeigenthümer, deren Grundstücke in die zu verbessernde Fläche fallen, offen liegen.

Gleichzeitig werden diese Grundeigenthümer zur Ver­handlung und Beschlußfassung, sowie zur Wahl ihrer Ver- ireter für das weitere Verfahren auf Mittwoch den 12. April l. I., Nachmittags SB1/, Uhr, in das Nathhans zu Holzheim vorgeladen, unter Androhung des Rechtsnachtheils, daß die Nichterscheinenden, sowie die Richtabstimmenden als Dem beantragten Unternehmen bei- stimmend und mit der Wahl der Vertreter einverstanden an- gesehen und mit ihren Einwendungen gegen die Art der Ausführung später nicht mehr gehört werden.

Diejenigen Grundeigenthümer und Wassernutzungsberech- liaten, die an dem Unternehmen nicht unmittelbar betheiligt erscheinen, werden hiermit aufgefordert, etwaige Einsprachen »egen das Unternehmen in der vorerwähnten Tagfahrt gel- lend zu machen, widrigenfalls die Einsprachen nach Ablauf der Frist nicht mehr berücksichtigt würden und nur noch pri- valrechtliche Entschädigungs-Ansprüche gegenüber dem Unter- nehmen geltend gemacht werden könnten.

Gießen, den 25. März 1893.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Berlin, 25. März. .....

Ratibor, der hiesige Verein der Landwirthe hat beim Bunde der Landwirthe die Erstrebung des Weizen- undRoggen-

Deritsches Reich.

Berlin, 25. März. Auf parlamentarischem Ge­biete, soweit es sich um die gesetzgeberischen Arbeiten im Reiche und in Preußen handelt, herrscht österliche Stille, da am Freitag das preußische Herrenhaus nach Erledigung des Etats dem Reichstage und dem Abgeordnetenhause in die Oslerserien nachgefolgt ist. Für die beiden letzteren parla­mentarischen Körperschaften bringt die eingetretene Osterpause eine sehr willkommene Ruhe- und Erholungszeit nach langen Wochen angestrengter Thätigkeit, denn seit Neujahr hat man im Reichsparlamente, wie in der preußischen Volksvertretung tüchtig gearbeitet, sei es im Plenum, sei es in den Ausschüssen. Was das Abgeordnetenhaus anbelangr, so sind hier bis jetzt die meisten der ihm vorgelegten kleineren Gesetzentwürfe zur Erledigung gelangt, ferner der Etat und das neue Wahlgesetz srrtiggestellt worden, außerdem ist die Dorberathung der drei Steuerresormgesetze in der Commission zum Abschlüsse ge­bracht. Verhältnißmäßig wenig hat man im Reichstage während des zurückzelegten Sessionsabschnittes vor sich ge­bracht. Es sind zwar eine Anzahl kleiner Vorlagen zur An­nahme gelangt, von den wichtigeren Arbeitsstoffen ist aber nur der Etat definitiv aufgearbeitet. Alle übrigen bedeu­tungsvolleren Vorlagen dagegen stecken entweder noch in den Commissionen oder sie harrm doch wenigstens noch der dritten Lesung. Die wichtigste Materie der gegenwärtigen Reichstags­session jedoch, die Militärvorlage, ist in der Commission völlig gescheitert, ihre Aussichten für die nach Ostern bevorstehende Plenarberathung sind verschwindend geringe, so daß also die Ablehnung der Militärvorlage auch im Plenum und hiermit die Auflösung deö Reichstages als ziemlich wahrscheinlich gelten können. Selbstverständlich wären bei einer etwaigen Auflösung des Reichstages alle bis dahin noch nicht erledigten Dorlagen als unter den Tisch gefallen zu betrachten, während anderseits fraglich erscheint, ob der preußische Landtag in dem beginnenden Wahltrubel noch im Stande sein würde, die schwebende Steuerreform zum endgiltigen Abschluß zu bringen, jedenfalls eröffnen sich für die nachösterlichen Sessions­albschnitte in beiden Parlamenten vorerst keine besonders rosigen Ausblicke.

Der deutsche Pilgerzug nach Rom anläßlich das Bischofsjubiläums des Papstes ist vom 18. April auf

Paares in Rom gewesen.

