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unsere liebe Gattin,

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Ankauf ittei. Bitoerl(,| le ganzer Bibliotheken, sowie Bücher erbittet die ersche Buchhandlung |

1893

Nr. 24

Samstag den 28. Januar

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dimer Anjeiftet erscheint täglich, mit LtiSnahme des DtontagS.

Die Gießener Kamille» k tatter werben dem Anzeiger 'drschrntlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

vierteljähriger ASonnemeutspret», 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mart 50 Psg.

Hebaction, Lxpediti« und Druckerei:

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Amts- und Zlnzsigeblatt für den Ureis Gietzen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- stur den folgenden tag erscheinenden Nummer bifl Norm. 10 Uhr

chratisöeilage: chreßener Aamilienökätter.

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Alle Annoncen-Bureaux deS In. und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend Vorträge des Oberhessischen Obstbauvereins.

Sonntag den 29. Januar 1S93, Nachmittags 3 Uhr, im Nathhaus zu Langsdorf Vortrag des Herrn Landwirthsckaftslehrers Neichelt von Friedberg überDie wichtigsten Oberhesffschen Obstsorten und ihre Eigenthümüch. leiten". t

Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues werden hierzu freundlichst eingeladen. Die Herren Bürgermeister von Langsdorf und der Nachbarorte ersuche ich um gefällige ortsübliche Bekanntmachung.

Gießen, den 26. Januar 1893.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins.

____________Nebel, Amtmann._________________

Bekanntmachung.

Der neu gewählte und bestätigte Großh. Beigeordnete Johannes Schwarz von Trohe ist heute als Stellver­treter des Standesbeamten der Gemeinde Trohe verpflichtet worden, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.

Gießen, den 25. Januar 1893.

Großherzogliches Amtsgericht. Fresenius.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Januar. Eine glanzvolle Festwoche findet soeben am deutschen Kaiser Hofe ihren Abschluß und vom deutschen Volke ist an all diesen Festlichkeiten im Geiste freudiger Antheil genommen worden. Haben doch die Vermählung der Prinzessin Margarethe von Preußen, der Lieblingstochter des unvergeßlichen Kaisers Friedrich, und die Feier des 34. Geburtstages Kaiser Wilhelms, im Herzen der Nation einen lebhaften Widerhall gefunden, und darum find beide frohe Ereignisse dem deutschen Volke zum will­kommenen Anlasse geworden, auf's Neue seine Treue und Liebe zu dem verehrten Kaiserhause zu bekunden. Eine un­gewöhnliche große Anzahl fürstlicher Gäste ist in diesen festlichen Tagen am Berliner Hofe versammelt und verleiht demselben durch ihre Gegenwart eine besonders glänzende Umrahmung. Unter den fremden Fürstlichkeiten befindet sich auch der Großfürst-Thronfolger Nicolaus von Rußland, dessen jüngster Besuch in der deutschen Reichshauptstadt allgemein als ein Zeichen wiederPlatz greifender freundlicherer Beziehungen zwischen den Höfen von Berlin und Petersburg und somit hoffentlich auch zwischen den beiderseitigen Reichen betrachtet wird. Kaiser Wilhelm zeichnete den russischen Thronfolger in specieller Weise durch Verleihung der Kette zum Schwarzen Adlerorden aus.

König Albert von Sachsen hat auch während seines jüngsten Aufenthaltes am Berliner Hofe den Reichs­kanzler GrasenEaprivi wiederum in längerer Audienz empfangen. Man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man dieselbe mit der schwebenden Militärfrage in Verbindung bringt.

Die Militärfrage steht in der betreffenden Reichtagsscommission noch immer auf dem alten Fleck. Die ver­bündeten Regierungen zeigen, wie alle Erklärungen des Reichskanzlers bekunden, nach wie vor keine Neigung, in irgend einem Punkte der Militärvorlage nachzugeben, während ander­seits die große Mehrheit der Commission sich nicht dazu verstehen will, die volle Vorlage gutzuheißen. Ein gedeihlicher Abschluß der Commissionsverhandlungen wird darum immer unwahrscheinlicher. Wie übrigens dasBerl. Tagebl." erfahren haben will, wären Verständigungsverhandlungen der National­liberalen und Conseroativen mit der Regierung auf Grund­lage eines jährlichen Recrutenangebotes von 54,000 Mann im Gange (?).

Neueste Nachrichten»

Depeschen detz BureauHerold".

Berlin, 26. Januar. DerBerliner Zeitung" zufolge hielt der Kaiser bei der letzten Cadetienvorstellung eine längere Rede. In deren ersten Theil beschäftigte er sich mit den Pflichten der Offiziere gegenüber den Mannschaften. Der Kaiser ermahnte die in die Armee eintretenden Cadetten, keine Soldatenmißhandlungen zu begehen und empfahl ihnen, obwohl sie jung seien, sich auf ihre große Autorität zu verlassen, die sie besäßen. Der zweite Theil der Rede handelte über die Stellung des Offiziers zum Civil. Der Kaiser sprach den Wunsch aus, die Offiziere möchten sich im Verkehr mit Civilisten, namentlich in öffentlichen Localen, die größte Zurückhaltung auferlegen.