Berlin, 25. März. DieAllgemeine Fleischerzeitung" theilt mit, daß bei dem heutigen Berliner Viehmarkte 2000 Rinder, 1000 Schweine und 700 Hämmel überständig geblieben sind. Wenn diese Thiere bis Mittwoch stehen würden, sei der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in großem Umfange zu befürchten. Das Blatt spricht daher ' am kommenden Montag Viehmarkt

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f'vckbr. do. A 181900

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

mann, besonders für den Handwerker von großem Interesse sein muß. Geben diese Arbeiten doch ein wahrhaft treues Bild des bei Lehrern und Schülern vorhandenen ernsten Streben-, zeigen dieselben doch durch die zusammengestellten Lehrgänge nicht allein, daß hier fleißig gewirkt wird, sondern auch be­sonders wie dies geschieht. Und gerade dieses Wie ist es, das außerordentliche Vorzüge besitzt: Nicht ein Copiren der Vorlage haben wir hier vor uns, sondern von dem Schüler gut durchdachte Arbeiten- nicht ein mechanisches Nachbilden der vorgelösten Aufgabe, sondern ein Verarbeiten derselben durch jeden Schüler in seiner Art. Auch zeugen die einzelnen Lehrgänge von planmäßigem Vorgehen: Es ist ein Ganzes, was da zielbewußt behandelt worden ist, ohne ein Herum- fahren von diesem zu Jenem, wodurch die Kräfte zersplittert, die Vorstellungen verwirrt werden. Dies spricht aus allen Zeichnungen und den Gypsarbeiten sowohl, als auö Heften der theoretischen Fächer: Deutsch, Buchführung, Geometrie, Algebra, Physik, Statik, Bauconstruction u. s. w. Möge die Leitung der Schule auf diesem Wege fortfahren zu wirken in dem hehren Streben, unsere angehenden Handwerker in richtiger Weise für ihren Berus vorzubereiten, und möge der Handwerkerstand die ihm hier zur Ausbildung seiner jungen Leute gebotene Gelegenheit in vollem Maaße ausnutzen. Wir machen schließlich darauf aufmerksam, daß die Ausstellung, wie wir erfahren, nur noch bis zum Mittwoch (einschließlich) geöffnet sein wird und empsehlen den Besuch derselben noch­mals dringend.

r.- Gießen, 25. März. Vergangenen Freitag fand in der Restauration Bourgeois die diesjährige ordentliche General­versammlung der Kaufmännischen Kranken- undBe- gräbnißkasse E. H. Gießen statt. Wie wir dem von dem Vorsitzenden, Herrn Wilh. Köser, eingehend erstatteten Berichte entnehmen, schließen sich die Ergebnisse des abgelau­fenen Verwaltungsjahres in ihrer Gesammtheit denen der vorausgegangenen Jahre an. Die Mitgliederzahl unterlag durch Ab- und Zugang keinem großen Wechsel. Solche be­trug am Schluffe des Verwaltungsjahres 85. Die Einnahmen beliefen sich insgesammt auf 1908,55 Mk., die Ausgaben insgesammt auf 1756,47 Mk., hierunter 1500,49 Mk. Krankenlohn und 60 Mk. Sterbegeld. Das Baarvermögen betrug am Schluffe des Verwaltungsjahres 3373,09 Mk., wovon 2431,21 Mk. als Reservefonds bei der Spar- und Leih­kasse Gießen angelegt sind. Der Krankenlohn betrug, wie erwähnt, 1500,49 Mk. Es ist die höchste Leistung seit Be­stehen der Kasse und wurden hiermit die vorherigen Jahre nicht unwesentlich überschritten. Im Jahre 1891 wurden an Krankenlohn entrichtet 1202,24 Mk., 1890 1235,24 Mk., 1887 1070,65 Mk. u. s. w. Der Gesammtkrankenlohn seit Bestehen der Kaffe (71/, Jahre) beträgt 7177,34 Mk. und das Sterbegeld 300. Diese Zahlen beweisen klar und deut­lich die weitgehende Leistungsfähigkeit der Kasse. Die Vor­standswahl ergab folgendes Resultat: Herr Ernst Wiegel­mann wurde als Vorsitzender, Herr Jos. Ehr mann als Rechner, Herr Wilh. Wagner als Schriftführer und die Herren Wilh. Küfer, Christ. Maas, Jac. Jung und Karl Wo sch als Beisitzer gewählt. Herr Wilh. Köser, welcher seit Gründung der Kasse dem Vorstande als Vor­sitzender angehörte, lehnte unter Anführung von triftigen, privaten Gründen die Wiederwahl als Vorsitzender ab, was allgemein unter Anerkennung seiner Verdienste um die Kasse lebhaft bedauert wurde. Um ihn jedoch dem Vorstande zu erhalten, erfolgte dessen Wahl als erster Beisitzer. Die früheren Vorstandsmitglieder, die Herren Karl Heil und Hch. Wagner, lehnten eine Wiederwahl ebenfalls ab. Dem neugewählten Vorstande bringen wir die gleichen Wünsche entgegen, denen wir wiederholt an dieser Stelle Ausdruck gegeben haben. Auch verfehlen wir nicht, wiederholt auf queft Wohlfahrtseinrichtung hinzuweisen und solche der weit- gehendsten Benutzung zu empfehlen. Nicht allein Kaufleute, Handlungsgehülfen und Lehrlinge, sondern auch Bureau- und Betriebsbeamte, Techniker, Chemiker, Zeichner u. dgl. können Aufnahme in derselben finden.