Berlin, 26. Januar. Bei dem Frühstück, welches das Kaiser Alexander-Regiment dem Großfür st- Thronfolger gab, brachte der Kaiser den Toast auf den Czaren aus, hob hervor, daß der Czar nicht nur der Chef des Regiments, sondern vor Allem der Träger der altbewährten monarchisti­schen Traditionen sei. Der Kaiser gedachte ferner der oft erwiesenen Freundschaft, der innigen Bande und intimen Be­ziehungen, welche das russische Kaiserhaus zu seinen Vorgängern stets gehabt habe und deren Erfüllung in früheren Zeiten russische und preußische Regimenter auf dem Schlachtfelde mit dem Blut besiegelten. Der Czarewitsch dankte kurz undchrachte ein Hoch auf den Kaiser und das Regiment aus.

Berlin, 26. Januar. Wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, überbringt Frhr. v. L o e, der Commandirende des 8. Armee­corps, die Glückwünsche des Kaisers zum Jubi­läum des Papstes als Specialgesandter nach Rom.

Berlin, 26. Januar. Die Reichspostverwaltung beab­sichtigt, eine dirccte Fernsprechverbindung Berlin-Köln und Berlin Hannover-Köln einzurichten.

Nietleben, 26. Januar. Gestern erkrankten 4 Per- i sonen, 5 starben. Die Gesammtzahl beträgt bis jetzt 109

Erkrankungen und 38 Tobte. In Trotha erfolgte keine Neuerkrankung.

Wien, 26. Januar. Mehrere Mitglieder des hiesigen Jockehclubs versichern bestimmt, der deutsche Kaiser habe eine Einladung zu einem Zusammentreffen mit dem Fürsten Bismarck angenommen. Dasselbe werde wahrscheinlich im Spätsommer, jedoch weder in Friedrichsruh, noch in Berlin stattfinden.

Lüttich, 26. Januar. Die Ueberschwemmungen infolge Hochwassers nehmen zu. Die Eisenbahnstrecke Lüttich- Limburg steht unter Wasser, sodaß der Dienst eingestellt werden mußte. Zahlreiche Häuser stehen ebenfalls unter Wasser, mehrere Gebäude sind bereits eingestürzt. Die Wäffer sind in verschiedene Kohlenbergwerke eingedrungen.

Cardiff, 26. Januar. Die Krisis nimmt einen heftigen Character an. Sämmtliche Gruben kündigten per 1. März, sodaß 90000 Bergleute arbeitslos werden. Die Verhandlungen sind gescheitert.

Berlin, 26. Januar. Der Großfür st-Thronfolger hat heute Abend den Reichskanzler v. Caprivi in Audienz empfangen. ~

Sitzung der Stadtverordneten

am 26. Januar 1893.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadt­verordneten die Herren Adami, Brück, Faber, Flett, Grüne­wald, Habenicht, Helfrich, Heß, Heyligenstaedt, Keller, Orbig, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Simon, Schmall, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Nach Eröffnung der Sitzung gab Herr Oberbürgermeister Gnauth Kenntniß von dem Eingänge eines Schreibens des Oberhessischen Geschichtsvereins, in welchem dieser sür die durch Bewilligung eines Jahresbeitrages bethätigte wohlwollende Berücksichtigung seines Gesuches seinen Dank abstattet.

Mit der Zunahme der Pferdeschlachtungen hat sich das Bedürfniß zur Vergrößerung des von Anfang an kleinen Schlachtraumes, ingleichen die Errichtung eines be­sonderen Pferdestalles im Schlachthofe ergeben, und hatte deshalb die Schlachthaus-Commission beantragt, den Schlacht­raum zu vergrößern, sowie durch Anlage eines Stalles für 4 bis 5 Pferde der Nothwendigkeit überhoben zu werden, Pferde in den Stall für Großvieh stellen zu müssen. Es wird nach dem von der Commission gestellten Anträge be­schlossen, neben dem bisherigen Pserdeschlachthause ein neues mit einem geräumigeren Schlachtraume und neben dem zum Schlachten von krankem Vieh bestimmten Raume einen Pferde­stall zu errichten. Das bisherige Pferdeschlachthaus soll für anderweitige Verwendung reservirt bleiben. Die Kosten dieser Neuanlage sind generell auf 5400 Mk. veranschlagt.

lieber die beiden Gegenstände der Tagesordnung: Unter­haltung des Schulhauses auf dem Oswalds Berg und Ausbau der Nordanlage wird gemeinsam

Feuilleton.

Wie es in Panama ?uging.