Distanzmarsch. Zwei Herren von hier unternahmen gestern früh 4 Uhr einen Distanzmarsch nach Frankfurt a. M. Sie legten den 65 km langen Weg nach kurzem Aufenthalte in Butzbach und Friedberg vom Frankfurter Hofe hier bis zu dem freien Platze der Friedberger Landstraße in Frankfurt in 12 Stunden zurück.

** Wir erlauben uns, auf eine in der Ferberffchen Univ.- Buchhandlung dahier ausgestellte Heliogravüre nach dem Oel- gemälde von E. v. Gebhardt,das heilige Abend­mahl" aufmerksam zu machen. Dies Bild ist, wohl als die Perle der neuesten christlichen Kunst zu bezeichnen. Die Charakterisirung des Heilandes und der Jünger im Gesichts­ausdruck und Gestalt ist unübertrefflich, sodaß die einzelnen

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den 8. Mai verlegt worden. Maßgebend für diese Hinaus- I schiebung der Wallfahrt ist die Rücksicht auf den in der zweiten Aprilhälfte stattfindenden Besuch des Deutschen Kaiser-

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Ausland.

Roueu, 25. März. Gustav Kurz, ein deutscher De­serteur, welcher als Spion verhaftet worden, ist gestern wieder in Freiheit gesetzt worden.

Algier, 25. März. Gestern Abend sand ein Empfang im Militär-Casino zu Ehren der Offiziere des russi­schen Geschwaders statt, bet welchem dieselben sehr ge­feiert wurden.

Rom, 25. März. DieAgenzia Stefani" meldet: Als der König sich heute zu einer Festlichkeit nach der Villa Borghese begab, schleuderte eine schlecht gekleidete Person mit weiß-gelber Cocarde auf der Brust eine mit Erde gefüllte Papier Hülse gegen den Wagen des Königs. Sofort verhaftet, leistete der Mensch Widerstand und rief, er habe nur Achtung vor Gott und der Regierung des Papstes. Auf der Centralpolizeibehörde fand man bei dem Verhafteten andere weiß-gelbe Bänder, sowie Papiere mit Aufzeichnungen, woraus hervorgeht, daß der Verhaftete ein dericaler Fanatiker ist. Er heißt Louis Berardi und ist 31 Jahre alt. Er war 1882 wegen Meuchelmordes zu sieben Jahren Zuchthaus verurtheilt. Nach seiner Entlassung war er nach Amerika ausgewandert, aber seit Kurzem zurück­gekehrt.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphische« Correspondenz-Bureau.

Berlin, 26. März. Cardinal Crementz wurde heute Mittag 1 Uhr vom Kaiser in feierlicher Audienz empfangen. Derselbe war von seinem Hotel aus in Galaequipage ab­geholt und nach dem Schlosse geleitet werden. Auch die Kaiserin empfing den Cardinal. Nach der Audienz folgte der Cardinal einer Einladung der Majestäten zur Frühstücks­tafel und kehrte bann nach dem Hotel Royal zurück. Heute Abend 10 Uhr reist der Cardinal von hier nach Köln zurück. Heute früh 6 Uhr celebrirte der Cardinal die Messe im St. Hedwigskrankenhause.

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