Es ist nur der kleinste Theil der in der Panama-Affaire zu Tage getretenen Korruption, welcher jetzt in Paris ans Tageslicht kommt,- weit ärger so führt der PariserFigaro" aus ging es in Panama selbst zu. Der neueEnthüller" lacht über die in Paris herrschende Aufregung, weil die Gesellschaft dort einige Millionen vergeudet hat, während in Panama selbst Hunderte von Millionen verschwendet wurden. Wer nämlich glaubt, daß man sich wirklich in Panama mit der Durchstechung des Kanals viel beschäftigt, der irrt sich! Freilich fehlte es weder an Menschenkräften, noch an Material ja, es war genug vorhanden, um zwei, drei Kanäle zu bauen. Man fand hier ein ganzes Heer von Ingenieuren (darunter allerdings ziemlich viele frühere Opern­sänger, Finanziers, Unterpräsecten, Commis u. s. w.), ganze Hausen von Maschinen, und zwar kamen jeden Tag bessere, schneller arbeitende, einfachere an, so da-ß die alten in die Rumpelkammer wandern mußten.

Was die Leitung des Unternehmens anbetrifft, so gab es hier 1) die Dircction Generale,- 2) die Administration Generale - 3) L'Entreprise Generale und fünf große Unter­nehmer. Die großen Unternehmer vertheilten ihr Gebiet an verschiedenesous-entreprises (Unter-Unternehmer), diese ihrerseits wieder unter verschiedene Werkmeister und diese

unter einzelne Arbeiter. Und nun begann der Tanz! Ge> arbeitet wurde gar nicht, sondern immer nur Terrain gekauft und dann wieder mit Gewinn verkauft. Leute, die ohne Heller in Panama angekommen waren, kehrten auf diese Weise schon nach sechs bis acht Monaten mit gefüllten Taschen nach Europa zurück, ohne auch eine Schaufel angerührt zu haben. Von Controlle war keine Rede! Wenn die Herren de Lesseps, die Commission der Pariser Handelskammer u. s. w nach Panama kamen, wurden sie mit Triumphbogen, jungen Mädchen in weißen Kleidern, Feuerwerk u. s. w. empfangen. Das genügte, und die Heeren kehrten bann zurück, überzeugt, daß in Panama alles vortrefflich gehe. Uebrigens waren die Herren zu sehr mit Panama in Paris beschäftigt, um sich darum zu kümmern, wie es mit Panama in Panama stand und der dort herrschenden Confusion ein Ende zu machen. Denn Niemand war in Panama auf seinem Platze, Leute, die als Photographen in Panama ankamen, wurden Köche, und aus Ingenieuren wurden Architecten. Jene Unternehmer, welche dazu bestimmt waren, den Kanal auSzugraben, fingen sofort an zu bauen: Palais und Villas zu bauen! Jeden Tag kamen Hunderte von Abenteurern und Vagabunden an, welche nur die- Reise nach Panama gemacht hatten, um sich die Taschen zu füllen. Daher die allgemeine Räuberei und Plünderei! Der Eine rechnete statt 8 Kubikmeter 12, der Andere ließ sich noch Löhne für Arbeiter auszahlen, die schon vor Wochen gestorben waren, aber den Hauptschwindel machten die, welche die Lieferungen und Käufe zu beaufsichtigen hatten.

Um recht viel zu gewinnen, hatten sie ein Interesse daran, recht viel und oft zu kaufen, ja meistens benutzten sie gar nicht das erkaufte Material und bestellten sofort neues! Ganze Ladungen von Material wurden auf diese Weise einfach bei Seite gestellt, vergraben oder verschleppt! Ja, einige machten sich die Sache noch bequemer. Sie sandten einfach dem Exporteur die Maaren zurück und ließen sich dieselbetr. dann nochmals zurückkommen. Man erzählt, daß einmal ein Waggon mit Zinnplatten in dieser Weise dreimal denselben Weg hin und her zurücklegte. Natürlich ließ sich der Exporteur dreimal seine Lieferung bezahlen und der Aufseher der Lieferungen steckte dreimal seine Gebühr ein. Und wie wurde das Material abgeladen? In aller Eile, oft 2300 Meter von seinem Bestimmungsort, und dann blieb es hier liegen oft Jahre lang, und bann war es natürlich keinen Heller mehr werth. Im Jahre 1890 mußte bie mit ber Liquibation betraute Commission Brunei, um gewisse Maschinen, bie fehlten, wieberzufinben, gerabezu toieber beginnen, abzuholzen. Für zehn Millionen Material würbe schließlich als altes Eisen für 240,000 Frcs. verkauft. Ein anberes Mal würbe fünf Meter tief unter ber Erbe eine Locomotive eingegraben gefunben. Sie befanb sich hier in einzelnen Stücken in fünf Kisten verpackt. Die Stücke waren ganz neu und brauchten nur in Stanb gesetzt zu werben. Unb so gings überall zu!

Begreift man jetzt, fragtFigaro", baß bie Panama- Affaire verkracht ist?